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Saunasteine

Saunasteine stehen bei ihrer Verwendung unter hoher Beanspruchung. Diese ist vor allem thermischer Natur:

Beim Erhitzen wird die von außen zugeführte Luft vom Ofen auf über 100°C aufgeheizt und dann über die Steine geleitet. Von dort verteilt sie sich im Raum. Das Aufheizen von Raumtemperatur auf Betriebstemperatur der Sauna dauert etwa 90-150 Minuten. Danach ist ein konstanter Temperaturbereich erreicht.

Bei einem Aufguss werden die heißen Steine jedoch schlagartig äußerlich wieder abgekühlt. Je nachdem, ob Wasser, Eiswasser oder direkt Eis aufgelegt wird, kann der Temperaturschock bis 100°C oder mehr betragen. Dabei ziehen sich die Mineralien auf der Oberfläche des Steins zusammen, während die Wärme im Inneren des Steins zunächst erhalten bleibt. Dies kann zu Spannungsrissen und zum Bruch führen und oft beobachtet werden.

Damit können die ersten beiden Anforderungen an gute Saunasteine gestellt werden:

  • möglichst geringe und homogene thermische Ausdehnungskoeffizienten und eine gewisse Elastizität der Mineralbestandteile. Dies senkt die Bruchrate.

Hat nur ein Mineralbestandteil im Stein ein von den anderen abweichendes Ausdehnungsverhalten ist die Gefahr von Brüchen dennoch vorhanden.

  • das Abspringen von scharfkantigen Bruchstücken, auch kleinen Splittern, darf nach Möglichkeit nicht gegeben sein, da die Verletzungsgefahr durch Barfüßigkeit zu hoch ist.

d.h. daß Quarz z.B. ein eher unpassender Bestandteil wäre, da er zur Bildung scharfkantiger Splitter neigt.

Ein weiterer Punkt, der beachtet werden muß, ist die Verwitterungsbeständigkeit des Gesteins. Nicht nur thermische Beanspruchung setzt den Steinen zu, sondern auch der Kontakt mit dem Wasser. Durch die hohen Temperaturen und die natürlicherweise vorhandene Kohlensäure wird das Wasser aggressiv und greift die Mineralkomponenten chemisch an. Zudem besitzt heißes Wasser ein hohes Löslichkeitsvermögen für Salze. Eine hohe Porösität darf auch nicht gegeben sein, denn dadurch würde das Wasser viel tiefer in das Gestein eindringen und seine korrodierende Wirkung noch besser entfalten können.

Dies führt zu den nächsten drei Anforderungen:

  • hohe Verwitterungsbeständigkeit gegen (meistens) leicht kohlensaures Wasser
  • geringer Gehalt an wasserlöslichen Salzen wie Calcit oder Gips
  • möglicht kompakter, porenarmer Wuchs des Gesteins

Zum Dritten spielen ökonomische Gesichtspunkte eine Rolle:

Ein Gestein, daß sehr gut geeignet ist, muß nicht notwendigerweise auch auf dem Markt verfügbar sein. Wenn ein anderes auch durchaus geeignet, aber wesentlich besser verfügbar und kostengünstiger abbaubar ist, wird es im Handel vermutlich den Vorzug bekommen. Dann ist es womöglich günstiger, die Steine auf dem Ofen öfter auszutauschen, als teure und seltene zu kaufen, die besser geeignet sind. Für den Endverbraucher ist eine hohe Wärmekapazität und eine gute Wärmeabgabefähigkeit ökonomisch interessant.

Dies bedeutet nichts anderes als die Notwendigkeit einer:

  • kostengünstigen Verfügbarkeit

und damit eines

  • möglichst ergiebigen Vorkommens der gewählten Gesteinssorte

sowie einer

  • hohen Wärmekapazität

Letztendlich sind das Entscheidenste überhaupt natürlich gesundheitliche Gesichtspunkte. Steine, die giftige Gase oder Stäube wie Asbest abgeben oder solche bei Kontakt mit Aufgußwasser oder ätherischen Ölen entwickeln, sind absolut unbrauchbar. Deshalb sollen Saunasteine ganz allgemein

  • chemisch und physikalisch möglichst inert sein

Beispiele:

Sandstein:

Sandstein ist ein ungeeignetes Material: Es enthält, dem Namen gemäß, Sand, der beim Verwittern freigesetzt wird und in den Ofen rieselt. Enthaltener Calcit wird im Laufe der Zeit herausgelöst, was die Verwitterung beschleunigt.

