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Stibnit

Stibnit
Stibnit

Stibnit-Kristall mit perfekter Endfläche Grube Wuning (Wuling), Wuning, Qingjiang, Jianxi, China Größe: 17,9 x 2,4 x 1,5 cm

Rob Lavinsky

Englisch: Stibnite; Französisch: Stibine; Spanisch: Estibina, Estibnita; Italienisch: Antimonite


Der Wolf der Metalle oder das diabolische Mineral

Das Mineral Antimonit, ein Synonym für Stibnit, bzw. das daraus gewonnene Antimon, wurde bereits in der Bronzezeit, seit etwa 3000 v.Chr. als Zuschlag zu Kupfer verwendet, um Bronze herzustellen. Die Babylonier verwendeten es zum Dekorieren von Lehmziegeln. In China vor über 3000 Jahren v.Chr., in Babylon und Ägypten vor über 2000 Jahren v.Chr. und im alten Rom wurde pulverisierter Antimonit entweder als Puder oder, mit Ölen bzw. Fett gemischt, als Haar- und Augenbrauenfarbe sowie als Schminke (Eyeliner) benutzt, um die Augen größer erscheinen zu lassen. Diese Verwendung hielt bis gegen Ende des 19. Jh. in China und Japan an. In anderen Ländern, in welchen kein Antimonit vorkam, benutzte man Galenit als Schminke. Wann Antimon erstmalig zur Beschichtung von Kupfer sowie zum Scheiden von Gold und Silber angewendet wurde, ist nicht datierbar.

Auch die medizinische Heilwirkung von Antimon war in der Antike bekannt. Im ca. 1600 v.Chr. verfassten Papyrus Ebers wird vermerkt, dass Antimon bei Augenkrankheiten verwendet wird. Das erste zwischen 1235 und 1250 vom Arzt Narahari verfasste indische medizinische Wörterbuch Rhaganighantu widmet dem Antimon und seinen Mineralien ein eigenes Kapitel, in welchem bereits von sauvirasara, d.h. Schwefelantimon gesprochen, sowie seine Härte und sein Glanz erwähnt wird. Theophrastus von Hohenheim, genannt Paracelsus, beschrieb Anfang des 16. Jh. die medizinische Wirkung von Antimonpräparaten.

In der zweiten Hälfte des 16. Jh. erschienen verschiedene vielgelesene alchemistische Werke, welche einem bereits um 1430 lebenden angeblichen Benediktinermönch namens Basilius Valentinus zugeschrieben werden. Allerdings kann mit einiger Sicherheit davon ausgegangen werden, dass sie erst ab 1604 von dem deutschen Bergwerksbesitzer Johann Thölde verfasst wurden, wenngleich letzterer behauptete, lediglich die alten Valentinus-Werke wiederentdeckt zu haben. Unter diesen Werken befindet sich eine Abhandlung über Stibnit, in welcher Valentinus (angeblich) auch nachwies, dass das Mineral Antimonit Schwefel enthält bzw. dass Valentinus als Erster im Jahr 1492 elementares Antimon dargestellt haben soll.

Geschichte der Namensgebung

Bis ins 17. Jh. waren Stibium und Antimonium gleichbedeutend für das Mineral Antimonit und das Metall Antimon. Der Begriff Antimon wird auf das arabische wort itmid oder alithmidun zurückgeführt, aus welchem der lateinische Begriff antimonium abgeleitet wurde. Eine andere Deutung legt nahe, dass der Name Antimon auf das spätgriechische anthemon (Blüte oder das Ausgeblühte) wegen der stengelartigen Form der Kristalle zurückgeht. Die griechischen Begriffe Stibium, Stimmi und Stibi wurden erstmalig vom griechischen, jedoch in Rom praktizierenden Pharmakologen und Botaniker Pedanius Dioscorides (40 - 90 n.Chr.) in seinem Buch Materia Medica erwähnt und von dem zur selben Zeit lebenden Historiker Plinius d.Ä. (23 - 79 n.Chr.) in seiner Historia Naturalis als Stibi bezeichnet. In die Blütezeit der Alchemie im 16. Jh. fällt der Begriff Lupus metallorum oder der Wolf der Metalle, da Antimon das Gold aus einer geschmolzenen Metallmischung trennen und scheinbar fressen kann. Die ersten europäischen Bergbaubegriffe für Antimonit waren Spiess-Glaserz (Brückmann, 1727), Spitsglasmalm, Minera Antimonii, Antimonium Sulphure mineralisatum (schwedisch, Wallerius, 1747), Grauspiessglaserz, Grauspiessglauerz, Antimonglanz (Bergbau Deutschland), Stibine (franz., Beudant, 1832), Antimonit (Haidinger, 1845) und Stibnite (engl., Dana, 1854). Italienische Bergleute der Antimongrube Cetine in der Toscana bezeichneten Antimonit aufgrund seines schwarzen Glanzes als "minerale diabolico".

Literatur

  • Mc Callum, R.I., 1999; Antimony in Medical History; Pentland Press
  • Schein,D.; 1979; Antimon; Quinta Essentia :11, 17-20
  • Valentinus,B., 1604; Currus Triumphalis Antimonii (Der Triumphwagen des Antimons)




Charakteristika und Ausbildungsformen

Stibnit ist ein Antimonsulfid mit der chemischen Formel Sb2S3. Es tritt überwiegend in nach {001} langgestreckten, geraden, schlanken, säuligen, weniger häufig in deformierten (gebogenen oder wellig-geknickt wirkenden) Kristallen auf. Das Kristallsystem ist orthorhombisch. Die Endflächen der Kristalle sind meist komplex ausgebildet. Die Kristalle bilden oft radial- und wirrstrahlige Aggregate. Des Weiteren tritt Stibnit körnig oder sehr feinmassiv auf. Zwillinge sind selten. (Zwillingsebenen {130}, vielleicht {310}). Manche Kristalle sind gestreift, andere zeigen auf den Spaltflächen einen höheren Glanz.

Das Mineral ist stahlgrau bis silberfarben, hat metallischen Glanz und zeigt oft Irideszenz, der Strich ist bleigrau. Stibnit ist stark anisotrop. Auf {010} perfekt und leicht, nach {100} und {110} weniger gut spaltbar. Der Bruch ist muschelig, dünnere Blättchen sind leicht flexibel, jedoch nicht elastisch. Die Härte beträgt 2, die Dichte 4,63. Stibnit ist dimorph mit Metastibnit.

