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Pseudomorphose

Entstehung einer Pseudomorphose
Entstehung einer Pseudomorphose

Hervorragendes Foto einer sich bildenden Pseudomorphose von Siliziumdioxid nach Aragonit in Achat. Rio Grande Do Sul, Brasilien. FOV 12 mm

Vitezslav Snasel

Pseudomorphosen

Als Pseudomorphose (griech. pseudo = falsch, pseudos = Lüge, Schein; morphe = Gestalt) wird das Auftreten eines Minerals in Gestalt eines anderen Minerals bezeichnet. Pseudomorphose bezeichnet ein Mineral, das nicht seine typische Eigengestalt (Kristallsystem) zeigt, sondern die äußere Form einer anderen Mineralart angenommen hat. Pseudomorphosen entstehen beispielsweise dadurch, dass zuerst Mineral A in einem Gestein kristallisiert, später weggelöst wird und der Hohlraum durch Mineral B verfüllt wird. Die Bezeichnung einer Pseudomorphose folgt immer der Regel Pseudomorphose von Mineral B nach A. Ein Quarz, der die Form eines Pyrits hat, wird demnach als "Pseudomorphose von Quarz nach Pyrit" bezeichnet.

Der Begriff "Pseudomorphose" ist ein Überbegriff für:

  • Paramorphosen (Umlagerungs- oder Transformations-Pseudomorphosen)
  • Entmischung- und Zerfalls-Pseudomorphosen
  • Verdrängungs-Pseudomorphosen (inclusive Auffüllungs-Pseudomorphosen)
  • Perimorphosen (Ausfüllungs-, bzw. Umhüllungspseudomorphosen, diese Einordnung ist strittig)

Obwohl Entmischungspseudomorphosen und Paramorphosen im Mineralreich recht häufig vorkommen, versteht der Mineraliensammler unter dem allgemeinen Begriff "Pseudomorphose" in erster Linie Verdrängungs-Pseudomorphosen (engl. replacement pseudomorphs). Diese entstehen im Raum des Ursprungs-Kristalls durch

  • Abgabe von Stoffen
  • Aufnahme von Stoffen
  • teilweisen oder kompletten Stoffaustausch

Die (vorwiegend) chemischen und physikalischen Bedingungen die zur Bildung von Pseudomorphosen führen sind sehr vielfältig. Allgemein sind zeitlich mehr oder weniger ineinandergreifende Auflösungs- Umwandlungs- und Neukristallisationsvorgänge in wässriger, hydothermaler oder pneumatolytischen Umgebung, manchmal begleitet von Hydration, Oxydation, Reduktion, Carbonatisierung, Silifizierung, Phosphatisierung usw. für die Entstehung von (Verdrängungs-) Pseudomorphosen verantwortlich. Selbst chemisch recht stabile Mineralien, wie etwa Quarz können pseudomorph umgewandelt werden (z.B. Pseudomorphose von Speckstein nach Quarz). Pseudomorphosen sind ein Produkt der Verwitterung von Mineralien. Eine Pseudomorphose liegt immer dann vor, wenn ein Mineral (wie hier z.B. der Fluorit) unter Beibehaltung seiner äußeren Form durch ein anderes Mineral (hier: Quarz) ersetzt oder in ein anderes Mineral umgewandelt wird. Dann entstehen Truggestalten bzw. Pseudomorphosen. Die Substanz, die die Form ausfüllt würde für sich in einer ganz anderen Form kristallisieren, sie hat die jetztige Form von der früheren Substanz übernommen.

Paramorphosen

Als Paramophosen werden Umwandlungs- bzw. Transformations-Pseudomorphosen bezeichnet. Paramorphosen entstehen bei polymorphen Substanzen, d.h. bei Elementen oder Verbindungen, die in mehreren Modifikationen vorkommen. Der Kohlenstoff als Element kann beispielsweise als Graphit oder als Diamant in der Natur vorkommen. Als Paramorphose wird z.B. ein hexagonaler Hoch-Quarz bezeichnet, der sich bei einer Temperatur von über 573 °C gebildet hat und bei Abkühlung in die bei Umgebungsbedingungen stabilere Phase des trigonalen Tief-Quarzes umwandelt, ohne die äußere Gestalt des erstgebildeten Hoch-Quarzes zu verlieren. Ein weiteres Beispiel ist eine Paramorphose von Quarz nach Coesit (Coesit wird durch Quarz verdrängt).



