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Ocker

(altgriech.: ochra; lat.: sil; engl.: ochre)

Lockeres, leicht zerreibliches, erdiges, abfärbendes Mineralgemisch aus Tonerde (d.h. Aluminiumverbindungen als Silikate, Oxide und Hydroxide) und Eisenoxidhydrat (Hydrat von III-wertigem Eisenoxid), bzw. natürlich vorkommende Verwitterungsprodukte von Eisenoxiden, Eisenhydroxiden, Eisensulfaten und Feldspat mit oder ohne Kalkgehalt.
Die Farbpalette von Ocker reicht von hellgelb über gelbraun, orangebraun, braun bis hin zu rotbraun. Je höher der Eisenanteil, desto intensiver die Farbe. Eine für die meisten Ocker typische Färbung wird als ockergelb oder ockerbraun, bzw. als Pigment als Goldocker oder Gelber Ocker bezeichnet.

Ocker ist oft ein Verwitterungsprodukt von Dolerit, resp. Mikrogabbro (in älterer Literatur auch als Diabas bezeichnet).

Abgrenzung Ocker zu Rötel

Allgemein werden gelliche bis gelblichbraune Mischungen aus Ton und wasserhaltigen Eisenoxiden (Eisenoxidhydrate) wie Goethit (resp. Limonit oder Brauneisenstein) als Ocker und rötliche bis tiefrote Mischungen aus Tonerde und wasserfreiem Eisenoxid wie Hämatit als Rötel bezeichnet.
Unter der Bezeichnung Ocker sind eine Vielzahl natürlich vorkommender Farbpigmente bekannt, wobei der Begriff von Autor zu Autor unterschiedlich aufgefasst und Rötel nicht selten als roter Ocker bezeichnet wird. Eine genaue Abgrenzung ist oft nur schwer möglich, da es unzählige rote und rötlich-orangefarbene Ocker gibt, welche mit Eisenoxiden in Form von Übergangsphasen vom Eisenoxidhydrat zum wasserfreien Eisenoxid gemengt sind.

In der praktischen Anwendung bezeichnet Ocker Pigmente mit hellgelben bis gelbbraunen Farbtönen; Rötel jedoch ausschliesslich ein rotes Pigment, welches zumeist in Form von Zeichenstiften zum Skizzieren verwendet und in der Vergangenheit hauptsächlich als Schutzanstrich für Schiffsplanken verwendet wurde. Pigmente aus gebranntem Ocker werden als gebrannte Siena oder Umbra bezeichnet.

Verwendung

Ocker ist eine seit 35.000 Jahren bekannte Erdfarbe und wurde u.a. in der Höhlenmalerei benutzt. (Ausnahmen sind Höhlen wie die von Altamira in Spanien und Lascaux in Frankreich, deren großartige Tierzeichnungen eindeutig mit Rötel erstellt wurden). Im alten Ägypten und bei den Hethitern war Ocker als Schminke bekannt.
In China, in vielen Ländern Afrikas sowie in Süd- und Südosteuropa werden die Hauswände noch heute mit gelbem oder braunrotem Ocker bemalt. Ocker ist ein halbdeckendes bis gut deckendes lichtechtes Pigment, welches mit vielen Bindemitteln verträglich ist und in allen bekannten Malertechniken eingesetzt werden kann. Hauptanwendungsgebiete sind Fussbodenanstriche sowie das Färben von Leder, Tapeten, Wachstuch und Kunststeinen.
Geglühter Rötel, vermischt mit Öl, war schon den alten Römern als äußerst haltbarer und widerstandsfähiger Schutzanstrich für ihre hölzernen Schiffe bekannt und wurde bis ins 19. Jh. an der Kanal- und Mittelmeerküste von den Schiffsbauern als Meerwasser unempfindlicher Farbanstrich benutzt (der dazu verwendete Rötel wurde besonders im nördlichen Saarland abgebaut und bis nach Marseille transportiert).

Geschichte

Ocker tritt bereits im Mittleren Steinzeitalter Südafrikas als Farbstoff zur Dekoration von Schmuckschnecken oder als Körperschmuck auf, auch als Komplettbemalung z. B. bei den nordamerikanischen Beothuk-Indianern. In der Höhlenmalerei des europäischen Jungpaläolithikums wurde Ocker gleichfalls verwendet. Die Streuung von rotem Ocker ist seit dem Gravettien bis zum Magdalénien ein typisches Merkmal bei Grabstätten.