Stibnit
Stibnit

Gebogener Kristall in Calcit; Grube Banpo, Dushan, Ghuizhou, China; Größe: 3,2 x 2,5 cm

Rob Lavinsky
Stibnit
Stibnit

Mehrfach deformierter Kristall Dahegon Mine, Lushi, Henan, China Größe: 6,2 x 2,2 cm

Rob Lavinsky

Gebogene Kristalle

Stibnit tritt nicht selten in "gebogenen" oder in wellig geknickten Kristallen (Kink Bending) auf. Als Ursache dieser Biegungen wird u.a. Zwillingsbildung angenommen, wobei eine Zwillingsfläche den Kristall in eine Ebene und die andere Fläche ihn in eine andere Richtung biegt. Auch innere "Rutschvorgänge", Gleitung bzw. Translation, im weitesten Sinne Spannungs-Dehnungs-Verläufe könnten für die Biegungen verantwortlich sein.

Je nach Zug, Druck, Biegung oder Scherung werden sogenannte Gleitsysteme in Kristallen aktiviert. Bei der Biegung verschwinden die Schubspannungen. Zug oder Druck greifen allerdings nicht gleichmäßig an und bewirken eine ungleichmäßige Verformung. An einigen Stellen des Kristalls resultiert eine Zug-, an anderen eine Druckbelastung.

Dieser komplexe Deformationsprozess bzw. die plastische Verformung kann sich mehrfach über die gesamte Länge eines Kristalls wiederholen, wobei der Kristall sowohl starke Anisotropie, Doppelreflektion und Reflexionspleochroismus entlang der Deformationszwillinge zeigt. Die Zwillinge können am unterschiedlichen Reflektionsvermögen unterschieden werden. Es sind auch rechtwinklig abgeknickte und komplette Ringe bekannt. (s.u. > Ichinokawa)

Literatur

  • Arehart, G.B., 2003; Hydrothermal geochemistry
  • Gross, R., Marx, A., 2004; Festkörperphysik; Vorlesungsskript im WS 2004/2005; Walther-Meissner-Inst.; Lehrstuhl f. Techn. Physik; Garching
  • Schlichtenmayer, M., 2005; Kinks und ihre Topologie
  • Seehafer, G., 2000; Werkstoffkunde

Die größten Kristalle

Die über lange Zeit größten Stibnitkristalle wurden Ende des 19. Jh. in Ichinokawa (Japan) gefunden. Es werden Prismen bis 61 cm Kantenlänge beschrieben. In den frühen 1900er Jahren wurden mehrere Hohlräume in der Yucunani-Grube bei Tejocotes (Municipio de San Juan, Mixteoec-Juxtlahuaca, Provinz Oaxaca) in Mexiko gefunden, in welchen Aggregate mit Stibnitkristallen bis 50 cm Länge und bis zu 8 cm Durchmesser wuchsen. Anfang des 21. Jh. entdeckte man Stibnitkristalle bis über 1 m Länge in der Antimon-Lagerstätte Xihuangshan (Hunan, China).

Toxizität von Stibnit

Antimon, welches mit Arsen verwandt ist, ist zehnfach giftiger als Blei. Wenngleich über Arsen und Blei alles bekannt ist, sind bisher jedoch keine ausreichenden Erkenntnisse zur Toxizität des Antimon vorhanden. Das liegt u.a. daran, dass Antimon-Verbindungen weitaus weniger in der Umwelt aufzufinden und schwieriger zu bestimmen sind als Arsen, da sie fast immer mit Blei und Arsen auftreten, deren Wirkung im Vordergrund steht. Gelangt Antimon ins Blut, wirkt es giftig. Allerdings wird das Element und seine Verbindungen über Magen- und Darmwände nicht gut aufgenommen und es ruft bei oraler Aufnahme Brechreiz hervor. Dieses ist wohl auch ein wesentlicher Grund dafür, dass Antimon-Vergiftungen nur selten auftreten. Antimontrioxid wirkt im Tierversuch kanzerogen.

Zwischen dem 16. und 19. Mai 2005 fand der weltweit erste Workshop zur Problematik von Antimon am Institut für Umwelt-Geochemie der Universität Heidelberg - Deutsche Forschungsgemeinschaft statt. Der Schwerpunkt dieses Informationsaustausches von Fachleuten aus aller Welt lag auf der Analytik des Antimons und seiner Verbindungen sowie die Verbreitung und das Verhaltens von Antimon im Wasser, auf dem Boden und in der Luft.

Quellen

  • Umweltlexikon-online.de:Antimon
  • Zee, S., 2005; Antimon - das unbeachtete Element. www.uni-heidelberg.de/institute/fak12/ugc/antimon/




Synonyme und Varietäten

  • Antimonglanz
  • Antimonit
  • Grauspießglanz
  • Platyophthalmit
  • Schwefelantimon
  • Spiessglas


Erkennung und Nachweis

Stibnit schmilzt an der Kerzenflamme, ähnliche andere Minerale tun dies nicht. Kleinere, dünne Kristalle sind leicht flexibel. Antimon färbt die Flamme hellblau und wird durch unedle Metalle wie Zn, Fe oder Sn in leicht sauren Lösungen zu metallischem Antimon reduziert. Zum Nachweis wird bespielsweise die auf Antimon zu prüfende Substanz in eine salzsaure Lösung verbracht und mit Eisenpulver versetzt. Es entsteht ein flockiger, schwarzer Niederschlag von metallischem Antimon in der Lösung oder direkt am Eisen.

Ähnliche Mineralien

Stibnit kann bei oberflächlicher Betrachtung mit Bismuthinit (mit welchem er jedoch nicht zusammen vorkommt) und mit Pyrolusit verwechselt werden. In ähnlich gebogenen Kristallen treten auch Jamesonit und Vivianit auf.

