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Silber

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Ausbeutetaler des Königreiches Sachsen aus Silber, von 1871 dem letzten geprägtem Jahrgang
Foto und Sammlung: Schluchti

Das sächsische Erzgebirge


Das Kurfürstentum Sachsen zählte zu den reichsten und einflussreichsten Territorien im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Zu verdanken war dies zum wesentlichen Teil dem namensgebenden Reichtum des Erzgebirges an Silber, aber auch an Wismut, Kobalt, Nickel, Zinn, Kupfer und zahlreichen weiteren Bodenschätzen.

Der als essentiell wichtig erkannte Bergbau wurde seit den ersten Silberfunden 1168 in Freiberg von landesherrschaftlicher Seite stets gefördert und führte u.a. zur Gründung so bedeutender Bergstädte wie Freiberg, Schneeberg, Annaberg und Marienberg. Abweichend von dem damals andernorts noch üblichen feudalen Lehnsystem galt in Sachsen die sogenannte Bergbaufreiheit. Jedermann durfte, unabhängig von Eigentum an Grund und Boden, an jedem Ort nach Erz schürfen. Wurde ein Bergmann fündig, meldete er den Fund beim Bergmeister und beantragte das Abbaurecht in einer sogenannte Mutung. Ihm wurde daraufhin ein Neufang verliehen, auf dem weitere Aufschlussarbeiten erfolgen durften. Wenn sich die Abbauwürdigkeit bestätigte, verlieh man dem Bergmann eine Fundgrube von zunächst 7 Lehen (ca. 83 x 12 m) in Erstreckung des Erzganges. Diese konnte später auch erweitert werden.

Das Monopol für den Ankauf des gewonnenen Bergsilbers und das Münzmonopol lagen beim Landesherren. Die landesherrschaftliche Münzstätte kaufte das Silber zu einem festgelegten Preis auf. Dabei erzielte der Landesherr neben dem Bergzehnten auch den Gewinn aus dem Silberankauf. Zudem legte er das Verhältnis des Nominalwertes der geprägten Münzen zum Metallwert fest, und sicherte sich so weitere Einnahmen aus der verbleibenden Differenz, dem Schlagschatz.

Die Blütezeit des erzgebirgischen Silberbergbaus erstreckte sich vom Ende des 12. bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts. Mitte des 16. Jh. war der Höhepunkt des Silberbergbaus überschritten. Die oberflächennahen Erze waren erschöpft und die Erzgewinnung in tieferen Teufen verursachte enorme Kosten und hohen Aufwand. Investoren gab es nur wenige. Der beginnende Boom billigen Silbers aus der Neuen Welt, d.h. aus Südamerika, war nicht zu übersehen. Die Ausbeuten wurden immer geringer und der Dreißigjährige Krieg von 1618 - 1648 brachte in den meisten Revieren einen starken Rückgang und oft die endgültige Schließung so mancher Grube. Aber die Hoffnung starb nicht. Nach dem Dreißigjährigen Krieg gründeten böhmische Glaubensflüchtlinge die Bergstadt Johanngeorgenstadt, welche den Siedlern reichen Silbersegen bescherte.

In der Folge der Jahrhunderte wurde immer wieder auf Silber exploriert und Silberbergbau betrieben. Die Bonanza der spätmittelalterlichen hohen Zeit des Silbers wurde jedoch niemals mehr erreicht. Nach der 1871 erfolgten Umstellung der deutschen Währung auf Gold und nach der Entdeckung riesiger Silbervorkommen in den Vereinigten Staaten und Mexiko verlor das sächsische Silber immer mehr an Wert. Der erzgebirgische Silberbergbau wurde damit bedeutungslos.

Im Laufe des über 800 Jahre dauernden Bergbaus wurden im sächsischen Erzgebirge ca. 6.700 t Feinsilber gefördert. Selbst kleinere Reviere, wie Johanngeorgenstadt und Geyer/Ehrenfriedersdorf lieferten immerhin noch 105 t bzw. 34 t Feinsilber.


Freiberg

Das Freiberger Revier zählt zu den ältesten, den bekanntesten und den ergiebigsten Erzbergbaurevieren Europas. Erstmals wurde die Stadt Freiberg im Jahre 1218 erwähnt, nachdem 1168 in dem Waldhufendorf Christiansdorf am Münzbachtal silberhaltiger Bleiglanz entdeckt wurde. Agricola überliefert die Sage, dass hallesche Salzfuhrleute dieses Erz nach Goslar mitnahmen, wo es sich als silberreich erwies. Markgraf Otto von Meissen, später genannt der Reiche, ließ sich daraufhin von Kaiser Friedrich Barbarossa das Bergregal verleihen. Dank der Bergbaufreiheit und diesen ersten Silberfunden setzte in der Folgezeit ein schwunghafter Bergbau zwischen den drei Dörfern Christiansdorf, Tuttendorf und Berthelsdorf ein. Besonders Bergleute aus Goslar, deren Gruben am Rammelsberg verwüstet worden waren, zog es nach Freiberg. Zum Schutze des aufkommenden Silberbergbaus ließ Markgraf Otto von Meißen die Burg Freiheitsstein errichten, an deren Stelle sich huete Schloss Freudenstein befindet. In Freiberg existierte vor 1190 bereits eine Münzstätte, die bis 1556 Hauptmünzstätte der Markgrafen und später der Kurfürsten war. 1250 lebten in Freiberg schon über 5.000 Menschen, zu jener Zeit eine sehr beachtliche Zahl. Man entdeckte immer weitere Erzgänge und das Revier breitete sich rasch nach Süden und Osten aus.

Anfänglich wurden die reichen Erze der Oxidationszone abgebaut, wozu vor allem Chlorargyrit, Akanthit und gediegen Silber zählten. Ab der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts waren diese oberflächennahen Erze weitgehend erschöpft, und man musste nun mit weitaus höherem Aufwand die Erze in den tieferen unverwitterten Silbergängen abbauen. Hierfür fehlte den Bergleuten und Gewerkschaften zur damaligen Zeit das erforderliche Kapital, sodass sich das Ende der ersten Blütezeit des Freiberger Silberbergbaus abzeichnete. Das Silberausbringen lag noch zwischen 1353 und 1357 bei jährlich 2.500 kg pro Jahr. Mitte des 15. Jahrhunderts war mit einem Ausbringen von ca. 170 kg Silber pro Jahr in der Zeit von 1458 bis 1485 ein Tiefpunkt erreicht.

Eine neue Blütezeit des Freiberger Bergbaus begann gegen Ende des 15. Jahrhunderts mit dem Zustrom von Geldern des erstarkten Bürgertums, und vor allem der reichen Handelshäuser in Leipzig, Nürnberg und Augsburg. Man suchte und fand in den sächsischen Silbergruben neue Anlagemöglichkeiten. So wurden einerseits neue Silberreviere erschlossen, wie die Gründung der Bergstädte Schneeberg ab 1471, Annaberg ab 1496 und Marienberg 1521 belegen. Andererseits wurde in der Folge auch das Freiberger Revier neu belebt. So wurde 1515 der Bergbau nach Süden bis auf den Brand (Brand-Erbisdorf) ausgedehnt. Seit 1524 wurde die Silberförderung dokumentiert und ab 1529 Ausbeutebögen gedruckt. 1542 gründete man das berühmte Freiberger Oberbergamt.