Entmischungs-Pseudomorphosen

Entmischungs-Pseudomorphosen entstehen durch die Entmischung eines Mischkristalls. Hierbei wird im Allgemeinen ein bei hohen Temperaturen entstandener Mischkristall im Verlaufe einer langsamen Abkühlung entmischt. Es entstehen dabei Entmischungslamellen in einem Wirtskristall. So kann z.B. ein bei 250 °C entstandener Mischkristall (Zn,Cu, Ga)S mit einer Sphalerit-Struktur bei langsamer Abkühlung Gallit-Lamellen CuGaS2 in dem Wirtskristall von Sphalerit ZnS bilden Verdrängungs-Pseudomorphosen Verdrängungs-Pseudomorphosen bilden die wohl umfangreichste Gruppe von Pseudomorphosen, die sich nach Strunz2 noch weiter unterteilen lassen. Hierbei wird der chemische Stoffbestand des Ausgangskristalls durch Abgabe, Aufnahme oder Austausch von Bestandteilen bzw. Austausch des gesamten Stoffbestandes verändert. Im Folgenden wird für jede der vier Entstehungsarten von Verdrängungs-Pseudomorphosen ein Beispiel angeführt. Ein Beispiel für eine Pseudomorphosenbildung durch Aufnahme von Bestandteilen sind die bekannten Speckstein-Pseudomorphosen der Johanneszeche bei Göpfersgrün, Fichtelgebirge. Hierbei wurden beispielsweise Quarzkristalle durch Thermalwässer gelöst (Kieselsäure) und Magnesium in Form von Mg2+-Ionen durch den vorhandenen Dolomit MgCO3 hinzugeführt, aus dem sich dann der Speckstein (dichter Talk) unter einer Schicht von kollomorphen Speckstein (aus Magnesiumsilikat-Gel gebildeter Speckstein) bilden konnte. Dabei entstanden die schönen Pseudomorphosen, die wohl in fast jeder Mineraliensammlung zu finden sind. Unter dem Mikroskop sind die vielen kleinen Talk-Schüppchen gut zu erkennen, die als Ganzes makroskopisch die Form eines schönen, weißen „Quarzkristalls“ annehmen. Ein weiteres Beispiel für eine Verdrängungs-Pseudomorphose ist versteinertes Holz (Pseudomorphose von Quarz nach Holz, dessen organisches Material durch Quarz verdrängt wird)

Perimorphosen und Ausfüllungsmorphosen

Perimorphosen sind krustenartige Umwachsungen von größeren Kristallen. Sie werden auch als Umhüllungs-Pseudomorphosen bezeichnet. So können sich beispielsweise kleine Quarzkristalle um einen großen Fluorit-Kristall bilden. Dies wird dann als Perimorphose von Quarz nach Fluorit bezeichnet. Hierbei ist es unerheblich, ob der Fluoritkristall völlig oder teilweise erhalten ist oder vollständig weggelöst wurde. Es kann auch vorkommen, dass der Hohlraum eines weggelösten Kristalls durch eine andere Substanz wieder aufgefüllt und später die Kruste wieder weggelöst wird. Diese Pseudomorphose wird dann als Ausfüllungs-Pseudomorphose bezeichnet. Damit wird deutlich, dass die Bildung von Pseudomorphosen als ein höchst komplizierter Vorgang oftmals rätselhaft ist und sich auch die Entstehungsgeschichte manch einer Pseudomorphose wissenschaftlich nicht eindeutig bestimmen lässt.