Verwendung

Antimon diente in der Antike als Zuschlagsmittel bei der Bronzeherstellung, zur Beschichtung von Kupferdächern sowie, besonders in Asien und Ägypten, als Kosmetikum. Im Mittelalter wurde Antimon als Legierung beim Glockenguss, ab Erfindung der Buchdruckerkunst als Letternmetall genutzt. Zudem fanden Antimonverbindungen einen Einsatz in der Heilkunde. In späteren Jahrhunderten wurde es als Eisenschwarz zum Bronzieren und zum Überziehen von Kupfer verwendet, um es vor Rost zu schützen. Die modernen Anwendungsgebiete sind vielfältig. Antimon dient als Legierungsmetall zur Härtung von Letternmetall, für Akkuplatten, Bleirohre, Munition und spezielle Verpackungsmaterialien. Als Sulfid wird es als Gleitmittel bei Kupplungs- und Bremsbelägen in der Autoindustrie und in Sprengstoffzündern eingesetzt, sowie als Oxid, bzw. Chromat als Pigment in der Farbenindustrie verwendet. Mehr als 60 % des weltweit geförderten Stibnits wird heute zur Erzeugung von Antimontrioxid verwendet, welches als Flammschutzmittel für Kunststoffe eingesetzt wird.

Vorkommen, Lagerstätten und Paragenesen

Stibnit kommt meist in hydrothermalen Lagerstätten (epithermal) bzw. hydrothermalen Gängen mit Quarz und teilweise Gold vor. Des Weiteren als subvulkanische Imprägnation und als Verdrängung in Kalksteinen. Die bekanntesten Vorkommen dieser Art sind Imprägnationen, Verdrängungen und Gänge in alpidischen Gebirgen Europas und Asiens (Schlaining, Österreich; Baia Mare, Rumänien; Kadamzhai, Kirgistan; Hunan, China; Bau, Sarawak). Subvulkanische Stibnit-Erzgänge mit Wolfram und Zinn gibt es in Potosi, Bolivien. Es sind auch metamorphogene Antimon-Lagerstätten bekannt, u.a. die Stibnit-Gold-Erzgänge in Scherzonen des Murchison Green Belt in Südafrika. Die weltweit wichtigsten Stibnit-Vorkommen sind in China, Bolivien, Kirgistan und Südafrika. Zu den wichtigsten paragenetisch auftretenden Mineralien gehören Realgar, Orpiment, Cinnabarit, Galenit, Bleisulfantimondide, Pyrit, Markasit, Arsenopyrit, Cervantit, Stibiconit, Gold, Calcit, Ankerit, Baryt und Quarz (meist Chalcedon).

Bergbau und Verhüttung

Die bekanntesten Verfahren zur Erzeugung von Antimon waren in früheren Zeiten die Niederschlagsarbeit, bei der Stibnit-Erz mit Eisen erhitzt wurde, sich Eisensulfid bildete und metallisches Antimon abgeschieden wurde und heute das Reduktionsverfahren, bei dem Stibnit-Erz abgeröstet und das dabei enstehende Antimonoxid mit Kohle reduziert wird.




Bekannteste Fundorte gut ausgebildeter Kristalle

(Auswahl aus ca. 1.410 bekannten Vorkommen)

Bolivien
Mina Mesa de Plata, San Antonio de Lipez, Dept. Potosi
Mina Tapi, Almona, Provinz Nor Chichas, Dept. Potosi
Mina Yarvicoya, Provinz Cercado, Dept. Oruro

China
Qinglo und Banpo-Dushan Stibnit-Gruben, Dushan, Guizhou
Yungchangpin-Gruben, Tongren, Präf. Tongren, Guizhou
Nandan, Dachang-Erzrevier, Guanxi
Dahegou- und Zhanergou-Gruben, Lushi, Henan
Yaogangxian, Chenzhou, Hunan
Longshan, Xinshao, Shaoyang Präf. Hunan
Xikuangshan, Lengshuijiang, Hunan (Sb-Grube)
Oingjiang, Landkreis Wuning (Wuling), Jiangxi

Deutschland
Bräunsdorf, Freiberg, Erzgebirge
Caspari-Zeche, Uentrop, Arnsberg, Sauerland
Wolfsberg, Harz

Frankreich
Brioude-Massiac-Gebiet, Massif Central, Cantal-Haute Loire
ca. 20 verschiedene Sb-Lagerstätten
La Lucette, Mayenne

Iran
Bahar-Lou, nahe Hamadan

Italien
Pereta-Grbe, Scanano, Prov. Grossetto, Toscana
Bucca della Vena-Grube, Stazzema, Prov. Lucca, Toscana
Pietrineri-Grube, Castiglion d'Orcia, Mt. Amaiata, Prov. Siena, Toscana
Le Cetine-Grube, Chiusdino, Prov. Siena, Toscana

Japan
Tsugu- und Furikusa-Gruben, Kita-Shidara-Gun, Aichi-Ken, Honshu
Akadani-Grube, Fukui-Ken, Honshu
Nakamura-Grube, Shimonita, Gumma-ken, Honshu
Yamata-Grube, Nara-Ken, Honshu
Daiichinomoto-Grube, Satsuma-Halbinsel, Kagoshima-Ken, Kyushu
Yokohi- und Ichinokawa-Gruben, Ehime-Ken, Shikoku

Kasachstan
Sarbai, Rudnyi Altai, Qostany Oblysy (Kostanai, Kustany)

Kirgistan
Kadamzhai, Osh Oblast
Chauvai SbHg-Lagerstätte, Alai-Gebirge, Osh Oblast
Khaidarkan (Chaidarkan) Sb-Hg-Lagerstätte, Osh Oblast

Malaysia
Bau Mine (Lucky Hill Mine), Bau, Kuching, Sarawak, Borneo

Mazedonien
Crven Dol-Grube, Allchar (Alsar), Roszdan

Mexico
Mina Yucatani, Tejocotes, Oaxaca
Huitzuco, Guerrero
Mina Santa Rita, Nieves, Zacatecas
Mina San Martin, Sombrerete, Zacatecas

Neuseeland
Thames, Halbinsel Coromandel, Northern Island

Österreich
Glatschach (Quecksilbergrube), Dellach, Drautal, Kärnten
Radlberg, Sb-Lagerstätte, Oberdrauburg, Kärnten
Rabantberg, Oberdrauburg, Kärnten

Peru
Raura, Cajatambo, Lima

Rumänien
Baia Sprie, Maramures
Baiut, Maramures
Chiuzbaia, Maramures
Herja, Maramures

Slowakien
Kremnica (Kremnitz), Banska Bystrica Region

Spanien
Almuradiel, Ciudad Real
Albuquerque-La Herrera del Duque, Badajoz

Ukraine
Nikitovka, Doneck Oblast

Ungarn
Polyanka und Andreas III -Gruben, Rudabánya
Rudabánya-Gebire, Borsod-Abaúj-Zemplén-Gebiet