Ab 1632 überrollte der Dreißigjährige Krieg Freiberg und seine Umgebung, in dessen Folge auch der Bergbau vorerst wieder danieder ging. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts kam es langsam zu einem bescheidenen Aufschwung im Freiberger Bergbau. August der Starke, ab 1697 in Personalunion zugleich auch König von Polen, strebte mit Sachsen zur Europäischen Großmacht auf und investierte in den Silberbergbau, welcher hohe Renditen versprach. 1720-1750 erreichten die Freiberger Gruben ein Silberausbringen von 6.000 kg im Jahr. Grund hierfür waren eine neue zentralisierte Verwaltung, Qualifikation der Berg- und Hüttenbeamten und verbesserte Technik. Der Siebenjährige Krieg von 1756 bis 1763 warf den Freiberger Bergbau erneut zurück.

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Freiberg im 18. Jh.
Zeichnung von F.W. Werner, etwa 1730
Archiv: Collector

Erst Mitte des 18. Jahrhundert erfolgte eine Erholung des Bergbaues. Nach dem Hubertusfrieden 1763 wurde Sachsen wirtschaftlich und staatsintern energisch reformiert. Um die Reparationszahlungen zu leisten, musste auch der Bergbau wieder forciert werden. Der Freiberger Bergbau erlebte einen neuen wirtschaftlichen Aufschwung, das Silberausbringen stieg von 3.000 kg im Jahre 1760 auf bereits 11.500 kg im Jahre 1800.

Die Ursachen hiefür waren einerseits das Auffinden neuer Lagerstätten, so z.B. Beschert Glück, Himmelsfürst, Alte Hoffnung Gottes, Kühschacht, Segen Gottes und Herzog August und viele andere. Allein die Himmelsfürst Fundgrube in Brand-Erbisdorf erbrachte von 1710 bis 1896 605.684 kg Silber. Andererseits setzte man zunehmend auch neue Technik ein. 1765 wurde die Bergakademie Freiberg gegründet, welche die dienstälteste montanwissenschaftliche Hochschule der Welt ist und in der Folgezeit Weltruhm erlangte.

Darstellungen des Freiberger Montanwesens

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Hauer vor Ort
Zeichnung von Eduard Heuchler, 1855
Archiv: Collector

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Firstenbau
Zeichnung von Eduard Heuchler, 1855
Archiv: Collector

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Scheidebank
Zeichnung von Eduard Heuchler, 1855
Archiv: Collector

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Pochwerk
Zeichnung von Eduard Heuchler, 1855
Archiv: Collector

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Rohofen
Zeichnung von Eduard Heuchler, 1855
Archiv: Collector

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Treibherd
Zeichnung von Eduard Heuchler, 1855
Archiv: Collector

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Erläuterung zu den nebenstehenden Bildern des Freiberger Silberbergbaus

1. Ansicht der Stadt Freiberg
2. Die Grube Himmelfahrt
3. Gezeugstrecke mit Strecke und Schacht
4. Bergleute im Schacht
5. Scheidebank
6. Trockenpochwerk
7. Walzwerk
8. Setzwäsche

Freiberger Silberbergbau
Darstellung des Bergwerks und der
manuall-mechanischen Aufbereitung
Zeichnung: Wollschläger, W., 1892
Originaldruck in Sammlung: Collector

Durch Sanierung des Berg- und Hüttenwesens ab Anfang des 19. Jahrhunderts stieg die Silberproduktion nach nur noch 10.000 kg im Jahre 1815 auf bis zu 22.000 kg im Jahre 1850 an. Es wurden weiterhin technische Neuerungen eingeführt wie die erste Dampfmaschine im Revier (Reicher Bergsegen) und weitere Wassersäulenmaschinen. Ab 1828 entwickelte sich die Himmelfahrt Fundgrube mit den Schächten Alte Elisabeth, Reiche Zeche, Turmhof, Ludwig Schacht, Morgenstern, Rote Grube u.v.a. zu der größten Erzgrube in ganz Sachsen. Hier wurden von 1752 bis 1890 436.020 kg Feinsilber, 76.451 t Blei, 693 t Kupfer, 2.534 t Zink und 55.636 t Arsen und Schwefel im Gesamtwert von 67.364.235 Mark produziert.

Mitte des 19. Jahrhunderts setzte auch in Freiberg die Industrialisierung ein und beherrschte fortan Freiberg und sein Montanwesen. Durch diesen Prozess war in Freiberg nochmals ein sprunghafter Anstieg der Silberproduktion zu verzeichnen. Im Jahre 1868 werden bereits 32.910 kg Feinsilber gewonnen, bei einer Belegschaftsstärke von ca. 9.200 Bergleuten. Nach diesem Anstieg setzt der Verfall durch billigere Überseeimporte aus Mexiko, Chile und Peru und die Abschaffung der Silberwährung im Deutschen Reich 1871 ein. Durch Raubbau erreichte man 1884 nochmals einen Anstieg und gleichzeitig absoluten Höchststand des Silberausbringens von 35.057 kg Feinsilber.

In den Jahren 1897 - 1907 muss der Sächsische Staat die größten Gruben aufkaufen, um einer drohende Massenarbeitslosigkeit zuvorzukommen. Himmelfahrt, Himmelsfürst, Beschert Glück, Vereinigt Feld und die Junge Hohe Birke gehen in Staatseigentum über. Die Bergwerke wurden mit staatlichen Mitteln saniert und langsam bis 1913 stillgelegt. Nur die Alte Hoffnung Gottes blieb privat und baute bis 1929 weiter ab.

In der Zeit des Nationalsozialismus werden die Gruben Beihilfe und Himmelfahrt gesümpft und zu Produktion auf Blei- und Zinkerze wieder in Betrieb genommen. Vor dem Absaufen bewahrt, überleben beide Bergwerke den 2. Weltkrieg und gehen ab dem 1.8.1946 (Himmelfahrt) und 1.9.1946 (Beihilfe) wieder in Betrieb, später kommt noch die Grube Himmelsfürst dazu. Alle Gruben schließen sich zu dem VEB Bleierzgruben Albert Funk zusammen. Nach dem Absinken der Weltmarktpreise anfangs der 60er-Jahre wird die Stilllegung für den Freiberger Bergbau beschlossen. Am 31.12.1968 (Beihilfe) und am 30.9.1969 (Himmelfahrt, Himmelsfürst) endete der 800-jährige Freiberger Bergbau.

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Einsatz neuer Technologien und Verfahren im
Laufe des beginnenden Industriezeitalters
Ansicht des Amalgamierwerkes Halsbrücke bei
Freiberg (1784 bis zur Schließung 1857)
Stahlstich von Schiffner, um 1850
Archiv: Collector

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Alter Göpel in Brand-Erbisdorf
Ansicht Ende 19./ Anfang 20. Jh.
Archiv: Collector

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Hebehaus der Grube Churprinz bei
Halsbrücke; Blick zum linken Ufer gegen die
Grube Beihilfe
Archiv Collector

Aus dem Freiberger Revier sind über 1.000 Erzgänge bekannt und bebaut worden. Es wurden hier über 200 verschiedene Mineralienspezies gefunden. Das Freiberger Revier ist bekannt für zahlreiche Typlokalitäten von Silbermineralien, wie etwa Argyrodit, Freibergit, Miargyrit, Freieslebenit, Xanthokon und Pyrostilpnit. Silberführend waren besonders die Gänge der Edlen Braunspatformation (eb) und die vor allem an Gangkreuzen auftretende BiCoNi-Formation (Edle Geschicke). Aber auch die kiesig-blendige Bleierzformation (kb) und die Fluor-barytische Formation (fba) lieferten silberhaltige Erze, vor allem silberhaltigen Galenit, aber auch silberhaltige Fahlerze und Zinkblende.