Rhyolith:

Rhyolithe sind ebenfalls wenig bis gar nicht geeignet. Sie neigen bei thermischen Schocks möglicherweise dazu, scharfkantige, glasartige Bruchstücke oder Quarzsplitter abzusprengen. Evtl. in der Gesteinsmasse gelöste Gase können beim Expandieren den Zerfall beschleunigen.

Nephelinit:

Als Vetreter der Foidit-Gruppe gut geeignet als Saunastein. Er weist ein fein bis mittelkörniges Gefüge und damit geringe Porösität auf, verwittert nicht allzu schnell und ist frei von splitterndem Quarz.


geeignete Mineralbestandteile:

Die o.g. Bedingungen erfüllen vor allem diese Mineralgruppen:

Insel- und Kettensilikate wie z.B.

Olivin, Pyroxene, Feldspäte

Oxide wie

Ilmenit, Magnetit oder auch Hämatit (wobei Hämatit möglicherweise Flecken durch Rostentwicklung erzeugt)


Typische Saunagesteine

Typische Saunagesteine sind aus o.g. Gründen Granit, Diorit, Gabbro und Peridotit. Sie bestehen i.W. aus den gerade aufgezählten Mineralien. Außerdem sind sie alle sog. Tiefengesteine oder Plutonite und weisen damit einen kompakten und gleichmäßigen Wuchs auf. Die Körnung ist mittelgroß bis klein, was die ggf. gebildeten Splitter zumindest klein hält. Außerdem weisen sie alle eine gewisse Verwitterungsbeständigkeit auf. Diese Gesteinsklassen sind auch nicht allzu selten und in ihrem Vorkommen regional normalerweise recht ergiebig.

Weiterhin wird häufig Olivindiabas (auch Olivin-Dolerit genannt) gehandelt

Die Herkunft der im Handel befindlichen Sorten ist oftmals Finnland. Prinzipiell sind aber auch andere Länder möglich.

Trotz aller Ansprüche ist normalerweise ein Austausch der Steine nach 3-4 Monaten notwendig. Selten halten die Steine bis 2 Jahre. Eine Standardgröße der Steine im Handel gibt es so nicht, die übliche Bruchgröße liegt aber bei ca. Handtellergöße, bisweilen auch etwas kleiner.


Synthetische Saunasteine

Heutzutage sind auf dem Markt technisch modifizierte Saunasteine natürlichen Ursprungs verfügbar. So soll es sich beispielsweise beim "Elittii Saunagranit" um einen speziell gehärteten Olivindiabas (s.o.) handeln, dessen Vorteil eine massiv verlängerte (5-7fach) Lebensdauer sein soll.

Als weitere, sehr häufig gehandelte, Variante sind keramische, vollsynthetische Saunasteine zu nennen. Diese werden ebenfalls mit einer gegenüber natürlichen Steinen deutlich erhöhten Lebensdauer beworben. Zudem sollen sie durch eine hohe Porösität bei gleichzeitiger Verschleißarmut viel Aufgusswasser speichern können.

Handelsnamen: Tiileri - Saunasteine, KERKES - Keramiksteine


Bilder

Saunastein (verbraucht)
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Saunastein (verbraucht)

Fundort: noch unbekannt; Stufengröße: 10,9 x 7,9 x 5,5 cm; aus derselben Charge, wie der frische; man sieht deutlich den Farbverlust mit gleichzeitigem Auftreten einer Braunfärbung, die von Eisenox...

Copyright: Torben
Beitrag: Torben 2006-10-05
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Saunastein (frisch)
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Saunastein (frisch)

Fundort: noch unbekannt; Größe: 13,4 x 4,0 x 2,1 cm

Copyright: Torben
Beitrag: Torben 2006-10-05
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Quellen

erstellt durch: Torben


Literatur

  • I. Fritzsche, W.Fritzsche Alles über Sauna baden, 2002, 22. Aufl., Verlag Sauna-Matti GmbH, Bielefeld, S. 9

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