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Eingefügter Text von Mineralienportrait/Silber

Silber

Lockensilber
Lockensilber

aus historischer Sammlung Kongsberg; Größe: 11x5,8cm

Rob Lavinsky

Englisch: Silver; Französisch: Argent; Spanisch: Plata; Italienisch: Argento; Portugiesisch: Prata; Niederländisch: Zilver; Polnisch: Srebro; Russisch: Серебро; Griechisch: Άργυρος; Arabisch: فضة; Japanisch: Gin

Die Edelmetalle Gold und Silber waren für die zivilisierte Menschheit viele tausend Jahre Wertmaßstab und haben zur Entwicklung von Kulturen beigetragen. Sie waren und sind aber auch grausame Ursachen für Kriege, Ausbeutung, Sklaverei und Vernichtung der Umwelt. In der Antike war Silber etwa gleichwertig mit Gold, hat aber heute nur noch etwa 2 Prozent (gewichtsmäßig) desselben Wertes wie das gelbe Metall.

Silber ist matt und glänzend, weich und spiegelglatt, kühl und warm wie kaum ein anders weißes Metall - es ist einfach schwierig zu beschreiben. Soweit die Geschichte des Mineraliensammelns zurück zu verfolgen ist, gab es immer schöne Exponate gediegenen Silbers, wie auch seiner vielen attraktiven, sammelwürdigen Mineralien.

Trotz ungezählter Vorkommen auf der gesamten Welt war und ist die Nachfrage nach schönen Stufen größer als die Bergwerke liefern können. Sicherlich gab es in den vergangenen Jahrhunderten fantastische Funde, welche, bedingt durch die dann mögliche Ausbringung mit der Hand, ihren Weg in die Sammlungen fanden. Ungeachtet dessen und ungeachtet der modernen Abbaumethoden, die kaum mehr Sammlermineralien erbringen, werden immer wieder neue Vorkommen von Silber und seinen berühmtesten Erzmineralien entdeckt.

Durch die Transformation der bisherigen Welt in eine Welt, in welcher es nur noch ums Verbrauchen geht, entstehen neben dem klassischen Europa und dem Binnenmarkt USA die riesigen Industrie- und Wirtschaftsblöcke China und Indien, welche einen nicht abschätzbar großen Industriehunger nach Silber haben, diesen jedoch nicht durch eigene Reserven stillen können. Aus diesem Grunde hat sich das weltweite Silberangebot verknappt, wenngleich die zehn großen multinationalen Silberbergbaugesellschaften so viel fördern wie nie zuvor. Es wird eifrigst exploriert, bis hin zur Aufarbeitung kolonialer, seit Jahrhunderten aufgelassener Lagerstätten. Hier erscheint am Horizont ein Hoffnungsschimmer für den Mineraliensammler, dass es vielleicht doch wieder einmal zu einem zweiten Chañarcillo oder Batopilas oder Broken Hill kommen könnte. Die ersten Anzeichen sind vorhanden (Peter Seroka).


Geschichte der Namensgebung

Das Wort Silber stammt vom assyrischen Si-ra-pi-im bzw. sarpu, was "Weißes Metall" bedeutet. Im Althochdeutschen leitete sich silabar aus dem germanischen silubra oder silabra und aus dem gotischen silubr ab, daraus dann silver (Englisch). Als gemeinsame Wurzel wird das indogermanische Etymon arg, bzw. Arjunah (d.h. licht, oder weiß) und/oder das Sanskrit-Wort Rajata (weißlich, silberfarbig) angenommen. Arg ist wiederum im Altgriechischen die Wurzel für ἄργυρος (Argyros) (noch heute im Mineralnamen Argyrodit erhalten). Auch der lateinische Begriff Argentum dürfte von arg oder arjunah abgeleitet sein und ist verwandt mit dem armenischen Arcat(oy), bzw. Arzat(a), Arjat oder Arcath.

Die spanische Bezeichnung Plata (portugiesisch, galizisch und sardisch prata) kommt von Platta (Metallfolie oder Metallblatt), einem Wort aus dem nur in Nordost-Iberien gesprochenen Vulgärlatein, welches bereits im 10. Jh. in der galloromanischen Sprache Katalan verwendet wurde. Aus Platta wurde dann im iberospanischen Sprachraum (Kastilien, Aragon) der Begriff Plata. (In Baskisch jedoch heißt das Metall zilar).

Etymologischer Irrtum

Einer der heute bekannten Jakobspilgerwege heißt Via de la Plata; dieser Begriff hat jedoch mit Silber (plata) nichts zu tun. Der hier verwendete Begriff Plata wurde aus der vulgärmaurisch-arabischen Bezeichnung Al Bal' latta abgeleitet und bedeutet breiter gepflasterter Weg. Diese uralte Straße, welche vom heutigen Sevilla (Hispalis) über Mérida (Emerita Augusta) und Salamanca (Helmantica) nach Astorga (Asturica Augusta) führt, wurde wahrscheinlich in ihren Anfängen von den Phöniziern konzipiert und war bereits im 1. Jh. vollständig gepflastert. Sie diente als wichtigste Nordsüdverbindung wesentlich dazu, Gold und Zinn aus den Gruben des Nordwestens zu den antiken Häfen bei Sevilla und Cadiz zu transportieren.


Kapitelübersicht

Silber allgemein

Die berühmten Silbermineralien



Quellenangaben

Verfasser

Gemeinfreie Texte

Einige Textteile innerhalb der Kapitel Geschichte, Verhüttung und Münzgeschichte wurden original aus den nachstehenden, ausdrücklich als gemeinfrei klassifizierten Enzyklopädien übernommen und sprachlich der Gegenwart angepasst:

  • Meyers Großes Konversations-Lexikon, 1909, Band 18
  • Pierer's Universal-Lexikon der Vergangenheit und Gegenwart, 1857-1865, 4. Aufl.

Einordnung


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Silber

Waage
Waage

Bestimmung spez. Gewicht; Illustration um 1890

Archiv: Peter Seroka (Collector)

Eigenschaften


Silber wird in der Natur gediegen gefunden. Es ist ein seltenes Element und kommt mit etwa 0,079 ppm, entsprechend 0,0000079 Prozent, in der Erdkruste vor, ist jedoch ca. 20 mal häufiger als Gold. Unter Oberflächenbedingungen ist Silber weniger beständig als Gold. Es bedeckt sich häufig mit einer feinen Haut und schwarzen Beschlägen. In ariden Gebieten mit heißem, trockenem Klima, z.B. in Broken Hill, Australien oder Huantaya, Chile, geht es an der Oberfläche meist in die stabilen Halogenverbindungen Chlorargyrit oder Jodargyrit über .


Charakteristika

Chemische Formel

Ag (Neben Gold enthält natürlich vorkommendes Silber - je nach Vorkommen - fast immer Cu, Fe, Hg und Sb)

Kristallsystem

Kubisch (Isometrisch-Hexoktaedrisch)

Kristallstruktur

Flächenzentrierter Würfel

Farbe

Bei frischem Bruch silberweiß; an der Oberfläche häufig mit einem schwarzen Anflug bedeckt; auch grau und grauweiß

Spaltbarkeit

Fehlt

Härte

2,5 - 3

Glanz

Stark metallisch

Diaphanität

Opak, matt

Tenazität

Duktil, schmiedbar

Strich

Metallisch glänzend

Bruch

Hakig

Dichte

9,6 - 12, durchschnittlich 10,5

Magnetismus

Nicht magnetisch

Schmelzpunkt

960oC

Sonstige Eigenschaften

Bester Wärme- und Elektrizitätsleiter

Strunz 09

1.AA.05

Häufigkeit in der Erdkruste

0,079 ppm

Bauwürdigkeitsgrenze

450 g/t in Silberlagerstätten


Chemische Eigenschaften

Silber ist ein Edelmetall aus der 1. Nebengruppe des Periodensystems. Es existieren die beiden natürlichen Isotope 107Ag und 109Ag. Daneben sind zahlreiche künstliche Silberisotope mit Halbwertszeiten zwischen 0,5 Sekunden und > 5 Jahren bekannt. Silber tritt in den Oxidationsstufen +1, +2 und +3 auf, wobei die Ag(I)-Verbindungen am stabilsten sind.

Silber steht im Periodensystem zwischen Kupfer und Gold, mit denen es chemisch und physikalisch verwandt ist. Die Salze des Silbers sind meist farblos, sofern nicht der Säurerest wie z.B. beim Silberchromat farbig ist. Silber ist ein weißglänzendes, polierfähiges Edelmetall. Es besitzt von allen Metallen die höchste Leitfähigkeit für Wärme und Elektrizität und ist nach Gold das dehnbarste Metall. Man kann Silber zu Blättchen von 0,0027 mm hämmern und zu Drähten (1 km wiegt nur 0,05 g) ausziehen.

Silber ist mit den meisten Metallen legierbar, wobei sich intermetallische Verbindungen, im Falle des Goldes und Palladiums Mischkristalle bilden. Unter Einwirkung von Schwefelwasserstoff tritt Schwärzung auf, es bildet sich Silbersulfid. In geschmolzenem Zustand löst Silber das Zehnfache seines Volumens an Sauerstoff, der beim Erstarren wieder freigesetzt wird, wodurch die Erscheinung des Spratzens hervorgerufen wird. Wässrige Lösungen von Salzsäure oder anderen nicht-oxidierenden Säuren greifen Silber nicht an, dagegen aber oxidierende Säuren (Salpetersäure, warme, konz. Schwefelsäure) und Alkalicyanid-Lösungen.


Die Gold-Silber-Serie

Elektrum
Elektrum

Round Mountain Mine, Round Mountain District, Nye County, Nevada, USA. 4,5 cm. Enthält 33,3 % Silber.

Mark Wrigley

Gold und Silber haben dieselbe Kristallstruktur und die Atome der Struktur können entweder Gold oder Silber sein. Überwiegt Gold (Au, Ag), liegt das eigenständige Mineral Gold vor. Überwiegt Silber (Ag, Au), so ist dies Silber. Der Grund, dass beide Elemente vorhanden sind, ist, dass Gold und Silber sich bei der Mineralbildung zusammentun und eine komplette Mischserie zwischen beiden vorliegt. Reine Endglieder sind sehr selten.

Die kubische Form des Silbers ist 3C. Es sind auch die polymorphen Formen 2H und 4H bekannt.

Die Goldvarietät Elektrum besteht etwa zu 60 % aus Gold und zu 40 % aus Silber. Neben Gold kann natürlich vorkommendes Silber auch Kupfer, Eisen, Quecksilber und Antimon enthalten.


Kristallformen

Silber gehört zum kubisch-holoedrischen Kristallsystem mit einer Kristallstruktur in Form flächenzentrierter Würfel. Regelmäßig ausgebildete Kristalle sind selten, die wichtigsten auftretenden Formen sind {100}, {111}, {110}, {311}, {210}, {410}, {520} und {721}. Am häufigsten sind die Formen {100} und {111}, nicht selten kombiniert oder als Kub'Oktaeder.

Silberkristalle können bis über 3 cm groß werden. Es wurde auch über Kristalle mit einem prismatischen Habitus berichtet, z.B. eine Kombination von vier Würfelflächen und vier Dodekaederflächen, welche ein ditetragonales Prisma bildeten (vom Rath, 1869). Plattige oder blättrige Kristalle sind auf {111} abgeflacht und zeigen eine Dreiecksstreifung entsprechend der oszillatorischen Entwicklung von {100} und {111}. Zwillinge nach {111} sind häufig und treten meist als Kombinationen von Würfel und Oktaeder auf. Sind nur die Würfelflächen entwickelt, erscheint der Zwilling als pseudotrigonale Bipyramide. Andere Zwillinge werden dominiert durch {311} und/oder {111} und erscheinen pseudotrigonal oder pseudohexagonal.

Nachstehend eine Zusammenstellung der bekannten Kristalle, Kombinationen und typischer Aggregate (Quelle: Goldschmidt, V.: Atlas der Kristallformen). Die einzelnen Kristalle bzw. Aggregate stammen von:

  • 1 Wittichen
  • 2 Kongsberg
  • 3 Unbekannt
  • 4 Unbekannt
  • 5 - 23 Kongsberg
  • 24 - 25 Andreasberg
  • 26 - 28 Kongsberg
  • 29 - 31 Freiberg
  • 32 - 43 Kongsberg
  • 44 Mexiko
  • 45 Potosi
  • 46 - 48 Mexiko
Silber-Kristalle Tafel 1
Silber-Kristalle Tafel 1

1. Wittichen, 2. Kongsberg, 3-4 o.A.; 5-16 Kongsberg; aus Goldschmidt,V., Atlas der Kristallformen

Archiv: Peter Seroka (Collector)
Silber-Kristalle Tafel 2
Silber-Kristalle Tafel 2

17-23 Kongsberg, 24 und 25 Andreasberg, 26-28 Kongsberg, 29-31 Freiberg, 32 Kongsberg ; Aus Goldschmidt,V., Atlas der Kristallformen

Archiv: Peter Seroka (Collector)
Silber.Kristalle Tafel 3
Silber.Kristalle Tafel 3

33-43 Kongsberg; 44 Mexico, 45 Potosi, 46-48 Mexico, aus Goldschmidt,V., Atlas der Kristallformen

Archiv: Peter Seroka (Collector)

Natürliche Silberkristalle

Silberkristalle-Hexaeder
Silberkristalle-Hexaeder

Silberwürfel und Quader bis 7 mm Größe; Batopilas, Mexico.

John Veevaert
Silberkristall-Dodekaeder
Silberkristall-Dodekaeder

Selten. Silber-Dodekaeder von der Quincy Mine, Hancock, Houghton Co, Michigan, USA. Kristalle im mm-.Bereich

Rob Lavinsky
Silberkristalle-Modifikation
Silberkristalle-Modifikation

Modifizierter Silber-Oktaeder, 1,5 cm. Kongsberg Silbergrube, um Ende 1800.

Archiv: Rob Lavinsky

Zwillinge

Silber
Silber

Zwillinge nach 110; Kearsarge Mine, Keweenaw Halbinsel, Michigan, USA; Kristallgröße 2,6 x 2 cm

Rob Lavinsky
Silber
Silber

Zwillinge nach dem Spinellgesetz; 2,8 x 1,7 cm. New Nevada Mine, Batopilas, Chihuahua, Mexico

Rob Lavinsky

Silber bildet Penetrationszwillinge auf {111} mit Würfeln von Kongsberg und mit Tetrakishexaedern von Michigan (Bärentatzen). Auch verästelt wachsende Kristalle können auf {100} und {111} verzwillingt sein.


Aggregate

Nicht selten tritt Silber in Form gebündelter, bzw. gefiedert verästelter oder fischgrätenartiger Dendriten auf (englisch: herringbone). Gewöhnlich sind auch unregelmäßig geformte feine Plättchen, aber auch größere Platten anzutreffen. Silberdendriten bilden sich unter exogenen Bedingungen in der Oxidations- oder Zementationszone. Am häufigsten sind Körner, Nuggets und größere massive Klumpen bis zu mehreren hundert Kilogramm Gewicht.

Anfang 1477 kam es auf der Grube St. Georg zum legendären Großen Silberfund von Schneeberg. Man entdeckte hier auf einer Scharung und Kreuzung von ca. 12 Silbererzgängen eine Silbererzmasse, die eine Ausdehnung von 2 m Mächtigkeit und 4 m Höhe gehabt haben soll. Stufen von diesem Fund befinden sich im Staatlichen Museum für Mineralogie und Geologie Dresden. Herzog Albrecht der Beherzte soll, einer später entstandenen Legende nach, aus diesem Anlass die St. Georg Fundgrube befahren und mit seinem Gefolge untertage an einem aus dem Erz gehauenen silbernen Tisch von 2 x 2 x 1 m getafelt haben. Aus diesem Fund sollen angeblich 18 t Silber geschmolzen worden sein. Neuere Forschungen beurteilen die Ergiebigkeit des legendären Silberfundes jedoch kontrovers. So wird darauf hingewiesen, dass für die St. Georg Fundgrube 1477 lediglich ein Gesamtausbringen von 14 t Silber überliefert ist und dieser Silberfund sich eher im Bereich von 2 t bewegt haben soll. Ungeachtet der späteren Legendenbildung steht jedoch fest, dass man im näheren Umfeld des legendären Silberfundes die wohl größte Silbermasse des Erzgebirges angefahren hatte. Andere Vorkommen großer Nuggets waren in Arizonac, Sonora, Mexiko (ca. 1.500 kg) und die Smuggler Mine in Aspen, Colorado (1894, mehr als 750 kg).

Silberblech in Bornit
Silberblech in Bornit

Fundort: Mina Sabinas, Zacatecas, Mexiko

endeavour-minerals
Silber
Silber

Blechförmiges Silber; iridisierend; Kongsberg, Norwegen. 6.2x4,3 cm

Rob Lavinsky
Silber-Dendriten
Silber-Dendriten

Dendriten auf Arsen; Pöhla, Sachsen

Rob Lavinsky
Silbernugget
Silbernugget

Halfbreed mit Kupfer; 2,7x2,1cm Keweenaw Halbinsel, Michigan, USA

Rob Lavinsky
Silbernugget
Silbernugget

Keweenaw Halbinsel, Michigan, USA; 1,9 x 1,2 cm

Rob Lavinsky
Silbernugget
Silbernugget

Mother Lode, California; 1,9 x 1,1 cm

Rob Lavinsky

Silberlocken und Drahtsilber

Ganz charakteristisch ist sogenanntes Lockensilber, d.h. feine haar- bis moosartige Gespinste bis hin zu oft skurill und korkenzieherartig gebogenen Drähten, Locken und Wellen mit Durchmessern von wenigen Millimetern bis zu mehreren Zentimetern. Vogt (1899) gab zu verstehen, dass Silberdraht oft Kristallflächen zeigt, manchmal in Form von Treppen oder Stufen, sowie Winkel, was bedeutet, dass die Drähte eigentlich lange Anordnungen von Kristallen sind. Selbst sehr glatte und weiche Oberflächen von Drähten zeigen unter dem Mikroskop Kistallflächen. Es wird auch nicht ausgeschlossen, dass viele Silberdrähte durch dendritisches Wachstum entstanden sind. Bei manchen Drähten hat man den Eindruck, als wenn sie extrudiert wurden, was jedoch nicht möglich ist.

Für weitere Informationen siehe auch das Kapitel Anthropogene Silberlocken.

Silber-Drähte und gestreckte Kristalle bis 4 mm
Silber-Drähte und gestreckte Kristalle bis 4 mm

Stufenhöhe: 4,5 cm; Fundort: Schneeberg, Sachsen, Deutschland

Peter Haas
Silber
Silber

Silberlocke, Bildhöhe ca 4mm; Stbr. Glasberg, Nieder-Beerbach, Odenwald, Hessen, Deutschland

Erik
Silber
Silber

Größe: 19 mm; Fundort: Dzhezkazgan Mine, Karaganda Oblast, Kasachstan

Joe Freilich

Halfbreeds

Halfbreed ist ein US-amerikanischer umgangssprachlicher Ausdruck für eine Person, deren Eltern Kaukasier und Amerindianer sind. Als Mineral bzw. als Erz bedeutet Halfbreed ein Gemisch aus gediegen Silber und rotem Kupfer. Bedingt durch die Unlöslichkeit von Silber und Kupfer entstehen Gemenge beider Mineralien, wobei eines das andere oft epitaktisch überwächst. Kupfer auf Silber ist seltener als Silber auf Kupfer. Halfbreeds bilden gewöhnlich Nuggets, es kommen aber auch gut kristallisierte Stufen vor.

Silver-Halfbreed
Silver-Halfbreed

Woverine Mine, Keewenaw Halbinsel, Michigan. Größe 6x8 cm

Kevin Ward
Silber-Halfbreed
Silber-Halfbreed

Wolverine Mine, Keewenaw-Halbinsel, Keewenaw County, Michigan, USA. Größe: 6,5 cm

Kevin Ward
Silber-Halfbreed
Silber-Halfbreed

Halfbreed Silber-Kupfer; Kearsarge Mine, Houghton County, Michigan, UZSA. Größe: 6,3x7,5cm

Kevin Ward

Legierungen

Kongsbergit
Kongsbergit

Steinbruch Glasberg, Nieder-Beerbach, Nieder-Ramstadt, Odenwald. Größe 5,5 x 4 cm

Peter Haas
Hg-haltige Silberlegierung Arquerit
Hg-haltige Silberlegierung Arquerit

Legierung aus 87% Silber und 13% Quecksilber; Vital Creekm Omenica Mining Division, British Columbia, Canada. Größe 1,1 x 0,8 cm. Äußerst selten; ehem. collection der Sorbonne in Paris

Rob Lavinsky
Kongsbergit
Kongsbergit

Ein Hg-reicher Kongsbergit auf rotem Jaspis. Steinbruch Minas Roza de Santa Matilde, Las Herrerias de Santa Matilde, Herrerias, Almeria, Spanien. 5x5 cm

Fabre Minerals

Pseudomorphosen

Interessant ist, dass Silber selbst Quarz ersetzt.

Pseudomorphose Silber nach Akanthit
Pseudomorphose Silber nach Akanthit

Zacatecas, Mexico. Größe 2,7 x 4,2 cm.

Rob Lavinsky
Dyskrasit
Dyskrasit

Schacht 21, Pribram, Tschechien

loparit
Pseudomorphose Skutterudit nach Silber
Pseudomorphose Skutterudit nach Silber

Cobalt, Ontario, Canada. Größe: 7,5 x 5,1 cm

Rob Lavinsky

Literatur

  • Bari, H., 1981; Die ältesten Silberstufen; Lapis 6, 27-31
  • Baumhauer, H., 1889; Das Reich der Kristalle
  • Kohlschütter, V., Eydmann, E., 1912; Über Bildungsformen des Silbers. II. Das Haarsilber. Justus Liebig Annal. d. Chem.
  • Jensen, E., 1939; Solvet pa Kongsberg. Norsk Geol. Tiddskrift 19, 1-106
  • Neumann, H., 1944; Silver deposits at Kongsberg; Norges Geol. Unders. 162
  • Rath, vom G., 1879; Ueber eine sternförmige Zwillingstafel von gediegen Silber; Ztschr. f. Kristallogr. und Mineralogie, 385-444
  • Vogt, J. H. L., 1899; Über die Bildung des gediegenen Silbers; Ztschr. prakt. Geol. 7, 113-123


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Silber

Die wichtigsten Silbererze

Zu den wichtigsten sulfidischen Silbererzen zählen Akanthit (Silberglanz), Freibergit (Silberfahlerz oder Graugültigerz), Pyrargyrit und Proustit (Rotgültigerz) und Stromeyerit (Kupfersilberglanz). Silber findet man seltener auch als Chlorargyrit (veraltet Hornerz bzw. Silberhornerz) und als Miargyrit (Silberantimonglanz). Gediegenes Silber ist, bis auf wenige Ausnahmen, kein primäres Silbererz. Die Ausnahme bildete Kongsberg in Norwegen, wo Silber bis zu einer Teufe von 900 m als Haupterz vorkam.

Neben diesen Silbererzen findet man noch sogenannte silberhaltige Erze, die zwar meist nur geringe Mengen Silber (0,01 - 1 %) enthalten, jedoch wegen ihrer weitaus größeren Verfügbarkeit die wichtigsten Silbererze waren und sind. Dies sind häufig Galenit (Bleiglanz, PbS), Chalkopyrit (Kupferkies, Buntkupferkies, CuFeS2) sowie auch silberhaltige Fahlerze (Mischreihe zwischen Tennantit und Tetraedrit, (Cu,Ag,Fe,Zn)12As4S13 oder (Cu,Fe,Ag,Zn)12Sb4S13). Aus diesem Grund wird Silber häufig als Nebenprodukt bei der Blei- oder Kupferherstellung gewonnen.

Silbererz masiv
Silbererz masiv

Innig in Quarz vermengtes Silber und Akanthit; Typisches Silbererz; Creede Mineral County, Colorado, USA. Größe 8,2 x 6,9 cm

John Veevaert
Silbererz
Silbererz

Natürliches Silber als Erz in Gestein; Coleman Township, Timiskaming District, Ontario, Canada.

Dan Weinrich
Silbererz Akanthit
Silbererz Akanthit

Zacatecas, Mexico

Christian Rewitzer
Silbererz Chlorargyrit
Silbererz Chlorargyrit

Chloryrgyrit-Erz in ariden Gebieten; Broken Hill, New South Wales Australien; Größe: 6,5 x 4,5 cm

Rob Lavinsky
Silbererz Pyrargyrit
Silbererz Pyrargyrit

Veta Grande, Zacatecas, Mexiko; Größe 2,3 x 3,2 cm

Heliodor1
Silbererz Proustit
Silbererz Proustit

Imiter, Marokko

Christian Rewitzer
Galenit
Galenit

Mit Calcit und Quarz. Pachapaqui, Ancash, Peru. Größe: 6 x 4,5 cm

Dan Weinrich
Silbererz Tennantit
Silbererz Tennantit

Julcani, Huancavelica, Peru. Größe: 6,1 x 4,7 cm

Dan Weinrich
Silbererz Tetraedrit
Silbererz Tetraedrit

Casapalca, Lima, Peru; Größe: 8 x 6 cm

Dan Weinrich


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Silber

Lagerstätten und bekannteste Silbervorkommen


Lagerstätten

Silber kommt gewöhnlich in silberhaltigen Mineralien in magmatisch hydrothermalen Ganglagerstätten, meist in Begleitung von Akanthit und Calcit vor. Zuweilen findet man es auch paragenetisch mit Arsen-, Antimon- und Schwefelverbindungen verschiedener Metalle, darunter Nickel, Kobalt, Wismut und Uran. Unter exogenen Bedingungen tritt Silber, analog zu Kupfer, sedimentär in der Oxidations- und Zementationszone (Red Bed Type) in Schwefel-, Arsen- und Antimonerzlagerstätten als Folge der Zersetzung und Reduktion aus den Oberflächenlösungen durch verschiedene organische Verbindungen auf.


Die bekanntesten Silbervorkommen in der Welt

Argentinien

  • Manantial Espejo, Santa Cruz
  • Martha

Australien

  • Broken Hill, New South Wales
  • Cannington Mine, Queensland
  • Cobar, New South Wales
  • Elura
  • Olympic Dam, South Australia

Bolivien

  • Oruro
  • Potosi (San Cristobal, San Bartolomé)
  • Porco und San Antonio
  • Aullagas und Colquechaca
  • Huanchaca

China

  • Yueshan (Huangtung), Luzhong, Anhui

Chile

  • Chañarcillo
  • Huantajaya

Deutschland

  • Clausthal, Harz
  • Rammelsberg, Goslar, Harz
  • St. Andreasberg, Harz
  • Bad Ems, Rheinland-Pfalz
  • Annaberg, Sachsen
  • Freiberg, Sachsen
  • Johanngeorgenstadt, Sachsen
  • Marienberg, Sachsen
  • Pöhla, Sachsen
  • Schlema, Sachsen
  • Schneeberg, Sachsen
  • Kinzigtal, Schwarzwald
  • Schauinsland, Schwarzwald
  • Suggental, Schwarzwald
  • Todtnau, Schwarzwald

Frankreich

  • La-Croix-aux-Mines, Elsass
  • Sainte-Marie-aux-Mines (Markirch), Elsass
  • Chalanches, Isère

Großbritannien

  • Leadhills, Lanarkshire, Schottland

Honduras

  • Tegucigalpa
  • Yuscarán

Indonesien

  • Salido, Padang, West-Sumatra
  • Mangani, West-Sumatra

Iran

  • Mehdiabad

Italien

  • Mina Monte Narba, Sarrabus-Gerrei, Sardinien
  • Schneeberg, Tirol (ehem. Österreich)

Japan

  • Iwami-Ginzan, Shimane, Honshu

Kanada

  • Beaverdell, British Columbia
  • Cobalt, Ontario
  • Bonanza und Eldorado, North West Territories

Kasachstan

  • Bayunaul, Karaganda
  • Dhzezkazgan, Karaganda
  • Karkaralinsk, Karaganda
  • Sarbai-Grube, Rudnyi Altai, Kostanai

Marokko

  • Igoudrane
  • Zgounder, Anti-Atlas
  • Imiter, Anti-Atlas

Mexiko

  • Batopilas, Chihuahua
  • Guanajuato, Chihuahua
  • Pachuca-Real del Monte, Hidalgo
  • Arizpe und Las Bolas, Sonora
  • Fresnillo, Zacatecas (Mina Proaño)
  • San Luis Potosi

Norwegen

  • Kongsberg, Buskerud

Österreich

  • Rauriser Tal, Salzburg
  • Schwaz, Tirol

Peru

  • Arkata
  • Caylloma
  • Hualgayoc
  • Colquipocro
  • Castrovirreyna
  • Conchucos
  • Caylloma
  • Laicacota
  • Castrovirreyna
  • Cerro de Pasco
  • Hualgayoc
  • San Genaro
  • Uchucchacua, Lima

Russland

  • Alaghir, Vladikaukas, Nord-Ossetien, Kaukasus
  • Blagodatnoi, Beresowsk, Ural
  • Dukat, Goltsovoye, Magadan, Sibirien
  • Nerchinsk, Chita, Sibirien
  • Smeinogorsk (Schlangenberg), Altai-Region

Schweden

  • Sala

Slowakei

  • Kremnica (Kremnitz)
  • Banska Stiavnica (Schemnitz)

Spanien

  • Almaden de la Plata
  • Falsett, Tarragona
  • Hiendalaencina, Guadalajara
  • Las Herrerias, Almeria
  • Sierra Almagrera, Almeria

Tschechische Republik

  • Jachymov (Joachimsthal), Böhmen
  • Měděnec
  • Přibram

USA

  • Greens Creek, Alaska
  • Red Dog, Alaska
  • Tombstone, Arizona
  • Aspen, Colorado
  • Creede, Colorado
  • San Juan County, Colorado
  • Snuffels, Colorado
  • Coeur d'Alene, Idaho
  • Lucky Friday, Idaho
  • Bunker Hill, Idaho
  • Calico, Kalifornien
  • Kearsarge, Wolverine, White Pine, Michigan
  • Keewenaw, Michigan
  • Minnesota Mine, Michigan
  • Black Pine Mine, Montana
  • Butte, Montana
  • Comstock Lode, Nevada
  • Rochester, Nevada
  • Rochester, Nevada
  • Tonopah, Nevada
  • Prospeck Park, New Jersey
  • Silver King Mine, Utah


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Mineralienportrait/Silber [ Vorherige: Stephanit | Nächste: Eigenschaften ]

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Silber

Moderner Silberbergbau

Imiter
Imiter

Schild am Eingang zur Betriebsstraße

Frank de Wit

Greens Creek in Alaska

Admiralty Island National Monument-Alaska
Admiralty Island National Monument-Alaska

Sitz der Greens Creek Silbermine; Public Domain - Gemeinfreie Aufnahme desr US-Forstbehörden

Archiv: Peter Seroka (Collector)

Greens Creek, eine der größten Silberlagerstätten der Welt, liegt im Norden von Admiralty Island (National Monument), einer umweltgeschützten Insel im Alexander-Archipel des US-Bundesstaates Alaska, etwa in der Mitte des Archipels zwischen den Städten Sitka und Juneau. Die Erschließung der Lagerstätte begann 1989. Zwischen 1993 und 1996 gab es Unterbrechungen wegen Renovierungsarbeiten. Das Vorkommen hat eine projizierte Lebensdauer bis 2013. Im Jahr 2007 wurden in Greens Creek ca. 245 t Silber, 2 t Gold, 63.000 t Zink und 21.000 t Blei erzeugt. Die Silbervorräte werden auf 82 Mio. Unzen geschätzt. Damit ist Greens Creek das fünftgrößte Silberbergwerk der Erde und die größte Silberlagerstätte Nordamerikas. Der Besitzer der Grube ist die US-Bergbaugesellschaft Hecla Mining Co.

Greens Creek ist eine VHMS (volcanic hosted massive sulfide) polymetallische Ag-Au-Zn-Pb-Lagerstätte aus dem Oberen Trias mit sedimentären und mafischen bis ultramafischen vulkanischen und plutonischen Gesteinen. Der Erzkörper besteht aus Galenit, Sphalerit, Pyrit und Tetraedrit/Tennantit.

Die Lagerstätte wird untertage abgebaut. Pro Tag werden etwa 2.100 t Erz gefördert. Das gesamte Projekt inklusive der Erzaufbereitungsanlage können per Schiff erreicht werden. Blei und Zink werden vor Ort in Form von Konzentrat erzeugt. Silber und Gold liegen nach der Aufbereitung als Doré vor und werden an führende Gold- und Silberscheideanlagen weltweit verkauft.

Literatur und Links


Rochester Mine in Nevada

Rochester war in den 1860er Jahren eine Goldbergbaustadt im Pershing County, ca. 280 km östlich von Reno und ist heute eine Geisterstadt. Das Gebiet Lower Rochester ist noch sichtbar, während Upper Rochester mittlerweile unter den Abraumhalden des aktuellen Rochester Mine Tagebaus begraben wurde. Etwa um 1912 wurden reiche Silbererzgänge entdeckt, was zu einem Silberboom in den Folgejahren führte. Der Silberreichtum dauerte bis etwa 1942 und verfiel letzlich in den frühen 1950er Jahren. Im Jahr 1986 führte die Coeur d'Alene Bergbaugesellschaft neue Explorationsarbeiten durch, welche so erfolgreich waren, dass es zu einem neuen offenen Tagebergbau auf Silber kam. Im Jahr 2009 war die Rochester Mine das Flaggschiff der Coeur d'Alene-Gruppe und eine der weltgrößten Silbergruben. Die Vorräte werden bis 2014 abgebaut sein.

Literatur

  • Myrick, D. F., 1962; Railroads of Nevada and Eastern California: Volume One - The Northern Roads (Howell-North Books)
  • Paher, S. W., 1999; The Nevada Ghost Towns and Mining Camps Illustrated Atlas, Volume 1: Northern Nevada: Reno, Austin, Ely and Points North (Las Vegas: Nevada Publications)

Fresnillo und Palmarejo in Mexiko

Fresnillo - die Stadt auf dem Silber. Fresnillo ist die größte Stadt im Bundesstaat Zacatecas und lebt vom Silberbergwerk, dem größten Arbeitgeber. Der Berg Cerro Proaño liegt am Rande der Stadt. Von hier aus begann der Aufstieg Fresnillos zur Silbermetropole Mexikos. Im Jahr 1546 wurden die Spanier von den damals dort lebenden Einheimischen Indianern auf das Silbervorkommen aufmerksam gemacht. Selbst Alexander von Humboldt besuchte Fresnillo und berichtete 1800 - 1803 in seiner Reisebeschreibung darüber. Aber über ca. 400 Jahre blieb die Lagerstätte recht unbedeutend, mit Phasen, in denen die Bergwerke immer wieder geschlossen wurden. Ab 1919 wurde dann kontinuierlich gefördert, wobei man in den 1940er Jahren die Oxidationszone völlig abbaute.

Mitte der 1970er Jahre wurden beeindruckende Gänge von massivem Pyrargyrit, Akanthit, Stephanit sowie Polybasit entdeckt. Im Gegensatz zu anderen Silberminen auf der Welt bietet Fresnillo eine der wohl größten Mengen reiner Silbermineralien.

Fresnillo ist die weltgrößte Silberlagerstätte und stellt alle großen klassischen Vorkommen Mexikos und der Welt wie Kongsberg, Harz und Sachsen in den Schatten. Die Grube stand bis inkl. 2007 auf Platz 1 der weltgrößten Silberberwerke. Die Betreibergesellschaft ist das mexikanische Bergbauunternehmen Industrias Peñoles.

Literatur

  • Panczner, W., 1987; Minerals of Mexico
  • Wallace, T. C., Hall-Wallace, M. K., 2003; Famous mineral localities: Fresnillo, Zacatecas, Mexico. Min. Record, 34(6)
"Cerro Proano" bei Fresnillo
"Cerro Proano" bei Fresnillo
endeavour-minerals
Förderturm am "Cerro Proano"
Förderturm am "Cerro Proano"
endeavour-minerals
Förderturm am Berg in einer anderen Perspektive
Förderturm am Berg in einer anderen Perspektive
endeavour-minerals

San Bartolomé und San Cristóbal in Bolivien

Potosi-Bolivien
Potosi-Bolivien

Luftbild der Stadt Potosi und des umliegenden Bergbaugebietes. Aufnahme von gerd Breitenbach; Public Domain

Archiv: Peter Seroka (Collector)
Cerro Rico de Potosi
Cerro Rico de Potosi

Potosi, Bolivia

Kevin Ward

Die Lagerstätte San Bartolomé liegt in 3.900 bis 4.700 m Höhe am berühmten Berg Cerro Rico südlich der Stadt Potosi und gehört der Gesellschaft Coeur (Coeur d'Alene, USA) und wird durch deren Tochtergesellschaft Empresa Minera Manquiri SA abgebaut. Nach Expertenmeinung ist San Bartolomé im Jahr 2009, dem ersten Jahr unter voller Produktion, die weltgrößte Reinsilbergrube. Es wird angenommen, dass die Lagerstätte in den anfänglichen Jahren der geschätzten Lebensdauer von 14 Jahren ca. 9 Mio. Unzen Silber herstellen wird. Die aktuell erschließbaren Silbervorräte liegen in den Kieslagerstätten Huacajchi, Santa Rita, Diablo Este und Diablo Norte am Fuß des Cerro Rico und erlauben einen mühelosen Tagebau ohne Bohr- und Sprengarbeiten. Das Grundgebirge des Cerro Rico besteht vorwiegend aus ordovizischen bis silurischen kontinentalen klastischen und flachen marinen Sedimenten, lokal auch kretazäische kontinentale klastische Gesteine. Dieses Grundgebirge wird teilweise von vulkanischen rhyolithischen Aschetuffen und vulkanoklastischen Gesteinen überlagert. Silber und Zinn kommen hauptsächlich disseminiert in silifizierten gealterten Rhyodaciten vor. Es ist geplant, dass das Projekt San Bartolomé auch alte Oxidhalden aus der Zeit des kolonial-historischen Bergbaus aufbereiten wird.

Die Silberlagerstätte San Cristóbal liegt in der Provinz Nor Lipez im Departemento Potosi. Die ehemalige koloniale spanische Silbergrube Mina Toldos liegt in der Südostecke des Reviers und wird von diesem mittlerweile eingenommen. Im Jahr 1996 wurden in der Umgebung der Gemeinde San Cristóbal im Municipio Colcha Silbervorkommen entdeckt. Im Rahmen der Erschließung dieser Lagerstätte wurde der Ort umgesiedelt. Im August 2007 wurde die Mina San Cristóbal eröffnet.

Das Vorkommen wird auf ca. 450 Mio. Unzen Silber, ca. 4 Mio. t Zink und 3 Mio. t Blei geschätzt. Die im Übertagebau erschließbaren Erzreserven betragen insgesamt etwa 231 Mt. Die Förderung liegt bei ca. 525 t Silber, 225.000 t Zink und 82.000 t Blei pro Jahr. Damit ist San Cristóbal die weltweit drittgrößte Silber- und fünftgrößte Zinkmine. Das Vorkommen wird von dem Unternehmen Sumitomo Corp. (Japan) erschlossen.

Wichtige Silbererze sind Brom- und Chlorargyrit, Polybasit, Pyrargyrit, Strohmeyerit und Ag-haltiger Galenit. Die Mineralogie von San Cristobal ist insofern ungewöhnlich, als hier sehr häufig Hämatitkristalle (Specularit) in den Erzgängen auftritt.

Literatur

  • Jacobson, H. S., et. al., 1969; Geology and mineral deposits of the San Cristóbal district Villa Martin Province Potosi, Bolivia U.S. Geological Survey bulletin: 1273; U.S. Agency for Interntl. Dvlpmt., Serv. Geol. de Bolivia., Geol. Survey; U.S. Government Printing Office (Washington, DC); Themen: Geology — Bolivia — San Cristobal District; Silver — Assaying; Silver mines and mining — Bolivia — San Cristobal District
  • http://www.mining-technology.com/projects
  • http://www.coeur.com/operations-san-bartolome-bolivia.html

Manantial Espejo und Martha in Argentinien

Nahe La Manea, Chubut, Patagonien
Nahe La Manea, Chubut, Patagonien

Charakteristische Landschaft nahe La Manea in Chubut, Argentinien; Foto: Ricardo und Claudia Birnie

Archiv: Peter Seroka (Collector)

Manantial Espejo und die Mina Martha sind hydrothermale (epithermale), gangförmige Silber- und Goldlagerstätten in den patagonischen Provinzen Chubut und Santa Cruz im Somon Cura Massiv, welches mit dem Deaseado-Massiv der Provinz Santa Cruz korreliert. Beide Vorkommen sind hochangereichert. Sie liegen in ca. 1.000 m mächtigen Rhyolithen und sind durch MFB (massive flow-banded) Lithologien charakterisiert.

Der Über- und Untertagebau Manantial Espejo, ca. 160 km von Puerto San Julian, gehört dem Unternehmen Pan American Silver und wurde offiziell im März 2009 eingeweiht. Die erwartete Fördermenge liegt bei 2.000 t Erz pro Tag. Die Grube Martha in Santa Cruz wird vom multinationalen US-Unternehmen Coeur betrieben, welches das Vorkommen 2002 erwarb und bis 2009 mehr als 13 Mio. Unzen Silber hergestellt hat. Ca. 80 km nordwestlich der Lagerstätte Martha wurden in der Liegenschaft Joaquin in La Morena, La Negra und La Morocha drei neue, vielversprechende Ag- und Au-Mineralisationen entdeckt und probegebohrt. Etwa 45 km nördlich der Grube Martha liegt Nico, eine gangförmige Brekzien-Manto-Silberlagerstätte, welche von Mirasol Resources Ltd. exploriert wurde und an welcher die Coeur-Gruppe einen 75 % Optionsanteil vereinbart hat. Der Beginn der Erzförderung war für Anfang 2009 geplant.

Literatur


Cerro Bayo in Chile

Patagonien
Patagonien

Chile, XI. Region, Aisen; Patagonien

Sebastian Vázquez Zarzoso

Cerro Bayo liegt etwa 28 km von Chile Chico in der XI. Region (Region de Aisén del General Carlos Ibanez del Campo). Die epithermalen Gold-Silberlagerstätten von Cerro Bayo liegen innerhalb einer Liegenschaft von 270 km3. Aktuell sind mehr als 100 Erzgänge bekannt, wovon bisher nur die Gangsysteme Dagny und Fabiola exploriert wurden. Der Gang Delia hat eine Mächtigkeit von mehr als 1 km und erstreckt sich bis zu einer Tiefe von 80 - 100 m. Die Erschließung von Cerro Bayo wird durch das US-Unternehmen Coeur betrieben, welches weitere 250 km3 Konzessionen in der XI. Region besitzt.

Literatur

  • Flores Williams, H., 1938; Geologia de los yacimientos metaliferos de Chile. Bol. Min. 53, 500
  • Munoz Cristi, J., 1973; Geologia de Chile
  • Ruiz, C. F., 1942; Posibilidades mienras de Aysen; Univ. de Chile, Instrit. Geogr. Publ. 1, 1-70
  • Zeil, W., 1964; Geologie von Chile
  • http://www.infomine.com/index/properties/CERRO_BAYO.html

Uchucchacua, San Genaro, Arkata und Colquipocro in Peru

Uchucchacua Bergbaukomplex-Luftbild
Uchucchacua Bergbaukomplex-Luftbild

Oyon, Lima, Peru

Ibrahim Jameel
Uchucchacua Bergbaukomplex
Uchucchacua Bergbaukomplex

Oyon, Lima, Peru

Ibrahim Jameel
Proustit
Proustit

Mina San Genaro, Castrovirreyna, Huancavelica, Peru; 4,8 x 3,7 cm

Fabre Minerals
Miargyrit
Miargyrit

San Genaro, Castrovirreyna, Huancavelica, Peru;: 11x8,8 cm

Dan Weinrich

Uchucchacua

Uchucchacua ist eine komplexe gangartige Ag-Mn-Pb-Zn-Verdrängungslagerstätte, welche in Verbindung zu einer dacitischen Intrusion steht, die kretazäische und tertiäre Formationen durchdringt. Sie liegt in der Provinz Oyon im Departement Lima.

Erster Bergbau auf Silber wurde schon zu Zeiten der Kolonialisierung durch die Spanier betrieben, die allerdings nur die Oxidationszone abbauten. Im Jahr 1960 wurden neue Explorationsarbeiten durch die Compania de Minas Buenaventura durchgeführt, 1975 eine Pilotfabrik mit einer geplanten Kapazität von 150 t/Tag errichtet. 1981 entdeckte man drei hochgradige Erzkörper im Gebiet der Mina Carmen, worauf die Förderkapazität auf 500 t/Tag Erz mit 16 Unzen Ag-Gehalt pro Tonne erhöht wurde. Gegen Ende der 1990er war Uchucchacua der drittwichtigste Silberproduzent Perus, mit einer jährlichen Produktion von 3 Mio. Unzen Silber sowie größeren Mengen Blei und Zink.

Die ersten Mineralien von Uchucchacua waren erdbeerrote Rhodochrosite, welche 1983 auf den Markt kamen. Diesen folgten Fluorit, Pyrrhotin, Pyrit, stalaktitischem Kutnahorit sowie spektakuläre Proustite und Pyrargyritn mit Kristallen bis 3 cm Kantenlänge. Silber kam in Drähten und Locken auf Akanthit in und auf Galenit vor. Nicht wenige Stufen formten Silber-Vogelnester mit Drähten bis 24 cm Länge (wenn abgerollt). Weitere, teilweise sehr gut ausgebildete Silbermineralien dieses Vorkommens sind: Andorit, Freieslebenit, Miargyrit, Pearceit, Pearceit-T2ac, Polybasit. Die Lagerstätte ist Typlokalität für Uchucchacuait.

San Genaro

San Genaro liegt im Distrikt Castrovirreyna, Provinz Castrovirreyna im Departement Huancavelica, entlang der Straße, welche von der Stadt Huancavelica an der pazifischen Küste nach Pisco führt. Das Gebiet besteht aus einer Serie von durchschnittlich 5.000 m hohen, flachen, känozoischen dacitischen Vulkanen. Die Erzvorkommen waren schon 1590 bekannt, effizienter Bergbau begann jedoch erst im Jahr 1946. Die größten Gruben des Distriktes sind Caudalosa-Candelaria, San Genaro, Carmen-Lira. Daneben gibt es eine Anzahl kleinerer Abbaue.

