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Autor Thema: "Milchquarz": Bergkristallvarietät oder eigene Quarzvarietät?  (Gelesen 13122 mal)

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Offline Tobi

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Hi,

versuche gerade, den zur Schau gestellten Teil meiner Sammlung endlich mal hübsch und vor allem einheitlich zu beschriften und dabei auch z.B. auch zu vermerken, wenn es sich bei einem Mineral um eine Varietät einer bestimmten Mineralgruppe handelt. So heißt es dann z.B. bei der Quarz-Gruppe "Amethyst (Quarz-Varietät)" oder "Chrysopras (Quarz-Varietät)". Das selbe gilt natürlich auch beim Bergkristall, aber ich stehe gerade leicht auf dem Schlauch wegen einer Milchquarzstufe aus Madagaskar. Ist das im Grunde auch einfach "Bergkristall" oder ist "Milchquarz" eine eigenständige Varietät? Oder wäre die diplomatische Lösung "Milchquarz (Bergkristall-Varietät)"...

Gruß

Offline pseudonym

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Ich würd schreiben : Milchquarz (Quarz-Varietät ) korrigiert mich wenn ich falsch liege !

Offline Ralf

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Hi Tobi,

wenn Du das so aufbaust, dann ist alles eine Varietät von Quarz. Demnach müsstest Du immer den Quarz voranstellen und die jeweilige Varietät dahinter. Also Quarz ( Bergkristall ), Quarz ( Milchquarz ) usw. Spätestens bei Chrysopras kommst Du aber ins schleudern, wil Chrysopras eine Varietät des Chalcedons ist. Dann müsstest Du schreiben Quarz ( Var. Chalcedon ==>Var. Chrysopras ).

Ralf

Offline smoeller

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Hallo,

Meines Erachtens ist Milchquarz eine eigenständige Varietät. Bergkristall ist halt reiner, farbloser Quarz, Milchquarz ist reiner Quarz, der durch feinste Einschlüsse eine milchige Farbe bekommt.

Glück Auf!
Smoeller

Offline Tobi

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Tja stimmt, das mit dem Chrysopras muss ich mir dann auch noch anders zurecht legen...

Also ich nehme eure Antworten dann mal als Bestätigung, Milchquarz nicht als Bergkristall, sondern als eigene grobkristalline Quarzvarietät anzusehen.

Danke & Gruß

Offline Bergmeister

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Die SiO2-Modifikationen werden in kristalline Ausbildungen (Quarz):
zBsp. Bergkristall, Rauchquarz, Milchquarz, Amethyst, Citrin, Rosenquarz usw.

und mikrokristalline Aggregate (Chalcedon):
zBsp. Karneol, Chrysopras, Achat, Jaspis usw. unterschieden.

Während Bergkristall farblos, klar und durchsichtig ist sind Milchquarze meist durch Gas- und Flüssigkeitseinschlüsse milchig gefärbt.

Gruß Bergmeister

Offline Gerdchen

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Hallo
Milchquarz ist keine eigene Quarzvarietät. Die milchige "Färbung" kommt durch Verunreinigungen wie z.B. Gasbläschen und ist daher zu den Bergkristallen zu zählen. Eine eigene Varietät ist es nicht. Auch hat es nichts mit mikro- und makrokristallinen Varietäten zu tun. Während bestimmte Quarzvarietäten durch Gitterstörungen und/oder durch bestimmte Elemente gefärbt werden, handelt es sich hierbei nur um Einschlüsse.
Gruß
Gerdchen

Offline Tobi

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Tja, da haben wir die erste Gegenstimme :-\

Andere Meinungen bitte: Ist Milchquarz eine Quarzvarietät oder ist Milchquarz lediglich trüber Bergkristall?

