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Carcharias (RAFINESQUE, 1810)

Synonyme: Synodontaspis (WHITE, 1931), Triglochis (MÜLLER & HENLE, 1837), Eugomphodus (GILL, 1861), Patodontaspis (WHITE, 1813), Araloselachus (GLÜCKMAN, 1964), Eostriatolamia (GLÜCKMAN, 1980)

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Carcharias gustrowensis
Lateralzahn, ca. 1,4 cm
oberes Oligozän, Chatt
Kobrow, Deutschland
Sammlung und Foto: AZRAEL

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Carcharias sternbergensis
Lateralzahn, ca. 0,8 cm
oberes Oligozän, Chatt, Sternberger Gestein
Kobrow, Deutschland
Sammlung und Foto: AZRAEL

Allgemeines

Diese Gattung kommt seit dem Apt bis rezent vor. Die Sandtigerhaie der Gattung Carcharias sind noch mit 2 Arten, Carcharias taurus und Carcharias tricuspidatus, in den heutigen Meeren vertreten. Die beiden Arten sollen sich praktisch nur durch das Fehlen der Labialfalten bei Carcharias tricuspidatus unterscheiden.

Die Verbreitung dieser Grundhaie erstreckt sich über den Atlantik, das Mittelmeer, Südostafrika, Japan und Australien. Die maximale Größe der Haie liegt bei 3,50 m. Die oft in größeren Gruppen von bis zu 20 Exemplaren auftretenden Sandtigerhaie fressen bevorzugt Fische, Kalmare und auch größere Krebstiere. In den 1970er Jahren wurden Tausende dieser sicher furchterregenden, aber im Grunde harmlosen Haie mit Explosivgeschossen getötet.

Auf diese Weise wurden sie sogar von von renommierten Wissenschaftlern gejagt, die es nicht schafften, der Versuchung zu widerstehen. Trotz besseren Wissens wollten sie als Helden bewundert werden.

Die fossilen Vertreter dieser Gattung wurden in der Vergangenheit häufig mehrfach beschrieben. Es gibt keine andere Gattung der Selachier, in der so viele Arten wiederholt aufgestellt worden sind. Auf der anderen Seite verbergen sich hinter einzelnen Namen, wie etwa Carcharias acutissima, gleich mehrere Arten. So unterscheiden sich Exemplare aus dem Oligozän durch Größe, Ausbildung und Anzahl der Nebenzähne sehr deutlich von Vertretern aus dem Miozän. Dies beobachtet man oft bei Arten, die über so gewaltige Zeiträume existiert haben.

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Carcharias cuspidatus
Unterkiefer
Oligozän
Eckelsheim, Mainzer Becken
Sammlung und Foto: CARCHARIAS

Evolution

Die geologisch ältesten Vertreter aus der Familie der Lamniden wurden in den Steinbruch Störmer (Wallücke, Wiehengebirge) nachgewiesen. In den dort anstehenden Schichten des Calloviums des mittleren Jura wurden fragmentarisch erhaltene Kronen gefunden, die u.a. durch eine Schmelzfaseruntersuchung der Familie der lamniden Haie zugeordnet werden konnten.

Wesentlich besser erhalten sind mehrere fast komplette Haie aus dem Tithon des oberen Jura von Eichstätt, die in den dort anstehenden Plattenkalken gefunden wurden. BEAUMONT beschrieb sie 1960 als Palaeocarcharias stromeri. Die ersten sicher bestimmbaren Arten aus der Kreide sind Carcharias subulata (AGASSIZ, 1843) aus den Schichten des Alb und Carcharias striatula (DALINKEVICIUS, 1935) aus Kent in England. Diese weitverbreitete Art kommt vom Alb bis in das Apt vor.