Die Lagerstätte San Genaro besteht aus drei Mineralisationen: Die erste aus Pyrit, Sphalerit, Galenit und Chalkopyrit, die zweite führt hauptsächlich Proustit und die dritte besteht aus Pyrargyrit, Polybasit und anderen Sulfiden und Sulfosalzen in kleineren Mengen. Natürliches Silber kommt in Drähten und Locken vor. Spektakulär sind Myargyritkristalle bis 3 cm und Pyrargyrite in Kristalen bis Golfballgröße. Seltener sind Aramayoit, Baumstarkit (Typlokalität), Pearceit, Freibergit und Stephanit. Zusätzliche Informationen finden sich im Kapitel Silber aus der Neuen Welt - Castrovirreyna.

Arkata

Arkata ist eine Silberlagerstätte im Departemento Arequipa, ca. 180 km nordnordwestlich von der Stadt Arequipa. Sie liegt auf einer Höhe von 4.600 - 4.900 m. Arkata ist die jüngste bekannte Adular-Serizit-Typ epithermale gangförmige Lagerstätte im miozänischen Vulkangürtel von Südperu mit predominanter Silber- und variabler Gold-, Blei- und Zinkmineralisation. Die vorherrschenden Erzmineralien sind Pyrargyrit, weitere Ag-Sulfosalze, silberhaltiger Tetraedrit, Akanthit und Elektrum. Sie werden begleitet von Pyrit, Sphalerit, Galenit, Chalkopyrit, Arsenopyrit, Pyrrhotin, Stibnit und Markasit. Gangarten sind Fluorit, Rhodochrosit, Mn-Silikate, Quarz und Siderit. Adular sowie radiale Aggregate von Calcit und Chlorit sind ständige Erzbegleiter.

Das Vorkommen wird untertage abgebaut, das Erz wird mittels Flotation in einer Konzentrationsanlage zu Silber-/Gold-Bulk aufbereitet. Der Silbergehalt der Erze beträgt durchschnittlich 712 g/t.

Colquipocro

Colquipocro in der Provinz Ancash ist ein neues Projekt mit Geschichte. Antonio Raimondi, der große peruanische Reisende, besuchte die Lagerstätte 1868 und schrieb darüber: "... Von Pamparomas gelangte ich zur reichen Grube Colquipocro, was in der Quechua-Sprache "Richtiger Silberschacht" bedeutet. Ich sah mir diese wichtige Grube an, auch die wichtigsten Gänge, darunter die "Reichen Schächte", in welchen sich die radial verstreuten Silbergänge in einem Zentrum vereinigen. Diese Lagerstätte wird schlecht abgebaut und benötigt nichts weiter als Kapital und gutes Management, um zu seinen fabulosen Reichtümern zurückzukehren."

Colquipocro ist eine gangförmige epithermale polymetallische Ag-, Pb-, Zn-Lagerstätte mit den Haupterzen Galenit, Proustit, Tetraedrit, Sphalerit und Chalkopyrit sowie Quarz, Pyrit und Calcit als Gangmineralien. Die Mächtigkeit der Gänge beträgt zwischen 10 cm und 2,50 m, sie liegen in schwachsulfidischen Vulkaniten und Intrusiva. Die Hauptvererzung besteht aus roten Silbermineralien und Sulfosalzen von Ag, Cu und Zn sowie etwas Au. Das altbekannte Vorkommen gehört zur Bergbaugesellschaft Minera Huallanca S.A. und wurde 2007 exploriert. Das Gesamtpotential wird auf 1,5 Mio. t Erz geschätzt.

Literatur

  • Benavides, A., 1984; Occurencia de la plata en El Peru. Mineria 80, 5-10
  • Candiotti de los Rios, H., Noble, D. C., McKee, E., 1990; Geologic setting and epithermal silver veins of the Arcata District, southern Peru; Economic Geology 85, 7, 1473-1490
  • Crowley, J. A., Currier, R. H., Szenics, T., 1997; Mines and Minerals of Peru; Min. Rec. 28; Special edition on Peru
  • Martel Quintana, I., 2006; Estudio structural de la zona San Genaro, mina Genaro-Huancavelica, Peru. Rev. del Instit. de Investig. FIGMMG 9, 17, 51-58
  • Palacios Moncayo, O., et al., 1995; Geología del Peru
  • Raimondi, A., 1869; El Peru

Silber - Uchucchacua
Silber - Uchucchacua

Uchucchacua, Peru; 6x3,2 cm

Rob Lavinsky
Akanthit auf Silber
Akanthit auf Silber

Uchucchacua-Gruben, Oyon, Lima, Peru; 1,6 x 1,5 cm

Dan Weinrich
Silber - Uchucchacua, Peru
Silber - Uchucchacua, Peru

6 cm

Dan Weinrich

Imiter, Igoudrane und Zgounder in Marokko

Imiter-Betriebsgebäude
Imiter-Betriebsgebäude

Imiter, Marokko

Frank de Wit
Imiter - Bergeversatz
Imiter - Bergeversatz

Imiter, Marokko. Kein See, sondern Bergeversatz

Frank de Wit

Imiter liegt ca. 32 km südwestlich von Tinerhir (Tinghir) im nördlichen Bereich des Gebirgszuges Jebel Sarhro, welcher zum Anti-Atlas gehört. Es ist eines der weltweit größten Silbervorkommen, welches zur Zeit von der Bergwerksgesellschaft SMI abgebaut und aufbereitet wird.

Silber wurde schon im Mittelalter gefördert. Zwischen der Mitte und dem Ende des 13. Jahrhunderts geriet die Lagerstätte in Vergessenheit, eine erneute Aufnahme der Bergbauaktivitäten erfolgte erst in den 1950er Jahren. Es ist eine gangförmige neoproterozoische, epithermale Lagerstätte mit hochgradigen Ag-Hg-Erzkörpern in dolomitischen bzw. Vulkanit-Quarzgängen in einer Zone aus schwarzen Schiefern und Grauwacken, verteiltes (disseminated) Silber findet sich bis über 500 m Teufe (Bohrkern).

Der Silbergehalt beträgt teilweise bis zu 1.000 g pro Tonne Erz. Die Reserven werden auf ca. 2 Mio. t Silbermetall geschätzt. Die jährliche Silbergewinnung liegt bei mehr als 200 t. Im Mittelalter wurden ca. 1.000 t Silber, zwischen 1970 und 2008 ca. 4.000 t Silbermetall erzeugt.

Das Silber tritt jedoch nicht nur disseminiert, sondern auch in bis zu 100 kg schweren plattigen Aggregaten auf. Das Vorkommen ist bekannt für teilweise riesige Silber-(Amalgam)-Stufen und schöne Proustite sowie Pyrargyrite, welche in recht großer Menge seit etwa Ende der 1990er Jahre auf dem Markt sind. Imiter ist die Typlokalität für das Mineral Imiterit. Zudem für Amalgam, welches bis zu 40 % Hg enthalten kann (Kongsbergit), Akanthit (in hervorragenden, leider jedoch meist mattschwarzen Kristallen), Dolomit (Gangart), Pearcit (meist auf Proustit), Quarz (Gangart), Silber (gediegen, blechförmig, massiv), sowie weitere Mineralien, die jedoch noch auf Bestätigung warten, bzw. Varietäten, Gemische oder Alterungsprodukte sind. Seltene Silbermineralien sind Dyskrasit, Fettelit, Imiterit, Polybasit, Stephanit, Sternbergit und Strohmeyerit.

Neben den massiven Silberblechen auf und ohne Matrix wurden seit etwa 2005 hervorragend ausgebildete, teilweise bis über 10 cm große Stufen mit Silberlocken auf Akanthit auf den Märkten angeboten. Es ist aber anzunehmen, dass diese prächtigen Exponate allesamt künstliche Erzeugnisse sind. Für weitere Informationen dazu siehe dazu das Kapitel Anthropogene Silberlocken.

Nur wenige Kilometer entfernt von Imiter liegt das Massiv Igoudrane im Jebel Sarho-Gebirge, Anti-Atlas. Hier wurde eine reiche Silberlagerstätte (Puit Igoudrane) mit ca. 500.000 t Reserven bei einem Silbergehalt von 750 g/t exploriert und seit etwa 1997 abgebaut. Die Erzgänge liegen in Granodiorit.

Die flachen, an der Oberfläche zutage tretenden sichtbaren Gänge gediegenen Silbers der Lagerstätte Zgounder wurde bereits zwischen dem 10. und dem 13. Jh. abgebaut und ruhte dann bis Ende der 1960er Jahre Explorationsarbeiten zu einer neuen Bergbauphase führten.

Das Ag-Hg-Cu-Vorkommen am Berg Siroua im Anti-Atlas, ca. 15 km nordöstlich von Askaoun, Provinz Taroudant und ähnelt Imiter. Es ist eine epithermale Lagerstätte mit mineralisierten schmalen Quarz-Calcit-Gängen in mittel- bis präkambrischen Sedimentiten und Diabasen der vulkanischen sedimentären Soroua-Formationen. Das Silbererz kommt überwiegend disseminert vor.

Zgounder wurde zwischen 1982 und 1990 im Untertagebetrieb von der Bergbaugesellschaft SOMIL abgebaut, der Ausstoß lag bei 75 - 80 t pro Jahr. In dieser Zeit wurden ca. 500.000 t Erz mit einem Durchschnittsgehalt von 330 g/t aufbereitet. 1990 wurde die Grube wegen des gefallenen Silberpreises suspendiert, die Bergbauanlagen jedoch instandgehalten. 1999 gab es Pläne, den Abbau mit Reserven von 420.000 t bei einem Silbergehalt von 102 g/t, sowie die Aufbereitung der alten Halden (geschätzt 83.000 t mit 289 g Ag/t) wieder aufzunehmen.

Literatur

  • Barodi, E. B., Belkasmi, A., Bouchta, R., Qadrouci, R., 1998; Les mineralisations argentiféres du Maroc; cas du gisement d'Imiter. Chron. Rech. Min. 531/532, 77-92
  • Cheilletz, A., Levresse, G., Gasquet, D., Azizi-Samir, M.R., Zyadi, R., Archibald, D. A., Farrar, E., 2002; The giant Imiter silver deposit. Neoproterozoic epithermal mineralization in the Anti-Atlas, Morocco. Mineralium Deposita 37, 772-781
  • Hatier, J., 1967; L'exploitation de la mine de l'argent de Zgounder (Siraua) ore XIIIe siecle. In: Histoire du Maroc, 131-132
  • Leistel, J. M., Qadrouci, A., 1991; Le gisement argentifère d’Imiter (Protérozoïque supérieur de l’Anti-Atlas, Maroc) Contrôle des minéralisations, hypothèse génétique et perspective pour l’exploration. Chronique de la Recherche Minière 502, 5-22
  • Petruk, W., 1975; Mineralogy and geology of the Zgounder silver deposit in Morocco. Can. Min. 13, 43-45

Silber
Silber

Imiter; Kristalle; Stufe 9.,6 x 5,4 cm;

Heliodor1
Kongsbergit
Kongsbergit

Silbervarietät Kongsbergit; Imiter, Tinerhir, Marokko. 3 cm

Heliodor1
Silber - Imiter
Silber - Imiter

3,3 x 2,2 cm

Heliodor1
Akanthit als Erz
Akanthit als Erz

Akanthiterz von Imiter, Marokko. 9x5 cm

Heliodor1
Silber
Silber

auf Akanthit. Imiter, Marokko. 4,9 x 3,8 cm

Dan Weinrich
Silber auf Akanthit
Silber auf Akanthit

Imiter. 5 x 3,6 cm; 2009. Preis US$ 4.850

Kevin Ward

Mehdiabad im Iran

Zentraliranisches Plateau SW von Yazd
Zentraliranisches Plateau SW von Yazd

Eine ältere Ansicht des zentraliranischen Plateaus SW von Yazd, in welchem die supergene Zn-Pb-Ag-Lagerstätte Mehdiabad liegt.

Archiv: Peter Seroka (Collector)

Die in der Kreidezeit entstandene, ca. 1,5 km breite und 2,5 km lange Zink-Blei-Silber-Lagerstätte Mehdiabad befindet sich in der Provinz Yazd. Bei dem Vorkommen handelt es sich um eine sedimentogene, supergene SEDEX-Typ-Lagerstätte im Zentraliran, ca. 110 km südwestlich von der Stadt Yazd. Eigentümer ist eine private iranische Kapitalgesellschaft, die Mehdiabad Zinc Company (MZC). Projektleiter und Anteilseigner an MZC ist die australische Union Resources Ltd. Die Reserven der im Tagebau abgebauten karbonatgebundenen Erze, hauptsächlich Galmei, werden auf 20 bis 40 Jahre geschätzt. Diese Reserven (Schätzung 2008) liegen bei 45 Mio. t Oxiden, 116 Mio. t Sulfiden und 10 Mio. t Baryt. Die Produktionskapazität wird auf ca. 200.000 t Zn-Pb-Erz pro Jahr geplant. Damit ist Mehdiabad das größte nichtentwickelte Zinkvorkommen der Welt. Der jährliche Ausstoß an Blei-Silber-Konzentrat soll bei etwa 4 Mio. Unzen liegen. Der Silbergehalt des abgebauten Galenit liegt bei 36 g/t.

Der Silberbergbau im Zentraliran lässt sich bis ins 4. Jahrtausend v. Chr. zurückverfolgen. Eines der Zentren des Blei-Silberbergbaus war das bis heute berühmte Vorkommen von Nakhlak. Höhepunkt der Bergbauaktivitäten war die sassanidische, frühislamische Periode. Sassanidische Silbergefäße wurden im Nordwestiran bei Quri Qaleh gefunden. In der Provinz Chorasan im Süden des Landes liegt die Cu-Ag-Au-Lagerstätte Madan-e Ghale Zari, ca. 180 km südwestlich von Birjand. Das Vorkommen wurde 1969 bis 1972 exploriert, die Grube 1972 eröffnet. Neben natürlichem Silber kommen sehr gut ausgebildete Calcite, Hemimorphit und Quarz vor.


Silber und Akanthit
Silber und Akanthit

Ghale ZariMine, Birjand, Iran; 4,8 x 3,5 cm

Dan Weinrich

Literatur

  • Mojtahedzadeh, S. H., Kajiwara, Y., 1998; Geology, mineral assemblage and some main characteristics of Mehdiabad Pb-Zn-deposit, Yazd, Central Iran; Soc. of Resource Geol. of Japan, annual metg., Tokyo; 22
  • Stöllner, T., Slotta, R., Vatandoust, A., (edit); 2004; Persiens antike Pracht. Bergbau, Handwerk, Archäologie. Katalog der Ausstellg. d. Deutschen Bergbaumuseums, Bochum
  • Stöllner, T., Weisgerber, G., Morteza, M., Pernicka, E., 2004; Die Bedeutung der Blei-Silbergruben von Nakhlak im Altertum; Katalog der Ausstellg. d. Deutschen Bergbaumuseums, Bochum, 478-493

Dukat in Sibirien

Silber-Russland
Silber-Russland

Silberlocke von den Ducat-Gruben, Omsukchan, Kolyma, Magadan Oblast, Sibirien, Russland; Größe: 12,4 x 3,6 cm

Kevin Ward

Russlands größtes Silbervorkommen wurde 1979 entdeckt. Es wird in der Grube Dukat im Dukat Erzfeld, Kolyma-Becken, 68 km von der Distriktstadt Omsukchan und 575 km nordöstlich von Magadan, im Oblast Magadan in der ostsibirischen Tundra auf 850 m Höhe untertage, aktuell auf etwa 600 m Teufe abgebaut. Die offizielle Bezeichnung des Silberbergbaus ist Goltsovoye Projekt. Erste Probeschürfungen im Jahr 1993 erbrachten 10.000 t Erz. Das sulfidische Flotatinskonzentrat wurde in den Anfangsjahren nach Kasachstan transportiert, um es dort zu schmelzen. Die Grube war 1995 geschlossen, wurde um 2000 jedoch mit US-Kapital modernisiert. Die Reserven wurden auf insgesamt 2,6 Mio. t Erz geschätzt.

Die Reserven des gesamten Vorkommens werden auf 10,55 Mio. t mit einem Silbergehalt von 755 g/t geschätzt. Dies entspricht ca. 90 aller russischen Silbervorräte. Es wird von einer Lebensdauer von 10 Jahren bis zur Ausbeutung ausgegangen.

Die Lagerstätte Dukat ist ein Rhodonitkörper mit Silbererzgängen. Sie besteht aus 30 bis zu 1.500 m langen und durchschnittlich 3,2 m mächtigen Erzkörpern in Form spätkretazäischer Konglomerate und Brekzien in Verwerfungen sowie aus hydrothermalen Erzgängen in einem vulkanischen Nevadit-(Rhyolith-) Dom mit Ignimbriten, Rhyolithen, Mikro-Xenolithen von Eklogit sowie Grünschiefer im Rhyolith. Neben der reichen Silbermineralisation gibt es auch Blei- und Zinkmineralien. Mineralogisch interessant ist neben Silber das seltene Vorkommen natürlicher Elemente bzw. Legierungen wie Blei, Messing, Zink und Zinn.

Die Mineralparagenese besteht aus Adular, Akanthit, Ägirin, Aguilarit, Albit, Allanit-(Ce), Anatas, Andesin, Blei (natürlich), Fluorit, Fluorapatit, Graphit, Helvin, Ilmenit, Korund, Messing (natürlich), Monazit-(Ce), Pearceit, Pyrophanit, Quarz, Rhodonit, Silber, Staurolith, Stistait, Sturtit, Xenotim-(Y), Zink (natürlich), Zinn (natürlich), Zinkit und Zirkon.

Literatur

  • Filiminova, L. G., 1994; Metal-bearing basic microxenoliths from the Nevadit of the Dukat Ore Field; Implications for the origin of the deposit
  • Filimonova, L. G., and Chugaev, A.V.; 2006; Chronology of hydrothermal and magmatic activity in the Dukat Gold–Silver Ore Field. Geology of Ore Deposits 48(6), 489-498
  • Filimonova, L. G., and Trubkin, N. V.; 2008; Micro- and Nanoparticles of Zincite and Native Zinc from Disseminated Mineralization of Metasomatic Rocks in the Dukat Ore Field. Geology of Ore Deposits 50(2), 135-144
  • Ovaca Gold PLC, 2006; Goltsovoye Licence Area. http://www.ovaca.gold.com

Magadan Oblast, Rusland
Magadan Oblast, Rusland

Ansicht der Tundra im Gebiet Chasyn und Dukat, Magadan-Oblast, Sibirien, Russland

Public Domain
Winter nahe des Chotskischen Meeres
Winter nahe des Chotskischen Meeres

Magadan Oblast, Sibirien, Russland.; s.a. Silber-Lagerstätte Dukat. Russ. Nat.bibliothek, St. Petersburg; um 1900

Public Domain
Silber - Dukat Mine
Silber - Dukat Mine

Dukat-Grube, Magadan, Russland; 1,6 x 0,9 cm

John Veevaert

Silber aus Kasachstan

Kupferbergbau Dscheskasgan in Kasachstan-Gulag
Kupferbergbau Dscheskasgan in Kasachstan-Gulag

Eng mit dem Kupferbergbau von Dscheskasgan verbunden war ein berüchtigtes GULAG während der Stalinzeit. Public Domain PD-Old/Russia, Public Domain USA, Europa. Benutzer u.a. wikipedia/gulag

Public Domain

Zwischen 1989 und 1990 wurden in der Silberlagerstätte Sarbai (Sarbaiskoe; resp. Erzrevier Sokolov-Sarbai) nahe der Stadt Rudny im Oblast Qostaney (Kustany) einmalig Calcitgänge mit einer umfangreichen S-As-Paragenese freigelegt. Paragenetisch treten auf: Akanthit, Anhydrit, Argentopyrit, Arsen, Arsenpolybasit, Calcit, Chabasit-Ca, Chalkopyrit, Fluoroapatit, Gmelinit-Na, Greenockit, Groutit, Heulandit-Ca, Magnetit, McKinstryit, Moolooit, Pearceit, Pharmakolith, Polybasit, Proustit, Pyrit, Quarz, Silber, Sphalerit, Stellerit, Stephanit, Stibnit, Tetraedrit und Xanthokon.

Das Vorkommen ist bekannt geworden durch sehr schöne und relativ große Silberlocken und kubische Akanthitkristalle sowie Paragenesen von Silber mit Stellerit. Es gibt auch mit dem Fundortnamen Sokolov bezeichnete Silberstufen. Dabei ist Sokolov eine gigantische Eisen-(Skarn)-Lagerstätte, in welcher auch Akanthit, Proustit und gediegen Silber vorkommt. Insofern sind Silberstufen aus diesem Revier nicht unbedingt ausgeschlossen. Richtiger wäre die Bezeichnung: Erzrevier oder Lagerstätte Sokolov-Sarbai.

Keine Silberlagerstätte, jedoch bekannt für ausgezeichnete, optisch attraktive Silberlocken bis mehrere cm-Größe sowie für Freieslebenit in Kristallen ist das berühmt-berüchtigte Vorkommen Dscheskasgan.

Die ehemalige Provinz Dscheskasgan (deutsch, auch Schesqasghan, Dzheskasgan, Zhezqazghan, Zhezkazgan, Cezkazgan, Cezkazgan) wurde 1997 nach der Verwaltungsreform aufgelöst und gehört heute zum Oblast Qaraghandy (Karaganda) in Zentralkasachstan. Die Stadt und die gleichnamige Lagerstätte liegen im Bereich des Flusses Kara-Kebgir, mit ca. 250.000 Einwohnern, wovon etwa 150.000 in der zu Dscheskasgan gehörenden Bergbaustadt Satpayev (Satbajew) leben. Die Stadt wurde 1938 gegründet, um die reichen Kupfererzvorkommen zu erschließen. 1973 wurde im Südosten ein großer Bergbau- und metallurgischer Komplex gebaut, um die Kupfererze zu schmelzen, welche bis dahin in verschiedenen Teilen der USSR verhüttet wurden. Die Stadt selbst ist die Zentrale des Kupferkonglomerats Kazakhmys, dem größten Arbeitgeber der Region. Im Gebiet des Bergbaukomplexes Dscheskasgan befand sich einer der berüchtigten Gulags, welche Alexander Solschenytsin in seinem Buch Der Archipel Gulag beschrieb.


Silber mit Akanthit-Kuben
Silber mit Akanthit-Kuben

Grube Sarbai, Rudny, Qostanai Oblast, Kasachstan. 3,7 x 2,2 cm

Rob Lavinsky

Die ca. 30 km NWW von der Stadt liegende Lagerstätte wurde und wird hauptsächlich auf Kupfer, Mangan, Eisen und Gold abgebaut. Die Verhüttung findet im Zhezkazgantsvetmed-Wissenschafts- und Amalgamierungskomplex statt. Der aktuelle Besitzer des Bergbauhüttenkomplexes ist Samsung Co. Ltd. Hauptprodukte sind Kupfer und Kupfervitriol.

Die Lagerstätte besteht aus kontinentalen roten Sandsteinschichten als terrestrische Ablagerungen aus dem Mittleren und Oberen Karbon mit sedimentären kupferhaltigen Sandsteinen (Kupfersandsteintyp). Neben Silber kamen und kommen in Dscheskasgan sehr gut ausgebildeter Bornit, Betechtinit, Likasit sowie verschiedene Kupfersulfide und Kupfer in idiomorphen Kristallen vor.

Literatur

  • Intierra; 2008; Sokolov-Sarbai Iron Ore Operation; Project research report
  • Kartashov, P., 2009; Persönliche Mitteilung an den Verfasser (Sarbai)
  • Narkelyun, L. F., Geology and mineralization of the Dzhezkazgan deposit: Acad. of Sciences, Moscow, 131 pp. (Russisch)
  • Sandrigailo, N. F., 1958; The Sokolov-Sarbai ore concentration plant; Metallurgist 1, 3
  • Solschenytsin, A., 1974, Der Archipel Gulag
  • World of Stones: 12, 2-15 (Sarbai)

Silber
Silber

Dscheskasgan, Kasachsatn; Größe: 4,3 x 3,8 cm

Heliodor1
Silber
Silber

Dscheskasgan, Kasachstan. 4,3 x 3 cm

Heliodor1
Silber
Silber

Dscheskasgan, Kasachstan; Größe 4 x 4,3 cm

Kevin Ward
Silber
Silber

Lagerstätte Sokolov-Sarbai, Kustany Oblast, Kasachstan; 6,4 x 6,1 cm

Rob Lavinsky
Silber
Silber

Dscheskasgan, Kasachstan. 3,7x4 cm

Dan Weinrich

Silber aus China

China-Bergbau
China-Bergbau

Xianghuapu polymetallische Lagerstätte, Hunan.

Berthold Ottens
Bergbau in China
Bergbau in China

Hunan

Berthold Ottens
Bergbau in China-2
Bergbau in China-2

Hunan

Berthold Ottens
China-Bergbau
China-Bergbau

Polymetallische Lagerstätte Xianghualing, Hunan.

Berthold Ottens

Huangtu

Der authentische Name ist Yueshan. Im Westen oft falsch bezeichnet als Huangtong. Es ist eine stratiforme Ag-Pb-Zn-Lagerstätte im Luzhong-Bergbaurevier, Landkreis Lujiang, Präfektur Chaohu, Provinz Anhui. Die wichtisten Erze sind Galenit, Sphalerit und gediegen Silber, welches auch in attraktiven Drähten und Locken auftritt.

Lingqiu, Xiaoqinggou und Zhijiadi

Lingqiu ist ein Landkreis und Erzrevier in der Präfektur Datong in der Provinz Shanxi mit der Ag-Mn-Lagerstätte Xiaqinggou und der dort wichtigsten Grube Hongda sowie der Silberlagerstätte Zhijiadi. Bei den Vorkommen handelt es sich um hydrothermale, niedrigtemperiert gebildete polymetallische Ag-Lagerstätten. Das Haupterz ist Akanthit. Die Lagerstätten wurden wegen ihrer sehr gut ausgebildeten, oft mehrere Zentimeter großen Silberlocken bekannt. Als Lokalitätsbezeichnung wird nicht selten nur Lingqiu angegeben.

Lemachang

Dieses ist auch als Luomachang bekannt und ist eine stratiforme Silberlagerstätte im Landkreis Ludian, Präfektur Zhaotong, im Nordosten der Provinz Yunnan. Die Haupterze Galenit, Akanthit und Freibergit kommen in mitteldevonischen Dolomiten und Kalksteinen in einer kambrisch-ordovizischen Sandsteinformation vor.

Huize-Erzrevier

Das Erzrevier Huize liegt in der Präfektur Qujing im im Nordosten der Provinz Yunnan und erstreckt sich bis in die Provinz Guizhou (siehe auch Yinchangpo). Die wichtigsten Erze dieser supergroßen Pb-Zn-(Ag)-Lagerstätte vom Mississippi-Valley-Typ (MVT) sind Galenit, Sphalerit und Akanthit. Zu den wichtigsten Gruben gehört die Lagerstätte Quilinchang (Dashuijing), in welcher auch germaniumhaltiges Erz gefördert wird.

Yinchangpo

Yinchangpo ist eine hydrothermale stratiforme Silber-, Zink-Bleilagerstätte im Landkreis Weining, Präfektur Bije im Westen der Provinz Guizhou. Sie steht in geologischem Zusammenhang mit dem benachbarten Huize-Erzrevier in der Provinz Yunnan. Die Hauptsilbererze sind Galenit, Chlorargyrit, Freibergit und Silber.


Erentaolegai

Silber
Silber

auf Akanthit. Gaoliangchun, Lingqiu, Datong, Shanxi, China. Größe: 2 x 1.6 cm

Fabre Minerals

Die Silberlagerstätte Erentaolegai, Altan Emel, Xin Barag Rechtes Banner, Hulunbei'er Liga liegt in der autonomen Region Innere Mongolei. Sie ist eine große gangförmige epithermale Silberlagerstätte mit Schichten, Gängen und Hohlräumen in spätjurassischen vulkanischen Gesteinen, wesentlich Adamellit und Rhyolithporphyr. Das Vorkommen liegt in einem variskischen orogenen Gürtel zwischen den sibirischen und den nordchinesischen Plattformen. Hauptvererzungen sind Ag-Mn oder nur Ag-Erze in Quarzadern. Die wichtigsten Silbererzmineralien sind Akanthit, Aguilarit, Chlorargyrit, Freibergit, Jodargyrit, Miargyrit, Pearceit, Polybasit, Proustit, Pyrargyrit, Stephanit, Sternbergit, Strohmeyerit, silberhaltiger Tetraderit und gediegen Silber.

Erbahuo

Die ausgedehnte epithermale Silberlagerstätte Erbahuo liegt 120 km nordwestlich von der Stadt Chifeng in der Inneren Mongolei, ca. 450 km nordöstlich von Beijing. Der Erbahuo Bergbaudistrikt ist Teil des erzreichen Silbergürtels an der strukturellen Schnittstelle der nördlichen Kante der nordchinesischen Plattform mit der südlichen Kante des herzynischen Faltengürtels des Großen Xingang-Gebirges. Die Lagerstätte besteht aus Schichten, Gängen und Taschen in spätjurassischen vulkanischen Gesteinen, wesentlich Adamellit und Rhyolith-Porphyr. Es gibt zwei Mineralvergesellschaftungen mit Mn-Ag oder Ag-Mineralien in Quarzgängen. Paragenetisch treten Serizit, Chlorit, Quarz, Adular und Calcit auf. Die erzträchtigen Bereiche liegen hauptsächlich in der Oxidationszone, potentielle Silber- und andere Metallsulfide wurden jedoch in größeren Tiefen festgestellt. Betreiber der Grube ist Silver Dragon Resources Inc. Der erste SilberbarrenIm wurde im Jahr 2006 gegossen.

Literatur

  • Chaoyang Li, Tiegeng Liu, Lin Ye, Weiguang Zhu, and Hailin Deng, 2003; Large and superlarge silver deposits associated with volcanic rocks in China. Science in China, Series D (Earth Sciences), 46, Supplement 1, 84-98
  • Chen, J., and Tang, Y. L., 1993; Metallogenic mechanism on Ag-polymetallic deposits of hydrothermal explosion at Zhijiadi in Lingqiu County in Shanxi Province, Geology and Prospecting 29(11), 16 (Chinesisch)
  • Chen Tian-hu, Yue Shu-cang, Li Shuang-ying, and Wang Dao-xuan ,2000; Geochemistry of Rare Earth Elements in Xikeng Ag-Pb-Zn Ore Deposit, South Anhui, China. Journal of Rare Earths 18(3), 169-173
  • Chaoyang Li, Yuping Liu, Hailin Deng, Chaoxian Zhou, and Yaoguo Hu, 2001; On the MVT Pb-Zn deposits in the contiguous area of Sichuan, Guizhou and Yunnan, China. Goldschmidt Conference Abstracts, No. 3342
  • Deng Hailin, Li Chaoyang, Tu Guangzhi, Zhou Yunman, and Wang Chongwu; 2000; Strontium isotope geochemistry of the Lemachang independent silver ore deposit, northeastern Yunnan, China. Science in China, Series D (Earth Sciences) 43(4), 337-346
  • Dong Zhensheng et al., 1996; Geochemistry of low-temperature independent Ag deposits. In: Tu Guangzhi, Ed.: Low Temperature Geochemistry, Science Press (Beijing), 32-42
  • Khin Zaw, Peters, S. G., Cromie, P., Burrett, C., and Zengqian Hou, 2007; Nature, diversity of deposit types and metallogenic relations of South China. Ore Geology Reviews 31, 3-47
  • Runsheng Han, Congqiang Liu, Zhilong Huang, Jin Chen, Deyun Ma, Li Lei, and Gengsheng Ma, 2007; Geological features and origin of the Huize carbonate-hosted Zn–Pb–(Ag) District, Yunnan, South China. Ore Geology Reviews 31(1-4), 360-383
  • Taofa Zhou, Feng Yuan, Shucang Yue, Xiaodong Liu, Xin Zhang, and Yu Fan (2007): Geochemistry and evolution of ore-forming fluids of the Yueshan Cu–Au skarn- and vein-type deposits, Anhui Province, South China. Ore Geology Reviews 31, 279-303
  • Yaoguo Hu and Chaoyang Li, 2000; On occurrence of silver and characteristics of argentiferous minerals from Yinchangpo primary silver deposit in Guizhou Province. Acta Mineralogica Sinica 20(2), 150-159 (Chinesisch mit englischem Abstract)
  • Yaoguo Hu, Chaoyang Li, and Hanjie Wen, 2000; Characteristics of component migration in the process of silver enrichment in Yinchangpo silver deposit, Guizhou, China. Acta Mineralogica Sinica 20(4), 371-377 (Chinesisch mit englischem Abstract)
  • Yunman Zhou, 2001; Characteristics and Ore-controlling Role of the Thrusting Nappe Structure in the Lemachang Silver Deposit. Mineral Deposits (Kuangchuang Dizhi) 20(3), 271-278 (Chinesisch mit englischem Abstract)
  • Xiang Chen, and Ge Zhang, 2004; Isotope Geochemistry of Erentaolegai Silver Deposit, Inner Mongolia, China. Chinese Journal of Geochemistry 23(1), 71-80

Silber in Lockenform
Silber in Lockenform

Yueshan Pb-Zn-Ag-Lagerstätte, Kreis Lujiang, Präfektur Chaohu, Provinz Anhui, China; Größe 3,2 cm

Rob Lavinsky
Akanthit
Akanthit

Haupterz in der Grube Hongda, Xiaoqingou Ag-Mn-Lagerstättem Lingqiu, Datong, Shanxi, China. 7x6 cm

Kevin Ward
Silber
Silber

Anhui, China; Gefunden 2007 4,5 x 4,5 cm

Rob Lavinsky
Silber
Silber

LAndkreis Tengchong, Präfektur Baochan, Yunnan, China. 3,2 x 2,8 cm

Rob Lavinsky
Silber
Silber

66 Mine, Gaoliangchan, Lingqiu, Datong, Shanxi, China; Größed 6x4,1 cm

Fabre Minerals
Silber
Silber

Hongda Mine, Xiaoqinggou Ag-Au-Lagerstätte, Datong, Xiangxi, 8,1 cm

Fabre Minerals
Silber
Silber

Lemachang, Ludian, Präfektur Zhatong, Provinz Yunnan, China; 3x4 cm

Rob Lavinsky
Silber auf Matrix
Silber auf Matrix

Lingqiu, Datong, Shanxi, China. 6x4,8 cm

Kevin Ward
Silberlocke auf Matrix
Silberlocke auf Matrix

Zhijiadi Silbergrube, Datong, Lingqiu, Shanxi, China. 7,8 x 5,7 cm

Kevin Ward

Cannington und Elura in Australien

Elura mine
Elura mine

New South Wales, Australien; Kollaps nach dem Entfernen des Haldenmaterials. Foto Rolinator

Public Domain
Silber
Silber

Elura Mine (Endeavour Mine), Booroondarra, Cobar, Robinson Co., NSW, Australien. 4,8 x 0,7 cm.

Rob Lavinsky

Die Cannington Mine liegt in Nordwest-Queensland, ca. 250 km südöstlich von Mount Isa, nahe der Stadt McKinlay. Das Vorkommen wurde 1990 von BHP entdeckt und seit 1997 erschlossen und abgebaut. Die Produktion im Jahr 2005 betrug 3,1 Mio. t Erz mit einem Silbergehalt von 461 g/t. Cannington ist eine der drei weltgrößten Silberlagerstätten und liefert ca. 6 % der Weltsilberproduktion. Sie gehört der australischen Gesellschaft BHP Billiton. Haupterze sind silberhaltiger Galenit und Sphalerit. Silber tritt gediegen und in Form von Freibergit auf. Das Bleikonzentrat enthält ca. 70 % Blei und ca. 3 kg Silber pro t. Die Erze werden untertage abgebaut. Die Lagerstätte befindet sich in der südöstlichen Ecke des Mount Isa-Blocks in mittelproterozoischen metamorphen Gesteinen.

Die Silber-Blei-Zinklagerstätte Elura Mine in Booroondarra nahe Cobar, Robinson Co., New South Wales, wurde 1974 entdeckt und wird aktuell durch die Endeavour Mine erschlossen. Der Betreiber der Grube ist Pasminco. Die beiden langgestreckten Massivsulfid-Erzkörper sind ellipsenförmigförmig, massiv und liegen in einem devonischen Schiefergürtel. Aus der Elura Mine kamen ausgezeichnete, teilweise filigrane und fischgrätenartige Silberstufen. Das Vorkommen wurde auch durch sehr gut ausgebildete Mimetesite bekannt.

Literatur

  • Chapman, J., Scott, K., 2005; Supergene minerals from the oxidised zone of the Elura (Endeavor) lead-zinc-silver deposit. Australian Journal of Mineralogy 11, 83-90
  • David, V., 2008; Structural–geological setting of the Elura-Zn–Pb–Ag massive sulphide deposit, Australia. Ore Geology Reviews 34, 428-444
  • De Roo, J. A., 1989; The Elura Ag-Pb-Zn mine in Australia; ore genesis in a slate belt by syndeformational metasomatism along hydrothermal fluid conduits. Economic Geology v. 84, no. 2, 256-278
  • Scott, K. M., 1994; Lead oxychlorides at Elura, western NSW, Australia. Mineral. Mag. 58, 336-338

Die 10 weltgrößten Silbererzeuger im Jahr 2012

Die Welt-Silberproduktion erreichte im Jahr 2012 mit 787,0 Mio. Unzen einen globalen Rekord, wesentlich bedingt durch Produktionserweiterungen in Form als Nebenprodukt des Blei-Zink-Sektors (u.a. Polen). Mexico war das weltgrößte Silberbergbauland, gefolgt von China, Peru, Australien und Russland. Weltgrößter Erzeuger war die polnische KGHM Polska Miedz S.A. mit 41,0 mio Unzen; BHP Billiton verschob sich auf Platz 2 des internationalen Silber-Rankings mit 39,0 mio Unzen Ag.

Die weltgrößten Silbergruben im Jahr 2012

Silbermine

Standort

Betreibergesellschaft

Beginn der Förderung

Erzeugung 2012 in Mio. Unzen Silber

Cannington

200 km SE von Mt Isa, Queensland, Australien

BHP Billiton (Australien)

1997 - 1999

32,23

Fresnillo

Zacatecas, Mexiko

Industrias Peñoles (Mexiko)

Mitte 1970er Jahre

26,38

Dukat

Magadan Oblast, Russland

Goltsovoje Project

ca. 1993

15,50

Uchucchacua

Provinz Lima, Peru

Buenaventura

ca. 1960

11,26

Pirquitas

Argentina

Silver Standard Resources

n.a.

8,62

Palmarejo

Mexico

Coeur d'Alene Mines Corp.

n.a.

8,24

Pallancata

Peru

Hochschild Mining

n.a.

7,44

Saucito

Mexico

Fresnillo Plc.

n.a.

7,05

Gümüsköy

Türkei

Eti Gümüs A.S.

n.a.

6,43

Greens Creek

USA

Hecla Mining

n.a.

6,39


Ranking der silberproduzierenden Länder im Jahr 2012

  • 1.Mexiko
  • 2.China
  • 3.Peru
  • 4.Australien
  • 5.Russland
  • 6.Polen
  • 7.Bolivien
  • 8.Chile
  • 9.USA
  • 10.Argentinien
  • 11.Canada
  • 12.Kasachstan
  • 13.Indien
  • 14.Schweden
  • 15.Türkei
  • 16.Marokko
  • 17.Guatemala
  • 18.Indonesien
  • 19.Iran
  • 20.Südafrika

Quelle



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Mineralienportrait/Silber [ Vorherige: Stephanit | Nächste: Eigenschaften ]

Eingefügter Text von Mineralienportrait/Silber/Herstellung

Silber

Silber - Treibherd zum Scheiden von Blei
Silber - Treibherd zum Scheiden von Blei

Treibherd; aus Meyers Konversationslexikon 1885

Archiv: Peter Seroka (Collector)

Aufbereitung und Scheiden von Silber


Wie man Kupfer zu Silber machet!

Nimm Stücke des Kupfers und mache sie dünne. Erwärme diese Stücke im argen Feuer und gebe schärfsten Essig hiebei, zudem gebe noch den Harn eines unverdorbenen Knaben. Thue dies bis 9 Malen und öfter. Beim Erwärmen thue es gleichmäßig. Bestreue mit feinem gepülvertem Salze. Alsdann dies geschehen, ergreife Tartarus und Sary zarnik, rein und fein. Nehme einen Topfe und befülle mit dem Kupfer und bestreue solange dieses, bis der ganze Topfe bedecket ist. Verschließe ihn sodann artig und stelle ihn gute 17 Stunden in die Kohlen. Ist die Zeit verstrichen, nimm ab den Verschluß, zerreibe und siebe das Erhaltene und wirke mit Tartarus ein. Gieße 14 Male zu Stangen, so wirst du das Argentum erhalten.

(Geheimes alchemistisches Rezept; aus: Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim; 1486-1535; De occulte philosophia, De praestigiis daemonum)


Die wichtigsten Herstellungsverfahren in der Übersicht

Silbergewinnung
Silbergewinnung

Übersicht der klassiswchen Verfahren; Meyers Konversationslexikon 1885.

Archiv: Peter Seroka (Collector)
  • 1. Pilzscher Rundofen
  • 2. Längsschnitt des Treibherdes
  • 3. Querschnitt des Treibherdes
  • 2, 3 und 4. Treibherd zum Treiben des Bleis
  • 5. Test zum Feinbrennen
  • 6. Test mit Muffel
  • 7. Muffelofen zum Feinbrennen
  • 8. Pattinsonkessel
  • 9. und 10. Zinkdestillierofen
  • 12. Läufer der Amaalgamierpfanne
  • 13. Brückners Röstofen
  • 14. Apparat für Kochsalzlaugerei

Zur Verhüttung des Silbers wurden je nach Art der Erze und nach dem jeweiligen Stand des technologischen Wissens unterschiedlichste Methoden angewendet.

Mehr als die Hälfte des weltweit erzeugten Silbers fällt bei der Verhüttung von Kupfer, Zink und besonders Blei aus silberhaltigem Galenit (Bleiglanz) an, der gewöhnlich 0,01 – 0,3 %, gelegentlich sogar mehr als 1 % Silber enthält. Etwa ein Viertel wird direkt aus Silbererzen gewonnen, ein weiteres Viertel durch Recycling von Buntmetall- und Silberschrott.

Im Altertum wurde Silber durch Verbleien und Abtreiben gewonnen. Diese Technologie war bereits 1.380 v. Chr. in Babylon bekannt und bis über die Mitte des 16. Jh. allein maßgebend und selbst noch im 20. Jh. von größter Bedeutung. Der Amalgamationsprozess fand erst 1784 in Europa Anwendung. Um die Mitte des 19. Jh. wurden auf Kupferhüttenprodukte die Kochsalzlaugerei von Augustin, die Wasserlaugerei von Ziervogel, die Schwefelsäurelaugerei und die Hyposulfitlaugerei von Patera angewandt. In neuester Zeit spielt die elektrolytische Entsilberung des Kupfers eine große Rolle. Von noch größerer Tragweite ist für die Entsilberung des Werkbleies der 1833 erfundene Kristallisationsprozess von Pattinson und der 1850 patentierte Zinkentsilberungsprozess von Parkes, der durch Cordurié verbessert wurde.

Silber kommt in Form von Granalien, Pulver, Blechen, Netzen, Drähten, Bändern und Kristallen sowie als sogenannte Silberbarren und Silberwolle in den Handel.


Abtreiben (Cupellation) oder Scheiden von Blei

Galenit
Galenit

Scheiden von Silber durch Saigern Agricola,G.; De re metallica (1556)

Archiv: Peter Seroka (Collector)
Silbererzeugung im 16. Jh.
Silbererzeugung im 16. Jh.

Lazarurs Ercker Beschreibung aller fürnemisten mineralischen Ertzt und Bergwercksarten, 1589.

Archiv: Peter Seroka (Collector)

Aus silberhaltigen Bleierzen, besonders Galenit, gewinnt man das Silber durch Abtreiben des silberhaltigen Werkbleies, wobei man sehr reiche Silbererze zusetzen kann. Der Prozess des Abtreibens gründet sich auf das unterschiedliche Verhalten von Blei und Silber beim Erhitzen unter Luftzutritt. Während hierbei nämlich das Silber unverändert bleibt, oxidiert das Blei sehr leicht zu Bleioxid (Bleiglätte), welches die Oxide der anderen beigemengten Metalle beim Schmelzen auflöst. Hierdurch ist eine Trennung der durch das Schmelzen oxidierten Metalle von den nicht oxidierbaren sehr leicht zu bewerkstelligen.

Das Abtreiben erfolgt auf dem Treibherd, einem Flammenofen mit kreisrundem, kesselförmig vertieftem Herde, welcher aus Ton, Kalk oder ausgelaugter Asche besteht ist und mit einer eisernen, inwendig mit feuerfestem Ton ausgekleideten, durch einen Kran beweglichen Haube bedeckt wird. An der der Feuerung gegenüberliegenden Seite hat der Ofen eine Öffnung, die sogenannte Schurgasse, zum Eintragen des Werkbleies und zum Entfernen des Abstrichs. Außerdem münden über dem Herd die Düsen eines Gebläses und diesen gegenüber befindet sich eine Öffnung, dass Glättloch oder die Glättgasse zum Abfließen der geschmolzenen Glätte. Beim Schmelzen des Werkbleies bildet sich auf der Oberfläche desselben eine schwere schmelzbare Haut (Abstrich), welche Blei, Antimon u. andere Metalle enthält. Nach seiner Entfernung beginnt die Oxidation des Bleies, die Anfangs gebildete Bleiglätte enthält noch gelöste Metalloxyde und wird als zweiter Abstrich entfernt. Wenn sie durch ihre helle Farbe ihre Reinheit zu erkennen gibt, wird sie durch das Glättloch abgelassen. Ist auf diese Weise fast alles Blei entfernt, so zeigt sich auf der Oberfläche des Metalls nur noch ein feines irisierendes Häutchen von Bleioxid und die Oberfläche des Silbers kommt vollkommen rein und glänzend zum Vorschein. Die dann vorliegende Legierung wird Blicksilber genannt und besteht zu über 95 % aus Silber.


Amalgamation

Dem Prozess der Erzamalgamation werden nur reine Silbererze unterworfen, welche wenig Kupfer und Blei enthalten. Erze mit 5 % Blei und 1 % Kupfer sind von der Amalgamation ausgeschlossen, weil diese Metalle die Trennung des Amalgams erschweren und das Kupfer verloren geht. Man schmilzt diese Erze und gewinnt aus ihnen silberhaltiges Blei und silberhaltiges Schwarzkupfer. Unterschieden wird zwischen dem europäischen (oder Freiberger) und dem amerikanischen Amalgamationsprozess.

