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Indien - Mineralien, Fundstellen, Lagerstätten

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  • Autor: Berthold Ottens
  • Verlag: C. Weise Verlag, München in Zusammenarbeit mit der TU Bergakademie Freiberg
  • 384 Seiten. Format: 24,5 x 28,5 cm. 2,1 kg.
  • ISBN:9783921656761
  • Preis: 59,- Euro.

Inhaltsbeschreibung

Dieses Buch ist jetzt das 2. von Berthold Ottens, indem er sehr ausführlich ein ganzes Land mit seinen Fundmöglichkeiten beschreibt. Nicht einfach in Vielschreiber-Manier, sondern der Autor ist -zig mal dort in Sachen Mineralien gewesen. Und er hat auf Grund seiner Reise- und Einkaufstätigkeit auch mehrere Artikel über indische Mineralien und Fundstellen geschrieben.

Früher war Indien das sagenhafte Land mit reichen Gold-, Diamant- und anderen Edelsteinvorkommen. Was ist davon übriggeblieben und wo verbergen sich auch heute noch mineralische Reichtümer? Heute sprechen Mineraliensammler in Bezug auf Indien eigentlich kaum über Gold und Edelsteine; vielmehr liegt der Hauptfokus auf den wunderschönen und leicht zu erhaltenden (meist) Zeolith-Mineralien des Dekkan-Trapp aus dem Dreieck Pune (Poona), Mumbay (Bombay) und Nashik (Nasik). Und dem wird Genüge getan, indem fast die Hälfte des Buches diesem Thema gewidmet ist. Hier noch mal ein paar der weltweit einzigartigen Mineralien: Amethyst, Apophyllit, Calcit, Gyrolit, Fluorit, Mesolith, Pentagonit, Prehnit, Stilbit..... Ottens beschreibt die Funde und die Fundstellen mit phantastischen Bildern, ebenso die Fundsituation und die Mineralbildung. Er kommt auf 30 Fundstellen. Der Autor gibt an, dass der Erwerb guter Stufen nur selten in den Steinbrüchen möglich ist, dass man aber Hinweise auf die Fundsituation etc. schon dort bekommen kann. Die Besitzer der Basalt-Steinbrüche als auch die Händler wissen erstaunlicherweise wenig in der Mineralbestimmung und auch Fundortangaben sind mit Vorsicht zu genießen.

