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Saigerverfahren

Siehe auch Saigerhütte: Olbernhau und Saigerhütte

Erklärung

Im Mittelalter wurde in der Gegend um Nürnberg ein Verfahren entwickelt, um aus den Kupfererzen noch das darin enthaltene Silber zu gewinnen. Dies war so lohnend, daß die in Frage kommenden Erze über weite Strecken transportiert wurden.


Der Prozess selbst

Ausgangsprodukt des Saigerprozesses war das Schwarzkupfer, was aus den Hütten des jeweiligen Reviers kam. Es besteht (heute) zu 94-97% aus Kupfer, dazu enthielt es damals im Erzgebirge im Durchschnitt 0,53% Silber. Beim Eingang des Schwarzkupfers wurde in einer „Probierstube“ -ähnlich der heutigen Eingangsanalyse- das Produkt untersucht. Erst dann erfolgte in schmalen Schachtöfen ein Einschmelzen mit Holzkohle („Frischen“), um Oxide noch zu Metallen zu reduzieren. Zur durchgesetzten Menge (Saigerhütte Grünenthal (Olbernhau) im östl. Erzgebirge): in 9-10 Stunden erzeugte man 30 „Frisch- oder Saigerstücke“ von je 275 – 375 Pfund (1 Pfund: 328g). D.h. es waren insgesamt zwischen 2,7 und 3,7 Tonnen. Eine beachtliche Menge! Dem schmelzenden Schwarzkupfer wurde Blei bzw. Bleiglätte (Bleioxid) beigefügt, so dass sich eine Kupfer-Blei-Silber-Legierung bildete. Aus dem Schachtofen floss unten aus dem „Auge“ die flüssige Legierung, welche in Pfannen gegossen wurde.

Saigern: senkrecht – bedeutet das senkrechte Abtropfen des Bleis.

Bei dem nun folgenden Saigern wurden 4-6 Saigerstücke auf den Saigerherd gestellt, mit Holzkohle umgeben und angebrannt. Hierdurch floss das silberhaltige Blei in die Rinnen und durch die Neigung in davor stehende Tiegel.

Zurück blieben die sog. „Kienstöcke“, also silberfreies Rohkupfer, welches noch unerwünschte Metalle enthielt. Durch „Darren“ und „Garmachen“ wurden die Kienstöcke zum metallurgischen Endprodukt „Garkupfer“ weiterverarbeitet.

Im Darrofen war ebenfalls unten eine Rinne für abfließende Schlacke. Man verarbeitete 70 –120 Zentner (also 3,5 - 6 t) Kienstöcke auf einmal in ähnlicher Weise wie oben. Die „Darrlinge“ wurden nach 1-tägigem Abkühlen mit Haken in Wasserbehälter getaucht. Danach hatten sie eine graue Oxidschicht, den „Pickschiefer“, der mit Hämmern abgeklopft werden musste. Dieser wurde, ebenso wie gehaltvollen Schlacken, wieder in den Prozess eingesetzt.

Es waren in der „Langen Hütte“ ein kleiner und ein großer Garherd vorhanden, wobei auf dem kleinen 3-6 Zentner (150-300kg), auf dem großen 40 Zentner (2t!) Darrlinge durch Befeuern von unten und Luftzufuhr mittels Blasebälgen geschmolzen wurde. Umrühren mit Stangen förderte die Oxidation, Einbringen von frischen Holzscheiten ließ bestimmte Metalle hier kristallisieren. Wenn nach 6-8 h sich keine Kristalle mehr absetzten, und die Schmelze eine messingähnliche Farbe angenommen hatte – sich auf dem Amboß eine Probe leicht brechen ließ, dann war das Kupfer „gar“. Es war nun Verkaufsprodukt.

Ab dem 17.Jhdt. wurde es in den hütteneigenen „Hämmern“ zu Fertigprodukten wie Kesseln, Schalen und vor allem Dachkupfer verarbeitet. Es hatte einen guten Ruf, denn es setzte schnell die begehrte Patina an. So wurden die Kirchtürme in Berlin, Wien, Magdeburg, Ulm, Naumburg, Sophia und Dresden damit gedeckt.

Hauptprodukt war allerdings nicht das Kupfer, sondern das Silber!

Letzteres wurde aus dem Werkblei durch den Treibeprozess gewonnen. Man hatte einen Treibeherd, bei dem 120 Zentner (= 6 t!) Werkblei eingeschmolzen wurden. Um dem entstehenden Silber den richtigen Glanz zu geben, wurde es beim Abkühlen mit Bier übergossen. Jetzt weiß man auch, warum sich auf dem Saigerhütten- Gelände ein Brauhaus befindet! Von 1568 –1648 (80 Jahre) wurden in der Saigerhütte Grünthal knapp 39 Tonnen Silber zu einem Preis von 1.555.283 Gulden produziert (6% der deutschen Silberproduktion). Die Kupferproduktion betrug im gleichen Zeitraum 5000 Tonnen mit einem Wert von 1.265.274 Gulden.


Quellenangaben

  • Agricola, G: Vom Bergkwerk – 12 Bücher. Vom Berg und Hüttenwesen. Basel 1556. Aus dem Reprint dieses Buches.
  • Hollemann, Wiberg: Lehrbuch der Anorganischen Chemie. Walter de Gruyter Verlag, Berlin, New York, 1985.
  • Wagenbreth, O. u. Wächtler, E.: Bergbau im Erzgebirge, Technische Denkmale und Geschichte. Deutsch.Verlag f.Grundstoffindustrie, Leipzig, 1990.

Einordnung