'._('einklappen').'
 

(Weitergeleitet von Bewetterung)


Wetter

Die Bezeichnung für alle Luft-Gasgemische unter Tage, bzw. die untertägig im Grubengebäude bewegten Luftströme.

Terminologie

  • Frischwetter: von übertage angesaugte Luft
  • Abwetter: aus dem Grubengebäude abgesaugte Luft
  • Giftwetter: Wetter mit gesundheitsschädlichen oder giftigen Beimengungen
  • Matte Wetter: Wetter mit geringem Sauerstoffgehalt, welche schlecht für die Atmung sind
  • Schlagwetter, Schlagende Wetter, Böse Wetter: Wetter mit erhöhten Methanwerten (5 - 14 Vol. %), welche durch Zündung zur Explosion kommen können und oft Anlaß für Unglücke im Steinkohlenbergbau sind.
  • Brandwetter: Abwetter, die einen Brandherd passiert haben und eventuell gefährliche Mengen von Brandgasen mit sich führen.

Wetterführung / Bewetterung

Wetterführung bezeichnet die Frischluftzufuhr (Bewetterung) und Steuerung durch "Wetterschächte" und "Wetterschleusen" durch das Grubengebäude. Für die Bewegung der Wetter reicht oft der natürliche Zug aus (natürliche Wetterführung). In tiefen Gruben und in solchen, die zur Bekämpfung von Schlagwettern große Wettermengen brauchen, wird der Wetterstrom durch meist über Tage aufgestellte elektrische Ventilatoren erzeugt (künstliche Wetterführung). Diese riesigen Ventilatoren saugen aus dem einen Schacht die verbrauchte Luft ab (Abwetter). Dadurch strömen durch den zweiten Schacht frische Wetter in die Grube nach.

Als Lutten bzw. Luttentour bezeichnet man Rohre aus Blech, Holz oder Plastik, durch welche die Frischluft in nicht- oder schlecht bewetterte Teile des Grubenbaues geleitet wird. Dieses ist insbesondere bei in der Auffahrung befindlichen Grubenbaue erforderlich, weil sie erst nach einer Seite offen sind. Durch die Bewetterung kann eine Temperatursenkung in heißen Gruben erreicht werden, wobei die Wetter dann zusätzlich durch Kühlmaschinen gekühlt werden.

In früher Zeit wurde die Wetterführung durch o. g. Wetterschächte sichergestellt wobei der Bergman von einziehenden und ausgehenden Wettern spricht. In der Grube wurden diese Wetter durch Wettertüren, Wetterlutten oder Wetterrollen gesteuert. In der Eisenstein-Grube Michaelszeche in Endorf, Sauerland, gab es sehr früh Versuche, die Bewetterung über eine selbst konstruierte Wettertrommel sicher zu stellen.

Am Eingang eines Stollens kann man anhand der einziehenden oder ausgehenden Wetter darauf schließen, ob sich das Grubengebäude unterhalb oder oberhalb des Stollenmundloches befindet.

Im Kohlebergbau führen die "bösen Wetter" (Schlagwetter, Methangas) bei Zündung häufig zu katastrophalen Explosionen. Bis zur Erfindung der Davy-Lampe kam dies regelmässig vor und die Betreiber der Gruben schrieben einen hoch dotierten Wettbewerb zur Erfindung einer explosionssicheren Lampe aus.

Bis dahin konnten die s. g. Büßer, Mörder, Verbrecher, dem Galgen entgehen, indem sie sich zur Zündung der "bösen Wetter" entschieden. Wenn diese Büßer die Explosion überlebten, konnten sie auf ein milderes Strafmass hoffen. Dick in nasse Tücher eingewickelt und unter Haufwerk eingegraben überlebten viele die Explosion tatsächlich.

Stollenmundloch-Bereich
Stollenmundloch-Bereich

mit Belüftungslutten. NEAT-Baustelle Amsteg, Reusstal, Uri, Schweiz. 3.2011.

Doc Diether
Grubenwetterkühler
Grubenwetterkühler

Luchsbachtal, Pöhla, Schwarzenberg, Erzgebirge, Sachsen. 6.2006

Doc Diether
Streckenlüfter
Streckenlüfter

Röhrigschacht, Wettelrode, Sangerhausen, Sachsen-Anhalt. 2004.

Doc Diether

Literatur:

  • Kammer der Technik, Fachverband Bergbau; 1978; Taschenbuch für den Bergmann; Band III - Tiefbau
  • NRW-online; 2004; Bergbaulexikon.

Quellangaben


Einordnung