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Silber

Silberbergbau der Tartessen, Griechen, Phönizier und Römer


Der attische Bergbau bei Laurion (Λαύριον (altgr.), Λαύριο (neugr.), Lavrio)

Silberbergbau in Laurion
Silberbergbau in Laurion

Silberverhüttung im antiken Griechenland; Eine der wohl ältesten Archäometallurgiedarstellungen des alten Griechenland; Pinax von Penteskoupiah in Korinth zwischen 575 - 550 v.Chr. Darstellung eine...

Archiv: Peter Seroka (Collector)
Antiker Bergbau
Antiker Bergbau

Darstellung einer Bergbauszene im antiken Griechenland auf einem 1879 bei Penteskouphia SW von Korinth gefundenen; Tontafel, welche etwa um 600 v.Chr. als Weihetafel in einem Poseidongarten hing. T...

Archiv: Peter Seroka (Collector)
Tetradrachme aus Silber
Tetradrachme aus Silber

Tetradrachme, Rückseite der Eule. 200-150 v.Chr., Silber aus Lavrion. Motiv: Kopf der Athene; Fto: Marie-Lan Nguyen; Cabin. des Medailles, Bibl. Nat. de France, Paris

Public Domain
Tetradrachme aus Griechenland
Tetradrachme aus Griechenland

Silberne Tatradrachme, 200-150 v.Chr., Eule auf Olivenzweig; Foto Marie Nguyen

Public Domain

Das Bergbaugebiet Laurion liegt in der südwestlichen Ecke der Halbinsel Attika, etwa 40 km südöstlich von Athen. Im Süden wird das Grubengebiet durch das Revier Sounion begrenzt, deren Ausläufer sich bis zu dem Wahrzeichen Lavrions - dem berühmten, 440 v. Chr. im dorischen Stil erbauten Poseidontempel am Kap Sounion erstrecken. Im Norden liegt das Dorf Plaka, im Osten die Stadt Laurion und das Ägäische Meer und im Westen das Gebiet Anavyssos.

In der Antike bezeichnete Laurion das gesamte Gebirgsland im südöstlichen Attika, eine Lokalität namens Laurion hat es jedoch nie gegeben. Nach Grabfunden war die Gegend bereits in der Altsteinzeit besiedelt. Erste bronzezeitliche Bergbauaktivitäten auf Kupfer sind bis auf 3.000 v. Chr. bei Thorikos nachgewiesen worden. Bereits in der mykenischen Epoche wurde Silber von Laurion nach Kreta, Santorin und Ägypten exportiert. Das direkt neben Erzwaschanlagen und Stollen liegende Zechentheater - in der Nähe des Berges Velatouri - ist mit rund 2.500 Jahren das wohl älteste Amphitheater der Welt.

Silber wurde im 6. Jh. v. Chr. zu einem wertvollen Metall, wahrscheinlich, weil durch die Einführung des Kuppelationsprozesses größere Mengen des Metalls hergestellt werden konnten.

Der Aufstieg Athens zur See- und Handelsmacht, aber auch der Fall des Staates, waren eng mit Laurion verbunden. Die Bergwerke lieferten soviel Silber, dass es nach heutigen Maßstäben rationellen Bergbaus und industrieller Verhüttung einem Wert von ca. 1 Mrd. US$ entspräche. Die Silbergruben von Laurion waren Eigentum des athenischen Staates, welcher diese für jeweils drei Jahre an die Athener Bürger verpachtete. Jeder Athener Bürger hatte finanzielle Anteile an den Gruben. Nur durch das Silber von Laurion war es möglich, dass Athen eine große Flotte bauen und mit dieser 480 v. Chr. die größte antike Seeschlacht gegen den Perser Xerxes gewinnen konnte. Der Sieg der durch Silber finanzierten Flotte, an welchem neben Adligen und Kriegern auch die Bürger beteiligt waren, war ungemein wichtig für das Selbstverständnis der Athener und führte in die athenische Demokratie.

Um 580 v. Chr. gehörte Athen zu den ersten Staaten, die Silbermünzen (Drachmen) prägten. Der Spruch Eulen nach Athen tragen beruht auf den Eulen, welche in die Tetradrachmen geprägt wurden.