Mehrfach-Pseudomorphosen /Mehrfach-Perimorphosen

Es sind auch Bildungen bekannt, bei welchen mehr als ein Mineral ein anderes verdrängen, bzw. ersetzen kann. Diese Bildungsprozesse können nebeneinander oder nacheinander stattfinden.

Beispiele:

  • Nacheinander

    • Muskowit nach Sillimanit nach Andalusit
    • Chrysokoll nach Malachit nach Azurit (Mount Glorious Mine, Mt. Isa, Australien)
  • Nebeneinander

    • Quarz und Turmalin nach Orthoklas (Erongo-Massiv, Namibia)
    • Quarz und Fluorit nach Calcit
    • Dioptas und Plancheit nach Calcit (Tantara Kupfererz-Lagerstätte, Kongo)
  • Re-Pseudomorphosen (Arbeitstitel, keine anerkannte Terminologie)

    • Galenit nach Pyromorphit, danach wieder zu Galenit pseudomorphisiert (Blaubleierz)

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Bilder

Bilder (147 Bilder gesamt)

Türkis
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Türkis

psm. n. Apatit; Größe: 29x15x12 mm; Fundort: La Caridad Mine, La Caridad, Mun. de Nacozari de García, Sonora, Mexiko

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Beitrag: slugslayer 2016-09-12
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Ernstit
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Ernstit

pseudomorph nach Eosphorit; Größe: 40x39x27 mm; Fundort: Linopolis, Laranjeiras, Doce-Tal, Minas Gerais, Brasilien

Copyright: ShelterRockMinerals.com
Beitrag: slugslayer 2016-08-28
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Quarzpseudomorphose
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Quarzpseudomorphose

St. Egidien/ Sachsen/ Deutschland, Achatpseudomorphose

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Beitrag: dendrocopos 2015-12-19
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Quarzpseudomorphose
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Quarzpseudomorphose

St. Egidien/ Sachsen/ Deutschland, Achatpseudomorphose

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Beitrag: dendrocopos 2015-12-19
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Achat mit Pseudomorphosen
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Achat mit Pseudomorphosen

Doubravice (Kyje), Zeleznice, Bezirk Jicin, Königgrätz, Tschechien; 10x5 cm

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Beitrag: dendrocopos 2015-09-23
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Olivenit nach Euchroit
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Olivenit nach Euchroit

Olivenit pseudomorph nach Euchroit, Bildbreite: 12 mm, Fundort: Farbiste, Erzrevier Poniky, Banska Bystrica, Banskobystrický kraj, Slowakei

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Beitrag: thdun5 2015-09-09
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Allergentum pseud. nach Dyskrasit
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Allergentum pseud. nach Dyskrasit

Bouismass, Bou Azzer, Marokko

Copyright: dendrocopos
Beitrag: dendrocopos 2015-09-08
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Kupfer
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Kupfer

Kupfer pseudomorph nach Aragonit, Corocoro, Pacajes Provinz, La Paz, Bolivien; 22 x 17 x15 mm

Sammlung: Embarak
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Beitrag: Embarak 2015-09-05
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Dolomit
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Dolomit

Dolomit pseudomorph nach Aragonit, Cottonwood Draw, Chaves Co., New Mexico, USA, Breite 10 cm

Sammlung: Embarak
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Beitrag: Embarak 2015-09-05
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Literatur

  • Blum, R.; 1843; Die Pseudomorphosen des Mineralreichs ( alt, aber Standardwerk )
  • Laubmann, H.; 1921; Studien über Mineralpseudomorphosen; N. Jhb. Min.:I, 15-34
  • Stettner, G., 1959; Die Lagerstätte des Specksteins von Göpfersgrün-Thiersheim im Fichtelgebirge. Geologica Bavarica Nr. 4. Bayer. Geologisches Landesamt, München
  • Strunz, H.; 1982; Pseudomorphosen - Der derzeitige Kenntnisstand, Versuch einer Klassifizierung. Aufschluss 33:9, 313-342
  • Lapis 11, Jahrgang 6, 1981 (Themenheft Pseudomorphosen)

Quellangaben


Einordnung