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zwei Fragen zu Pseudomorphosen

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-M-:
Hallo,
hab da mal zwei Fragen, für deren Klärung ich dankbar wäre :

1.) Woran  erkennt man bei so ähnlichen Mineralen wie beispielsweise Coelestin und Baryt, daß eine Pseudomorphose
von dem Einen nach dem Anderen vorliegt ? 
( angenommen, die Psm. ist vollständig, also ohne "Restbestandteile" des ursprüngl. Min. )
Muß man dazu evtl. die minimalen Winkel-differenzen messen  ? ( ich nehme mal an, die gibt es )
Aber was, wenn die Fac. vielleicht durch Überkrustung etc. gar nich so genau zu vermessen sind ?
Oder ist das i.d.R. nur durch Untersuchung div. xx  vom FO mgl. ( in dem man eben bei dem einen oder anderen vielleicht
doch Reste oder Übergänge nachweisen kann ) ( oder gibt es vielleicht sogar praktisch gar keine 100 prozentigen Psm. )

2.) Wie unterscheidet man eigentlich echte Fluorit-skalenoeder  - die ja oft auch nicht gerade besonders gut ausgebildet sind,
 von Fluorit - Psm. nach skalenoedrischem Calcit ?

Gruß -M-

berthold:
Hallo liebe(r) -M-,

zu 1) an den chemischen und physikalischen Eigenschaften (Härte, spez. Gewicht, Lösbarkeit, Lichtbrechung ...) Winkel-Differenzen sind da erst mal nicht zu erwarten. Bei Pseudomorphosen bleibt in der Regel das Gitter ja nicht bestehen, ginge in vielen Fällen auch nicht (z.B. Fluorit-Calcit). 100-prozentige Psuedomorphosen gibt es ebenso wie teilweise.

zu 2) das sieht man auf den ersten Blick. Pseudomorphosen von Fluorit nach Calcit bestehen nicht aus einem Kristall sondern aus vielen kleinen Kristalliten. Natürlich könntest Du auch goniometrische Messungen machen (Calcit und Fluorit haben natürlich andere Winkel und andere Tracht). Zudem kommen Fluorit-Skalenoeder nur von sehr wenigen Fundorten, und da nur aus besonderen Zonen. Deren Ausbildung und Paragenese ist in der Literatur ausführlich beschrieben.

Gruß
Berthold

Günter Blaß:

Hallo Kollegen

Zudem kommen Fluorit-Skalenoeder nur von sehr wenigen Fundorten, und da nur aus besonderen Zonen.


Bin immer noch überzeugt dass es am Fluorit keine Skalenoeder geben kann!
und auch Auflösungserscheinungen nicht als Skalenoeder bezeichnet werden dürfen!

Günter Blaß

berthold:
Hallo,

"Skalenoeder" und "skalenoedrisch" ist kristallografisch nicht richtig, wird aber in der wissenschaftlichen Literatur so bezeichnet, siehe z.B.

PREUSS, E., "Skalenoedrische Flußspat-Kristalle mit {731} von Wölsendorf und Zschopau", Lapis 6, Heft 1, München 1981, S. 9-14
PREUSS, E. & ZIEHR, H., "Skalenoedrische Flußspatkristalle mit der Form (731) von der Grube Cäcilia/Nabburg", Zeitschrift für Kristallographie, 146, S. 131ff, 1977

Details zu dieser Form hier: http://www.berthold-weber.de/w_skal.htm

Gruß
Berthold

Axinit:
Servus -M-,

noch ein Nachklapp zu deiner ersten Teilfrage, (wie immer eine praegnant formulierte Definition aus Roempp's Chemielexikon):

PSEUDOMORPHOSE
In der Mineralogie Bez. für Umwandlungen, bei denen die ursprünglichen Kristallformen erhalten bleiben, während der Inhalt, d.h. die chem. Zusammensetzung, z.T. od. ganz einem Stoffaustausch od. einer (meist nur teilw.) Wegwanderung ohne Stoffzufuhr zum Opfer fällt. Dabei unterscheidet man zwischen Verdrängungs-P., bei denen das ursprüngliche Mineral durch ein neugebildetes völlig verdrängt wird, u. Umwandlungs-P., bei denen sich das Mineral durch Stoffzufuhr, -abgabe od. -austausch nur partiell ändert. Beisp.: Gelber Pyrit wandelt sich in braunen Limonit (s. Brauneisenerz; P. von Limonit nach Pyrit), blauer Azurit (Kupferlasur) in grünen Malachit (P. von Malachit nach Azurit) um. Eine andere Art ist die sog. Umhüllungs-P. (Perimorphose), während die Umlagerungs-P. (Paramorphose) keine eigentliche P. ist.

Literatur:
Lapis 6, Nr. 11 (1981) (Themenheft "Pseudomorphosen")
Min. Mag. 4, 391–395 (1980); 7, 358f. (1983).

Wie Berthold schon  gesagt hat, die Kristallmorphologie aendert sich bei der Umwandlung nicht, wohl aber die Zusammensetzung und damit auch die physikalischen Eigenschaften.

GA

Harald

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