Nach jahrhundertelanger Ruhezeit wurden die lauriotischen Lagerstätten Mitte des 19. Jh. wieder aufbewältigt und der Bergbau gelangte um 1865 zu einer neuen Blüte. Die letzten Gruben wurden 1984 geschlossen.

Literatur

  • Boeckh, A., 1818; Über die Silberminen von Laurion
  • Demosthenes: "Gegen Pantainetos" (Rede XXXVII)
  • Freund, E., 1989; Laurion. In: Siegfried Lauffer (Hrsg.): Griechenland. Lexikon der historischen Stätten. Verlag C.H. Beck, München
  • Healy, J. F., 1978; Mining and metallurgy in the grek and roman world; London
  • Kalcyk, H. J., 1982; Untersuchungen zum attischen Silberbergbau: Gebietsstruktur, Geschichte und Technik. Frankfurt am Main
  • Kalcyk, H. J., 1983; Der Silberbergbau von Laureion in Attika. Antike Welt 14, 3, 12 ff.
  • Lauffer, S., 1979; Die Bergwerkssklaven von Laureion
  • Mee, C. M., Spawforth,A., 2001; Greece. An Oxford Archaeological Guide. Oxford University Press
  • Skarpelis, N., 2007; The Lavrion deposit (SE Attica, Greece): geology, mineralogy and minor elements chemistry. Neues Jahrbuch für Mineralogie Abhandlungen 183, 227-249
  • Xenophon: "Über die Staatseinkünfte" (IV, 13)
  • Xenophon: "Erinnerungen an Sokrates" ("Memorabilia", Buch II 5,2)
Stolleneingang des Serpieri 5
Stolleneingang des Serpieri 5

Griechenland/Attika (Attikí, Attica)/Lavrion (Laurion)-Gebiet/Kamariza/Serpieri Mine

UlrichW
Chaos Mine
Chaos Mine

Tagebau, Lavrion, Griechenland

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Der Eingang zur Sigia Mine
Der Eingang zur Sigia Mine

Megala Pefka, Lavrion, Griechenland

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Mine No. 80
Mine No. 80

Der Stolleneingang befindet sich in der Bildmitte hinter der Tanne. Heute ist das Stollensystem der 80er Mine ein Wasserreservoir. Daher ist der Zugang zu den Stollen eingezäunt und die Stollen sin...

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Hilarionstollen
Hilarionstollen

Der Hilarion-Stollen ist der S der vier Gruben im Revier Kamariza. Lavrion, Attika, Griechenland.

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Christiana Schacht
Christiana Schacht

Griechenland/Attika (Attikí, Attica)/Lavrion (Laurion)-Gebiet/Kamariza/Christiana-Stollen

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Silber von Tartessos und Turdetanien auf der Iberischen Halbinsel - tartessischer, phönizischer und römischer Bergbau.

Phönizier
Phönizier

Ca. 400 v.Chr., Byblos

Archiv: Peter Seroka (Collector)
Phönizische Münze
Phönizische Münze

Doppelschekel; ca. 375 v.Chr.

Archiv: Peter Seroka (Collector)
Griechisch-römische Ausgrabung
Griechisch-römische Ausgrabung

Griechisch-römische Stadtreste in Spanien

Archiv: Peter Seroka (Collector)

Die Iberische Halbinsel hatte in der Antike den Ruf, das an Metallen reichste Gebiet der damals bekannten Welt zu sein. Dass dieser Ruf begründet war, bezeugen archäologische, besonders montanarchäologische Funde, durch welche man Einblick in wirtschaftliche und kulturelle Verhältnisse gewinnt. Insbesondere Kenntnisse zum Handel, zu den Transportwegen und nicht zuguterletzt zum Bergbau, der Quelle des Reichstums vieler antiker Völker. Silber war eines der wichtigsten und gesuchtesten Metalle, welches die Kulturen der Ägypter, Phönizier, Griechen und Römer miteinander verband.