Aus der oberen Kreide ist eine Vielzahl von Arten beschrieben worden. International wurde aus dem Cenoman Carcharias amonensis (CASE & CAPPETTA, 1999), eine Art mit weltweiter Verbreitung, anerkannt. Aus dem Coniac kennt man Carcharias heathi (CASE & CAPPETTA, 1997), eine Art, die auch im Maastricht von Texas nachgewiesen wurde. Ebenso wurde in der kanadischen Provinz Saskatchewan Carcharias lillae (CASE, 1990) aus den Schichten des Coniac beschrieben. Im Campan trifft man auf Carcharias holmdelensis (CAPPETTA & CASE, 1975) und Carcharias samhammeri (CASE & CAPPETTA, 1999). Alle diese Arten hatten ihre Verbreitungsschwerpunkte auf dem heutigen Gebiet der USA.

Besondere Bedeutung für die Evolution der Gattung könnte die aus dem europäischen Campan nachgewiesene Art Carcharias latus (DAVIS, 1890) haben. Diese Art soll Merkmale der weiterentwickelten Arten aus dem Tertiär haben. Ebenfalls eine Art aus dem Campan (eventuell bis ins Maastricht vorkommend) von Europa stellt Carcharias aasenensis (SIVERSON, 1992) dar. Sie wurde nicht selten in den obersten Kreideschichten von Ignaberga in Schweden gefunden. Keine der bekannten Arten der Kreide aus der Gattung Carcharias überlebte die Wende Kreide/Teriär.

Im Thanet/Dan tauchten Carcharias atlasi (ARAMBOURG, 1952), Carcharias teretidens (WHITE, 1931) und auch Carcharias hopei (AGASSIZ, 1843) auf. Besonders die zuletzt genannte Art wird sehr intensiv wissenschaftlich untersucht, da sie als Stammform auch anderer Familien in Betracht kommt.

Besonderes wissenschaftliches Interesse verdient auch die eozäne Art Carcharias koerti (STROMER, 1910). Im Oligozän traten mit Carcharias acutissima (AGASSIZ, 1844) und Carcharias cuspidatus (AGASSIZ, 1843) die wohl bekanntesten und erfolgreichsten Arten dieser Gattung auf. Sie sind weltweit vertreten und zumindest im Oligozän fast überall die häufigsten Arten.

Im unteren Miozän verschwand zuerst Carcharias acutissimus (AGASSIZ, 1844). Diese Art wurde sehr schnell von Carcharias reticulatus (PROBST, 1879) verdrängt. Der Status von Carcharias cuspidatus (AGASSIZ, 1843) im Miozän ist im Augenblick sehr umstritten. Ab dem Langhien ist in Europa Carcharias taurus (RAFINESQUE, 1810) nachweisbar. Eine Art, die noch in den heutigen Meeren vertreten ist.

Zahnbeschreibung (nach Cappetta)

Die bis zu 5 cm hochen Vorderzähne haben eine schlanke Krone, ein s-förmiges Profil, eine stark konvexe innere Seite, die häufig im mittleren Bereich wieder abgeplattet sein kann. Die äußere Seite ist ziemlich flach, die innere Seite trägt unregelmäßige, gebogene Falten, die sich auf der Krone weit nach oben ziehen können, aber bei einigen Zähnen vollständig fehlen. Die Basis der äußeren Seite kann einen kurzen mittleren Grat aufweisen. Im Allgemeinen erreichen die Schneidekanten nicht den Fuß der Krone. Ein bis zwei Paar normalerweise scharfer Seitenspitzen sind vorhanden. Sie sind nach innen gebogen.

Die Wurzel ist hoch, hat deutlich getrennte Äste und auch eine starke innere Wölbung mit einer ausgeprägten Furche. Bei seitlichen Zähnen ist die Krone flacher und breiter an ihrer Basis, genau wie die Seitenspitzen, von denen bis zu drei Paare vorhanden sein können. Die Falten auf der inneren Seite der Krone werden undeutlicher und verschwinden. Die Wurzeläste dehnen sich aus und entfernen sich voneinander. Die basale Seite wird breit, flach oder konvex, immer mit einer deutlichen Furche versehen.

