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Carcharocles (JORDAN & HANNIBAL, 1923)

Synonyme: Procarcharodon (CASIER, 1960), Megaselachus (GLÜCKMANN, 1964)

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Carcharocles megalodon
Miozän, Hawthorne Frm.
St. Marys River, Georgia, USA
Frontzahn, ca. 15 cm
Foto: AZRAEL

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Carcharocles auriculatus
Balegem (Belgien), Tertiär/Eozän
Höhe ca. 55mm
Foto: mkannenberg

Allgemeines

Carcharocles gehört zu den bekanntesten Haigattungen, nicht zuletzt weil ihre letzte Art Carcharocles megalodon weltweit als größter fleischfressender Hai, der jemals gelebt hat, bekannt wurde. Die Zähne von Carcharocles megalodon sind die teuersten und wohl auch begehrtesten der Welt. Zum einen wegen ihrer immensen Größe von bis zu 18 cm, zum anderen aber auch wegen ihren unterschiedlichsten Färbungen von tiefschwarz bis nahezu weiß. Außerdem gehören schöne und große Exemplare zu den absoluten Seltenheiten. Das ist auch einer der Gründe, warum kaum einer der zahlreichen Händler, die sich auf Carcharocles, insbesondere auf Carcharocles megalodon spezialisiert haben, Zähne die größer als 15 cm sind, auch verkauft. Sie behalten die Ausnahmezähne ganz einfach für sich selbst.

Der Hai selbst wurde wahrscheinlich bis zu 12 Meter lang. Obwohl die Art seit dem Ende des Pliozäns als ausgestorben gilt, berichten Seeleute und Schiffsfahrer immer wieder von riesigen Haien ähnlich dem rezent lebendem weißen Hai, doch sind diese Geschichten entweder als Seemannsgarn oder Verwechslung mit einem Walhai (Rhincodon typus) oder einem Riesenhai (Cetorhinus maximus) zu deuten.

Warum die Gattung Carcharocles ausstarb, die fast 50 Millionen Jahre die Weltmeere als Spitze der Nahrungskette beherrscht hatte, ist bis heute nicht endgültig geklärt. Die wohl wahrscheinlichste Theorie besagt, dass der Gattung Carcharocles und vor allem ihrer letzten Art Carcharocles megalodon ihre Ernährungsweise zum Verhängnis wurde. Carcharocles megalodon bevorzugte große Beutetiere wie zum Beispiel Wale, was zahlreiche Bissspuren an fossilen Walknochen beweisen. Am Ende des Pliozäns veränderte sich das Erdklima stark, die Größe der Eiskappen nahm stetig zu und die Temperatur der Meere ab. Die neuen Kaltwasserregionen erwiesen sich als idealer Brutplatz für Plankton, der sich rasch in diesen Gebieten ansiedelte. Viele Fische und Wale nutzten das neue Nahrungsangebot und zogen Jahr für Jahr in die kälteren Regionen. Als Schutz vor der Kälte entwickelten sie ein Fettpolster, das wir auch heute noch bei den meisten Walarten finden können. Carcharocles megalodon jedoch war nicht an die Kälte angepasst und konnte seiner Beute deshalb nicht folgen. So schrumpfte der Artbestand, bis vor ca. 2 Mio. Jahren auch die letzten Haie der Gattung Carcharocles ausstarben.

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Carcharocles angustidens
Tagebau Espenhain bei Leipzig
Tertiär/Oligozän/Rupelton
Höhe ca. 55mm
Foto: mkannenberg

Evolution

Lange Zeit nahm man an, dass der berühmteste Hai dieser Gattung, der Carcharocles megalodon, ein direkter Vorfahre des noch heute lebenden weißen Haies Carcharodon carcharias (LINNAEUS, 1758) ist. Deshalb wurde er oftmals als Carcharodon megalodon beschrieben. Neue Erkenntnisse zeigen jedoch, dass die Arten nicht direkt miteinander verwandt sind.

Der erste wahre Ahne der Gattung Carcharocles scheint die ausgestorbene Art Otudus obliquus (AGASSIZ, 1843) zu sein, die vom Paläozän bis ins Eozän lebte. Im mittleren Eozän entstand eine Übergangsform mit dem Namen Otodus subserratus (AGASSIZ, 1843). Diese hatte bereits eine leichte Zähnung (lat. subserratus = der wenig gezähnte) und wurde bald zu Carcharocles auriculatus, der frühesten Art mit dem Namen Carcharocles.

Carcharocles auriculatus hatte nahezu keine natürlichen Feinde und entwickelte sich im späten Eozän zu Carcharocles sokolovi. Diese Art wiederum wurde im frühen Oligozän zu Carcharocles angustidens. Dessen Zähne konnten bereits eine Länge von knapp 12 cm erreichen.

Wahrscheinlich bedingt durch die Größenzunahme seiner Beute, musste sich auch Carcharocles angustidens im frühen Miozän noch einmal weiter entwickeln. So entstand Carcharocles chubutensis, dessen Zähne schon immense Größen von ungefähr 15 cm erreichten, zudem begann die Rückbildung ihrer Seitenzähne.

