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Organische Mineralien


Was sind „Organische Mineralien“?

Der Begriff "Organische Mineralien" wird (leider) weltweit noch oft individuell definiert, obwohl es für diese Mineralgruppe seit einigen Jahren eine "Status Quo"-Klassifizierung gibt. Status Quo bedeutet im weiteren Sinn die Klassifizierung nach dem Strunz-System, insbesondere aber die Anerkennung bzw. Aberkennung (Diskreditierung) der nachstehenden Mineralien durch die international verbindliche IMA-Regelung.

In nicht wenigen öffentlichen und privaten Sammlungen befinden sich organische Verbindungen, welche entweder nie als Mineral anerkannt waren bzw. traditionell (tw. seit über 100 Jahren) zu den Mineralien gehörten oder ganz einfach Kohle-, Asphalt-, Bitumen- oder Harzvarianten sind. Ein wesentlicher Grund für die richtige (akzeptierte) oder falsche) Einordnung lag und liegt bei der Interpretation des Begriffes "Mineral".

Allgemeine Definition

Anerkannte organische Mineralien sind definierte chemische Verbindungen, welche natürlich unter geologischen Verhältnissen bzw. in einem geologischen Umfeld entstanden sind.

Mineralien und Biogene Substanzen (IMA-Definition)

Ein Mineral ist ein natürlich vorkommender fester Körper, welcher durch geologische Prozesse gebildet wurde, entweder in/auf der Erde oder in extraterrestrischen Körpern. Eine Mineralspezies ist eine Mineralsubstanz mit eindeutig definierter chemischer Zusammensetzung und kristallographischen Eigenschaften.

Es ist jedoch nicht immer möglich, eine scharfe Grenze zwischen biogenen Substanzen, d.h. solchen, welche durch biologische Prozesse und Mineralien, welche normal durch geologische Prozesse gebildet wurden, zu ziehen. Es wird zum Beispiel immer offensichtlicher, dass viele der mit Diagenese verbundenen Bildungsprozesse, welche bis zu einem gewissen Grad durch bakterielle Aktionen und durch die Biosphäre beeinflusst werden, gewöhnlich als Teil des geochemischen Kreislaufes betrachtet werden können.

Dessenungeachtet ist es notwendig, für rein biologische Substanzen, die in die Mineralwelt integriert wurden, eine formale Trennung zu schaffen. Einige biogene Substanzen wie Hydroxyalapatit in den Zähnen, Whewellit in Harnstein oder Aragonit in Muschelschalen existieren auch als Mineralien, welche geochemisch gebildet wurden und deshalb als gültige Mineralien betrachtet werden. Rein biogene Substanzen jedoch, welche kein geologisches Gegenstück haben, oder deren Entstehung absolut nichts mit geologischen Prozessen in Verbindung gebracht werden können, werden nicht als Mineralien anerkannt.

Jedoch Substanzen, welche durch die Aktion geologischer Prozesse auf organischem Material gebildet wurden (wie z.B. in Schiefern oder aus Fledermausguano), können als Mineralien anerkannt werden.


IMA-WGOM - Ein langes Kapitel

Mit dem Ziel, ein verbindliches System sowie eine internationale Nomenklatur und eine Datenbank organischer Mineralien zu schaffen, aber besonders auch, um organische Verbindungen, welche definitiv keine Mineralien sind, zu revidieren und zu diskreditieren und letztendlich eine Liste gültiger organischer Mineralnamen zu etablieren, wurde durch die IMA im Jahr 1985 eine Arbeitsgruppe WGOM (working group on organic minerals) gegründet. Die WGOM hat sich als Aufgabe gestellt, eine ausführliche Revision organischer Mineralien, angefangen mit den fossilen Harzen (Bernstein), zu erarbeiten, da es Tatsache ist, dass viele Substanzen, die bisher als Mineral beschrieben wurden, weit entfernt von einem definierten Mineral sind. Wie es den Anschein hat, sind bis auf verschiedene Zusammentreffen der WGOM-Mitglieder bisher nur interne Veröffentlichungen und Absichtserklärungen erfolgt, wobei von 1988 bis 2003 der (wohl einzige) Schwerpunkt der Gespräche beim Thema Bernstein lag. 2004 gab es wegen einiger mittlerweile verstorbener oder desinteressierter Mitglieder und Job-verlust der WGOM-Sekretärin, wesentlich aber wegen Mangels finanzieller Mittel keine Treffen; es blieb bei der Absicht, eine Liste gültiger organischer Mineralnamen zu etablieren. Eine Veröffentlichung zu Bernstein und verwandter organischer Mineralien aus Österreich ist in Vorbereitung. Im Rückblick auf die bisherigen Aktivitäten seit der Gründung vor 21 Jahren ist also bis auf verschiedene Bernstein-Symposien und einige Publikationen zischen 2003/2004 zum Thema Bernstein bisher keine verbindliche Nomenklatur veröffentlicht worden (soweit dies aus dem IMA-WGOM 2005-Bericht ersichtlich ist).


