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Salpeter

Allgemeiner Begriff für Natronsalpeter und Kalisalpeter, welche chemisch Nitrate der Alkalien Na und K sind.

  • (1) Natronsalpeter NaNO3
  • Mineralogisch: (deutsch: Nitronatrit) (engl.: Nitratite, Nitratine)

    • Synonym: Chilesalpeter
  • (2) Kalisalpeter KNO3

    • Mineralogisch (deutsch: Nitrokalit; Synonym: Niter) (engl.: Niter, Nitre)


Entstehung

Es gibt verschiedene Theorien:

  • Salpeter bildet sich in trockenen, heißen, ariden, vegetationslosen Gebieten bei biochemischer Zersetzung (Oxidation) stickstoffhaltiger organischer Stoffe (Guano und andere Exkremente von Vögeln und anderen Tieren), ebenso von Mikroalgen, Stickstoffbakterien u.a.
  • Salpeter ensteht aus der atmosphärischen Stickstoffbindung und der Korrosionswirkung der Salpetersäure auf Gesteinstrümmer des Wüstenbodens
  • Nitrate enstehen aus Tuffen in ausgedehnten Liparit-Formationen

Lagerstätten

BILD:1260745492

Salpeterwüste bei Humberstone
II. Region, Chile
Foto: Collector

BILD:1260745380

Oficina Maria Elena, Tocopilla, Chile
im Jahr 1907
Foto: Archiv: Collector

Die weltgrößten Lagerstätten befanden / befinden sich in chilenischen Atacamawüste; Kalisalpeter wurde in bedeutenden Mengen in Indien gefördert. Die indischen Vorkommen sind erschöpft. Weitere Vorkommen in Spanien, Ungarn und Italien.

Ausbildung

Beide Salpeterarten kommen gewöhnlich in dichten körnigen Massen und in Form von Krusten und Ausblühungen vor. Natronsalpeter tritt auch in rhomboedrischen weißen, braunen, grauen oder rötlichbraunen bis gelben Kristallen bis mehrere cm Größe auf, ähnlich wie Calcitrhomboeder. Kalisalpeter ist weniger häufig als Natronsalpeter und kommt in ähnlichen Aggregaten, jedoch seltener in Kristallen vor.



Verwendung

Salpeter ist der beste Mineraldünger und diente zur Herstellung von Sprengstoffen; wesentlich für diese Zwecke wurde er Ende des 20. Jhdts bis 1920 aktiv, danach nur noch sporadisch abgebaut. Seit Erfindung des Haber-Bosch-Verfahrens zur synthetischen Gewinnung von Stickstoffverbindungen (Ammoniak und Salpetersäure) aus dem Stickstoff der Luft bei Anwesenheit von Katalysatoren sank die Salpeterförderung in den weltgrößten Abbaugebieten. Kalisalpeter diente auch zur Herstellung von Schießpulver (75 T Salpeter, 13 T Holzkohle, 12 T Schwefel) und Feuerwerkskörpern und wurde früher zum Einpökeln von Fleisch benutzt. Weitere Anwendungen als starkes Oxidationsmittel in der Metallurgie bei der Verhüttung von Nickelerzen, als Grundstoff für Salpetersäure und in der Glasindustrie zur Glasreinigung.


Geschichte

Salpeter war schon in China seit dem 1. Jh. bekannt, in den Zeitraum des 3. Jh. fällt die Erfindung des Schießpulvers; in der chinesischen Chi-Yun-Ezyklopädie (605) als Heilmittel beschrieben. Kaliumnitrat kam in größeren Mengen in den Böden Chinas vor; es war so wichtig, daß sein Export 1067 verboten wurde. Erste Berichte über Salpeter aus Indien um 1040 (lavanakshara, übersetzt als Salz), wenngleich schon Jahrhunderte früher bekannt. Im 13. Jhdt. gelangte der erste Salpeter als "Chinesischer Schnee" in den Westen. (Kenntnis durch Marco Polo, 1298, Ibn Battuta 1325). Erste Verwendung von Pulvergeschützen in Europa 1334. Die angbeliche Erfindung des dann genannten Schwarzpulvers wird dem Mönch Berthold Schwarz zugeschrieben; dies ist jedoch angesichts der heute bekannten, mehr als 1000 Jahre vor Schwarz geschriebenen chinesischen Dokumente und Formeln schlichtweg falsch. Im 14. und 15. Jhdt. trug das "Schwarzpulver" als Treibsprengmittel in Kanonen und Gewehren zum Ende des Feudalismus bei, aber auch zu vielen Kriegen und zur Eroberung Südamerikas durch die Spanier und Portugiesen. Die Incas in Peru und Chile kannten die Bedeutung von Salpeter als Düngemittel seit dem 15. Jh. Salpeter gelangte besonders aus Indien nach Europa, transportiert durch die britische East India Company. Etwa um 1840 erkannte der deutsche Chemiker Justus-von-Liebig die Bedeutung von Stickstoff (sowie Phosphat) als Pflanzennahrung, was zur Erfindung von Kunstdünger auf Basis von Guano und Salpeter führte ; 1846 erste Düngerfabriken in Liverpool und Glasgow. Seit etwa 1860 Abbau der Atacama-Salpetervorkommen (Caliche), welche gegen 1820 entdeckt wurden), um welche von 1879-1884 zwischen Bolivien, Peru und Chile der sogenannte Salpeterkrieg geführt wurde, aus welchem Chile siegreich hervorging und von 1883 bis zum 1914 das Salpeter-Weltmonopol für Natronsalpeter hielt. Während des 1. Weltkrieges produzierte Chile 3.337.000 to. Seit der Erfindung des deutschen Chemikers Fritz Haber, aus Wasserstoff und Stickstoff synthetisch Ammoniak herzustellen (seit 1910 als Haber-Bosch-Verfahren) ging der Abbau von Salpeter und Guano drastisch zurück und erreichte 1932 seinen Tiefstand.

Von der einstigen Blütezeit des Salpeterbergbaus in der Atacamawüste künden heute nur noch gespenstige Ruinensiedlungen und Friedhöfe. Bis in die 70er Jahre produzierten lediglich noch die beiden zwischen 1930 und 1931 erstellten modernen Großanlagen Maria Elena und Pedro de Valdivia östlich von Tocopilla in Nordchile nach dem Guggenheim-Verfahren (Auslaugung und nachfolgende Kristallisation durch Abkühlung).



Literatur

  • Breuer, H.; 1970; Kolumbus war Chinese; Frankfurt am Main
  • Ericksen, G.E.; 1961; Rhyolithe Tuff, a Source of the Salts of Northern Chili. Geol. Surv. Res. Short Papers in the Geol. and Hydrogeol. Sciences; 149-292;
  • Hernandez, R.; 1930; El salitre, resumen historico. Valparaiso
  • Junghann, H., 1914; Die Salpeterindiustrie Chiles; Gl 1914 (50), 376-384
  • Krishnan, M.S.; 1982; Geology of India and Burma
  • Whitehead, W.L., 1920; The Chilean nitrate deposits; Econ. Geol. : 15, 412-428
  • Zeil, W., 1964; Geologie von Chile; Beiträge zur Regionalen Geologie der Erde, Band 3.

Quellangaben


Einordnung