USA
White Caps Mine, Manhattan, Nye County, Nevada

Usbekistan
Muruntau, Kyzylkum


Japan

Das Stibnitvorkommen von Ichinokawa (Saijo, Ehime-Ken, Insel Shikoku) wurde offiziell 1679 von Sokabe Chikanobu entdeckt, obwohl das Mineral und dessen Kristalle wahrscheinlich schon viel früher bekannt waren. Schon im zweiten Jahr nach Regierungsantritt des Kaisers Monmu (698 n.Chr.) bezog der kaiserliche Hof Antimon aus der damaligen Provinz Iyo. Diese ist seit dem 16. Jh. über neue Lehen aufgeteilt worden, taucht aber kurioserweise unter diesem Namen immer noch auf Mineralien-Fundortetiketten auf. Der große Buddha in Nara wurde 748 n.Chr. mit 7,5 to Antimon aus Iyo beschichtet. Da Ichinokawa zu dieser Zeit die einzige bekannte Lagerstätte war, dürfte der Beginn des Antimon-Bergbaus mit Sicherheit im 8. Jh. gewesen sein.

Eine früheste Abbildung findet sich im ersten japanischen Buch über Gesteine und Mineralien aus dem Jahr 1773 mit Bildern aus der Sammlung S. Kiuchi. Es existiert die Legende, dass es so viele große Kristalle gab, dass manche japanischen Bergleute diese als Zaunpfähle benutzten.

Bis 1871 gab es nur geringfügigen Abbau. Erst ab diesem Jahr, nach Übernahme der Grube durch die Regierung des Kaiserreichs Japan, begann ein erster regulärer Bergbau und eine industrielle Verhüttung des Erzes. Die Teufe des größten Schachtes betrug 1.200 m. Im Jahr 1910 waren die Erzreserven erschöpft und die Grube wurde geschlossen. Das Antimon-Erz trat in Quarz-Stibnitgängen, sporadisch mit Pyrit und Calcit in Graphitschiefer auf. Die Kristalle bildeten hervorragende Aggregate auf drusigem Quarz, wobei sie entweder parallel radial zu den Quarzdrusen oder wirrstrahlig wuchsen. Mehr als 20 Kristalle konnten ein einziges Aggregat bilden. Die längsten Prismen waren bis zu 61 cm lang, gewöhnlich betrug die Länge jedoch zwischen 7,5 bis 23 cm. Die meisten Kristalle haben Endflächen. Über 160 Kristallformen wurden beschrieben und auch verzwillingte, gebogene und wellig geknickte (Kinks) konnten beobachtet werden. Einige Kristalle sind rechtwinklig geknickt oder bilden komplette Ringe. Auf manchen Kristallen sitzen spätgebildete Calcit-Mikrokristalle.

Bis zum Jahr 2000, als außergewöhnlich grosse Kristalle in China gefunden wurden, gehörten die Ichinokawa-Stibnite zu den größten und schönsten der Welt. Die längsten und bestausgebildetsten Kristalle wurden zwischen 1882 und 1886 geborgen. Die meisten von ihnen wurden ins Ausland exportiert und nicht als Antimonerz verwendet. In europäischen und amerikanischen Sammlungen dürfte es mehr Kristalle als in Japan selbst geben. Wenngleich fast jedes größere Museum über Ichinokawa-Stibnite verfügt, dürften die wohl schönsten in der Sammlung Wada und in der Universität Tokyo bewahrt werden. Die Wada-Sammlung enthält mehr als 24 solcher Kristalle mit über 20 cm Kantenlänge, ein einzelner Kristall ist sogar 60 cm lang.

Sehr gut ausgebildete Stibnit-Kristalle kamen auch aus den Gruben Tsugu (Präfektur Aichi, Honshu) und Nakase (Präfektur Hyogo, Honshu). Sie erreichen bei weitem nicht die Dimensionen der Ichinokawa-Stibnite, sind jedoch sehr scharf und hochglänzend. Der größte Kristall aus der Tsugu-Grube ist 30 cm, die größten aus der Nakase-Grube sind 10 cm lang.



Stibnit
Stibnit

Einzelkristall aus einem Fund Ende des 19. Jh. Ichinokawa, Insel Shikoku, Japan; Ehemal. Sammlung Wada Größe: 13 cm

Rob Lavinsky

Stibnit
Stibnit

Stufe mit einem 7,2 x 2,5 cm großen freistehenden Kristall Gefunden im späten 19. Jh. Ichinokawa, Insel Shikoku, Japan

Rob Lavinsky

Stibnit
Stibnit

Typische Stufe, gefunden in den späten 1800er Jahren Ichinokawa, Shikoku, Japan; Ehema. Sammlung Carnegie Größe: 17,2 x 6,8cm

Rob Lavinsky

Literatur

  • Ito,T., 1937; Japanese minerals in pictures
  • Kumon,N., 1966; History of Saijo City
  • Sadanaga,R., Bunno,M., 1974; The Wakabayashi Mineral Collection; Univ. of Toyko Bull.:7
  • Wada,T., 1904; Minerals of Japan


China

Stibnit
Stibnit

Mit Schwefel überzogener Stibnit (kein Stibiconit !) Grube Xikuangshan, Lengshuijiang, Hunan Größe: 27,3 x 3,7 cm

Fabre Minerals
Stibnit
Stibnit

Grube Qingjiang, Wuning, Jianxi Größe: 3 x 7 cm

Joe George

China ist der weltweit größte Antimonproduzent. Es gibt im Land weit über 100 Stibnit-Lagerstätten, wobei in mehr als 90 davon gut ausgebildete Kristalle vorkamen und immer noch vorkommen. Eine der berühmtesten Stibnit-Gruben ist Xikuangshan (chinesisch für Zinnberg) bei der Stadt Lengshuijiang, ca. 200 km SW der Provinzhauptstadt Changsha in Hunan. Die Stadt wird von Chinesen als "Hauptstadt des Antimon" bezeichnet. Aus der ca. 8x5 km großen staatlichen Erzlagerstätte mit insgesamt acht Erzkörpern in devonischen Kalksteinen wurden Anfang der 2000er Jahre die weltgrößten Stibnit-Kristalle mit über 10 cm Dicke und bis über einen Meter Länge geborgen. Mit Erreichen der Oxidationszone in bis zu 100 m Teufe sind die Stibnite zu Valentinit und Senarmontit umgewandelt. Die Zeit der Super-Stibnitfunde ist vorbei.

