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Tischendorf, Gerhard

Prof. Dr. Gerhard Tischendorf (* 25.12.1927, Treuen (Vogtl.); + 10.12.2007, Zittau) war ein deutscher Geochemiker.

Tischendorf wurde noch 1945 Soldat; war dann bis 1947 Kriegsgefangener in der UdSSR und Steinkohlenbergmann im Donezbecken. Von 1947–48 besuchjte er die Oberrealschule und legte dort sein Abitur ab. Von 1948–49 war er Bergbaupraktikant; von 1949–53 erfolgte ein Studium des Bergbaus und der Mineralogie an der Bergakademie Freiberg; 1954–58 Assistent am Mineralogischen Institut der Bergakademie. 1958 Promotion zum Dr. rer. nat mit einer Diss. zur Genesis von Selenidvorkommen, insbesondere von Tilkerode im Harz; 1965 Habilitation zum Dr. rer. nat. mit einer Arbeit über die Verteilung des Selens in Sulfiden; 1963–89 Vorlesungen zur Geochemie und Metallogenie an der Bergakademie, ab 1973 als Honorardozent für Geochemie; 1958–60 Arbeitsgruppen-Leiter und stellvertretender Abteilungs-Leiter für Geologische Erkundung im Zentralen Geologischen Inst. (ZGI) Berlin. 1969–77 war er Vorsitzender des Nationalkomitees für Geologische Wissenschaften; 1975 Mitglied des Rats des Internationalen Geologischen Korrelationsprogramms in der internationalen Geologischen Union bei der UNESCO. 1978 wurde er diskreditiert durch das MfS; 1980 Einstufung als »Sicherheitsrisiko« für das ZGI und 1981 Abschiebung an den Betrieb Geologische Erforschung u. Erkundung in Freiberg. 1990 war er Koordinator des Zentralen Runden Tisches Geologie zur Vorbereitung des Aufbaus von Geologischen Ämtern in den neuen Bundesländern. Von 1990–91 war er Leiter der Rehabilitations-Kommission des ZGI Berlin.

Seine Forschungsschwerpunkte waren: Entstehung von Seleniden, Einfluß des Redoxpotentials auf die Mineralbildung, Entstehung von Zinnlagerstätten, Geochemie granitischer Gesteine, Mineralogie und Geochemie von Glimmern; ca. 120 Veröffentlichungen.

Ehrungen: 1990: Serge-von-Bubnoff-Medaille der Gesellschaft für Geologische Wissenschaften der DDR; 1993 Ehrenmitglied der International Association of Ore Deposits; 2002 Benennung eines neuen Se-Minerals zu senen Ehren: »Tischendorfite«. 2006 Ehrenbürger der Bergakademie Freiberg.


Literatur:

  • TISCHENDORF, Gerhard, Guido, FRIESE und Rolf SCHINDLER (1969). Die Dunkelglimmer der westerzgebirgisch-vogtländischen Granite und ihre Bedeutung als petrotektonische und metallogenetische Indikatoren (I) und II. - Geologie 18, S.384-99, 1024-44.
  • Tischendorf, G.: Einführung in die Metallogenie / Mineralogie. Leipzig 1976 (mit L. Baumann);
  • Rohde, G., Tischendorf, G., Leonhardt, J. & Damaschun, F. (1980). Über das Krokoitvorkommen von Callenberg. Fundgrube, Bd.2, S.39.
  • Tischendorf, G. Grundlagen der Geochemie. Leipzig 1990 (mit R. Seim);
  • Tischendorf, G. Zwischen Überzeugung und Aufbegehren. Biographoischer Bericht eines Freiberger Mineralogen. Schkeuditz 1999.
  • Stanley, C.J., Criddle, A.J., Förster, H.J. & Roberts, A.C. (2002). Tischendorfite, Pd8Hg3Se9, a new mineral species from Tilkerode, Harz Mountains, Germany. Can. Min., Vol.40, S.739-45. (Typ-Publ.)
  • Förster, H.-J., Tischendorf, G. & Rhede, D. (2005). Mineralogy of the Niederschlema - Alberoda U - Se - polymetallic deposit, Erzgebirge, Germany. V. Watkinsonite, nevskite, bohdanowiczite and other bismuth minerals. Can. Min., Vol.43, S.899-908.

Weblinks:


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