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Sternberg, Kaspar Graf von

Kaspar Maria von Sternberg
Kaspar Maria von Sternberg

Böhmen

Archiv: Doc Diether

Kaspar Maria Graf von Sternberg (* 6. Januar 1761 Prag; † 20. Dezember 1838 Brzezina) war ein deutsch-böhmischer Theologe, Politiker, Mineraloge und Botaniker.

Er gilt als Begründer der modernen Paläobotanik.

Kaspar Sternberg wurde als jüngster von 3 Söhnen des Grafen Johann von Sternberg geboren. Mit elf Jahren wurde er für die geistliche Laufbahn bestimmt und begann 1778 mit der priesterlichen Ausbildung im Collegium Germanicum in Rom. Er ging 1783 nach Regensburg, um eine kirchliche Laufbahn zu beschreiten. 1802 wurde er als Stellvertreter des Fürsten Thurn und Taxis die Spitze der dortigen politischen Verwaltung, des Landesdirektoriums. Während der nächsten 4 Jahre war er Gesandter am Immerwährenden Reichstag und Vertreter des Hochstifts Freising beim Reichsdeputationshauptschluss. In den folgenden napoleonischen Jahren war eine politisch bewegte und ungewisse Zeit. Hier zog sich Sternberg von den öffentlichen geistlichen Geschäften mehr und mehr zurück, um sich schließlich ganz der Naturwissenschaft zuzuwenden.

Er beschäftigte sich in den 1790er Jahren intensiver mit der Botanik und war 1799 der von David Heinrich Hoppe 1790 gegründeten Botanischen Gesellschaft in Regensburg beigetreten. Sternberg richtete 1804 einen dazugehörenden botanischen Garten ein und gründete schließlich 1806 die Regensburger Akademie der Naturwissenschaften, der er als Präsident vorstand.

Mit dem Tod seines 2. Bruders Joachim 1808 auf dessen Gut in Brzezina und mit der Zerschlagung seiner Hoffnungen auf die Position des Koadjutors an der Seite Dalbergs, sah sich Sternberg vor die Wahl gestellt, die Aufsplitterung des deutschen Reiches in viele kleinere Lande an Ort und Stelle mitzuerleben und zu erleiden oder seine geistliche Karriere abzubrechen und das böhmische Gut seiner Familie als einziger Hinterbliebener weiterzuführen. Als 1810 Regensburg an Bayern überging, entschloss er sich endgültig, seine Lebensinteressen nach Böhmen zu verlegen, seine Güter in Liblín und Radnitz zu verwalten. Ferner gab es die Sternbergsche Eisenhütte, das Schwarzkohlebecken und die Forstwirtschaft, wo er seine Aufgaben fand.

In der Hingabe an seine naturwissenschaftlichen Interessen wusste er die Geschäfte des Gutshofes in Brzezina glücklich zu verbinden mit der Erforschung und Nutzbarmachung belebter und unbelebter Natur. Hiermit legte Sternberg den Grundstein zu seinem letzten Lebensabschnitt.

Um aber außerdem auch Böhmen zu einiger wissenschaftlicher und kultureller Geltung zu erheben, gründete er 1818 zusammen mit seinem Vetter Franz Graf Sternberg-Manderscheid, Franz Graf Klebelsberg-Thumburg und dem Oberstburggrafen Franz Anton von Kolowrat-Liebsteinsky das Vaterländische Museum in Böhmen, ebenso eine zugehörige Gesellschaft in Prag, die unter Franz Sternberg-Manderscheid einen historisch-künstlerisch-literarischen und unter Kaspar Sternberg einen naturgeschichtlichen Zweig verwaltete.

Ab 1820 pflegte er Freundschaft mit Johann Wolfgang von Goethe. Eine wichtige Frage war zu jener Zeit, ob ein Gestein vulkanischen Ursprungs (plutonistisch) oder sich aus dem Wasser gebildet hat (neptunistsisch). Der Kammerbühl bei Eger stand im Zentrum des 'Neptunistenstreits'. Am 30.07.1822 konnten sich Goethe und andere Naturforscher noch nicht über die vulkanische Natur des Basalts einigen. 1837 (nach Goethes Tod) bewies ein von Sternberg angeregter Stollen im Basalt, daß es sich um einen Vulkanschlot handelt, der Basalt also plutonistisch gebildet wurde.

Sternberg verfasste über 70 Publikationen, überwiegend zu Themen der Botanik, Paläobotanik und „Geognosie“.
Seine hervorragendste Leistung war die Herausgabe des „Versuch einer geognostisch-botanischen Darstellung der Flora der Vorwelt“ (1820–1838) – ein Standardwerk seiner Zeit von überragender wissenschaftlicher Bedeutung.
Er verfolgte (und erreichte) darin das Ziel, die pflanzlichen Fossilien nach dem System von Linné zu bestimmen und systematisch einzugliedern. Dies fußte auf seiner Erkenntnis, dass auch fossile Arten – wie die rezenten – unter spezifischen ökologischen Bedingungen und in habitatabhängigen Vergesellschaftungen lebten.

Die Pflanzengattung Sternbergia Waldst. et Kit. aus der Familie der Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae) ist nach ihm benannt worden.


Literatur:

  • Sternberg, Umrisse einer Geschichte des Bergbaus und der Berggesetzgebung des Königreichs Böhmen. 2 Bände, Prag 1836/38.
  • Sternberg, Kaspar: Versuch einer geognostisch-botanischen Darstellung der Flora der Vorwelt. Prag 1838. Download
  • Constantin von Wurzbach: Sternberg, Caspar Graf. In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. Band 38, Verlag L.C. Zamarski, Wien 1879, S. 252–266.
  • Wilhelm von Gümbel: Sternberg, Kaspar Maria Graf von. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Bd.36, Duncker & Humblot, Leipzig 1893, S.118 f.
  • R.C. Schweizer: Sternberg Kaspar (Maria) Gf. von. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Bd.13. Verlag der Österr. Akademie der Wissenschaften, Wien 2007–2010, ISBN 978-3-7001-6963-5, S.235 f.
  • Schröder, H.-P. (2009). GOETHE, STERNBERG, COTTA und der Tunnel in den Vulkan. Aufschluss, Jg.60, Nr.6, S.323-30.

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