Tartessos

Das tartessische Reich soll etwa zwischen 5.000 - 500 v. Chr. existiert haben. Der Ursprung seines Namens, seine Lage, und seine Bewohner sind jedoch bis heute eines der Rätsel der Archäologie. Herodot (480 - 425 v. Chr.) berichtet im Jahr 450 v. Chr. von einem sagenhaften Land Tartessos, berühmt für seinen sagenhaften Reichtum an Silber, vergleichbar einem Eldorado der Antike. Herodots Wissen beruhte jedoch auf ca. 200 Jahre alten Quellen und Tartessos gab es zu seiner Zeit schon lange nicht mehr. Er berichtet von einer 6.000 Jahre alten Rechtsprechung der Tartesser. Andere Quellen sprechen von Tartessos als eine um 2.000 v. Chr. entstandene phönizische Niederlassung.

Archäologen vermuten, dass die endbronzezeitliche und früheisenzeitliche Kultur Südspaniens namens Tartessos sowohl ein Reich, eine Kultur, ein Fluss oder eine Stadt oder alles gleichzeitig waren und mit dem heutigen Gebiet zwischen der Mündung des Guadalquivir, der Stadt Cadiz, der Stadt Huelva und dem Fluss Guadalquivir im Nordwesten in Andalusien, was in etwa dem Gebiet der iberischen Metallprovinz Riotinto bzw. der Sierra Morena entsprich, identisch sei. In der modernen Geschichtsschreibung wird das Gebiet zwischen dem Fluss Guadiana im Westen und Cabo de la Nao im Osten und der Sierra Morena im Norden, als tartessisch bezeichnet. Die Entwicklung dieser Kultur, so wird vermutet, wurde durch den Handel mit Phöniziern, hauptsächlich aus Tyros, der ab dem 9. Jahrhundert v. Chr. nachweisbar ist, geprägt. Erste befestigte Siedlungen entstanden im 8. Jahrhundert. Im 6. bzw. frühen 5. Jh. v. Chr. bricht die Kultur ab. Möglicherweise wurde sie von den Karthagern zerstört, die zuvor die Kolonie Gadir, dem heutigen heute Cádiz, auf einer Insel vor der Guadalquivir-Mündung gegründet hatten.

Andere Archäologen wiederum schließen nicht aus, dass es sich bei Tartessos um die Stadt Tarsis (Tarschisch), bzw. eine Stadt der Tyrsenser, ggf. eine sagenhafte, reiche griechische Stadt der Phaiaken (Homer, Odyssee) oder sogar das versunkene Atlantis sei (Platon).

In der Bibel wird an mehreren Stellen der Ortsname Tarsis (hebräisch Tarschisch) erwähnt, dieser Ort jedoch bisher nicht gefunden. Es wird jedoch allgemein akzeptiert (Gerhards, 2006), dass Tarsis, resp. Tarsos, in Kilikien (Flavius Josephus, Jüdische Altertümer, I.6, § 1) mit Tartessos gleichzusetzen sei. Die Wortähnlichkeit mit Tarsos in Kilikien ist wohl damit zu erklären, dass die eigentliche Lage des Ortes vergessen worden war und auf dem ähnlichen Klang der Namen beruht.

In Könige 10,21f EU wird beschrieben, dass die Tarsisflotte Salomos einmal in drei Jahren wertvolle Waren, nämlich Gold, Silber, Elfenbein, Affen und Pfauen bzw. Perlhühner brachte. Dies suggeriert einen sehr weiten Seeweg. Das zweite Buch der Chronik weist in 2 Chr 20,36 EU Tarsis als einen Ort aus, der mit Schiffen über das Wasser erreicht werden kann. In Jesaja 60,9 EU und Jeremia 10,9 EU wird beschrieben, dass aus Tarsis Silber und Gold eingeführt wurden, was dem antiken El-Dorado Tartessos entsprechen könnte. Im Buch Hesekiel 27,12 EU und Ez 27,25 EU steht: Tarschisch kaufte bei dir wegen der Fülle deiner Güter; Silber, Eisen, Zinn und Blei gaben sie für deine Waren. und Die Schiffe von Tarschisch dienten dir als Karawanen für deine Waren.

Der Prophet Jesaja sprach vom bevorstehenden Untergang von Tarsis (Jesaja 23,1-14), eine Prophezeiung, die zur Zeit des Herodot bereits erfüllt war.

