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Autor Thema: Serpentinfels in den Alpen  (Gelesen 11528 mal)

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Isarkiesel

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Serpentinfels in den Alpen
« am: 04 Sep 07, 17:28 »
Hallo,

kürzlich habe ich einige sehr schöne Serpentinfels-Geschiebe in der Isar gefunden und würde nun gerne wissen, woher dieses Material ursprünglich stammt. Daher meine Frage: Kennt jemand Fundorte von Serpentinfels im nördlichen Alpenraum, insbesondere im Einzugsgebiet des ehemaligen Inngletschers (vom Engadiner Fenster bis zum westlichen Tauernfenster)?

Danke für eure Hilfe,
Holger

Offline caliastos

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Re: Serpentinfels in den Alpen
« Antwort #1 am: 04 Sep 07, 21:37 »
nördlicher alpenraum? sicher nicht in den nördlichen kalkalpen. in südtirol findet sich jedoch gerne serpentinit

Offline trommeln

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Re: Serpentinfels in den Alpen
« Antwort #2 am: 04 Sep 07, 21:48 »
Hallo Holger
Der Serpentinit ist den südlichen Alpen aufgelagert (Zwischenschicht, die aber meist recht obenauf liegt), kam ursprünglich aus Afrika... wir haben im Wallis einen Berggipfel gesehen, der aus Serpentinit bestand (Geisspfadsee in der Nähe), dann ein kleines Stück am Vorderrhein, Calmut am Oberalp, dann viel im Oberhalbstein... es ist ein Band, das dann sicher in der Richtung Oberengadin weitergeht, also en=Inn.
Wir haben jedoch in den Kiesgruben in der Nordschweiz grünen Stein gefunden , den wir neuerdings als Prasinit definieren können.
In Oesterreich, in Bernstein, ist Edelserpentin zu finden...

Eben ist Serpentinit in der Trommel.. er scheint zu weich zu sein, kommt nicht besonders gut...

Serpentin (Serpentinit)
Fundort:    Selva, Flüela, Alp Flix, Piz Lunghin
Region:    Landwassertal, Puschlav, Bergell,
Oberhalbstein - Graubünden - Schweiz;
Saasertal - Wallis - Schweiz
Farbe:    dunkelgrün
Ein Gestein, das als Hauptmineral Serpentin enthält heisst Serpentinit. Streng genommen ist Serpentin die Bezeichnung für das Mineral Serpentinit = Schichtsilikat. Nebenmineralien sind Pyroxen (Augit) und Olivin. Der Name stammt aus dem lateinischen Serpens = Schlange, wahrscheinlich wegen seiner Farbe.


Im Saasertal ist es wohl eher der Smaragdit-Gabbro, der mit dem grellgrünen Olivin

Offline smoeller

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Re: Serpentinfels in den Alpen
« Antwort #3 am: 05 Sep 07, 10:00 »
Hallo,

Serpentinit ist ein Überbleibsel der Subduktion des Piemont-Ozeans vor ca. 23 Mio. Jahren. Im Bereich der südlichen Schweiz/Norditalien lag damals zwischen dem bereits gefalteten Südrand der Eurasischen Platte (Nordalpen) und der Adria-Platte (Italien) ein Tiefseebereich, der an einer Subduktionszone geschlossen wurde. Bei der Kollision wurden Späne des oberen Mantels und der abtauchenden Platte in die Kruste gebohrt. Diese liegen jetzt als alpinotype Peridotite und Serpentinite vor. In Norditalien ist ein Segment der unteren Kruste dabei schräggestellt worden (Ivrea-Zone), dadurch kamen Unterkrustengesteine aus 40 km Tiefe an die Oberfläche. In der Zentralschweiz dürften sich Ausläufer des Üiemont-Ozeans finden lassen.

Das Saastal ist übrigens Teil des Piemont-Ozeans gewesen (Zermatt-Saas-Zone).

Glück Auf!
Smoeller

Isarkiesel

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Re: Serpentinfels in den Alpen
« Antwort #4 am: 05 Sep 07, 14:53 »
Hallo an alle,

und Danke für eure Antworten.

Wenn meine Funde auf natürlichem Wege ihren Fundort erreicht haben (und davon gehe ich aus), muss der Ursprung wohl nördlich des Alpenhauptkammes liegen. Und damit verdichten sich die Hinweise auf die Schweizer Alpen - zumindest hat bisher niemand einen österreichischen Fundort genannt, der bei Eis- und Wassertransport in Frage käme. Ich werde mich heute abend mal in die Bibliothek setzen und euren Hinweisen nachgehen.

Gruß,
Holger

Offline trommeln

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Re: Serpentinfels in den Alpen
« Antwort #5 am: 05 Sep 07, 18:55 »
Das Puschlav hat auch Serpentinit, also ist zwischen Alp Flix und Puschlav die Linie zu sehen, geht wohl durch St.Moriz, also dort fällt was in den Inn.

Offline grauwacke

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Re: Serpentinfels in den Alpen
« Antwort #6 am: 01 Oct 07, 09:36 »
Hallo Isarkiesel,
Serpentinit im Einzugsgebiet des Inn: Die Halbinsel, die in der Mitte der Nordküste in den Silser See im Engadin ragt, ist aus Serpentinit. Auch am Nordhang der dort vorbeiführenden Straße steht das Gestein an.

Gruß

Grauwacke

Offline oliverOliver

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Re: Serpentinfels in den Alpen
« Antwort #7 am: 10 Jul 13, 22:17 »
In der Salzach, die bei Burghausen (Grenze Bayern / OÖ) in den Inn mündet, gibts viel Serpentinit.
Besonders viele Serpentinitgeschiebe gibts auch in der Enns.
Wo dazu die primären Vorkommen liegen, müsste ich aber auch erst recherchieren.