Es dauerte nicht lange und aus Carcharocles chubutensis wurde die endgültige Version des „Riesenhaies“, Carcharocles megalodon.

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Carcharocles auriculatus
Frontzahn, ca. 5 cm
Eozän, Lutet, fo-van Lede
Oosterzele, Belgien
Foto: AZRAEL

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Carcharocles megalodon
Miozän
Cooper River - South Carolina, USA
Oberkiefer - Anterior, Höhe 13 cm
Foto: MEG

Zahnbeschreibung (nach Cappetta)

Die Zähne dieser Gattung sind groß bis sehr groß (bis zu 18 cm). Die Krone ist dreieckig, breit und hoch, mit einer ziemlich schwachen konvexen oder flachen äußeren Seite, welche die äußere Seite der Wurzel leicht überragt. Die innere Seite ist stark gewölbt. Die Schneidekanten sind durch viele kleine und regelmäßige Riffeln eingekerbt.

Bei primitiven Arten ist ein Paar Seitenspitzen vorhanden. Die Nackenzone der inneren Seite ist sehr ausgeprägt und stark zur Spitze hin gezogen. Die Schmelzgrenze auf der äußeren Seite zeigt einen stumpfen Winkel in der Mitte, welcher nach oben gerichtet ist.

Die Wurzel ist hoch, mit einer flachen und gut entwickelten äußeren Seite und einer breiten Basalseite, die in Höhe der schwach ausgebildeten inneren Wölbung ein Foramen-Loch aufweist. Die Kerbe auf der basalen Seite ist deutlich ausgebildet.

Fundorte

Zähne der Gattung Carcharocles fand man weltweit in tertiären Schichten, unter anderem in Europa, Nord- und Südamerika und Afrika.

Die wohl berühmtesten Fundorte sind North Carolina und South Carolina. Taucher tasten dort in Flüssen wie dem Cooper River oder entlang der Küste in fast völliger Dunkelheit nach den begehrten Zähnen. Ein weiterer bekannter Fundort in den USA ist der Apollo Beach südlich von Tampa. Besonders nach Gewittern werden dort immer wieder Haizähne von Carcharocles und anderen Gattungen angespült.

Die wohl schönsten Zähne kommen aus der Atacama Dessert in Chile.

Fundorte in Europa sind u.a. Cadzand und Mill in den Niederlanden, Knokke-Heist und Kallo, Region Antwerpen in Belgien, die Strände von Solent-on-Sea und der Isle of Wight in England, wie auch die Linzer Phosphoritsande und Plesching in Österreich. Allerdings muss man wirklich betonen, dass Zähne der Gattung Carcharocles aus Europa sehr selten sind. Sie werden auch nicht im freien Handel angeboten.

Arten

  • Carcharocles auriculatus (DE BLAINVILLE, 1818), Eozän
  • Carcharocles sokolovi (JAEKEL, 1895), spätes Eozän - frühes Oligozän
  • Carcharocles angustidens (AGASSIZ, 1843), Oligozän - frühes Miozän
  • Carcharocles chubutensis (AMEGHINO, 1906), Miozän
  • Carcharocles megalodon (AGASSIZ, 1843), Miozän - Pliozän.

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Carcharocles auriculatus
Lateralzahn, ca.5 cm
unteres Eozän
Zentral-Kasachstan
Foto: AZRAEL

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Carcharocles auriculatus
Frontzahn, ca. 7,5 cm
Eozän, Castle Hayne Frm.
Pitt Co., North Carolina, USA
Foto: AZRAEL

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Carcharocles auriculatus
Lateralzahn, ca. 6 cm
Eozän, Castle Hayne Frm.
Pitt Co., North Carolina, USA
Foto: AZRAEL

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Carcharocles megalodon
Frontzahn, ca. 12 cm
oberes Miozän - unteres Pliozän, Huarra Frm.
Caldera, Chile
Foto: AZRAEL

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Carcharocles megalodon
Frontzahn, ca. 7 cm
Miozän
Bone Valley, Polk, USA
Foto: AZRAEL

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Carcharocles megalodon
Frontzahn, ca. 8,5 cm
Miozän, Chandler Bridge Frm.
Summerville, S.Carolina, USA
Foto: AZRAEL

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Carcharocles angustidens
Frontzahn, ca.4 cm
Oligozän, Chandler Bridge Frm.
Summerville, South Carolina, USA
Foto: AZRAEL

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Carcharocles
Frontzahn, ca. 11 cm
Oligozän - Rupelium
Eckelsheim, Mainzer Becken
Sammlung: Paläontologisches Museum Nierstein
Foto: Harald Stapf

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Carcharocles chubutensis
Lateralzahn ca.5 cm
Miozän / Pliozän, Pungo River/Yorktown Frm.
PCS mine Lee Creek, Beaufort co., N.C. USA
Foto: AZRAEL



Quellenangaben