Die Ausgrabungen des deutschen Archäologen Adolf Schulten in den Jahren 1905 bis 1911 erbrachten Ruinen aus der Zeit zwischen 2500 und 1200 v. Chr., jedoch keinen Beweis für Tartessos, aber Funde, welche auf ein westliches Gegenstück zu den orientalischen Metropolen Ninive, Babylon oder Theben hindeuten und deren Alter auf 2.600 bis 1.300 v. Chr. geschätzt wird.


Viele Völker auf der Suche nach Silber

Rio Tinto in Huelva, Spanien
Rio Tinto in Huelva, Spanien

Teilansicht des riesigen Bergbaus von Rio Tinto in Huelva, Spanien dessen Ursprünge bereits in Tartessos zu suchen sind

Collector
Cala-Huelva, Spanien
Cala-Huelva, Spanien

Die Mina Manuel-Mercedes in Cala, Huelva auch hier nachweisbarer historischer Bergbau seit 2.000 v. Chr.

Martins da Pedra
La Union-Sierra Cartagena
La Union-Sierra Cartagena

Das historische Bergbaugebiet der Sierra Cartagena; im Südwesten von Spanien

Collector

Bevor die Römer Hispanien beherrschten, wurde das Land von Iberern meist keltischen Ursprungs dominiert, welche man als Lusitanier, Celtiberer und Iberer klassifiziert. Die Lusitanier lebten im Westen bis zur Küste des Atlantik und waren meist Bauern. Die Celtiberer lebten in den Bergen und waren Halbnomaden, während die Iberer sesshaft waren und im Süden und Osten siedelten. Im 6. Jh. v. Chr. etablierten sich die ersten Griechen. In anderen Gegenden lebten Phönizier, welche sehr aktiv Bergbau und Handel betrieben. Ihre wichtigste Stadt an der Westküste war Carthago Nova, das heutige Cartagena, Zentrum des spanischen Erzbergbaus zwischen La Union und Mazarron.

Das Land zwischen den römischen Provinzen Tarraconense und Bética in der heutigen spanischen Provinz Almeria, rund um Cuevas de Almanzora, war Kulturland der Griechen, Phönizier, Iberer, Römer, Araber und Christen, welche sowohl nach arsenhaltigem Kupfer als auch vermehrt nach silberhaltigem Bleiglanz gruben, wie es die Ausgrabungen in Fuente Alamo, Almizaraque und Villaricos bezeugen. Einer der Bergbauschwerpunkte waren die Gruben der Sierra Almagrera und von Almagro.

Castuló und Carthago Nova in Turdetanien

Im Jahr 218 v. Chr. brach der bis 202 v. Chr. dauernde Zweite Punische Krieg zwischen Carthago und Rom aus. Der Besitz der Küsten Hispaniens wurde zum strategischen Ziel der Römer, um den Karthagern die unermesslichen wirtschaftlichen Reserven an Menschen und Material zu entreissen. Oberstes Ziel jedoch war es vom ersten Tage an, in den Besitz der phönizischen Silberbergwerke in Turdetanien zu kommen, welches von der Algarve bis zur Sierra Morena reichte und etwa der heutigen Region Andalusien entspricht. Turdetanien wurde von den Römern in Bética umbenannt wurde.

Für die Römer war Spanien bis zum 6. Jh. n. Chr. das wichtigste Silberförderland, besonders die Lagerstätten von Carthago Nova (Neues Karthago, heute Cartagena), Ilipa, Sisapon, Castuló und das Orospedagebirge, von welchem ein Teil der Silberberg (Argyrun Oros, Mons argentarius) hieß. Hier wurde zuerst von den Phöniziern, dann von den Römern ausgebeutet und aus offenen Gruben (Argyreia, Argentifodinae) gewonnen. In den Bergwerken von Carthago Nova arbeiteten nach Polybios 40.000 Menschen.

Dieses erzreiche Bergbaurevier von Castuló, heute Cazlona nahe Linares, mit dem Mons argentarius, dem Silberberg, wird von Strabon (63 v. Chr. bis 23 n. Chr.) beschrieben, "... dass es auf der Welt kein Gebiet so reich an Gold, Silber, Kupfer und Eisen gäbe, wie die Iberische Halbinsel." (Strabon III, 2,8). An diesem Silberberg lag vermutlich die von Plinius erwähnte Grube Baebelo, über die er im Jahr 77 n. Chr, mehr als 200 Jahre nach Ende des 2. Punischen Krieges schreibt: "Es ist schon erstaunlich, dass die einst von Hannibal in Spanien angelegten Gruben noch heute betrieben werden und dabei noch ihre von den Findern erhaltenen Namen tragen. So heißt heute noch Baebelo die Grube, die dem Hannibal jeden Tag dreihundert Pfund Silber lieferte" (Plinius: Naturalis historia :XXIII 97. Pol. X 38,7).

