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Silber

Neuentdeckungen in Spanien nach dem Niedergang des Vizekönigreiches Peru


Sierra Almagrera in Almeria

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Las Herrerias im Jahr 1905
Unbekannter Autor
Bildarchiv: Collector

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Offener Tagebau Roza de Santa Matilde
Las Herrerias, Cuevas de Almanzora
Almeria, Spanien
Foto: Frank de Wit

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Feinstgespinst aus Silberdraht, herausgeätzt
Las Herrerias, Cuevas de Almanzora
Almeria, Spanien
Größe: 5 x 4 cm
Foto: Carlos Pareja

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Hg-reicher Kongsbergit
ein für die Sierra de Almagrera charakteristisches Silbermineral
Foto: Carlos Pareja

Als Javier de Burgos im Jahr 1833 die Provinz Almeria im Rahmen einer territorialen Neuordnung Spaniens schuf, hatte der Ort Cuevas de Almanzora 8.000 Einwohner, die wesentlich von der Landwirtschaft lebten, deren Leben jedoch wenig später im Jahr 1838 einen außergewöhnlichen Wandel erlebte. In diesem Jahr wurde ein Gang von gediegenem Silber im Barranco del Jaroso in der Sierra Almagrera entdeckt. Diese Entdeckung löste ein Berggeschrei von ungeahnter Stärke aus, zusätzliche Schürfarbeiten zeigten weitere reiche Gänge von silberhaltigem Bleiglanz auf. Jeder wollte an diesem Silberboom teilnehmen und es entstand ein regelrechter Krieg um Abbaukonzessionen.

Zwischen dem Jahr der Entdeckung und 1847 brach ein unerwarteter Reichtum über die Stadt herein, selbst ehemals arme Arbeiter bauten sich Paläste. Im umliegenden Gebirge entstanden unzählige Aufbereitungsanlagen, welche hunderten Menschen Arbeit gaben. Um 1850 lebten etwa 16.000 Menschen in Cuevas. Doch bald entstanden die ersten Probleme durch Wassereinbrüche in die Gruben, was die Grubenbesitzer zu höheren Investitionen zwang und gleichzeitig mit der Erschöpfung der reichen Erze einherging. Aus dieser Situation entstand eine definitive Krise, welche um 1870 ihren Höhepunkt erreichte und den Silberbergbau praktisch zum Erliegen brachte.

Wie durch ein Wunder wurde nicht weit von Cuevas de Almanzora um 1877 silberhaltiges Eisenerz in Las Herrerias (deutsch: Schmiede) entdeckt. Zwischen dem Ende des 19. und bis weit hinein ins 20. Jh. sprossen Gruben und Schmelzereien aus dem Boden und gaben der Landschaft ein neues Gesicht. Eine Grubeneisenbahn transportierte das Silber zum Hafen von Almeria.

Die Entdeckung der Silberlagerstätten in der Sierra Almagrera war kein neues Phänomen, vielmehr bezeugen zahlreiche Relikte karthagischer Kolonien, welche in diesem Gebiet, z.B. in Baria im heutigen Villaricos vorhanden waren, dass das reiche Erz des Gebietes seit uralter Zeit bekannt war und bereits vor mehr als 2.000 Jahren abgebaut wurde.


Literatur

  • Fernandez Bolea, E., 2004; Sierra Almagrera y el Almanzora en el Siglo XIX: Las primeras minas argentiferas tras la caida de la America continental. Rev. Bibl. geografia y Scienc. Soc. IX, 537
  • Hueso, R., Rodriguez Gordillo, J., López Aguayo, F., 1981; Las jarositas de Sierra Almagrera (Almería): mineralogía y génesis. Bol. Soc. Esp. Mineral. 4, 29 - 36
  • Lopez Aguayo, F., Hueso, R., Rodriguer Gordillo, J., 1983; Procesos de alteración supergénica en Sierra Almagrera (Almería): los sulfatos solubles. Bol. Soc. Esp. Mineral. 7, 101 - 110
  • Martinez Frias, J., Garcia Guinea, J., Lopez Ruiz, J., Lopez Garcia, J. A., Benito Garcia, R., 1989; Las mineralizaciones epitermales de Sierra Almagrera y de la cuenca de Herrerías, Cordilleras Béticas. Bol. Soc. Esp. Mineral. 12, 261 - 271
  • Morales Ruano, S., 1994; Mineralogía, Geoquímica y Metalogenia de los Yacimientos Hidrotermales del Sureste de España (Águilas-Sierra Almagrera). Resumen de Tesis Doctoral. Bol. Soc. Esp. Mineral. 17, 259 - 260