Europäischer Erzamalgationsprozess

Erzaufbereitung
Erzaufbereitung

Rösten der Erze. Georg Engelhard von Löhneyss; Gründlicher und ausführlicher Bericht von Bergwercken; 1690

Archiv: Peter Seroka (Collector)

Die Erze werden so gattiert, dass sie ein Gemenge ergeben, welches auf 100 kg zwischen 225 bis höchstens 270 g Silber und dabei einen gehörigen Gehalt an Schwefel enthält, weshalb man auch schwefelarme mit schwefelreichen Erzen beschickt. Darauf mischt man das Erz mit 10 % Natriumchlorid (Kochsalz) und röstet es in einem Flammenofen unter beständigem Wenden. Hierbei glüht das Erz anfangs, während Dämpfe von Arsenoxid, Antimonoxid und Wasser entweichen. Dann folgt das Abschwefeln, wobei eine blaue Flamme sichtbar wird, und zuletzt bei verstärktem Feuer das Garrösten, wodurch das Silber in Silberchlorid verwandelt wird, während sich gleichzeitig Natriumsulfat bildet.

Die geröstete Masse wird gesiebt. Die gröberen Teile röstet man nochmals mit Natriumchlord (Kochsalz), während das feinere auf einer Mühle zu feinem Mehl gemahlen wird. Dieses Erzmehl bringt man mit Wasser in horizontale, um ihre Achse drehbare Fässer, setzt metallisches Eisen in Stücken zu und lässt die Fässer 1 1/2 bis 2 Stunden lang umgehen. Dabei zerlegt das Eisen das Silberchlorid, es bildet sich Eisenchlorid (FeCl2) und metallisches Silber. Letzteres, so wie Kupfer, Antimon etc. scheiden sich als Pulver aus.

Dann bringt man Quecksilber in die Fässer u. lässt dieselben 14 – 16 Stunden lang schnell umgehen. Dabei löst das Quecksilber das Silber, Kupfer, Blei etc. auf und bildet damit ein dünnflüssiges Amalgam. Die Fässer werden nun mit Wasser völlig gefüllt und langsam umgedreht, dann durch ein Spundloch das Amalgam abgelassen, welches durch eine Röhrenleitung in die Silberkammer fließt. Hier gibt man es auf Stofffilter, durch welche Quecksilber mit wenig Silber abläuft, während das Amalgam als eine steife Masse zurückbleibt. Dieses enthält außer Silber noch Gold, Kupfer, Blei, Wismut, Antimon sowie in der Regel auf 5 - 6 Teile Quecksilber 1 Teil Silber.

Die Abscheidung des Silbers aus dem Amalgam erfolgt durch Destillation. Nach einer älteren Methode bringt man das Amalgam auf mehrere an einer eisernen Stange übereinander befestigte horizontale Teller, deckt darüber ein eisernes glockenförmiges Gefäß, den Ausglühtopf, welches mit seiner unteren Öffnung durch Wasser abgesperrt ist und erhitzt den Ausglühtopf durch darum gebrachtes Feuer. Dadurch verflüchtigt sich das Quecksilber und sammelt sich im Wasser an, während das Silber mit den nicht flüchtigen Metallen als sogenanntes Tellersilber zurückbleibt. Abschließend destilliert man das Amalgam aus gusseisernen horizontalen Röhren, an denen vorn ein absteigendes, durch Wasser abgesperrtes Rohr befestigt ist. Das zurückbleibende Silber enthält noch Kupfer, Antimon u. Gold. Durch das weiter unten beschriebene Raffinieren wird es gereinigt.


Amerikanischer Erzamalgamationsprozess

Der amerikanische Erzamalgamationsprozess unterscheidet sich von dem europäischen durch einen geringeren Aufwand an Brennmaterial, aber gleichzeitigen größeren Verlust an Quecksilber. In Peru wurde das Silber aus dem sogenannten Paco gewonnen, einem Erz, welches gediegenes Silber in kleinen Teilchen neben Eisenoxid enthält. In Mexiko werden Akanthit, Freibergit, Fahlerz, Pyrargyrit, Chlorargyrit und Stephanit verarbeitet, auch findet sich das Erz von Peru, welches hier Colorado, gefärbtes Erz, genannt wird. In Chañarcillo in Chile bildet der Embolit (Brom-Chlorargyrit) die Hauptquelle für die Silbergewinnung. Die Erze wurden gepocht und dann mit Wasser sehr fein gemahlen, hierauf noch feucht in den gepflasterten Amalgamationshof (Patio) gebracht, mit Kochsalz vermischt und durch Pferde oder Maultiere getreten. Am nächsten Tag wurde das sogenannte Magistral zugesetzt, gerösteter Chalkopyrit oder kupferhaltiger Pyrit, dessen Hauptbestandteil Chalkanthit war und mit der Masse wieder durch Treten innig gemischt. Nach einigen Tagen wurde ein Drittel des zur Amalgamation erforderlichen Quecksilbers zugegeben. Das zweite Drittel wenn das erste Drittel durch 10 – 20 Tage langes Treten vermischt war. Schließlich nach 8 Tagen das letzte Drittel. War die Amalgamation beendigt, so wurde der Quecksilberbrei in ausgemauerten Zisternen verwaschen, wodurch die leichteren Teile vom Amalgam getrennt wurden. Das Amalgam wurde nun durch Säcke gepresst, um das überschüssige Quecksilber zu entfernen und anschließend der Destillation unterworfen. Bei diesem Amalgamationsverfahren bildete sich neben dem Silberamalgam Quecksilberchlorid, dessen Quecksilbergehalt verloren ging. Daher war der Quecksilberverlust etwa zehnmal so hoch als beim europäischen Amalgamationsprozess.

Aus silberhaltigen Kupfererzen gewann man häufig das Silber durch Amalgamation des Kupfersteines oder des Schwarzkupfers, an manchen Orten hat diese Methode den älteren Saigerprozess verdrängt.

Das Quecksilberproblem

Quecksilbertransport Ende 1600
Quecksilbertransport Ende 1600

Quecksilberkarawane nach Potosi in Bolivien. Zeitgen. Darstellung Ende 1600. (Gabriel Bernat)

Archiv: Peter Seroka (Collector)
Cinnabarit mit ged. Quecksilber
Cinnabarit mit ged. Quecksilber

Fundort: Almaden, Ciudad Real, Kastillien, Spanien - Größe: 5 x 5 cm

Mineralroli

Traditionell wurde in Europa Silber aus zerkleinertem Erz erschmolzen. Zur Erzeugung der benötigten hohen Temperaturen wurden gewaltige Mengen Brennstoff benötigt, welcher in Form von Holz ausreichend zur Verfügung stand. Dies war jedoch in den Bergwerken der südamerikanischen Anden nicht rentabel, bzw. mangels Brennmaterialmangels sehr schwierig.

Seit 1557 wurde daher in den mexikanischen Bergwerken von Zacatecas, Durango und Mexiko das von Bartholomeus de Medina entwickelte Amalgamierungsverfahren angewendet. Dieses unterlag lange der Geheimhaltung. Durch diese neue Methode der Silbergewinnung mittels Quecksilber konnten die Herstellungskosten drastisch gesenkt werden. Der größte Nebeneffekt des neuen Verfahrens war, dass bisher unwirtschaftlich erscheinende Silberlagerstätten nun rentabel ausgebeutet werden konnten.

Die gewaltigen Mengen an Silbererz benötigten zur Aufschließung große Mengen an Quecksilber, welches in Mexiko ausreichend zur Verfügung stand. Im damals weltgrößten Silberbergwerk Potosi in Bolivien kam es jedoch aufgrund seiner ungünstigen Lage zu ständigen Versorgungsengpässen, was die Betreiber zwang, das Silbererz nach dem unrentablen Schmelzverfahren aufzubereiten. Eine Versorgung mit Quecksilber aus Almaden de la Plata, mit dem Spanien über reiche Quecksilbervorkommen verfügte, deren Gewinnung noch aus römischer Zeit datierte und deren dortige Bergwerke in der Hand des Bankhauses Fugger waren, den Finanziers der spanischen Krone, war aufgrund der enormen logistischen Schwierigkeiten und Kosten unwirtschaftlich.

Durch Hinweise der indigenen Bevölkerung stieß der spanische Encomiendero von Angares, Amador de Cabrera, 1564 auf die schon den Inkas bekannte Zinnoberlagerstätte Huancavelica im heutigen Peru. Antonio Raimondi, der berühmteste, aus Italien stammende Naturforscher Perus des 19. Jh. berichtet:

Die Inkas haben diese Quecksilbergruben lange vor der Eroberung gekannt, und auf Zinnober benutzt, indem ihnen das Quecksilber unbekannt war. Die rothe Farbe, den Zinnober, nannten sie Llimpi, und wendeten ihn zum Bemalen ihrer Götzenbilder an, auch bemalten sie selbst sich damit, wenn sie in den Krieg zogen. Man findet daher in den Hügeln von Huancavelica noch viele indianische Stollen, die den Labyrinthen gleichen. Auch die Spanier kannten den Zinnober so wenig als die Indianer, bis Garces im Jahr 156/ die rothe Farbe Llimpi als übereinstimmend mit dem Zinnober in Kastilien erkannte, worauf dann sehr bald die Benutzung auf Quecksilber unternommen ward, und der Bergbau einen noch größeren Schwung erhielt, als Pedro Fernandez de Velasquez die Amalgamation der Silbererze, welche er in Mexiko gesehen hatte, im Jahr 1577 auch in Peru einführte. Die Gewinnungsarbeiten des Quecksilbers aus dem Zinnober sind sehr unvollkommen. Das Erz wird gemahlen, und in verschlossenen Töpfen in das Feuer gesetzt, welche man erst nach dem völligen Erkalten wieder öffnet.

Ueber die berühmte Quecksilbergrube von Huancavelica sagt v. Humboldt, sind viele unrichtige Nachrichten verbreitet worden. Sie liegt im Gebirge Santa Barbara, etwa 2.320 Meter südlich von der Stadt, welche sich 3.752 Meter, und die Spitze des Gebirges Santa Barbara selbst, 4.422 Meter über der Meeressiäche befindet. Aus Ulloas Angaben geht hervor, daß das Tiefste der Grube Hoyo Negro 4.208 Meter über der Meeresfläche, also 500 Meter höher liegt, als die Spitze des Pic von Teneriffa. Das Quecksilber kommt bei Huancavelica theils in Lagern, theils auf Gängen vor. In dem großen Grubengebaude von Santa Barbara besindet sich der Zinnober in einem Lager von quarzigem Sandstein, welches etwa 400 Meter mächtig ist. In großer Teufe führt der Gang viel Realgar und Operment, so daß die Regierung sich genöthigt gesehen hat, den Betrieb des Grubenfeldes Cochapata, wo am mehrsten Arsenik vorkommt, zu verbieten. Der Abbau der Grube geschieht in 3 Etagen, welche durch eben so viele Hauptstrecken geschieden sind. Die Grubenfelder heißen Brocal, Comedio und Cochapata. Die Grube hat jährlich im Durchschnitt 4 bis 6.000 Centner geliefert.

Das Quecksilbererz wurde in Huancavelica bis Ende des 16. Jh. im Tagebau gebrochen, ab 1597 wurden tiefe und gewundene Stollen gegraben, welche Teufen bis 100 m ereichten. Diese Stollen waren völlig unzureichend abgestützt und nicht belüftet. Das Erz entwickelte beim Brechen giftige Quecksilberdämpfe, welche von den Bergleuten eingeatmet wurden, was oft zu Erkrankungen, zumeist mit Todesfolge, führte. Das Erz wurde in Schmelzöfen geschmolzen und das dadurch gewonnene Quecksilber in Schafhäuten mittels Alpacas auf äußerst beschwerlichen Wegen unter Strapazen in die Silberbergwerke nach Cerro de Pasco, besonders sowie nach Potosi und Oruro in Bolivien transportiert.

1786 stürzte wegen unsicherer Abstützungen die größte Grube Santa Barbara ein. Danach wurde die Zinnoberförderung bis zum Ende der spanischen Herrschaft im Jahre 1825 eingestellt. Um die Silbergewinnung aufrecht zu erhalten, wurde das Quecksilber dann auf äußerst umständliche Weise aus der Quecksilbergrube Almaden del Azogue in Spanien mit Galeonen ins Vizekönigreich Rio de la Plata (Argentinien) gebracht und von Buenos Aires auf dem Landweg mit Ochsenkarren und, je höher es ging, mittels Alpacas in die Silbergruben von Bolivien und Peru transportiert.

Antonio Raimondi besuchte die Quecksilbergrube Huancavelica, welche 1861 aufgelassen wurde und beschrieb sie als ein dekadentes Relikt, welches schon bessere Zeiten gesehen hatte und von welcher nur noch leere Räume und Schächte übrig geblieben waren, ähnlich dem Bergbau in Peru am Anfang des 19. Jh. Wenngleich Raimondi und andere Männer glaubten, dass die Lagerstätte erschöpft sei, war dem nicht so, wie Explorationen um 1915 und 1970 bewiesen. Zwar hatte es im 19. Jh. ein formales, soll heißen politisch beeinflusstes Ende des Quecksilberbergbaus unter europäischer Leitung gegeben, aber es blieb genügend Erzpotential für kleinere lokale Initiativen.

Quecksilbervergiftung

Der eigentliche Amalgamationsprozess in den Silberbergwerken war sowohl für die Hüttenarbeiter gefährlich, wobei diese durch das Einatmen der Quecksilberdämpfe erst starke Atembeschwerden hatten, dann ihre Glieder versagten und schließlich der Tod durch Ersticken eintrat, als auch für die Umwelt mit weitreichenden ökologischen Konsequenzen in Form deformierter Landschaft und Eintritt von Schwefel, Quecksilber und Salz in die Biosphäre.

Die Dramatik von Quecksilbervergiftungen wurde zeitgenössig in Meyers Konversationslexikon 1888 wie folgt beschrieben:

Quecksilbervergiftung (Merkurialismus, Hydrargyrosis, Hydrargyrismus), diejenige Reihe von mehr oder weniger schweren, unter Umständen bis zum Tod sich steigernden Krankheitserscheinungen, welche durch die Einverleibung einer größern Menge von Quecksilber hervorgerufen werden. Die Quecksilbervergiftung ist in der Regel der Fälle entweder eine technische oder medizinale. Die technische Quecksilbervergiftung, der gewerbliche, konstitutionelle Merkurialismus, findet sich bei den Arbeitern in Quecksilberminen und -Hütten, bei den Spiegelbelegern, bei Verfertigern physikalischer Instrumente (z. B. Barometer). Sie wird bedingt durch die Einatmung der bei der Gewinnung und technischen Verarbeitung des Quecksilbers entstehenden Metalldämpfe. Man unterscheidet, verschieden nach der Schnelligkeit und Energie der Quecksilberwirkung, die akute und chronische Quecksilbervergiftung; die erstere, die akute, fällt ziemlich zusammen mit der medizinalen, die letztere mit der technischen. Akute Quecksilbervergiftung wird veranlaßt durch Sublimat. Die Erscheinungen sind die einer heftigen Magendarmentzündung, bei raschem Verlauf der Dysenterie ähnlich: heftiges Erbrechen, Schmerzen in Mund, Speiseröhre und Bauch, starke Diarrhöe, häufig blutige Stühle, Harnverhaltung, äußerst schneller Verfall der Kräfte; nicht selten ist dabei direkte Anätzung der Schleimhaut des Speisekanals.

Ganz regelmäßig findet sich endlich bei vorgeschrittenen Graden der Krankheit das sogen. Quecksilberzittern (tremor mercurialis); die Glieder können nicht ruhig gehalten werden, sondern bewegen sich, zum Gebrauch in Anspruch genommen, in fortwährenden oszillierenden, schnell aufeinander folgenden Muskelkontraktionen, ähnlich dem kleinen Veitstanz; meist sind zuerst Hände und Arme nebst den Gesichtsmuskeln ergriffen. Mehr oder weniger frühzeitig wird bei den hohen Graden des chronischen Merkurialismus der ganze Organismus in Mitleidenschaft gezogen, und der ganze Körper verfällt der Zerrüttung.

Der Tod tritt in 2 – 30 Stunden ein; gelegentlich zieht sich derselbe zu 5, 6, ja 15 Tagen hin. Chronische Quecksilbervergiftung (konstitutioneller Merkurialismus) ist in der großen Mehrzahl der Fälle Gewerbekrankheit.


Cyanidlaugerei

Ähnlich wie beim Gold kann Silber aus Silbererzen durch Cyandilaugen gewonnen werden. Sehr feinkörnig gemahlene Erze werden mit einer bis ca. 0,2 %-igen Natriumcyandilösung ausgelaugt. Hierbei gehen die Silberionen der Silbererze in Lösung. Das Silber wird mit Aluminium- oder Zinkstaub aus dieser Lösung nach der Reaktionsgleichung 2 Na[Ag(CN)2] + Zn → Na2[Zn(CN)4] + 2 Ag ausgefällt. Der somit erhaltene Silberschlamm wird durch Filterpressen gedrückt und anschließend geschmolzen. Man erhält hierbei bis zu etwa 95 % Rohsilber. Dieses Rohsilber wiederum wird mittels elektrolytischer Reinigung angereichert. Siehe dazu auch den Abschnitt Elektrolytische Anreicherung.


Schmelzen

Schmelzhütte im 18. Jh.
Schmelzhütte im 18. Jh.

Christoph Andreas Schlüter; Gründlicher Unetrricht von Hüttenwerken; 1738

Archiv: Peter Seroka (Collector)

Aus Erzen, welche besonders reich an gediegenem Silber sind, wird das Silber direkt ausgeschmolzen. Diese Methode findet jedoch nur selten Anwendung. Reiche und reine Silbererze, wie gediegen Silber, Akanthit, Chlorargyrit, Pyragyrit oder Proustit werden beim Abtreiben zugesetzt.


Pattinson-Verfahren

Sehr silberarmes Werkblei, aus welchem das Silber nicht mehr wirtschaftlich gewonnen werden kann, lässt sich nach Pattinson in ein Silberreicheres verwandeln. Zu diesem Zweck werden große Mengen dieses Werkbleies in gusseisernen Kesseln geschmolzen und langsam abgekühlt. Dabei bildet sich auf der Oberfläche reines Blei in Kristallen aus, während in der flüssigen Masse das Silber zurückbleibt. Die Kristalle werden mit einem Schaumlöffel abgenommen und das zurückbleibende silberreichere Blei abgetrieben.


Parkes-Verfahren

Nach dem Erfinder A. Parkes (1842) kann das Silber aus silberhaltigem Blei durch Zink ausgezogen werden. Schmilzt man silberhaltiges Blei zusammen mit Zink, so entzieht das letztere dem Blei das Silber. Benutzt man das Zink mehrmals zum Entsilbern, so erhält man ein sehr silberreiches Zink, von welchem das Zink durch Destillation getrennt wird, während das zurückbleibende Silber noch Blei enthält und abgetrieben wird. Dies geschieht durch das Verfahren des Parkesierens. Das Verfahren beruht auf der unterschiedlichen Löslichkeit von Silber und Blei in Zink. Bei Temperaturen bis 400° C sind das dann flüssige Blei und das feste Zink praktisch nicht mischbar.

In einem ersten Prozess muss das Silber vom größten Teil des Bleis getrennt werden. Zunächst wird bei Temperaturen höher als 400° C zum geschmolzenen Blei Zink gegeben. Danach wird die Mischung abgekühlt. Da Silber im geschmolzenen Zink leicht löslich ist, geht es in die Zinkphase über. Anschließend erstarrt die Zinkschmelze als so genannter Zinkschaum (Zink-Silber-Mischkristalle). Dadurch kann das Silber vom größten Teil des Bleis getrennt werden. Dieser Zinkschaum wird auch als Armblei bezeichnet. Er wird anschließend bis zum Schmelzpunkt des Bleis (327° C) erhitzt, sodass ein Teil des Bleis schmilzt und entfernt werden kann. Danach wird die verbliebene Zink-Blei-Silber-Schmelze bis zum Siedepunkt des Zinks (908° C) erhitzt und das Zink abdestilliert. Das so gewonnene Produkt wird Reichblei genannt und enthält ca. 8 – 12 % Silber.


Saigern

Aus silberhaltigen Kupfererzen gewinnt man das Silber durch den Prozess des Saigerns, indem man das Schwarzkupfer mit Blei zusammenschmilzt, welches bei langsamem Erkalten dem Kupfer das Silber vollständig entzieht. Statt des Bleies kann auch Bleiglätte oder silberarmes Blei verschmolzen werden. Man gießt die Legierung in Scheiben, sogenannte Saigerstücke, und erhitzt diese zwischen Kohlen, sodass das leicht schmelzbare silberhaltige Blei abfließt. Aus diesem wird dann durch das Abtreiben das Silber gewonnen. Auf diese Weise wurden die silberhaltigen Kupfererze von Mansfeld verarbeitet. In Böhmen und an manchen Orten Deutschlands wurden die gerösteten Erze mit gerösteten Bleierzen zu Werkblei und Kupferstein verschmolzen. Die sächsische oder Verbleiungsarbeit besteht darin, dass man den aus armen Erzen gewonnenen Rohstein mit Bleierzen oder mit Blei verschmilzt und den noch nicht vollständig entsilberten Stein zu Schwarzkupfer verarbeitet, welches durch den Saigerungsprozess entsilbert wird. Dieser Arbeit geht kein besonderes Rohschmelzen mit Pyrit voran, da die Erze den zur Steinbildung nötigen Schwefel selbst enthalten. Die sogenannte Eintränkarbeit, wie sie in Ungarn üblich war, unterscheidet sich von der sächsischen nur dadurch, dass dabei metallisches Blei angewendet wird.


Extraktion

Der Extraktionsprozess nach Augustin

Diese Methode gründet sich auf die Löslichkeit des Chlorsilbers in einer heißen konzentrierten Lösung von Kochsalz und die Abscheidung des Silbers aus dieser Lösung durch metallisches Kupfer. Sie wurde von Augustin erfunden und zuerst in Mansfeld angewandt. In Mexiko wurde sie fast allgemein angewendet. Die Erze wurden gepocht und gemahlen, bei immer steigender Hitze anfangs für sich, dann unter Zusatz von Kochsalz geröstet, wobei alles Silber in Silberchlorid verwandelt wurde. Die geröstete Masse wurde dann in Bottichen mit heißer Kochsalzlösung ausgelaugt und die Lösung in hölzerne Gefäße abgelassen, in denen sich fein verteiltes, aus einer Kupferlösung durch Eisen gefälltes metallisches Kupfer befindet. Dieses zersetzt das Silberchlorid, das Silber scheidet sich als eine schwammige Masse aus, während sich das Kupfer auflöst. Durch Fällen mit metallischem Eisen kann das Kupfer wieder gewonnen werden. Statt der Kochsalzlösung ist auch eine Lösung von Natriumsulfit vorgeschlagen worden, hat sich jedoch nicht bewährt.

Extraktionsprozess nach Ziervogel

Der Extraktionsprozess nach Ziervogel, in Mansfeld und Mexiko eingeführt, besteht im Wesentlichen darin, dass man das Silbersulfid der Erze durch Rösten in schwefelsaures Silberoxid verwandelt, die geröstete Masse mit Wasser auszieht und das Silber durch metallisches Kupfer fällt.


Affinieren, die Scheidung von Silber und Gold

Affinieren (Feinmachen), nennt man das Verfahren, Silber aus seinen Legierungen abzuscheiden und rein darzustellen. Es kommt besonders bei goldhaltigem Silber oder silberhaltigem Gold zur Anwendung. Fast immer enthält das Silber geringe Mengen Gold, sowohl das aus Silbererzen als auch das aus Blei und Kupfererzen gewonnene Silber, es sei denn, zur Gewinnung wurde das Extraktionsverfahren angewendet wurde. Früher wurde dieser geringe Goldgehalt des Silbers nicht beachtet, daher sind die meisten älteren Silbermünzen goldhaltig. Später wurde wegen des niedrigen Preises der zur Scheidung erforderlichen Chemikalien die Abscheidung des Goldes auch aus goldarmem Silber noch lohnend. Silber mit 1/1000 Goldgehalt kann noch mit Vorteil dem Affinieren unterworfen werden. Ebenso ist das aus dem Waschgold und den Golderzen gewonnene Gold stets silberhaltig und wird daher ebenfalls affiniert.

Das von D'Arcet 1802 erfundene und zuerst praktisch ausgeführte Verfahren gründet sich darauf, dass Silber in Schwefelsäure löslich, Gold darin unlöslich ist. Aus der erhaltenen Silberlösung wird das Silber durch Kupfer niedergeschlagen. Das goldhaltige Silber wird granuliert und mit konzentrierter Schwefelsäure zum Sieden erhitzt. Dadurch verwandeln sich Silber und Kupfer in schwefelsaure Salze, Gold bleibt ungelöst zurück. Die entweichende schweflige Säure wird in Bleikammern geleitet, um sie in Schwefelsäure zu verwandeln. Man fügt dann, um die Salze zu lösen, verdünnte Schwefelsäure oder Mutterlauge von Kupfersulfat zu, erhitzt sie zum Sieden, trennt die Lösung vom Gold durch Dekantieren und bringt sie in Pfannen, in welchen sich metallisches Kupfer in Blechen oder Platten befindet, welche das Silber abscheiden. Dasselbe wird gewaschen, gepresst, getrocknet und mit Kaliumcarbonat (Pottasche) und etwas Natriumnitrat (Salpeter) eingeschmolzen. Das zurückbleibende Gold wird nochmals mit Schwefelsäure erhitzt, um die letzten Anteile Silber zu entfernen, dann gewaschen und geschmolzen. Aus der bei der Reduktion des Silbers gewonnenen Kupferlösung lässt man das Kupfersulfat auskristallisieren, die Mutterlauge wird zum Auflösen des schwefelsauren Silberoxids und Kupferoxids statt verdünnter Schwefelsäure zugesetzt.

Enthält das Silber über 20 % Gold, so kann es nicht mehr für sich affiniert werden, sondern muss zuvor mit Silber zusammengeschmolzen, also in ein goldärmeres Silber verwandelt werden. Ebenso kann Silber mit über 10 % Kupfer nicht mehr affiniert werden, weil das schwefelsaure Kupferoxid von Schwefelsäure nicht gelöst wird. Man röstet solches Silber und zieht das gebildete Kupferoxid mit verdünnter Schwefelsäure aus. Zuweilen trennt man das Silber vom Gold durch Salpetersäure. Diese löst Silber, nicht aber Gold auf. Die Trennung nur dann vollständig, d.h. das Silber löst sich vollständig auf, wenn der Silbergehalt das Doppelte des Goldgehaltes beträgt. Bei einem größeren Gehalt an Gold muss die Legierung durch Zusammenschmelzen mit Silber auf den angegebenen Betrag gebracht werden. Früher stellte man zu dieser Scheidung eine Mischung her, welche nur 1/4 Gold enthielt, daher Scheidung durch die Quart (Quartation, Quartierung). Aus der salpetersauren Silberlösung wird das Silber durch Kochsalz ausgefällt und z.B. mit Zink oder auf andere Weise reduziert.

Silberarmes Gold schmilzt man am besten mit dem zwei- oder dreifachen Gewicht an Zink zusammen, granuliert die Legierung und behandelt sie mit verdünnter Schwefelsäure. Dadurch löst sich das Zink auf, das silberarme Gold bleibt in schwammigem Zustande zurück und kann durch Behandeln mit Schwefelsäure oder Salpetersäure vom Silber befreit werden. Um Silber aus silberhaltigen Legierungen, Tiegeln, Kehricht aus Gold- und Silberwerkstätten, aus sogenanntem Schlich, Krätze etc. zu gewinnen, werden diese Gegenstände heiß mit Salpetersäure behandelt, die Lösung mit Wasser verdünnt und das Silber durch metallisches Kupfer niedergeschlagen. Die erhaltene salpetersaure Kupferlösung dient entweder zur Darstellung von Kupferfarben oder man schlägt durch eingelegte Eisenstücke das Kupfer nieder.


Raffination

Die Reinigung des auf die eine oder andere Weise gewonnenen Silbers erfolgt durch das Raffinieren oder Feinbrennen, indem man das rohe Silber in Tiegeln von Eisen oder Graphit schmilzt und die dabei auf der Oberfläche sich abscheidenden Oxide der unedlen Metalle abschöpft, dann Kohlenpulver auf die Oberfläche streut, umrührt und wiederum abschöpft. Auch durch den Prozess des Abtreibens auf einer Kapelle lässt sich das Silber raffinieren (Cupellationsprozess). Ist das Silber sehr kupferhaltig, so setzt man Blei zu, um durch das Bleioxid das Kupferoxid aufzulösen und in den Test zu führen.


Elektrolytische Anreicherung

Rohsilber wird auf elektrolytischem Weg durch das Möbiusverfahren, oder den Balbach-Thum, bzw. Parker Prozess gewonnen. Beim Möbiusverfahren werden bis zu 1 cm starke Rohsilberplatten als Anode in eine Elektrolysezelle geschaltet. Als Kathode dient dünnes Feinsilberblech, als Elektrolyt Silbernitratlösung.

Das Verfahren entspricht der elektrolytischen Reinigung des Kupfers. Während der Elektrolyse werden Silber und alle unedleren Bestandteile des Rohsilbers, z.B. Kupfer oder Blei, oxidiert und gehen in Lösung. Edlere Anteile wie Gold und Platin können nicht oxidiert werden und fallen unter die Elektrode. Dort bilden sie den Anodenschlamm, der eine wichtige Quelle für Gold und andere Edelmetalle ist. An der Kathode wird nun ausschließlich Silber mit großer Reinheit abgeschieden.


Literatur

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  • Bargallo, M., 1955; La minería y metalurgia en la América española durante la época colonial. Fondo de Cultura Económica, Mexico City
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  • Kustel, G., 1863; Process of Silver and Gold Extraction
  • Lohmann Villena, G., 1949; Las minas de Huancavelica en los siglos XVI < XVII
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  • Navarro Abrines, M. d. C., 1997; La mina de mercurio de Huancavelica (Peru). Scripta Nova Rev. Electr. de Geograf. y Cienc. Soc. 4
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  • Whitaker, A. P., 1941; The Huancavelica mercury mine: A contribution to the history of the Borbon Renaissance in the Spanish Empire


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Eingefügter Text von Mineralienportrait/Silber/Verwendung

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Eine Deutsche Mark aus Silber
Prägung 1880
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Silber

5.000 Jahre Zahlungsmittel


Münzen und ihre Geschichte

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Münzprägung im 16. Jahrhundert
Altarbild des Annaberger
Bergknappschaftsaltars von Hans Hesse (1521)
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Die wichtigsten Maschinen zum Prägen
von Münzen; Stand ausgehendes 19. Jh.
Meyers Konversationslexikon 1885
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Silberne Tetradrachme aus Makedonien
(1.400 v. Chr. bis 395 n. Chr.)
mit dem Bildnis des Zeus
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Eine silberne Tetradrachme
aus Korinth (60 v. Chr.)
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Silberne Tetradrachme der Ostkelten
ca. 480 bis 40 v. Chr.
Pferd mit Kopf des Zeus
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Silberner Denar aus Rom
Kaiser Domitian (51-96)
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Jüdische Silbermünze aus der Zeit
von Shi'mon Bar Kochba (132-135 n. Chr.)
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Ein silberner Dirham aus der Zeit des Kalifen
Al-Mansur (753-775), Bagdad (Abbassiden)
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Joachimstaler Guldengroschen, der
von 1520 bis 1528 geprägt wurde
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Ein silberner Guldiner aus der
Münze Hall in Tirol, 1486
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Eine silberne Kopeke von 1600
Zar Boris Godunow, Russland
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Eine Wildemann-Taler aus der Harzer Münze
Braunschweig-Wolfenbüttel, 1629
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Ein silberner Real de Plata aus
der Münze Potosi (1786)
Einheitszahlungsmittel in den
spanischen Kolonien in Peru
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Silberner Maria Theresientaler
geprägt 1780
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Mexikanische Silbermünze 8 Reales
Prägung 1877
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Chinesische Bullion-Münze "Panda"
1 Unze 999er Silber
Prägung 2009
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Fast 5.000 Jahre lang war Silber das wichtigste Zahlungsmittel, etwa 3.000 Jahre lang - bis zum Ende des 19. Jh. - die weltweit wichtigste Währungsgrundlage. Fast das gesamte in diesen Jahrtausenden gewonnene Silber wurde in Münzen geprägt. Ohne Silbergeld wäre die Entwicklung der menschlichen Geschichte der letzten 5.000 Jahre nicht so verlaufen, wie es uns die Bücher lehren. Silber diente, friedlich verwendet, zum Handel, zum Bau von Städten, Tempeln und Kirchen. Der Großteil des geprägten Silbers wurde jedoch dazu verwendet, Kriege zu führen und Macht zu erringen. Ägypten, Athen, Rom, die Perser, Karl der Große, die vom Papst initiierten Kreuzzüge, die spanische Krone, die Fugger, Gustav Adolf, Tilly, Wallenstein, die französischen Könige und letztlich die Amerikaner - allesamt mächtige Herrscher, Reiche, Dynastien - sie alle benötigten Silbermünzen, um ihre hegemonialen und dynastischen Konflikte zu lösen und ihre Heere und Söldner zu bezahlen. Heute werden nur noch etwa 3 % der weltweiten Silbermenge zur Herstellung von Geld bzw. von Sonder- und Gedenkmünzen aufgewendet.

Die ältesten Münzen der Welt sollen von den alten Ägyptern hergestellt worden sein. Bisher gibt es jedoch keinen Beweis dafür. Nachweisbar ist jedoch, dass es bereits vor dem 6. Jh. technisch gut geprägte Silbermünzen im vorderasiatischen Raum bzw. im antiken Griechenland gab.

Als wichtigste Einheiten wurden von den Griechen Drachmen verwendet. Die größte Silbermünze waren 10 Drachmen von Syrakus, von Alexander dem Großen und von Athen. Bis zur Zeit Alexander des Großen war das Silber der Münzen fast rein. Lange nach seinem Tod aber kamen die ersten Fälschungen und versilberte Kupfermünzen (nummi subaerati) in Umlauf. Die Münzen des antiken Griechenland haben auf einer Seite ein erhabenes, auf der andern ein vertieftes Bild (nummi incusi). Viele andere antike Münzen besitzen auf der Rückseite ein vertieftes, oft mehrfach geteiltes Viereck (quadratum incusum). Erste viereckige Münzen wurden im von Griechenland besetzten Baktrien hergestellt. Seit der römischen Kaiserzeit prägten die griechischen Städte Münzen mit den Bildnissen der Kaiser. Später hörte aber jede Autonomie auf, und die griechischen Städte wurden zu Münzstätten des römischen Reiches.

Die ersten Echtsilber-Denare Roms wurden seit etwa 269 v. Chr. geprägt, häufig sind aber auch versilberte Kupfermünzen. Im Laufe von fast 500 Jahren nahm der Silbergehalt der Münzen immer mehr ab und um das Jahr 300 n. Chr. war er fast gänzlich verschwunden. Erst seit Kaiser Diokletian (Regierungszeit 284 - 305) gab es wieder Prägungen aus reinem Silber.

In Byzanz kommen aus Silber und Kupfer legierte Münzen in Umlauf.

Die erste Münzen in Palästina kamen im 7. Jh. v. Chr. auf und stammten ursprünglich aus Griechenland. Ab dem 5. Jh. v. Chr. wurden tyrische Münzen in den Hafenstädten der Phönizier geprägt. Etwa um 140 v. Chr. wurde von Simon Makkabäus erstmals jüdisches Geld (Shekel) geprägt, wenngleich die Römer als Besetzer der römischen Provinz Judäa ihre eigenen Münzen benutzten. Bekannt sind auch Silbermünzen aus der Zeit des dritten jüdischen Aufstands gegen die Römer, dem Bar-Kochba, von 132 - 135 n. Chr.

In der Merowingerzeit vom 5. bis 8. Jh. waren in Europa römische, aber auch byzantinische Münzen in Gebrauch. Die Münzhoheit lag allerdings noch bis zum 6. Jh. in Rom. Doch die Merowinger erkannten die Münzhoheit Roms nicht lange an und prägten eigene Münzen. Die Münzen der Langobarden, der Westgoten und der Merowinger, hier handeltes es sich zumeist um Goldmünzen, zeichnen sich durch Roheit des Gepräges aus, während die Silbermünzen der englischen Könige des frühesten Mittelalters (Silber-Pennies bzw. Sterlings aus 925er Silber seit 1180) und der Karolinger sauber geprägt wurden und meist richtige Aufschriften zeigen.

Die ersten arabischen Münzen waren Imitate der kupfernen 4 Nummia-Münzen der Sassaniden und Byzantiner in Persien. In den Jahren 696 - 698 unter der Herrschaft der Ommajaden wurden die Zahlungsmittel reformiert (Ommajadische Münzserie). Es gab den Fals mit verschiedenen Unterwährungen aus Kupfer, sowie den silbernen Dirham. Alle Münzen tragen kalligraphische Prägungen religiöser Texte, den Namen des herrschenden Kalifen, sowie das Prägejahr und den Namen der Münzstätte. Diese Art der Prägung wurde während der folgenden Jahrhunderte in der gesamten islamischen Welt zwischen Spanien, Nordafrika, Arabien und Indien benutzt. Die Münzen während der Folgeherrschaft der Kalifen in Bagdad (718 - 1258), der Abbassiden, waren ähnlich denen der Ommajaden, doch fehlte auf den frühen Prägungen der Name des Kalifen.

Russische Rubel wurden erstmals 1321 erwähnt (siehe unter Hacksilber). Die ersten Münzen allerdings wurden schon im 13. Jh. in Nordwestrussland, später dann in den bedeutenden Handelsstädten Moskau, Nizhne Nowgorod und Susdal geprägt. Ab dem 16. Jh. wurde der Rubel in 100 Kopeken unterteilt. 1742 ließ Zar Peter der Große in St. Petersburg eine neue Münze errichten, welche im Jahre 1876 offizeiell Russlands einziger Münzhof wurde.

In Spanien war der Real de Plata während mehrerer Jahrhunderte die einheitliche Währung. Er wurde 1497 von König Pedro I. von Kastilien eingeführt. 8 Reales waren der Gegenwert eines Peso de Ocho, bzw. eines Silber-Pesos, auch bekannt als spanischer Silberdollar, welcher später in Amerika und Asien zu Bedeutung gelangte. 1737 wurde ein Real de Plata Fuerte, ein starker Silber-Real geprägt, welcher als Gegenwert 2 1/2 Reales de Plata entsprach. Dieser "starke" Real blieb die spanische Hauptwährung bis ins 19. Jh. Die letzte Prägung dieser Silbermünzen fand im Jahre 1837 statt.

Im Europa hatten Münzen vom Ende des Römischen Reiches bis zum frühen Mittelalter kaum Bedeutung, es überwog der Tauschhandel oder Zahlungen mit ungemünztem Metall. Im Frankenreich und seinen Nachfolgereichen gab es den Pfennig oder Denar, im Heiligen Römischen Reich die unterschiedlichsten Pfennige mit meist geringerem Silbergehalt. Mitte des 12. bis ins 14. Jh. wurde im deutschsprachigen Raum mit einseitig geprägten, dünnen Silberpfennigen, sogenannten Brakteaten gezahlt. Diese Münzen verfielen jedoch im Spätmittelalter, besonders bedingt durch die Münzverrufungen, welche einer Steuererhebung gleichkam. Weitere Münzen waren um 1200 in Schwäbich Hall geprägte Heller, Kreuzer, welche bis 1873 gültig waren, Schillinge (Groschen), Batzen und Pfund. Im 13. Jh. wurde in Deutschland der Groschen als große Silbermünze eingeführt.

Ab 1486 wurde in der Prägestätte Burg Hasegg im Inntal bei Hall der Guldiner, auch Guldengroschen oder Guldentaler genannt, aus Schwazer Silber geprägt, welcher die erste Silbermünze Europas als Äquivalent zum Goldgulden war.

Die Grafen Schlick prägten 1519 - 1528 den großen Joachimsthaler Guldengroschen in St. Joachimsthal in Böhmen. Diese Münze mit einem Gewicht von 1 Unze, was zu dieser Zeit in Böhmen 27,2 g entsprach, wurde später einfach Taler genannt. Von beiden Münzstätten, St. Joachimsthal und Hall im Inntal, leitet sich der Begriff Thaler-, Taler, Daalder und letztlich Dollar ab.

Der ursprüngliche Joachimsthaler Guldengroschen bildete von 1566 bis 1750 als Reichstaler die amtliche Währungsmünze des Heiligen Römischen Reiches. Bis 1871 war der preußische Reichstaler, der seit 1821 in 30 Silbergroschen unterteilt war, die offizielle Geldeinheit in Norddeutschland. 1857 wurde dieser Taler als Vereinstaler auch in Süddeutschland eingeführt und behielt seine Gültigkeit bis 1907, wonach er durch das ab 1908 geprägte Dreimarkstück ersetzt wurde. Das Jahr 1909 war das offizielle Ende des Reichstalers.

Weltberühmt wurde der österreichische Maria-Theresien-Taler, welcher wegen der darauf abgebildeten fetten Kaiserin in England als Fat Lady bezeichnet wurde. Er wurde ab 1753 in den Münzen Günzburg und in Wien geprägt. Diese weltbekannte Münze behielt ihre Gültigkeit in Österreich bis 1858, wurde aber bis Mitte des 20. Jh. noch mit der Originaljahresprägung 1780 in Arabien und Äthiopien als Handelswährung verwendet. Man schätzt die Auflagenhöhe des Maria-Theresien-Talers auf 400 Mio. Stück.

Von 1821 bis 1873 wurden in Preußen Silbergroschen geprägt, wobei dreißig Silbergroschen einem preußischen Taler entsprachen. Ab 1875 wurden die Silbergroschen außer Kurs gesetzt, und von der Mark abgelöst.


Der Dollar

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Ein US-Silberdollar
Bullionmünze; Prägung 2006
Foto: Public Domain

Als "Quasi" Weltwährung hat sich der US-amerikanische Dollar etabliert. Die Bezeichnung Dollar hat ihre Wurzel im deutschen Ausdruck Taler bzw. Thaler, abgeleitet vom Haller Thaler – Hall in Tirol liegt im Inntal in der Nähe von Innsbruck – sowie vom Joachimsthaler Guldengroschen oder Joachimsthal-Gulden.

Der Name Dolaro oder Dolares erscheint erstmalig unter Kaiser Karl V., seit 1516 König von Spanien, zur Unterscheidung der umlaufenden verschlechterten 8 Reales-Stücke gegenüber den im Silbergehalt vollwertigen Stücken. Dieser kolonial-mexikanische 8 Reales-Silber-Peso hieß spanischer Dollar. Sein Name lehnte sich an die Daalder der von Spanien besetzten Niederlande an. Erste offizielle Dolaros wurden unter König Philipp II. von Spanien ab 1575 in Potosí, welches zu dieser Zeit zum Vizekönigtum Peru gehörte, geprägt.

Das ursprüngliche englische Wort Dollar bezeichnete Großsilbermünzen, welche von englischen Piraten erbeutet wurden, in die englischen Kolonien in Nordamerika kamen und als Ersatz für die mangelnden englischen Crowns dienten. Letztere wurden vom Volk des 16. Jh. Dollar genannt. 1600 wurden unter der Regierung von Elisabeth I. von England die ersten Dollar Britanniens geprägt.

Die 1775 zur Finanzierung des amerikanischen Unabhängigkeitskriegs (1775 - 1783) ausgegebenen Continental Bills wurden ebenfalls als Dollar bezeichnet. Im Jahr 1772 wurde der Silberdollar als US-amerikanische Währung festgelegt. Die erste Prägung einer solchen Münze erfolgte 1794 in Philadelphia. Nachdem gegen Ende des 19. Jh. reiche Goldfunde in Kalifornien gemacht wurden, der Silberpreis in dieser Epoche verfiel und man einem Währungsverfall durch einen Überschuss an Silberdollars vorbeugen wollte, wurde im Jahre 1900 auf den Golddollar als offizielle Währung ungestellt.


Hacksilber

Vor der Erfindung der Münzen, praktizierten die Menschen Tauschhandel oder bezahlten mit Dingen, welche für jedermann einen messbaren Wert hatten. Dazu gehörten Metalle wie Silber, Gold und Kupfer, aber auch Edelsteine, Muscheln oder Vieh.

Bereits seit der Bronzezeit gab es Stab- und Stangengeld in Form stabförmiger Barren oder Stäben, von welchem man den Wert als Gewicht abhackte. Bereits 1200 - 1000 v. Chr. war gehackte Bronze (Aes rude) ein Zahlungsmittel der Italiker. Analog zur Bronze verwendete man im Handel zwischen Ägypten und Griechenland und Vorderasien seit dem 6. bis 4. Jh. v. Chr. sogenanntes Hacksilber, wozu nicht nur Barren oder Stäbe dienten, sondern auch Schmuck, Draht, Münzmetall und Rohsilber verwendet wurde.

Das früheste Zahlungsmittel im Vorderen Orient war Hacksilber in Form von Stäben und Barren. Geld wurde gewogen, als Stücke von Silber- oder Goldbarren abgehackt oder in Form von Ringen weitergegeben. In der Bibel wird Geld erstmalig in 1. Mose 17, 12.13 erwähnt (Kauf von Personen). In 1. Mose 23, 15.16 wird beschrieben, wie Abraham das Feld Ephrons, des Hethiters für 400 Shekel Silber kauft, wobei diese Shekel noch Gewichte waren. Sie bezeichneten ein babylonisch-kanaanäisches Gewichtsmaß, welches in Mesopotamien und Israel benutzt wurde. In semitischen Sprachen bedeutet das Wort Shekel soviel wie "Wiegen". Gold- und Silberstücke wurden in Shekel gemessen und dienten als Währung.

Auch der ursprüngliche russische Rubel, was in etwa "abgehauenes Stück" bedeutet (nach рубить, rubit, (ab)hauen), war Hacksilber. Es war üblich, Silberbarren als Währungseinheit zu verwenden, wobei man bei kleineren Handelsgeschäften kleinere Silberstücke von den größeren Barren abhackte.

Bereits vorgewogenes Hacksilber war im frühen Mittelalter neben Silberbarren übliches Zahlungsmittel in Nord- sowie Nordosteuropa, d.h. Polen, Skandinavien und Russland. In Ostasien war Hacksilber bis ins 20. Jh. in Gebrauch. Seitdem bemaß sich der Wert eines Zahlungsmittels nach seinem Material und Gewicht und blieb bis heute, z.B. als Pfund Sterling, Peso oder Peseta (Peso = Gewicht) ein Begriff.


Billon, Bullion und Unzen

Billon

Das Wort Billon stammt von dem mittellateinischem billio, was Zahlgut bedeutet. Billons sind Legierungen aus Kupfer und Silber, welche etwa zwischen dem 16. und 19. Jh. für Münzen mit geringem Wert verwendet wurden, deren Kupfergehalt größer als der Silbergehalt war. Häufig wurden Billonmünzen vor ihrer Auslieferung aus der Münzprägeanstalt in einer Silbernitrat-Weinsteinlösung weiß gesotten, wodurch sie mit einer dünnen Feinsilberschicht überzogen wurden. Diese rieb sich allerdings nach kurzer Umlaufzeit ab, sodass dann ein rötlicher Kupferschimmer auf der silbernen Münzoberfläche auftrat.