Anerkannte und klassifizierte Organische Mineralien

Organische Mineralien sind von der IMA anerkannte und nach dem Strunz-System unter IX klassifizierte organische Verbindungen.

Anerkannte organische Mineralien (bzw. gültige Mineralbezeichnungen)

  • Mineralklasse-IXA Salze organischer Säuren (wesentlich Salze der Oxalsäure/Oxalate)

    • IX/A.01 Whewellit-Wheatleyit-Serie
    • IX/A.02 Mellit-Abelsonit(?)-Serie
  • Mineralklasse-IXB stickstoff-freie Kohlenwasserstoffe mit C und Wasser und Kettenstrukturen

    • IX/B.01 Evenkit-Serie
    • IX/B.02 Kratochvilit-Flagstaffit-Serie
  • Mineralklasse-IXC Harze und harz-ähnliche Verbindungen
  • Mineralklasse-IXD stickstoff-haltige Verbindungen mit C und Wasser

    • IX/D.01 Harnstoff-Guanin-Serie

(Auflistungen unter Mineralklasse-IX)

Opalbildung durch bakterielle Prozesse

  • Bildung von schwarzem Opal in Lightning Ridge (Australien) durch kretazäische Mikroben (bakterielle Prozesse).

Nicht als Mineral anerkannte organische Verbindungen

Nicht alle nach dem Strunz-System unter IX klassifizierten organischen Mineralien sind gültig bzw. sind nicht von der IMA anerkannt.


Falsch als organisch bezeichnete Mineralien

(Organische Verbindungen, welche falsch als Mineralien bezeichnet werden)

Hierzu gehören wesentlich Varianten der verschiedenen Kohle-Arten, Erdölbitumina (Asphalt, Pech, Bitumen, und Wachse), fossile Harze und Gemische aus Metallen und Kohlenstoff/Kohlenwasserstoffen und/oder Wasser.

Kohle

  • Anthrazit (Kohle, ein sedimentäres Gestein)
  • Lignit (auch Jet oder Quisqueit; Kohle-Varietät, in welcher die Struktur des ursprünglichen Holzes erhalten blieb)
  • Vitrit (Anthrazit-Var.)

Erdölbitumina (e.g. Asphalt)

  • Albertit (Asphalt-Var.)
  • Asphaltit (ein organisches Gestein)
  • Elaterit (Bitumen-Varietät; ein Polythen mit essent. Schwefel)
  • Gilsonit (Asphalt-Var.)
  • Grahamit (Asphalt-Var.)
  • Helenit (Paraffin-Wachs)
  • Impsonit (Asphalt-Var.)
  • Kata-Impsonit (hochmetamorphe Festbitumina)
  • Leyteit (Asphalt-Var.)
  • Libollit (Asphalt-Var.)
  • Mc Kittrit (Asphalt-Var.)
  • Nigrit (Asphalt-Var)
  • Ozokerit (oder Erdwachs, ein Paraffin-Wachs)
  • Rafaelit (Asphalt-Var.)
  • Tabbyit (Asphalt-Var.)
  • Uintahit (Asphalt-Var.)
  • Wurtzilit (Asphalt-Var.)
  • Zietrisikit (eine wachsartige, ozokerit-ähnliche Kohlenwasserstoffverbindung)

Fossile Harze

  • Bathvillit (fossiles Harz aus Bathville, Schottland)
  • Bernstein (Amber)

Gemische aus Kohlenstoff/Kohlenwasserstoffen, Metallen, Silikaten und Wasser

  • Hatchettit (Kohlenwasserstoff aus Kohlen oder im Inneren hohler Eisenerz-Konkretionen)
  • Thucholith (Akronym für Th, U, C und H); ein Gemisch aus Kohlenwasserstoffen, Uraninit und einigen Sulfiden)

Fullerit und Shungit

sind keine organischen Mineralien; Fullerit ist, obwohl detailliert beschrieben, bisher nicht IMA-anerkannt; Shungit ist ein fulleren-haltiges Gestein.

s.u. Fullerit, Shungit.


Literatur

  • Abraham, H.; 1962; Asphalts and allied substances
  • Behr, H.J., Behr, K., Watkins, J.J.; 2000; Cretaceous micobes - producer of black opal at Lightning Ridge, Australia. Austral. Geol. Convent., 28-29
  • Carman, E.P., Bayes, F.S.; 1961: Occurrence, properties and uses of some natural bitumens; Bur. of Mines, Inf. Circ., 7997
  • IMA-WGOM; Annual Report 2005
  • Jacob, H., 1983; Neuere Untersuchungen zur Genesis natürlicher, fester Erdölbitumina; Geol. Jhb. Reihe D, Band D 59
  • Murphy, B.A., 1945; The chemistry and constitution of asphalts; Journ. of the Instit.of Petroleum; :31, 475
  • Nickel, E.H.; Grice. J.D.; 1998; The IMA -CNMMN: Procedures and Guidelines on MIneral Nomenclature; Can. Min., Vol. :36, pp. x-xx

Quellangaben


Einordnung