Hiendelaencina in Guadalajara

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Förderturm der Grube Santa Catalina
(nicht authentisch, dieser Turm stammt aus dem Revier La Union bei Cartagena, Murcia und wurde Anfang der 1980er Jahre nach Hiendelaencina verbracht)
Foto: Collector

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Freieslebenit - eines der charakteristischen Silbermineralien der Lagerstätte Hiendalaencina Eingewachsene Kristalle bis 5 cm in einer reichen Freibergiterzmatrix
Mina San Carlos, Hiendalaencina
Fund Mitte 19. Jh.; Größe: 9,7 x 5 cm
Foto: Rob Lavinsky

Das Dorf und das Bergbaurevier Hiendelaencina liegen etwa 30 km südwestlich von Atienza und ca. 100 km nordwestlich von Madrid. Nicht wenige der alten Schachtanlagen, Schornsteine der Aufbereitungsanlagen und alte, jedoch zerstörte Gebäude aus der Hochblüte des Silberbergbaus sind noch vorhanden und legen Zeugnis für dieses berühmte Bergbaurevier ab. Ein Muss für Interessierte der europäischen Bergbaugeschichte.

Die Lagerstätte liegt in einem zentralen Gneismassiv, umgeben von silurischen Quarziten und Schiefern, welche im Zusammenhang mit der alpinen Bewegung erodierten. Unregelmäßig verlaufen Erzgänge, durchschnittlich 20 cm mächtig; die Charakteristik der Gänge ist mit der von Freiberg vergleichbar (Targhetta, J. B.; 1959).

In den Hauptabbauphasen wurden hervorragende Exemplare von Silbermineralien geborgen, welche sich heute fast alle in Museen oder wenigen Privatsammlungen befinden. Sehr gut kristallisierter Freieslebenit, Proustit und Pyrargyrit, Akanthit, Diaphorit, Dyskrasit, Freibergit, Miargyrit, Polybasit, Stephanit und Sternbergit waren nicht selten. Ausgezeichnete Miargyrite und Stephanit kamen vom Gang Teresa, ansehnliche Bromargyrite und Miargyrit vom Gang La Suerte und vom Gang San Carlos stammen wohl die schönsten Freieslebenite.

Das Silbervorkommen bei Hiendalaencina wurde 1844 entdeckt und bis ca. 1925 in mehreren erfolgreichen Phasen abgebaut (1844 - 1870, 1889 - 1897, 1903 - 1915). Bis zum ersten Weltkrieg führten die Silbererze teilweise bis zu 200 kg Silber pro Tonne. Seit 1916 erlebte die Förderung ihren Niedergang, da die zunehmende Tiefe, zusammen mit anderen Faktoren, einen Bergbau nach dem damaligen Stand der Technik unwirtschaftlich werden ließ.

Die wichtigsten und reichsten der insgesamt 27 Gänge waren Filon Rico, Valenciana, La Riqueza, Verdad de los Artistas (bekannt für hervorragende Bournonite), Relampago, Teresa Carlos, Vascongada, Laura, La Suerte, San Carlos, Santa Cecilia, Malanoche, Mallorquina und S. Guillermo.