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Abrahamschacht der Himmelfahrt Fundgrube in Freiberg vor 1892
Archiv: Schluchti

Insgesamt sind von 1168 - 1969 im Freiberger Bergbau 4.705.984 t Erz gefördert worden, woraus 5.695 t Feinsilber (220 t nach 1945), 185.187 t Blei (92.187 t nach 1945) und 59.274 t Zink gewonnen wurden.

Weltberühmt ist das Freiberger Revier für seine außerordentlich schönen Stufen von gediegen Silber in Locken bis zu mehreren Dezimeter Länge. Besonders von der Grube Himmelsfürst in Brand-Erbisdorf und der Grube Himmelfahrt in Freiberg sind vor allem im 19. Jahrhundert und Anfang des 20. Jahrhunderts exzellente Schaustufen geborgen worden. Die besondere Ästhetik dieser Stufen liegt darin begründet, dass die Silberlocken oft von einer breiten Basis ausgehend, zunehmend spitz zulaufen und sich dabei nicht selten verzweigen und verdrehen. Dabei entstehen Gebilde, die bei dem Betrachter leicht Assoziationen mit Bäumen oder anderen organischen Gebilden hervorrufen. Paragenetische Begleiter des Lockensilbers sind Karbonate, Quarz und andere Silbermineralien. Nicht selten laufen die Silberdrähte im Laufe der Zeit dunkelgrau bis schwarz an. Bemerkenswerte Einzelstufen sind etwa das schwebend wirkende Lockensilber auf weißer Calcitmatrix von der Grube Himmelsfürst, welches sich in Freiberg in der Sammlung der Bergakademie befindet und auch schon auf Sonderbriefmarken abgebildet wurde, oder der sogenannte Silberne Korkenzieher, eine Stufe, mit zwei kleineren, und einem zentralen, spiralförmig gewundenen Silberdraht von 33 cm Höhe, mit Fundortangabe Freiberg, die sich im Staatlichen Museum für Mineralogie und Geologie in Dresden befindet.


Silber aus dem Freiberger Revier

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Lockensilber - Fund Mitte 1800
Freiberg, Sachsen
Größe: 7,5 x 3,5 cm
Kevin Ward

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Silber mit Arsen - Fund um 1850
Freiberg, Sachsen
Größe: 6 x 6 cm
Foto: Kevin Ward

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Lockensilber - Fund Mitte 1800
Freiberg, Sachsen
Größe: 8 x 6,6 cm
Foto: Kevin Ward

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Lockensilber - Fund Mitte 1800
Freiberg, Sachsen
Foto: Kevin Ward

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Lockensilber
Grube Himmelsfürst, Brand-Erbisdorf
Revier Freiberg, Sachsen
Größe: 5 x 4 cm
Foto: Rob Lavinsky

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ged. Silber in Baumform, Fundjahr 1848
Stufe: 5 x 3,5 cm
Gang Kalb Stehender, Grube Himmelsfürst, Brand-Erbisdorf, Erzgebirge.
Foto: Thomas Uhlig
Sammlung: Hans-Günther Penndorf

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Lockensilber
Grube Himmelsfürst, Brand-Erbisdorf
Revier Freiberg, Sachsen
Größe: 8,8 x 5,7 cm
Foto: Rob Lavinsky

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Silber - Fund um 1850
Freiberg, Sachsen
Größe: 12,7 cm
Foto: Kevin Ward

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Silber mit Akanthit
Freiberg, Sachsen
Ex collection Obodda, ex collection Freilich
Größe: 8,7 x 8 cm
Foto: Kevin Ward

Literatur zum Freiberger Bergbau und seinen Mineralien

  • Baumann, Hofmann, Weber, 1997; Glückauf Freiberg, Haltern
  • Baumann, Kuschka, Seifert, 2000; Lagerstätten des Erzgebirges, S. 88 ff., Stuttgart
  • Dietrich, Maruschke, 2009; Die Grube Himmelsfürst: Sachsens reichstes Silberbergwerk, Erfurt
  • extraLapis No. 36 - Freiberg
  • Freiesleben, 1847; Vom Vorkommen der Silbererze in Sachsen, In: Magazin für die Oryktographie von Sachsen, 13. Heft, S. 6 ff., Freiburg
  • Frenzel, 1874; Mineralogisches Lexicon für das Königreich Sachsen, Leipzig
  • Mohs, 1804; Beschreibung des Gruben-Gebäudes Himmelsfürst, ohnweit Freyberg im sächsischen Erzgebirge, Wien
  • Sansoni, 1972; Der ehemalige Silberbergbau im Freiberger Revier und seine Bedeutung für die Weltsilberproduktion, In: Der Aufschluss, Jahrgang 23, H. 5, 155-159, Heidelberg
  • Quellmalz, 1992; Das "silberne Erzgebirge", In: Reiches Erz, Katalog der Mineralientage München 1992, S. 50 ff.
  • Wagenbreth, Wächtler, 1986; Der Freiberger Bergbau - Technische Denkmale und Geschichte, Leipzig

Schneeberg

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Schneeberg um 1630
Zeichnung von Mathias Merian
Archiv: Collector BILD:1218017959

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Derselbe Herzog Albrecht in einer romantischeren
jedoch nicht originalgetreuen Darstellung
als Lithographie von W. Ulrich nach einer
Zeichnung von Ludwig Richter, etwa um 1850
Archiv: Collector

Herzog Albrecht an der Silbertafel in
der St. Georg-Fundgrube
Eine der ältesten Darstellungen aus
der Schneeberger Stadtchronik
"Historia Schneebergernsis Renovata"
Bild von Christian Meltzer, 1716
Archiv: Collector

In der Umgebung von Schneeberg-Neustädtel wurde seit etwa 1350 Zinnbergbau und auf dem Schneeberg ab etwa 1450 Wismutbergbau betrieben. Silberfunde gab es auf der 1453 verliehenen Alten Fundgrube zunächst nur in bescheidenem Umfange. Erst im September 1470 wurde in der Neuen oder Rechten Fundgrube erstmals Silbererz in nennenswertem Umfang gefunden. In der Zeit vom 6. Oktober 1471 bis 25. Dezember 1471 brachte diese Grube bereits 1,43 t Silber aus. Diese Funde, genau zu der Zeit, in der der gesamte Freiberger Bergbau mit nur 170 kg Jahresausbringen an Silber eine erste Krise erlebte, verursachten ein lautes Berggeschrei und einen gewaltigen Zustrom von Bergleuten. Dies führte 1471 zur Gründung der Siedlung Schneeberg, die bereits am 9. Dezember 1481 das Stadtrecht erhielt. Die Neue Fundgrube lieferte 1472 bereits 6,8 t und 1474 dann 7,5 t Silber. 1472 wurde um die Alte Fundgrube, die Neue Fundgrube und die St. Georg Fundgrube eine hölzerne Begrenzung zum Schutz der Gruben und der Siedlung gebaut. Die Intensivierung des Bergbaus in Schneeberg führte dazu, dass bereits 1477 innerhalb dieser Begrenzung 56 Gruben und außerhalb 176 Gruben in Betrieb gewesen sein sollen.