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Krugerrand (Krügerrand), Südafrika
Bullionmünze - 1 Unze Feingold
Public Domain

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American Silver Eagle, USA
Silberdollar, Rückseite
Bullionmünze - 1 Unze Feinsilber
Public Domain

Bullion

Bullionmünzen sind Münzen aus Silber, Gold oder Platin, welche in hohen Stückzahlen geprägt werden, wobei der Edelmetallgehalt einen Anlagewert besitzt. Die bekanntesten Bullionmünzen sind der südafrikanische Krugerrand bzw. Krügerrand (Gold) und der American Silver Eagle (Silber).

Unze

Das Wort Unze leitet sich vom lateinischen Wort für ein Zwölftel = uncia ab. Die Feinunze ist ein Gewichtsmaß für Silber, Gold und Platin, welches im anglo-amerikanischen Raum verwendet wird. Oft wird sie auch als Troy-Unze bezeichnet, benannt nach der französischen Stadt Troyes einem bedeutenden mittelalterlichen Handelsplatz. Eine Unze entspricht 31,1034768 g.


Literatur

  • Blanchard, I., 2001; Mining, Metallurgy and Minting in the Middle Ages
  • Caspar, H., 2006; Vom Taler zum Euro. Die Berliner, ihr Geld ud ihre Münze.
  • Fengler, H., 1988; Lexikon Numismatik
  • Hafner, W., 1984; Lexikon des Maria Theresien Talers 1780; Wien
  • Hammer, P., 2007; Zur Entstehung des Talers; GeoAlp: Sonderband 1, 53-57
  • Howgego, C., 2000; Geld in der Antiken Welt. Was Münzen über Geschichte verraten.
  • Hübner, U., 1994; Die Münzprägungen Palästinas in alttestamentlicher Zeit
  • Kampmann, U., 2004; Die Münzen der römischen Kaiserzeit
  • Levy, M. A., 1862; Geschichte der jüdischen Münzen
  • Moser, H., Tursky, H., 1977; Die Münzstätte Hall in Tirol 1477-1665. Innsbruck
  • Nussbaum, A., 1957; History of the Dollar
  • Pick, E., 2005; Münzen, Mächte und Mäzene
  • Rittmann, H., 2003; Deutsche Münz- und Geldgeschichte der Neuzeit bis 1914

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Mineralienportrait/Silber [ Vorherige: Stephanit | Nächste: Eigenschaften ]

Eingefügter Text von Mineralienportrait/Silber/Silberschmuck, Phototechnik und andere moderne Verwendungen

Silber

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Silberner Kerzenleuchter
Persien 1248-1249
Sammlg. Louvre, Paris
Foto: Public Domain

Silberschmuck, Phototechnik und andere moderne Verwendungen


Tafelbestecke, Kunstgegenstände und Schmuck

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Besteck aus Sterlingsilber
von Christofle, Paris
Foto: Collector

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Silbertafel der Geschwister
Carl und Anna Reiß
Verschiedene deutsche Hersteller nach 1888
Galerie: Zeughaus, Reiss-Engelhorn-Museum, Mannheim ‪
Foto: Andreas Praefcke, 2007
Public Domain

Sterlingsilber

Das bereits um 1300 eingeführte so genannte Sterlingsilber ist eine Bezeichnung des in England 1697-1720 üblichen Feingehalts von Tafelsilber. Sterlingsilber ist eine Legierung, welche dem Gewicht nach aus 92,5 % Silber und 7,5 % eines anderen Metalls, gewöhnlich Kupfer, besteht. Als Sterlingstandard bezeichnet man eine Edelmetallegierung, die bei 1000 Gesamtteilen aus mindestens 925 Teilen Feinsilber besteht.


Silberplattierung

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Elektroplattierung in England
Bild von Arnold Philip, 1911:
Electro plating and refing of metals
Bild: Public Domain

Silberplattierung ist ein galvanisches Verfahren, um auf elektrochemischem Wege unedle Metalle mit einer mehr oder weniger dünnen Silberschicht so zu überziehen, dass beide Teile ein untrennbares Ganzes bilden. Das Plattieren kann auf einer oder beiden Seiten geschehen. Man spricht dann von einfacher bzw. doppelter Plattierung. Am häufigsten wird Kupfer oder Nickelsilber mit Silber plattiert. Oft findet man auf Tafelbestecken oder Teeservices die geprägte Abkürzung EPNS, die für elektroplattiertes Nickelsilber steht.

Die Elektroplattierung wird meist bei der Herstellung von Billigversionen von Bestecken, Tee- und Kaffeeservices, Tafeldekorationen und allen möglichen Flach- und Hohlwaren für den Haushalt anstelle von Feinsilber verwendet. Die ersten silberplattierten Produkte kamen Mitte des 19. Jh. aus Manufakturen in Sheffield in England.


Silberlegierungen

Reines Silber (99,9 %) ist gewöhnlich zu weich, um daraus größere funktionale Objekte herzustellen. Deshalb wird Silber meist mit Kupfer legiert (AgCu-Legierung mit mindestens 80% Silber), um es zu härten und gleichzeitig die Dehnbarkeit und Schönheit des edlen Metalls zu erhalten. Dabei kann Kupfer durch andere Metalle wie Germanium, Zink oder Platin, aber auch durch Bor ersetzt werden, um bestimmte Eigenschaften zu verbessern.


Ein Silberersatz: Nickelsilber oder Neusilber

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Kamm aus Nickelsilber
hergestellt 1984
Foto: Public Domain
Archiv: Collector

Nickelsilber ist ein Sammelbegriff für Legierungen mit silberähnlichem Aussehen und einem Anteil von 45-65 % Kupfer, 10-25 % Nickel und 10-45 % Zink, wobei Zink kein zwingender Bestandteil der Legierung ist. Neusilber enthält also kein Silber. Andere Namen für diese Legierung sind Deutsches Silber, Paktong und Alpacca oder Alpaka.

Legierungen als Silberersatz waren in China schon vor über 2.000 Jahren bekannt. Heutige chinesische Legierungen führen den Namen Packfong oder Packtong. Nach B. Laufer war Nickelsilber identisch mit khar sini, einem der sieben Metalle, welche der arabisch/persische Universalgelehrte Geber beschrieben hatte. Das von den Büchsenmachern in Suhl (Thüringer Wald) bereits 1770 verwendete Neusilber wurde auch Weißkupfer genannt. Fabrikmäßig stellte Dr. Gleitner in Schneeberg (Chemnitz) 1821 den ersten Silberersatz her, gefolgt von den Gebrüdern J. Henninger in Berlin 1824 und weiteren Betrieben. Aufgrund der Ähnlichkeit der einzelnen Legierungen verwendeten die Hersteller zur Unterscheidung verschiedene Namen, z. B. Alfénide, Algerisches Metall, Alpaka, Ambrac, Argentan, Argent d'Allemagne, Argentor, Argyrolith, Berndorfer Silber, Chinasilber, Christofle Metall, Englisches Silber, German silver, Hotelsilber, Kunstsilber, Maillechort, Maldior, Packfong/Packtong, Semilargent, Sterlingmetall, Weißkupfer, Wiener Neusilber. Alpacca war ein Warenzeichen der Firma Bernsdorf. Nach 1840 wurde Nickelsilber aufgrund seiner Härte und seiner Oberflächenbeschaffenheit das meistverwendete Substratmetall für die Silberplattierung.


Fotographie

Etwa 24 % der Weltsilberproduktion werden in der Fotoindustrie in Form von Silbernitrat und von Silberhaliden verwendet. Silberverbindungen, meist Silberbromid, dienen als lichtempfindliche Schicht auf Photoplatten, Filmen und Papieren.


Technik

Etwa 40 % des erzeugten Silber werden in der Industrie und ca. 33 % für Schmuckzwecke verwendet. Es gibt ca. 1.400 Patente für technische Anwendungen von Silber. Jedes moderne Auto enthält ca. 1 Unze Silber.

Einige elektrische und elektronische Produkte verwenden Silber für elektrische Kontakte. So verwenden z.B. High-End Verstärker und DAC Silberverkabelungen, weil angenommen wird, dass dadurch Qualitätsverluste vermieden werden können. Silbercadmiumoxid wird in Hochspannungskontakten benutzt, um Lichtbögen zu widerstehen. Ebenso für Elektroden, leitende Pasten und Ag-Hartlote. Für weniger anspruchsvolle Anwendungen in der Elektronik wird oft das gegenüber Gold billigere Silber benutzt. Wenngleich Silber eine bessere Leitfähigkeit als Gold besitzt, hat es den Nachteil, dass es oxidiert. Deshalb wird häufig Gold für Kontakte verwendet. Manche Kondensatoren haben jedoch eine höhere Qualität, wenn ihre Platten silberplattiert sind.

Weitere Anwendungsgebiete sind

  • Silber-Zink, Silberoxid- und Silber-Cadmium-Batterien
  • Anoden für galvanischer Bäder
  • Kugellager
  • Feinsilber dient zum Bau chemischer Apparaturen

Chemie

Einsatzgebiete in der Chemie sind

  • Katalysatoren
  • Farben / Pigmente (Pigment für Zuckerwaren, Dragées und in der Kosmetik verwendet)
  • Fungizide

Medizin

Einsatzgebiete in der Medizin sind

  • Prothesen, orthopädische Nägel
  • Dentaltechnik (Silberamalgam, Dentallegierungen mit Ag, Pd, Zn und Cu)
  • Ag-haltige Sulfonamide zur Heilung von Brandwunden
  • Ag-haltige Bakteriostatika (keimtötend)
  • Ag-haltige Antibiotika
  • Kolloidsilber

Bioaktives Silber als Nanopartikelkomposite

Bioaktive Metalle wie Silber werden u.a. als Silikon-Silbernanopartikelkomposite in der Medizin (Bsp. Implantate), sowie industriell eingesetzt (Bsp. kratzfeste Autolacke).


Silberjodid zum Erzeugen von Regen

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Regenerzeugung mit Silberjodid

Silberjodid, gemischt mit Aceton, wird mittels Raketen oder aus sogenannten Hagelfliegern versprüht, um in der Atmosphäre kleinste Kondensationskerne zur gezielten Regen- oder Hagelbildung zu erzeugen, bzw. um damit die Bildung von zu großen Hagelkörnern zu verhindern. Bei den Olympischen Sommerspielen in Peking 2008 wurde Silberjodid mit Hilfe von Raketen in Regenwolken eingebracht, um einer Störung der Eröffnungsfeierlichkeiten durch Regengüsse vorzubeugen. In den USA wurde in den 1940er und 1950er Jahren versucht, mit Silberjodid Hurrikane vorzeitig abzuschwächen, die Wirkung war allerdings begrenzt. In Deutschland wurde 1958 im Landkreis Rosenheim eine organisierte Hagelabwehr eingerichtet, die das Silberjodid aus über 100 Abschussstellen durch Raketen in die Wolken schoss. Seit 1975 wird diese Aufgabe von zwei Antihagelflugzeugen erledigt.


Literatur

  • BBC; 19 February 2009; China Lets it Snow to End Drought
  • Mees, C. E.K., James, T.H., 1966; The Theory of the Photographic Process, 3rd ed., The Macmillan Co., New York
  • Neblette, C. B., 1970; Fundamentals of Photography, Van Norstrand Reinhold Co., Princeton, N.J.
  • Truman, C., 1993; Sotheby's Großer Antiquitäten-Führer Silber. Von der Antike bis zu den Manufakturen des 20. Jahrhunderts
  • Vonnegut, B.; Chessin, H.; 1971; Ice Nucleation by Coprecipitated Silver Iodide and Silver Bromide. Science (New York, N.Y.) 174 (4012), 945 – 946.
  • Das große Kunstlexikon von P.W. Hartmann Online
  • Hagelabwehr - Kulturenschutzverein Langenlois und Umgebung

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Mineralienportrait/Silber [ Vorherige: Stephanit | Nächste: Eigenschaften ]

Eingefügter Text von Mineralienportrait/Silber/Anthropogene Silberlocken

Silber

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Der Alchemist Marquis de Force-Nature
oder Dr. Dwingdwangius Naturalis
oder Herr Blasius Rauchmantel
Professor der Kunst, edle Metalle herzustellen.
L. van Sasse
Gravur von Wilhelm Koning, 1716
Archiv: Collector

Anthropogene Silberlocken


Kurze Betrachtung des Begriffes "anthropogen"

Anthropogen bedeutet vom Menschen geschaffen. Das Silber selbst ist jedoch nicht vom Menschen geschaffen, sondern die Form. Auch Silber, welches man durch Verhüttung oder chemische Prozesse aus Silberverbindungen, resp. Erzen erhält, ist nicht anthropogen. Das Metall war, im Erz enthalten, schon vorher da. Nur eben in anderer Form. Das einzige anthropogene Silber stammt aus Kernreaktionen, es war vorher nicht da (Zitat F. Mersch).

Der Begriff Anthropogene Silberlocken wurde gewählt, weil diese Terminologie mittlerweile im anglo-spanisch-französischen Sprachgebrauch Usus ist und weil die relevanten und aktuellen Arbeiten zum Thema Silberfälschungen, hier besonders die begehrten Silberlocken, unter dem englischen Begriff Anthropogenic Silver, resp. spanisch unter plata antropogénica publiziert und diskutiert werden.


Die fast 300 Jahre alte Geschichte künstlich erzeugter Silberlocken

Wie man Silberlocken aus Akanthit herstellt, weiß man schon seit fast 300 Jahren. So weit nachvollziehbar, war es der deutsche Mineraloge Johann Friedrich Henckel (1678 - 1744), welcher im Jahr 1732 als Bergrat ein großes Labor schuf, in welchem er unzählige metallurgische Experimente durchführte. Die Versuche, Silber aus Akanthit wachsen zu lassen, sind ausführlich nach Henckels Tod in der posthum erschienenen und in Dresden verlegten Arbeit Henckelius in Mineralogia Redivivu beschrieben.

Einige Jahre später wurden die gleichen Herstellungsprozesse auch vom französischen Mineralogen Balthasar Georges Sage (1740 - 1824), dem Gründer der Pariser Bergbauschule, beschrieben. In seinem Buch Elements de míneralogie, docimastique, erschienen 1772 in Paris, erklärt Sage identisch mit den Beschreibungen Henckels die Herstellung von jungfräulichem, kapillarem verworren-netzartigem Silber. 1784 schrieb der Bergbauingenieur Schreiber im Journal de Physique einen Artikel über Silbermineralien von den Allemont-Gruben in den Chalanches-Bergen und über den Prozess, Silber aus Akanthit zu gewinnen.

Alle diese genannten Arbeiten waren mehr oder weniger fundamental. Populär wurde die relativ einfach nachvollziehbare Herstellung von Lockensilber jedoch durch den französischen Mineralogen René Haüy (1801). René Haüy hat in einem Experiment nachgewiesen, dass, wenn man Akanthit erhitzt, aus diesem Silberdrähte sprießen und außerhalb der Argentitoberfläche wachsen, bis die Masse des Akanthit verbraucht ist. Das Wachstum der Locken beginnt an der Schnittstelle zwischen dem silberhaltigen Gestein oder in diesem Falle Akanthit und dem eigentlichen Silber.

Unterschiedliche Versuche, metallisches und/oder kollidales Silber durch Reduktion aus Silbersalzlösungen zu erhalten, wurden von Sir Benjamin Rumford um 1800 (... Auflösung dieses Salzes mit Kohle gekocht, oder mit einem eingelegten Stück Kohle dem Sonnenlicht ausgesetzt wird, reducirt sich, nach Rumfords Versuchen, das Silber auf die Kohle ...) und von Jöns Jakob Berzelius durchgeführt um 1838 in seinem Lehrbuch der Chemie beschrieben (... je nachdem die Reduction des Silbers fortfährt; die Oberfläche hat aber ein unebenes, metallisches Ansehen, und spielt hie und da mit den Farben des Regenbogens ...)

Voigt (1899) schlägt Proustit als mögliche zusätzliche Wachstumsquelle vor. Jensen (1939) zeigte, dass unterschiedliche Lösungen von Silbersulfid und Sulfat, welche auf Cobaltit und Akanthit einwirken, ebenfalls unter Laborbedingungen Silberdrähte erzeugt haben. Neumann (1944) meint, dass das meiste Lockensilber in Kongsberg auf diese Weise entstanden ist.

Wie dem auch sei - das Geheimnis des Wachstums wird nach wie vor diskutiert - es hat jedoch den Anschein, dass es eine Wechselbeziehung zwischen Silber und Akanthit gibt, wobei beide Mineralien meist zusammen vorkommen und das eine das andere ersetzen kann.


Fälschungen und Verschweigen ihrer Existenz

Dass es künstlich erzeugte Silberstufen gibt, ist jedem erfahrenen Sammler und jedem Kurator eines Mineralienmuseums bekannt und bewusst. Nicht wenige der weltgrößten und reichsten Sammlungen, aber auch etablierte Händler im High-End-Segment, das sogenannte Mineralien-Establishment, besitzen oder handeln mit Silberstufen mit prächtigen, teilweise hochglänzenden Locken, welche zu außergewöhnlich hohen Preisen erworben wurden - nicht erst heute aus Sachsen oder Marokko, sondern zum Teil schon vor mehr als hundert Jahren aus den weltbekanntesten Vorkommen prächtiger Silberlocken.

Nicht wenige der ausgezeichneten Silberlockenstufen fanden Einzug in Museums-, Universitäts- und bedeutende Privatsammlungen. Aus verständlichen Gründen dürften die Besitzer stolzer Silberlocken aus Freiberg oder Imiter kaum daran interessiert sein, Analysen ihrer wunderschönen Silberlocken durchzuführen.

Um es mit den Worten eins bekannten englischen Sammlers zu sagen (dessen Leserbrief in mindat.org veröffentlicht wurde: "Es scheint jedoch, dass dieses "Mineralien-Establishment" eine geschlossene Gesellschaft ist, da es zuviele übertragene Interessen gibt, diese sehr teuren Silberstufen auf keinen Fall als Fälschungen zu entlarven."


Bildung natürlicher Silberlocken

Lockenbildung aus der Schmelze

Geschmolzene Mineralien werden bei bestimmten Temperaturen sowie Druck- und Scherbelastungen durch Poren und Löcher im Gestein gepresst und bilden nach Abkühlung lockenförmige Gebilde. Es wird angenommen, dass die Schmelze nach Durchtritt durch die Pore noch plastisch ist, wobei sich einzelne Fäden durch Verschmelzen zu Bündeln bilden und letztlich bis zentimeterdicke Locken entstehen. Bei veränderter Konsistenz der Mineralschmelze können beliebige Richtungsänderungen im durchgepressten Mineralstrang auftreten und zu sehr verschlungenen Aggregaten führen (Dietrich, Behnke, Thönelt, 2006).


Silberlocken durch Verhüttungsprozesse

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Quelle: Ritter von Leonhard, K.C., 1858;
Hüttenerzeugnisse
Das erwähnte Musterstück befand sich in
der Sammlung des Ritter von Leonhard
Archiv: Collector

Dass Silber auch bei der Verhüttung entstehen kann, berichtete schon Professor Theodor Scheerer 1858 in den Verhandlungen des bergmännischen Vereins zu Freiberg (Sitzung vom 8. Februar 1855). Dann 1858 von K. C. Ritter von Leonhard in seinem Buch "Hüttenerzeugnisse" zitiert (Originaltext nebenstehend):

"... Die Herdmasse dieses Ofens zeigt sich fast ganz von Schwefel-Metallen durchdrungen, unter denen, wegen der Beschaffenheit des verschmolzenen Materials, Bleiglanz und verwandter Verbindungen vorherrschten. Im untern Theile der Herdmasse hatte sich eine wagerechte Spalte gebildet, mehrere Quadratfuss erstreckt, aber meist kaum nur wenige Linien breit. In dieser, öfter unterbrochenen, theils nur als Aufeinanderfolge kleiner Höhlungen und Blasenräume fortsetzenden Spalte, die dadurch ganz den Charakter gewisser Gänge annahm, fand sich an mehreren Stellen glänzend weisses haarförmiges Silber ausgeschieden."

Es ist bekannt, dass zu DDR-Zeiten (1960er Jahre) Silberlocken aus Schlema in private Sammlungen gelangten, welche laut Auskunft von Erzgebirgssammlern aus den Innenseiten der Schlote von abgerissenen Schachtöfen stammen (pers. Mttlg. an den Autor).


Ungewöhnliche Silberstufen aus dem Erzgebirge

Im Jahr 2000 äußerte ein deutscher Mineralienhändler auf dem Rochester Symposium seine Bedenken bzw. zweifelte an der natürlichen Bildung gewisser auf dem Markt befindlicher Draht-Lockensilberstufen aus Freiberg und/oder Schneeberg-Schlema-Hartenstein. Er wies darauf hin, dass diese unechten Stufen als Fälschungen zu bezeichnen seien.

Die Silberdrähte auf diesen Stufen waren fast immer gleich lang, der Durchmesser von der Basis zum Ende hin verjüngt und die Akanthit- oder Calcitmatrix dieser Stufen sieht wie zerfressen, löcherig oder schwammig aus. Gleich oder ähnlich aussehende Stufen waren bis zum Auftreten dieser als historische Funde bezeichneten Exemplare nicht bekannt. Laut Aussage der Anbieter handelte es sich dabei um Funde von der Grube Himmelsfürst bei Freiberg aus dem Jahr 1907. Etwas später, als die Zweifel an der Echtheit wuchsen, wurde als Fundort Schneeberg in Sachsen angegeben.

Ein anderer deutscher Mineralienhändler zweifelte die Anfechtungen seines o.a. Kollegen an und ließ Proben der angezweifelten Silberfälschungen mit eindeutig beweisbaren echten Silberstufen aus Sammlungen mittels REM-EDX vergleichen, wobei sich herausstellte, dass es weder chemisch noch sonstwie Unterschiede zwischen angezweifeltem und echtem Material gab.

Fragwürdige Silberlocken aus Marokko

Anfang des neuen Jahrtausends kamen zahlreiche Stufen von gediegen Silber aus der Lagerstätte Imiter in Marokko auf den Markt, meist als massive bis hackige Bleche, ohne oder auf einer mergeligen Matrix. Größere Mengen dieser Silberbleche gab es in Sainte Marie zu erstaunlich erschwinglichen Preisen.

Erste Drähte, deren Matrix gewöhnlich intensiv metallisch glänzender Akanthit war, tauchten erstmalig um 2005 auf. Die ersten wenigen dieser noch sehr kleinen Drahtstufen wurden dem Verfasser bereits im Oktober 2005 in Marokko für haarsträubende Summen angeboten. Die Farbe des Silbers war mattsilber bis metallisch-silbergrau, nicht selten auch wie angewittert oder gealtert aussehend. Im gleichen Zeitraum kamen auch ungewöhnlich viele mattgraue bis schwarze Akanthite in hervorragenden Kristallen auf die Märkte.

Etwa um 2007 erschienen auf einmal Stufen mit fantastischen feinen, hochglänzenden Silberlocken, Gespinsten und haarförmigen Drähten, manche der Locken waren zwischen 2 - 4 mm dick. Die meist dünnen Silberdrähte sind hochglänzend, die Matrix aus Akanthit hat jedoch oft eine matte Oberfläche, teils mit Spuren irisierender Farbflecken. Auffallend ist, das auf diesen Draht- und Lockenstufen keine Begleitmineralien vorhanden sind.

Seitdem, mit anhaltendem Trend, wurden die marokkanischen Silberlockenstufen von Mal zu Mal schöner. Nicht nur diese wachsende Schönheit der Stufen, auch ihre relativ große Verfügbarkeit ließen jedoch bei bestimmten erfahrenen Sammlern anhaltende Zweifel an der Authentizität dieser attraktiven Silberlocken aufkommen. Mehr noch, als die Gesteins- resp. Erzmatrix dieser Locken, meist grauer oder schwarzer Akanthit, Spuren in Form bräunlicher oder beigefarbener Hitzeflecken aufwiesen. Auf manchen Rückseiten der lockentragenden massiven Akanthitstufen sind die Hitzeeinwirkungen in Form von Bläschen oder Anschmelzstellen deutlich sichtbar.

Die Vermutung liegt nahe, dass all diese Akanthite in einem Ofen erhitzt wurden, ähnlich der bekannten Prozesse, bei welchen Silberlocken aus der Schmelze entstehen. (Die vorstehenden Informationen stammen zum Teil einem (anonymen) Aufruf zur Vorsicht beim Kauf marokkanischer Silberstufen aus Le Règne Mineral, Juli/August 2008, S. 30).


Vergleiche zwischen natürlichen und künstlich erzeugten Silberlocken-Stufen

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Deutlich sichtbar die Eisenoxid-
Imprägnation und Bildung auf Akanthit
Gefälschte Stufe aus Imiter
Foto: Joan Abella i Creus

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Eine weitere künstlich erzeugte
Stufe mit Eisenoxid zwischen
den Silberdrähten
Imiter
Foto: Joan Abella i Creus

Der erfahrene katalanische Silbersammler Joan Abella, dem der plötzliche Wechsel von mattem Silberblech zu hochglänzenden Weltklasse-Silberlocken suspekt vorkam, untersuchte verschiedene der neu auf dem Markt befindlichen hochglänzenden Imiter-Silberlockenstufen und fand u.a., dass einige davon einige bläulichweiße Flecken an der Basis aufzeigten und dass sich Eisenoxide nahe der Silberlocken fanden. Zudem fiel ihm auf, dass die jeweilige Akanthitmatrix keinen Glanz hatte.

Durch eine Koinzidenz der Ereignisse war Joan Abella im Besitz diverser massiver Akanthitstücke aus der spanischen Silbergrube Balcoll de Falset, deren Geschichte als Buch von J. Abella geschrieben wurde und er sich damit zu einem Silberexperten qualifizierte. Dieser Balcoll-Akanthit hat ähnliche Eigenschaften wie der von Imiter.

Mit diesen Akanthiten führte Abella unterschiedliche Experimente mit verschiedenen Techniken durch: Erhitzen mit Butan- und Azetylenflammen, reduzierende und oxidierende Flammen, Flusskontrolle, mit und ohne Porzellan- und/oder Graphittiegeln, mit und ohne Additive. Mittels dieser Techniken erhielt Abella kleine, jedoch hervorragende Silberdrähte- und Locken auf Akanthitmatrix. Während jedes Schrittes bei den Experimenten wurde die Abnahme der Akanthitdichte gemessen. Jede Reaktion wurde protokolliert, die Leitfähigkeit bestimmt und spezifisch das Wachstum der Silberlocken kontrolliert.

Der Vergleich der in den Versuchen erzeugten mit den natürlichen, d.h. echten Silberlocken von Balcoll ließ Abella folgern, dass, wenn die künstliche Herstellung der Silberlocken ohne entsprechende Vorsichtsmaßnahmen und ohne Kontrollen erfolgt, diese Locken solch unterschiedliche Charakteristika haben, dass eine Unterscheidung von natürlich gewachsenen Locken gegeben und erkennbar ist. Im Gegensatz dazu jedoch, wenn der gesamte Herstellprozess mit äußerster Sorgfalt durchgeführt wird, kann man Stufen mit Silberlocken erhalten, welche nicht leicht von natürlich entstandenen Silberlocken unterscheidbar sind.

Die wichtigsten Unterschiede zwischen natürlichen und künstlich erzeugten Akanthit-Silberlockenstufen beschreibt Abella wie folgt:


Natürlich entstanden

Künstlich hergestellt

Metallischer Glanz des Akanthits

Völliger oder teilweiser Verlust des Glanzes auf dem Akanthit als Resultat schlechter oder unerfahrener Herstellung

Keine Protuberanzen (Unebenheiten)

Konkave Protuberanzen (Unebenheiten) und/oder Aschespuren auf dem Akanthit, begrenzt auf die Stelle, wo ein Kontakt zum Tiegel vorhanden war (bereits von Berzelius 1838 beschrieben, s.o.)

Kein Farbenspiel, keine Irideszenz

Farbenspiel (Irideszenz) auf der Oberfläche des Akanthits. Dominierend blaue Farben (wie bereits von Berzelius 1838 beschrieben, s.o.)

Keine Aureolen

Aureolen: Wenn die Herstellung sorglos geschah, kann sich an der Stelle, wo die stärkste Erhitzung stattfand, eine gelbliche Aureole mit weißem Zentrum und grau-bläulichem Rand bilden. Wird sorgfältig gearbeitet, erscheint die Aureole nur bläulich-weiß

Keine während des Wachstums unterbrochenen Locken oder Drähte

Bruch der Locken oder Drähte während des Wachstums, meist durch Temperaturschwankungen bedingt. An den Unterbrechungsstellen feine Trennlinien, an welchen die Drähte oder Locken leicht getrennt werden können

Keine Akanthitfragmente in Locken oder Drähten, da natürliches langsames Wachstum

Manche Silberlocken oder Drähte können unregelmäßig große Akanthitfragmente enthalten, welche sich bei schnell ablaufenden Herstellprozessen gelöst haben können

Weder rötliche Massen, noch Krusten. Natürliches Silber kann ggf. mit Goethit assoziiert sein, jedoch nicht mit Hämatit (eine solche Paragenese ist nur bei einigen Meteoriten bekannt)

Krusten oder rötliche Massen zwischen den Locken, Drähten und auf dem Akanthit, welche durch das Rösten der natürlich auf den Imiter-Stufen vorkommenden Eisensulfide entstehen, wenn sie einer Flamme mit hoher Temperatur ausgesetzt sind. Hierbei entsteht Eisenoxid oder Schwefeldioxid, bzw. bildet sich Hämatit zwischen den Locken und auf dem Akanthit

Keine Patina auf Silberlocken

Der Versuch, dieses unerwünschte Eisenoxid zu eliminieren, führt zu einer gelblichen Patina auf dem Silber

Drähte und Locken sind an der Basis in der Regel dicker als am Ende

Die Silberdrähte verdicken sich nicht zur Basis und verdünnen sich nicht zum Ende, sie sind gleich lang und gleich dick

Die natürlichen Silberdrähte und Locken sind meist unterschiedlich dunkel und matt

Die Silberdrähte und Locken sind ungewöhnlich gleichmäßig hochglänzend


Analysen und Ergebnisse - Nachweise von Fälschungen

Chemische oder SEM-Analysen können einen Hinweis auf gefälschte Silberstufen geben, wenn das Ausgangsmaterial nicht derselbe Akanthit ist, auf welchem die natürlichen Drähte und Locken eines bestimmten Vorkommens gebildet wurden. Wird original Akanthit von einer bestimmten Fundstelle erhitzt, werden sich in den gewachsenen Silberdrähten immer die gleichen Elemente wiederfinden wie im Ausgangsmaterial. Die Spurenelemente des Akanthit werden beim natürlichen Wachstumsprozess in das entstehende Silber mit eingebaut. D.h., die chemische Zusammensetzung, resp. der Spurenelementebestand des Silbers nach Abschluss des Wachstums ist mit dem ursprünglichen Akanthit identisch.

Wird für die Silberlockenzüchtung jedoch metallisches Silber verwendet, sei es hochgradig, als Legierung oder im Labor hergestelltes Silbersulfid, so wird auch die Zusammensetzung des gezüchteten Silbers nicht dem natürlich entstandenen Silber entsprechen, bzw. wird, wenn überhaupt, Spuren eines womöglichen Fremdelementes eines eventuell verunreinigten künstlichen Silbersulfides enthalten, jedoch niemals der originären Zusammensetzung des Originalmaterials entsprechen.

Mit anderen Worten: Ein Nachweis von vorhandenen Spurenelementen im Silber ist nicht dazu geeignet, zwischen echten oder gezüchteten Silberlocken zu unterscheiden. Indiz einer möglichen Fälschung kann jedoch sein, dass überhaupt keine Spurenelemente nachweisbar sind oder ein Übermaß eines bestimmten Elementes vorherrscht - was auf die Verwendung eines suspekten Ausgangsmaterials hinweisen kann.

Resultate von SEM-Untersuchungen

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SEM-Analyse der Oberfläche von Imiter-Silber
Archiv/Genehmigung: Collector

SEM-Analyse der Oberfläche einer
Vergleichsstufe Silber von Himmelsfürst
Archiv/Genehmigung: Collector

Bei Analysen, welche an einer europäischen Universität durchgeführt wurden, wurde suspektes Silber aus Imiter mit authentischem Lockensilber aus der Grube Himmelsfürst verglichen (Persönliche Mitteilung an den Verfasser).

Bei mittels SEM untersuchten Silberlocken der ersten Probe aus Imiter zeigte sich, dass diese hochgradig porös waren, als ob sich Gasblasen gebildet hätten. Diese Gasblasen können durch freigesetztes SO2 entstanden sein, während der Akanthit durch Erhitzen in Silber umgesetzt wurde (Ag2S + O2 > Ag + SO2). Die untersuchte Silberprobe war sehr rein und enthielt kein Quecksilber, obwohl dieses Element immer Bestandteil von Imiter-Silber ist.

Das Silber der zweiten Probe aus der Grube Himmelsfürst war nicht ganz rein, da sich u.a. auch Spuren der natürlichen Alterung (Sulfide und vielleicht Chloride) in Form mikroskopischer Ablagerungen oder selbst als Mikrokristalle auf der Oberfläche des Silbers befanden. Bei gleicher Betrachtung und Vergrößerung wie beim o.a. Imiter-Silber kann man diese Alterungserscheinungen erkennen, jedoch sieht man keine Löcher (Porosität) wie in dem angenommen künstlichen Silber.

Inwieweit diese SEM-Untersuchungsergebnisse brauchbar sind, bleibt dahingestellt, da hier Silber aus Imiter mit Silber von der Himmelsfürst verglichen wurde. Sinnvoller wäre es wohl gewesen, alte, authentische Imiter-Silberstufen, welche vor dem Lockenboom seit langem bekannt waren, mit dem neuen Silber, welches seit 2007 auf dem Markt ist, zu vergleichen.

Ob ein Nachweis von vorhandenen oder nicht vorhandenen Spurenelementen zu einer Beurteilung brauchbar ist, wenn man keine Kenntnis vom Ausgangsmaterial, bzw. von den Materialien des Herstellungsprozesses hat, bleibt ebenfalls dahingestellt. Es ist für eine Beurteilung völlig ungeeignet, Silberlocken, welche aus 3N-Ag-Silbermünzen oder aus Akanthit, welchem Silbermetall beigegeben wurde und solche, welche aus Akanthit mit einem bestimmten Hg-Gehalt hergestellt wurden, zu vergleichen.


Silberlocken nach alten Rezepten - Experimente

Silberlocken aus Akanthit

BILD:1251614875

Akanthit - Silbererz
Shanxi, China
Foto: Rob Lavinsky

Silbersulfuret (Schwefelsilber) Ag2S findet sich als Silberglanz Argentit (Akanthit), mit andern Schwefelmetallen verbunden in mehreren Mineralien, entsteht beim Zusammenschmelzen von Silber und Schwefel, bei Einwirkung von Schwefelwasserstoff oder Schwefelleberlösung auf Silber oder auf Silbersalzlösungen und bildet den dunkeln Überzug, mit welchem Silbergeräte an der Luft anlaufen; es ist schwarz, unlöslich in Wasser, löslich in heißer Salpetersäure, schmelzbar, erstarrt zu einer bleigrauen, kristallinischen, metallglänzenden, weichen Masse, schmilzt mit Silber in jedem Verhältnis zusammen, gibt beim Schmelzen mit Eisen und Blei metallisches Silber, beim Behandeln mit Kupferchlorid bei Gegenwart von Kochsalz Chlorsilber. (Meyers Großes Konversationslexikon, 1888)

R. Haüy (1801) hat in einem Experiment nachgewiesen, dass, wenn man Argentit erhitzt, aus diesem Silberdrähte sprießen und ausserhalb der Argentitoberfläche wachsen, bis die Masse des Argentits verbraucht ist. Das Wachstum der Locken beginnt an der Schnittstelle zwischen dem silberhaltigen Gestein oder in diesem Falle Argentit und dem eigentlichen Silber (siehe Foto unten links).

A. Beutell beschrieb im Jahr 1919: "Wird Silberglanz oder künstliches Silbersulfid (Labor-Akanthit; Anm. d. Verf.) im Vakuum auf 350 bis 600o C erhitzt, so tritt geringfügiger Zerfall in Schwefeldampf und metallisches Silber ein; diese Silberspuren wandern durch das Sulfid hindurch nach dem kühleren Ende, wo sie als feine Härchen zu beobachten sind. In der Luft verläuft dieser Prozess rascher, weil durch Oxidation die Zersetzung des Sulfides gefördert wird. Reichliche Haarsilberbildung wird hervorgerufen, wenn Silbersulfid in Berührung mit metallischem Silber erwärmt wird... Schon nach 24 Stunden hatten sich kräftige und zahnförmige Silberauswüchse gebildet." Beutell führte den Versuch über drei Tage bei einer Temperatur von 450o C fort. Danach war das anfänglich eingesetzte Silberblech bis auf einen kleinen Rest verschwunden und anstelle dessen war Drahtsilber mit Drähten bis zu 2 cm Länge gewachsen.


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Natürliches Lockenwachstum an der Schnitt-
stelle Gestein-Silbererz
Grube Clara, Oberwolfach, Schwarzwald
BB 3,0 mm
Bild: franksch

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Ansatz der Lockenbildung auf Akanthit
Imiter, Marokko
Foto: Minerals and Fossils

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Dichte Silberlocken auf Akanthit
Imiter, Marokko
Foto: Minerals and Fossils


Silberlocken aus metallischem Silber

Versuch 1
Silberlocken aus Silberabfällen

Versuch 2
Silberlocken aus mit Silbersulfid überzogenen Münzen

Material

Silberwolle 999 (3N Ag) oder Reinsilber (1)
Schwefelpulver

C. 15 g mit Silbersulfid überzogene Silbermünzen 999 (3N Ag)
Schwefelpulver
Ton-Pulver

Geräte

Porzellanschale oder Keramiktiegel
Bunsenbrenner
Dreifuß
Tondreieck
Rohrofen
Abzug

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Keramiktiegel, Keramikdreieck,
Labor-Rohrofen
Foto: Frank Liebscher

Keramiktiegel mit Deckel
Bunsenbrenner
Dreifuß
Tondreieck
Abzug

Versuchsablauf

Der nachstehend beschriebene Versuch muss wegen der gesundheitsschädlichen Schwefeldämpfe im Abzug durchgeführt werden!

Es wurden ca. 10 g (ungewogene) Silberwolle eingesetzt. Die Ag-Wolle wurde mit einem Hammer verdichtet, dann in einem flachen Porzellantiegel auf Schwefelpulver gelegt, mit diesem bedeckt und anschließend mit dem Bunsenbrenner erst langsam von unten und dann von oben erhitzt, wobei der Schwefel zum Schmelzen gebracht wird. Er beginnt hierbei mit bläulicher Flamme zu brennen und reagiert mit dem Ag unter Bildung von Labor-Akanthit.

Die Silberwolle saugt den Schwefel regelrecht auf, deshalb wird Schwefelpulver bis zur Sättigung zugegeben. Man lässt das Ganze solange reagieren bzw. erhitzt solange bis der überschüssige Schwefel verbrannt oder bis eine vollständige Umsetzung zu Labor-Akanthit erfolgt ist.

Danach wird die Porzellanschale mit dem Labor-Akanthit über einen senkrecht stehenden Rohrofen (Temperatur in der Mitte des Ofens 1050 - 1070° C) platziert. Die ersten Silbersprösslinge erscheinen bereits nach 10 - 15 Minuten. Der Rest ist Warten und beim Wachsen zusehen. Der Ofen wird 2 x 6 Stunden lang unter Aufsicht betrieben. Die Locken wachsen am zweiten Tag weiter, es zeigt sich allerdings ein Wachstumsring (s.a. den Bericht von J. Abella, wobei er ebendiese Wachstumsringe auch bei marokkanischen Silberlockenstufen erwähnt). Nach etwa 12 Stunden ist die Stufe fertig gewachsen. Es wurden ganz unterschiedliche Lockentypen erhalten. Büschelig, haarig, aber auch schöne prächtige Einzelexemplare.

Auch der nachstehend beschriebene Versuch muss wegen der gesundheitsschädlichen Schwefeldämpfe im Abzug durchgeführt werden!

Dieser Versuch ist ähnlich wie der oben beschriebene, unterscheidet sich jedoch dadurch, dass die mit Silbersulfid überzogenen Münzen zur Hälfte in Tonpulver am Boden des Tiegels eingebettet wurden, sowie dadurch, dass diese Silber-Ton-Anordnung 48 Stunden lang bei einer Temperatur zwischen 350 - 600oC über einen Bunsenbrenner erhitzt wird.

Ergebnis

Bei dem beschriebenen Versuch wachsen die Locken zwischen 15 bis ca. 40 mm
Die Locken wachsen auch aus, bzw. auf / über dem Labor-Akanthit
Schlechte Temperaturkontrolle bei Verwendung des Bunsenbrenners.
Bei zu hohen Temperaturen verbrennt der Labor-Akanthit wieder zu Silber ohne Lockenbildung.
Bei Unterbrechungen während der Wachstumsphase(n) entstehen Wachstumsringe

(1) Die beim Versuch eingesetzte 3N Ag-Silberwolle diente als Störgasabsorber (Halogen- oder Schwefelfalle in einer CHN-Apparatur) und wurde gebraucht verwendet. Vorteil der Silberwolle ist, dass hierbei die Locken schneller als bei der Verwendung von massivem Silber wachsen.

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Bis zu 15 mm lange Locken nach etwa
6 Stunden Wachstumsprozess
Foto: Frank Liebscher

Nach 48 Stunden entstand eine Stufe mit bis zu 3,5 cm langen Silberdrähten

Bei Zugabe von Schwefel verbessert sich die Ausbildung der Silberdrähte. Wird jedoch zuviel Schwefel zugefügt, entstehen anstelle von Silber Labor-Akanthit-Kristalle.


Silberkristalle durch Reaktion von Silberionen mit unedlen Metallen

Eine einfache Methode, Silber zu erzeugen, beruht auf der Reaktion von Silberionen mit unedlen Metallen. Nach Zugabe von Ammoniaklösung in eine Silbernitratlösung entsteht ein Niederschlag, der sich bei weiterer Zugabe von Ammoniaklösung löst. Wird ein Kupferdraht in diese ammoniakalische Silberlösung gebracht, so werden die Diamin-Silberionen durch Kupfer zu Silber reduziert. Die Lösung färbt sich unter Bildung von Tetramin-Kupfer (II)-Ionen blau und am Draht scheiden sich glänzende Kristallite metallischen Silbers ab.

2 [Ag(NH3)2]+ + Cu → [Cu(NH3)4]2+ + 2 Ag

(Versuchsbeschreibung von Ann Seidel, 2001, Universität Paderborn)


Literatur

  • Abella i Creus, J., 2008; Plata antropogénica; Abhandlg. über Herstellung von Silberlocken aus Akanthit der Grube Falsett bei Tarragona und mögliche Fälschungen von Silber aus Imiter in Marokko; www.mindat.org/members
  • Berzelius, J. J., 1838; Lehrbuch der Chemie
  • Beutell, A., 1919; Wachstumserscheinungen des Kupfers, Silbers und Goldes. Centralblatt Min. Geol. Paläont.: 14 - 28
  • Bideaux, R. A., Mineral rings and cylinders; 1970; Min. Rec. 1, 105 - 112
  • Bischof, K. G., 1843; Über die Entstehung der Quarz- und Erzgänge
  • Dietrich, A., Behnke, G., Thönelt, T., 2006; Armdicke Salzlocken vom Basaltkontakt; Lapis 31, 9, 13 - 21
  • Edwards, D., 2001; Leserbrief betreffend künstliches Silber; Min. Record 32, 1
  • Gebhard, G., 2000; Rochester-Symposium
  • Haüy, R., 1801; Traité de Minéralogie; Prozess der Züchtung von Drahtsilber aus Akanthit
  • Henckel, J. F., 1747; Henckelivs In Mineralogia Redivivvs, Das ist Hencklischer aufrichtig und grundlischer Unterricht von der Mineralogie oder Wißenschafft von Waßern, Erdsäfften, Saltzen, Erden, Steinen und Ertzten. Nebst angefügten Unterricht von der Chymia Metallurgica, Wie selbigen der Wohlseel. Herr Bergrath, Joh. Friedrich Henckel, sowohl seinen in der Mineralogie und Chymie gehabten Scholaren discursivè ertheilet, als auch der Nachwelt zum Dienst in Manuscripto hinterlaßen. Zum ansterblichen Andencken ediret von einem dem Hencklischen Hause treu verbundensten in Erübrigten Stunden; Dresden bey Joh. Nicol. Gerlachen
  • Hintze, C., 1904; Handbuch der Mineralogie
  • Jahn, S., 2001; Redaktionelle Besprechung zum Thema "gefälschte Silberlocken"; Min. Welt 2, 3 - 5
  • Jahn, S., 2008; Lockensilber aus Imiter - echt oder eine Fälschung ?; Min. Welt 6, 28 - 31
  • Jensen, E., 1939; Sølvet på Kongsberg. Om de kjemiske processer ved deres utfelling og om trådsølvdannelsen. Norsk Geol. Tidskrift 19, 1 - 106
  • Johnsen, O., 1987; Silber aus Kongsberg. Emser Hefte 8, 2, 1 - 48
  • Leonhard, Ritter von; 1858; Hüttenerzeugnisse und andere auf künstlichem Wege gebildeten Mineralien
  • Opificius, M., 1888; Chem. Ztg. 12, 649
  • Rumford, B., 1804 - 13; Recherches sur la chaleur
  • Sage, B. G., 1772; Éléments de mineralogie docimastique. Beschreibung des gleichen Experimentes wie von Henckel, 1747 (s.o.)
  • Scheerer, T., 1855; Verhandl. Bergm. Verein Freiberg; Sitz. 6.2.1855; Berg- und hüttenmänn. Ztg. 3
  • Schreiber, J., 1784; Mineraux d'argent des mines d'Allemont; Journ. de Physique
  • Vogt, J. H. L., 1899; Über die Bildung des gediegenen Silbers. Ztschr. Prakt. Geol. 7, 113 - 123
  • Zorz; M., 2004; The Symmetry System


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Eingefügter Text von Mineralienportrait/Silber/Geschichte

Silber

BILD:1261474591

Die verschiedenen Methoden,
Metall zu schmelzen
Olaus Magnus, 1555
Bibl. Sainte Geneviève
Archiv: Collector

Die Geschichte des Silbers


Silber vom Neolithikum bis zum Ende der Bronzezeit (ca. 5.000 - 1.200 v. Chr)

Bolkar Dag-Panorama
Bolkar Dag-Panorama

Bolkar Dag im westlichen Taurusgeirge, Anatolien, Türkei

Klaas Kamstra
Bolkar Dag-Massiv
Bolkar Dag-Massiv

Bolkar Dag Nordwände aus bis zu 1000 m hohen Kalk-/Marmor-/wänden, in welchen bereits vor über 5.000 Jahren nach Silber geschürft wurde

Klaas Kamstra
Bronzestier mit Silbereinlegearbeit
Bronzestier mit Silbereinlegearbeit

Hethiter, ca. 2.000 - 2.500 v.Chr.; Anatolien, Türkei

Archiv: Peter Seroka (Collector)
Hethitische Stadtkönigin
Hethitische Stadtkönigin

Bildnis der Kubaba, Stadtkönigin im Hethtiterreich, + 2.000 Jahre v.Chr.