Offline Emil Box

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Re: Serpentinfels in den Alpen
« Antwort #8 am: 11 Jul 13, 00:08 »
Hallo Oliver,
In "Die Mineralien der Alpen" Gramaccioli (1978) S. 468: Großglockner-Gruppe, Nordwand des Eiskögel, Serpentinitstöcke mit Vesuvian, durchsichtige Olivinkristalle, selten Perowskit und Zirkon.
Gruß
Milo

Offline stoanklopfer

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Re: Serpentinfels in den Alpen
« Antwort #9 am: 11 Jul 13, 14:22 »
Ich weiß, daß ich damit provoziere (nicht böse sein, aber ich kanns mir nicht verkneifen)!

@Oliver: auch viele andere Flüsse führen Serpentinitgerölle (nicht -geschiebe!), auch außerhalb Österreichs, Deutschlands usw.
@Milo: Schön, daß du den Gramaccioli gelesen hast. Es gibt aber auch Serpentinite in Afrika, auf den Phillipinen, in Südamerika etc.

Frage an beide: Was hat das mit der ursprünglichen Frage nach der Herkunft von Serpentinitgeröllen in der Isar zu tun?

Ein etwas verwirrter Volkmar

Offline oliverOliver

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Re: Serpentinfels in den Alpen
« Antwort #10 am: 11 Jul 13, 15:39 »
hallo Volkmar,
Zitat
Was hat das mit der ursprünglichen Frage nach der Herkunft von Serpentinitgeröllen in der Isar zu tun ?
Das hat mit folgendem Teil der ursprünglichen Frage zu tun:
Zitat
Kennt jemand Fundorte von Serpentinfels im nördlichen Alpenraum
Wobei ich - besonders mit der Salzach, der ja eine gewisse geografische Nähe zur Isar nicht abzusprechen ist - darauf hinweisen wollte, dass die Isar da kein Einzelfall ist, ich aber bezüglich der Herkunft dieser "Flussgeschiebe" (vieles, wenn nicht das meiste davon, wurde ja auch schon mal von Gletschern transportiert) auch erst nachschlagen müsste.
War aber zu faul das gleich zu recherchieren und wollte lieber abwarten, ob nicht vielleicht doch jemand was konkretes dazu weiß und das hier kundtut ...  ;)

Offline sapphire

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Re: Serpentinfels in den Alpen
« Antwort #11 am: 11 Jul 13, 16:28 »
Hallo,

das Thema ist zwar erst 6 Jahre alt, aber die Frage ist wirklich interessant, denn das Einzugsgebiet der Isar betrifft neben dem Alpenvorland nur einen Teil der Kalkalpen nördlich des Inntals. Das Material kann also nur aus einem Geschiebe stammen.

Es gibt es zumindest auch einige Serpentinite in den Hohen Tauern, so z.B. an der Smaragdfundstelle im Habachtal oder auch "nebenan" an der Schwarzen Wand.

Viele Grüsse
Andreas
« Letzte Änderung: 11 Jul 13, 16:42 von sapphire »

Offline oliverOliver

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Re: Serpentinfels in den Alpen
« Antwort #12 am: 11 Jul 13, 17:33 »
das Thema ist zwar erst 6 Jahre alt, aber die Frage ist wirklich interessant
eben -  ;D

Weiter östlich gibt es im unteren Ybbstal einen isolierten Serpentinitkörper bei Gstadt, über den u. a. schon Trauth 1954 berichtete.
Westlich davon ist mir nichts Derartiges bekannt, allerdings gibt es Berichte über bis zu 2 m hohe Serpentinitblöcke im „Klippenflysch“ (Kraus 1944, 202. – Eine aktuellere Arbeit zur Grestener Klippenzone des gleichen Gebietes, aber ohne Serpentiniterwähnung: Widder 1988).

Kraus, E., 1944: Über den Flysch und den Kalkalpenbau in Oberdonau. Jb.OÖ.Mus.Ver. 91, Linz 1944,
179 ff.
Trauth, F., 1954: Zur Geologie des Voralpengebietes zwischen Waidhofen a. d. Ybbs und Steinmühl östlich von Waidhofen. Kap. III. Betrachtungen über den Serpentin bei Gstadt u. einige andere Eruptivgesteinsvorkommen des Voralpenbereiches, Verhandlungen Geol. B.-A. 2, Wien 1954, 115 ff.
Widder, R., 1988: Zur Stratigraphie, Fazies und Tektonik der Grestener Klippenzone zwischen Maria Neustift und Pechgraben/O.Ö. OÖ Geonachrichten 3, 1988, 11 ff.

p.s.:
Die genannten Publikationen sind auch im www als pdf abrufbar.
« Letzte Änderung: 15 Jul 13, 17:02 von oliverOliver »

Offline Emil Box

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Re: Serpentinfels in den Alpen
« Antwort #13 am: 11 Jul 13, 23:12 »
Burghausen- Großglockner c.a. 110 km.
Wer bietet weniger?

Offline vanderheide

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Re: Serpentinfels in den Alpen
« Antwort #14 am: 07 May 14, 10:06 »
Hallo,
Wenn die anfängliche Frage ... "vom Engadiner Fenster" ausgeht:
Bei Scuol, Unter-Engadin, ist südlich die Clemgiaschlucht ganz aus Serpentinit.
Nördlich von Scuol, oberhalb von Motta Naluns, sind die Bergesspitzen ebenfalls aus Serpentinit.
Gruss
Hans

 

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