Anfang 1477 kam es auf der Grube St. Georg zu dem legendären Großen Silberfund von Schneeberg. Man entdeckte hier auf einer Scharung und Kreuzung von ca. 12 Silbererzgängen eine Silbererzmasse, die eine Ausdehnung von 2 m Mächtigkeit und 4 m Höhe gehabt haben soll. Stufen von diesem Fund befinden sich im Staatlichen Museum für Mineralogie und Geologie Dresden. Herzog Albrecht der Beherzte soll, einer später entstandenen Legende nach, aus diesem Anlass die St. Georg Fundgrube befahren und mit seinem Gefolge untertage an einem aus dem Erz gehauenen Silbernen Tisch von 2 x 2 x 1 m getafelt haben. Aus diesem Fund sollen angeblich 18 t Silber geschmolzen worden sein. Neuere Forschungen beurteilen die Ergiebigkeit des legendären Silberfundes jedoch kontrovers. So wird darauf hingewiesen, dass für die St. Georg Fundgrube 1477 lediglich ein Gesamtausbringen von 14 t Silber überliefert ist und dieser Silberfund sich eher im Bereich von 2 t bewegt haben soll. Ungeachtet der späteren Legendenbildung steht jedoch fest, dass man im näheren Umfeld des legendären Silberfundes die wohl größte Silbermasse des Erzgebirges angefahren hatte. In einer recht kleinen Zone von 120 m Länge und 50 - 180 m Tiefe wurden aus der Alten Fundgrube, der Neuen Fundgrube und der St. Georg Fundgrube in den Jahren 1470 bis 1483 zusammen 70,6 t Silber gewonnen. 1516 stürzten die gewaltigen Abbauhohlräume ein und es entstand die untertägige sogenannte Große Wand.


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Zimmerhaus, Vorratskammer und Huthaus (v.l.n.r) der Grube Daniel in Schneeberg/ Neustädtel
Foto: Schluchti

Der Silberbergbau weitete sich in der Folgezeit auch auf den Bereich von Neustädtel aus. Zunehmende Probleme mit der Wasserhaltung führten ab 1481 zur Errichtung des Tiefen Fürstenstollens. Schon ab 1487 ging die Silberförderung jedoch merklich zurück. Gleichzeitig wurde aber in der Zeit von 1485 bis 1510 der bedeutendste Kupfererzgang Sachsens am Fuße des Schneeberger Stadtberges entdeckt und abgebaut. Ab 1503 begann auch der Vortrieb des Markus-Semmler-Stollens als Entwässerungsstollen vom Tal der Zwickauer Mulde in Niederschlema aus. Der Markus-Semmler-Stollen als wichtigste Lebensader des späteren Schneeberger Bergbaues wurde zunächst in Richtung der Kupfergruben König David und Nicol Schmids Lehen, und später weiter in Richtung Schneeberg und Neustädtel getrieben.

Seit 1513 reduzierte sich das Silberausbringen weiter und geriet in eine erste Krise von 1521 bis 1533. Trotz zwischenzeitlicher Belebung ab 1533 fiel die Silberförderung in der Folgezeit bis etwa 1575 immer weiter zurück und wurde ab Ende des 16. Jahrhunderts zunehmend vom Kobaltbergbau abgelöst. Der Abbau von Kobalterzen, die zur Herstellung der berühmten blauen Safflor-Farbe verwendet wurden, die das blaue Venediger Glas, die Delfter Kacheln und das Meißner Porzellan zierten, sollte vom 17. bis Anfang des 19. Jahrhunderts den Bergbau in Schneeberg dominieren. Für die Herstellung von blauer Farbe hatte Sachsen ab Mitte des 17. Jahrhunderts für ca. 150 Jahre eine Monopolstellung. Erst mit Aufkommen des billigen Ultramarins und einer allgemeinen Wirtschaftskrise 1847 geriet der Kobaltbergbau in Schneeberg in Rückgang.

Dies wurde jedoch ab Mitte des 19. Jahrhunderts durch eine steigende Nachfrage nach Wismut und Nickel kompensiert. Ab 1868 übertrafen die Erlöse aus der Wismutgewinnung die Erlöse aus der Kobaltproduktion. Besonders auf der Grube Weißer Hirsch lieferte der Katharina Flache von 1882 bis 1899 reiche und massive Wismuterze. Auf dem Walpurgis Flachen dieser Grube gelang im März 1871 dem damaligen Schichtmeister Otto Richard Tröger, der später zum Oberbergrat ernannt wurde, ein als Jahrhundertfund bekannt gewordener einmaliger Fund von Uranmineralien, der zur Entdeckung von nicht weniger als fünf neuen Mineralien führte. Ab 1894 geriet der Schneeberger Bergbau durch sinkende Wismutpreise wieder in eine Krise. Die Folgezeit war von einem stetigen Rückgang des Bergbaus geprägt, der 1931 kurzzeitig ganz eingestellt wurde. Ab 1935 wurden wieder in geringerem Umfange BiCoNi-Erze abgebaut. Zwischen 1945 und 1956 wurden durch die SAG, später SDAG Wismut schließlich noch etwa 210 t Uran gefördert, dann aber der Bergbau in Schneeberg aufgegeben.

Insgesamt wurden im Schneeberger Bergbau rund 255 t Feinsilber und 77.500 t Wismut- und Kobalterze gewonnen. Bedeutung in mineralogischer Hinsicht hat das Schneeberger Revier vor allem durch seinen Mineralreichtum erlangt. Es gehört mit bislang ca. 290 nachgewiesenen Mineralien zu den mineralreichsten Revieren der Welt und ist für 40 Mineralien Typlokalität.

Gediegen Silber kam in Schneeberg in zahlreichen Formen, etwa in Drähten, moosartig, in Zähnen und in Blechen vor. In der Grube Priester und Leviten barg man Stufen mit bis zu 40 cm langen Silberdrähten. 1838 wurden oktaederförmige Silberkristalle bis über 1 cm Größe gefunden. In der Grube Weißer Hirsch kamen mit Haarsilber gefüllte Drusen vor, aus denen man das Material kübelweise gewann. Bemerkenswerte Einzelstufen sind etwa das sogenannte Silberne Kreuz, eine 19,5 x 15 cm große, in Form eines Kreuzes gewachsene Drahtsilberstufe von der Bergkappe Fundgrube, die bereits vor 1629 gefunden worden sein muss. Ebenfalls bemerkenswert ist eine bizarre Drahtsilberstufe von der Grube Priester und Leviten, die 16 x 12 x 8,5 cm groß und über 2 kg schwer ist. Beide Stufen befinden sich im Staatlichen Museum für Mineralogie und Geologie in Dresden.

Gute Lockensilberstufen von über 10 cm Größe von Schneeberg sind heutzutage kaum noch am Markt erhältlich und werden, wenn sie auftauchen, wegen ihrer größeren Seltenheit meist zu höheren Preisen als Freiberger Silberstufen gleicher Größe gehandelt. Bereits Anfang der 1990er Jahre wurden etwa für eine über 10 cm große Schneeberger Prachtstufe von einem amerikanischen Händler eine sechsstellige Dollarsumme geboten. Kleinere Belegstufen mit Lockensilber auf Matrix lassen sich aber auch heute noch mit etwas Glück recht preisgünstig auf Börsen finden.

