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Pseudotachylit

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Pseudotachylit
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Pseudotachylit

Typ A (kataklastische Variante). Geschiebefund. Fundort: Dänemark/Hanstholm. Göße: 7 X 6 cm.

Sammlung: Jörg
Copyright: Jörg
Beitrag: Jörg 2011-07-23
Pseudotaychlit
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Pseudotaychlit

Metamorphes Gestein. Sur En, Engadin, Graubünden, Schweiz.

Sammlung: Naturmuseum Augsburg
Copyright: Doc Diether
Beitrag: Doc Diether 2013-08-20

Zusatzangaben / Zusammenfassung

Tektonisch zerbrochener Kataklasit mit Rißfüllung aus lokaler Schmelze.

Gruppierung

Zugehörig zu

Gesteine  ⇒ Metamorphe Gesteine und Metasedimente  ⇒ Metamorphe Gläser

Nächst niedrigere Stufe

Dunkel gefärbter Pseudotachylit

Hell gefärbter Pseudotachylit

Andere Sprachen

Deutsch

Pseudotachylit

Englisch

pseudotachylite

Ehemaliger Name

Englisch

fossil earthquake

Ausführliche Beschreibung

Pseudotachylit

Die Namengebung dieser Gesteine liegt in der morphologischen Nähe zu Tachyliten begründet. Als Tachylite werden basische Laven bezeichnet, welche durch sehr schnelle Abkühlung ein glasartiges, schwarzes Aussehen annehmen; wobei die Genese der des Obsidians recht identisch ist. Der Präfix Tachy (griech. Tachys = schnell), bezieht sich auf die rapide Abkühlung der Schmelze, z. B. durch den Kontakt zu Wasser. Die Erstbeschreibung erfolgte durch den deutschen Mineralogen A. BREITHAUPT 1826. Tachylite sind, wie alle vulkanischen Gläser, instabile Gesteine, die über lange geologische Zeiträume Wasser aufnehmen können und zum Palagonitisieren neigen. Im Gegensatz zum Obsidian enthalten Tachylite einen höheren Anteil an gebundenem Wasser; mit der Folge, dass zweiwertige Eisen im Gestein zu dreiwertigen oxidieren, wodurch das Gestein ein gelbbraunes Aussehen annehmen kann, wobei dieser Umstand die bereits vollzogene Metamorphose zum Palagonit kennzeichnet.<brclear>Gegese
Entgegen einer extrusiven Lava magmatischen Ursprungs, finden sich an bestimmten Verwerfungen (insbes. Scherzonen), dünne Lagen und Rissfüllungen im Gestein, die aussehen wie oben beschriebenes vulkanisches Glas. Diese basieren jedoch nicht auf vulkanischer Aktivität. Aufgrund der Ähnlichkeit zu Tachyliten, werden diese Gesteine unter dem Begriff Pseudotachylite zusammengefasst, welcher von S. J. SHAND 1916, nach einer Exkursion zur Vredefort Impakt Struktur in der Nähe des Vaal River, etwa 120 km SW Johannesburg, eingeführt wurde. Pseudotachylite entstehen durch Friktionswärme, wobei das Edukt partiell entlang der Verwerfungslinie aufgeschmolzen wird. Die Ursache kann zwei unterschiedlichen Ereignissen zugeordnet werden: 1. Lt. IUGS (International Union of Geological Sciences), sind Pseudotachylite den Impaktiten zugeordnet, da der Entstehung von manchen Exemplaren nachweislich ein Impakt vorausgegangen ist. Bei diesem Modell erfolgte die hohe Reibungsrate durch Schockeinwirkung auf das Gestein. 2. Andererseits kann auch eine annähernd lineare Reibung, in geringen bis mittleren Tiefen der Erdkruste einen Temperaturanstieg auf bis zu 1000°C verursachen, der ebenfalls zur Bildung von Pseudotachyliten führt. Diese Art der Entstehung beruht auf sehr starken Erdbeben. Egal welches der beiden Ereignisse ursächlich ist, Fakt bleibt, dass hohe Reibungsraten (>10 cm/s) vorliegen müssen, welche diese hohen Temperaturen erzeugen um einen flüssigen Aggregatzustand der Gesteine zu verursachen. Für Pseudotachylite sind spätere Entglasungen (Devitrifikation) typisch, die zum Verlust der glasigen Beschaffenheit führen. Dieser Umstand erschwert eine gezielte Ansprache im Gelände.<brclear>Varianten
Im Anstehenden fallen zwei verschiedene Varianten des Pseudotachylit auf. Der Aufschluss Ẩdnefjell, auf der norwegischen Insel Holsnøy gelegen, zeichnet sich durch einen linearen Pseudotachylitgang aus. Daneben finden sich, besonders als Geschiebefunde, kataklastische Formen, gekennzeichnet durch das Vorhandensein von dünnen Injektionsgängen innerhalb der Kataklasite, LAMPERT 1981, beschreibt diese zwei Basistypen von Pseudotachyliten. Typ A: Charakterisiert durch ein Netzwerk aus vielen dünnen Linien (< 1 mm). Diese werden einem initialen Schockereignis zugerechnet. Eine ausführliche Beschreibung dieser Variante findet sich bei FISKE et. Al. 1995. Typ B: Bezeichnet Dykes (engl. = Gesteinsgänge). Diese lokalen Gänge erreichen eine Breite von cm bis mehreren 100 m und Längen von mehreren km, in etwa linearer Ausrichtung. Eine diesbezügliche Beschreibung findet sich unter SPRAY 1997. In einem Experiment des Geologen J. SPRAY, 1995, gelang es, Pseudotachylite unter kontrollierten Bedingungen künstlich zu erzeugen, indem er 2 Granitzylinder für 2 sek. unter 2000 rpm zentrifugierte. Das Experiment ist unter dem Begriff „Instand Lava“ bekannt, und kann unter YouTube angesehen werden. Die Entstehung von Pseudotachyliten unterliegt den Faktoren Druck, Reibungsrate und dadurch entstehender Hitzeentwicklung. In der Terminologie der Verwerfungszonengesteine stehen Pseudotachylite zwischen Kataklasiten (inkohäsive = nicht zusammenhängende metamorphe Gesteine) und Myloniten (kohäsive = zusammenhängende metamorphe Gesteine), da diese zwar tektonisch zerbrochen, aber die Bruchstücke durch die partielle Schmelze fest miteinander verbunden sind.

Quellennachweis

Gesteinszuordnungen (2)