Archiv: Peter Seroka (Collector)

Silber, Gold und Kupfer waren - trotz der etwas irreführenden Bezeichnung für diesen Zeitabschnitt - bereits in der ausgehenden Jungsteinzeit (Neolithikum), in der Kupfersteinzeit (Chalkolithikum, Beginn etwa 4.000 Jahren v. Chr.) und in der darauffolgenden Bronzezeit (Beginn etwa 3.000 v. Chr.) bekannt. Man weiß von ersten Silberfunden vom mysteriösen, doch metallurgisch hochentwickelten hethitischen Reich im heutigen Anatolien. Im kilikischen Taurus sind seit Alters her Lagerstätten von silberhaltigem Galenit bekannt, welcher in langen Karsthöhlen des Bolkar Dağ lagert. Diese Höhlen liegen in den Marmorwänden zwischen 2.000 und 2.600 m Höhe. Die anatolischen Lagerstätten sind geologisch ähnlich zu den Lagerstätten in Laurion in Griechenland (Petrascheck, W.E., 1954).

Das Reich der Hethiter war für lange Zeit die wichtigste Silberquelle der westlichen Kulturen im Nahen Osten, Ägypten, Kreta und für Griechenland. Der echte Silberbergbau begann um etwa 3.000 v. Chr. und die ersten Technologien zur Silberherstellung werden den urartäischen Chaldäern gegen 2.500 v. Chr. zugeschrieben. Diese in Zentralanatolien, nahe des Van-Sees lebenden Metallurgen entwickelten den Cupellationsprozess, um Silber aus silberhaltigem Galenit zu extrahieren.

Das Silberhandwerk konzentrierte sich in Kleinasien, auf den griechischen Inseln und auf dem von der Mykene-Kultur dominierten griechischen Festland. Schwerpunktzentren der Herstellung dieses traditionellen Silbers, welches hauptsächlich von der minoischen und mykenischen Zvilisation erworben wurde, waren Silberlagerstätten bei Akhtala, bzw. in Kapan im Südosten des heutigen Armenien und bei Bolkar Maden im Taurus.

Silber war seit Bestehen des Königreiches Hatti in derartig großen Mengen vorhanden, dass es in Form von Barren oder Ringen als allgemeines Zahlungs- und Handelsmittel benutzt wurde. Als Gewicht dienten die babylonischen Maße Sekel und Mine, wobei eine Mine 40 Sekel entsprach.

Bedeutende Funde silberner Artefakte wurden von Heinrich Schliemann bei der Ausgrabung der Stadt Troja gemacht. Diese Stadt bestand bereits 5.000 Jahre v. Chr. und lebte bis in die ausgehende Spätantike.


Ägypten

Die alten Ägypter, d.h. das alte Reich bis zur Zeit der Ramessiden, 2.653 - 1.080 v. Chr., betrachteten Silber als eine weiße Varietät von Gold und gewannen das kostbare Metall in den Erzgruben von Nubien. Silber war wertvoller als Gold, und wurde zudem in größeren Mengen ausgebracht. Da Silber jedoch nicht ausreichend vorkam, wurde das Metall aus Vorderasien importiert, wobei auch die phönizischen Händler nicht untätig blieben.

Nach der Schlacht von Kadesch (1.286 v. Chr.) setzte der Pharao Ramses II. einen Friedensvertrag mit den Hethitern auf einer silbernen Tafel auf. Auch an einer Außenwand des ägyptischen Tempels von Karnak spricht die Schrift von einer Silbertafel. Die Spitzen mancher Obelisken wurden mit Elektrum, einer Legierung aus Silber und Gold, geschmückt.


Silber in der Antike (1.200 v. Chr. - ca. 600 n. Chr.)

Antiker Bergbau
Antiker Bergbau

Darstellung einer Bergbauszene im antiken Griechenland auf einem 1879 bei Penteskouphia SW von Korinth gefundenen; Tontafel, welche etwa um 600 v.Chr. als Weihetafel in einem Poseidongarten hing. T...

Archiv: Peter Seroka (Collector)
Silberschale alexandrinisch
Silberschale alexandrinisch

1. Jh. v.Chr., Hildesheimer Silberschatz; Antikensammlung Berlin

Andreas Praefcke

Ende 8. Jh. v. Chr. erwähnt der Grieche Homer Silber häufiger und nennt Chalybien als Land seiner Herkunft. Die Silbergruben in Laurion in Attika werden zuerst von Äschylos (525 - 456 v. Chr.) erwähnt, die Athener waren in Laurion jedenfalls Nachfolger asiatischer Völker. Dieser Bergbau lieferte zur Zeit des Themistokles (525 - 459 v. Chr.) kontinuierlich größere Mengen Silber, wurde jedoch um 102 v. Chr. eingestellt. Alexander der Große (356 - 323 v. Chr.) zog aus dem Silberbergwerk am See Prasias täglich 28 kg Silber.

Der Reichtum der Phönizier (2.000 bis 750 v. Chr.) stammte aus den spanischen Silbergruben des sagenhaften, bis heute nicht wiederentdeckten Reich der Tartesser zwischen dem heutigen Cadiz und dem Fluss Guadalquivir in Andalusien, dessen Metallreichtum schon in der Bibel erwähnt wird. Vor Nutzung dieser überreichen Quellen gewannen die Phönizier Silber in Kleinasien, Zypern, Thrakien, vielleicht auch in Afrika, welches sie bereits im Auftrag des Pharao von Ägypten umrundeten. Das tartessische Reich wurde um etwa 700 v. Chr. von den Griechen "entdeckt" und ging um 500 v. Chr., wahrscheinlich durch Zerstörung durch Karthager, endgültig unter.

Seit etwa 269 v. Chr. wurde Silber als Geld in der römischen Republik benutzt. Fast ein Drittel, etwa 1.000 t des benötigten Metalls, kamen aus den Bergwerken bei Sarrabus und Iglesiente in Sardinien. Der Geograph Solinus schrieb: India ebore, argento Sardinia, Attica melle - Indien ist berühmt für Ebenholz, Sardinien für Silber und Attika für Honig.

Ebenfalls im 3. Jahrhundert v. Chr. übernahmen die keltischen Stämme in Germanien das Geldwesen von Griechen und Römern. Funde von Silbermünzen in den keltischen Siedlungen Oppidum Tarodunum bei Kirchzarten im Dreisamtal östlich von Freiburg im Breisgau (sogenannte Quinare), sowie in Dünsberg nahe Gießen (sogenannte Tanzende Männlein) zeugen von einer fortgeschrittenen Prägetechnik. Da das Verhüttungsverfahren zur Gewinnung von Silber aus silberhaltigem Bleierz noch nicht angewendet wurde, geht man davon aus, dass die keltischen Münzen aus natürlichem, gediegenem Silber hergestellt wurden.

Bei Griechen, Phöniziern und Römern wurde Silber zu Münzen, Gerätschaften, Gefäßen, Instrumenten, Spiegeln, Schmuckgegenständen und Verzierungen an Kleidungsstücken und Pferdegeschirr verarbeitet. Schon Homer erzählt von einem silbernen Krug als einem Kunstwerk, welchen Achilles zum Preise bei einem Wettlauf aussetzte. Er war von den Sidoniern gearbeitet und Phönizier hatten ihn feil geboten. Unter den Geschenken, welche der König Krösus dem Orakel in Delphi machte, befanden sich silberne Schüsseln und ein silberner Krater, welcher 600 Kannen fasste, er soll von Theodoros von Samos gefertigt worden sein. Alexander der Große hatte eine Garde von 3000 Mann mit silbernen Schilden (s. Argyraspiden). Der Silberarbeiter (Argyrelates, Argyropöös, Argyrokopos) hatte seine besondere Werkstätte (Argyreion, Argyrokopeion). In den Häusern reicher Leute gab es eine besondere Silberkammer (Argyrotheke, Argentarium) und bei den Römern einen besonderen Silberdiener (servus ab argento). Cäsar veranstaltete etwa um 65 v. Chr. Gladiatorenkämpfe zu Ehren seines Vaters. Bei diesen Leichenspielen sollen 320 der Kämpfer mit silbernen Rüstungen ausgerüstet gewesen sein (Plutarch, 75 n. Chr.). Der römische Kaiser Caligula (Regierungszeit 37-41 n. Chr.) präsentierte im Circus von Rom einen Wagen, welcher aus 62 t Silber hergestellt war.


Silber des mittelalterlichen Islam (560 - 1.125)

Silbermünze Dirham - Islamische Welt
Silbermünze Dirham - Islamische Welt

Silberner Dirham aus der Zeit der Abbassiden; ca. 908-937; Münzprägung Bagdad.

Archiv: Peter Seroka (Collector)

Die Länder des Prä-Islam Persien und Mesopotamien und des späteren Islam, der sich nach Mohammeds 40. Geburtstag, etwa ab 610 n. Chr. ausbreitete, waren überaus reich an Silber, welches in zahlreichen Gruben auf der arabischen Halbinsel im Hejaz und im Najd, in Chorasan, bei Ferghana, in Persien und später in Marokko und im Süden von Spanien abgebaut und aufbereitet wurde. Die islamische Welt erlebte ihre Hochblütezeit zwischen 750 und 1258, eine der hervorragendesten Persönlichkeiten der Zeit der Khalif Harun-ar-Raschid. Zentren des Wissens, der Kunst und der Technik waren Bagdad, Al-Andalus mit Cordoba und Granada, Chorasan im heutigen Iran und Afghanistan sowie Konstantinopel. Das historische Chorasan war eine riesige persische Provinz, deren Gebiete im heutigen Iran, Afghanistan, Tadjikistan, Turkmenistan und Usbekistan lagen, mit den bekanntesten Städten des islamischen Mittelalters Nishapur, Merw, Samarkand, Buchara, Herat und Balkh.

Reiche Goldvorkommen der arabischen Halbinsel waren schon in biblischer Zeit bekannt und Goldbergbau gab es bereits 3.000 Jahre v. Chr. Die Bibel beschreibt in der Genesis Havilah als Land im Garten Eden. Das hauptsächlich zur Prägung von Münzen (Dirham) und weniger für Schmuck und für Kunstgewerbe verwendete Silber wurde in nachweisbar 365 Gruben im Hejaz im Nordwesten und im Najd im Osten der arabischen Halbinsel abgebaut (Sabir, H., 1991; Französ. Geol. Mission für Saudi Arabien). Anderen Quellen nach sollen es über 1.000 Vorkommen in Arabien gewesen sein, welche seit etwa 1.000 v. Chr. das wertvolle Metall förderten. Berühmt waren die sassanidische Enklave Shaman im Najd und das Bergbaurevier mit unzähligen Gold-, Silber-, Kupfer- und Bleigruben der Banu Sulaym (Shamam) im Hejez. Durch die arabische Halbinsel mit ihren gewaltigen Wüsten verliefen Handelswege, auf welchen die Sassaniden Silber aus den Bergwerken im Jemen und im heutigen Oman nach Persien brachten, um den enormen Bedarf nach silbernen Dirhams (drahms) zu decken. Im Kernland der Sassaniden, im persischen Fars, gab es bereits fünf Münzen, welche mangels ausreichender Vorkommen in Persien das arabische Silber in großen Mengen zu Münzen prägten.

Die arabische Halbinsel und Zentralasien dominierten von ca. 425 bis 1125 mehr als ein halbes Jahrtausend die Förderung von Edelmetallen, bevor die Silber- und Goldförderung zusammenbrach und sich nach Europa verlagerte.

Während der Silber- und Goldhochblüte von 560 - 930 beeinflusste Mittelasien nicht nur Europas Bergbau, sondern auch das monetäre System. Die Folgen des Zusammenbruchs der Silberversorgung von 930 - 1125 waren teilweise die wichtigsten Gründe für die Exploration neuer Lagerstätten und für den eigentlichen Beginn des Silberbergbaus in Europa.


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Das an Silber und Gold reiche Land
Najd auf der arabischen Halbinsel
Hier: Das mitteljurassische
Tuwaiq-Riff-Steilwandgebirge
SW von Riyadh in Saudi Arabien
Foto: Public Domain

Der berühmte jemenitische Gelehrte al-Hamdani beschrieb im 10. Jh. n. Chr. eine Geographie der arabischen Halbinsel, darin eine Abhandlung über Gold und Silber mit einer Beschreibung dieser Metalle in der damaligen Welt des Islam. Dem Verfasser zufolge war die Lagerstätte al-Radrad am Wadi Khaniq (aktuell Jabali) im Jemen die reichste Silbermine der islamischen Welt. Aus dem silberhaltigen Bleiglanz wurden jährlich 1 Mio. Dirham erzeugt. Jede Woche verließ eine Kamelkarawane, beladen mit 20.000 Dirham das Bergwerk. Das Vorkommen wurde in den 1980er Jahren wiederentdeckt. Verschiedene, voneinander unabhängige, letztlich jedoch nicht konkurrierende Missionen französischer und deutscher Montanarchäologen dokumentierten im Jahr 2004 die Geologie der Lagerstätte Jabali (Pb-Zn-Ag-Mineralisation in Karst, Hauptmineralien Galenit, Sphalerit und Pyrit). Untersuchungen ergaben, dass bis zum Erhalt auch nur eines einzigen Silberbarrens 15 Aufbereitungs- und Verhüttungsschritte notwendig waren. Aufgrund von C14-datierten Proben nimmt man an, dass der aktive Abbau des Erzes und seine Verhüttung im 9. und 10. Jh. stattfanden.

Im Süden Marokkos wurde seit dem 8. Jh. silberhaltiger Bleiglanz bei Akka und Silbererze im Tafilalet, in der damals schon großen Lagerstätte Imiter (siehe dazu auch das Kapitel zum modernen Silberabbau in Imiter) abgebaut, das Metall erschmolzen und in dem naheliegenden Oasenort Toughda (Todra) zur panislamischen, in Marokko gültigen Währung Dirham geprägt. Toughda war ein seit dem 2. und 3. Jh. bekannter, strategisch wichtiger Haltepunkt für die Karawanen, welche aus dem Sudan nach Sjelmassa reisten. Andere Silbervorkommen, welche jedoch schlecht oder kaum dokumentiert sind, gab es in den Bergen im Norden und Süden von Taroudant, die bis ins 16. Jh. aktiv waren, sowie im Hohen Atlas bei Erdouz (Bleiglanz mit einem Silberanteil von mehr als 500g/t) und in den Gold-Quarzgängen bei Tiouit und Jemaa n'Ougoulzi, westlich des Anti-Atlas am Jebel Sarhro.

Weniger bekannt ist, dass es während der Hochblüte des Islam, etwa von 750 - 900, einen sehr regen Handel zwischen dem Mittleren Osten, Wikingern und Russen gab, welcher primär den starken Hunger der Nordmänner nach Silber befriedigen sollte. Silber in Form von Münzen war hochbegehrt und im Norden Europas nicht vorhanden. Die Wikinger, welche ursprünglich nur Raubzüge praktizierten, erkannten, dass sie im Handel mit Sklaven und Pelzen aus dem Norden gegen reiche Silberschätze aus der islamischen Welt, bessere Geschäfte machen konnten. Haupthandelsplätze waren das Khaganat des Volkes der Chasaren am Kaspischen Meer, das nach der Einführung der jüdischen Religion im 8. bis 9. Jh. den Süden Russlands kontrollierte, und die Zentren der abbassidischen Welt, dem Reich der Khalifen (ab 750). Die nach Hause gebrachten Silberschätze hatten einen enorm großen Einfluss auf die Entwicklung der Wikinger und deren Penetration des europäischen Teils von Russland, einhergehend mit der Gründung neuer Städte.


Silber im europäischen Mittelalter bis zum Zeitalter der Aufklärung (600 - 1700)

Zwischen dem Ende des weströmischen Reiches im Jahr 476 und der Völkerwanderung zwischen dem 4. und 6. Jh. gab es im Wesentlichen Eisenerzbergbau, da Eisen das wichtigste Metall für die Herstellung von Waffen und Werkzeugen war. Über Silber ist in dieser Transformationszeit zwischen Spätantike und Mittelalter nur sehr wenig bekannt.

Während die germanischen Völker das Silber als Metall schon früh kannten, waren den Deutschen die Silberlagerstätten im Harz und Erzgebirge noch unbekannt. Tacitus kannte nur ein einziges Silberbergwerk in Deutschland (bei Wiesbaden oder an der Lahn), das aber bald einging. Silberne Gegenstände, welche sich in Germanien und Skandinavien finden, sind keine Erzeugnisse inländischer Künstler, sondern in den ersten Jahrhunderten römischen, seit dem 6. u. 7. Jh. byzantinischen Ursprungs.

Erst die Karolinger (580 - 987) setzten Silber wieder als Münz- und Schatzmetall ein. Ab dem 9. Jh. stieg der Silberbedarf. Da zudem bei der positiven Entwicklung der Wirtschaft und des Handels ab Ende des 10. Jh. der Import von Silbermünzen zum Erliegen kam, setzten die dann herrschenden Ottonen auf eigenen Silberbergbau.

Im Mittelalter wurden ungeheuere Massen Silber zu Kirchenschmuck und Kirchengeräten verarbeitet. Schon im Jahre 812 wird eine aus Silber gegossene Glocke wegen ihres schönen Klanges gerühmt, Herzog Wilhelm von Aquitanien ließ solche in der Kirche des von ihm gestifteten Klosters Gellone, heute Saint-Guilhem-Le-Desért bei Montpellier, aufhängen. Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass ein Zusatz von Silber zum Glockenmetall den Klang nicht erhöht.

Eine wahre Jahrtausendmeisterschaft im Ausgeben von Silber war der vierte Kreuzzug ins Heilige Land im Jahr 1204, welcher von Pabst Innozenz III. 1198 propagiert wurde. Nach den Misserfolgen der drei ersten Kreuzzüge, welche zu Land erfolgten, beschloss man nun ein viertes Mal Jerusalem, diesmal allerdings auf dem Seeweg, zu erreichen. Der Papst und seine französischen adeligen Planer beauftragten die Seemacht Venedig, den Transport von etwa 33.000 Kreuzzüglern mit Anhang zu organisieren, und ebenso eine eigene Flotte mit 50 Galeeren auszurüsten. Als Bezahlung handelte der greise Doge Enrico Dandolo 300.000 Unzen Silber sowie die Hälfte des zu erobernden Gebietes aus.

Annaberg Bergaltar
Annaberg Bergaltar

Eines der 4 Bilder auf der Rückseite des 1521 geweihten Annaberger Bergaltars in der Kirche St. Annen in Annaberg-Buchholz, Sachsen. Maler Hans Hesse

Archiv: Peter Seroka (Collector)

Im Hoch- bis Spätmittelalter gelangte der Bergbau in Deutschland zu großer Bedeutung. Einer der größten Blei-Silbererztagebaue in Deutschland liegt bei Kropbach am Eingang des Münstertals im südlichen Schwarzwald. Es ist bisher nicht eindeutig bewiesen, ob dieser Bergbau mittelalterlich oder römisch ist. Zumindest berichtet Tacitus nicht darüber. Das von Tacitus erwähnte Vorkommen an der Lahn ist bisher nicht gefunden worden. Es soll sich ggf. um Naurod handeln - was jedoch wegen seiner Geologie nicht als Silberlagerstätte infrage kommt. Eine andere Möglichkeit wäre der Bergbau der Grube Friedrichssegen.

In Sachsen soll der Bergbau bei Mittweida und Frankenburg um 922 – 930 rege geworden sein. Aus dem Jahr 968 stammt die erste urkundliche Erwähnung des Bergbaus am Rammelsberg bei Goslar im Harz, andere Dokumente erwähnen Silberbergwerke im Jahr 984 bei Markirch im Lebertal in den Vogesen, 1028 im Schwarzwald 1028 und 1168 in Freiberg im sächsischen Erzgebirge. Die Kupfer-Silberlagerstätten bei Mansfeld wurden um 1200 erschlossen.

Zwischen dem 12. und 14. Jh. entstanden Bergbaustädte und es gab bahnbrechende technische Innovationen, besonders in der Wasserkunst, in der Göpelförderung und der Erfindung von Pumpen. Die bisher meist kleinen Silberbergbaubetriebe entwickelten sich zu technisch anspruchsvollen industriellen und kapitalintensiven Unternehmen. Zwischen 1348 und etwa 1480 gab es, u.a. bedingt durch die schweren Pestepidemien von 1348-1350, einen fast totalen Zusammenbruch des Harzer Bergbaus, welcher fast 100 Jahre anhielt.

In Straßberg wird die erste Silberhütte im Jahr 1462 erwähnt, ab 1480 gab es einen neuen Aufschwung am Rammelsberg, 1487 wird erstmals St. Andreasberg erwähnt, für welches jedoch die Bergfreiheit erst 1521 erlassen und die Förderung in der Grube Samson aufgenommen wurde. Der Silberbergbau bei Schneeberg begann 1471, in Annaberg 1496.

Der Bedarf nach Silber war unermesslich, sodass nicht nur im Harz und im Erzgebirge exploriert und gefördert wurde. Silberbergbau gab es seit der römischen Besetzung an der Lahn, bei Schriesheim im Odenwald und bei Bodenmais im Bayrischen Wald. Siehe dazu auch das Kapitel Silbervorkommen im übrigen Deutschland.

Soweit durch die Funde eines Schmelzofens und von Tagebauen nachvollziehbar ist, wurden die Blei-Zink-Erzgänge bei Bad Ems vermutlich schon in der Antike während der römischen Besetzung (etwa 90 bis 260 n. Chr.) abgebaut. Eine Urkunde von Kaiser Friedrich I. aus dem Jahr 1158 erwähnt die Silbergruben zu Bad Ems. Danach liegt die Geschichte des Bergbaus für mehrere Jahrhunderte im Dunkeln, ausgenommen Berichte aus dem 18. Jh., welche von regem Bergbau im 14. und 15. Jh. sprechen. Die Blütezeit des Blei-Silberbergbaus begann erst im Jahr 1766 mit dem Höhepunkt im 19. Jh.

Am Colegenberg bei Schriesheim, heute der Kohlberg, hat sich bereits im Jahre 1012 König Heinrich II. Besitzrechte vorbehalten. In diesem Colegenberg fanden sich nach den damaligen Schürfrechten abbauwürdige Silbererze. Der Bergbau wurde von den Strahlenbergern betrieben. Die Pfalzgrafen konnten 1291 die Herren von Strahlenberg bewegen, den ihnen zustehenden Teil des Colegenberges an die Kurpfalz zu verkaufen. Das Bergwerk wurde wieder zu Lehen gegeben. Zwischen 1470 und 1550 wurde der Bergbau von einer 16-stämmigen Gewerkschaft betrieben. Die Ausbringung an Silber war jahrhundertelang recht kläglich, sodass der Abbau im Jahr 1885 endgültig eingestellt wurde.


Bergwerk im Mittelalter
Bergwerk im Mittelalter

Mittelalterliches Hausbuch von 1482; Zeichnung des Hausbuchmeisters

Archiv: Peter Seroka (Collector)
Bergbau im ausgehenden Mittelalter
Bergbau im ausgehenden Mittelalter

Einfahren in den Schacht mit Holzleitern, am Seil oder auf dem Arschleder. Georgius Agricola, De Re Metallica Libri XII, 1556

Archiv: Peter Seroka (Collector)

BILD:1221632991

Bericht von Bergwercken, wie man
dieselbigen nützlich und fruchtbarlich
bauen, in glückliches Auffnehmen bringen,
und in guten Wolstand beständig erhalten
Löyhneysen (Löhneyss), G.E., 1660
Bericht vom Bergwerck
Archiv: Collector

Bergbau im Mittelalter
Bergbau im Mittelalter

Wünschelrutengänger; Zeichnung von Sebastian Munster; in: Cosmographia Universalis; Basel 1544

Archiv: Peter Seroka (Collector)

Im Pabenmaiz (Bodenmais) des 14. Jh. wurde erstmals um das Jahr 1300 Bergbau auf Gold dokumentiert und Mitte des 15. Jh. in der Grube des Allmächtigen Gottes Gabe nach Silber geschürft. Im Jahr 1485 erhielt der Ort besondere Priviliegien und im Jahr 1522 einen großen Freiheitsbrief, in welchem Bodenmais zur "vollkommen gefreiten bergstadt" erhoben wurde. 1542 wurde der Silberbergbau wegen Erschöpfung des Erzes eingestellt.

Auch in Böhmen, im slowakischen Erzgebirge, in Schwaz in Tirol und Falun in Schweden finden sich sehr früh Spuren vom Silberbergbau. Um die Stadt Banská Štiavnica, zu Deutsch Schemnitz, in der Slowakei herum erstreckte sich eines der großen Erzvorkommen im damaligen Oberungarn. Der Bergbau bestand bereits seit dem Jahre 752, wo er von Mährern betrieben wurde. Schemnitz wurde durch Mährer im Jahr 1075 gegründet, unter Stephan I., dem ersten König Ungarns (969 - 1038), durch herbeigerufene Deutsche erweitert und zur Blüte gebracht, 1156 zum ersten Mal erwähnt, von den Tataren Anfang der 40er Jahre des 13. Jh. gänzlich zerstört, nach deren Abzug wieder aufgebaut. In der Umgebung der Stadt wurde im Jahr 1627 erstmals Schwarz- bzw. Schießpulver zum Sprengen im Bergbau eingesetzt. 1735 kam es in Schemnitz (Banská Štiavnica) zur Gründung einer Bergschule (Bergschola), die auf die älteren Ausbildungsformen von zukünftigen Bergbeamten aufbaute. Diese Anfang des Jahres 1763 gegründete Institution wurde bis 1770 schrittweise zur späteren Bergakademie ausgebaut.

Kuttenberg in Böhmen erzeugte 1240 – 1620 fast 2.000 t Silber. In Mähren soll der Bergbau von Iglau der älteste sein, im 11. Jh. waren die Gruben von Zeiring in der Steiermark berühmt, Schladming wird schon im 13. Jh. genannt.

Im Jahr 1426 begann in Schwaz in Tirol in der Alten Zeche der Bergbau auf Silber, welcher seinen Höhepunkt um 1520 fand. Schwaz, Aller Bergwerk Mutter, im Pfandbesitz der Fugger, war nach Wien mit über 20.000 Einwohnern nicht nur die zweitgrößte Stadt in Österreich, sondern auch die weltgrößte Bergbaumetropole. Etwa 85 % des weltweit geförderten Silbers kam aus Schwaz. Dies war eine der wichtigsten machtpolitischen Grundlagen des damaligen Europas. Das zweite Tiroler Silbervorkommen am Schneeberg im Passeier, Europas höchstes Bergwerk, welches erstmalig 1237 erwähnt wurde (argentum bonum de Sneberch), hatte seine Blütezeit im Jahr 1486, als bis zu 1.000 Bergleute den silberhaltigen Bleiglanz abbauten.

In Schweden waren die Gruben von Sala schon im 8. Jh. in Betrieb, ihre blühendste Periode fällt in die erste Hälfte des 16. Jh. Kongsberg in Norwegen wurde 1623 durch deutsche Bergleute eröffnet.

Dieselben Normannen, welche im Jahr 1066 England eroberten und Teile von Wales besetzten, begannen im Norden der Insel die silberhaltigen Bleierze auf Silber abzubauen. Die wichtigsten Vorkommen lagen in den Kohlekalksteinen in Derbyshire, Mendip, an der Grenze zu Wales und in den nördlichen Penninen. Tieferliegende Lagerstätten im Südwesten Englands wurden nicht bis vor der zweiten Hälfte des 13. Jh. erschlossen. Der Höhepunkt des Silberbergbaus war im 12. Jh., wobei die Tynedale-Carlisle-Gruben die ertragreichsten waren. Die Lagerstätten in Devon gehörten mit zu den silbererzreichsten Englands, rund um das Revier von Bere Ferrers. Sie erzeugten Silber von 1292 bis 1349 und waren anschließend, mit Unterbrechungen, bis etwa zum Jahre 1500 aktiv. Wesentlicher Grund für das Auflassen der Gruben war nicht, dass das Erz erschöpft war, sondern die Tatsache, dass diese Erze in Tiefen lagen, in welchen ein Abbau erhebliche technische Probleme, z.B. die Bewältigung des Wassers, mit sich brachte und bis zur Kenntnis neuer Bergbbautechnologien im 16. Jh. nicht gefördert werden konnten.

In Italien, Griechenland und Frankreich scheint der Silberbergbau in früheren Zeiten weit eifriger betrieben worden zu sein, als im 16. Jh.. Das mag daran gelegen haben, dass einerseits die Vorräte von Silbererz allmählich abnahmen, andererseits besonders Silber nach der Entdeckung von Amerika dort weit leichter und preiswerter erzeugt werden konnte, als dies in der Alten Welt möglich war. Als Folge verfielen sehr viele weniger ergiebige Bergwerke in Europa.

In Spanien gingen die schon beiden Römern und Phöniziern berühmten Gruben bei Guadalcanal Mitte des 16. Jh. ebenfalls in die Hände der Fugger über, die ungeheure Reichtümer aus derselben zogen, bis sich die Gruben mit Wasser füllten und dann verlassen wurden.


Silberschätze der Neuen Welt (1500 - 1875)

Silberbarren Südamerika  1622
Silberbarren Südamerika 1622

Silberbarren aus dem Wrack der im Jahr 1622 untergegangenen spanischen Galeone Nuestra Senora de Atocha

Kevin Ward

Die großartigste Umgestaltung erfuhr die Silberproduktion durch die Wiederentdeckung Amerikas durch Columbus im Jahr 1492, bzw., was die Ausbeutung des Silbers betrifft, nachdem Cortez 1519 in Mexiko eingedrungen war. 1522 kam das erste Silber aus Mexiko nach Europa, 30 oder 40 Jahre später waren dort die Gruben in vollem Gang und auch Peru lieferte alsbald viel Gold und Silber, besonders seitdem 1545 die berühmte Lagerstätte Potosi, im heutigen Bolivien gelegen, entdeckt worden war. Die Silberproduktion verzehnfachte sich durch diese Entdeckungen. Erheblich gesteigert wurde die südamerikanische Produktion durch Einführung des Amalgamationsprozesses, der 1557 von Bartholomäus de Medina entdeckt und seit 1566 im Großen ausgeführt wurde. Im Jahr 1571 wurde er auch in Bolivien und Peru eingeführt.

Ab der Mitte des 16. Jh. wurden die Expansionsvorhaben, die kolonialen Unternehmungen und die gewaltigen Ausgaben für die Flotte, für Kriegsmaterial und Eroberungskriege in Europa und Nordafrika durch der spanischen Habsburger wesentlich durch das Silber und Gold der amerikanischen Gruben finanziert.

Im 17. Jahrh. wurden die Silberbergwerke zu Yauricocha (Cerro de Pasco) im Hochland von Peru eröffnet und lieferten reiche Erträge. Im 17. und 18. Jh. besaß das spanische Imperium die größten Territorien der Welt, obwohl sein militärisches und wirtschaftliches Glück seit 1640 ständig wechselten. Sehr große Silbervorkommen gab es auch in Hunatajaya und Chañarcillo, in Chile, welche im 19. Jh. entdeckt und erschlossen wurden. Als Anfang des 19. Jh. die Freiheitskämpfe begannen, die Spanien um ca. 1825 zur Aufgabe der Vizekönigreiche Peru und Rio de la Plata von Spanien zwangen, sank die Silberproduktion und hob sich erst wieder in bedeutenderem Maße, als die Quecksilberfunde in Kalifornien die Ausbeutung erleichterten.

Potosi-Bolivien
Potosi-Bolivien

Zeitgenössische Darstellung Mitte 16. Jh.

Archiv: Peter Seroka (Collector)
Spanische Galeone
Spanische Galeone

Zeitgenössische Darstellung aus dem 16. Jh.

Archiv: Peter Seroka (Collector)
Silberbergbau in Südamerika-Negersklaven
Silberbergbau in Südamerika-Negersklaven

Wenig bekannt, dass die Spanier auch Sklaven aus Guinea im Silber-und Goldbergbau in Südamerika einsetzten. Eine der ältesten Darstellungen von Girolamo Benzoni, in: "Americae Pars Quinta Nobilis e...

Archiv: Peter Seroka (Collector)

Silber aus Japan und Indonesien (1550 - 1700)

BILD:1218637497

Trennschmelzen von Silber und Blei
(Kupellationsprozess) im Japan des 18. Jh.
Aus: Kodo-Zuroku, 1801
Archiv-Sammlg.: Collector

BILD:1218537710

Ein holländischer Schoner vor der
Westküste von Sumatra
Zeichnung von Van de Velde, 1843
aus "Gezigten uit Neerland Indie"
Archiv: Collector

BILD:1223364710

Innenansicht eines japanischen Erzbergwerkes
im 2. Drittel des 19. Jh.
Zeichnung von Hiroshige Utagawa, 1842-1892
Archiv: Collector

Zwischen dem 16. und dem 17. Jh. wurden große Mengen Silber aus den über 500 Schächten (mabu) der Silberlagerstätte Iwami-Ginzan in der Präfektur Shimane gefördert. Die jährliche Produktionsmenge reinen Silbers in der ersten Hälfte des 17. Jh. wurde auf ca. 38 t geschätzt, was knapp etwa einem Drittel der damaligen weltweiten Silberproduktion entsprach. Das Silber wurde zum größten Teil über China und Korea nach Portugal und Spanien exportiert und die Exporterlöse von den sich bekriegenden Daimyo-Führern zum Kauf von Waffen und zur Unterstützung der Shogunatswirtschaft benutzt. Die Zahlung des erhandelten Silbers erfolgte meist durch Gewürze von den Südseeinseln von Malabar und durch Medizin aus Indien. Schiffe, welche diese Güter nach Japan brachten und beladen mit Silber zurückkehrten, wurden Silberschiffe genannt. Auch Chinesen aus Fujian segelten nach Japan, um für sich Silber zu erwerben.

Im Jahre 1602 wurden die in Südostasien herrschenden Portugiesen von der Vereinigten Niederländischen Ostindien-Kompanie (VOC) erfolgreich bekriegt und das heute malayische Malakka, sowie der größte Teil von Indonesien durch die Holländer kolonialisiert. Im Gegensatz zu den spanischen Konquistadoren war die VOC nicht direkt auf Gold und Silber aus, sondern verstand sich eher als Händler, welche wesentlich wertvolle Gewürze aus ihrer Kolonie gegen Silber aus Amerika eintauschte. Gleichzeitig jedoch gewannen die Niederländer Silber- und Golderz aus der Lagerstätte Salido in den Barisan-Bergen in West-Sumatra, welche bereits lange vorher von Hindus erschlossen worden war.


Silber in Russland (1700 - 1900)

Bergbau Blei-Silber im Kaukasus
Bergbau Blei-Silber im Kaukasus

Postkarte um 1890-1900

Public Domain

In Russlands bedeutendsten Lagerstätten im Bezirk Nertschinsk in Transbaikalien, dem heutigen Chitinskaya Oblast, begann der Silber- und Goldbergbau im Jahre 1704. Einen Höhepunkt erreichte er um 1775 und nahm dann bis Ende des 19. Jh. sukkzessive ab. Die genaue Anzahl der Silbergruben innerhalb des etwa 60 km2 großen Gebiets zwischen den Flüssen Shilka und Argun ist nicht bekannt. Die Lagerstätten liegen in silurisch-devonischen kristallinen Schiefern und Kalksteinen, intrudiert von Graniten, Syeniten und Dioriten. Seit 1762 war Nercinsk einer der berüchtigtsten Verbannungsorte in Sibirien. Gegen Ende des 19. Jh. wurden bis 2.300 Sträflinge zur Arbeit herangezogen. In den 150 Jahren Geschichte der Nertschinsker Gruben (1704 - 1854) wurden 11,5 Mio. Unzen Silber erzeugt.

Sehr reiche Silberglanzvorkommen wurden 1735 in Smeinogorsk (Schlangenberg, ursprünglicher Name Smejow) in der Region Altai entdeckt und seit 1736 abgebaut. Eine erste Aufbereitungsanlage, die aus einer Schmelze und Schmiede für Silber bestand, wurde in der im Jahr 1730 neugegründeten Stadt Barnaul errichtet. Sie existierte von 1744 bis 1893. In diesem Zeitraum wurden pro Jahr ca. 7,4 t Silber gefördert, die gesamte Region förderte 90 % des gesamtrussischen Silbers. Im Jahr 1747 erließ die Zarin Elisabeta Petrowna ein Dekret zur Enteignung der Industrie Barnauls und übernahm die Stadt als Zentrum des Silbers in Staatshand. In den 1780er Jahren enstand eine Bergschule. Das Silbervorkommen, welches einen Teil der Ag-Au-haltigen Oxidationszone einer sehr großen Kupferlagerstätte bildete, war jedoch gegen Ende des 19. Jh. erschöpft und die Hüttenbetriebe wurden 1893 geschlossen.

Im erzreichen Ural stieß man im Jahr 1814 auf Silbererz und begann im gleichen Jahr mit dem Abbau in der Grube Blagodatnoi bei Beresowsk. Im Gebiet des heutigen Kasachstan wurden 1844 reiche Silbererzgänge jenseits des Irtysch bei Karkaralinsk (Karaganda) und bei Bayunaul entdeckt. Weitere Explorationsarbeiten auf dem Territorium des kaiserlichen Russland führten zu silberhaltigen Erzen bei Voits in Georgien, in Misur am Südeingang der Schlucht von Alagir (Gora Kario-Khokh-Gebirge) in Nord-Ossetien, sowie in Kirgistan.


Nerchinsk, Russland, Silberbergbau
Nerchinsk, Russland, Silberbergbau

Nerchinsk Silbergrube Savinskogo; Publisher Kuznetsoff, Chita; Postkarte um 1900

Archiv: Peter Seroka (Collector)
Nerchinsk, Russland, Silberbergbau
Nerchinsk, Russland, Silberbergbau

Grube im Bezirk NerchinsK, Photo 1891 von Kuznetsov, A.K., Nationalbibliothek v. Russland, Stg. Petersburg

Archiv: Peter Seroka (Collector)
Mesour, Kaukasus, Silbermine Mesour
Mesour, Kaukasus, Silbermine Mesour

Postkarte ca. 1900

Archiv: Peter Seroka (Collector)

Spanien im 19. Jahrhundert

In Spanien wurden 1839 die Gruben der Sierra Almagrera in der Provinz Almeria und 1843 die von Hiendelaencina in Guadalajara entdeckt. Seit Einführung des Pattinsonschen Prozesses gewann man viel Silber aus den Bleierzen der Sierra de Gador und den Erzgruben von Cartagena.


Der Aufstieg Amerikas und Australiens (1876 - 1920)

Durch die Silberentdeckungen in den Vereinigten Staaten wurde schließlich alles Bisherige weit übertroffen. In Nevada, Utah, Colorado, Kalifornien, Arizona, Montana, Idaho, New Mexico, Oregon und Washington wurden reiche Erze entdeckt, und namentlich der Comstock Gang (Comstock Lode) bei Virginia City in Nevada lieferte seit seiner Entdeckung im Jahr 1858 enorme Mengen Silber und Gold. Seit den 1870er Jahren hat die Silbergewinnung in den Vereinigten Staaten die von Mexiko überholt, und die USA wurde zum größten Silberproduzent der Welt.

1885 begann Neusüdwales in Australien Silber zu liefern (Broken Hill). In den letzten Jahren des 19. Jh. stand Australien als Silberproduzent an dritter Stelle.


Literatur

Literatur zum Neolithikum (Hethiter und Ägypten)

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Silber

Silberbergbau der Tartessen, Griechen, Phönizier und Römer


Der attische Bergbau bei Laurion (Λαύριον (altgr.), Λαύριο (neugr.), Lavrio)

Silberbergbau in Laurion
Silberbergbau in Laurion

Silberverhüttung im antiken Griechenland; Eine der wohl ältesten Archäometallurgiedarstellungen des alten Griechenland; Pinax von Penteskoupiah in Korinth zwischen 575 - 550 v.Chr. Darstellung eine...

Archiv: Peter Seroka (Collector)
Antiker Bergbau
Antiker Bergbau

Darstellung einer Bergbauszene im antiken Griechenland auf einem 1879 bei Penteskouphia SW von Korinth gefundenen; Tontafel, welche etwa um 600 v.Chr. als Weihetafel in einem Poseidongarten hing. T...

Archiv: Peter Seroka (Collector)
Tetradrachme aus Silber
Tetradrachme aus Silber

Tetradrachme, Rückseite der Eule. 200-150 v.Chr., Silber aus Lavrion. Motiv: Kopf der Athene; Fto: Marie-Lan Nguyen; Cabin. des Medailles, Bibl. Nat. de France, Paris

Public Domain
Tetradrachme aus Griechenland
Tetradrachme aus Griechenland

Silberne Tatradrachme, 200-150 v.Chr., Eule auf Olivenzweig; Foto Marie Nguyen

Public Domain

Das Bergbaugebiet Laurion liegt in der südwestlichen Ecke der Halbinsel Attika, etwa 40 km südöstlich von Athen. Im Süden wird das Grubengebiet durch das Revier Sounion begrenzt, deren Ausläufer sich bis zu dem Wahrzeichen Lavrions - dem berühmten, 440 v. Chr. im dorischen Stil erbauten Poseidontempel am Kap Sounion erstrecken. Im Norden liegt das Dorf Plaka, im Osten die Stadt Laurion und das Ägäische Meer und im Westen das Gebiet Anavyssos.

In der Antike bezeichnete Laurion das gesamte Gebirgsland im südöstlichen Attika, eine Lokalität namens Laurion hat es jedoch nie gegeben. Nach Grabfunden war die Gegend bereits in der Altsteinzeit besiedelt. Erste bronzezeitliche Bergbauaktivitäten auf Kupfer sind bis auf 3.000 v. Chr. bei Thorikos nachgewiesen worden. Bereits in der mykenischen Epoche wurde Silber von Laurion nach Kreta, Santorin und Ägypten exportiert. Das direkt neben Erzwaschanlagen und Stollen liegende Zechentheater - in der Nähe des Berges Velatouri - ist mit rund 2.500 Jahren das wohl älteste Amphitheater der Welt.

Silber wurde im 6. Jh. v. Chr. zu einem wertvollen Metall, wahrscheinlich, weil durch die Einführung des Kuppelationsprozesses größere Mengen des Metalls hergestellt werden konnten.

Der Aufstieg Athens zur See- und Handelsmacht, aber auch der Fall des Staates, waren eng mit Laurion verbunden. Die Bergwerke lieferten soviel Silber, dass es nach heutigen Maßstäben rationellen Bergbaus und industrieller Verhüttung einem Wert von ca. 1 Mrd. US$ entspräche. Die Silbergruben von Laurion waren Eigentum des athenischen Staates, welcher diese für jeweils drei Jahre an die Athener Bürger verpachtete. Jeder Athener Bürger hatte finanzielle Anteile an den Gruben. Nur durch das Silber von Laurion war es möglich, dass Athen eine große Flotte bauen und mit dieser 480 v. Chr. die größte antike Seeschlacht gegen den Perser Xerxes gewinnen konnte. Der Sieg der durch Silber finanzierten Flotte, an welchem neben Adligen und Kriegern auch die Bürger beteiligt waren, war ungemein wichtig für das Selbstverständnis der Athener und führte in die athenische Demokratie.

Um 580 v. Chr. gehörte Athen zu den ersten Staaten, die Silbermünzen (Drachmen) prägten. Der Spruch Eulen nach Athen tragen beruht auf den Eulen, welche in die Tetradrachmen geprägt wurden.

Nach jahrhundertelanger Ruhezeit wurden die lauriotischen Lagerstätten Mitte des 19. Jh. wieder aufbewältigt und der Bergbau gelangte um 1865 zu einer neuen Blüte. Die letzten Gruben wurden 1984 geschlossen.

Literatur

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  • Demosthenes: "Gegen Pantainetos" (Rede XXXVII)
  • Freund, E., 1989; Laurion. In: Siegfried Lauffer (Hrsg.): Griechenland. Lexikon der historischen Stätten. Verlag C.H. Beck, München
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  • Kalcyk, H. J., 1983; Der Silberbergbau von Laureion in Attika. Antike Welt 14, 3, 12 ff.
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  • Mee, C. M., Spawforth,A., 2001; Greece. An Oxford Archaeological Guide. Oxford University Press
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  • Xenophon: "Über die Staatseinkünfte" (IV, 13)
  • Xenophon: "Erinnerungen an Sokrates" ("Memorabilia", Buch II 5,2)
Stolleneingang des Serpieri 5
Stolleneingang des Serpieri 5

Griechenland/Attika (Attikí, Attica)/Lavrion (Laurion)-Gebiet/Kamariza/Serpieri Mine

UlrichW
Chaos Mine
Chaos Mine

Tagebau, Lavrion, Griechenland

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Der Eingang zur Sigia Mine
Der Eingang zur Sigia Mine

Megala Pefka, Lavrion, Griechenland

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Mine No. 80
Mine No. 80

Der Stolleneingang befindet sich in der Bildmitte hinter der Tanne. Heute ist das Stollensystem der 80er Mine ein Wasserreservoir. Daher ist der Zugang zu den Stollen eingezäunt und die Stollen sin...

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Hilarionstollen
Hilarionstollen

Der Hilarion-Stollen ist der S der vier Gruben im Revier Kamariza. Lavrion, Attika, Griechenland.

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Christiana Schacht
Christiana Schacht

Griechenland/Attika (Attikí, Attica)/Lavrion (Laurion)-Gebiet/Kamariza/Christiana-Stollen

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Silber von Tartessos und Turdetanien auf der Iberischen Halbinsel - tartessischer, phönizischer und römischer Bergbau.

Phönizier
Phönizier

Ca. 400 v.Chr., Byblos

Archiv: Peter Seroka (Collector)
Phönizische Münze
Phönizische Münze

Doppelschekel; ca. 375 v.Chr.