Hervorragende Stibnite, meist bis etwa 5 cm lang, in seltenen Fällen auch bis über einen Meter, wurden etwa zwischen 1995 und 2000 in den privat abgebauten Gruben Zhanergou und Dahegou in etwa 20 Stollen nahe des Ortes Lushi in der Provinz Henan gefunden. Aus Unkenntnis und Unachtsamkeit wurden große Mengen schöner Kristalle zerstört. Dennoch gelangten ca. 2000 Sammler-Einzelkristalle von 5-15 cm Länge auf die internationalen Märkte. Ein einzelner Kristall war ca. 40 cm lang und wog 30 kg.

Weitere Lagerstätten, in welchen bemerkenswerte Stibnite vorkommen, liegen in den Provinzen Guangxi, Guizhou und Jianxi. Aus der letzteren Provinz kamen seit Anfang 1998 Zeit schöne Kristalle aus der Grube Qingjiang im Landkreis Wuning (meist als Fundortangabe Wuling oder Wuning); zu den schönsten Kristallen zählen die aus einem im Dezember 1997 entdeckten 3 x 6 x 29 m großen Hohlkörper, welche bis zu einem Meter lang waren.



Stibnit
Stibnit

Prismatische Kristalle Grube Qingjiang, Wuning, Jiangxi Größe: 3 x 5 cm

Fabre Minerals

Stibnit
Stibnit

Grube Qingjiang, Wuning, Jiangxi Größe: 14 x 10 cm

Mineralium

Stibnit
Stibnit

Radialstrahlige Aggregate auf Carbonat-Matrix; Ghuizhou (wahrscheinlich Grube Libo); Größe: 13,5 x 11,5 cm

Rob Lavinsky

Stibinit
Stibinit

Gebogene Kristalle; Yungchangpin-Gruben, Tongren, Guizhou; Größe: 7,7 x 3,9 cm

Rob Lavinsky

Stibnit
Stibnit

Grube Qingjiang, Wuning, Jiangxi; Größe: 10,7 x 2,3 cm

Rob Lavinsky

Stibnit
Stibnit

Xikuangshan, Hunan; Größe: 6 x 9 cm

Joe George

Stibnit
Stibnit

Grube Qingjiang, Wuning, Jianxi; Größe: 11,6 x 4,5 cm

Rob Lavinsky

Stibinit
Stibinit

Langprismatische Kristalle; Grube Qingjiang, Wuning, Jiangxi; Größe: 30 x 15 x 7 cm

Mineralium

Literatur

  • Anonym; 1994; The Discovery History of Mineral Deposits in China; Hunan Province Vol., Beijing: Geol. Publish. House; 279 S., in chinesisch
  • Liu,G., 1995; Zinnober und Antimonit : Ausgezeichnete Kristalle und ihre Fundstellen in China; Lapis:20, 10
  • Ottens,B., 2007; Chinese Stibnite; Xikuangshan, Lushi, Wuning and Other Localities; MinRecord: 38, 1, 3-17
  • Smith,B., Smith,C., 2005; A guide to mineral localities in China; Min.Record:37,1




Rumänien

Zu den weltschönsten Stibniten gehören die Kristalle aus der Region Maramures im Nordwesten von Rumänien. Stibnit-Stufen aus dem Bergbaurevier um Baia Mare (ehem. ungarisch Nagybánya), dem Hauptort der Region, sowie aus Baia Sprie (Felsöbánya) und Herja (Herzsabánya) sind schon seit dem frühen 19. Jahrhundert berühmte Sammelobjekte gewesen. Der eigentliche Stibnit-Boom begann jedoch erst seit ca. 1965.

In den polymetallischen Lagerstätten von Baia Mare wurde Stibnit in mehreren Gruben geborgen: In Nistru (ehem. ung. Misztbánya); im Baita-Tal (ehem. ung. Laposbánya) bis 3 cm dicke, langgestreckte Kristalle; aus Gängen im Borcut-Tal (Borpatak), welche zur Lagerstätte Sofia im Bergbaurevier Sasar gehört, stammen kugelige Stibnit-Aggregate. Weitere, weniger bekannte Funde wurden in den Gruben von Dealul Crucii (ehm. ung. Kereszthegy, dt. Kreuzberg) gemacht. Aus einigen der über 100 ebenfalls polymetallischen Erzgänge der Lagerstätte Herja, ca. 6 km NE von Baia Mare, stammen hochglänzende, meist flachmeisselförmige Kristalle bis 6 cm, oft radialstrahlig aggregiert und mit Calcit, teilweise auch mit Berthierit und anderen Mineralien vergesellschaftet. Seltener sind Kristalle bis 30 cm Länge.

Vom "Dealul Minei" oder Erzberg der Lagerstätte Baia Sprie, ca. 9 km E von Baia Mare, stammen hervorragende hochglänzende, nadelige bis lanzenförmige Stibnite bis etwa 15 cm Länge, welche attraktiv mit milchigen Quarzkristallen vergesellschaftet sind. Besonders begehrt sind jedoch Stufen aus nadeligen Stibnit-Kristallen mit aufgespiessten scharfen Baryt-Tafeln sowie Stibnit-Kristalle mit Realgar. Charakteristische Baia Sprie-Antimonite unterscheiden sich von denen von Herja dadurch, dass sie fast immer ohne erkennbare Endflächen sind und, zumeist jedoch auf älteren Kristallen, Anlauffarben sichtbar sind.

Bis zu daumendicke und 20 cm lange mattglänzend graue Stibnit-Kristalle mit flächenreichen, perfekt ausgebildeten Endflächen wurden in den frühen 1970er Jahren in der Erzlagerstätte Baiut (ehem. ung. Erzsebétbánya, dt. Bajutz) im südlichen Tibles-Gebirge, ca. 32 km ESE von Baia Mare gefunden. Die Kristalle sind nicht selten angelaufen, teilweise auch leicht gedreht. Das Mineral tritt paragenetisch mit Pyrit, Markasit, Baryt, Kermesit, gediegen Gold und gediegen Antimon auf. Sehr attraktiv sind Stibnit-Kristalle, die mit Markasit überzogen sind. Bis mehrere Dezimeter große Stufen meist radialstrahliger Kristalle mit Endflächen gehören zu den weltbesten Stibnit-Klassikern. Anfang der 1990er Jahre entdeckte man bei Poiana Botizii, ca. 4 km SE von Baiut, gut ausgebildete flachprismatische Stibnite.

