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Reichenbach, Ernst Freiherr Stromer von

Prof. Karl Heinrich Ernst Freiherr Stromer von Reichenbach
Prof. Karl Heinrich Ernst Freiherr Stromer von Reichenbach

1914

Archiv: Doc Diether

Prof. Karl Heinrich Ernst Freiherr Stromer von Reichenbach (* 12. Juni 1871 Nürnberg; † 18. Dezember 1952 Erlangen) war ein deutscher Paläontologe und einer der bedeutendsten Dinosaurier-Forscher. Er stammte aus einer bayerischen Adelsfamilie, die im Mittelalter zu den wichtigsten Patriziern der Freien Reichsstadt Nürnberg gehörte. Seine Vorfahren waren Handelsherren, Historiker, Erfinder, Bauherren und Bürgermeister.

Ernst Stromer von Reichenbach beschäftigte sich erfolgreich mit der Erforschung fossiler Wirbeltiere. Bekannt ist, daß er in Leiden/Holland von 1897 Konservator an der Geologisch-Mineralogischen Abteilung des Rijksmuseum (Reichsmusem) war und in München 1901 habilitierte. Er wurde 1908 a.o. Professor, 1928 Hauptkonservator und Abteilungsleiter sowie 1930 Abteilungsdirektor an der „Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und historische Geologie“, 1921 Honorarprofessor.

1916 wurde er zum außerordentlichen Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften gewählt, 1921 wurde er ordentliches Mitglied der Mathematisch-physikalischen Klasse.

Er kam im Winter 1901/1902 erstmals zu einer Expedition nach Ägypten. Weitere Ägypten-Expeditionen folgten in den Wintern 1903/1904 und 1910/1911. Im Januar 1911 entdeckte er in der Bahariyya-Oase in der Wüste Sahara eine Fundstelle, an der die ersten Dinosaurierreste von Ägypten geborgen wurden. Zwischen 1911 und 1914 entdeckte sein Grabungsteam dort Fossilien dreier fleischfressender theropoder Dinosaurier: Bahariasaurus, Carcharodontosaurus und Spinosaurus. 1912 fand der für Stromer arbeitende österreichische Fossiliensammler Richard Markgraf (1869-1916) fossile Knochenreste des pflanzenfressenden „Elefantenfuß-Dinosauriers“ (Sauropoden) Aegyptosaurus. Markgraf führte bis 1914 wiederholt Expeditionen durch. Stromer beschrieb Spinosaurus (Dornen-Echse) 1915, Carcharodontosaurus (wegen der Ähnlichkeit der Zähne mit denen des riesigen Haifisches Carcharodon) 1931, Aegyptosaurus (Ägyptische Echse) 1932 und Bahariasaurus (Echse aus Bahariyya) 1934.

Die Originalfunde der von Ernst Stromer von Reichenbach aus Ägypten erstmals wissenschaftlich beschriebenen Dinosaurier wurden während des Zweiten Weltkrieges in der Nacht vom 24. zum 25. April 1944 bei einem britischen Luftangriff auf München zerstört. Zwei seiner drei Söhne fielen im Krieg. Sein zweiter Sohn kehrte 1950 aus russischer Kriegsgefangenschaft zurück.

Die Paläontologische Gesellschaft hat Stromer im Jahr 1942 zum Ehrenmitglied ernannt.

Ernst Stromer, wie er sich bescheiden oft selbst nannte, starb 1952 im Alter von 81 Jahren in Erlangen. Sein Grab befindet sich auf dem Johannisfriedhof Nürnberg.


Literatur:

  • Die Topographie und Geologie der Strecke Gharaq-Baharije nebst Ausführungen über die geologische Geschichte Ägyptens. München: Akademie, 1914, 78 S. (Abhandlungen der Königlich-Bayerischen Akademie der Wissenschaften: Math.-phys. Klasse).
  • Weitere Bemerkungen über die ältesten bekannten Wirbeltier-Reste, besonders über die Anaspida. Sitzungsberichte der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Math.-naturwiss. Abteilung. München: Verlag der Bayer. Akademie der Wissenschaften, 1926, S. 83-104
  • Gesicherte Ergebnisse der Paläozoologie. Vorgelegt am 5. März 1943. München: Verlag der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, 1944, 114 S. (Abh. Bayer. Akademie der Wissenschaften: Math.-naturw. Abteilung)
  • Raymund Windolf: Dinosaurier-Lexikon. Das aktuelle Wissen über die Dinosaurier, von ihren Anfängen bis zum Aussterben. Korb: Goldschneck-Verlag Weidert, 1989, 152S., ISBN 3-926129-03-4.
  • Ernst Probst: Der rätselhafte Spinosaurus. Leben und Werk des Forschers Ernst Stromer von Reichenbach. München: GRIN-Verlag, 2015

Weblinks:


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