Römischer Bergbau auf Kupfer, Silber und Eisen wurde auch in der Comarca Andélavo in der Provinz Huelva betrieben, deren Name von Endovélico, dem zumeist als Wildschwein dargestellten prärömischen Gott des Infernos, der Nacht, der Anbetung und der Gesundheit. Die bekanntesten Gruben waren Cabezas del Pasto, Herrerias und Cabezo de Gibraltar in der Umgebung von Puebla de Guzmán.

Die Blei-Silber-Lagerstätten in Plasencuela in der Provinz Cáceres in Westspanien wurden von den Römern von etwa 20 v. Chr. bis 30 n. Chr. bis auf Teufen von 137 m abgebaut und geschmolzen. Das sulfidische Erz trat in schmalen, engen, fast vertikalen Adern in fest geschichteten Schiefern und in Grauwacken auf. Das Ganggestein war Quarz und Kalkspat. Die obere Zone war oxidiert, sodass anzunehmen ist, dass die Römer beim Aufbereiten des Erzes der tieferliegenden Schichten unterschiedliche Schmelzmethoden angewandt haben.

Bei Griechen, Phöniziern und Römern diente Silber für Münzen, Gerätschaften, Gefäße, Instrumente, Spiegel, Schmuckgegenstände und Verzierungen an Kleidungsstücken und Pferdegeschirr. Schon Homer erzählt von einem silbernen Krug als einem Kunstwerk, welchen Achilles zum Preise bei einem Wettlauf aussetzte. Er war von den Sidoniern gearbeitet und Phönizier hatten ihn feil geboten. Unter den Geschenken, welche der König Krösus dem Orakel in Delphi machte, befanden sich silberne Schüsseln und ein silberner Krater, welcher 600 Kannen fasste. Er soll von Theodoros von Samos gefertigt worden sein. Alexander der Große hatte eine 3.000 Mann starke Garde von mit silbernen Schilden (Argyraspiden). Der Silberarbeiter (Argyrelates, Argyropöös, Argyrokopos) hatte seine besondere Werkstätte (Argyreion, Argyrokopeion). In den Häusern reicher Leute gab es eine besondere Silberkammer (Argyrotheke, Argentarium) und bei den Römern einen besonderen Silberdiener (servus ab argento). Cäsar veranstaltete etwa um 65 v. Chr. Gladiatorenkämpfe zu Ehren seines Vaters; bei diesen Leichenspielen sollen 320 der Kämpfer mit silbernen Rüstungen ausgerüstet gewesen sein (Plutarch, 75 n. Chr.).

Asien war reicher an Gold als an Silber, letzteres kam dort namentlich im Kaukasus, in Armenien, Baktrien, Mysien, Karmanien, Arabien und Indien vor. Da aber gegenüber der geringen Ausbeute hier doch so viele Gefäße, Gerätschaften, Münzen etc. von Silber in Gebrauch waren, scheint das Silber durch die Phönizier nach Asien gebracht worden zu sein.