Stibnit aus den Stollen Boldut und Roata im Bergbaurevier Cavnik (ehem. ung. Kapnikbánya oder Kapnik), etwa 30 km E von Baia Mare, ist nicht ungewöhnlich, wurde jedoch nicht in solch attraktiven Stufen wie in Herja oder Baiar Sprie gefunden. Die Stibnit-Kristalle sind meist mit Baryt, Calcit, Quarz, Realgar und selten mit Gold vergesellschaftet.

Auch aus den Gruben um den etwa 20 km WNW vor Baia Mare liegenden Ort Ilba (Illoba) kam Stibnit als gewöhnliches Mineral umfangreicher Sulfid-Paragenesen.

Ausgezeichnete Stibnit-Stufen sind - neben anderen prächtigen Mineralien - im mineralogischen Museum (Muzeul de Mineralogie) in Baia Mare ausgestellt.

Stibinit
Stibinit

Stibnit-Aggregat auf Siderit; Herja (Herzsabánya), Maramures; Größe: 6 cm

Dan Weinrich

Stibnit
Stibnit

Stibnit vergesellschaftet mit Baryt; Baia Sprie (Felsöbánya), Maramures; Größe: 5,4 x 4,7 cm

kraukl

Stibinit
Stibinit

Gedrungene Speerspitzen-ähnliche Prismen; Baia Sprie (Felsöbánya), Maramures; Fund aus der 2. Hälfte des 19. Jh.; Größe: 8,5 x 6,1 cm

Rob Lavinsky

Stibnit (Antimonit) mit Quarz
Stibnit (Antimonit) mit Quarz

Fundort: Baia Sprie (Felsöbanya), Maramures, Rumänien, Größe: 13 x 10 cm

loparit

Stibinit
Stibinit

Ein Fund aus dem 19. Jahrhundert; Stufe 23 x 16,3 x 10 cm, ehem. Smmlg. Carnegie; Chiuzbaia (ehem. Kisbánya), Maramures

Rob Lavinsky

Stibnit
Stibnit

Herja, Maramures; Größe: 5 x 5 x 7 cm

loparit

Literatur

  • Huber, P., 1996; Mineralien aus Maramures, Rumänien; Lapis::21, 7/8
  • Huber, P., Muresan, I., 1996; Eisen-, Blei- und Antimonminerale aus den Erzlagerstätten Herja, Baia Sprie; Farbenprächtige Mineralien aus Cavnik; Antimonit von Baiut; Lapis:21; 7/8; 20-60
  • Koch, S., 1963; Antimonit von Herja (Kisbanya), Rumänien. Aufschluß:14,4
  • Neff, O., 1918; Über Antimonit von Felsöbanya. Beitr. Krystall. Mineral:1, H. 3, (Hrsg. V. Goldschmidt)
  • Szakall, S., 2002; Minerals of the Carpathians
  • Udubasa, G., Ilinca, G., Marincea, S., Sabau, G., Radan, S., 1991; Minerals in Romania - the state of the art; Rom. J. Mineralogy, 1-51
  • Wölle, H., 1980; Drei charakteristische rumänische Antimonitfundstellen. Die Eisenblüte:1, NF, H.1, 19-20


Andere weltweite Fundorte

Italien

Italiens bekannteste Fundstelle für gut ausgebildete Stibnit-Kristalle ist die Antimon-Erzlagerstätte Cetine di Cotorniano im Val di Merse, nahe Chiusdino (Siena, Toscana). Das Vorkommen wurde seit 1878 im offenen Tagebau und seit 1886 untertage abgebaut. Im Jahr 1907 arbeiteten in der Grube 140 Menschen, darunter zahlreiche Frauen sowie viele Kinder unter 15 Jahren. Die Grube wurde 1944, als das Ende des 2. Weltkrieges absehbar war, geschlossen, da kein Antimon mehr für die Munitionsherstellung benötigt wurde. Die Stibnit-Kristalle von Cetine traten meist in wirrstrahligen Aggregaten dünner, nadeliger, langgestreckter Prismen auf. Auf sehr vielen der bekannten Sammlerstufen sind die Kristalle aus der Matrix geätzt. Cetine ist bei Mineraliensammlern weltbekannt. Bisher wurden 63 Mineralspezies gefunden. Das Vorkommen ist Typlokalität für Onoratoit, Cetineit, Coquandit und Brizziit.

Deutschland

Deutschlands bestausgebildete Stibnite kamen aus dem Caspari-Stollen im Sauerland (Uentrop, Arnsberg), einem von insgesamt 12 Stollen der Antimonerz-Lagerstätte zwischen Arnsberg und Meschede. Der Bergbau soll schon Anfang des 18. Jh. bestanden haben, erste Bedeutung erlangte die dann Caspari-Zeche genannte Mutung ab 1825. Der Höhepunkt der Erzförderung war 1880 erreicht, eingestellt wurden die Bergbauarbeiten 1885. Die nicht selten angelaufenen Stibnit-Kristalle waren säulig, nadelig, spiessig und seltener haarförmig und bildeten radialstrahlige Aggregate. Seligmann (1879 und 1880) beschrieb 9 Flächen, Koort (1884) untersuchte 14 weitere Kombinationen. Die größten Caspari-Stibnite waren ca. 3 cm lang. Weitere bekannte deutsche Fundorte für Stibnit-Kristalle waren Wolfsberg im Harz (Graf-Jost-Christian Zeche), sowie Bräunsdorf bei Freiberg im Erzgebirge.

Österreich

Aus der Antimon-Grube bei Stadtschlaining (Oberwart, Burgenland), welche bis 1988 abgebaut wurde, sind Stibnit-Kristalle bis zu mehreren Zentimetern Größe bekannt. Paragenetisch traten u.a. auch gediegen Antimon, Berthierit, Cervantit, Markasit, Stibiconit und Valentinit auf. Weitere bekannte österreichische Vorkommen von Stibnit gibt es in den Ostalpen im Tuxertal (Stibnit-Nadeln, welche Quarzkristalle durchwachsen), im Krimmler Achental (auf Klüften) und im Naßfeld im Gasteinertal (langstengelige Stibnit-Kristalle neben Quarz auf Kluftwänden aufgewachsen).