Silber aus dem Schneeberger Revier

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Prächtige Silberstufe von Schneeberg
Größe: 4,5 cm
Sammlg. und Foto: Peter Haas

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Feines Gespinst aus Silberlocken
Grube Daniel, Schneeberg, Sachsen
Größe: 6,5 x 4,5 cm
Foto: Dan Weinrich

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Silber, gediegen auf Akanthit
Stufengröße: 11,5 x 8,5 x 6 cm
Grube Weißer Hirsch, Schneeberg, Erzgebirge, Sachsen
Foto: Jörg Wittig
Sammlung: Hans-Günther Penndorf

  • Baumann, Kuschka, Seifert, 2000; Lagerstätten des Erzgebirges
  • Freiesleben, G., 1847; Vom Vorkommen der Silbererze in Sachsen, In: Magazin für die Oryktographie von Sachsen 13
  • Frenzel, 1874; Mineralogisches Lexicon für das Königreich Sachsen, Leipzig
  • Hoppe, O., 1908; Der Silberbergbau zu Schneeberg bis zum Jahr 1500. Dissertation Freiberg
  • Kugler, Der Silberfund und das unterirdische Gastmahl 1477 in Schneeberg - Legende oder Wirklichkeit, Rundbrief Agricola-Forschungszentr. Chemnitz Bd. 8, 3-12
  • Lahl, 2005; Von 1470 bis 1956: Der Schneeberger Bergbau. LAPIS 7/8, 13 ff.
  • Link, M., 1999; Streifzug durch die eindrucksvolle 500-jährige Geschichte eines Silberbergwerks. Eigenverlag Schneberg
  • Massanek, Michalski, 2005; Die Mineralien des Schneeberger Reviers. LAPIS 7/8, 41 ff.
  • Rickwood, 1966; The largest crystals. American Mineralogist 66, 885 ff
  • Thalheim, 2005; Berühmte Silberstufen aus Schneeberg. LAPIS 7/8, 74 ff.
  • Thalheim, 2005; Der Schneeberger Silberfund von 1477. LAPIS 7/8, 24 ff.
  • Quellmalz, H., 1992; Das "silberne Erzgebirge", In: Reiches Erz, Katalog der Mineralientage München 1992, S. 50 ff.
  • Wagenbreth, Wächtler, 1990; Der Bergbau im Erzgebirge - Technische Denkmale und Geschichte, 207 ff.

Annaberg

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Ansicht von Annaberg-Buchholz 1605
Zeichnung von Paul Jenisius, aus
Annaberg Misuiae Urbis Historia
Archiv: Collector

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Alte Silbererzhalden bei Annaberg-
Buchholz, Ende 19. Jh./Anf. 20. Jh.
Bildautor unbekannt
Archiv: Collector

Am 28. Oktober 1491 entdeckte der Frohnauer Tagelöhner Kaspar Nicelt am Schreckenberg bei Frohnau einen Silbererzgang. An dieser Stelle wurde daraufhin die später so genannte Alte Fundgrube gemutet. Die ersten Silberlieferungen wurden ab Ende Oktober 1492 verzeichnet. In der Folgezeit kamen rasch zahlreiche weitere Gruben in dieser Gegend hinzu. In der Anfangszeit des Frohnauer Silberbergbaues wurde vor allem auf einem Gangzug gebaut, der im Schreckenberg später als Bergmännisch Glück Flacher bezeichnet wurde, sich aber auch über den Schottenberg und bis nach Kleinrückerswalde fortsetzte. Am 21. September 1496 wurde auf Geheiß des Herzogs Georg die Neustadt am Schreckenberge gegründet, die bereits 1497 das Stadtrecht erlangte, 1498 das Münzrecht und 1501 von Kaiser Maximillian den Namen St. Annaberg erhielt. Schon 1497 konnte Annaberg das zu dieser Zeit führende Schneeberg in der deutschen Silberförderung übertreffen.

Es begann ein rascher Aufstieg des Annaberger Bergbaues. Ab 1498 war Annaberg auch das Zentrum der albertinisch-sächsischen Bergbauverwaltung mit Sitz des obersten Bergmeisters. Ebenfalls noch 1498 wurde die Frohnauer Münzstätte eröffnet, die bis 1547 die berühmten Schreckenberger (3 Groschen Münzen, auch Engelsgroschen genannt) prägte. 1499/1500 erließ Herzog Georg die älteste deutsche gedruckte Bergordnung, die Schreckenberger Bergordnung. Weitaus bedeutender für den gesamten sächsischen Bergbau wurde aber die 1509 erlassene Annaberger Bergordnung. Seit 1511 wurde sie vom obersten sächsischen Berggericht für alle sächsischen Reviere als verbindlich erklärt. Die Annaberger Bergordnung war Vorbild für zahlreiche mitteleuropäische Bergordnungen.

Welche Bedeutung der Annaberger Silberbergbau hatte, lässt sich daran ermessen, dass zwischen 1497 und 1539 etwa ein Drittel des in Deutschland geförderten Silbers aus Annaberg kam. Annaberg wurde erst 1520 von St. Joachimsthal und 1539 von Marienberg im Silberausbringen übertroffen. Berühmt wurde der Rechenmeister Adam Ries, der zwischen 1523 und 1559 in Annaberg als Rezeßschreiber und später Gegenschreiber im Bergamt Annaberg wirkte und in seinen deutschsprachigen Büchern die Grundlagen des modernen Rechnens einem weiten Kreise zugänglich machte.

1501 gründete Kurfürst Friedrich der Weise als Oberhaupt der konkurrierenden ernestinischen Linie die Bergstadt St. Katharinaberg am Buchholz, woraus sich das spätere Buchholz entwickelte, welches 1945 mit Annaberg zu einer Stadt vereinigt wurde. Der Bucholzer Bergbau brachte jedoch nur etwa 10 % des Annaberger Bergbaues an Silber aus. Dies waren von 1501-1547 ca. 22,5 t, von 1548 - 1600 ca. 12,1 t und von 1601 - 1653 ca. 0,6 t. Dieses Bergrevier wurde 1547 Annaberg zugeordnet.

Der Annaberger Silberbergbau ging nach hervorragendem Ausbringen von ca. 223 t Feinsilber in den Jahren 1492 - 1550 ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts bereits merklich zurück. Bis zum Ende des 16. Jahrhunderts fielen die Ausbeuten deutlich ab. In der Zeit von 1551 - 1600 wurden nochmals ca. 63,9 t Feinsilber gewonnen. Im gesamten 17. Jahrhundert waren es dann lediglich nur noch 1,2 t. Ab 1730 gab es eine Erholung, die in der Zeit von 1701 bis 1850 immerhin noch 20,4 t Feinsilber erbrachten. 1892 wurden dann jedoch die letzten Gruben im Annaberger Revier stillgelegt. Zwischen 1947 und 1959 ging im Annabergerg Revier nochmals kurzzeitig der Uranbergbau der SAG bzw. SDAG Wismut um. Insgesamt hat der Annaberger Bergbau 350,26 t Feinsilber hervorgebracht.

Gediegen Silber kam in Annaberg im Vergleich zu den anderen sächsischen Silberrevieren nur untergeordnet vor. Stufen mit gediegen Silber von Annaberg sind recht selten.

