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Autor Thema: Phycodische Geologie - völliger Unsinn  (Gelesen 10382 mal)

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Offline berthold

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Phycodische Geologie - völliger Unsinn
« am: 25 Dec 07, 22:43 »
Hallo,

jetzt bin ich über den paar Seiten gestolpert mit -sagen wir mal - recht sonderbaren Ansichten.

z.B.: http://members.aol.com/phycodec/schriftgr/schriftgr.htm
http://members.aol.com/astrbecker/amethyst/amethyst.htm

Von "phycodische Geologie" habe ich allerdings noch nie was gehört. Was sagen die Experten?

Gruß
Berthold

Offline minuwe

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Re: Phycodische Geologie
« Antwort #1 am: 25 Dec 07, 23:06 »
Da war das mit der Wünschelrute ja noch hochseriös!

 :P :P :P

Glück Auf
Uwe

edit: Da kann ich mir hier http://www.jetzweb.de/Colinde/Karneolvortrag_Gera.html einiges schon eher vorstellen, z. B. die Theorie von conny3, aber Amethyst auf Algen?
« Letzte Änderung: 25 Dec 07, 23:26 von minuwe »

Offline guefz

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Re: Phycodische Geologie
« Antwort #2 am: 25 Dec 07, 23:24 »
Möglicherweise hat der Autor auch schon Algentang im Gehirn, ist schließlich auch eine Kugel, wenn auch wohl keine gigantische...

Günter

Offline -M-

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Re: Phycodische Geologie
« Antwort #3 am: 25 Dec 07, 23:45 »
Hallo Berthold,
diese Seite ist mir auch schon bei der Recherche zum Thema Pyknit über den Weg gelaufen.
u.a. davon, war meine vor einiger Zeit eingestellte Frage zum Thema - Aktueller Stand der
Diskussion zur Pyknit-bildung - inspiriert. Hab das damals allerdings nicht weiter ausgeführt,
da ich mir als Nicht-Fachmann eben keine abschließende Meinung dazu bilden konnte.

http://members.aol.com/haideberg/pyknit/pyknit.htm

Zitat : "...  Was sagen die Experten? ... "
ich dachte eigentlich, du wärst einer von denen ( Experten ) ? Schreib doch mal deine Meinung dazu.
Hoffe mal, hier kommen noch ausführlichere Meinungsäußerungen, die sich nicht darauf beschränken
persönl. Vorurteile in den Raum zu stellen. ( nichts gegen eure Meinung, aber interessanter wäre es hier
wirklich, mal die Argumente und Überlegungen von denen zu lesen, die sich damit vielleicht  in der
Vergangenheit schon etwas mehr auseinandergesetzt haben )

Gruß -M-

Offline guefz

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Re: Phycodische Geologie
« Antwort #4 am: 26 Dec 07, 11:05 »
Also wenn jemand einfach ein paar krumme Linien in ein Bild zeichnet und dann behauptet dies wäre die Erklärung für alle geologischen Probleme, die sich aus diesem Bild ergeben könnten, ist das für mich keine wissenschaftliche Beweisführung.

Günter

Offline smoeller

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Re: Phycodische Geologie
« Antwort #5 am: 26 Dec 07, 11:18 »
Hallo,

Gerade im Bereich der Schriftgranite ist die phycodische Deutung falsch. Schriftgranit ist eine typische Textur bei der eutektischen Kristallisation granitoider Schmelzen. Dabei kristallisieren Mikroklin und Quarz in einem fixen Punkt (bei konstantem Druck) sehr schnell und in enger Verwachsung aus. Erst wenn die Kristallisation zuende ist, kann dieser Punkt verlassen werden. Ist thermodynamisch begründbar (Minimum der Gibbs-Energie).

Fakt ist: Es gibt Granite sedimentären Ursprungs (S-Typ-Granite, sog. Zweiglimmergranite). Diese entstehen aber infolge krustaler Anatexis bei meist granulitfaziellen Bedingungen (Temperaturen größer 700 °C). Unter diesen Bedingungen ist pflanzliches Material nicht stabil, je nach Sauerstoffgehalt der Schmelze (für die Thermodynamiker richtiger Sauerstoff-Fugazität) liegt Kohlenstoff in diesem Bereich als Graphit oder CO2 vor. Selbst fossilführende Kalksteine und Tonschiefer, die in diese Granite fallen oder unmittelbar an sie grenzen, werden zu Marmoren, Skarnen und Hornfelsen. Da sind dann nur maximal noch winzigste Spurenfossilien drin, in Graphiterhaltung.

Glück Auf!
Smoeller

Offline minuwe

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Re: Phycodische Geologie
« Antwort #6 am: 26 Dec 07, 11:35 »
Hallo,

um dem Thema neben dem Unterhaltungswert vielleicht dennoch was positives Abzugewinnen:

Zitat
Gerade im Bereich der ..... ist die phycodische Deutung falsch

Gibt es denn überhaupt Fälle, wo von "phycodischer Geologie" gesprochen werden kann? Die Umwandlung von organischem in anorganisches Material ist hier ja nicht gemeint.

