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Silber

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Silberner Kerzenleuchter
Persien 1248-1249
Sammlg. Louvre, Paris
Foto: Public Domain

Silberschmuck, Phototechnik und andere moderne Verwendungen


Tafelbestecke, Kunstgegenstände und Schmuck

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Besteck aus Sterlingsilber
von Christofle, Paris
Foto: Collector

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Silbertafel der Geschwister
Carl und Anna Reiß
Verschiedene deutsche Hersteller nach 1888
Galerie: Zeughaus, Reiss-Engelhorn-Museum, Mannheim ‪
Foto: Andreas Praefcke, 2007
Public Domain

Sterlingsilber

Das bereits um 1300 eingeführte so genannte Sterlingsilber ist eine Bezeichnung des in England 1697-1720 üblichen Feingehalts von Tafelsilber. Sterlingsilber ist eine Legierung, welche dem Gewicht nach aus 92,5 % Silber und 7,5 % eines anderen Metalls, gewöhnlich Kupfer, besteht. Als Sterlingstandard bezeichnet man eine Edelmetallegierung, die bei 1000 Gesamtteilen aus mindestens 925 Teilen Feinsilber besteht.


Silberplattierung

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Elektroplattierung in England
Bild von Arnold Philip, 1911:
Electro plating and refing of metals
Bild: Public Domain

Silberplattierung ist ein galvanisches Verfahren, um auf elektrochemischem Wege unedle Metalle mit einer mehr oder weniger dünnen Silberschicht so zu überziehen, dass beide Teile ein untrennbares Ganzes bilden. Das Plattieren kann auf einer oder beiden Seiten geschehen. Man spricht dann von einfacher bzw. doppelter Plattierung. Am häufigsten wird Kupfer oder Nickelsilber mit Silber plattiert. Oft findet man auf Tafelbestecken oder Teeservices die geprägte Abkürzung EPNS, die für elektroplattiertes Nickelsilber steht.

Die Elektroplattierung wird meist bei der Herstellung von Billigversionen von Bestecken, Tee- und Kaffeeservices, Tafeldekorationen und allen möglichen Flach- und Hohlwaren für den Haushalt anstelle von Feinsilber verwendet. Die ersten silberplattierten Produkte kamen Mitte des 19. Jh. aus Manufakturen in Sheffield in England.


Silberlegierungen

Reines Silber (99,9 %) ist gewöhnlich zu weich, um daraus größere funktionale Objekte herzustellen. Deshalb wird Silber meist mit Kupfer legiert (AgCu-Legierung mit mindestens 80% Silber), um es zu härten und gleichzeitig die Dehnbarkeit und Schönheit des edlen Metalls zu erhalten. Dabei kann Kupfer durch andere Metalle wie Germanium, Zink oder Platin, aber auch durch Bor ersetzt werden, um bestimmte Eigenschaften zu verbessern.


Ein Silberersatz: Nickelsilber oder Neusilber

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Kamm aus Nickelsilber
hergestellt 1984
Foto: Public Domain
Archiv: Collector

Nickelsilber ist ein Sammelbegriff für Legierungen mit silberähnlichem Aussehen und einem Anteil von 45-65 % Kupfer, 10-25 % Nickel und 10-45 % Zink, wobei Zink kein zwingender Bestandteil der Legierung ist. Neusilber enthält also kein Silber. Andere Namen für diese Legierung sind Deutsches Silber, Paktong und Alpacca oder Alpaka.

Legierungen als Silberersatz waren in China schon vor über 2.000 Jahren bekannt. Heutige chinesische Legierungen führen den Namen Packfong oder Packtong. Nach B. Laufer war Nickelsilber identisch mit khar sini, einem der sieben Metalle, welche der arabisch/persische Universalgelehrte Geber beschrieben hatte. Das von den Büchsenmachern in Suhl (Thüringer Wald) bereits 1770 verwendete Neusilber wurde auch Weißkupfer genannt. Fabrikmäßig stellte Dr. Gleitner in Schneeberg (Chemnitz) 1821 den ersten Silberersatz her, gefolgt von den Gebrüdern J. Henninger in Berlin 1824 und weiteren Betrieben. Aufgrund der Ähnlichkeit der einzelnen Legierungen verwendeten die Hersteller zur Unterscheidung verschiedene Namen, z. B. Alfénide, Algerisches Metall, Alpaka, Ambrac, Argentan, Argent d'Allemagne, Argentor, Argyrolith, Berndorfer Silber, Chinasilber, Christofle Metall, Englisches Silber, German silver, Hotelsilber, Kunstsilber, Maillechort, Maldior, Packfong/Packtong, Semilargent, Sterlingmetall, Weißkupfer, Wiener Neusilber. Alpacca war ein Warenzeichen der Firma Bernsdorf. Nach 1840 wurde Nickelsilber aufgrund seiner Härte und seiner Oberflächenbeschaffenheit das meistverwendete Substratmetall für die Silberplattierung.