Offline Ralf

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In Fauna und Flora spricht man von Varietäten, wenn einige Angehörige einer Art  unter gewissen Umständen und wiederkehrend eine andere Erscheinungsform haben als die Stammform, ohne sich genetisch zu unterscheiden.
Bezogen auf die Mineralien sind da sicher die gleichen Regeln anzuwenden. Die Stammform ist Quarz. Ein Bergkristall ist halt nur ein besonders klarer Quarz, ein Milchquarz ein besonders trüber. Dazwischen gibt es unzählige Mischformen. Noch schlimmer, ein Zepterquarz kann sowohl aus Milchquarz bestehen als auch aus Bergkristall. Es handelt sich also immer um bestimmte Wachstumsformen des Quarzes in unterschiedlicher Ausbildung und Färbung.
Demnach kann Milchquarz keine Variante des Bergkristalls sein, denn das würde unterstellen, dass der Bergkristall die Stammform - und somit ein eigenständiges Mineral - ist.
Folgt man Gerdchens sicher nicht aus der Luft gegriffenen Argumentation, steht man vor dem nächsten Dilemma. Denn dann wäre auch Bergkristall keine eigene Varietät, sondern lediglich ein sehr klarer Quarz.
Es wird sicher keine alle zufriedenstellende Lösung geben, weil halt sehr viel Spielraum für subjektive Einschätzungen vorhanden ist.
Für meinen Teil habe ich mich schon lange entschieden Quarze nur dann als Bergkristall zu bezeichnen, wenn sie aus alpinen oder alpinotypen Fundstellen stammen. Da kommt letztlich auch die Namensgebung her, die es meines Wissens so auch nur im Deutschsprachigen Bereich gibt. Alles andere zwischen klar und trübweiß bezeichne ich als Quarzkristall.

Ralf

Offline Bergmeister

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@Gerdchen

Milchquarz ist Deiner Meinung nach also keine eigene Quarzvarietät? Soso, dann sind die Buchautoren Trottel.

Um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen gebe ich hier mal den alten Rösler wieder. Der unterscheidet die Quarz-Varietäten in phanerokristallin und fein- bis kryptokristallin. Bei phanerokristallin noch in idiochromatische- (Amethyst, Bergkristall...) und allochromatische- (Eisenkiesel, Milchquarz...) Farbvarietäten sowie Formvarietäten ( Kammquarz, Zepterquarz...)  :o.
Die fein- bis kryptokristallinen in Pseudomorphosen (Tigerauge, Katzenauge...) und Chalcedone (Achat, Chrysopras...).

Bergmeister


Offline Tobi

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Für meinen Teil habe ich mich schon lange entschieden Quarze nur dann als Bergkristall zu bezeichnen, wenn sie aus alpinen oder alpinotypen Fundstellen stammen. Da kommt letztlich auch die Namensgebung her, die es meines Wissens so auch nur im Deutschsprachigen Bereich gibt. Alles andere zwischen klar und trübweiß bezeichne ich als Quarzkristall.
Da muss ich Veto einlegen: Bergkristall hat auch in anderen Sprachen (zumindest hier in Europa) entsprechende Namen. Auf Englisch rock crystal und auch auf Italienisch und Französisch sind die Namen glaube ich analog dazu, "cristallo di rocca" und "cristal de roche". Aber da der Bergkristall ja so DAS typische Alpenmineral ist, ist es ja nur logisch, dass er in den Sprachen dieser Alpenländer auch einen Namen bekommen hat, der auf die Herkunft oben aus dem Gebirge verweist. Ja ich weiß, "rock" bzw. "roche" oder "rocca" heißt wortwörtlich eher "Fels" als "Berg", aber die Bedeutung ist für das Mineral die gleiche.

Also ich will jetzt ohnehin gleich die Etiketten ausdrucken und mich an die Arbeit machen. Ich werde es jetzt bei "Milchquarz (Quarz-Varietät)" lassen. Wer nicht ganz doof ist, wird anmerken, dass "Milchquarz" ja sowieso auf -quarz endet und es ja eigentlich offensichtlich ist, aber ich nehme jetzt die o.a. Schreibweise. Was ich mit dem Chrysopras anstelle.....ach, den mach ich einfach als letztes...

Danke allen & Gruß


Offline Collector

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Die SiO2-Modifikationen werden in kristalline Ausbildungen (Quarz):


Hallo Bergmeister

Hoppla !

hier gehts aber durcheinander. Uffpasse !