Archiv: Peter Seroka (Collector)
Griechisch-römische Ausgrabung
Griechisch-römische Ausgrabung

Griechisch-römische Stadtreste in Spanien

Archiv: Peter Seroka (Collector)

Die Iberische Halbinsel hatte in der Antike den Ruf, das an Metallen reichste Gebiet der damals bekannten Welt zu sein. Dass dieser Ruf begründet war, bezeugen archäologische, besonders montanarchäologische Funde, durch welche man Einblick in wirtschaftliche und kulturelle Verhältnisse gewinnt. Insbesondere Kenntnisse zum Handel, zu den Transportwegen und nicht zuguterletzt zum Bergbau, der Quelle des Reichstums vieler antiker Völker. Silber war eines der wichtigsten und gesuchtesten Metalle, welches die Kulturen der Ägypter, Phönizier, Griechen und Römer miteinander verband.

Tartessos

Das tartessische Reich soll etwa zwischen 5.000 - 500 v. Chr. existiert haben. Der Ursprung seines Namens, seine Lage, und seine Bewohner sind jedoch bis heute eines der Rätsel der Archäologie. Herodot (480 - 425 v. Chr.) berichtet im Jahr 450 v. Chr. von einem sagenhaften Land Tartessos, berühmt für seinen sagenhaften Reichtum an Silber, vergleichbar einem Eldorado der Antike. Herodots Wissen beruhte jedoch auf ca. 200 Jahre alten Quellen und Tartessos gab es zu seiner Zeit schon lange nicht mehr. Er berichtet von einer 6.000 Jahre alten Rechtsprechung der Tartesser. Andere Quellen sprechen von Tartessos als eine um 2.000 v. Chr. entstandene phönizische Niederlassung.

Archäologen vermuten, dass die endbronzezeitliche und früheisenzeitliche Kultur Südspaniens namens Tartessos sowohl ein Reich, eine Kultur, ein Fluss oder eine Stadt oder alles gleichzeitig waren und mit dem heutigen Gebiet zwischen der Mündung des Guadalquivir, der Stadt Cadiz, der Stadt Huelva und dem Fluss Guadalquivir im Nordwesten in Andalusien, was in etwa dem Gebiet der iberischen Metallprovinz Riotinto bzw. der Sierra Morena entsprich, identisch sei. In der modernen Geschichtsschreibung wird das Gebiet zwischen dem Fluss Guadiana im Westen und Cabo de la Nao im Osten und der Sierra Morena im Norden, als tartessisch bezeichnet. Die Entwicklung dieser Kultur, so wird vermutet, wurde durch den Handel mit Phöniziern, hauptsächlich aus Tyros, der ab dem 9. Jahrhundert v. Chr. nachweisbar ist, geprägt. Erste befestigte Siedlungen entstanden im 8. Jahrhundert. Im 6. bzw. frühen 5. Jh. v. Chr. bricht die Kultur ab. Möglicherweise wurde sie von den Karthagern zerstört, die zuvor die Kolonie Gadir, dem heutigen heute Cádiz, auf einer Insel vor der Guadalquivir-Mündung gegründet hatten.

Andere Archäologen wiederum schließen nicht aus, dass es sich bei Tartessos um die Stadt Tarsis (Tarschisch), bzw. eine Stadt der Tyrsenser, ggf. eine sagenhafte, reiche griechische Stadt der Phaiaken (Homer, Odyssee) oder sogar das versunkene Atlantis sei (Platon).

In der Bibel wird an mehreren Stellen der Ortsname Tarsis (hebräisch Tarschisch) erwähnt, dieser Ort jedoch bisher nicht gefunden. Es wird jedoch allgemein akzeptiert (Gerhards, 2006), dass Tarsis, resp. Tarsos, in Kilikien (Flavius Josephus, Jüdische Altertümer, I.6, § 1) mit Tartessos gleichzusetzen sei. Die Wortähnlichkeit mit Tarsos in Kilikien ist wohl damit zu erklären, dass die eigentliche Lage des Ortes vergessen worden war und auf dem ähnlichen Klang der Namen beruht.

In Könige 10,21f EU wird beschrieben, dass die Tarsisflotte Salomos einmal in drei Jahren wertvolle Waren, nämlich Gold, Silber, Elfenbein, Affen und Pfauen bzw. Perlhühner brachte. Dies suggeriert einen sehr weiten Seeweg. Das zweite Buch der Chronik weist in 2 Chr 20,36 EU Tarsis als einen Ort aus, der mit Schiffen über das Wasser erreicht werden kann. In Jesaja 60,9 EU und Jeremia 10,9 EU wird beschrieben, dass aus Tarsis Silber und Gold eingeführt wurden, was dem antiken El-Dorado Tartessos entsprechen könnte. Im Buch Hesekiel 27,12 EU und Ez 27,25 EU steht: Tarschisch kaufte bei dir wegen der Fülle deiner Güter; Silber, Eisen, Zinn und Blei gaben sie für deine Waren. und Die Schiffe von Tarschisch dienten dir als Karawanen für deine Waren.

Der Prophet Jesaja sprach vom bevorstehenden Untergang von Tarsis (Jesaja 23,1-14), eine Prophezeiung, die zur Zeit des Herodot bereits erfüllt war.

Die Ausgrabungen des deutschen Archäologen Adolf Schulten in den Jahren 1905 bis 1911 erbrachten Ruinen aus der Zeit zwischen 2500 und 1200 v. Chr., jedoch keinen Beweis für Tartessos, aber Funde, welche auf ein westliches Gegenstück zu den orientalischen Metropolen Ninive, Babylon oder Theben hindeuten und deren Alter auf 2.600 bis 1.300 v. Chr. geschätzt wird.


Viele Völker auf der Suche nach Silber

Rio Tinto in Huelva, Spanien
Rio Tinto in Huelva, Spanien

Teilansicht des riesigen Bergbaus von Rio Tinto in Huelva, Spanien dessen Ursprünge bereits in Tartessos zu suchen sind

Collector
Cala-Huelva, Spanien
Cala-Huelva, Spanien

Die Mina Manuel-Mercedes in Cala, Huelva auch hier nachweisbarer historischer Bergbau seit 2.000 v. Chr.

Martins da Pedra
La Union-Sierra Cartagena
La Union-Sierra Cartagena

Das historische Bergbaugebiet der Sierra Cartagena; im Südwesten von Spanien

Collector

Bevor die Römer Hispanien beherrschten, wurde das Land von Iberern meist keltischen Ursprungs dominiert, welche man als Lusitanier, Celtiberer und Iberer klassifiziert. Die Lusitanier lebten im Westen bis zur Küste des Atlantik und waren meist Bauern. Die Celtiberer lebten in den Bergen und waren Halbnomaden, während die Iberer sesshaft waren und im Süden und Osten siedelten. Im 6. Jh. v. Chr. etablierten sich die ersten Griechen. In anderen Gegenden lebten Phönizier, welche sehr aktiv Bergbau und Handel betrieben. Ihre wichtigste Stadt an der Westküste war Carthago Nova, das heutige Cartagena, Zentrum des spanischen Erzbergbaus zwischen La Union und Mazarron.

Das Land zwischen den römischen Provinzen Tarraconense und Bética in der heutigen spanischen Provinz Almeria, rund um Cuevas de Almanzora, war Kulturland der Griechen, Phönizier, Iberer, Römer, Araber und Christen, welche sowohl nach arsenhaltigem Kupfer als auch vermehrt nach silberhaltigem Bleiglanz gruben, wie es die Ausgrabungen in Fuente Alamo, Almizaraque und Villaricos bezeugen. Einer der Bergbauschwerpunkte waren die Gruben der Sierra Almagrera und von Almagro.

Castuló und Carthago Nova in Turdetanien

Im Jahr 218 v. Chr. brach der bis 202 v. Chr. dauernde Zweite Punische Krieg zwischen Carthago und Rom aus. Der Besitz der Küsten Hispaniens wurde zum strategischen Ziel der Römer, um den Karthagern die unermesslichen wirtschaftlichen Reserven an Menschen und Material zu entreissen. Oberstes Ziel jedoch war es vom ersten Tage an, in den Besitz der phönizischen Silberbergwerke in Turdetanien zu kommen, welches von der Algarve bis zur Sierra Morena reichte und etwa der heutigen Region Andalusien entspricht. Turdetanien wurde von den Römern in Bética umbenannt wurde.

Für die Römer war Spanien bis zum 6. Jh. n. Chr. das wichtigste Silberförderland, besonders die Lagerstätten von Carthago Nova (Neues Karthago, heute Cartagena), Ilipa, Sisapon, Castuló und das Orospedagebirge, von welchem ein Teil der Silberberg (Argyrun Oros, Mons argentarius) hieß. Hier wurde zuerst von den Phöniziern, dann von den Römern ausgebeutet und aus offenen Gruben (Argyreia, Argentifodinae) gewonnen. In den Bergwerken von Carthago Nova arbeiteten nach Polybios 40.000 Menschen.

Dieses erzreiche Bergbaurevier von Castuló, heute Cazlona nahe Linares, mit dem Mons argentarius, dem Silberberg, wird von Strabon (63 v. Chr. bis 23 n. Chr.) beschrieben, "... dass es auf der Welt kein Gebiet so reich an Gold, Silber, Kupfer und Eisen gäbe, wie die Iberische Halbinsel." (Strabon III, 2,8). An diesem Silberberg lag vermutlich die von Plinius erwähnte Grube Baebelo, über die er im Jahr 77 n. Chr, mehr als 200 Jahre nach Ende des 2. Punischen Krieges schreibt: "Es ist schon erstaunlich, dass die einst von Hannibal in Spanien angelegten Gruben noch heute betrieben werden und dabei noch ihre von den Findern erhaltenen Namen tragen. So heißt heute noch Baebelo die Grube, die dem Hannibal jeden Tag dreihundert Pfund Silber lieferte" (Plinius: Naturalis historia :XXIII 97. Pol. X 38,7).

Römischer Bergbau auf Kupfer, Silber und Eisen wurde auch in der Comarca Andélavo in der Provinz Huelva betrieben, deren Name von Endovélico, dem zumeist als Wildschwein dargestellten prärömischen Gott des Infernos, der Nacht, der Anbetung und der Gesundheit. Die bekanntesten Gruben waren Cabezas del Pasto, Herrerias und Cabezo de Gibraltar in der Umgebung von Puebla de Guzmán.

Die Blei-Silber-Lagerstätten in Plasencuela in der Provinz Cáceres in Westspanien wurden von den Römern von etwa 20 v. Chr. bis 30 n. Chr. bis auf Teufen von 137 m abgebaut und geschmolzen. Das sulfidische Erz trat in schmalen, engen, fast vertikalen Adern in fest geschichteten Schiefern und in Grauwacken auf. Das Ganggestein war Quarz und Kalkspat. Die obere Zone war oxidiert, sodass anzunehmen ist, dass die Römer beim Aufbereiten des Erzes der tieferliegenden Schichten unterschiedliche Schmelzmethoden angewandt haben.

Bei Griechen, Phöniziern und Römern diente Silber für Münzen, Gerätschaften, Gefäße, Instrumente, Spiegel, Schmuckgegenstände und Verzierungen an Kleidungsstücken und Pferdegeschirr. Schon Homer erzählt von einem silbernen Krug als einem Kunstwerk, welchen Achilles zum Preise bei einem Wettlauf aussetzte. Er war von den Sidoniern gearbeitet und Phönizier hatten ihn feil geboten. Unter den Geschenken, welche der König Krösus dem Orakel in Delphi machte, befanden sich silberne Schüsseln und ein silberner Krater, welcher 600 Kannen fasste. Er soll von Theodoros von Samos gefertigt worden sein. Alexander der Große hatte eine 3.000 Mann starke Garde von mit silbernen Schilden (Argyraspiden). Der Silberarbeiter (Argyrelates, Argyropöös, Argyrokopos) hatte seine besondere Werkstätte (Argyreion, Argyrokopeion). In den Häusern reicher Leute gab es eine besondere Silberkammer (Argyrotheke, Argentarium) und bei den Römern einen besonderen Silberdiener (servus ab argento). Cäsar veranstaltete etwa um 65 v. Chr. Gladiatorenkämpfe zu Ehren seines Vaters; bei diesen Leichenspielen sollen 320 der Kämpfer mit silbernen Rüstungen ausgerüstet gewesen sein (Plutarch, 75 n. Chr.).

Asien war reicher an Gold als an Silber, letzteres kam dort namentlich im Kaukasus, in Armenien, Baktrien, Mysien, Karmanien, Arabien und Indien vor. Da aber gegenüber der geringen Ausbeute hier doch so viele Gefäße, Gerätschaften, Münzen etc. von Silber in Gebrauch waren, scheint das Silber durch die Phönizier nach Asien gebracht worden zu sein.

Literatur

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Sarrabus in Sardinien

Römische Münze - 91 v.Chr.
Römische Münze - 91 v.Chr.

Ein Denar aus der zeit der Röm. Republik, ca. 91 v.Chr.

Archiv: Peter Seroka (Collector)
Römische Silbermünze 238 n.Chr.
Römische Silbermünze 238 n.Chr.

Maximinus Thrax (Maximinus I)

Archiv: Peter Seroka (Collector)

Die Bergbaugeschichte Sardiniens ist fast 6.000 Jahre alt und begann in der Nuraghenkultur mit dem Abbau von Obsidian bei Oristani am Monte Arci im zentralöstlichen Teil der Insel. Die Nuraghener schürften und verarbeiteten seit dem 2. Jtsd. v. Chr. Kupfererz im Gebiet der Gennargentu im Zentrum der Insel. Tausende kleiner Figuren aus nuraghenischer Bronze weisen darauf hin, dass diese erste Hochkultur auf Sardinien bereits über ausgereifte Kenntnisse der Erzverhüttung und Verarbeitung verfügte. Es ist anzunehmen, dass die Metallgewinnungs- und Verarbeitungstechnologien vom östlichen Teil des Mittelmeeres auch nach Sardinien gelangten, wo sie ein hohes Niveau erreichten. Im Zusammenhang mit der Metallverarbeitung entwickelte sich auch die Bergbautechnologie, was letztlich zu einer höheren Erz- und Metallausbringung führte. In der Folge der Jahrhunderte entwickelte sich im Südwesten auch die Förderung von Bleierz, resp. silberhaltigem Galenits.

Nutzbare Erze kommen überall in Sardinien vor. Schwerpunkt und größtes Erzrevier befindet sich bei den Blei-, Zink-, Silber- und Kupfervorkommen im südwestlichen Iglesiente. Einzelne Erzlagerstätten liegen verstreut auf der ganzen Insel, darunter Argentiera (Blei-Zink) sowie zahlreiche kleinere Lagerstätten mit Eisen-, Nickel-, Kobalt-, Zinn-, Molybdän- und Wolframerz. Gold wurde zu allen Zeiten vergeblich in Sardinien gesucht, nie wurde davon auch nur eine Spur gefunden.

Wenngleich Sardinien ein goldloses Land war, gehört es doch zu den silberreichsten der Welt. Gefördert wurde hauptsächlich Silber zur Münzprägung, Blei zum Bau von Rohrleitungen bzw. Ankern für Segelschiffe, Zink und Kupfer für Waffen und Werkzeuge. Viele der heutigen Erzfundstellen haben vorchristlichen Ursprung. Im Altertum konnte Silber noch an der Erdoberfläche oder in sehr geringen Tiefen gefunden werden.

Der gewaltige Reichtum der Bodenschätze und die geografische Lage der Insel zogen zwischen 10. und 8. Jh. v. Chr. phönizische Händler an. Diese nordafrikanischen Kaufleute forcierten den Bergbau, besonders im Iglesiente. Mit der Eroberung der Insel durch die Karthager zwischen 800 und 400 v. Chr. kam der Bergbau zum Erliegen.


Silber mit Akanthit-Sardinien
Silber mit Akanthit-Sardinien

Silber von der Mina Muravera, Sarrabus, Sardinien; 3,2 x 1,7 cm

Kevin Ward

Es dauerte mehr als 150 Jahre, bis die Römer im Jahr 238 v. Chr. die Macht über Sardinien errangen, es zu einer römischen Provinz deklarierten, den Bergbau wieder aufnahmen, neue Abbau- und Verhüttungsverfahren einführten und mittels eines Heeres von Sklaven den Bergbau zu seiner früherer Bedeutung zurückbrachten.

Sardinien mit seinen reichen Blei- und Silbererzvorkommen gehörte mit Spanien und Britannien zu den drei wichtigsten römischen Metallproduzenten. Die während der gesamten römischen Periode in Sardinien ausgebrachte Metallmenge betrug ca. 600.000 t Blei und 1.000 t Silber. Der Bergbau beschränkte sich dabei nicht nur auf das Iglesiente. Unter anderem bebauten die Römer die Gruben von Nurra am oberen Cop. Noch heute findet man bei Argentara, das von den Silberminen seinen Namen hat, Schutt und Schlacken aus dieser Bergbauperiode. Die Ausfuhr des hier gewonnenen Metalls geschah von einem Hafen in der Nachbarschaft.

Das reichste Silbererzrevier war Sarrabus, welches den Geografen Solino zu seinem berühmten Spruch animierte: "India ebore, argento Sardinia, Attica melle" ("Ebenholz aus Indien, Silber aus Sardinien, Honig aus Attika").

Die Bergbauperiode dauerte bis zum Ende des römischen Reiches im 5. Jahrhundert und kam dann zum Erliegen. In der Folge kamen die oströmischen Byzantiner nach Sardinien, welche die Schätze der Insel hemmungslos ausbeuteten. Doch diese neue Besatzungsmacht wurde bald von den Arabern bedroht, welche auf Sardinien landeten, die Küstenstädte plünderten und zerstörten und alle Einwohner, die nicht mehr fliehen konnten, in die Sklaverei verschleppten.

Anfang des 11. Jahrhunderts rief der Papst zur Befreiung Sardiniens von den ungläubigen Sarazenen auf, was von den Städten Pisa und Genua aufgegriffen und in die Tat umgesetzt wurde. Die neuen Herrscher nahmen den Bergbau mit Bergleuten aus der Toskana und dem Piemonte wieder auf. Sie gründeten die Siedlung Villa Ecclesiea, das heutige Iglesias. Nun waren zwar die Araber Sardinien vertrieben, doch Pisaner und Genuesen hatten nicht vor, sich von der befreiten Insel zurückzuziehen.

Gleich einem Dejá-vu, war es wieder der Papst, der die Herrschaftsverhältnisse auf Sardinien änderte. Bonifaz VIII. überließ die Insel 1297 König Jakob II. von Aragon als Lehen, was für die Sarden eine 400 Jahre währende spanische Unterdrückung durch korrupte spanische Beamte, eine spanische Besatzungsmacht und Zwang zu Frondienst und Sklaverei zur Folge hatte. Da die Spanier jedoch durch ihre Eroberungen seit dem 16. Jh. in Südamerika gewaltige Silbermengen förderten, wurden die sardischen Gruben für die Herrscher uninteressant und der Bergbau verfiel zunehmend.

Dieses Schreckensregiment wurde erst mit dem Spanischen Erbfolgekriege beendet, in dessen Folge Sardinien an Österreich fiel, durch einen Gebietstausch jedoch Anfang des 18. Jahrhunderts an Savoyen-Piemont abgegeben wurde. Dieses unternahmen den Versuch, den Bergbau neu zu beleben. Doch es sollte noch fast 100 Jahre dauern, bis mit dem Beginn der Industrialisierung in Europa und der verstärkten Nachfrage nach Rohstoffen eine erneute Bergbautätigkeit einsetzte. Mit der Einführung des Piemonteser Bergbaugesetzes im Jahr 1848, der Verwendung von Sprengstoff ab 1850 und einer ersten geologischen Erkundung der Insel wurde der Bergbau wiederbelebt.

Auch die moderne sardische Bergbaugeschichte war außerordentlich turbulent. Mangel an Kapital, dadurch Verhüttung der Erze auf dem italienischen Festland, mangelhafte Organisation und katastrophale Arbeits- und Lebensbedingungen der Menschen im Bergbau führten immer wieder zu Schließungen von Gruben und Wiederaufnahmen alter Abbaue. Da der Erzbergbau seit den 1970er Jahren keinen Gewinn mehr erwirtschaftete, wurde er bis Anfang der 1990er Jahre subventioniert, bevor er endgültig aufgegeben wurde.

Das berühmteste Silberbergbaurevier Sardiniens und Italiens erstreckt sich über 35 km in der Lagerstättenprovinz Sarrabus-Gerrei vom Monte Serpeddi bis San Vito und Muravera. Die bekanntesten Gruben waren Tuviois, Nicola Secci, Tacconis, You Arcilloni, Masaloni, Monte Narba mit den Gängen Baccu Giovanni Bonu, Baccu Him Arenada, D. Mortu und Baccu Arrodas.

Ohne Zweifel war Monte Narba die wohl bekannteste Grube im Sarrabus, an welchem seit der Antike Bergbau betrieben wurde. Ungeachtet des relativ reichen Vorkommens war ein wirtschaftlicher Abbau aufgrund technischer Schwierigkeiten jedoch bis ins zweite Drittel des 19. Jh. nicht möglich. Erst seit Erteilung von Abbaulizenzen an die genuesisch Investorengesellschaft Minas de Lanusei gewann der Bergbau an Bedeutung. Der Höhepunkt der Erzförderung lag zwischen 1870 und ca. 1935. In dieser Zeit wurde bis auf eine Teufe von ca. 500 m abgebaut. Die Gesamtabbaustrecken betrugen 18 km auf 14 Abbausohlen im Jahre 1888. 1881 wurde eine Aufbereitungsanlage errichtet. Gegen Ende des 19. Jh. zeigte sich die erste Erschöpfung der Lagerstätte. In den 1920er Jahren wurde die Grube an die Gesellschaften Vielle Montagne und kurz danach an Montevecchio verkauft. Keiner der neuen Besitzer investierte jedoch in das mittlerweile darniederliegende Geschäft. Monte Narba wurde endgültig 1935 aufgegeben.

Abgebaut und verhüttet wurde silberhaltiger Galenit, aber auch Kupfer- und Eisenerz. Abbaurelikte, Eisen- Kupfer- und Bleisulfide und oxidische Erz sowie enorme Schlackenhalden der Schmelzen künden von den intensiven Verhüttungsarbeiten.

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  • Greiling, R., 1977; Die Lagerstättenprovinz Sarrabus-Gerrei (SE-Sardinien/Italien) und ihr geologischer Rahmen
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  • Healy, J. F., 1978; Mining and metallurgy in the grek and roman world; London
  • Manconi F., 1986, Le miniere e i minatori della Sardegna
  • Mezzolani S., Simoncini A., 1989; La miniera d'argento di Monte Narba, storia e ricordi, Cagliari
  • Mezzolani S., Simoncini A., 1993; Paesaggi ed architetture delle miniere in Sardegna da salvare, volume XIII, Sassari
  • Stara, P., 1993; Sarrabus - miniere e minerali (publ. in: Ente minerario sardo (San Vito), Cagliari

Sardinien Sarrabus
Sardinien Sarrabus

Ruinen der ehem. Aufbereitung nahe Sarrabus

Collector
Aufbereitungsanlagen
Aufbereitungsanlagen

Die alten Aufbereitungsanlagen und die Halden entlang des Tales; Argentiera della Nurra

Marian Timpe
Sardinien Montevecchio
Sardinien Montevecchio

Schacht Sartori, Montevecchio, Sardinien

Christian Brünig


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Mineralienportrait/Silber [ Vorherige: Stephanit | Nächste: Eigenschaften ]

Eingefügter Text von Mineralienportrait/Silber/Erzgebirge

Silber

BILD:1219784788

Ausbeutetaler des Königreiches Sachsen aus Silber, von 1871 dem letzten geprägtem Jahrgang
Foto und Sammlung: Schluchti

Das sächsische Erzgebirge


Das Kurfürstentum Sachsen zählte zu den reichsten und einflussreichsten Territorien im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Zu verdanken war dies zum wesentlichen Teil dem namensgebenden Reichtum des Erzgebirges an Silber, aber auch an Wismut, Kobalt, Nickel, Zinn, Kupfer und zahlreichen weiteren Bodenschätzen.

Der als essentiell wichtig erkannte Bergbau wurde seit den ersten Silberfunden 1168 in Freiberg von landesherrschaftlicher Seite stets gefördert und führte u.a. zur Gründung so bedeutender Bergstädte wie Freiberg, Schneeberg, Annaberg und Marienberg. Abweichend von dem damals andernorts noch üblichen feudalen Lehnsystem galt in Sachsen die sogenannte Bergbaufreiheit. Jedermann durfte, unabhängig von Eigentum an Grund und Boden, an jedem Ort nach Erz schürfen. Wurde ein Bergmann fündig, meldete er den Fund beim Bergmeister und beantragte das Abbaurecht in einer sogenannte Mutung. Ihm wurde daraufhin ein Neufang verliehen, auf dem weitere Aufschlussarbeiten erfolgen durften. Wenn sich die Abbauwürdigkeit bestätigte, verlieh man dem Bergmann eine Fundgrube von zunächst 7 Lehen (ca. 83 x 12 m) in Erstreckung des Erzganges. Diese konnte später auch erweitert werden.

Das Monopol für den Ankauf des gewonnenen Bergsilbers und das Münzmonopol lagen beim Landesherren. Die landesherrschaftliche Münzstätte kaufte das Silber zu einem festgelegten Preis auf. Dabei erzielte der Landesherr neben dem Bergzehnten auch den Gewinn aus dem Silberankauf. Zudem legte er das Verhältnis des Nominalwertes der geprägten Münzen zum Metallwert fest, und sicherte sich so weitere Einnahmen aus der verbleibenden Differenz, dem Schlagschatz.

Die Blütezeit des erzgebirgischen Silberbergbaus erstreckte sich vom Ende des 12. bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts. Mitte des 16. Jh. war der Höhepunkt des Silberbergbaus überschritten. Die oberflächennahen Erze waren erschöpft und die Erzgewinnung in tieferen Teufen verursachte enorme Kosten und hohen Aufwand. Investoren gab es nur wenige. Der beginnende Boom billigen Silbers aus der Neuen Welt, d.h. aus Südamerika, war nicht zu übersehen. Die Ausbeuten wurden immer geringer und der Dreißigjährige Krieg von 1618 - 1648 brachte in den meisten Revieren einen starken Rückgang und oft die endgültige Schließung so mancher Grube. Aber die Hoffnung starb nicht. Nach dem Dreißigjährigen Krieg gründeten böhmische Glaubensflüchtlinge die Bergstadt Johanngeorgenstadt, welche den Siedlern reichen Silbersegen bescherte.

In der Folge der Jahrhunderte wurde immer wieder auf Silber exploriert und Silberbergbau betrieben. Die Bonanza der spätmittelalterlichen hohen Zeit des Silbers wurde jedoch niemals mehr erreicht. Nach der 1871 erfolgten Umstellung der deutschen Währung auf Gold und nach der Entdeckung riesiger Silbervorkommen in den Vereinigten Staaten und Mexiko verlor das sächsische Silber immer mehr an Wert. Der erzgebirgische Silberbergbau wurde damit bedeutungslos.

Im Laufe des über 800 Jahre dauernden Bergbaus wurden im sächsischen Erzgebirge ca. 6.700 t Feinsilber gefördert. Selbst kleinere Reviere, wie Johanngeorgenstadt und Geyer/Ehrenfriedersdorf lieferten immerhin noch 105 t bzw. 34 t Feinsilber.


Freiberg

Das Freiberger Revier zählt zu den ältesten, den bekanntesten und den ergiebigsten Erzbergbaurevieren Europas. Erstmals wurde die Stadt Freiberg im Jahre 1218 erwähnt, nachdem 1168 in dem Waldhufendorf Christiansdorf am Münzbachtal silberhaltiger Bleiglanz entdeckt wurde. Agricola überliefert die Sage, dass hallesche Salzfuhrleute dieses Erz nach Goslar mitnahmen, wo es sich als silberreich erwies. Markgraf Otto von Meissen, später genannt der Reiche, ließ sich daraufhin von Kaiser Friedrich Barbarossa das Bergregal verleihen. Dank der Bergbaufreiheit und diesen ersten Silberfunden setzte in der Folgezeit ein schwunghafter Bergbau zwischen den drei Dörfern Christiansdorf, Tuttendorf und Berthelsdorf ein. Besonders Bergleute aus Goslar, deren Gruben am Rammelsberg verwüstet worden waren, zog es nach Freiberg. Zum Schutze des aufkommenden Silberbergbaus ließ Markgraf Otto von Meißen die Burg Freiheitsstein errichten, an deren Stelle sich huete Schloss Freudenstein befindet. In Freiberg existierte vor 1190 bereits eine Münzstätte, die bis 1556 Hauptmünzstätte der Markgrafen und später der Kurfürsten war. 1250 lebten in Freiberg schon über 5.000 Menschen, zu jener Zeit eine sehr beachtliche Zahl. Man entdeckte immer weitere Erzgänge und das Revier breitete sich rasch nach Süden und Osten aus.

Anfänglich wurden die reichen Erze der Oxidationszone abgebaut, wozu vor allem Chlorargyrit, Akanthit und gediegen Silber zählten. Ab der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts waren diese oberflächennahen Erze weitgehend erschöpft, und man musste nun mit weitaus höherem Aufwand die Erze in den tieferen unverwitterten Silbergängen abbauen. Hierfür fehlte den Bergleuten und Gewerkschaften zur damaligen Zeit das erforderliche Kapital, sodass sich das Ende der ersten Blütezeit des Freiberger Silberbergbaus abzeichnete. Das Silberausbringen lag noch zwischen 1353 und 1357 bei jährlich 2.500 kg pro Jahr. Mitte des 15. Jahrhunderts war mit einem Ausbringen von ca. 170 kg Silber pro Jahr in der Zeit von 1458 bis 1485 ein Tiefpunkt erreicht.

Eine neue Blütezeit des Freiberger Bergbaus begann gegen Ende des 15. Jahrhunderts mit dem Zustrom von Geldern des erstarkten Bürgertums, und vor allem der reichen Handelshäuser in Leipzig, Nürnberg und Augsburg. Man suchte und fand in den sächsischen Silbergruben neue Anlagemöglichkeiten. So wurden einerseits neue Silberreviere erschlossen, wie die Gründung der Bergstädte Schneeberg ab 1471, Annaberg ab 1496 und Marienberg 1521 belegen. Andererseits wurde in der Folge auch das Freiberger Revier neu belebt. So wurde 1515 der Bergbau nach Süden bis auf den Brand (Brand-Erbisdorf) ausgedehnt. Seit 1524 wurde die Silberförderung dokumentiert und ab 1529 Ausbeutebögen gedruckt. 1542 gründete man das berühmte Freiberger Oberbergamt.

Ab 1632 überrollte der Dreißigjährige Krieg Freiberg und seine Umgebung, in dessen Folge auch der Bergbau vorerst wieder danieder ging. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts kam es langsam zu einem bescheidenen Aufschwung im Freiberger Bergbau. August der Starke, ab 1697 in Personalunion zugleich auch König von Polen, strebte mit Sachsen zur Europäischen Großmacht auf und investierte in den Silberbergbau, welcher hohe Renditen versprach. 1720-1750 erreichten die Freiberger Gruben ein Silberausbringen von 6.000 kg im Jahr. Grund hierfür waren eine neue zentralisierte Verwaltung, Qualifikation der Berg- und Hüttenbeamten und verbesserte Technik. Der Siebenjährige Krieg von 1756 bis 1763 warf den Freiberger Bergbau erneut zurück.

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Freiberg im 18. Jh.
Zeichnung von F.W. Werner, etwa 1730
Archiv: Collector

Erst Mitte des 18. Jahrhundert erfolgte eine Erholung des Bergbaues. Nach dem Hubertusfrieden 1763 wurde Sachsen wirtschaftlich und staatsintern energisch reformiert. Um die Reparationszahlungen zu leisten, musste auch der Bergbau wieder forciert werden. Der Freiberger Bergbau erlebte einen neuen wirtschaftlichen Aufschwung, das Silberausbringen stieg von 3.000 kg im Jahre 1760 auf bereits 11.500 kg im Jahre 1800.

Die Ursachen hiefür waren einerseits das Auffinden neuer Lagerstätten, so z.B. Beschert Glück, Himmelsfürst, Alte Hoffnung Gottes, Kühschacht, Segen Gottes und Herzog August und viele andere. Allein die Himmelsfürst Fundgrube in Brand-Erbisdorf erbrachte von 1710 bis 1896 605.684 kg Silber. Andererseits setzte man zunehmend auch neue Technik ein. 1765 wurde die Bergakademie Freiberg gegründet, welche die dienstälteste montanwissenschaftliche Hochschule der Welt ist und in der Folgezeit Weltruhm erlangte.

Darstellungen des Freiberger Montanwesens

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Hauer vor Ort
Zeichnung von Eduard Heuchler, 1855
Archiv: Collector

BILD:1219924685

Firstenbau
Zeichnung von Eduard Heuchler, 1855
Archiv: Collector

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Scheidebank
Zeichnung von Eduard Heuchler, 1855
Archiv: Collector

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Pochwerk
Zeichnung von Eduard Heuchler, 1855
Archiv: Collector

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Rohofen
Zeichnung von Eduard Heuchler, 1855
Archiv: Collector

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Treibherd
Zeichnung von Eduard Heuchler, 1855
Archiv: Collector

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Erläuterung zu den nebenstehenden Bildern des Freiberger Silberbergbaus

1. Ansicht der Stadt Freiberg
2. Die Grube Himmelfahrt
3. Gezeugstrecke mit Strecke und Schacht
4. Bergleute im Schacht
5. Scheidebank
6. Trockenpochwerk
7. Walzwerk
8. Setzwäsche

Freiberger Silberbergbau
Darstellung des Bergwerks und der
manuall-mechanischen Aufbereitung
Zeichnung: Wollschläger, W., 1892
Originaldruck in Sammlung: Collector

Durch Sanierung des Berg- und Hüttenwesens ab Anfang des 19. Jahrhunderts stieg die Silberproduktion nach nur noch 10.000 kg im Jahre 1815 auf bis zu 22.000 kg im Jahre 1850 an. Es wurden weiterhin technische Neuerungen eingeführt wie die erste Dampfmaschine im Revier (Reicher Bergsegen) und weitere Wassersäulenmaschinen. Ab 1828 entwickelte sich die Himmelfahrt Fundgrube mit den Schächten Alte Elisabeth, Reiche Zeche, Turmhof, Ludwig Schacht, Morgenstern, Rote Grube u.v.a. zu der größten Erzgrube in ganz Sachsen. Hier wurden von 1752 bis 1890 436.020 kg Feinsilber, 76.451 t Blei, 693 t Kupfer, 2.534 t Zink und 55.636 t Arsen und Schwefel im Gesamtwert von 67.364.235 Mark produziert.

Mitte des 19. Jahrhunderts setzte auch in Freiberg die Industrialisierung ein und beherrschte fortan Freiberg und sein Montanwesen. Durch diesen Prozess war in Freiberg nochmals ein sprunghafter Anstieg der Silberproduktion zu verzeichnen. Im Jahre 1868 werden bereits 32.910 kg Feinsilber gewonnen, bei einer Belegschaftsstärke von ca. 9.200 Bergleuten. Nach diesem Anstieg setzt der Verfall durch billigere Überseeimporte aus Mexiko, Chile und Peru und die Abschaffung der Silberwährung im Deutschen Reich 1871 ein. Durch Raubbau erreichte man 1884 nochmals einen Anstieg und gleichzeitig absoluten Höchststand des Silberausbringens von 35.057 kg Feinsilber.

In den Jahren 1897 - 1907 muss der Sächsische Staat die größten Gruben aufkaufen, um einer drohende Massenarbeitslosigkeit zuvorzukommen. Himmelfahrt, Himmelsfürst, Beschert Glück, Vereinigt Feld und die Junge Hohe Birke gehen in Staatseigentum über. Die Bergwerke wurden mit staatlichen Mitteln saniert und langsam bis 1913 stillgelegt. Nur die Alte Hoffnung Gottes blieb privat und baute bis 1929 weiter ab.

In der Zeit des Nationalsozialismus werden die Gruben Beihilfe und Himmelfahrt gesümpft und zu Produktion auf Blei- und Zinkerze wieder in Betrieb genommen. Vor dem Absaufen bewahrt, überleben beide Bergwerke den 2. Weltkrieg und gehen ab dem 1.8.1946 (Himmelfahrt) und 1.9.1946 (Beihilfe) wieder in Betrieb, später kommt noch die Grube Himmelsfürst dazu. Alle Gruben schließen sich zu dem VEB Bleierzgruben Albert Funk zusammen. Nach dem Absinken der Weltmarktpreise anfangs der 60er-Jahre wird die Stilllegung für den Freiberger Bergbau beschlossen. Am 31.12.1968 (Beihilfe) und am 30.9.1969 (Himmelfahrt, Himmelsfürst) endete der 800-jährige Freiberger Bergbau.

BILD:1218036996

Einsatz neuer Technologien und Verfahren im
Laufe des beginnenden Industriezeitalters
Ansicht des Amalgamierwerkes Halsbrücke bei
Freiberg (1784 bis zur Schließung 1857)
Stahlstich von Schiffner, um 1850
Archiv: Collector

BILD:1220268545

Alter Göpel in Brand-Erbisdorf
Ansicht Ende 19./ Anfang 20. Jh.
Archiv: Collector

BILD:1220268338

Hebehaus der Grube Churprinz bei
Halsbrücke; Blick zum linken Ufer gegen die
Grube Beihilfe
Archiv Collector

Aus dem Freiberger Revier sind über 1.000 Erzgänge bekannt und bebaut worden. Es wurden hier über 200 verschiedene Mineralienspezies gefunden. Das Freiberger Revier ist bekannt für zahlreiche Typlokalitäten von Silbermineralien, wie etwa Argyrodit, Freibergit, Miargyrit, Freieslebenit, Xanthokon und Pyrostilpnit. Silberführend waren besonders die Gänge der Edlen Braunspatformation (eb) und die vor allem an Gangkreuzen auftretende BiCoNi-Formation (Edle Geschicke). Aber auch die kiesig-blendige Bleierzformation (kb) und die Fluor-barytische Formation (fba) lieferten silberhaltige Erze, vor allem silberhaltigen Galenit, aber auch silberhaltige Fahlerze und Zinkblende.

BILD:1220353839

Abrahamschacht der Himmelfahrt Fundgrube in Freiberg vor 1892
Archiv: Schluchti

Insgesamt sind von 1168 - 1969 im Freiberger Bergbau 4.705.984 t Erz gefördert worden, woraus 5.695 t Feinsilber (220 t nach 1945), 185.187 t Blei (92.187 t nach 1945) und 59.274 t Zink gewonnen wurden.

Weltberühmt ist das Freiberger Revier für seine außerordentlich schönen Stufen von gediegen Silber in Locken bis zu mehreren Dezimeter Länge. Besonders von der Grube Himmelsfürst in Brand-Erbisdorf und der Grube Himmelfahrt in Freiberg sind vor allem im 19. Jahrhundert und Anfang des 20. Jahrhunderts exzellente Schaustufen geborgen worden. Die besondere Ästhetik dieser Stufen liegt darin begründet, dass die Silberlocken oft von einer breiten Basis ausgehend, zunehmend spitz zulaufen und sich dabei nicht selten verzweigen und verdrehen. Dabei entstehen Gebilde, die bei dem Betrachter leicht Assoziationen mit Bäumen oder anderen organischen Gebilden hervorrufen. Paragenetische Begleiter des Lockensilbers sind Karbonate, Quarz und andere Silbermineralien. Nicht selten laufen die Silberdrähte im Laufe der Zeit dunkelgrau bis schwarz an. Bemerkenswerte Einzelstufen sind etwa das schwebend wirkende Lockensilber auf weißer Calcitmatrix von der Grube Himmelsfürst, welches sich in Freiberg in der Sammlung der Bergakademie befindet und auch schon auf Sonderbriefmarken abgebildet wurde, oder der sogenannte Silberne Korkenzieher, eine Stufe, mit zwei kleineren, und einem zentralen, spiralförmig gewundenen Silberdraht von 33 cm Höhe, mit Fundortangabe Freiberg, die sich im Staatlichen Museum für Mineralogie und Geologie in Dresden befindet.


Silber aus dem Freiberger Revier

BILD:1216977536

Lockensilber - Fund Mitte 1800
Freiberg, Sachsen
Größe: 7,5 x 3,5 cm
Kevin Ward

BILD:1216977665

Silber mit Arsen - Fund um 1850
Freiberg, Sachsen
Größe: 6 x 6 cm
Foto: Kevin Ward

BILD:1216977818

Lockensilber - Fund Mitte 1800
Freiberg, Sachsen
Größe: 8 x 6,6 cm
Foto: Kevin Ward

BILD:1216978351

Lockensilber - Fund Mitte 1800
Freiberg, Sachsen
Foto: Kevin Ward

BILD:1216977955

Lockensilber
Grube Himmelsfürst, Brand-Erbisdorf
Revier Freiberg, Sachsen
Größe: 5 x 4 cm
Foto: Rob Lavinsky

BILD:1170697268

ged. Silber in Baumform, Fundjahr 1848
Stufe: 5 x 3,5 cm
Gang Kalb Stehender, Grube Himmelsfürst, Brand-Erbisdorf, Erzgebirge.
Foto: Thomas Uhlig
Sammlung: Hans-Günther Penndorf

BILD:1216978041

Lockensilber
Grube Himmelsfürst, Brand-Erbisdorf
Revier Freiberg, Sachsen
Größe: 8,8 x 5,7 cm
Foto: Rob Lavinsky

BILD:1216978188

Silber - Fund um 1850
Freiberg, Sachsen
Größe: 12,7 cm
Foto: Kevin Ward

BILD:1207949578

Silber mit Akanthit
Freiberg, Sachsen
Ex collection Obodda, ex collection Freilich
Größe: 8,7 x 8 cm
Foto: Kevin Ward

Literatur zum Freiberger Bergbau und seinen Mineralien

  • Baumann, Hofmann, Weber, 1997; Glückauf Freiberg, Haltern
  • Baumann, Kuschka, Seifert, 2000; Lagerstätten des Erzgebirges, S. 88 ff., Stuttgart
  • Dietrich, Maruschke, 2009; Die Grube Himmelsfürst: Sachsens reichstes Silberbergwerk, Erfurt
  • extraLapis No. 36 - Freiberg
  • Freiesleben, 1847; Vom Vorkommen der Silbererze in Sachsen, In: Magazin für die Oryktographie von Sachsen, 13. Heft, S. 6 ff., Freiburg
  • Frenzel, 1874; Mineralogisches Lexicon für das Königreich Sachsen, Leipzig
  • Mohs, 1804; Beschreibung des Gruben-Gebäudes Himmelsfürst, ohnweit Freyberg im sächsischen Erzgebirge, Wien
  • Sansoni, 1972; Der ehemalige Silberbergbau im Freiberger Revier und seine Bedeutung für die Weltsilberproduktion, In: Der Aufschluss, Jahrgang 23, H. 5, 155-159, Heidelberg
  • Quellmalz, 1992; Das "silberne Erzgebirge", In: Reiches Erz, Katalog der Mineralientage München 1992, S. 50 ff.
  • Wagenbreth, Wächtler, 1986; Der Freiberger Bergbau - Technische Denkmale und Geschichte, Leipzig

Schneeberg

BILD:1218453970

Schneeberg um 1630
Zeichnung von Mathias Merian
Archiv: Collector BILD:1218017959

BILD:1218035604

Derselbe Herzog Albrecht in einer romantischeren
jedoch nicht originalgetreuen Darstellung
als Lithographie von W. Ulrich nach einer
Zeichnung von Ludwig Richter, etwa um 1850
Archiv: Collector

Herzog Albrecht an der Silbertafel in
der St. Georg-Fundgrube
Eine der ältesten Darstellungen aus
der Schneeberger Stadtchronik
"Historia Schneebergernsis Renovata"
Bild von Christian Meltzer, 1716
Archiv: Collector

In der Umgebung von Schneeberg-Neustädtel wurde seit etwa 1350 Zinnbergbau und auf dem Schneeberg ab etwa 1450 Wismutbergbau betrieben. Silberfunde gab es auf der 1453 verliehenen Alten Fundgrube zunächst nur in bescheidenem Umfange. Erst im September 1470 wurde in der Neuen oder Rechten Fundgrube erstmals Silbererz in nennenswertem Umfang gefunden. In der Zeit vom 6. Oktober 1471 bis 25. Dezember 1471 brachte diese Grube bereits 1,43 t Silber aus. Diese Funde, genau zu der Zeit, in der der gesamte Freiberger Bergbau mit nur 170 kg Jahresausbringen an Silber eine erste Krise erlebte, verursachten ein lautes Berggeschrei und einen gewaltigen Zustrom von Bergleuten. Dies führte 1471 zur Gründung der Siedlung Schneeberg, die bereits am 9. Dezember 1481 das Stadtrecht erhielt. Die Neue Fundgrube lieferte 1472 bereits 6,8 t und 1474 dann 7,5 t Silber. 1472 wurde um die Alte Fundgrube, die Neue Fundgrube und die St. Georg Fundgrube eine hölzerne Begrenzung zum Schutz der Gruben und der Siedlung gebaut. Die Intensivierung des Bergbaus in Schneeberg führte dazu, dass bereits 1477 innerhalb dieser Begrenzung 56 Gruben und außerhalb 176 Gruben in Betrieb gewesen sein sollen.

Anfang 1477 kam es auf der Grube St. Georg zu dem legendären Großen Silberfund von Schneeberg. Man entdeckte hier auf einer Scharung und Kreuzung von ca. 12 Silbererzgängen eine Silbererzmasse, die eine Ausdehnung von 2 m Mächtigkeit und 4 m Höhe gehabt haben soll. Stufen von diesem Fund befinden sich im Staatlichen Museum für Mineralogie und Geologie Dresden. Herzog Albrecht der Beherzte soll, einer später entstandenen Legende nach, aus diesem Anlass die St. Georg Fundgrube befahren und mit seinem Gefolge untertage an einem aus dem Erz gehauenen Silbernen Tisch von 2 x 2 x 1 m getafelt haben. Aus diesem Fund sollen angeblich 18 t Silber geschmolzen worden sein. Neuere Forschungen beurteilen die Ergiebigkeit des legendären Silberfundes jedoch kontrovers. So wird darauf hingewiesen, dass für die St. Georg Fundgrube 1477 lediglich ein Gesamtausbringen von 14 t Silber überliefert ist und dieser Silberfund sich eher im Bereich von 2 t bewegt haben soll. Ungeachtet der späteren Legendenbildung steht jedoch fest, dass man im näheren Umfeld des legendären Silberfundes die wohl größte Silbermasse des Erzgebirges angefahren hatte. In einer recht kleinen Zone von 120 m Länge und 50 - 180 m Tiefe wurden aus der Alten Fundgrube, der Neuen Fundgrube und der St. Georg Fundgrube in den Jahren 1470 bis 1483 zusammen 70,6 t Silber gewonnen. 1516 stürzten die gewaltigen Abbauhohlräume ein und es entstand die untertägige sogenannte Große Wand.


