Berthold ist mir zuvor gekommen, was den Wissenschaftsbetrieb betrifft, ich wollte teilweise fast wortwörtlich das gleiche schreiben. Ich kann ihm hier 100%ig zustimmen.
Dass etwas revidiert oder korrigiert wird, ist völlig normal und gehört zum üblichen Wissenschaftsbetrieb, und Fälschungen und Betrügereien fliegen früher oder später auf (relativ aktuelles Beispiel war die Geschichte um Clonversuche in Südkorea). Auch in der Mineralogie gibt es Beispiele:
So wurde bei der Beschreibung von "Texasit", angeblich Pr2O2SO4, und "Albrittonit", angeblich CoCl2 · 6 H2O, synthetisches Material verwendet, ein natürliches Vorkommen und die Paragenese frei erfunden, Daten von jemand Anderem verwendet und Kristallzeichnungen von einem anderen Mineral aus einem Buch übernommen. Der Schwindel flog auf, beide Minerale (und weitere) wurden diskreditiert:
http://www.minsocam.org/ammin/AM67/AM67_156.pdfEs gibt diverse weitere Beispiele.
Die Bücher zu dem "Hintergrundwissen", dass Unterlagen und Ergebnisse stets unter Verschluß gehalten werden, Aussagen und Forschungen nicht so einfach wiederlegt werden usw., würden mich auch sehr interessieren.
Um wieder zu den Wünschelruten zurück zu kommen, eine Erfahrung mit einem Wünschelrutengänger kann ich beisteuern.
Es ist mindestens 20 Jahre her, da habe ich in Wolkenburg bei Glauchau in einer von einer Sprengung stammenden Schüttung nach roten Turmalinen gesucht. An einer Stelle hatte ich etwas gegraben und auch einige Turmalinkristalle gefunden. Außer mir hat an der Fundstelle noch jemand mit einer Wünschelrute gesucht. Nachdem ich recht gut gefunden hatte, wünschelte er auch mal über meinem Loch, die Rute schlug aus und er meinte, dass es eine sehr gute Stelle sei (nachdem ich gut gefunden hatte !). Ich habe dann noch weiter gegraben, habe nichts mehr gefunden und war nach 5 cm durch die Schüttung durch.
Insgesamt habe ich mindestens fünfmal so viele Turmaline wie der Mann mit der Wünschelrute gefunden, da ich gesucht und nicht danach gewünschelt habe.
Im übrigen sind "Erfolge" von Wünschelrutengängern auf Halden kein Beweis für ein Funktionieren (oder Nicht-Funktionieren), da die Voraussetzungen für ein wissenschaftlich überprüfbares Experiment nicht bestehen.
- Wenn der Wünschelrutengänger schon auf der Halde gewesen ist oder gesucht hat, kann er z.B. bestimmte fündige Stellen kennen und hat damit Vorinformationen, die das Experiment beeinflussen.
- Stellen an denen viel gegraben wurde können auf fündige Schüttungen hinweisen, umgekehrt können völlig unberührte Halden auf taube Schüttungen hinweisen, auch das wären Vorinformationen, womit kein Blindversuch mehr vorliegt.
- Auf einer Halde, die von Sammlern frequentiert wird (weil sie fündig ist), sind die Chancen, etwas an einer Stelle zu finden, an der die Rute ausgeschlagen hat, sowieso recht gut. Die Erfolgsquote dürfte hier einfach auf Grund der statistischen Wahrscheinlichkeit recht groß sein.
- Wenn ein Wünschelrutengänger über eine Halde gegangen ist und die Rute hat an einer Stelle ausgeschlagen und dort wird beim Graben auch etwas gefunden, müsste zu Beweis der Fähigkeiten des Rutengängers ALLES systematisch aufgegraben werden wo er langgelaufen ist und die Rute NICHT ausgeschlagen hat (wobei auch noch die Frage der Tiefe zu klären wäre). Nur wenn dort überall NICHTS gefunden wird, wäre dies ein Hinweis auf den Erfolg des Rutengängers. Wenn aber etwas gefunden wird (und die Chancen dafür stehen auf einer Halde gut), wieso hat dann die Rute dort NICHT ausgeschlagen ?
Wer weiß denn, ob vielleicht 1 oder 2 Meter von der Stelle, die ein Rutengänger angegeben hat, nicht noch etwas viel besseres in der Halde steckt ? Ein Fund an einer Stelle, an der die Rute nicht ausgeschlagen hat, wäre ein Beweis GEGEN die behaupteten Fähigkeiten des Rutengängers.
- Und dann ist da auch noch das Problem, wonach gesucht wird. Wenn ein Wünschelrutengänger z.B. behauptet, Silber detektieren zu können, die Rute schlägt aus und es wird kein Silber, aber statt dessen eine super Fluorit-Stufe gefunden, sind zwar alle glücklich und mögen das als Erfolg betrachten, aber der Rutengänger hat trotz eines Fundes versagt.
Im übrigen finde ich es doch sehr erstaunlich, was man so alles mit einer Wünschelrute nachweisen können will: Gold, Silber und diverse andere Erze, Kohle, Steinsalz, Turmaline (und sicher auch andere Schmucksteine), "Wasseradern", Erdöl, vergrabene Schätze, diverse postulierte Erdgitter, angebliche Ley-Linien, usw. .....
Glück Auf
der Stollentroll