Spanien

Die wichtigsten Antimon-Lagerstätten Spaniens erstrecken sich NW-SE von Oporto bis Valdepenas über Castelo Branco in Portugal, Albuquerque-Herrera del Duque in Badajoz und Almuradiel-Valdepenas in Ciudad Real. Die meisten Lagerstätten sind gangförmig in Schiefer-Grauwacke- und in Schiefer-Kalkstein-Formationen. Die bedeutendsten Stibnit-Vorkommen waren die Antimon-Scheelit-, resp. Gold-Stibnit-Lagerstätten San Antonio, Pilar und Vibora in Badajoz im Gebiet Albuquerque-Herrera del Duque. Die Grube San Antonio wurde bis über 150 m Teufe untertage abgebaut. Paragenetisch traten Berthierit, Kermesit, Gold, Tetraedrit, Pyrit, Quarz und Valentinit/Senarmontit auf.

Peru

Aus der polymetallischen Lagerstätte Raura (Provinz Cajatambo, Dept. Lima), einem Komplex von mehreren Erzkörpern über eine Fläche von 24 km2, welche bereits seit dem 17. Jh. abgebaut wird, stammen attraktive matt-bleigraue Stibnit-Prismen mit teilweise abgerundet wirkenden Endflächen, wenngleich die bis zu 7 cm großen Kristalle flach sind. Die besten Stufen, manchmal mit Baryt, Calcit, Pyrit und Tetraedrit vergesellschaftet, wurden in den frühen 1980er Jahren gefunden. Kleinere, hochglänzende Kristalle, oft in radialstrahligen Büscheln, sind leicht mit Stibniten aus Rumänien zu verwechseln. Aufgrund des realtiv seltenen Vorkommens im Raura-Distrikt wurden in den 1980er Jahren nicht selten rumänische Stibnite als von Raura kommend auf dem Mineralienmarkt angeboten. Weitere gut kristallisierte Stibnite sind aus der Mina Hercules (Distrikt Ticapampa, Provinz Recuay und Aija, Dept. Ancash), sowie von den Lagerstätten Casapalca (Provinz Huarochiri, Dept. Lima), aus der Grube Herminia (Distrikt Julcani, Dept. Huancavelica) und von der Mina Caudalosa (Provinz Castrovirreyna, Dept. Huancavelica) bekannt. In der letztgenannten Grube traten Pseudomorphosen von Galenit nach Stibnit auf, die Kristalle erreichten Kantenlängen bis 7 cm und einige sind farblich attraktiv mit rosafarbenem Manganocalcit bedeckt.

Bolivien

Aus den polymetallischen Lagerstätten in Oruro (Stadt Oruro, Provinz Cercado) stammen mattgraue bis metallisch-schwarze Stibnit-Kristalle bis mehrere cm Länge. Die meist geläufige Fundstellenbezeichnung ist Mina San José, eine Zinn-Silbererz-Grube, welche 1992 geschlossen, seit 2002 jedoch im kleinen Rahmen auf Sammlerstufen abgebaut wird. Nicht wenige Stibnite wurden jedoch in der Nachbargrube Itos geborgen. Das Vorkommen ist weltbekannt für Franckeit-, Stannit- und Zinkenit-Kristalle. Von hier stammen auch die weltbesten Andorite.

Mexiko

Stibnit ist ein in Mexiko recht häufig vorkommendes Mineral und tritt paragenetisch mit anderen Sulfiden in niedrigthermalen Erzgängen auf. Zu Beginn der 1900er Jahre entdeckte man in einigen Hohlräumen der Grube Yucanani bei Tejocotes (Municipio de San Juan Mixteoec-Juxtlahuaca, Provinz Oaxaca) Aggregate mit Kristallen bis 50 cm Länge und bis zu 8 cm Durchmesser. Aus der Grube Santa Rita bei Nieves, Municipio General Francisco Murguia in der Provinz Zacatecas stammen Stibnite bis 6 cm, vergesellschaftet mit Baryt, Jamesonit und Pyrit, welche in den späten 1970er bis frühen 1980er Jahren geborgen wurden. Von der 7. Sohle der Grube San Martin und den 25. Oktober-Gruben, Municipio Sombrerete, Provinz Zacatecas, kamen Stibnit-Kristalle bis 15 cm mit Xanthokon und Calcit vor. Aus der Grube La Noria, ebenfalls im Municipio Sombrerete, stammen Aggregate mit Kristallen über 10 cm. Weitere Fundorte schöner Stibnite bis 2 cm, paragenetisch mit Livingstonit, Gips und Schwefel, waren die La-Cruz-, Sorpresa- und Trinidad-Gruben bei Huitzuco in der Provinz Guerrero sowie die Grube La Rica bei Pachuca im Municipio Pachuca, Provinz Hidalgo.

Malaysia

Stibnit wurde im damalig britischen Nord-Borneo von 1823 bis etwa 1916 im Jambusan-Tal von meist chinesischen Bergleuten abgebaut. Die Boomzeit dieser Lagerstätte war zwischen 1868 und 1872. Über diese frühe koloniale Bergbauperiode ist jedoch nur wenig bekannt. Wann und in welchen Mengen in den auf 1916 folgenden Jahrzehnten Antimonerz gefördert wurde, ist ungewiss.

Aus dem Bau-Bergbaurevier, einer Kalkstein-Karstformation nahe Kuching (Sarawak, Nordborneo, West-Malaysia) kamen in den 1960er bis 1970er Jahren einige der weltweit besten Stibnit-Kristalle, nicht selten bis 12 cm Kantenlänge. Zu den bekanntesten Gruben gehörten die Lucky Hill-Grube, die bis 1976 auch als Sarabau Mine bekannt war, sowie die Gruben Tai Ton und Kong Fah, in welchen bis 1977 Antimon- und Quecksilbererz abgebaut wurde. Die Lucky Hill-Grube, welche bis auf eine Teufe von 250 m auf Antimonerz erschlossen wurde, lieferte in den 1970er bis 1980er Jahren ausgezeichnete Stufen. Viele der oft hochglänzenden Stibnit-Kristalle sind gebogen. Paragenetisch mit Stibnit kam, ebenfalls in schönen Stufen, Arsen, Sarabauit (Typlokalität), Calcit, Quarz, Wollastonit, Cinnabarit und Senarmontit vor. Kleinere Stibnit-Kristalle kamen von der Bukit Young Gold-Grube, schöne Paragenesen mit nierigem Arsen von den Gruben Tai Ton und Kong Fah.