Lagerstätten und Rohstoffe: Als 7. größtes Land der Erde erlangte Indien bezüglich der Rohstofferzeugung keine entsprechende Bedeutung. Das liegt an einer schleppenden geologischen Erkundung des Subkontinents. Als wesentliches Problem sieht Ottens einen schnell steigenden jährlichen Rohstoffbedarf, ausgehend von einer Steigerung der Industrie-Produktion von 10% gegenüber einer Steigerung der tatsächlichen Rohstofferzeugung von 2%. Er führt die Probleme zurück auf eine schlecht funktionierende Administration, unzureichende Infrastruktur, hohe Umweltauflagen sowie zu hohen Abgaben. Er gibt 89 verschiedene Rohstoffarten an. Die wichtigsten metallischen sind: Eisen, Chrom, Zink, Gold, Mangan und Blei. Die wichtigsten nichtmetallischen Rohstoffe sind: Kohle, Kalk, Magnesit, Bauxit, Dolomit, Baryt, Kaolin, Gips, Apatit, Talk und Fluorit. Indien ist reich an Eisenlagerstätten, mit wichtigen Lagerstätten in Chhattisgarh, Orissa, Bihar, Goa, Karnataka, Maharashtra und Andhra Pradesh. Bei Kupfer hingegen kann der Eigenbedarf, wegen Mangels an großen Lagerstätten, nicht gedeckt werden. Hinsichtlich Blei und Zink gibt es große proterozoische polymetallische Lagerstätten in Zawar und Rampura (Rajasthan). In der Chromit-Förderung ist Indien das 3. wichtigste Land. Ebenfalls Mangan ist reichlich vertreten, vor allem im Süden von Madhya Pradesh. Das Vorkommen Kajlidongri und Tirodi ist Typ-Lokalität für 4 bzw. 2 Mn-Mineralien. Immer wichtiger hinsichtlich Granat, Zirkon, Seltene Erden, Thorium und Uran werden die Mineralinhalte von Strandseifen. Aus Bergwerken oder Steinbrüchen (Ausnahme Zeolithe des Dekkan-Trapp) stammende Mineralien für Sammlerzwecke sind für den Erzeuger wie für den Händler überhaupt kein Thema und sind daher so gut wie nicht zu bekommen. Einen besonderen Rohstoff stellen die Edelsteine dar: In Indiens Geschichte spielten Edelsteine als Symbol der Macht eine große Rolle. Das Land ist heute nicht nur ein großes Edelstein-Verbrauchs-Land, sondern der weltweit größte Erzeuger. Dabei spielen Deko-Steine aus Marmor, Karneol, Disthen, Rubine in grünem Mavinit etc. eine große Rolle. Die Stadt Jaipur ist mengenmäßig die Edelstein-Hauptstadt der Welt. Durch billige und geschickte Arbeitskräfte werden auch Edelsteine aus der ganzen Welt verarbeitet. In Indien werden heute nur selten hochwertige Edelsteine gefunden. In alter Tradition werden schon lange Achate, Karneole, Bergkristall, Amethyst, Spinell, Granat, Beryll, Rubin, Saphir, Smaragd, Diamant, Zirkon....gewonnen und verarbeitet. Allerdings sind die Qualitäten in der Regel bescheiden. Man denke an die großen, trüben, hexagonalen Kristalle von Rubin. In der Antike galten eigentlich bis zum Aufkommen der brasilianischen Funde nur die indischen Diamanten. Man denke diesbezüglich an den berühmten Hope, Kah-i-Nor, Orlov und den grünen „Dresden“ –Diamant. Aus Golkonda kamen die teuersten Diamanten. Mit Ausnahme der Kimberlit-Schlote von Majhgawan wurden Diamanten nur in alluvialen Lagerstätten gefunden. Und als diese klassischen Fundstellen zur Neige gingen, hat man nicht mit Neuprospektionen geantwortet. Zitat: „Das Hauptproblem der indischen Edelsteinlagerstätten ist darin begründet, dass mit wenigen Ausnahmen alle Edelsteinabbaue mehr oder weniger illegal betrieben werden.“ Und daher ist es verständlich, dass man fast nie die Gelegenheit hat, einen solchen Abbau zu besichtigen oder eine richtige Angabe zur Herkunft eines Stückes zu bekommen. Eine grobe Angabe der Provinz ist das äußerste. Zudem sind die Abbaue klein und werden teilweise nach einer raschen Ausbeutung wieder verlassen. Und Namen haben die dann natürlich auch nicht. Daher ist es verdienstvoll, dass es dem Autor doch gelungen ist, zahlreiche verlässliche (?) Angaben über die Edelsteine, Gruben und Einzelheiten drumherum zu sammeln. An Edelstein-Provinzen zählt der Autor auf: Jammu & Kashmir, Andhra Pradesh, Orissa, Karnataka, Tamil Nadu, Rajasthan (Quarz-Varietäten). Zu jeder der Bundesstaaten werden zahlreich Edelstein-Arten und Fundstellen beschrieben. Zum Buchinhalt sollte noch erwähnt werden, dass zu dem bisher besprochenen noch inhaltlich in 17 Seiten ein Teil der Indien-Sammlung von Schloss Freudenstein (Freiberg) exquisit bildlich vorgestellt wird. Das Buch schließt ab mit einigen Registern zur besseren Orientierung in diesem Werk.


Beurteilung

An Detailangaben mangelt es nicht, wohl aber, diese in eine übersichtliche Ordnung zu bringen. Der Autor hat sich wohl bemüht, in Form der Edelstein-Arten und der Fundstellen Ordnung zu schaffen. Hinsichtlich der nicht immer einheitlichen Schreibweise, teilweise Verwirrung über die Lokalität und der (teils bewussten) unklaren Informationen und fehlendem Interesse der Einheimischen, ein schwieriges Unterfangen. Diese Blockaden haben bisher auch eine klare Informationslage sehr behindert. So kommt es vor, dass Angaben zur Fundstelle und zum Mineral mehrfach an verschiedenen Stellen auftauchen, was bei einer Neuauflage berücksichtigt werden sollte. Daher stellt das Ottens’sche Buch eine gute, wenn auch optimierbare Übersicht und Quelle über Indiens Mineralreichtum dar. Es gibt über Indien nichts besseres, daher ist das Buch, trotz obiger kleiner Einschränkungen, sehr zu empfehlen.


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