Literatur zum Annaberger Bergbau und seinen Mineralien

  • Baumann, Kuschka, Seifert, 2000; Lagerstätten des Erzgebirges, S. 159 ff., Stuttgart
  • Frenzel, 1874; Mineralogisches Lexicon für das Königreich Sachsen, Leipzig
  • Lahl, 1992; Die Geschichte des Annaberger Bergbaus, In: LAPIS 12, S. 14 ff.
  • Wagenbreth, Wächtler, 1990; Der Bergbau im Erzgebirge - Technische Denkmale und Geschichte, S. 236 ff., Leipzig

Marienberg

Marienberg liegt im Zentrum eines historisch einst bedeutenden Bergbaureviers, welches sich vom Zschopautal im Westen bis hin zum Pockautal im Osten erstreckte. Die Lagerstätte ist polymetallisch, die wichtigste Vererzungstypen waren die BiCoNiAg-Formation mit gediegen Wismut, gediegen Silber, Argentit und Pyrargyrit. Im Süden und Südosten lagen Zinn-Wolfram-Vererzungen mit Galenit, Sphalerit, Kassiterit und Chalkopyrit.

Der Bergbau in der Gegend von Marienberg geht vermutlich bis in das 13./14. Jahrhundert zurück. Bereits seit 1290 sind die Waldenburger Brakteaten mit Wolkensteiner Wappen geprägt worden und seit 1323 ist eine Münzstätte in Wolkenstein überliefert. Damit ist ein früher Silberbergbau in der Gegend von Marienberg/Wolkenstein wahrscheinlich. Nachdem im Jahre 1519 durch Clement Schmidt, auch Schiefel genannt, ein reicher Silbererzgang im Hüttengrund nordöstlich des späteren Marienbergs erschürft wurde, mutete er dort die St. Fabian Sebastian Fundgrube. Dies bewegte Herzog Heinrich zur planmäßigen Anlage und Gründung der Stadt Marienberg, mit deren Errichtung 1521 begonnen wurde, und die 1523 das Stadt- und Bergrecht verliehen bekam. Mit dem beginnenden Rückgang des Silberausbringens der Annaberger Gruben blühte das Marienberger Revier auf.

Nachdem in der Anfangszeit zwischen 1520 und 1525 lediglich durchschnittlich 64 kg Silber pro Jahr gewonnen wurden, stieg das Ausbringen im Jahresdurchschnitt der Jahre 1526 bis 1530 auf 156 kg, zwischen 1531 und 1535 auf 811 kg und erreichte in den Jahren 1536 bis 1540 schließlich einen Jahresdurchschnitt von 5,1 t. Ab 1539 wurde Annaberg in der Silberförderung überflügelt. Das Jahr 1540 war das ertragreichste Jahr des Marienberger Bergbaues, in dem aus 559 Gruben rund 10,8 t Feinsilber ausgebracht wurden. Nachdem die oberflächennahen Reicherze erschöpft waren, ging das Ausbringen ab 1560 zurück und die Wasserhaltungsprobleme des nun tiefer gehenden Bergbaues nahmen zu, was zu einem fast völligem Niedergang des Silberbergbaues bis etwa 1600 führte. Ab 1600 war vor allem die Gewinnung von Silber als Nebenerz des Kupferbergbaues im Kiesholz und östlich von Marienberg und zunehmend der Zinnbergbau von Bedeutung. Der Dreißigjährige Krieg fügte jedoch auch hier dem Bergbau schwere Schäden zu, sodass am Ende alle Gruben bis zu den Stollen abgesoffen waren.

Von landesherrschaftlicher Seite wurde ab 1650 auf eine Wiederaufnahme des Bergbaus gedrängt, was jedoch vor allem den Zinn- und Kupferbergbau wieder belebte. Der Silberbergbau blieb künftig relativ unbedeutend, hatte aber in der Zeit von 1768 bis 1800 mit einem Silberausbringen von ca. 17,5 t nochmals einen kurzzeitigen Aufschwung zu verzeichnen. 1904 wurde mit der Grube Vater Abraham die letzte Marienberger Grube geschlossen. Von 1947 bis 1954 betrieb die SAG Wismut kurzzeitig Uranbergbau im Revier. Der Marienberger Bergbau hat etwa 215 t Feinsilber geliefert.

Literatur zum Marienberger Bergbau und seinen Mineralien

  • Baumann, Kuschka, Seifert, 2000; Lagerstätten des Erzgebirges, S. 147 ff., Stuttgart
  • Bogsch, W., 1933: Der Marienberger Bergbau in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Glück Auf Verlag, Schwarzenberg.
  • Freiesleben; 1847; Vom Vorkommen der Silbererze in Sachsen, In: Magazin für die Oryktographie von Sachsen, 13. Heft, S. 34 ff., Freiburg
  • Frenzel, 1874; Mineralogisches Lexicon für das Königreich Sachsen, Leipzig
  • Wagenbreth, Wächtler, 1990; Der Bergbau im Erzgebirge - Technische Denkmale und Geschichte, S. 258 ff., Leipzig
  • Zimmermann, R., 1904: Die Mineralien der sächsischen Erzlagerstätten. XXII: Marienberg. Monatsschrift für Mineralien-, Gesteins- und Petrefaktensammler 2 (H. 2 - 3), 1-3, Rochlitz

Schlema - Alberoda - Hartenstein

Die Anfänge des Bergbaus im Schlematal gehen vermutlich bis in das 14. Jh. zurück. Hier wurde bereits vor Beginn des Schneeberger Silberbergbaus auf Eisen, Kupfer und auch Silber (1446 in Niederschlema Grube Silberwaage) Bergbau betrieben. Im Jahre 1503 begann man zur Wasserlösung des Schneeberger und Oberschlemaer Bergbaus den Markus-Semmler-Stollen vom Tal der Zwickauer Mulde aus in Richtung Schneeberg zu treiben. Bis in das 19. Jh. hatte der Markus-Semmler-Stollen eine Länge von 44 km inkl. seiner Flügel und Nebenörter erreicht. Im Zuge von intensiven Untersuchungen im Markus-Semmler-Stollen in den Jahren 1908 bis 1911 wurden starke radioaktive Quellen entdeckt, die im Jahre 1918 zur Begründung des Radiumbades Oberschlema führten, welches innerhalb kurzer Zeit Weltruf erlangte.

BILD:1204100158 Geologische Übersichtskarte des Lagerstättenfeldes Schneeberg-Schlema-Alberoda

Das Lagerstättenrevier Schlema-Alberoda-Hartenstein schließt im Bereich der namensgebenden Ortschaften Schlema, Alberoda, einem Ortsteil von Aue, und Randbereichen von Hartenstein unmittelbar nordöstlich an das klassische Schneeberger Lagerstättenrevier an. Von diesem wird es durch die von NW nach SO verlaufende Störung Roter Kamm abgetrennt. Zusammen bilden die Lagerstättenreviere Schneeberg und Schlema-Alberoda-Hartenstein das Lagerstättenfeld Schneeberg-Schlema-Alberoda, welches an die von NW nach SO verlaufende Tiefenstörungszone Gera-Jàchymov und die von NE nach SW kreuzende Randstörung des Zentralsächsischen Lineaments, letztere im Bereich des Lagerstättenfeldes intensiv als Lößnitz-Zwönitzer Synklinalzone ausgeprägt, gebunden ist. Trotz der engen Nachbarschaft gibt es teils deutliche Unterschiede in der Gangmineralisationen der Lagerstättenreviere Schneeberg und Schlema-Alberoda-Hartenstein.