Glück Auf
Uwe
« Letzte Änderung: 26 Dec 07, 12:38 von minuwe »

Offline berthold

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Re: Phycodische Geologie
« Antwort #7 am: 26 Dec 07, 12:11 »
Hallo,

nun, wenn einer mit einer neuen wissenschaftlichen Theorie etwas zu erklären versucht, dann ist das zunächst mal löblich und verdient Respekt. Ziel einer Theorie sollte es sein möglichst alle betreffende Beobachtungen zu erklären, möglichst besser und umfassender als es die gegenwärtige Lehrmeinung macht. Solche Theorien werden in führenden wissenschaftlichen Zeitschriften (nach Prüfung durch Reviewer) veröffentlicht und dann in Fachkreisen diskutiert. Dann kommt es ggf. zu einem Wettstreit der Ansichten und wenn die neue Theorie den Prüfungen standhält gilt sie irgendwann als anerkannt. Gerade auf dem Gebiet der Geologie gibt es immer wieder aberwitzigste Theorien, einige Beispiele:

* Die Erde ist hohl:   http://www.hohle-erde.de/home.html
* Erdexpansion: http://www.nealadams.com/nmu.html
* Keine Evolution: http://fischinger.alien.de/Artikel31.html

So, und jetzt haben wir auch noch eine "Phycodische Geologie", bei der sogar Eisenmeteoriten organisch-sedimentär sein sollen. Diese Theorien haben einige Gemeinsamkeiten:

* sie erklären scheinbar einzelne Beobachtungen, lassen unpassende Beobachtungen weg
* sie haben fachlich sehr geringen Tiefgang (oft speudowissenschaftliches Kauderwelsch)
* sie erklären große Bereiche der Wissenschaft für falsch, bis hin zu Naturgesetzen
* sie werden dogmatisch verteidigt, nicht diskutiert

Schlimm finde ich, wenn solches Pseudowissen als "neue wissenschaftliche Erkenntnis" verkauft wird, das ist Volksverdummung. O.k. Meinung, Forschung und Lehre sind frei (und das ist auch richtig so). Aber keine halbwegs seriöse wissenschaftliche Zeitschrift würde sowas bringen, im Internetzeitalter kann und darf sich jedermann öffentlich auskotzen...

Was unter dem Namen "Phycodische Geologie" da geschrieben wurde halte ich für absoluten Unfug. Zum Beispiel die Sache mit den Meteoriten: Hat der gute Mann eine Ahnung wie alt die Meteoriten sind - oder bestreitet er das? Glaubt er, wenn er schreibt "während Meteoreisenerz möglicherweise in sauerstoffarmer früherer Atmospäre gebildet wurde" tatsächlich, dass Meteoriten in der Atmosphäre gebildet wurden und wie soll das gehen und wie sollen dann die Algentange hineinkommen? Einfach nur wirr.

Gruß
Berthold

Offline Conny3

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Re: Phycodische Geologie
« Antwort #8 am: 26 Dec 07, 12:26 »

Hallo,

bei Erklärungen zur möglichen Entstehung der Achate von Schöngleina hatte ich 2004 Kontakt mit einem Herr Becker, der auch die phycodische Geologie favorisiert. Nachfolgend ein Auszug von ihm :

Weitere Erklärungen von Herrn Becker zur Bildung der Schöngleinaer Achate:
Zitat
"Die Phycodische Geologie geht auf Grund von phycodischen Strukturen im Sandstein oder bei Mineralien, die in diesem gebildet wurden, davon aus, dass sie sedimentär unter Beteiligung von Algentangen entstanden sind. Bei den Achaten von Schöngleina finden sich Reststrukturen der Algentange vorwiegend im derben Karneol und kryptokristallinen Bereichen. Bereits in der Diagenese kann eine Mineralkristallisation beginnen und später durch hydrothermale Prozesse fortgeführt werden, bei der in den Stufen bzw. Kristallen phycodische Strukturen verschwinden. Mineralveränderungen durch pneumatolytische Prozesse sind möglich.                                   
Auch in kristallisierten Mineralen können noch Hinweise auf sedimentär-biogene Enstehung enthalten sein. Eingeschlossene Gase, Flüssigkeit und Fremdminerale (zum Bsp. Pyrit) weisen darauf, dass die Kristallisation in vorhandenen inhomogenen Körpern erfolgt sein kann. Bei Quarz und Achat zeigt sich oft eine Entwicklung aus lagigen, kryptokristallinen Bereichen in deutliche kristallisierte Bereiche. Schichtig und radialstrahlig orientierte Kugelbildungen im Achat und derber Gangart (in dem Fall Karneol) können auf schwimmende Kugelbildungen von Algentangen zurückgehen, besonders dann, wenn deutlich abgesetzte Kerne und Mehrschaligkeit auf ein Wachstum um Sporenklümpchen hinweisen."
(Quelle: phycodea@aol.com)

Gruß Conny


Offline berthold

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Re: Phycodische Geologie
« Antwort #9 am: 26 Dec 07, 13:12 »
Hallo,

Zitat
Bei den Achaten von Schöngleina finden sich Reststrukturen der Algentange vorwiegend im derben Karneol und kryptokristallinen Bereichen.

