Hallo Wilhelm,
zunächst einmal glaube ich das es bei Betrug kein Gewohnheitsrecht gibt. Zum zweiten glaube ich, dass ein Veranstalter ebenfalls in der Pflicht steht, seine Börsen sauber zu halten. Und zum dritten erkauft man mit der Bezahlung einer Standmiete auch nicht das Recht, Leute über den Tisch zu ziehen und die dabei entstehende Reibungshitze als Nestwärme zu bezeichnen.
Du hast sicherlich Recht, dass man die Übeltäter fast immer voraussagen kann. Und Du hast auch Recht, dass gestandene Sammler eine Fälschung leichter erkennen als Anfänger oder unbedarfte.
Das dies nicht immer gilt, zeigt auch die Diskussion über die blauen Baryte aus Cavnic. Echt oder gefälscht

Das die Börsenveranstalter darauf kaum entsprechend reagieren, ist ebenfalls bekannt.
Hier aber geht es um den DMF. Warum soll man dem nicht mal auf´s Dach steigen ? Schließlich verleiht er bestimmten Börsen ja sein " Gütesiegel " . Auf Grund wessen ??
Ich rege mich hier auch nicht an erster Stelle wegen evtl. entgangener Umsätze auf. Mein Angebot besteht in erster Linie aus Achaten und verkieselten Hölzern, sowie anderen geschliffenen Materialien, sowie die Dienstleistung des Schleifens. Mineralien sind eher Nebensache und Schmuck kommt mir nicht auf den Tisch. Da hab ich mit gefälschten Konkurrenzmaterial wenig am Hut. Eher schon mit falschen Fundstellen.
Nun bin ich in der glücklichen Lage, einen Grossteil meines Umsatzes mit Sammlern zu machen, d.h., Leute die in der Regel ein bestimmtes Grundwissen besitzen. Trotzdem kriege ich die Krise, wenn mir ein Besucher einen knallrosa Achat aus Idar Oberstein unter die Nase hält, den er ein paar Stände weiter für nicht wenig Geld gekauft hat. Klar klärt man den dann auf, aber glücklich sind die meissten darüber dann nicht.
Bei den Mineralienhändlern sieht das schon etwas anders aus.
Hier wird der Hauptumsatz eben nicht mit versierten Sammlern gemacht, sondern mit Gelegenheitskäufern, Einsteigern und zunehmend auch mit esotherisch angehauchten Besuchern.
Aber das ist im Grunde vollkommen egal. Fakt ist, dass man als ordentlicher Händler ein ganze Menge Zeit, Geld und Mühe investieren muss, um ein ausgewogenes und preisgerechtes Angebot auf den Tisch zu legen. Fakt ist auch, dass man als in Deutschland ansässiger Händler bemüht ist, einen Stammkundenkreis aufzubauen. Das gelingt in der Regel aber nur, wenn man ehrlich und gewissenhaft ist.
Unsere Kollegen aus fernen Ländern haben damit aber nix am Hut. Da zählt nur der schnelle Euro und nach ihm die Sintflut. In so fern verschafft er sich durch sein unlauteres Verhalten einen klaren und erheblichen Wettbewerbsvorteil.
Aber was geht das jetzt den nicht handelnden Sammler an ? Ist doch eigentlich Sache der Händler, das hier ins Reine zu bringen.
Nun, so einfach ist es leider auch nicht. Zunächst einmal sind die ordentlichen Händler die ein im Sammlersinne hochwertiges Angebot haben, klar in der Minderheit. Zähl sie mal in München und stell die Esohändler, Schmuckverkäufer und eben die angesprochenen schwarzen Schafe gegenüber.
Die Sammler aber beschweren sich meist nur, dass auf den Börsen Tand und Fälschungen überhand nehmen und bleiben letzlich einfach weg.
Wäre es denn nicht auch zum Vorteil aller Sammler, nein Besucher, wenn diese hier ein wenig unterstützend eingreifen ? Letzlich liegt ein gutes, ausgewogenes und preiswertes Angebot doch auch in deren ureigenem Interesse. Zum DMF - Stand zu gehen und auf Missstände aufmerksam zu machen, um deren Abstellen zu bitten und evtl. noch mal nachzuhaken wenn nix passiert, dauert vielleicht eine Viertelstunde.
Ich denke, die ordentlichen Händler haben eine solche Unterstützung verdient und werden es mit weiterer Präsenz und einem guten Angebot danken.
Ralf