Seinerseits untergliedert sich das Lagerstättenrevier Schlema-Alberoda-Hartenstein nochmals in die Lagerstätten Oberschlema und Niederschlema-Alberoda-Hartenstein. Oberschlema und Niederschlema waren bis 1952 eigenständige Ortschaften. Beide Lagerstätten werden durch die von NW nach SO verlaufende mineralisierte Störung Schwerin getrennt.

Nach dem 2. Weltkrieg war wiederum der Markus-Semmler-Stollen 1945 Ausgangspunkt für die Uranerzerkundung der sowjetischen Militärs. Nachdem man in der Folgezeit auf oberflächennahe abbauwürdige Uranvererzungen gestoßen war, begann man vom Markus-Semmler-Stollen und dem Gallus-Stollen aus die Lagerstätte Oberschlema zu erschließen. Alsbald wurden auch die ersten Schächte abgeteuft, die 1947 allesamt das Niveau der Markus-Semmler-Sohle (MSS) oder teilweise bereits die -60 m Sohle erreichten. Alle Sohlenangaben in den Lagerstätten Oberschlema und Niederschlema-Alberoda-Hartenstein wurden und werden bis heute auf die Markus-Semmler-Sohle (+330 m NN.) als markscheiderische 0-Sohle bezogen. Allein auf dem Niveau der Markus-Semmler-Sohle wurden Grubenbauten mit einer Gesamtlänge von rund 170 km aufgefahren.

Das Ortsbild des Radiumbades Oberschlema wurde bald vollständig durch Schürfe, Schächte und Halden geprägt. Insgesamt wurden in der Lagerstätte Oberschlema bis 1958 über 35 Tagschächte und Stollen auf 22 Sohlen ca. 1.820 km Vorrichtungsgrubenbaue und 192 km horizontale Ausrichtungsgrubenbaue aufgefahren. Zum 1.4.1958 wurde das Objekt 02 aufgelöst und die Restvorräte dem Objekt 09 (Niederschlema-Alberoda) zugeordnet.


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Förderturm und Teile des Geländes von Schacht 371
Foto: Schluchti

Gegen Ende der 1950er Jahre verlagerte sich der Bergbau zunehmend in die Lagerstätte Niederschlema-Alberoda, die seit Ende der 1940er Jahre erkundet, zunehmend durch Schächte erschlossen wurde und sich als größte Urangangerzlagerstätte Europas entpuppen sollte. Das Grubengebäude wurde über 28 Tagesschächte und Stollen in 6 Kaskaden mit insgesamt 47 Gewinnungs- und 12 Wettersohlen bis auf die -1800 m Sohle aufgefahren. Damit hatte man hier über den von 1984 bis 1986 abgeteuften Blindschacht 383IIIb, der die -1800 m Sohle erschloss, den tiefsten Schacht Europas.

Schon Ende der 1980er Jahre war aber das Abnehmen der Vererzung mit zunehmender Teufe und gleichzeitig der zunehmende Aufwand für die Bewetterung und Wetterkühlung absehbar, sodass bereits Pläne für eine Einstellung der Uranerzförderung erarbeitet wurden. Die Wiedervereinigung und damit einhergehend die geänderten politischen Grundvoraussetzungen, sowie die Weltmarktpreise für Uran beschleunigten dann jedoch die Einstellung des Uranerzbergbaus aus wirtschaftlichen Gründen. Mit Einstellung der Uranerzförderung 1991 begann die Verwahrung und teilweise Beseitigung der zahlreichen Hinterlassenschaften des Bergbaus im Revier. Das Grubengebäude mit insgesamt ca. 4.200 km aufgefahrenen horizontalen Grubenbauten und einem Hohlraum von rund 41 Mio. m3 wird bis zur Markus-Semmler-Sohle als natürlichen Überlauf geflutet und die Halden werden saniert und rekultiviert.

Insgesamt wurden aus der Lagerstätte Oberschlema 7.098,9 t und aus der Lagerstätte Niederschlema-Alberoda-Hartenstein 73.105,5 t Uranmetall gewonnen.

Obwohl der Abbau von Uranerz klar im Vordergrund stand, wurden von 1957 bis 1978 und von 1984 bis 1988 auch sogenannte Nebenerze wie BiCoNi-Erze, Selenide, Blei- und Kupfererze aber auch gediegen Silber und Silbererze gefördert. 1957 bis 1959 gewann man in geringem Umfang Silber aus Bleierzen, 1960 bis 1963 wurden Proustit, gediegen Silber und andere Silbererze aus Gängen der BiCoNi-Formation abgebaut. In der Ostflanke der Lagerstätte Niederschlema-Alberoda-Hartenstein entdeckte man unterhalb der -1305 m Sohle bis zur -1710 m Sohle 1983 eine reiche Silbervererzung. Erkundungsarbeiten auf Silber in den Jahren 1984 und 1985 und Vorratsberechnungen beziffern dieses Silbervorkommen auf 206.614 t Erz mit einem Gehalt von 126,21 t Feinsilber. Aus diesem Vorkommen wurden jedoch von 1984 bis 1988 lediglich 146,1 t Erz mit einem Silbergehalt von 3,96 t Silber abgebaut. Andere Quellen sprechen von 14,6 t Erz mit einem Silbergehalt von 5,2 t Silber. Insgesamt wurden aus der Lagerstätte Niederschlema-Alberoda-Hartenstein 6,3 t Feinsilber gewonnen.

Gediegen Silber bildete in den Lagerstätten Oberschlema und Niederschlema-Alberoda-Hartenstein sowohl lockenförmige Drähte, als auch moos- und blechartige Aggregate sowie Dendriten. Drahtsilber kam dabei in bis zu 5 cm langen Locken vor allem auf den oberen Sohlen auf den Gängen Freital, Jubiläum, Neiwa, Warnow und Brahmaputra vor. Hier wurden Stufen bis zu mehreren Quadratdezimeter Größe geborgen, die voll besetzt mit freistehenden Silberlocken waren. Begleiter waren hier oft Karbonate, Akanthit, und Stephanit, sowie weitere Minerale der BiCoNi-Formation. Eine besondere Seltenheit waren Pseudomorphosen von gediegen Silber nach bis zu 4 cm langen vermutlichen ehemaligen Proustitkristallen. Aus den tieferen Sohlen, insbesondere aus dem Silbervorkommen zwischen der -1305 m Sohle und der -1710 m Sohle in der Ostflanke stammen zahllose Stufen von dendritenförmig gewachsenem Silber in und auf gediegen Arsen. Bei diesen Stufen, die eine sehr große Ähnlichkeit zu denen aus Pöhla zeigen, wurde zumeist mit Wasserstoffperoxid ein Teil des Arsens weggelöst, um die Silberdendriten herauszuarbeiten. Hierbei zeigt das frische Silber einen herrlichen Kontrast zu dem schwarzen Arsen. Begleitet wird das Silber hier nicht selten von Proustit und anderen Mineralien der BiCoNi-Formation.