Arten

  • Carcharias acutissima (AGASSIZ, 1844), oberes Eozän (?) - Oligozän, unteres Miozän
  • Carcharias cuspidatus (AGASSIZ, 1843), Oligozän - Miozän (?)
  • Carcharias holmdelensis (CAPPETTA & CASE 1975), oberes Campan
  • Carcharias hopei (AGASSIZ, 1843), Paläozän - Eozän
  • Carcharias koerti (STROMER, 1910), Eozän
  • Carcharias striatula (DALINKEVICIUS, 1935), untere Kreide
  • Carcharias substriata (STROMER, 1910), Danien - Ypres
  • Carcharias teretidens (WHITE, 1931), Thanetien - Eozän

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Carcharias amonensis
Lateralzahn, ca. 0,7 cm
Kreide, Cenoman
Roulet, Dept. of Charente, Frankreich
Sammlung und Foto: AZRAEL

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Carcharias taurus
Frontzahn, ca. 3,5 cm
Miozän, Langhien
Loupian, Frankreich
Sammlung und Foto: AZRAEL

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Carcharias koerti
Lateralzahn ca. 2 cm
Eozän
Dorchester, S.C., USA
Sammlung und Foto: AZRAEL

BILD:1165353085

Carcharias cuspidatus
Oligozän
Eckelsheim, Mainzer Becken
Sammlung und Foto: CARCHARIAS

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Carcharias cuspidatus
Oberkiefer
Oligozän
Eckelsheim, Mainzer Becken
Sammlung und Foto: CARCHARIAS

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Carcharias cuspidatus (pathologisch)
Oligozän
Eckelsheim, Mainzer Becken
Sammlung und Foto: CARCHARIAS

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Carcharias aff. acutissimus
Unterkiefer-Frontzahn, ca. 2,5 cm
Eozän, London Clay
Bracklesham, Sussex, England
Sammlung und Foto: AZRAEL

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Carcharias aff. acutissima
Frontzahn, ca. 1,5 cm
Miozän, Glimmerton, Gram-Langefeldstufe
Sittensen, Deutschland
Sammlung und Foto: AZRAEL

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Carcharias acutissimus
Unterkiefer
Oligozän
Eckelsheim, Mainzer Becken
Sammlung und Foto: CARCHARIAS

BILD:1167510952

Carcharias atlasi
Frontzahn, ca. 1,7 cm
Eozän, Ypres
Egem, Belgien
Sammlung und Foto: AZRAEL

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Carcharias striatula
lateraler Unterkieferzahn, ca.1,5 cm
Kreide, Cenoman
Mangyshlak, Kasachstan
Sammlung und Foto: AZRAEL

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Carcharias koerti
Frontzahn, ca. 2,8 cm
Eozän, Lutet
Hahotoe, Togo
Sammlung und Foto: AZRAEL

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Carcharias aff.reticulatus
Frontzahn, ca. 1,2 cm
Miozän, Glimmerton, Lüneburg-Langefeldstufe
Groß Pampau, Deutschland
Sammlung und Foto: AZRAEL

BILD:1167511446

Carcharias reticulatus
Frontzahn, ca. 2,0 cm
Miozän, Hemmorium
Bremen, Deutschland
Sammlung und Foto: AZRAEL

BILD:1167511520

Carcharias heathi
Frontzahn, ca. 1,2 cm %%Kreide, Maastricht, Taylor marl frm.
S.Sulphur River, Hunt co.TX., USA
Sammlung und Foto: AZRAEL

BILD:1112292302

Carcharias hopei
ca. 3,4 cm
Eozän, Lutetian, Bracklesham Beds
Hampshire - Lee On Solent , England
Sammlung und Foto: mkannenberg

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Carcharias venusta
ca. 1,4 cm
Obere Kreide, Santon
Tykbutak, Kasachsthan
Sammlung und Foto: mkannenberg



Quellenangaben