In der Antike und im Mittelalter zählen die Ocker weltweit zur grundlegenden warmen Palette aller kolorierten Medien der Künste.

Vorkommen

Die bekanntesten europäischen Ockervorkommen befinden sich in Griechenland, Spanien, Süditalien, auf der Insel Elba

Bekanntester Abbauort in Europa sind die Ockersteinbrüche in dem französischen Ort Roussillon im Département Vaucluse Roussillon. Hier bauten bereits die Römer, die das Dorf vicus russulus (rotes Dorf) nannten, Ocker ab. Berühmt für seine besonders gute Qualität war der Goldocker mit seinem auserlesenen Farbton, dem typischen Barockgelb. Ein eindrucksvolles, ebenfalls aufgegebenes Abbaugebiet liegt etwa 20 km östlich von Roussillon im Colorado bei Bouvène, südlich von Rustrel. (Diese Vorkommen wurden schon in der Römerzeit genutzt, später vergessen und erst 1780 wiederentdeckt). Roussillon war bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts Zentrum des Ockerabbaus, der bis 1930 noch betrieben wurde. Heute existiert nur noch eine Farbenfabrik zur Besichtigung (Ancienne Usine Mathieu). Ferner liegt am Ortsrand der Sentier des Ocres, der Ockerlehrpfad. Die provenzalischen Steinbrüche sind heute eine Touristenattraktion, dort wird seit Jahren kein Ocker mehr abgebaut. (Abbau und Verkauf des französischen Ockers wurde von der Société des Ocres de France (SOF) verwaltet).

In Deutschland wurde vorrangig in Goslar am Nordharzrand Ocker aus Absetzbecken gewonnen („Ockersümpfe“), welche die Grubenwässer des Rammelsberger Bergbaus klärten. Auch in der Oberpfalz wurde bis um 1920 Ocker im Untertagebau in der Nähe von Neukirchen bei Sulzbach-Rosenberg gewonnen. Anschließend wurde er meist dort in einer Farbmühle zu Lack weiterverarbeitet. Deutscher Rötel wurde am Schaumberg zwischen Theley, Hasborn und Selbach sowie bei Oberthal im oberen Bliestal und am Litermont im Saarland abgebaut (> Rötelkrämer).

Ein bekanntes australisches Abbaugebiet ist Wilgie Mia bei Perth.

Gewinnung

Ocker wird noch in geringen Mengen aus Erde durch langwierige Ausschlämmverfahren gewonnen. Hierzu wird das Pigment in einer Reihe von Klärbecken ausgewaschen und in Windmühlen von Ballaststoffen gereinigt. Dieser Grundstoff wird getrocknet und ausgeliefert. Bei Bedarf wird er durch ein Brennverfahren auf den gewünschten Farbton gebracht. Außerdem werden besonders farbschöne „Nester“ (kleine, konzentrierte Ansammlungen) speziell für den Künstler- und Restaurierungsbedarf verwertet.

Bilder

Ockerfelsen
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Ockerfelsen

Ockerfelsen im Colorado Provencal, Rustrel, Vaucluse, Frankreich

Copyright: Erik
Beitrag: Erik 2013-01-06
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Ockerfelsen im Colorado Provencal, Rustrel, Vaucluse, Frankreich

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Beitrag: Erik 2013-01-06
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Ocker
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Roussillon, Provence, Frankreich.

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Beitrag: Doc Diether 2010-07-01
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Ockerabbaue in Roussillon
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Ockerabbaue in Roussillon

Provence, Frankreich.

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Beitrag: Doc Diether 2010-07-01
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Ocker

Roussillon, Provence, Frankreich

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Beitrag: Grenzton 2008-05-07
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Ockerfelsen

Roussillon, Provence, Frankreich

Sammlung: Grenzton
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Beitrag: Grenzton 2008-05-06
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Literatur

  • Ploß, E.E., 1989; Ein Buch von alten Farben. Technologie der Textifarben im Mittelalter mit einem Ausblick auf die festen Farben. 6. Aufl. München
  • Schumacher, R. & A. Raimann (1999). Vom Ockersteinbruch zum fertigen Kunstwerk. Aufschluß, Jg.50, Nr.6, S.398-404.
  • Société des Ocres de France; 2006; Histoire de l’ocre. (franz.).
  • Wehlte, K., 1967; Werkstoffe und Techniken der Malerei. Otto Maier, Ravensburg (Ocker S. 92 f., Gebrannter Ocker S. 116 f., Braune Pigmente S. 127 ff.)

interne Links:

externe Links


Autor

  • Peter Seroka

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