Silber aus dem Revier Schlema-Alberoda-Hartenstein

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ged. Silber mit Stephanit xx und Akanthit xx
Stufe: 8,5 x 7 x 3 cm
-585 m Sohle, Gang Brahmaputra, Schacht 366, Alberoda, Erzgebirge.
Foto: Thomas Uhlig
Sammlung: Hans-Günther Penndorf

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gediegen Silber als dicht gestrickte Dendriten, massives Stück
Stufengröße: 9 x 7 x 2,5 cm
-1395 m Sohle, Schacht 371, Hartenstein
Foto und Sammlung: Thomas Uhlig

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Gefiederte-fedrige Silberaggregate auf Arsen
Schacht 186, Alberoda, Erzgebirge
Größe: 5 x 8,5 cm
Foto: Christiane David

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Silberdendriten auf Skutterudit und
gediegenem Arsen (herausgeätzt)
Halde Schacht 371, Hartenstein
Erzgebirge, Sachsen
Sammlg. und Foto: geomueller

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Idealtypisches Lockensilber
Stufengröße: 5,6 x 4,8 x 3,5 cm
Gang Newa, -300 m Sohle, Schacht 66, Niederschlema, Erzgebirge
Foto: Thomas Uhlig
Sammlung: Hans-Günther Penndorf

Literatur zum Bergbau in Schlema - Alberoda - Hartenstein und seinen Mineralien

  • Baumann, Kuschka, Seifert, 2000; Lagerstätten des Erzgebirges, S. 195 ff. und 204 ff., Stuttgart
  • Hamann, Hamann, Schröder, Lipp, 1990; Der Uranerzbergbau der SDAG-Wismut im Raum Schneeberg-Aue-Schlema und seine Mineralien, In: Mineralienwelt Heft 2/1990, S. 35 ff. (Teil I) und Heft 3/1990, S. 21 ff. (Teil II)
  • Hiller, Schuppan, 2008; Bergbau in Sachsen, Band 14: Geologie und Uranbergbau in Sachsen im Revier Schlema-Alberoda, Hrsg.: Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie (LfUG), Dresden
  • Vollstädt, Weiß, 1991; Mineralfundstellen Sächsisches Erzgebirge, S. 26 ff., München

Pöhla bei Schwarzenberg

Schwarzenberg liegt im Westerzgebirge 10 km südlich von Aue. Wie in vielen Orten des Erzgebirges gibt es auch hier eine lange Bergbautradition mit der Gewinnung von Silber, Eisen, Kupfer, Zinn und Zink. Bereits im 17. Jahrhundert wurde am Hahnel intensiver Bergbau auf Zinn und Silber betrieben. Das Erzfeld Pöhla-Tellerhäuser ist eine polymetallische Lagerstätte im Revier Schwarzenberg, die sich in die Teillagerstätten Globenstein, Hämmerlein und Tellerhäuser untergliedert. Die Gesteine der Lagerstätte sind paläozoische Metasedimente. Die Gangtypen sind ähnlich derjenigen von Schneeberg-Schlema-Alberoda. Die ältesten Gänge sind Quarz-Kalzit-Uran-Vererzungen auf, gefolgt von Dolomit-Uranerzgängen. Jüngste Bildungen sind Quarz-Karbonatgänge mit Wismut-Kobalt-Nickelerzen, sowie Silber, Arsen und untergeordnet Uran.

Im Zuge von Erkundungsarbeiten der SDAG Wismut wurde 1958 im Luchsbachtal der Schurf 24 angelegt, der zur Entdeckung der Lagerstätte Pöhla-Globenstein mit massiver Skarnvererzung, vor allem mit Magnetit führte.

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Hauptstollen Pöhla
Foto: Schluchti

In den 1960er Jahren wurden im Gebiet Hämmerlein und Tellerhäuser Pechblende sowie Zinnvererzungen entdeckt und deshalb vom Luchsbachtal am Rand von Pöhla im Herbst 1967 mit der Auffahrung des Hauptstollens in Richtung Südosten zu den Teillagerstätten Hämmerlein und Tellerhäuser begonnen. Dieser Stollen erreichte eine Gesamtlänge von 7.845 m, wobei bei etwa 3 km Stollenlänge die Teillagerstätte Hämmerlein aufgeschlossen wurde. Die Teillagerstätte Tellerhäuser im hinteren Bereich des Stollens wurde über zwei Blindschächte erschlossen, mit deren Teufe man 1970 bzw. 1976 begann. Die planmäßige Urangewinnung in Tellerhäuser wurde 1978 aufgenommen. Neben Uranerzen wurden hier auch reiche Zinnerze abgebaut. Die im Kammerpfeilerabbau gewonnenen Zinnerze hinterließen die größten Zinnkammern Europas, die inzwischen wieder über das Besucherbergwerk zu besichtigen sind. Neben Zinn und Uran wurden in dieser Polymetalllagerstätte auch zahlreiche weitere Erze angetroffen und zum Teil mit abgebaut.

So wurden aus Uran-Silber-Mischerzen 1987 im Aufbereitungsbetrieb 101 Crossen 203,5 kg Silber gewonnen. Durch die gesunkenen Weltmarkpreise für Uran und Zinn war die planmäßige Erzförderung ab Ende 1990 nicht mehr aufrecht zu erhalten. Zum 1. Juli 1991 wurde daher auch die Einstellung des Sanierungsabbaues beschlossen.

Bemerkenswerterweise fand man dann im Januar 1991 neben reichen Uranerzen noch den letzten großen Silberfall des Erzgebirges in der Teillagerstätte Tellerhäuser. Im Abbaublock 0985 der Gangstrecke 922 auf der 120 m-Sohle fuhr man eine Silbererzkonzentration mit rund 15-20 t Silber mit gediegen Arsen an, die noch zahlreiche äußerst ästhetische Sammlerstufen von Dendritensilber in und auf gediegen Arsen lieferte. Außer gediegen Silber kamen auch Proustit, Pyrargyrit und andere Silberminerale in dieser Paragenese vor.

Neben Denritensilber kam in Pöhla auch Silber auch in Gestalt von Locken von bis zu 3 cm Länge vor, die teilweise pseudomorph durch Akanthit verdrängt waren.

Silber aus Pöhla

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Dendritensilber auf Arsen
Stufengröße: 11 x 9,6 x 4,8 cm
Pöhla, Erzgebirge, Sachsen, Deutschland
Foto: Rob Lavinsky

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Dendritisches Silber auf Arsen
Pöhla, Sachsen
Größe: 7,5 x 4,5 cm
Foto: Rob Lavinsky

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Aus Arsen herausgeätztes
dendritisches Silber
Pöhla, Erzgebirge
Größe: 5x8 cm
Foto: Christian Rewitzer

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Silberlocken bis 1,6 cm Höhe, mit Akanthit xx
Gang Schildbach, +180m Sohle, Pöhla-Tellerhäuser, Erzgebirge
Größe: : 9,5 x 7 x 6,5 cm
Foto: Schluchti

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Farnartige bizarre Silberdendriten bis
4 cm Größe auf gediegen Arsen
Pöhla
Sammlg. und Foto: geomueller


Literatur zu Pöhla

  • Haake,R. & Hofmann,F., 1991; Die Mineralien der Skarn-Lagerstätte von Pöhla im Erzgebirge. Mineralienwelt 2 (3),26-41.
  • Woidtke,S.,2006; Der Berg ist frei - Bergbau im Erzgebirge, Bd.4, S.263-369. Eigenverlag


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