Kirgistan

Aus der seit 1914 bekannten und Anfang der 1930er Jahre abgebauten Antimon-Quecksilbererz-Lagerstätte Kadamzhai (Kadamshai) am Fuß des Katrantau-Bergrückens, einem Teil des Alaj-Gebirges, stammen radialstrahlige Aggregate glänzender Stibnit-Kristalle mit bis ca. 10 cm Länge und komplex ausgebildeten Kopfflächen, welche in Kalksteinen auftreten. Es wurden auch Kristalle bis 50 cm Länge beschrieben. Geknickte (Kinks) und gebogene Kristalle waren nicht selten. Bei Sammlern begehrt sind Stibnite, welche mit Klebelsbergit, mit violettem, grünem oder farblosem Fluorit, mit honiggelben größeren tafeligen Baryten oder mit Calcit-Skalenoedern verwachsen sind. Weitere an Antimon bzw. Quecksilber reiche Erzkörper wurden in den Bergbaurevieren Khaidarkan (Chaidarkan) und Chauvai (Tschauwai) erschlossen.

Thailand

Aus einer der großen thailändischen Flußspat-Lagerstätten, der Grube Mae Tha(n) (syn. mit Meung Hae Tha), südlich von Lampang, stammen nadelige, teilweise bis über 10 cm lange Stibnit-Kristalle, welche partiell oder komplett mit farblosen bis sehr hellvioletten Fluoritwürfeln bis 8 mm Größe überkrustet sind. Der Fund in den Jahren 1987/1988 war einmalig.

Stibnit
Stibnit

Italien, La Cetine die Cotrormiano (La Cetine) Chiusdino, Siena, Toscana, Länge der Stufe ca. 4 cm

Stefan

Stibnit
Stibnit

Caspari-Zeche, Sauerland, Deutschland; Größe: 2,2 x 2 cm

kraukl

S75
S75

Graf-Jost-Christian-Zeche, Wolfsberg im Harz, Deutschland; typisch gebogene Kristalle; Größe: 10 x 8 cm

loparit

Stibnit
Stibnit

Stibnit mit Valentinit xx und Quarz
Maße der Stufe: 8 x 6 x 3,5 cm
Neue Hoffnung Gottes, Bräunsdorf, Erzgebirge, Sachsen

Schluchti

Stibnit
Stibnit

freistehende Stibnit xx in einer Druse mit Kermesit xx und Quarz; Maße der Stufe: 8 x 6 x 5 cm; Neue Hoffnung Gottes, Bräunsdorf, Erzgebirge, Sachsen, Deutschland

Schluchti

Stibnit
Stibnit (SNr: 0702)

Größe: 83x47 mm; Fundort: Kremnica, Banska Bystrica, Slowakei

slugslayer

Stibnit
Stibnit

Antimongrube, Stadtschlaining, Oberwart, Burgenland, Österreich; Größe: 95x60 mm

slugslayer

Stibnit
Stibnit

Almuradiel, Ciudad Real, Kastilien-La Mancha, Spanien; Größe: 5 x 8 cm

Carlos Pareja

Stibnit
Stibnit

Ungarn, wahrscheinlich Rudabánya; Größe: 7,5 x 7,6 cm

Rob Lavinsky

Stibnit
Stibnit

Lagerstätte Raura, Provinz Cajatambo, Dept. Lima, Peru; Größe: 43x33 mm

slugslayer

Stibnit
Stibnit

Oruro Bergbaurevier, Provinz Cercado, Dept. Oruro, Bolivien; Größe: 41x26x17 mm

slugslayer

Stibnit
Stibnit

Durango Stibiconit pseudomorph nach Stibnit Größe: 7 x 5 cm

Mineralium

Stibnit
Stibnit

Zacatecas, Mexico; Größe: 7,7 x 6,2 cm

Rob Lavinsky

Stibnit
Stibnit

Bau Mine (Lucky Hill Mine), Bau, Sarawak Borneo, West-Malaysia Größe: 10,4 cm

Rob Lavinsky

Stibnit
Stibnit

Mae Tha(n), (Meung Hae Tha), S von Lampang, Nord-Thailand; Stibnit-Kristalle, komplett überkrustet mit Fluorit; Größe: 13 x 11 cm; Fund 1987/1988

Rob Lavinsky

Literatur

  • Crowley, J.A., Currier,R.H., Szenics,T., 1997; Mines and minerals of Peru; MinRecord: 28, 4
  • Exel, R., 1993; Die Mineralien und Erzlagerstätten Österreichs
  • Fedorcuk, V.P., 1985; Die Geologie des Antimons (in russisch).
  • Kolesar, P., Brekler, V., Tvrdý, J., 1993; Südkirgisien: Quecksilber-Antimon-Lagerstätten und ihre Mineralien; Lapis: 11, 11-24
  • La Miniera delle Cetine: http://www.siena-agriturismo.it/siena_miniera_cetine.htm
  • Niedermayer, G., Praetzel, I., 1995; Die Mineralen Kärntens
  • Panczner, W.D., 1987; Minerals of Mexico
  • Schnorrer-Köhler, G., 1989; Das Antimonerzvorkommen der Casparizeche bei Arnsberg im Sauerland und seine Minerale; Lapis:6, 11-32
  • Seroka, P., 2001; Fluorit - Daten, Fakten, Weltweite Vorkommen: Thailand
  • Seroka, P., 1981; Neuere Mineralfunde im Bau-Bergbaurevier in Nordborneo (Sarawak); Unveröffentl.
  • Szakall, S., Horvath, L., Zsamboki, L., 2001; Famous mineral localities - Rudabánya, Hungary. MinRecord: 32, 89-126, 155-160
  • Vazquez Guzman, F., 1978; Depositos minerales de Espana
  • Wilford, G.E., 1955; The geology and mineral resources of Kuching-Lundu Area, West-Sarawak, incl. the Bau mining district; Geol. Surv. Dept. Brit. Territ. in Borneo, Mem.: 1




Quellenangabe


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