Literatur

  • Blech, M., 2001; Tartessos. in: M. Blech: Hispania antiqua. Dokumente der Frühzeit
  • Blech, M., Barceló, P., 2002; Tartessos. in: Der Neue Pauly 12/1, Stuttgart/Weimar 2002, Spalte 39f.
  • Bunson, M., 1984; Encyclopedia of the Roman Empire
  • Curchin, L. A., 1991; Roman Spain: Conquest and Assimilation
  • Gerhards, M., 2006; Studien zum Jonabuch
  • Healy, J., 1978; Mining and metallurgy inn the Greek and Roman world
  • Keay, S. J.; 1988; Roman Spain. University of California Press
  • Koch, M., 1984; : Tarschisch und Hispanien. Madrider Forschungen 14
  • Mommsen, T., 1906; The Provinces of the Roman Empire. Vol. 1
  • Nostrand van, J. J., 1935; Two Notes on the Mines of Roman Spain; The Pacific Historical Review, Vol. 4, No. 3 (Sep., 1935), 281-289
  • O’Callaghan, J. F. A; History of Medieval Spain, 1987; 2nd ed. New York: Cornell University Press
  • Raddatz, K., 1969; Die Schatzfunde der Iberischen Halbinsel vom Ende des dritten bis zur Mitte des ersten Jahrhunderts vor Chr. Geburt. Untersuchungen zur hispanischen Toreutik. 2 Bände
  • Richardson, J. S., 1986; Hispaniae: Spain and the Development of Roman Imperialism, 218-82BC
  • Schulten, A., 1922; (Neuauflage 1952); Tartessos - Ein Beitrag zur ältesten Geschichte des Westens. Mit Karten und Abbildungen
  • Sutherland, C. H. V., 1939; The Romans in Spain, 217 B.C.- A.D. 117. New York: Barnes & Noble; reprinted in 1971

Sarrabus in Sardinien

Römische Münze - 91 v.Chr.
Römische Münze - 91 v.Chr.

Ein Denar aus der zeit der Röm. Republik, ca. 91 v.Chr.

Archiv: Peter Seroka (Collector)
Römische Silbermünze 238 n.Chr.
Römische Silbermünze 238 n.Chr.

Maximinus Thrax (Maximinus I)

Archiv: Peter Seroka (Collector)

Die Bergbaugeschichte Sardiniens ist fast 6.000 Jahre alt und begann in der Nuraghenkultur mit dem Abbau von Obsidian bei Oristani am Monte Arci im zentralöstlichen Teil der Insel. Die Nuraghener schürften und verarbeiteten seit dem 2. Jtsd. v. Chr. Kupfererz im Gebiet der Gennargentu im Zentrum der Insel. Tausende kleiner Figuren aus nuraghenischer Bronze weisen darauf hin, dass diese erste Hochkultur auf Sardinien bereits über ausgereifte Kenntnisse der Erzverhüttung und Verarbeitung verfügte. Es ist anzunehmen, dass die Metallgewinnungs- und Verarbeitungstechnologien vom östlichen Teil des Mittelmeeres auch nach Sardinien gelangten, wo sie ein hohes Niveau erreichten. Im Zusammenhang mit der Metallverarbeitung entwickelte sich auch die Bergbautechnologie, was letztlich zu einer höheren Erz- und Metallausbringung führte. In der Folge der Jahrhunderte entwickelte sich im Südwesten auch die Förderung von Bleierz, resp. silberhaltigem Galenits.

Nutzbare Erze kommen überall in Sardinien vor. Schwerpunkt und größtes Erzrevier befindet sich bei den Blei-, Zink-, Silber- und Kupfervorkommen im südwestlichen Iglesiente. Einzelne Erzlagerstätten liegen verstreut auf der ganzen Insel, darunter Argentiera (Blei-Zink) sowie zahlreiche kleinere Lagerstätten mit Eisen-, Nickel-, Kobalt-, Zinn-, Molybdän- und Wolframerz. Gold wurde zu allen Zeiten vergeblich in Sardinien gesucht, nie wurde davon auch nur eine Spur gefunden.

Wenngleich Sardinien ein goldloses Land war, gehört es doch zu den silberreichsten der Welt. Gefördert wurde hauptsächlich Silber zur Münzprägung, Blei zum Bau von Rohrleitungen bzw. Ankern für Segelschiffe, Zink und Kupfer für Waffen und Werkzeuge. Viele der heutigen Erzfundstellen haben vorchristlichen Ursprung. Im Altertum konnte Silber noch an der Erdoberfläche oder in sehr geringen Tiefen gefunden werden.

Der gewaltige Reichtum der Bodenschätze und die geografische Lage der Insel zogen zwischen 10. und 8. Jh. v. Chr. phönizische Händler an. Diese nordafrikanischen Kaufleute forcierten den Bergbau, besonders im Iglesiente. Mit der Eroberung der Insel durch die Karthager zwischen 800 und 400 v. Chr. kam der Bergbau zum Erliegen.


