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Periglazial

Periglazial (zusammengesetzt aus gr. peri, „um, herum“ und lat. glacies, „Eis“) bezeichnet in der Physischen Geographie unvergletscherte Gebiete, die durch die Wirkungen des Frosts geprägt werden. Die wörtliche Bedeutung ist »in der Umgebung der Eisgebiete«

Eine weitere Bedeutung von periglazial sind die Klima- und Ökosystemzustandsbedingungen, Prozesse und Landformen, die mit kalten, nicht glazialen Räumen verbunden sind. Voraussetzung für viele periglaziale Prozesse ist das Vorhandensein von Bodenfrost bzw. Permafrost. Wichtigster periglazialer Prozess ist die Solifluktion.

Periglaziale Prozesse

Periglaziale Prozesse sind charakterisiert durch einen permanent oder jahreszeitlich gefrorenen Unterboden. Im Sommer wird der Oberboden aufgetaut (Auftauboden) und damit anfällig für fluviale Erosionsprozesse, für Massenselbstbewegungen und bei größerer Trockenheit auch für Deflation. Diese Prozesse schaffen charakteristische Sedimente und geomorphologische Erscheinungsformen.

Die Prozesse lassen sich untergliedern in solche, die mit keiner oder allenfalls kleinflächiger Verlagerung von Substrat verbunden sind, also im Wesentlichen auf flaches Relief beschränkt sind:

  • Frostverwitterung,
  • Kryoturbation durch Frosthub,
  • Tieffrostschwund im Permafrostboden, der zu Volumensverlusten bei Eistemperaturen unter ca. -20 °C führt,
  • Eisintrusion, die dazu führt, dass das Porenvolumen des betroffenen Sediments nicht mehr ausreicht, das durch Gefrieren vergrößerte Eisvolumen aufzunehmen, so dass sich Eislinsen oder -schichten ausbilden, die durch ihr Wachstum Druck auf die umgebenden Substrate ausüben (Frostschub und -stauchung); bei starker (gefrorene Seesedimente mit primär hoher Mächtigkeit und großen Wassergehalten) und insbesondere nachhaltiger (artesisch oder thermal) Wasserzufuhr, können dabei auch Großformen (Pingos) entstehen,
  • Bildung von Segregationseis, bei der durch hygroskopische Wanderung des Porenwassers zur Gefrierfront hin Eislinsen oder -lagen im Substrat entstehen, welche die Effekte der Eisintrusion noch erheblich verstärken können,
  • Thermokarst,

und in Prozesse mit räumlicher Verlagerung von Material, also an geneigten Hängen oder im Hangfußbereich, wo sich die Einflüsse eines nahegelegenen Hangs auswirken, oder an vegetationsfreien Arealen, die dem Wind Angriffsmöglichkeiten bieten:

  • Gelifluktion,
  • Nivation
  • Lawinenabgang,
  • Periglaziale Spüldenudation (siehe Denudation)
  • Deflation.

Periglazialgebiete

Als Periglazialgebiete bezeichnet man Gebiete, in denen periglaziale Prozesse wirken.

Periglazialgebiete finden sich heute in den Polar- und Subpolargebieten der Erde (Arktis, Nordamerika, Nordasien, Nordskandinavien und unvergletscherte Bereiche der Antarktis).

Aufgrund der Temperaturabnahme mit der Höhe besitzen alle Hochgebirge eine periglaziale Höhenstufe (in den Tropen: >4000 m ü.d.Meer; in mittleren Breiten, z. B. den Alpen: >2000 m ü.d.Meer. Insgesamt sind rund 25 % der Festlandfläche der Erde von Permafrost bedeckt, der Anteil der Periglazialgebiete ist also noch größer.

In den Kaltzeiten des Eiszeitalters dehnten sich die Periglazialgebiete weit äquatorwärts aus und schlossen zum Beispiel ganz Mitteleuropa ein. Auf diese Weise wurden in Mitteleuropa auch Landschaften umgeformt, die nicht von Inlandeis bedeckt waren, und in denen somit periglaziale Formen und Ablagerungen heute noch weit verbreitet sind.

s.a. > Geologisches Portrait/Verwitterung und Erosion


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