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Zimmerhaus, Vorratskammer und Huthaus (v.l.n.r) der Grube Daniel in Schneeberg/ Neustädtel
Foto: Schluchti

Der Silberbergbau weitete sich in der Folgezeit auch auf den Bereich von Neustädtel aus. Zunehmende Probleme mit der Wasserhaltung führten ab 1481 zur Errichtung des Tiefen Fürstenstollens. Schon ab 1487 ging die Silberförderung jedoch merklich zurück. Gleichzeitig wurde aber in der Zeit von 1485 bis 1510 der bedeutendste Kupfererzgang Sachsens am Fuße des Schneeberger Stadtberges entdeckt und abgebaut. Ab 1503 begann auch der Vortrieb des Markus-Semmler-Stollens als Entwässerungsstollen vom Tal der Zwickauer Mulde in Niederschlema aus. Der Markus-Semmler-Stollen als wichtigste Lebensader des späteren Schneeberger Bergbaues wurde zunächst in Richtung der Kupfergruben König David und Nicol Schmids Lehen, und später weiter in Richtung Schneeberg und Neustädtel getrieben.

Seit 1513 reduzierte sich das Silberausbringen weiter und geriet in eine erste Krise von 1521 bis 1533. Trotz zwischenzeitlicher Belebung ab 1533 fiel die Silberförderung in der Folgezeit bis etwa 1575 immer weiter zurück und wurde ab Ende des 16. Jahrhunderts zunehmend vom Kobaltbergbau abgelöst. Der Abbau von Kobalterzen, die zur Herstellung der berühmten blauen Safflor-Farbe verwendet wurden, die das blaue Venediger Glas, die Delfter Kacheln und das Meißner Porzellan zierten, sollte vom 17. bis Anfang des 19. Jahrhunderts den Bergbau in Schneeberg dominieren. Für die Herstellung von blauer Farbe hatte Sachsen ab Mitte des 17. Jahrhunderts für ca. 150 Jahre eine Monopolstellung. Erst mit Aufkommen des billigen Ultramarins und einer allgemeinen Wirtschaftskrise 1847 geriet der Kobaltbergbau in Schneeberg in Rückgang.

Dies wurde jedoch ab Mitte des 19. Jahrhunderts durch eine steigende Nachfrage nach Wismut und Nickel kompensiert. Ab 1868 übertrafen die Erlöse aus der Wismutgewinnung die Erlöse aus der Kobaltproduktion. Besonders auf der Grube Weißer Hirsch lieferte der Katharina Flache von 1882 bis 1899 reiche und massive Wismuterze. Auf dem Walpurgis Flachen dieser Grube gelang im März 1871 dem damaligen Schichtmeister Otto Richard Tröger, der später zum Oberbergrat ernannt wurde, ein als Jahrhundertfund bekannt gewordener einmaliger Fund von Uranmineralien, der zur Entdeckung von nicht weniger als fünf neuen Mineralien führte. Ab 1894 geriet der Schneeberger Bergbau durch sinkende Wismutpreise wieder in eine Krise. Die Folgezeit war von einem stetigen Rückgang des Bergbaus geprägt, der 1931 kurzzeitig ganz eingestellt wurde. Ab 1935 wurden wieder in geringerem Umfange BiCoNi-Erze abgebaut. Zwischen 1945 und 1956 wurden durch die SAG, später SDAG Wismut schließlich noch etwa 210 t Uran gefördert, dann aber der Bergbau in Schneeberg aufgegeben.

Insgesamt wurden im Schneeberger Bergbau rund 255 t Feinsilber und 77.500 t Wismut- und Kobalterze gewonnen. Bedeutung in mineralogischer Hinsicht hat das Schneeberger Revier vor allem durch seinen Mineralreichtum erlangt. Es gehört mit bislang ca. 290 nachgewiesenen Mineralien zu den mineralreichsten Revieren der Welt und ist für 40 Mineralien Typlokalität.

Gediegen Silber kam in Schneeberg in zahlreichen Formen, etwa in Drähten, moosartig, in Zähnen und in Blechen vor. In der Grube Priester und Leviten barg man Stufen mit bis zu 40 cm langen Silberdrähten. 1838 wurden oktaederförmige Silberkristalle bis über 1 cm Größe gefunden. In der Grube Weißer Hirsch kamen mit Haarsilber gefüllte Drusen vor, aus denen man das Material kübelweise gewann. Bemerkenswerte Einzelstufen sind etwa das sogenannte Silberne Kreuz, eine 19,5 x 15 cm große, in Form eines Kreuzes gewachsene Drahtsilberstufe von der Bergkappe Fundgrube, die bereits vor 1629 gefunden worden sein muss. Ebenfalls bemerkenswert ist eine bizarre Drahtsilberstufe von der Grube Priester und Leviten, die 16 x 12 x 8,5 cm groß und über 2 kg schwer ist. Beide Stufen befinden sich im Staatlichen Museum für Mineralogie und Geologie in Dresden.

Gute Lockensilberstufen von über 10 cm Größe von Schneeberg sind heutzutage kaum noch am Markt erhältlich und werden, wenn sie auftauchen, wegen ihrer größeren Seltenheit meist zu höheren Preisen als Freiberger Silberstufen gleicher Größe gehandelt. Bereits Anfang der 1990er Jahre wurden etwa für eine über 10 cm große Schneeberger Prachtstufe von einem amerikanischen Händler eine sechsstellige Dollarsumme geboten. Kleinere Belegstufen mit Lockensilber auf Matrix lassen sich aber auch heute noch mit etwas Glück recht preisgünstig auf Börsen finden.

Silber aus dem Schneeberger Revier

BILD:1261471034

Prächtige Silberstufe von Schneeberg
Größe: 4,5 cm
Sammlg. und Foto: Peter Haas

BILD:1216978688

Feines Gespinst aus Silberlocken
Grube Daniel, Schneeberg, Sachsen
Größe: 6,5 x 4,5 cm
Foto: Dan Weinrich

BILD:1170698535

Silber, gediegen auf Akanthit
Stufengröße: 11,5 x 8,5 x 6 cm
Grube Weißer Hirsch, Schneeberg, Erzgebirge, Sachsen
Foto: Jörg Wittig
Sammlung: Hans-Günther Penndorf

  • Baumann, Kuschka, Seifert, 2000; Lagerstätten des Erzgebirges
  • Freiesleben, G., 1847; Vom Vorkommen der Silbererze in Sachsen, In: Magazin für die Oryktographie von Sachsen 13
  • Frenzel, 1874; Mineralogisches Lexicon für das Königreich Sachsen, Leipzig
  • Hoppe, O., 1908; Der Silberbergbau zu Schneeberg bis zum Jahr 1500. Dissertation Freiberg
  • Kugler, Der Silberfund und das unterirdische Gastmahl 1477 in Schneeberg - Legende oder Wirklichkeit, Rundbrief Agricola-Forschungszentr. Chemnitz Bd. 8, 3-12
  • Lahl, 2005; Von 1470 bis 1956: Der Schneeberger Bergbau. LAPIS 7/8, 13 ff.
  • Link, M., 1999; Streifzug durch die eindrucksvolle 500-jährige Geschichte eines Silberbergwerks. Eigenverlag Schneberg
  • Massanek, Michalski, 2005; Die Mineralien des Schneeberger Reviers. LAPIS 7/8, 41 ff.
  • Rickwood, 1966; The largest crystals. American Mineralogist 66, 885 ff
  • Thalheim, 2005; Berühmte Silberstufen aus Schneeberg. LAPIS 7/8, 74 ff.
  • Thalheim, 2005; Der Schneeberger Silberfund von 1477. LAPIS 7/8, 24 ff.
  • Quellmalz, H., 1992; Das "silberne Erzgebirge", In: Reiches Erz, Katalog der Mineralientage München 1992, S. 50 ff.
  • Wagenbreth, Wächtler, 1990; Der Bergbau im Erzgebirge - Technische Denkmale und Geschichte, 207 ff.

Annaberg

BILD:1220269161

Ansicht von Annaberg-Buchholz 1605
Zeichnung von Paul Jenisius, aus
Annaberg Misuiae Urbis Historia
Archiv: Collector

BILD:1220267656

Alte Silbererzhalden bei Annaberg-
Buchholz, Ende 19. Jh./Anf. 20. Jh.
Bildautor unbekannt
Archiv: Collector

Am 28. Oktober 1491 entdeckte der Frohnauer Tagelöhner Kaspar Nicelt am Schreckenberg bei Frohnau einen Silbererzgang. An dieser Stelle wurde daraufhin die später so genannte Alte Fundgrube gemutet. Die ersten Silberlieferungen wurden ab Ende Oktober 1492 verzeichnet. In der Folgezeit kamen rasch zahlreiche weitere Gruben in dieser Gegend hinzu. In der Anfangszeit des Frohnauer Silberbergbaues wurde vor allem auf einem Gangzug gebaut, der im Schreckenberg später als Bergmännisch Glück Flacher bezeichnet wurde, sich aber auch über den Schottenberg und bis nach Kleinrückerswalde fortsetzte. Am 21. September 1496 wurde auf Geheiß des Herzogs Georg die Neustadt am Schreckenberge gegründet, die bereits 1497 das Stadtrecht erlangte, 1498 das Münzrecht und 1501 von Kaiser Maximillian den Namen St. Annaberg erhielt. Schon 1497 konnte Annaberg das zu dieser Zeit führende Schneeberg in der deutschen Silberförderung übertreffen.

Es begann ein rascher Aufstieg des Annaberger Bergbaues. Ab 1498 war Annaberg auch das Zentrum der albertinisch-sächsischen Bergbauverwaltung mit Sitz des obersten Bergmeisters. Ebenfalls noch 1498 wurde die Frohnauer Münzstätte eröffnet, die bis 1547 die berühmten Schreckenberger (3 Groschen Münzen, auch Engelsgroschen genannt) prägte. 1499/1500 erließ Herzog Georg die älteste deutsche gedruckte Bergordnung, die Schreckenberger Bergordnung. Weitaus bedeutender für den gesamten sächsischen Bergbau wurde aber die 1509 erlassene Annaberger Bergordnung. Seit 1511 wurde sie vom obersten sächsischen Berggericht für alle sächsischen Reviere als verbindlich erklärt. Die Annaberger Bergordnung war Vorbild für zahlreiche mitteleuropäische Bergordnungen.

Welche Bedeutung der Annaberger Silberbergbau hatte, lässt sich daran ermessen, dass zwischen 1497 und 1539 etwa ein Drittel des in Deutschland geförderten Silbers aus Annaberg kam. Annaberg wurde erst 1520 von St. Joachimsthal und 1539 von Marienberg im Silberausbringen übertroffen. Berühmt wurde der Rechenmeister Adam Ries, der zwischen 1523 und 1559 in Annaberg als Rezeßschreiber und später Gegenschreiber im Bergamt Annaberg wirkte und in seinen deutschsprachigen Büchern die Grundlagen des modernen Rechnens einem weiten Kreise zugänglich machte.

1501 gründete Kurfürst Friedrich der Weise als Oberhaupt der konkurrierenden ernestinischen Linie die Bergstadt St. Katharinaberg am Buchholz, woraus sich das spätere Buchholz entwickelte, welches 1945 mit Annaberg zu einer Stadt vereinigt wurde. Der Bucholzer Bergbau brachte jedoch nur etwa 10 % des Annaberger Bergbaues an Silber aus. Dies waren von 1501-1547 ca. 22,5 t, von 1548 - 1600 ca. 12,1 t und von 1601 - 1653 ca. 0,6 t. Dieses Bergrevier wurde 1547 Annaberg zugeordnet.

Der Annaberger Silberbergbau ging nach hervorragendem Ausbringen von ca. 223 t Feinsilber in den Jahren 1492 - 1550 ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts bereits merklich zurück. Bis zum Ende des 16. Jahrhunderts fielen die Ausbeuten deutlich ab. In der Zeit von 1551 - 1600 wurden nochmals ca. 63,9 t Feinsilber gewonnen. Im gesamten 17. Jahrhundert waren es dann lediglich nur noch 1,2 t. Ab 1730 gab es eine Erholung, die in der Zeit von 1701 bis 1850 immerhin noch 20,4 t Feinsilber erbrachten. 1892 wurden dann jedoch die letzten Gruben im Annaberger Revier stillgelegt. Zwischen 1947 und 1959 ging im Annabergerg Revier nochmals kurzzeitig der Uranbergbau der SAG bzw. SDAG Wismut um. Insgesamt hat der Annaberger Bergbau 350,26 t Feinsilber hervorgebracht.

Gediegen Silber kam in Annaberg im Vergleich zu den anderen sächsischen Silberrevieren nur untergeordnet vor. Stufen mit gediegen Silber von Annaberg sind recht selten.

Literatur zum Annaberger Bergbau und seinen Mineralien

  • Baumann, Kuschka, Seifert, 2000; Lagerstätten des Erzgebirges, S. 159 ff., Stuttgart
  • Frenzel, 1874; Mineralogisches Lexicon für das Königreich Sachsen, Leipzig
  • Lahl, 1992; Die Geschichte des Annaberger Bergbaus, In: LAPIS 12, S. 14 ff.
  • Wagenbreth, Wächtler, 1990; Der Bergbau im Erzgebirge - Technische Denkmale und Geschichte, S. 236 ff., Leipzig

Marienberg

Marienberg liegt im Zentrum eines historisch einst bedeutenden Bergbaureviers, welches sich vom Zschopautal im Westen bis hin zum Pockautal im Osten erstreckte. Die Lagerstätte ist polymetallisch, die wichtigste Vererzungstypen waren die BiCoNiAg-Formation mit gediegen Wismut, gediegen Silber, Argentit und Pyrargyrit. Im Süden und Südosten lagen Zinn-Wolfram-Vererzungen mit Galenit, Sphalerit, Kassiterit und Chalkopyrit.

Der Bergbau in der Gegend von Marienberg geht vermutlich bis in das 13./14. Jahrhundert zurück. Bereits seit 1290 sind die Waldenburger Brakteaten mit Wolkensteiner Wappen geprägt worden und seit 1323 ist eine Münzstätte in Wolkenstein überliefert. Damit ist ein früher Silberbergbau in der Gegend von Marienberg/Wolkenstein wahrscheinlich. Nachdem im Jahre 1519 durch Clement Schmidt, auch Schiefel genannt, ein reicher Silbererzgang im Hüttengrund nordöstlich des späteren Marienbergs erschürft wurde, mutete er dort die St. Fabian Sebastian Fundgrube. Dies bewegte Herzog Heinrich zur planmäßigen Anlage und Gründung der Stadt Marienberg, mit deren Errichtung 1521 begonnen wurde, und die 1523 das Stadt- und Bergrecht verliehen bekam. Mit dem beginnenden Rückgang des Silberausbringens der Annaberger Gruben blühte das Marienberger Revier auf.

Nachdem in der Anfangszeit zwischen 1520 und 1525 lediglich durchschnittlich 64 kg Silber pro Jahr gewonnen wurden, stieg das Ausbringen im Jahresdurchschnitt der Jahre 1526 bis 1530 auf 156 kg, zwischen 1531 und 1535 auf 811 kg und erreichte in den Jahren 1536 bis 1540 schließlich einen Jahresdurchschnitt von 5,1 t. Ab 1539 wurde Annaberg in der Silberförderung überflügelt. Das Jahr 1540 war das ertragreichste Jahr des Marienberger Bergbaues, in dem aus 559 Gruben rund 10,8 t Feinsilber ausgebracht wurden. Nachdem die oberflächennahen Reicherze erschöpft waren, ging das Ausbringen ab 1560 zurück und die Wasserhaltungsprobleme des nun tiefer gehenden Bergbaues nahmen zu, was zu einem fast völligem Niedergang des Silberbergbaues bis etwa 1600 führte. Ab 1600 war vor allem die Gewinnung von Silber als Nebenerz des Kupferbergbaues im Kiesholz und östlich von Marienberg und zunehmend der Zinnbergbau von Bedeutung. Der Dreißigjährige Krieg fügte jedoch auch hier dem Bergbau schwere Schäden zu, sodass am Ende alle Gruben bis zu den Stollen abgesoffen waren.

Von landesherrschaftlicher Seite wurde ab 1650 auf eine Wiederaufnahme des Bergbaus gedrängt, was jedoch vor allem den Zinn- und Kupferbergbau wieder belebte. Der Silberbergbau blieb künftig relativ unbedeutend, hatte aber in der Zeit von 1768 bis 1800 mit einem Silberausbringen von ca. 17,5 t nochmals einen kurzzeitigen Aufschwung zu verzeichnen. 1904 wurde mit der Grube Vater Abraham die letzte Marienberger Grube geschlossen. Von 1947 bis 1954 betrieb die SAG Wismut kurzzeitig Uranbergbau im Revier. Der Marienberger Bergbau hat etwa 215 t Feinsilber geliefert.

Literatur zum Marienberger Bergbau und seinen Mineralien

  • Baumann, Kuschka, Seifert, 2000; Lagerstätten des Erzgebirges, S. 147 ff., Stuttgart
  • Bogsch, W., 1933: Der Marienberger Bergbau in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Glück Auf Verlag, Schwarzenberg.
  • Freiesleben; 1847; Vom Vorkommen der Silbererze in Sachsen, In: Magazin für die Oryktographie von Sachsen, 13. Heft, S. 34 ff., Freiburg
  • Frenzel, 1874; Mineralogisches Lexicon für das Königreich Sachsen, Leipzig
  • Wagenbreth, Wächtler, 1990; Der Bergbau im Erzgebirge - Technische Denkmale und Geschichte, S. 258 ff., Leipzig
  • Zimmermann, R., 1904: Die Mineralien der sächsischen Erzlagerstätten. XXII: Marienberg. Monatsschrift für Mineralien-, Gesteins- und Petrefaktensammler 2 (H. 2 - 3), 1-3, Rochlitz

Schlema - Alberoda - Hartenstein

Die Anfänge des Bergbaus im Schlematal gehen vermutlich bis in das 14. Jh. zurück. Hier wurde bereits vor Beginn des Schneeberger Silberbergbaus auf Eisen, Kupfer und auch Silber (1446 in Niederschlema Grube Silberwaage) Bergbau betrieben. Im Jahre 1503 begann man zur Wasserlösung des Schneeberger und Oberschlemaer Bergbaus den Markus-Semmler-Stollen vom Tal der Zwickauer Mulde aus in Richtung Schneeberg zu treiben. Bis in das 19. Jh. hatte der Markus-Semmler-Stollen eine Länge von 44 km inkl. seiner Flügel und Nebenörter erreicht. Im Zuge von intensiven Untersuchungen im Markus-Semmler-Stollen in den Jahren 1908 bis 1911 wurden starke radioaktive Quellen entdeckt, die im Jahre 1918 zur Begründung des Radiumbades Oberschlema führten, welches innerhalb kurzer Zeit Weltruf erlangte.

BILD:1204100158 Geologische Übersichtskarte des Lagerstättenfeldes Schneeberg-Schlema-Alberoda

Das Lagerstättenrevier Schlema-Alberoda-Hartenstein schließt im Bereich der namensgebenden Ortschaften Schlema, Alberoda, einem Ortsteil von Aue, und Randbereichen von Hartenstein unmittelbar nordöstlich an das klassische Schneeberger Lagerstättenrevier an. Von diesem wird es durch die von NW nach SO verlaufende Störung Roter Kamm abgetrennt. Zusammen bilden die Lagerstättenreviere Schneeberg und Schlema-Alberoda-Hartenstein das Lagerstättenfeld Schneeberg-Schlema-Alberoda, welches an die von NW nach SO verlaufende Tiefenstörungszone Gera-Jàchymov und die von NE nach SW kreuzende Randstörung des Zentralsächsischen Lineaments, letztere im Bereich des Lagerstättenfeldes intensiv als Lößnitz-Zwönitzer Synklinalzone ausgeprägt, gebunden ist. Trotz der engen Nachbarschaft gibt es teils deutliche Unterschiede in der Gangmineralisationen der Lagerstättenreviere Schneeberg und Schlema-Alberoda-Hartenstein.

Seinerseits untergliedert sich das Lagerstättenrevier Schlema-Alberoda-Hartenstein nochmals in die Lagerstätten Oberschlema und Niederschlema-Alberoda-Hartenstein. Oberschlema und Niederschlema waren bis 1952 eigenständige Ortschaften. Beide Lagerstätten werden durch die von NW nach SO verlaufende mineralisierte Störung Schwerin getrennt.

Nach dem 2. Weltkrieg war wiederum der Markus-Semmler-Stollen 1945 Ausgangspunkt für die Uranerzerkundung der sowjetischen Militärs. Nachdem man in der Folgezeit auf oberflächennahe abbauwürdige Uranvererzungen gestoßen war, begann man vom Markus-Semmler-Stollen und dem Gallus-Stollen aus die Lagerstätte Oberschlema zu erschließen. Alsbald wurden auch die ersten Schächte abgeteuft, die 1947 allesamt das Niveau der Markus-Semmler-Sohle (MSS) oder teilweise bereits die -60 m Sohle erreichten. Alle Sohlenangaben in den Lagerstätten Oberschlema und Niederschlema-Alberoda-Hartenstein wurden und werden bis heute auf die Markus-Semmler-Sohle (+330 m NN.) als markscheiderische 0-Sohle bezogen. Allein auf dem Niveau der Markus-Semmler-Sohle wurden Grubenbauten mit einer Gesamtlänge von rund 170 km aufgefahren.

Das Ortsbild des Radiumbades Oberschlema wurde bald vollständig durch Schürfe, Schächte und Halden geprägt. Insgesamt wurden in der Lagerstätte Oberschlema bis 1958 über 35 Tagschächte und Stollen auf 22 Sohlen ca. 1.820 km Vorrichtungsgrubenbaue und 192 km horizontale Ausrichtungsgrubenbaue aufgefahren. Zum 1.4.1958 wurde das Objekt 02 aufgelöst und die Restvorräte dem Objekt 09 (Niederschlema-Alberoda) zugeordnet.


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Förderturm und Teile des Geländes von Schacht 371
Foto: Schluchti

Gegen Ende der 1950er Jahre verlagerte sich der Bergbau zunehmend in die Lagerstätte Niederschlema-Alberoda, die seit Ende der 1940er Jahre erkundet, zunehmend durch Schächte erschlossen wurde und sich als größte Urangangerzlagerstätte Europas entpuppen sollte. Das Grubengebäude wurde über 28 Tagesschächte und Stollen in 6 Kaskaden mit insgesamt 47 Gewinnungs- und 12 Wettersohlen bis auf die -1800 m Sohle aufgefahren. Damit hatte man hier über den von 1984 bis 1986 abgeteuften Blindschacht 383IIIb, der die -1800 m Sohle erschloss, den tiefsten Schacht Europas.

Schon Ende der 1980er Jahre war aber das Abnehmen der Vererzung mit zunehmender Teufe und gleichzeitig der zunehmende Aufwand für die Bewetterung und Wetterkühlung absehbar, sodass bereits Pläne für eine Einstellung der Uranerzförderung erarbeitet wurden. Die Wiedervereinigung und damit einhergehend die geänderten politischen Grundvoraussetzungen, sowie die Weltmarktpreise für Uran beschleunigten dann jedoch die Einstellung des Uranerzbergbaus aus wirtschaftlichen Gründen. Mit Einstellung der Uranerzförderung 1991 begann die Verwahrung und teilweise Beseitigung der zahlreichen Hinterlassenschaften des Bergbaus im Revier. Das Grubengebäude mit insgesamt ca. 4.200 km aufgefahrenen horizontalen Grubenbauten und einem Hohlraum von rund 41 Mio. m3 wird bis zur Markus-Semmler-Sohle als natürlichen Überlauf geflutet und die Halden werden saniert und rekultiviert.

Insgesamt wurden aus der Lagerstätte Oberschlema 7.098,9 t und aus der Lagerstätte Niederschlema-Alberoda-Hartenstein 73.105,5 t Uranmetall gewonnen.

Obwohl der Abbau von Uranerz klar im Vordergrund stand, wurden von 1957 bis 1978 und von 1984 bis 1988 auch sogenannte Nebenerze wie BiCoNi-Erze, Selenide, Blei- und Kupfererze aber auch gediegen Silber und Silbererze gefördert. 1957 bis 1959 gewann man in geringem Umfang Silber aus Bleierzen, 1960 bis 1963 wurden Proustit, gediegen Silber und andere Silbererze aus Gängen der BiCoNi-Formation abgebaut. In der Ostflanke der Lagerstätte Niederschlema-Alberoda-Hartenstein entdeckte man unterhalb der -1305 m Sohle bis zur -1710 m Sohle 1983 eine reiche Silbervererzung. Erkundungsarbeiten auf Silber in den Jahren 1984 und 1985 und Vorratsberechnungen beziffern dieses Silbervorkommen auf 206.614 t Erz mit einem Gehalt von 126,21 t Feinsilber. Aus diesem Vorkommen wurden jedoch von 1984 bis 1988 lediglich 146,1 t Erz mit einem Silbergehalt von 3,96 t Silber abgebaut. Andere Quellen sprechen von 14,6 t Erz mit einem Silbergehalt von 5,2 t Silber. Insgesamt wurden aus der Lagerstätte Niederschlema-Alberoda-Hartenstein 6,3 t Feinsilber gewonnen.

Gediegen Silber bildete in den Lagerstätten Oberschlema und Niederschlema-Alberoda-Hartenstein sowohl lockenförmige Drähte, als auch moos- und blechartige Aggregate sowie Dendriten. Drahtsilber kam dabei in bis zu 5 cm langen Locken vor allem auf den oberen Sohlen auf den Gängen Freital, Jubiläum, Neiwa, Warnow und Brahmaputra vor. Hier wurden Stufen bis zu mehreren Quadratdezimeter Größe geborgen, die voll besetzt mit freistehenden Silberlocken waren. Begleiter waren hier oft Karbonate, Akanthit, und Stephanit, sowie weitere Minerale der BiCoNi-Formation. Eine besondere Seltenheit waren Pseudomorphosen von gediegen Silber nach bis zu 4 cm langen vermutlichen ehemaligen Proustitkristallen. Aus den tieferen Sohlen, insbesondere aus dem Silbervorkommen zwischen der -1305 m Sohle und der -1710 m Sohle in der Ostflanke stammen zahllose Stufen von dendritenförmig gewachsenem Silber in und auf gediegen Arsen. Bei diesen Stufen, die eine sehr große Ähnlichkeit zu denen aus Pöhla zeigen, wurde zumeist mit Wasserstoffperoxid ein Teil des Arsens weggelöst, um die Silberdendriten herauszuarbeiten. Hierbei zeigt das frische Silber einen herrlichen Kontrast zu dem schwarzen Arsen. Begleitet wird das Silber hier nicht selten von Proustit und anderen Mineralien der BiCoNi-Formation.


Silber aus dem Revier Schlema-Alberoda-Hartenstein

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ged. Silber mit Stephanit xx und Akanthit xx
Stufe: 8,5 x 7 x 3 cm
-585 m Sohle, Gang Brahmaputra, Schacht 366, Alberoda, Erzgebirge.
Foto: Thomas Uhlig
Sammlung: Hans-Günther Penndorf

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gediegen Silber als dicht gestrickte Dendriten, massives Stück
Stufengröße: 9 x 7 x 2,5 cm
-1395 m Sohle, Schacht 371, Hartenstein
Foto und Sammlung: Thomas Uhlig

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Gefiederte-fedrige Silberaggregate auf Arsen
Schacht 186, Alberoda, Erzgebirge
Größe: 5 x 8,5 cm
Foto: Christiane David

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Silberdendriten auf Skutterudit und
gediegenem Arsen (herausgeätzt)
Halde Schacht 371, Hartenstein
Erzgebirge, Sachsen
Sammlg. und Foto: geomueller

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Idealtypisches Lockensilber
Stufengröße: 5,6 x 4,8 x 3,5 cm
Gang Newa, -300 m Sohle, Schacht 66, Niederschlema, Erzgebirge
Foto: Thomas Uhlig
Sammlung: Hans-Günther Penndorf

Literatur zum Bergbau in Schlema - Alberoda - Hartenstein und seinen Mineralien

  • Baumann, Kuschka, Seifert, 2000; Lagerstätten des Erzgebirges, S. 195 ff. und 204 ff., Stuttgart
  • Hamann, Hamann, Schröder, Lipp, 1990; Der Uranerzbergbau der SDAG-Wismut im Raum Schneeberg-Aue-Schlema und seine Mineralien, In: Mineralienwelt Heft 2/1990, S. 35 ff. (Teil I) und Heft 3/1990, S. 21 ff. (Teil II)
  • Hiller, Schuppan, 2008; Bergbau in Sachsen, Band 14: Geologie und Uranbergbau in Sachsen im Revier Schlema-Alberoda, Hrsg.: Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie (LfUG), Dresden
  • Vollstädt, Weiß, 1991; Mineralfundstellen Sächsisches Erzgebirge, S. 26 ff., München

Pöhla bei Schwarzenberg

Schwarzenberg liegt im Westerzgebirge 10 km südlich von Aue. Wie in vielen Orten des Erzgebirges gibt es auch hier eine lange Bergbautradition mit der Gewinnung von Silber, Eisen, Kupfer, Zinn und Zink. Bereits im 17. Jahrhundert wurde am Hahnel intensiver Bergbau auf Zinn und Silber betrieben. Das Erzfeld Pöhla-Tellerhäuser ist eine polymetallische Lagerstätte im Revier Schwarzenberg, die sich in die Teillagerstätten Globenstein, Hämmerlein und Tellerhäuser untergliedert. Die Gesteine der Lagerstätte sind paläozoische Metasedimente. Die Gangtypen sind ähnlich derjenigen von Schneeberg-Schlema-Alberoda. Die ältesten Gänge sind Quarz-Kalzit-Uran-Vererzungen auf, gefolgt von Dolomit-Uranerzgängen. Jüngste Bildungen sind Quarz-Karbonatgänge mit Wismut-Kobalt-Nickelerzen, sowie Silber, Arsen und untergeordnet Uran.

Im Zuge von Erkundungsarbeiten der SDAG Wismut wurde 1958 im Luchsbachtal der Schurf 24 angelegt, der zur Entdeckung der Lagerstätte Pöhla-Globenstein mit massiver Skarnvererzung, vor allem mit Magnetit führte.

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Hauptstollen Pöhla
Foto: Schluchti

In den 1960er Jahren wurden im Gebiet Hämmerlein und Tellerhäuser Pechblende sowie Zinnvererzungen entdeckt und deshalb vom Luchsbachtal am Rand von Pöhla im Herbst 1967 mit der Auffahrung des Hauptstollens in Richtung Südosten zu den Teillagerstätten Hämmerlein und Tellerhäuser begonnen. Dieser Stollen erreichte eine Gesamtlänge von 7.845 m, wobei bei etwa 3 km Stollenlänge die Teillagerstätte Hämmerlein aufgeschlossen wurde. Die Teillagerstätte Tellerhäuser im hinteren Bereich des Stollens wurde über zwei Blindschächte erschlossen, mit deren Teufe man 1970 bzw. 1976 begann. Die planmäßige Urangewinnung in Tellerhäuser wurde 1978 aufgenommen. Neben Uranerzen wurden hier auch reiche Zinnerze abgebaut. Die im Kammerpfeilerabbau gewonnenen Zinnerze hinterließen die größten Zinnkammern Europas, die inzwischen wieder über das Besucherbergwerk zu besichtigen sind. Neben Zinn und Uran wurden in dieser Polymetalllagerstätte auch zahlreiche weitere Erze angetroffen und zum Teil mit abgebaut.

So wurden aus Uran-Silber-Mischerzen 1987 im Aufbereitungsbetrieb 101 Crossen 203,5 kg Silber gewonnen. Durch die gesunkenen Weltmarkpreise für Uran und Zinn war die planmäßige Erzförderung ab Ende 1990 nicht mehr aufrecht zu erhalten. Zum 1. Juli 1991 wurde daher auch die Einstellung des Sanierungsabbaues beschlossen.

Bemerkenswerterweise fand man dann im Januar 1991 neben reichen Uranerzen noch den letzten großen Silberfall des Erzgebirges in der Teillagerstätte Tellerhäuser. Im Abbaublock 0985 der Gangstrecke 922 auf der 120 m-Sohle fuhr man eine Silbererzkonzentration mit rund 15-20 t Silber mit gediegen Arsen an, die noch zahlreiche äußerst ästhetische Sammlerstufen von Dendritensilber in und auf gediegen Arsen lieferte. Außer gediegen Silber kamen auch Proustit, Pyrargyrit und andere Silberminerale in dieser Paragenese vor.

Neben Denritensilber kam in Pöhla auch Silber auch in Gestalt von Locken von bis zu 3 cm Länge vor, die teilweise pseudomorph durch Akanthit verdrängt waren.

Silber aus Pöhla

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Dendritensilber auf Arsen
Stufengröße: 11 x 9,6 x 4,8 cm
Pöhla, Erzgebirge, Sachsen, Deutschland
Foto: Rob Lavinsky

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Dendritisches Silber auf Arsen
Pöhla, Sachsen
Größe: 7,5 x 4,5 cm
Foto: Rob Lavinsky

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Aus Arsen herausgeätztes
dendritisches Silber
Pöhla, Erzgebirge
Größe: 5x8 cm
Foto: Christian Rewitzer

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Silberlocken bis 1,6 cm Höhe, mit Akanthit xx
Gang Schildbach, +180m Sohle, Pöhla-Tellerhäuser, Erzgebirge
Größe: : 9,5 x 7 x 6,5 cm
Foto: Schluchti

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Farnartige bizarre Silberdendriten bis
4 cm Größe auf gediegen Arsen
Pöhla
Sammlg. und Foto: geomueller


Literatur zu Pöhla

  • Haake,R. & Hofmann,F., 1991; Die Mineralien der Skarn-Lagerstätte von Pöhla im Erzgebirge. Mineralienwelt 2 (3),26-41.
  • Woidtke,S.,2006; Der Berg ist frei - Bergbau im Erzgebirge, Bd.4, S.263-369. Eigenverlag


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Eingefügter Text von Mineralienportrait/Silber/Harz

Silber

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Bergstadt Goslar mit dem Rammelsberg
Kupferstich Merians Erben, 1653
Archiv: Collector

Reiches Erz aus dem Harz


Goslar

BILD:1157873492

Das Blei-Silbererzrevier Rammelsberg
oberhalb der Reichsstadt Goslar mit Schachtanlagen, Göpelhäusern und dem Erbstollen, Ansicht 1606
Quelle: Brueckmann, F. E., 1730; Magnalia dei locis subteranneis oder Unterirdische Schatzkammer aller Königreiche und Länder
Kupferstich von D. Lindemeier
Archiv: Collector

BILD:1219899223

Der Rammelsberg
Stahlstich 1840
Zeichnung von Richter, gestochen von Macclatchie
Archiv: Collector

Archäologische Schlackenfunde lassen den Schluss zu, dass am Rammelsberg bereits ca. 1.000 Jahre v. Chr. silberhaltiges Erz gewonnen wurde. Funde von Erzresten und Schlacken aus den 1980er Jahren datieren einen ersten Silberbergbau auf die Zeit des 3. bis 4. Jh. n. Chr. Die erste offizielle Erwähnung des Bergbaus stammt vom Mönch Widukind de Corvey aus dem Jahr 968 in dessen "Sachsenspiegel". Die Bergrechte gehörten Ende des 10. Jh. dem Sachsenkaiser Otto dem Großen und blieben bis etwa 1235 in kaiserlichem Besitz. Wegen des großen Reichtums der Stadt wurde die Kaiserpfalz von Werla nach Goslar an den Fuß des Rammelsberges verlegt.

Während der Blütezeit des mittelalterlichen Bergbaus wurden jährlich zwischen 8 - 10.000 t Erz gefördert. Aus dem daraus gewonnenen Silber ließen die Kaiser die sogenannten Otto-Adelheid-Pfennige prägen, welche sie wesentlich zur Finanzierung ihrer Kriege verwendeten. Im Jahr 1235 übernahmen die Herzöge von Braunschweig-Wolfenbüttel die Zehntrechte. Damit begann der Niedergang des Silberbergbaus. Der Hauptgrund dafür war, dass während der Besitzzeit der Kaiser ein unsinniger Raubbergbau ohne Investitionen in die Abbautechnik und in Sicherheit betrieben wurde. Das rächte sich bitterlich. Da jahrhundertelang kein Versatz der abgebauten Hohlräume stattfand, brachen Grubenbaue und Förderschächte ein, ganz zu schweigen von Grubenwasserproblemen, welche mit zunehmender Abbauteufe auftraten. Einer der wesentlichen Faktoren, der letztlich zur Auflassung der Bergbauaktivitäten führte, war der große Mangel an Holz, welches für den Streckenausbau, mehr jedoch zur Herstellung der für die Verhüttung erforderlichen Holzkohle gebraucht wurde.

Nach einer mehr als hundertjährigen Ruhephase, in welcher sich nicht nur die Grubenwässer senkten, sondern sich auch díe Wälder erholten, begann eine zweite Blütezeit, welche von 1461 - 1525 dauerte. In dieser Zeit erreichte die maximale Förderung zwischen 15-30.000 t Erz pro Jahr. Die Bergrechte lagen bei den Bürgern der Stadt Goslar.

In den Jahren von 1526 - 1552 kam es zu Problemen durch einen anhaltenden Streit um das Bergrecht zwischen der Stadt Goslar und dem Herzog Heinrich dem Jüngeren von Braunschweig-Wolfenbüttel. Infolge des Streits wurden der Stadt Goslar die Berghoheit, die Berggerichtsbarkeit und der Zehnt entzogen und dem Herzog übertragen. Die herzogliche Verwaltung dauerte bis 1648.

Während der Wirren des Dreißigjährigen Krieges von 1618 - 1648 brach die Förderung ein. Im Jahr 1634 starb Herzog Friedrich Ulrich. Sein Besitz, einschließlich des Rammelsberges, wurde an drei erbberechtigte Linien per Erbvertrag in die Harzer Communion eingebracht. Im Jahr 1820 wurde diese Communion alleiniger Besitzer des Rammelsberges. Die ehemals freie Reichssadt Goslar wurde durch den Wiener Kongress dem Königreich Hannover zugesprochen.

Bis zum 1. Weltkrieg im Jahr 1914 gab es erhebliche technische Neuerungen, darunter die Einführung von Firstenbau, der Sprengtechnik statt Feuersetzen, Drahtseilen an Stelle von Hanfseilen und erste Gesteinsbohrmaschinen, welche mit Druckluft arbeiteten. 1924 erfolgte die Gründung der Unterharzer Berg- und Hüttenwerke GmbH. Eine zweite starke Ausbauphase, darunter eine Flotationsanlage, fand in den Jahren 1936 bis 1937 statt. Im Jahr 1988 wurde der Betrieb des Bergwerks Rammelsberg wegen Erschöpfung der Erzvorräte aufgegeben. 1992 erfolgte die Ernennung des Erzbergwerks Rammelsberg, gemeinsam mit der Stadt Goslar, zum UNESCO Weltkulturerbe.

In den etwa 1.000 Jahren des Bergbaus wurden von den geschätzten 29 Mio. Tonnen etwa 25 Mio. t Erz gefördert. Am Rammelsberg wurden hauptsächlich silberhaltiger Galenit, sowie Blei-Zinkerze abgebaut und daraus Silber, Blei, Zink, Kupfer und Gold gewonnen. Die Lagerstätten in Form großer Erzlinsen wurden sedimentär-submarin-exhalativ im Devon gebildet.


Straßberg

Straßberg liegt etwa 6 km SW von Harzgerode. Der Blei-Silbererzbergbau begann im Jahr 1438, eine erste Schmelzhütte entstand 1462. Zwischen 1511 und 1566 wird die Schmelzhütte Straßberg mehrfach erwähnt. Die bekannten Gruben im 17. und 18. Jh. waren Eleonore, Seidenglanz, die später in Glasebach umbenannt wurde, Pfennigturm, Davidzeche, König-David-Stollen und Teufelsgrube. Der Glasebachschacht baute auf dem Straßberg-Neudorfer Gangzug. Die vorherrschenden Mineralien sind Fluorit, Quarz und Calcit, untergeordnet und unregelmäßig treten Chalkopyrit, Arsenopyrit, Galenit, Sphalerit, Wolframit, Scheelit und Siderit auf. Neben dem silberhaltigen Galenit, dem Hauptsilbererz, kam auch Freibergit vor. Die vererzten Linsen konnten bis 30 m mächtig sein. Nebengesteine sind devonische und kulmische Tonschiefer, Grauwacken und lokal überwiegend Lamprophyre.

Der Silberbergbau hatte seine Blütezeit von 1712 - 1740 unter Berghauptmann v. Utterodt und Bergdirektor Koch. Letzterer ließ 1713 zwei Hochöfen für die Silberverhüttung aufstellen. Im Jahr 1765 sollen 13.500 kg Silber gewonnen worden sein. In den folgenden Jahren geht der Bergbau in Straßberg nieder und endet 1781 im Konkurs. Die letzte Erzverhüttung fand zwischen 1804 und 1805 statt. In den darauf folgenden Jahren von 1811 bis 1982 wurde nur noch Flussspat abgebaut.


St. Andreasberg

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Der Gang Samson
Zeichnung von R. Ludwig, 1861
in: Das Buch der Geologie-Naturgeschichte der Erde
Archiv: Collector

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Die Fahrkunst der Grube Samson
Zeitgenössischer Stahlstich
aus: Meyers Konversationslexikon, 1855
Archiv: Collector

St. Andreasberg war eine Ag-Cu-Co-Ni-Lagerstätte mit komplexen Silbererzgängen in Diabaskalkstein. Die bekanntesten Gruben waren Andreaskreuz, Bergmannstrost, Claus-Friedrich, Felicitas, Fünf Bücher Moses und Samson.

Der Bergbau in Sankt Andreasberg begann vor 1487, eine erste urkundliche Erwähnung gibt es aus dem Jahr 1537. Das älteste den Gang Samson betreffende Bergamtsprotokoll stammt aus dem Jahr 1661. Die Silbergrube Samson in St. Andreasberg, in deren unmittelbarer Nachbarschaft die Grube Catharina Neufang liegt, welche erstmals 1575 urkundlich erwähnt wird, war von 1521 bis 1912 in Betrieb. Zu ihrer Betriebszeit war sie das tiefste Bergwerk der Welt. Die Gesamttiefe der Grube war etwa 840 m.

Berühmt ist sie wegen ihrer schönen Silbermineralien Pyrargyrit und Dyskrasit, sowie dem begehrten Samsonit, deren Typlokalität sie ist. Ebenso stammen aus dem Vorkommen auch vortreffliche Calcite, Apophyllit, Analcim, gediegen Arsen, Breithauptit und viele andere.

Die Grube Samson ist das letzte Bergwerk mit einer im Jahr 1837 installierten Fahrkunst, welche von einem Wasserrad mit 16 m Durchmesser angetrieben wurde. Weitere technische Einrichtungen waren ein 9 m messendes Kehrrad, mit welchem man die Förderanlage bewegte, die Seiltrift und das Schachtgebäude (Gaipel). Der amerikanische Ingenieurverband American Society of Mechanical Engineers nahm 1987 die Samsoner Fahrkunst anlässlich ihres 150. Geburtstages in die Liste der internationalen historischen Maschinenbaudenkmäler auf.


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St. Andreasberg mit Darstellung der
erzführenden Gänge im Jahr 1606
Zeichnung von Zacharias Koch
Archiv: Collector


Clausthal

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Der Ottilia-Schacht mit zentraler
Aufbereitungsanlage in Clausthal
Ansicht Ende 19. / Anf. 20. Jh.
Archiv:Collector

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Grube Dorothea bei Clausthal
Zeichnung von Heinrich Martin Grape, 1798 - 1875
Archiv: Collector

Die Namen der beiden Orte Clausthal und Zellerfeld, die im Jahr 1924 zur Stadt Clausthal-Zellerfeld zusammengelegt wurden, sind abgeleitet von Klause und Zelle, die sich Einsiedler in diesem Teil des Oberharzes errichtet hatten. Archäologische Funde deuten auf einen ersten Bergbau im 11. Jh. hin. Zellerfeld erhielt die Bergfreiheit im Jahr 1532, die Gemeinde Clausthal im Jahr 1551. Ab dieser Zeit fand ein geregleter Bergbau statt.

In den beiden Oberharzer Bergstädten wurde silberhaltiger Galenit abgebaut. Aus dem daraus gewonnenen Silber wurden Münzen geprägt. Da die beiden Orte zwei unterschiedlichen Landesherren gehörten, gab es in jedem eine eigene Münzstätte.

In Clausthal wurde 1775 die erste Bergschule, eine montanistische Lehranstalt gegründet, um zukünftige Berg- und Hütteningenieure auszubilden. Etwa zeitgleich, d.h. Ende des 18. Jh., war der Oberharz mit unzähligen Gruben, Aufbereitungs- und Verhüttungsbetrieben das größte Bergbau- und Industrierevier in Europa.

Die bekanntesten und wichtigsten Gruben waren Karoline Dorothea mit einer großen Wasserkunst und Eisenbahn zur Erzwäsche, Neue Benedicte, welche die reichste Silber- u. Bleigrube des Harzes war, der Kaiser-Wilhelm-Schacht mit dem Förderschacht Ottilia, sowie die Frankenscharner Silberhütte mit Schmelz- und Treibhütten, Hochöfen, Krumm- und Treiböfen, Bleifrischofen, Spleißofen, Sauger und Garherd.


Mansfeld

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Mansfeld im Jahr 1650
Zeitgenössischer Kupferstich
Archiv: Collector

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Charakteristisch für die Mansfelder silberhaltigen, meist nur 30 - 60 cm mächtigen Kupferschiefergänge ist die geringe Arbeitshöhe von kaum mehr als 1 m (Krummhalsarbeit). Der Bergmann trägt keine Schuhe, Sicherheitseinrichtungen gab es nicht.
Zeichnung von Simonin, L., 1866
in: La Vie Souterraine
Archiv: Collector

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Kupferschieferabbau in Eisleben
Hermannschächte um 1900
Archiv: Collector

Die Mansfelder Mulde umfasst die Orte Hettstedt, Mansfeld, Klostermannsfeld und die Lutherstadt Eisleben. Der Bergbau begann in Mansfeld im frühen 13. Jh., in der ersten Bergbauphase bis zum Höhepunkt im 16. Jh. war es der Abbau von Silbererz.