Silber mit Akanthit-Sardinien
Silber mit Akanthit-Sardinien

Silber von der Mina Muravera, Sarrabus, Sardinien; 3,2 x 1,7 cm

Kevin Ward

Es dauerte mehr als 150 Jahre, bis die Römer im Jahr 238 v. Chr. die Macht über Sardinien errangen, es zu einer römischen Provinz deklarierten, den Bergbau wieder aufnahmen, neue Abbau- und Verhüttungsverfahren einführten und mittels eines Heeres von Sklaven den Bergbau zu seiner früherer Bedeutung zurückbrachten.

Sardinien mit seinen reichen Blei- und Silbererzvorkommen gehörte mit Spanien und Britannien zu den drei wichtigsten römischen Metallproduzenten. Die während der gesamten römischen Periode in Sardinien ausgebrachte Metallmenge betrug ca. 600.000 t Blei und 1.000 t Silber. Der Bergbau beschränkte sich dabei nicht nur auf das Iglesiente. Unter anderem bebauten die Römer die Gruben von Nurra am oberen Cop. Noch heute findet man bei Argentara, das von den Silberminen seinen Namen hat, Schutt und Schlacken aus dieser Bergbauperiode. Die Ausfuhr des hier gewonnenen Metalls geschah von einem Hafen in der Nachbarschaft.

Das reichste Silbererzrevier war Sarrabus, welches den Geografen Solino zu seinem berühmten Spruch animierte: "India ebore, argento Sardinia, Attica melle" ("Ebenholz aus Indien, Silber aus Sardinien, Honig aus Attika").

Die Bergbauperiode dauerte bis zum Ende des römischen Reiches im 5. Jahrhundert und kam dann zum Erliegen. In der Folge kamen die oströmischen Byzantiner nach Sardinien, welche die Schätze der Insel hemmungslos ausbeuteten. Doch diese neue Besatzungsmacht wurde bald von den Arabern bedroht, welche auf Sardinien landeten, die Küstenstädte plünderten und zerstörten und alle Einwohner, die nicht mehr fliehen konnten, in die Sklaverei verschleppten.

Anfang des 11. Jahrhunderts rief der Papst zur Befreiung Sardiniens von den ungläubigen Sarazenen auf, was von den Städten Pisa und Genua aufgegriffen und in die Tat umgesetzt wurde. Die neuen Herrscher nahmen den Bergbau mit Bergleuten aus der Toskana und dem Piemonte wieder auf. Sie gründeten die Siedlung Villa Ecclesiea, das heutige Iglesias. Nun waren zwar die Araber Sardinien vertrieben, doch Pisaner und Genuesen hatten nicht vor, sich von der befreiten Insel zurückzuziehen.

Gleich einem Dejá-vu, war es wieder der Papst, der die Herrschaftsverhältnisse auf Sardinien änderte. Bonifaz VIII. überließ die Insel 1297 König Jakob II. von Aragon als Lehen, was für die Sarden eine 400 Jahre währende spanische Unterdrückung durch korrupte spanische Beamte, eine spanische Besatzungsmacht und Zwang zu Frondienst und Sklaverei zur Folge hatte. Da die Spanier jedoch durch ihre Eroberungen seit dem 16. Jh. in Südamerika gewaltige Silbermengen förderten, wurden die sardischen Gruben für die Herrscher uninteressant und der Bergbau verfiel zunehmend.

Dieses Schreckensregiment wurde erst mit dem Spanischen Erbfolgekriege beendet, in dessen Folge Sardinien an Österreich fiel, durch einen Gebietstausch jedoch Anfang des 18. Jahrhunderts an Savoyen-Piemont abgegeben wurde. Dieses unternahmen den Versuch, den Bergbau neu zu beleben. Doch es sollte noch fast 100 Jahre dauern, bis mit dem Beginn der Industrialisierung in Europa und der verstärkten Nachfrage nach Rohstoffen eine erneute Bergbautätigkeit einsetzte. Mit der Einführung des Piemonteser Bergbaugesetzes im Jahr 1848, der Verwendung von Sprengstoff ab 1850 und einer ersten geologischen Erkundung der Insel wurde der Bergbau wiederbelebt.

