Hallo an alle Interessierten:
Nachfolgend ein Ausschnitt aus unserer CD über die Minerale der Vulkaneifel zum Thema Epitaxien/Pseudomorphosen von Rutil nach Ti-haltigem Hämatit bzw. Ilmenit.
Viel Spaß beim Karnevalssammeln
Günter Blaß
Rutil nach Hämatit/Ilmenit
Epitaxien bzw. Pseudomorphosen von Rutil nach Ilmenit/Hämatit/Titanohämatit sind aus der Vulkaneifel vom Bellerberg, Emmelberg, Nickenicher Sattel, Herchenberg, Rothenberg sowie aus „Kristallinen Schiefern“ des Laacher-See-Vulkans bekannt.
Makroskopisch handelt es sich um gelbe, beigegelbe bis leicht rötliche, dünntafelige Kristallagregate. Im Anfangsstadium der Pseudomorphisierung ist nur der Randbereich der “Ilmenit-Kristalle” in Rutil umgewandelt (dieser Umwandlungsbeginn entspricht in seinem Wesen einer Epitaxie). Visuell ist dies schön daran zu erkennen, dass der schwarze “Ilmenit” einen mehr oder weniger breiten, gelblichen Rahmen aus Rutil aufweist. Im Endstadium ist der gesamte Kristall unter Erhaltung seiner Umrisse vollständig umgewandelt und dementsprechend komplett gelb bis gelbrot gefärbt (Bild).
Die Umwandlung von Ilmenit zu Rutil verläuft nach allgemeiner und übereinstimmender Ansicht in drei aufeinanderfolgenden Schritten ab (381, 382) wobei man den ersten und zweiten auch als einen Schritt auffassen könnte.
Zunächst findet Hydration von TiO2 und gleichzeitige Oxidation von Eisen sowie anschließende Auslaugung und Wegführung des dreiwertigen Eisens statt.
Als zweite Stufe des Prozesses folgt die Bildung von Pseudorutil infolge der im ersten Schritt erfolgten Eisenoxidation und der Auslaugung von einem Drittel des ursprünglichen Eisengehaltes nach folgender Reaktionsgleichung:
3Fe2+TiO3 ® Fe2Ti3O9 + Fe
In einem dritten Schritt, der schließlich zur Bildung von Rutil führt, läuft eine Reaktion nach folgendem Schema ab:
Fe2Ti3O9 ® 3TiO2 + Fe2O3
Auch in diesem letzten Schritt wird das gebildete Eisenoxid aufgrund seiner Mobilität weggeführt, während der Rutil an Ort und Stelle, d.h. auf den Relikten des Hämatit-Kristall, kristallisiert.
In der Zusammenschau unserer Untersuchungen an Pseudomorphosen und Teilpseudomorphosen nach Ilmenit/Hämatit lässt sich festhalten, dass die zweite Stufe mit der Bildung von Pseudorutil anhand von röntgendiffraktometrischen Daten nicht eindeutig nachvollziehbar war. Es waren immer lediglich Ilmenit/Hämatit und Rutil nachweisbar.
Wie schon gesagt, kristallisiert der Rutil an der Stelle seiner Entstehung und richtet sich dabei gesetzmäßig auf dem “Ilmenit” aus. Dabei liegen die {100}- Flächen auf der Basis {00.1} des „Ilmenits“ und die c-Achse von Rutil liegt parallel zu der Richtung [12.0] von „Ilmenit“. Das heißt, die Rutil-Kristalle gehen in der Verlängerung durch den Schnittpunkt von zwei (110)-Flächen und liegen parallel zu den zugehörenden Äquatorkanten des Hämatit (Abb.9+10). Besonders deutlich ist diese Anordnung im Rastermikroskop zu erkennen (415).