Die Besonderheit der Mansfelder Lagerstätten ist deren Geologie: schwarze, bituminöse Schiefer der Zechsteingruppe, welche durchschnittlich nur etwa 30 - 60 cm mächtig sind und reichlich in permischen Sedimenten östlich und südöstlich vom Harz auftreten. Diese Schiefer enthalten sehr fein disseminiertes Kupfer und Silber. An manchen Orten kann die Kupferkonzentration bis 3 % erreichen. Die Förderung des Silbererzes in der Historie war extrem schwierig, da die Schichten zu schmal und die Arbeitshöhen zu tief waren. Die Stollen hatten sehr oft nur eine Arbeitshöhe von max. 1 m, sodass der Abbau nur durch Krummhalsarbeit im Liegen durchgeführt werden konnte. Fehlende Sicherheitseinrichtungen und unsoziales Verhalten der jeweiligen Besitzer konnten die bergmännische Arbeit im Mansfeldischen zur Hölle machen.

Der Geschichte nach wurde bei Hettstedt im Jahr 1199 Kupfer entdeckt, wobei bei dessen Verhüttung auch eine beachtenswerte Menge Silber anfiel, dessen Wert den des eigentlich geförderten Kupfers überstieg. Der Erzsegen zog bald viele Menschen an und 1334 erhielt Hettstedt aufgrund seiner Einwohnerzahl die Stadtrechte. Im Jahr 1394 wurde die Stadt an die Grafen von Mansfeld verpfändet, 45 Jahre später von diesen erobert und Hettstedt zu einem Teil der Grafschaft Mansfeld. Nach einigen Jahren des wirtschaftlichen Niedergangs kam es ab 1450 zu einer neuen Hochblüte, wesentlich bedingt durch die neue Technologie des Saigerns, durch welche das Silber vom Kupfer geschieden werden konnte.

Nicht nur der Abbau der Kupferschieferflöze, sondern auch die Verhüttungstechnik verbreitete sich im Laufe der Zeit über Mansfeld bis nach Eisleben. Bis zum Ende des 16. Jahrhunderts gehörte das Mansfelder Revier neben Schwaz in Tirol und Schemnitz (Banská Bystrica) in der heutigen Slowakei zu den drei größten Kupfer- und Silbererzeugern Europas. Die durchschnittliche jährliche Produktionsmenge betrug bis zu 1.600 t Kupfer und 8.000 kg Silber.

Durch die jahrhundertelange gedankenlose Entwaldung des Harzes, durch Wasserprobleme in den Schächten und durch den spürbaren Preisverfall des Silber, bedingt durch die Importe der Spanier aus Südamerika, ging der Bergbau zurück. Im Dreißigjährigen Krieg von 1618 - 1648 und durch die Pest des Jahres 1644 kam er total zum Erliegen. Hettstedt zählte nur noch etwa 500 Einwohner von ehemals mehreren Tausend.

Der Bergbau erholte sich nur langsam. In der Folgezeit wurde Kupfer das primär abgebaute Erz. Durch die Freilassung des Bergbaus im Jahr 1671 gab es erstmals Voraussetzungen für die Bildung von Kapitalgesellschaften, den sogenannten Gewerkschaften. Eine weitere Hochblüte gab es jedoch erst wieder in der zweiten Hälfte des 19. Jh. auf der Grundlage neuer Technologien, moderner Förderung und industrieller Verhüttungstechnik.

Das Mansfelder Revier hat über 770 Jahre bedeutende Mengen Erz erbracht, musste aber in den letzten Jahrzehnten seines Bergwerks- und Hüttenlebens subventioniert werden. Wenngleich die Förderung nach dem 2. Weltkrieg mit 25.000 t Kupfer und 150 t Silber die höchsten jemals erreichten Produktionszahlen aufwies, stellte die letzte Schachtanlage der Mansfelder Mulde im Jahr 1969 ihren Betrieb ein.

Neben der Mansfelder Mulde wurde Kupferschiefer mit enormen Mengen Silber bis 1990 in der Sangerhäuser Mulde gefördert. Hauptförderschächte waren der ab 1944 abgeteufte "Thomas Münzer Schacht" in Sangerhausen, der "Bernhard Koenen Schacht" I & II in Niederröblingen und Nienstedt. Heutige Bergbauzeugen sind die weit sichtbaren Kegelhalden der o.g. Schächte wobei die Halde "Hohe Linde" des Thomas Münzer Schachtes in Sangerhausen ein Volumen von ca. 15 Mill. m³ Berge aufweist. In der Förderzeit von etwa 1200 bis 1990 wurden im gesamten Revier 109 Mill t Erz mit 2,6 Mill t Kupfer und 14.200 t Silber gefördert. Es ist besonders bemerkenswert, dass die im Mansfeld gewonnenen Mengen Silber die in den traditionellen Gewinnungsgebieten Harz und Erzgebirge geförderten Silbermengen deutilich übersteigen


Literatur

  • Bartels, C., 2007; Kupfer, Blei und Silber aus dem Goslarer Rammelsberg von den Anfängen bis 1620: die Entwicklung des Hüttenwesens von den frühmittelalterlichen Schmelzplätzen im Wald bis zur Metallerzeugung in großem Maßstab am Beginn des 17. Jahrhunderts nach den archäologischen und schriftlichen Quellen; Deutsches Bergbau-Museum, Bochum.
  • Bornhardt, W., 1931; Geschichte des Rammelsberger Bergbaues von seiner Aufnahme bis zur Neuzeit; Archiv für Lagerstättenforschung, 52
  • Klappauf, L., 1993; Zur Archäologie des Harzes im frühen Mittelalter. In: Bernward von Hildesheim und das Zeitalter der Ottonen. Ausstellungskatalog Hildesheim/Mainz 1993, Bd. 1, 249-257.
  • Klappauf, L., Linke, F. A., 1996; Montanarchäologie im Harz. In A. Jockenhövel (Hrsg.), Bergbau, Verhüttung und Waldnutzung im Mittelalter (Vierteljahresschr. f. Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Beih. 121), Stuttgart 1996, 93-111
  • Kraaume, E., 1968; Tausend Jahre Rammelsberg
  • Leudecke, O., 1896; Die Minerale des Harzes
  • Liessmann, W., 1997; Historischer Bergbau im Harz, Springer Verlag, Berlin, 1997
  • Schnorrer-Köhler, G.,1983; Das Silbererzrevier St. Andreasberg im Harz. Aufschl.:34, Teil 1: 153-175; Teil 2: 189-203, Teil 3: 231-251, Teil 4: 317-332

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Silber

Silber aus dem Schwarzwald

Die intensive bruchtektonische Beanspruchung des Schwarzwälder Grund- und Deckgebirges während der vergangenen rund 250 Millionen Jahre führte zur Entstehung zahlreicher Erz- und Mineralgänge, die vor allem in den letzten Jahrhunderten Ziel des Bergbaus waren.

Es wird angenommen, dass bereits die ersten Bewohner in der Steinzeit, die sich zwischen Rhein und dem Mittelgebirge vor Jahrtausenden niederließen, Bergbau auf Jaspis betrieben. Den Steinzeitmenschen folgten die Kelten, deren Interesse jedoch Eisenerzen galt, aus welchen sie Eisen für Waffen und Werkzeuge gewannen. Ungeachtet dessen kannten die Kelten auch Silber, aus welchem sie Münzen, sogen. Quinare prägten. Schon mehr Hinterlassenschaften fand man von den Römern. Sie hatten sich auf Blei-, Silber- und Eisenerzbergbau spezialisiert. Ein eindrucksvolles Beispiel ist einer der größten Blei-Silber-Tagebaue bei Kropbach am Eingang des Münstertales. Hinterlassenschaften des Bergbaus aus der "Dunklen Zeit" des Frühen Mittelalter sind kaum vorhanden.

Ein erster systematischer Bergbau auf Silber begann im südlichen Schwarzwald im 10. und 11. Jahrhundert, welcher im Hochmittelalter seinen Höhepunkt fand. Die erste urkundliche Nennung von Bergwerken im Breisgau erfolgt 1028 in einem Lehensbrief von Konrad II. an den Bischof von Basel. Abgebaut wurden hauptsächlich silberhaltige Bleierze. Durch den Bergbau entstanden neue Städte und Burgen, die Herzöge von Zähringen wurde durch den Bergbau zum einflussreichsten Herrschergeschlecht am Oberrhein. Im 15. Jahrhundert ging die Blütezeit des mittelalterlichen Schwarzwälder Bergbaus dem Ende zu. Die Gruben hatten Probleme mit der Wasserhaltung, die Erze waren erschöpft oder wurden durch Unglücke wie im Suggental zerstört. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts kam der Bergbau vollständig zum Erliegen bzw. erholte sich nach den Wirren des Dreißigjährigen Krieges nur langsam. Erst im 18. Jahrhundert nahmen einige Gruben den Betrieb wieder auf und in manchen Gegenden dauerte er bis ins 20. Jahrhundert an.

Im historischen Sinne waren die Lagerstätten des Südschwarzwaldes (Schauinsland, Münstertal, St. Ulrich, Todtnau, St. Blasien und das Suggental bei Waldkirch) die wohl bedeutendsten im süddeutschen Raum. Die ehemals bedeutendste Silbergrube des mittleren Schwarzwalds war die Grube Wenzel bei Oberwolfach (Altwolfach). Städte wie Freiburg und Basel verdanken ihre Blüte im Spätmittelalter dem Silberhandel. Auch in jüngerer Zeit ist der Südschwarzwald immer wieder für Silbererzfunde bekannt geworden, so in Wieden (Gruben Tannenboden und Anton) sowie die Grube Gottesehre bei St. Blasien. Dort wurden Silbererzfälle mit bis zu 1 cm großen Proustiten bekannt, daneben ged. Silber und in Wieden auch Stephanit, Pyrostilpnit, Xanthokon und Sternbergit.


Das Kinzigtal

Nicht ganz so bedeutend wie im Südschwarzwald war der Silberbergbau des mittleren bis nördlichen Schwarzwaldes, hervorzuheben die Reviere im Kinzigtal. Zum Kinzigtal gehören im Prinzip die Bergbaugebiete Gengenbach (Grube Silberbrünnle), Berghaupten (Steinkohlenbergbau), Ohlsbach (Hennenloch), Biberach-Prinzbach-Erzbach, das Harmersbachtal mit Zell am Harmersbach und Nordrach, Steinach (Artenberg, Welschensteinach), Bollenbach (Baberast), Schnellingen (v.a. Segen Gottes), Hausach (Adlersbach und Einbach, Hauserbach), Wolfach/Oberwolfach (Wenzel, Fortuna, Clara), Schapbach und Rippoldsau (im Wolftal, ein nördliches Nebental), dann Schiltach (Lehengericht, Stammelbach, Heubach (Grube Anton als wichtige Silbergrube)), Wittichen und Alpirsbach (Röthenbach, Eberhard, Reinerzau).

Die Grube Wenzel im Frohnbachtal war einst das bedeutendste Silberbergwerk im Raum Wolfach. Das Erz wurde bis zur Erschöpfung der Lagerstätte im Jahre 1818 gewonnen. Die Vererzung ist an Baryt-/Calcitgänge im Paragneis gebunden. Heute ist die Grube Wenzel zu einem Besucherbergwerk umgebaut worden. Bekannt sind vor allem die hervorragenden Stufen von Allargentum, Dyskrasit und Pyrargyrit.


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Filigrane Silberstufe von der Grube Sophia
Wittichen, Kinzigtal
Größe: 5 x 4 cm
Foto: Dan Weinrich

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Silber
Grube Wenzel, Frohnbachtal, Oberwolfach, Schwarzwald
Größe: 1,8 cm
Sammlung und Foto: Peter Haas

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Silber-xx Kinzigtal, Schwarzwald
Größe: 10 x 5 x 5 cm. Das Silberaggregat hat eine Größe von 8 cm
Sammlung und Foto: loparit

Todtnau

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Karte des Todtnauer Bergrevieres mit angrenzenden Revieren
Maßstab ca. 1:150.000
Autor: smoeller

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Todtnau um 1900
Kolorierte historische Postkarte
Archiv: Collector

Das Bergbaurevier Todtnau am Südrand der Zentralschwarzwälder Gneismasse umfasst die Gruben und Gänge nahe der Stadt Todtnau sowie das Wiesenthal oberhalb von Todtnau mit den Orten Fahl und Brandenberg bis zum Feldberg (1492 m). Im Osten grenzt das Revier an Bernau und im Süden bis Utzenfeld.

Wenngleich Todtnau bereits im Jahr 1025 erwähnt wird, begann der Bergbau erst im 12. Jahrhundert. Aufgrund seiner wirtschaftlichen Bedeutung wurden dem bis dato ländlich geprägten Ort im Jahr 1283 die Stadtrechte erteilt. In diesem Zeitraum gab es allein etwa 300 Bergleute. Die Bergstadt wurde von einem Bergvogt verwaltet und besaß eine eigene Münze. Die Silbergruben gehörten bis Anfang des 14. Jahrhunderts dem Bistum Basel. Im Jahr 1322 erhielten die Grafen von Freiburg die Bergwerke als Lehen, welche sie in Folge selbst verliehen.

Der im Jahr 1377 gegründete Rappenmünzbund, zu welchem die die Münzstädte Freiburg, Colmar, Basel und Todtnau gehörten, regulierte die Prägung der Münzen und den Handel mit Silber. Eine dieser Regeln besagte, dass Silber an die im Bund liegenden Münzen geliefert werden musste, der Verkauf von Rohsilber und Erzen an Münzen außerhalb der Münzsstädte unterlag der Kontrolle des Münzbundes. Während der Prägezeiten gab es den Silberbann, d.h., der Silberverkauf war gänzlich verboten.

Nach den Jahren des wirtschaftlichen Aufschwungs erfasste die Schwarzwälder Bergbaukrise, bedingt durch Holz- und Wasserprobleme, Krieg und Pest auch Todtnau, was zu einem zeitweiligen Erliegen der Bergbauaktivitäten, jedoch nicht zum Niedergang führte. Ein neuer Aufschwung fand Mitte des 15. Jh. statt, was unter anderem dadurch vermutet wird, dass Todtnau aufgrund seiner Wirtschaftlichkeit als einzige Bergstadt im Gegensatz zu den Gruben im Sundgau, Breisgau und im Elsass Abgaben leisten musste. Im Jahr 1506 erhielt Todtnau eine durch Kaiser Maximilian bestätigte eigene Berggerichtsbarkeit. Die seit über 200 Jahren bekannte Grube St. Anna im Gauch wurde die bedeutendste Grube im Todtnauer Revier mit eigenem Wasserleitungskanal (Radwuhr) und Radschacht.

Zu Beginn des 17. Jh. hatte die Stadt so große finanzielle Schwierigkeiten, dass man die Kirchenglocken verkaufen musste, um die fälligen Steuern zahlen zu können. In diese Zeit fällt auch das völlige Erliegen des Silbererzbergbaus, welcher sich nie mehr erholen sollte.


St. Blasien im Hotzenwald

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St. Blasien im Jahr 1891
Historische Ansichtskarte
Archiv: Collector

St. Blasien, eine hübsche Kleinstadt mit der drittgrößten Kuppelkirche Europas, liegt im Herzen des Hotzenwaldes, wie man den südlichsten Teil des Schwarzwaldes zum Hochrhein hin nennt. Von St. Blasien aus sind es ca. 25 km bis nach Waldshut-Tiengen am Hochrhein, der Grenze zur Schweiz, und 25 km bis Schönau im Wiesental sowie, über Schönau und Schauinsland, ca. 60 km bis Freiburg im Breisgau. Die Gruben lagen nordwestlich (Menzenschwand), westlich (Ziegelfeld und Steinenbächle) sowie südwestlich und südlich (Urberg, Horbach, Görwihl) des Ortes. Östlich reichte das Gebiet bis Grafenhausen. Vom westlich angrenzenden, bis Bernau reichenden Revier Todtnau, ist das St. Blasier Revier durch einen 6 km breiten gangleeren Streifen getrennt.

Der Anfang des Bergbaues im Hotzenwald liegt im Dunklen. 1352 waren der Benediktinerabtei St. Blasien 45 Poch- und Schmelzwerke zinspflichtig. Die Lage der dazugehörigen Gruben ist nicht mehr genau bekannt, ein Teil lag jedoch bei Todtnau. Zu dieser Zeit muss auch im St. Blasier Revier Bergbau umgegangen sein. Die Zinseinkünfte machten das Kloster zu einem der wohlhabensten im Schwarzwald.

Der Bergbau auf den Gängen im Hotzenwald dürfte bis ins 16. Jahrhundert umgegangen sein. Abgebaut wurde vor allem silberhaltiger Bleiglanz. Das Zentrum lag bei Urberg. 1539 wies die vorderösterreichische Regierung den Abt von St. Blasien darauf hin, das Silber an die Münze Freiburg zu liefern. Es muss also in dieser Zeit ertragreichen Abbau gegeben haben. In der Folge kam es zu Zinsstreitigkeiten, bei denen das Kloster St. Blasien den Bergzehnten für sich beanspruchte. Nach der Einigung erhielt seine Majestät von Österreich 6 Teile, das Kloster St. Blasien 4 Teile. Danach geriet der Bergbau in Vergessenheit. Den Bergbeamten der K.K Österreichischen Vorlande (Vorderösterreich) des 18. jahrhunderts waren die meisten Vorkommen unbekannt.

Ende des 18. Jahrhundersts wurde bei Urberg der Bergbau wieder aufgenommen. Diese Grube wurde unter dem Namen Ruprecht geführt, welche später dem gesamten Gangzug den Namen gab (Urberger oder Ruprecht-Gangzug). Die Gruben lagen im Bereich, der später von der bekannten Grube Gottesehre abgebaut wurde. Um 1810 wurde in diesem Bereich die Grube Neue Hoffnung Gottes eröffnet. Bis 1820 stand südlich am Höllbächle die Grube Neu Glück im Betrieb. 1829-35 wurde dieses Werk als Neue Hoffnung und Neu Glück betrieben, ebenso 1861.


Wieden

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Wieden um die Jahrhundertwende
Kolorierte Postkarte aus dem Jahr 1906
Archiv: Collector

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Silber vom Gang Tannenboden
Wieden, Schwarzwald
Bildbreite: 1 cm
Foto: derhesse

Der Ort Wieden liegt im Südschwarzwald zwischen den Bergen Belchen und Feldberg, zwischen Wiesen- und Münstertal. Es wird angenommen, dass der Bergbau auf Silber bereits im 11. Jh. begann. Erste urkundliche Nennungen von Bergwerken im Breisgau stammen aus dem Jahr 1028 (Lehensbrief von Konrad II. an den Bischof von Basel).

Das abgebaute und in der Schmelze verarbeitete Silbererz war Galenit mit einem Silbergehalt von 0,1 bis 1 %. Die aktive Zeit des mittelaterlichen Silberbergbaus war zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert. Grund für das Ende dieser aktiven Periode war der Dreißigjährige Krieg und dessen Folgen. Silbererz wurde jedoch bis hin ins 20. Jh. abgebaut.

Anfang des 20. Jh., in den 1920er Jahren, begann im Südschwarzwald eine zweite Bergbauepoche mit dem Abbau von Flussspat. Neben der Grube Teufelsgrund im Münstertal gehörte dazu die Grube Finstergrund in Wieden, welche bis 1974 produzierte. Aus dem Flussspatgang Tannenboden (Ag-As-Ab) stammen Silber, Dyskrasit, Myargyrit, Polybasit, Proustit, Pyrargyrit, Pyrostilpnit, Stephanit, Sternbergit und Xanthokon und vom Gang Anton (Flussspat-Ag-As; geschlossen 1974) Silber, Myargyrit und Stephanit. Diese Mineralien sind jedoch Funde des 20. Jh. (Informationen teilweise aus dem 12. internationalen Bergbau & Montanhistorik-Workshop 2009 entnommen)


Wittichen

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Blick von der Schmiedestollenhalde
Foto: Frank de Wit

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Das Kloster Wittichen
Foto: Frank de Wit

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Silber aus Wittichen
2,7 x 2,2 cm
Foto: Rob Lavinsky

Wittichen, besser bekannt unter dem Namen der wichtigsten Grube Sophia, liegt im Böckelsbachtal bei Schenkenzell. Das erste Schriftstück, welches belegt, dass es im Gebiet von Wittichen Bergbau gab, ist eine Urkunde aus dem Jahr 1517, welche bestätigt, dass die Bergarbeiter ihre benötigten Lebensmittel zollfrei einführen durften. Andere Nachweise, weder aus dem Mittelalter noch aus der Renaissance, sind nicht bekannt.

Erst im ersten Drittel des 18. Jh. wurde der Bergbau wieder aufgenommen. Auf den alten Halden wurde Kobalterz entdeckt, welches man in den vorausgegangen Jahrhunderten noch nicht kannte, das jetzt aber ein gesuchtes Ausgangsmaterial für blaue Farbpigmente war. Neben diesen Kobalterzen wurden auch Silbermineralien gefunden, woraus die Prospektoren schlossen, dass es in der Vergangenheit einen Bergbau auf Silber gegeben haben musste. Kobalterz wurde im Jahr 1725 in 21 Stollen und Schächten gefördert, wobei lediglich die Grube St. Joseph Gewinne erzielte. Viele der Gruben wurden stetig bezuschusst und mussten ums Überleben kämpfen. Der Wittichener Kobaltbergbau durchlief in einer fast hundertjährigen Geschichte bis zum Jahr 1836 Höhen und Tiefen und wurde letztlich wegen Unwirtschaftlichkeit eingestellt.

Im Jahr 1736 wurde ausgehend vom Stollen St. Joseph der Gang Sophia angeschlagen, in welchem man bedeutende Mengen an Silber- und Kobalterz fand. Dieser Gang wurde in den Folgejahren zur gewinnträchtigsten Grube ausgebaut, aus deren Silber sogar ein Ausbeutetaler geprägt wurde. Doch auch diese berühmte und wohl ertragreichste Grube fiel den wirtschaftlichen Problemen zum Opfer. Der Abbau wurde nach fast achtzig Jahren im Jahr 1816 eingestellt. Ein zweiter Versuch, den Silberbergbau auf der Sophia wieder zu beleben, erbrachte zwar an die 490 kg gediegenes Silber, führte aber schließlich zur endgültigen Einstellung im Jahr 1856.

Bis zur endgültigen Aufgabe des Bergbaus gab es, mit Unterbrechungen, unterschiedlichen Abbau der Baryt-, Flussspat- und Uranmineralisation. Im Jahr 1939 endete der Bergbau im Revier Wittchen.


Das Suggental

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Relikte des Silberbergbaus im Schwarzwald
Der mittelalterliche St. Joseph-Stollen des Silberbergwerks Suggental
Foto: Christian Rößler (Public Domain)
Archiv: Collector

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Eine (nachgebaute) mittelaterliche Pumpe
im Anna-Stollen des Silberbergwerks Suggental
Foto: Christian Rößler (Public Domain)
Archiv: Collector

Vermutlich wurde Bergbau im Suggental am Rand der Freiburger Bucht schon von den Römern betrieben. Allerdings ist dies nicht eindeutig bewiesen. Suggental war im 12. und im 13. Jh. ein eigenständiges Bergbaurevier, dessen Blütezeit im 13. Jh. lag und dessen Bergbau auf silberhaltiges Bleierz auf tragische Weise zum Erliegen kam. Da das Wasser des Suggenbaches nicht mehr ausreichte, um die Wasserhaltung, bzw. die Wasserräder für die Pumpen zu betreiben, wurde 1248 ein ca. 15 km langer Hangwassergraben angelegt und im oberen Talbereich Rückhaltebecken angelegt, um jederzeit Zugriff auf Wasser zu haben. Der Sage nach brachen die Dämme dieser Becken während eines Unwetters im Jahr 1288. Die Wassermassen stürzten zu Tal, überschwemmten dieses und brachen in die Stollen ein, wobei fast alle Bewohner des Suggenbachtales und die in den Gruben befindlichen Bergleute ertranken.

Erst 500 Jahre später, um 1776 - 1788 bzw. 1789, gab es aufgrund der Initiative begüterter Bürgern aus Waldkirch und anderen Gemeinden erneute Versuche, den Bergbau mit Wiederbefahrung des St. Jospehs-Stollens wieder aufzunehmen. Diese Versuche scheiterten jedoch an Misswirtschaft und wurden 1789 aufgegeben. Es sollte nie mehr metallisches Erz abgebaut werden. In den Jahren 1927 bis 1938 wurde jedoch der hier reichlich vorkommende Baryt als Schwerspat von den Suggentaler Barytwerken gefördert.


Literatur

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  • Schneider, K., 1995; Bergbauspuren. In Das Glottertal. Geschichte und Erinnerungen. Beitrag zur 25-Jahr-Feier der Gesamtgemeinde Glottertal, Hoch, B. et al. (Hrsg.), 1995, 176-181
  • Sprandel, R. 1971; Bergbau und Verhüttung im frühmittelalterlichen Europa. Sett. di Studio del Centro Italiano di Studi sull'alto Medioevo 18 (Kongreß Spoleto 1970), 583-601
  • Steen, H., 1995; Bergbau und Mineralien aus dem Suggental bei Waldkirch im mittleren Schwarzwald, Der Erzgräber, 2, 7 Abb., 1 Tab., Oberwolfach 1995, 104-117
  • Steen, H., 2004; Geschichte des modernen Bergbaus im Schwarzwald. 485 S., zahlr. Abb., Norderstedt (Books on Demand GmbH)
  • Steuer; H., 1991; Erzbergbau im Schwarzwald zur Salierzeit
  • Steuer, H., Zettler, A., 1996; Der Bergbau und seine Bedeutung für Freiburg. In Haumann, H., Schadeck, H., Geschichte der Stadt Freiburg im Breisgau, Bd. 1: Von den Anfängen bis zum „Neuen Stadtrecht“ von 1529, Stuttgart 1996
  • Werner, W., Franzke, H. J., 1994; Tektonik und Mineralisation der Hydrothermalgänge am Schwarzwaldrand im Bergbaurevier Freiamt-Sexau, Abh. geol. Landesamt Baden-Württemberg., 14, 22 Abb., 1 Tab., 3 Taf., Freiburg 1994, 27-98
  • Werner, W., Dennert, V., 2004; mit Beiträgen v. Meyerdirks, U., Tegel, W., Lagerstätten und Bergbau im Schwarzwald. Ein Führer unter besonderer Berücksichtigung der für die Öffentlichkeit zugänglichen Bergwerke, 271 Abb., Freiburg (Landesamt f. Geol. Rohst. Bergb. Baden-Württ.) 2004, 334 S.
  • Werner, W., Franzke, H. J., Wirsing, G., Jochum, J., Lüders, V., Wittenbrink, J., 2002; mit einem Beitrag v. Steiber, B., Die Erzlagerstätte Schauinsland bei Freiburg im Breisgau – Bergbau, Geologie, Hydrogeologie, Mineralogie, Geochemie, Tektonik und Lagerstättenentstehung, Ber. Naturforsch. Ges. Freiburg i. Br., 92/1, 110 S., 26 Abb., 10 Tab., 16 Taf., Freiburg 2002
  • Zimmermann, U., 1993; Untersuchungen zum frühen Bergbau im Südschwarzwald. In: Steuer H. / Zimmermann U.(Hrsg.), Montanarchäologie in Europa. Archäologie und Geschichte 4. Sigmaringen, 201-230. Englisch in: R. Francovich (Ed.), Archeologia delle Attività Estrattive e Metallurgiche. Siena 1993, 453-484

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Mineralienportrait/Silber [ Vorherige: Stephanit | Nächste: Eigenschaften ]

Eingefügter Text von Mineralienportrait/Silber/Silbervorkommen im übrigen Deutschland

Silber

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Holzappeler Taler aus Feinsilber, 1774
Er trägt auf der Rückseite die Inschrift:
Carl Ludwig Fürst zu Anhalt-Schaumburg
Archiv: Collector

Silbervorkommen im übrigen Deutschland


Das Rheinische Schiefergebirge

Das im Oberen Paläozoikum vor etwa 320 Mio. Jahren gebildete Grundgebirge des Rheinischen Schiefergebirges war mit einem relativ flachen Meer bedeckt. Es erstreckte sich vom Pariser Becken über die Mosel, den Hunsrück und Taunus im Süden, die Ardennen, die Eifel und das Sauerland im Norden, und umfasste ebenfalls das Bergische Land, das Siegerland und den Westerwald.

Das Rheinische Schiefergebirge entstand im Paläozoikum während der Variszischen Orogenese. Struktur und geologische Entwicklung hängen mit dem Harz und den englischen Kohlebecken in Devon, Cornwall und Pembrockshire zusammen. Im Unteren Devon entstand ein ausgedehntes Meer und bedeckte das oben beschriebene Gebiet. In diesen Ozean wurden große Massen von flach marinen klastischen und karbonatischen Sedimenten am gleichzeitig absinkenden Meeresboden bis zu 1.000 m Mächtigkeit abgelagert. Aus diesen Sedimenten entstanden Quarzite (Taunus), Grauwacken und Schiefer (Hunsrück, an Rhein und Lahn).

Regional, vor allem in der Eifel und im Westerwald, sind auch vulkanische Gesteine aus dem Paläogen als auch aus dem Neogen mit einer Gesamtmächtigkeit zwischen 3 und 12 km vertreten. An den Rändern des Rheinischen Schiefergebirges liegen Gesteine aus der Zeit des Perms, der Trias, des Jura und der Kreide. In den Becken im Innern des Rheinischen Schiefergebirges und der Niederrheinischen Bucht finden sich in größerem Umfang paläogene und neogene Sedimente der jüngeren Erdgeschichte.

Durch tektonische Vorgänge im Oberen Devon und Unteren Karbon wurde die Erdkruste angehoben, gefaltet und versetzt. In die entstandenen Spalten drangen mineralhaltige Lösungen aus der Tiefe. In den unteren Schichten bildete sich Siderit, darüber folgen Galenit und Sphalerit und in der obersten Zone silberhaltiger Galenit und andere silberhaltige Erze. Im Bereich der unteren Lahn entstanden von Holzappel über Bad Ems bis nach Braubach die bedeutendsten Lagerstätten des Rheinischen Schiefergebirges mit Erzgängen, welche als wichtigste Mineralien Galenit, Chalkopyrit, Sphalerit und Siderit führten. Diese Erzgänge verlaufen von Südwesten nach Nordosten parallel zueinander.

Das Lahn-Hunsrück-Erzrevier hat eine mehr als tausend Jahre alte Bergbautradition, welche örtlich bis in die Zeit der römischen Besetzung zurückreicht. Die bekanntesten Blei- und Silbergruben gab es bei Bad Ems, Braubach, Lahnstein (Friedrichssegen) und Holzappel. Vom Mittelalter bis zur Industrialisierung existierten auch viele kleinere Gruben auf den verschiedenen Erzgängen.


Bad Ems

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Historische Ansicht von Bad Ems
Stich von Mathäus Merian, 1655
In: Topographia Hessiae (1655)
Archiv Collector

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Ansicht einer Blei-Silbererzgrube
bei Bad Ems, Ende 19./Anf. 20. Jh.
Archiv: Collector

Soweit durch die Funde eines Schmelzofens und von Tagebauen nachvollziehbar ist, wurden die Blei-Zink-Erzgänge bei Bad Ems vermutlich schon während der römischen Besetzung (etwa 90 bis 260 n. Chr.) abgebaut. Davon zeugen auch alte Funde von Werkzeugen und Pingen im Emser Wald.

Eine Urkunde von Kaiser Friedrich I. aus dem Jahr 1158 erwähnt die Silbergruben zu Bad Ems. Danach liegt die Geschichte des Bergbaus für mehrere Jahrhunderte im Dunkeln, ausgenommen Berichte aus dem 18. Jh., welche von regem Bergbau im 14. und 15. Jh. sprechen. Die Blütezeit des Blei-Silberbergbaus begann erst im Jahr 1766 mit dem Höhepunkt im 19. Jh.


Braubach

Die Wein- und Bergbaustadt Braubach liegt am Rhein, ca. 10 km südlich von Koblenz und gehört zum Rhein-Lahn-Kreis. Im Jahr 1276 erhielt Braubach aufgrund seiner reichen Bodenschätze die Stadtrechte. Ein früher Bergbau auf Eisenerze fand bereits in der La Tène-Zeit, der keltischen Eisenzeit vom 4. bis 1. Jh. v. Chr., statt. Etwa 150 Jahre später, um 50 n. Chr., förderten die römischen Besetzer Silber. Eine erste urkundliche Erwähnung eines Silberbergbaus und damit auch des Ortes selbst, stammt aus dem Jahr 691, belegt in Aufschreibungen von 1680. Die Bergfreiheit erhielt Braubach im Jahr 1536, verbunden mit zahlreichen Privilegien für die Bergleute und mit strengen Gesetzen und sittlichen Verhaltensregeln für die Bewohner der Stadt.

1691 wurde die Silberhütte Braubach gegründet, in welcher vorrangig Silber erzeugt wurde. Da das oberflächlich vorhandene Silber im Laufe der Jahrhunderte so gut wie ausgebeutet war und dann in das Haupterz Bleiglanz überging, wurde der Betrieb der Hütte auf Bleiproduktion umgestellt. Zwischen dem Ende des 17. Jh. bis 1833 wechselten sich Stillegungen und Wiederaufnahen des Bergbaus ab. 1833 gab es eine Reaktivierung mit Erteilung neuer Schürfrechte. In dieser Zeit wurde u.a. die Grube Rosenberg, sowie fünf weitere Schächte angelegt. 1877 wurden die Gruben von den Emser Blei- und Silberwerken und im Jahr 1909 von der Stolberger Zink AG übernommen.

Das Roherz wurde in Ems auf der Silberau weiter verarbeitet, im Jahr 1912 wurde die Aufbereitung auf der Kerkertser in Betrieb genommen. Bedingt durch den ersten und zweiten Weltkrieg gab es in Deutschland großen Bedarf für Blei, welches als Munition verschossen wurde. Als letzte Grube wurde 1963 die Grube Rosenberg geschlossen, die ehemalige Hütte dient heute als Recyclingwerk für Schrott.


BILD:1220336883

Braubach im Jahr 1655
Stich von Mathäus Merian in
Topographia Hessiae (1655)
Archiv: Collector

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Grube Rosenberg / Braubach
Ansichtskarte ca. 1920
Archiv: Toni Moritz

BILD:1220269006

Blei- und Silberhütte Braubach
Historische Ansichtskarte
Archiv: Toni Moritz


Friedrichssegen

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Grube Friedrichssegen
Postkarte aus dem Jahr 1905
Archiv: Collector

Das ehemalige Bergbaudorf Friedrichssegen ist heute Teil der Stadt Lahnstein im Rhein-Lahn-Kreis, ca. 5 km südlich von Koblenz nahe der Mündung der Lahn in den Rhein. Es wird vermutet, dass schon die Römer auf dem Gebiet der Lagerstätte Friedrichssegen nach silberhaltigem Bleiglanz geschürft haben. Die Bergbauaktivitäten der ersten 1.300 Jahre sind leider nur durch eine einzige Urkunde dokumentiert. Gesichert ist nach dieser die Vergabe von Schürfrechten von König Friedrich II. an den Mainzer Erzbischof Sigfrid im Jahre 1220. Für den Zeitraum bis zur nächsten urkundlichen Erwähnung des Erzbergbaues m Lahnsteiner Wald aus dem Jahre 1768 können bergbauliche Aktivitäten nur vermutet werden.

Im Jahre 1850 entstand der Name Zeche Friedrichssegen. Die Anlage wurde 1852 als Anonyme Aktiengesellschaft des Silber- und Bleibergwerkes Friedrichssegen bei Oberlahnstein geführt. Damit begann die eigentliche Hochblüte des Erzbergbaus. Grubenbaue und Anlagen wurden ständig erweitert. Friedrichssegen hatte eine der für die damalige Zeit modernsten Aufbereitungsanlagen. Im Jahr 1880 wurde die erste Grubenzahnradbahn des Königreiches Preußen installiert, 1884 der Bahnhof Friedrichssegen eingeweiht.

Die Ausbringung der Grube betrug im Jahr 1886 mehr als 13.000 t Erz, die Gesamtstollenlänge 22,7 km und die tiefste Teufe 664 m. Im Jahr 1898 stellten die Besitzer der Grube fest, dass die Erzvorräte erschöpft waren, setzten das Bergwerk von der 7. bis zur 11. Sohle unter Wasser und verkauften die Grube im Jahr 1900. Es folgten zwei weitere Phasen der Bergbauaktivität von 1904 bis 1913 und von 1926 bis 1928, welche jedoch bei weitem nicht die Erwartungen der Aktionäre erfüllten. Friedrichssegen wurde nach Aufbereitungsarbeiten der Halden endgültig im Jahr 1952 aufgelassen.


Holzappel

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Betriebsstollen zwischen Stephansschacht
und Mittelschacht Holzappel, Taunus, Rheinland-Pfalz. 2006.
Foto: Doc Diether

Holzappel liegt in der Esterau im Westerwald, etwa 8 km westlich von Diez, 10 km südöstlich von Montabaur und 11 km westlich von Limburg a. d. Lahn im Rhein-Lahn-Kreis von Rheinland-Pfalz. Bis 1688 hieß der Ort Esten, die erste urkundliche Erwähnung unter dem Namen Astine datiert auf das Jahr 959. Er war Verwaltungs- und Gerichtssitz der Esterau ("Praedia Asstine"). Anschließend wurde er Herrschaftssitz der Grafschaft Holzappel.

Die Silber-Bleierzgrube Holzappel existierte von 1751 bis 1952. Mit einer Teufe von ca. 1.100 m gehörte sie zu den tiefsten Erzbergwerken Deutschlands. In insgesamt 25 Tiefbausohlen wurden auf einer Streckenlänge von 45 km unter Tage Blei-, Zink-, und Kupfererze sowie silberhaltiger Bleiglanz abgebaut. Nach fast genau 200 Jahren waren die Erzvorräte erschöpft und gingen in der Teufe in Quarz über. In den 200 Jahren Betriebstätigkeit der Grube wurden aus den geförderten Erzen 216.000 t Blei-, 746.000 t Zink- und 5,5 t Silberkonzentrat erzeugt.

Bekannt wurden die ab 1774 geprägten Holzappeler Taler und Halbtaler, welche aus dem im Hüttenbachtal erschmolzenen Feinsilber bestanden. Das Bergbaumuseum Holzappel beherbergt einige original Erzstufen der ehemaligen Mineraliensammlung des Erzherzogs Stephan von der Schaumburg.

Literatur zum Rhein-Lahn-Kreis

  • BSB-Recyling-GmbH (Hrsg.), 1991; 300 Jahre Blei- und Silberhütte Braubach: 1691 - 1991; Lahnsteiner historische Schriftenreihe
  • David, W., 1991; 300 Jahre Blei- und Silberhütte Braubach 1691-1991; BSB Recycling GmbH - Firmenbroschüre
  • David, W., 2001; Bergbau in Braubach. Eine Dokumentation mit 28 Abbildungen
  • David, W., 2002; Bergmännische Skizzen von der Lahn und Dill von Berg- und Hütteningenieur Ihne. 40 S. : Ill. - aus: Allgemeine Berg- und hüttenmännische Zeitung 1859 / 60
  • Einecke, G. 1932; Der Bergbau- und Hüttenbetrieb im Lahn-Dill-Gebiet, Wetzlar und in Oberhessen
  • Girmann, F., 1994; Der Emser Bergbau. - In: Bergbau im Rhein-Lahn-Kreis; Hrsg.: Kreisverwaltung Rhein-Lahn: 41 - 45
  • Girmann, F., 1994; Das Bergwerk Friedrichssegen. - In: Bergbau im Rhein-Lahn-Kreis; Hrsg.: Kreisverwaltung Rhein-Lahn, 37 - 40
  • Heep, H., 1932; Friedrichssegen einst und heute; Nassauische Blätter
  • Nagel, A., 1999; Die Silbergrube. In: Kuhn, Werner: Bobenthal, mit Beitr. von Albert Nagel; 254 - 262
  • Odernheimer, F., 1865; Das Berg- und Hüttenwesen im Herzogthum Nassau
  • Scheid, R., 1994; Der Holzappeler Gangzug mit "Grube Holzappel". - In: Bergbau im Rhein-Lahn-Kreis; Hrsg.: Kreisverwaltung Rhein-Lahn
  • Scheid, R., 2004; Die Grube Holzappel und ihre zweihundertjährige Bergbaugeschichte 1751 bis 1952. - In: Die Esterau; Hrsg.: Förderverein "Heimatmuseum Esterau e.V.; 108 - 145
  • Schmidt, V., 2004; Holzappel und ihre zweihundertjährige Bergbaugeschichte - 1751 bis 1952
  • Schnorrer-Köhler, G., 1990; Die Minerale des Emser Gangzuges 1990
  • Selig, G.; 1876; Beschreibung der auf der Grube Friedrichssegen vorkommenden Mineralien
  • Wenkenbach, F., 1861; Beschreibung der im Herzogthum Nassau an der unteren Lahn und dem Rhein aufsetzenden Gänge

Silber im Odenwald

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Alte Halden der ehem. Grube
Anna-Elisabeth im Schriesheimer Tal
Anfang 20. Jh.
Archiv: Collector

BILD:1251024774

Silber
Steinbruch Glasberg, Niederbeerbach
Größe: 2,3 x 3,7 cm
Foto: John Veevaert

Im Mittelalter gab es im Berg Branich in Schriesheim aktiven Bergbau auf Silber. Wenngleich die Grube Anne-Elisabeth erst 1473 urkundlich erwähnt wurde, ist bekannt, dass sich bereits im Jahr 1012 König Heinrich II. Besitzrechte vorbehalten hatte. Man geht zudem davon aus, dass die Lagerstätte schon im 13. Jh. durch die Ritter von Strahl erschlossen wurde.

Zwischen 1470 und 1550 wurde der Silberbergbau von einer Gewerkschaft betrieben. Wegen Erschöpfung der Silbererze dann der Abbau im Jahr 1548 eingestellt. Ab 1680 wurde dann in der Grube Eisenvitriol gefördert und verarbeitet, welcher in der Färberei und als Desinfektionsmittel Verwendung fand. Da der Abbau dieses Materials jedoch wenig erfolgreich war, wurde die Grube 1817 endgültig geschlossen.

Bekannt ist auch das Silbervorkommen des Steinbruchs Glasberg bei Nieder-Beerbach im Kreis Nieder-Ramstadt, ca. 10 km südöstlich von Darmstadt. Von dieser Lagerstätte stammt gediegen Silber und Akanthit in einem Gabbro mit sulfidischen Linsen, welche von einem Ag-Hg-trächtigen Barytgang durchschnitten werden.


Literatur zum Odenwald

  • Blömeke, C., 1893; Erzlagerstätten im Odenwald. Z. prakt. Geol.: 1, 346 - 347
  • Christ, K., 1914; Alter Bergbau an der Bergstraße; Mannheimer Geschichtsblätter 1914, 18 - 21
  • Fettel, M., 1975; Bergbaugeschichte des Odenwaldes; Aufschluss Sonderband 27, 267 - 280
  • Köbrich, C., 1928; Handbuch der hessischen Bodenschätze, Heft 3; Hess. Erzvorkommen Teil I: Die Nichteisenerze; 111 S.
  • Mössinger, F., 1955; Aus der Gechichte des Odenwälder Bergbaus; Aufschluss Sonderheft: 2, 75 - 81
  • Nickel, E., Fettel, M., 1985; "Odenwald", Sammlung geologischer Führer 65, 2nd ed., Bornträger
  • Ramdohr, P., 1975; Der Silberkobalterzgang mit Kupfererzen am Wingertsberg bei Nieder-Ramstadt im Odenwald; Aufschluss Sonderband 27, 237 - 244

Silber im Bayrischen Wald

BILD:1247847681

Historische Ansicht des Silberberges
mit dem Vitriolwerk um 1898
Archiv: Collector

Im Pabenmaiz (Bodenmais) wurde erstmals um das Jahr 1300 Bergbau auf Gold dokumentiert. Seit 1463 existieren auch Unterlagen über den Abbau der Erzlagerstätten im Gipfelbereich. Mitte des 15. Jh. wurde in der Grube des Allmächtigen Gottes Gabe nach Silber geschürft, bzw. nach silberhaltigem Bleiglanz. 1485 erhielt der Ort besondere Priviliegien: im Jahr 1522 einen großen Freiheitsbrief, in welchem Bodenmais zur vollkommen gefreiten Bergstadt erhoben wurde. Wegen Erschöpfung des Erzes wurde der Silberbergbau 1542 eingestellt.

Im Mittelalter wurden die Erzlager durch Feuersetzen, d.h. dem Erhitzen des Gesteins durch offene Feuer und anschließender Abkühlung mit Wasser, abgebaut. Die Erze wurden in Stollen mit einer Gesamtlänge von ca. 20 km erschlossen. Der etwa 500 m lange Barbarastollen war wohl die mächtigste Erzlagerstätte.


Literatur zum Bayrischen Wald

  • Blendinger, H., Wolf, H., 1971; Die Magnetkieslagerstätte Silberberg bei Bodenmais und weitere Erzvorkommen im hinteren Bayerischen Wald. Der Aufschluss, Sonderband 21, 108 - 139
  • Haller, R., 1971; Fragmente zur Geschichte des Schwefelkiesbergwerks am Silberberg bei Bodenmais. Der Aufschluss, Sonderband 21, 207 - 212
  • Martens, A., 1952; Mineral-Fundpunkte - Der Silberberg bei Bodenmais. Der Aufschluss, Jg. 3, Nr. 11, 173 - 174
  • Obermüller, T., 1993; Der Silberberg bei Bodenmais/Bayer. Wald. Ein Beitrag zur Bergbaugeschichte und Mineralogie. Der Aufschluss, Jg.44, Nr.4, 201 - 224
  • Pfaffl, F., 1977; Der Silberberg bei Bodenmais. Lapis, Jg.2, Nr. 9, 20
  • Pfaffl, F., 1990; Die Mineralien der Sulfiderz-Lagerstätte Silberberg bei Bodenmais, Bayrischer Wald. Mineralien-Welt, Jg.1, Nr.3, 49 - 55
  • Strunz, H., 1971; Mineralien und Lagerstätten der Metamorphen Gesteine / Die Sulfidlagerstätten bei Bodenmais und Lam. Der Aufschluss, Sonderband 21, 14 - 29


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Mineralienportrait/Silber [ Vorherige: Stephanit | Nächste: Eigenschaften ]

Eingefügter Text von Mineralienportrait/Silber/Europa

BILD:1216727722

Eine der Prachtstufen mit Akanthit und Calcit,
für welche Kongsberg berühmt ist
Größe: 10,2 x 6 cm
Gefunden im 19. Jh.
Wert Anfang der 2000er Jahre ca. 70.000 Euro
Foto: Kevin Ward

Silber

Die berühmtesten Silbervorkommen Europas


Kongsberg in Norwegen

BILD:1228998851

Kongsberg im 17. Jahrhundert
Zeitgenössischer Stich aus dem 18. Jh.
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