Auch die moderne sardische Bergbaugeschichte war außerordentlich turbulent. Mangel an Kapital, dadurch Verhüttung der Erze auf dem italienischen Festland, mangelhafte Organisation und katastrophale Arbeits- und Lebensbedingungen der Menschen im Bergbau führten immer wieder zu Schließungen von Gruben und Wiederaufnahmen alter Abbaue. Da der Erzbergbau seit den 1970er Jahren keinen Gewinn mehr erwirtschaftete, wurde er bis Anfang der 1990er Jahre subventioniert, bevor er endgültig aufgegeben wurde.

Das berühmteste Silberbergbaurevier Sardiniens und Italiens erstreckt sich über 35 km in der Lagerstättenprovinz Sarrabus-Gerrei vom Monte Serpeddi bis San Vito und Muravera. Die bekanntesten Gruben waren Tuviois, Nicola Secci, Tacconis, You Arcilloni, Masaloni, Monte Narba mit den Gängen Baccu Giovanni Bonu, Baccu Him Arenada, D. Mortu und Baccu Arrodas.

Ohne Zweifel war Monte Narba die wohl bekannteste Grube im Sarrabus, an welchem seit der Antike Bergbau betrieben wurde. Ungeachtet des relativ reichen Vorkommens war ein wirtschaftlicher Abbau aufgrund technischer Schwierigkeiten jedoch bis ins zweite Drittel des 19. Jh. nicht möglich. Erst seit Erteilung von Abbaulizenzen an die genuesisch Investorengesellschaft Minas de Lanusei gewann der Bergbau an Bedeutung. Der Höhepunkt der Erzförderung lag zwischen 1870 und ca. 1935. In dieser Zeit wurde bis auf eine Teufe von ca. 500 m abgebaut. Die Gesamtabbaustrecken betrugen 18 km auf 14 Abbausohlen im Jahre 1888. 1881 wurde eine Aufbereitungsanlage errichtet. Gegen Ende des 19. Jh. zeigte sich die erste Erschöpfung der Lagerstätte. In den 1920er Jahren wurde die Grube an die Gesellschaften Vielle Montagne und kurz danach an Montevecchio verkauft. Keiner der neuen Besitzer investierte jedoch in das mittlerweile darniederliegende Geschäft. Monte Narba wurde endgültig 1935 aufgegeben.

Abgebaut und verhüttet wurde silberhaltiger Galenit, aber auch Kupfer- und Eisenerz. Abbaurelikte, Eisen- Kupfer- und Bleisulfide und oxidische Erz sowie enorme Schlackenhalden der Schmelzen künden von den intensiven Verhüttungsarbeiten.

Literatur

  • Cauli B., 1996; Dall'ossidiana all'oro: sintesi di storia mineraria sarda, Oristano
  • Exel, R., 1978; Geologie nund Mineralogie der Insel Sardinien; Aufschluß 29, 235-245
  • Fadda, A. F., 1997; Siti minerari in Sardegna - Coedisar, Cagliari
  • Greiling, R., 1977; Die Lagerstättenprovinz Sarrabus-Gerrei (SE-Sardinien/Italien) und ihr geologischer Rahmen
  • Guastoni, A., 2007; I minerali delle miniere d'argento del Sarrabus nella collezione del Museo di Storia Naturale di Milano. Riv. Min. Ital. 31 (4), 256-272
  • Healy, J. F., 1978; Mining and metallurgy in the grek and roman world; London
  • Manconi F., 1986, Le miniere e i minatori della Sardegna
  • Mezzolani S., Simoncini A., 1989; La miniera d'argento di Monte Narba, storia e ricordi, Cagliari
  • Mezzolani S., Simoncini A., 1993; Paesaggi ed architetture delle miniere in Sardegna da salvare, volume XIII, Sassari
  • Stara, P., 1993; Sarrabus - miniere e minerali (publ. in: Ente minerario sardo (San Vito), Cagliari

Sardinien Sarrabus
Sardinien Sarrabus

Ruinen der ehem. Aufbereitung nahe Sarrabus

Collector
Aufbereitungsanlagen
Aufbereitungsanlagen

Die alten Aufbereitungsanlagen und die Halden entlang des Tales; Argentiera della Nurra

Marian Timpe
Sardinien Montevecchio
Sardinien Montevecchio

Schacht Sartori, Montevecchio, Sardinien

Christian Brünig


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