Fotographie

Etwa 24 % der Weltsilberproduktion werden in der Fotoindustrie in Form von Silbernitrat und von Silberhaliden verwendet. Silberverbindungen, meist Silberbromid, dienen als lichtempfindliche Schicht auf Photoplatten, Filmen und Papieren.


Technik

Etwa 40 % des erzeugten Silber werden in der Industrie und ca. 33 % für Schmuckzwecke verwendet. Es gibt ca. 1.400 Patente für technische Anwendungen von Silber. Jedes moderne Auto enthält ca. 1 Unze Silber.

Einige elektrische und elektronische Produkte verwenden Silber für elektrische Kontakte. So verwenden z.B. High-End Verstärker und DAC Silberverkabelungen, weil angenommen wird, dass dadurch Qualitätsverluste vermieden werden können. Silbercadmiumoxid wird in Hochspannungskontakten benutzt, um Lichtbögen zu widerstehen. Ebenso für Elektroden, leitende Pasten und Ag-Hartlote. Für weniger anspruchsvolle Anwendungen in der Elektronik wird oft das gegenüber Gold billigere Silber benutzt. Wenngleich Silber eine bessere Leitfähigkeit als Gold besitzt, hat es den Nachteil, dass es oxidiert. Deshalb wird häufig Gold für Kontakte verwendet. Manche Kondensatoren haben jedoch eine höhere Qualität, wenn ihre Platten silberplattiert sind.

Weitere Anwendungsgebiete sind

  • Silber-Zink, Silberoxid- und Silber-Cadmium-Batterien
  • Anoden für galvanischer Bäder
  • Kugellager
  • Feinsilber dient zum Bau chemischer Apparaturen

Chemie

Einsatzgebiete in der Chemie sind

  • Katalysatoren
  • Farben / Pigmente (Pigment für Zuckerwaren, Dragées und in der Kosmetik verwendet)
  • Fungizide

Medizin

Einsatzgebiete in der Medizin sind

  • Prothesen, orthopädische Nägel
  • Dentaltechnik (Silberamalgam, Dentallegierungen mit Ag, Pd, Zn und Cu)
  • Ag-haltige Sulfonamide zur Heilung von Brandwunden
  • Ag-haltige Bakteriostatika (keimtötend)
  • Ag-haltige Antibiotika
  • Kolloidsilber

Bioaktives Silber als Nanopartikelkomposite

Bioaktive Metalle wie Silber werden u.a. als Silikon-Silbernanopartikelkomposite in der Medizin (Bsp. Implantate), sowie industriell eingesetzt (Bsp. kratzfeste Autolacke).


Silberjodid zum Erzeugen von Regen

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Regenerzeugung mit Silberjodid

Silberjodid, gemischt mit Aceton, wird mittels Raketen oder aus sogenannten Hagelfliegern versprüht, um in der Atmosphäre kleinste Kondensationskerne zur gezielten Regen- oder Hagelbildung zu erzeugen, bzw. um damit die Bildung von zu großen Hagelkörnern zu verhindern. Bei den Olympischen Sommerspielen in Peking 2008 wurde Silberjodid mit Hilfe von Raketen in Regenwolken eingebracht, um einer Störung der Eröffnungsfeierlichkeiten durch Regengüsse vorzubeugen. In den USA wurde in den 1940er und 1950er Jahren versucht, mit Silberjodid Hurrikane vorzeitig abzuschwächen, die Wirkung war allerdings begrenzt. In Deutschland wurde 1958 im Landkreis Rosenheim eine organisierte Hagelabwehr eingerichtet, die das Silberjodid aus über 100 Abschussstellen durch Raketen in die Wolken schoss. Seit 1975 wird diese Aufgabe von zwei Antihagelflugzeugen erledigt.


Literatur

  • BBC; 19 February 2009; China Lets it Snow to End Drought
  • Mees, C. E.K., James, T.H., 1966; The Theory of the Photographic Process, 3rd ed., The Macmillan Co., New York
  • Neblette, C. B., 1970; Fundamentals of Photography, Van Norstrand Reinhold Co., Princeton, N.J.
  • Truman, C., 1993; Sotheby's Großer Antiquitäten-Führer Silber. Von der Antike bis zu den Manufakturen des 20. Jahrhunderts
  • Vonnegut, B.; Chessin, H.; 1971; Ice Nucleation by Coprecipitated Silver Iodide and Silver Bromide. Science (New York, N.Y.) 174 (4012), 945 – 946.
  • Das große Kunstlexikon von P.W. Hartmann Online
  • Hagelabwehr - Kulturenschutzverein Langenlois und Umgebung

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