Der Silbergehalt lag häufig bei ca. 100 kg pro Tonne. Bezogen auf eine Mächtigkeit der Gänge von ca. 20 cm, entsprach dies etwa 23,08 kg Silber pro m2. Die Aufbereitung des Erzes fand in der Anlage La Constante statt, welche von englischen Ingenieuren errichtet wurde. In den 1970er Jahren wurden durch das geologisch-mineralogische Institut (ITGE) Untersuchungen durchgeführt, um die Möglichkleit der Aufbereitung des alten Haldenmaterials und der Neueröffnung der Gänge Santa Teresa und La Suerte (1 kg Silber pro t) zu prüfen - mit positivem Resultat. Dies führte etwa 1982 zur Gründung einer neuen Gesellschaft, die Investition in eine Flotationsanlage in San Carlos mit einer Kapazität von ca. 500 t/d. Diese wurde zwischenzeitlich wieder stillgelegt und erst ab 1994 wieder in Betrieb genommen. Neueste Analysen ergaben, dass das wiederaufbereiteten Material nicht nur Silber, sondern auch Gold (500g/t), Osmium (2.500g/t), Palladium und andere wertvolle Metalle enthält. Bis vor kurzem wurde nur Material der Mina La Suerte aufbereitet. Es dürfte nicht unwahrscheinlich sein, dass Hiendelaencina eine zweite, wenn auch kleine Hochblüte erleben könnte.


Pläne für einen neuen Silberbergbau

In den 1970er Jahren wurden durch das spanische Instituto Tecnologico Geominero de Espana (ITGE) neue Explorationsarbeiten durchgeführt die eine bis zu 300 m lange Silbervererzung nachwiesen. Diese entspricht in etwa der Menge, welche im historischen Bergbau in Hiendelaencina gefördert wurde (ca. 6.000 t Silbermetall, welches im Jahr 2008 einem Marktwert von etwa 2,3 Mrd. Euro entspricht).

Die spanische Zeitung Europa Press berichtete am 2. Juli 2008, dass das deutsche Unternehmen Deutsche Rohstoff AG (DRAG) eine technisch-wirtschaftliche Feasibility-Studie durchführe, um zu prüfen, mit welchen Mitteln die explorierten Erze effizient abgebaut werden können. Wie der Sprecher der Umweltschutzbewegung von Guadalajara, Alberto Mayor, mitteilte, steht diesem Vorhaben der DRAG jedoch gegenüber, dass ein zukünftiger Silberbergbau in Hiendelaencina absolut inkompatibel mit dem aktuellen und zukünftigen Umweltschutz des Gebietes sei und die Natur beeinträchtigen würde. Die beantragten Probeschürfe, bzw. Bohrungen während der nächsten drei Jahre, liegen im Bereich des zukünftigen, etwa 65 km2 Naturparks "Sierra Norte" (Original: La petición para realizar sondeos durante los próximos tres años, se encuentra dentro del futuro Parque Natural "Sierra Norte", afecta a más de 65 kilómetros cuadrados y a nueve términos municipales (Gascueña de Bornova, Hiendelaencina, La Bodera, Robledo de Corpes, Palmaces, Villares de Jadraque, Angón, Congostrina y Atienza).

In der nicht auszuschließenden Annahme, dass die neu aufgefundenen Gangvererzungen mit denen der Vergangenheit identisch sind, könnte dies bedeuten, dass ein zweites Mal ausgezeichnete Silbermineralstufen gefunden werden. Ob die dann angewandten modernen Abbaumethoden eine Bergung von Stufen zulassen, ist jedoch fraglich.

Literatur

  • Gismera Angona, A., 2008; Hiendelaencina y sus minas de plata
  • Calvo, M., Sevillano, E., 1995; Famous mineral localities: Hiendelaencina Guadalajara Prov. Spain. Min. Record. 23, 241 - 249
  • Pernicka, E., Bartelhei, M. (Hrsg.), 2007; Die Rolle der Metallurgie in vorgeschichtlichen Gesellschaften. Sozioökonomische und kulturhistorische Aspekte der Ressourcennutzung. Ein Vergleich zwischen Andalusien, Zypern und dem Nordalpenraum
  • Vera, J. A. (Hrsg.), 2004; Geología de Espana


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