Behauptung ohne Beweis. Wo sind die Dünnschliffe, die entsprechende Zellstrukturen zeigen?

Zitat
Bereits in der Diagenese kann eine Mineralkristallisation beginnen und später durch hydrothermale Prozesse fortgeführt werden, bei der in den Stufen bzw. Kristallen phycodische Strukturen verschwinden. Mineralveränderungen durch pneumatolytische Prozesse sind möglich.

Ach so, der Achat ist erst diagenetisch, dann hydothermal und am Ende noch pneumatolytisch entstanden?  :o

Gruß
Berthold

Gruß
Berthold

Offline smoeller

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Re: Phycodische Geologie
« Antwort #10 am: 26 Dec 07, 13:55 »
Hallo,

Bei den Algenmatten, die zur Entstehung der sedimentären Kieselsäurekonkretionen oft herangezogen werden, handelt es sich um einzellige Algen, die mit den großen Tangen nicht sehr viel gemeinsam haben. Kieselalgen gibt es heute noch, ihre Skelette sind ein wesentlicher Beitrag zu Tiefseesedimenten (Chert, Radiolarit). Hat aber alles nichts mit Tang zu tun.

Glück Auf!
Smoeller

Offline Conny3

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Re: Phycodische Geologie
« Antwort #11 am: 26 Dec 07, 14:37 »
Hallo,

ja der Herr Becker zeichnete mir damals sogar in das Bild vom Arkadenachat seine Vorstellungen rein, wie er entstanden sein könnte. Habe aber seit 2004 nichts mehr wieder von ihm gehört.

Gruß Conny
« Letzte Änderung: 20 Oct 10, 18:37 von Conny3 »

Offline berthold

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Re: Phycodische Geologie
« Antwort #12 am: 26 Dec 07, 16:34 »
Hallo Conny,

hat der Herr Becker -abgesehen von dieser Zeichnung- irgendwelche greifbare Fakten für seine Theorie liefern können? Hat er z.B. die Bildungstemperatur bestimmt, Dünnschliffe angefertigt oder Isotopen-Untersuchungen gemacht? Wohl eher nicht. Auf jeden Fall muß sein Algentang recht hohe Temperaturen aushalten: http://members.aol.com/phycodec/sphalerit/sphalerit.htm ! Dazu muß man wissen, dass die Freiberger Erzgänge zweifelsfrei hydrothermal, genauer mesothermal, also bei 200-300°C gebildet wurden. Wir sind also in einem Temperaturbereich, der beim besten Willen Leben (oder auch nur Überleben) nicht erlaubt (ich hatte mal die Ehre einen Vortrag von Prof. Stetter zu seinen "Hyperthermophilic Microorganisms"-Forschung zu hören, bei ca. 125°C ist der Ofen aus).

Gruß
Berthold

Offline -M-

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Re: Phycodische Geologie
« Antwort #13 am: 05 Jan 08, 23:50 »
Hört sich ja alles sehr vernünftig und einleuchtend an,
bestätigt auch meine eigenen Überlegungen.
Finde es allerdings schade, daß sich hier nicht mal ein
Verfechter oder zumindest Sympathisant dieser Theorien
zu Wort gemeldet hat , und sich der Argumentation stellt ...
aber vermtl. ist das wohl der beste Beweis dafür, daß es
sich hierbei nur um Bauernfängerei handelt - wobei es mir
ein absolutes Rätsel bleibt, warum manche Leute es nicht
lassen können, ihren ganz persönlichen Schwachsinn in
aller Öffentlichkeit vorzuführen.


Offline caliastos

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Re: Phycodische Geologie
« Antwort #14 am: 06 Jan 08, 19:37 »
das liegt wohl in der natur des menschen.

heutzutage laufen täglich mehr spinner rum als früher (und deren zahl steigt). solchen leuten kann man stichhaltige beweise vorliegen und die sagen: "kein erkennbarer beweis!" und legen im selben atemzug ein spitzen beweisstück vor, daß selbst jemand ohne ahnung als nicht beweistauglich deklarieren kann.  da gibt es einfach zu 90% keine sinnvollen beweise. 9% sind schwer bis kaum erklärbar und das fehlende 1% hat diverse andere gründe.

daß die verfechter der theorien eine diskussion verweigern ist klar. wenn selbst ein kindergartenkind deren theorien entkräftigen könnte... wozu dann noch eine diskussion mit fachpersonal? dann lieber auf die einfältiogkeit der leute setzen. das ist wesentlich effizienter und lukrativer.


 

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