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Risse in Kristallen

Risse in Kristallen, oft oberflächennah entlang typischer Spaltflächen, deuten auf einen Spannungs- (Dehnungs-, Zerreiß-)vorgang im Kristallgefüge. Dies steht entweder in engem Zusammenhang mit der Spaltbarkeit des Kristalls, kann aber auch natürliche sowie auf falscher Behandlung beruhende mechanische, chemische und physikalische Ursachen haben.

Mechanische Ursachen

Bei der mechanischen Zerstörung der Lagerstättenkörper (sowohl tektonisch während der Wachstumsphase oder beim Abbau), nach Auflösung oder Verheilung, nach Umgebungswechsel, d.h. nach dem Bergen einer Stufe, beim Transport und beim Lagern.


Genetische Baufehler

Genetische Baufehler stammen aus der Zeit der Entstehung, der Genese des Kristalls. Besonders hydrothermal gebildete Kristalle habe oft mechanische Baufehler innerhalb des Gitters (bzw. innerhalb der Flächen) bzw. Bruch- oder Spannungsrissflächen, die sich während des Wachstums in Kristallen bildeten und nicht selten wieder verheilt sind.


Chemische Ursachen

Einwanderung von Fremdsubstanzen (meist Quarz, sichtbar unter dem Mikroskop als anisotrope Linien entlang der Spaltrisse).


Thermische Ursachen

Durch die Änderung der Bildungstemperatur, Verringerung der Wachstumsgeschwindigkeit, durch Dehyratisierung der Oberflächenschichten bzw. durch Dehydratisierung wasserreicher Gele schrumpft die Masse und es entstehen Austrocknungsrisse in Form feiner Netze (Bsp. Opal).


Durch Menschen verursachte Behandlung, welche Risse hervorrufen kann, sind

  • Reinigen der bergfrisch geborgenen, mit Lehm, Kalk, Sand etc. behafteten Kristalle mit Heißdampf
  • Erhitzen der Kristalle, um die Farbe zu vertiefen oder zu ändern (falsche "Citrine")
  • Röntgen- und/oder radioaktive Bestrahlung zur Erlangung von Farbintensität und Tiefe (besonders gern in China bei Fluoriten praktiziert, auch bestrahlte Quarze aus Arkansas, die dann als Rauchquarze in den Handel geraten). Eine intensive Bestrahlung kann eine Veränderung des Gitters hervorrufen und zu Spaltrissen führen.
  • Starke Druckbelastung nach dem Bergen (z. B. auf Halden)

Es wäre zuviel, auf alle möglichen Ursachen der Rissbildung einzugehen, besonders, wenn man nicht nachvollziehen kann, wann, wo und unter welchen Bedingungen diese Risse entstanden sind. Natürliche Risse in Kristallen sind für Sammler akzeptabel und können zu attraktuven Stufen mit ungewöhnlichen Oberflächenstrukturen führen oder zur Bildung bizarrer Skulpturen beitragen (z. B. violette Fluoritoktaeder mit weißen Rissen (Calciumkarbonat) aus der Heights Mine (England) oder manche brasilianischen oder südafrikanischen Quarze und Fluorite.

Die verbreitete Annahme, dass Libellen in Kristallen Risse sind, ist falsch. Libellen sind gasförmige Einschlüsse (bzw. Blasen) in flüssigkeitsgefüllten Hohlräumen (Vakuolen), welche sich bei der Abkühlung bilden.

s.a. > Einschlüsse


Bilder

Fluorit-Kristall
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Fluorit-Kristall

mit tektonisch verursachten Rissen; Größe: ca. 5 cm großer Fluorit-Kristall; Fundort: Montroc, Dept. Tarn, Midi-Pyrenées, Frankreich

Sammlung: Collector
Copyright: Collector
Beitrag: Collector 2005-10-10
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