SiO2-Modifikationen sind keine Varietäten. SiO2 hat 9 Modifikationen, u.a. Tridymit, Cristobalit, Hochquarz, etc etc .

Bei Deinen letzten Kommentaren hast Du den Rösler zitiert. Auch der Rykart (der Bergkristall-Pabst) unterscheidet nach Verschiedenheit ihres Gefüges zwischen phanero- und kryptokristallinen Gruppen (nicht Varietäten).

Was ich aber besser bei Rykart finde ist, dass er nicht unisono von Varietäten spricht, sondern ....." die einzelnen Glieder dieser bunten (Quarz)-Gesellschaft erhielten verschiedene Namen ", u.a. aus der Schmucksteinindustrie.

Der Begriff Varietät bei Quarz wird oft individuell, jedoch nicht wissenschaftlich verbindlich gehandhabt. So gibts also auch Autoren, die ganz gemeinen Quarz als Varietät bezeichnen; und andere, welche Bergkristall als solchen bezeichnen, wenn es wasserklare Kieselsäure ist, aber sobald Einsschlüsse vorhanden sind, als Bergkristall mit Einschlüssen bezeichnen.  Folgt man dieser Logik, dann ist also auch Milchquarz ein Bergkristall mit Einschlüssen - oder ?

Oder ist ein Rauchquarz mit gelbbrauner Farbe nun ein Citrin oder ein schwarzbrauner Rauchquarz nun ein Morion ? Oder ein Bergkristall, der erst nach Bildung über lange Zeit gebräunt wurde ?

Alles sehr verwirrend, sehr subjektiv  und oft sehr  individuell.  Letztlich sind alle sichtbar kristallinen Quarze, welche meist in größeren Kristallen vorkommen, schlichtweg einfach Quarz. Ob er nun rosa, braun, gelb oder braun ist - es bleibt Quarz.  Ob er nun Rutil-, Turmalin oder Hornblende eingelagert hat, ob er durch natürliche Starhlung braun oder  violett ist oder ob er Eisenoxid enthält -  es bleibt einfach Quarz.  Und ob nun jemand zu einem hellbraunen Quarz Rauchquarz sagt oder zu einem dunkelbraunen Morion,  ist  total unverbindlich und der Phantasie des Einzelnen überlassen.
Und ob man nun von Varietäten oder einfach von braun gefärbtem Quarz oder von Quarz mit eingelagertem Rutil (wie Rosenquarz) spricht - auch das bleibt jedem selbst überlassen.

Auch bei der Bergkristall-Definition sind sich viele Autoren uneinig. Die einen beziehen sich auf alpine oder alpinotype Vorkommen; andere definieren Bergkristall als wasserklar nahezu reine Kieselsäure.  Wo ordnet man eigentlich die superklaren Schaumburger oder Herkimer Diamanten ein ? Varietät oder hochreiner Quarz oder Bergkristall ?


collector

Offline Tobi

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Uff, da hab ich ja was losgetreten mit meiner Frage... ;)

Offline Gerdchen

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@ Bergmeister

Keineswegs habe ich Buchautoren als Trottel bezeichnet!
Allerdings wird in der Literatur die mir zur Verfügung steht der Milchquarz nie als eigene Quarzvarietät bezeichnet sondern höchstens als getrübter Quarz.
Kann allerdings nicht auf Rösler zurückgreifen sondern nur auf Henn, Bank, Chudoba-Gübelin, Schloßmacher usw..

Fest steht, dass Milchquarz ein getrübter, farbloser Quarz ist.
Ist er daher eine eigene Quarzvarietät und ist dann nicht auch ein durch Fremdeinschlüsse getrübter Amathyst eine eigene Varietät?
So weit reichen meine Kenntnisse leider nicht.
Gruß Gerdchen

Offline Uwe Kolitsch

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    • Uwe Kolitsch, NHM Wien
Quarz ist Quarz ist Quarz.   ;-)

 

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