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Autor Thema: Unbekanntes aus Chiavenna / Orthogneis  (Gelesen 4895 mal)

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Offline vanderheide

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Unbekanntes aus Chiavenna / Orthogneis
« am: 28 Dec 07, 15:45 »
Verehrte Kenner
Wiederum ist etwas Geschliffenes fertig geworden. Fundort: östlich von Chiavenna, aus dem Bachbett der Mera, Koordinaten:
46° 19'35.09'' N, 9° 25'8.72'' O,  die ersten drei Bilder sind von dem Rohstein (viel Glimmer, grau, weissliches und rötliches Gestein).
Beim Schleifen stellte ich fest: er ist weich (wie Lepidolith, also 3 bis 4). So weich kann doch Gneis nicht sein?!
Nach dem Schliff, Grösse: 100 X 65 X 20 mm.
Die letzten drei Bilder sind vom geschliffenen Stein.

« Letzte Änderung: 24 Jun 16, 12:45 von oliverOliver »

Offline vanderheide

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Re: Unbekanntes aus Chiavenna
« Antwort #1 am: 28 Dec 07, 15:46 »
hier die Bilder des geschliffenen Steines

Offline Wegwerfit

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Re: Unbekanntes aus Chiavenna
« Antwort #2 am: 28 Dec 07, 16:15 »
Ich denke das ist (biotitreicher) Granit, der orange Bereich enthält zusätzlich noch etwas Limonit.

Gruss,
Wegwerfit

Offline guefz

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Re: Unbekanntes aus Chiavenna
« Antwort #3 am: 28 Dec 07, 16:21 »
Hallo,

nach den Bildern würde ich sagen, der Stein kommt aus den Schichten des nördlichen Talhangs, genauere Angaben traue ich mir im Moment nicht zu. Der Südliche Talhang dort wird im wesentlichen durch den Bergeller Intrusivkörper gebildet, nahe Chiavenna gibt es auch noch älteres Nebengestein im unteren Bereich. Der nördliche Talhang besteht aus mehreren Schichten Gneise und Glimmerschiefer, teils sedimentären, teils kristallinen Ursprungs.

Günter

Offline minuwe

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Re: Unbekanntes aus Chiavenna
« Antwort #4 am: 28 Dec 07, 18:21 »
Hallo,

wiederum ein Orthogneis (hier aus Granit entstanden). Deutlich zu erkennen ist wieder die Schichtung (Bild 6- Richtung 1 Uhr). Das Stück war lange der Verwitterung ausgesetzt, dadurch haben sich enthaltene Fe- haltige Mineralien im Randbereich in Limonit umgewandelt.

Die niedrige Härte kommt vom geringen Quarzanteil.

Zitat
er ist weich (wie Lepidolith, also 3 bis 4)
Die Mohshärte kann man bei einem Gestein nur an den einzelnen Mineralbestandteilen prüfen. Es sei denn, die Korngrößen sind viel kleiner als die Ritzspur der Nadel breit ist, dann erhält man einen ungefähren Durchschnittswert, ist aber so nicht üblich.

Glück Auf
Uwe

Offline vanderheide

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Re: Unbekanntes aus Chiavenna
« Antwort #5 am: 30 Dec 07, 15:02 »
Hallo Wegwerfit, Günter, Uwe
Vielen Dank für die Hinweise. Ihr seht, Ihr habt es mit einem Laien zu tun, der das Elementarste nicht kennt. Dass Ihr Euch trotzdem die Mühe nimmt zu antworten, schätze ich sehr. Die Mohshärte ist also nur in Bezug auf Mineralien anzuwenden. Ich war so erstaunt, dass etwas Gneisartiges so weich sein kann!
Ich war hier auf der Suche nach Serpentinit, Günter. Das sollte hier im Bodengestein sein, laut geologischer Karte. Fand aber nur Granit (mit Biotit), dann dieses Stück (Orthogneis) und habe noch eins in Bearbeitung, dunkelgrau bis schwarz und leicht gesprenkelt mit weissen Strichen. Wenn das fertig ist, werde ich es zeigen. Serpentenit wird es nicht sein, solches fand ich hier nicht.
Woher der Orthogneis stammt? Kann laut Karte vom Nord- wie vom Südhang sein, dieser Schichte ist vielleicht durch die Mera (Fluss, rep.Gletscher) unterbrochen worden?
Besten Dank
Hans

Offline guefz

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Re: Unbekanntes aus Chiavenna
« Antwort #6 am: 30 Dec 07, 15:39 »
Hallo Hans,

für Serpentinit musst du von Sondrio im Valtellina aus ins Val Malenco fahren, da gibt es größere Mengen Serpentinit mitsamt den dazugehörenden Steinbrüchen. Im Bergell/Val Bregaglia, wo du jetzt warst, gibt es hauptsächlich Granodiorit aus dem Bergeller Intrusivkörper. Da dieses Material härter ist als die meisten umgebenden Gneise, übersteht es den Transport in den Bächen und Flüssen deutlich besser. Die Mera erodiert recht stark, da das Tal vom Malojapass (ca.1800m) bis Chiavenna (ca. 300m) nicht allzu lang ist und auch die Seitentäler alle aus Höhen oberhalb 2000m kommen. Interessant ist hierbei, dass die oberen Seitentäler (Albigna, Maroz, Forno) früher einmal Richtung Inn entwässert haben bis die Mera bzw. der dazugehörige Eiszeit-Gletscher dem Inn das Wasser abgegraben hat.

Günter

Offline vanderheide

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Re: Unbekanntes aus Chiavenna
« Antwort #7 am: 31 Dec 07, 11:54 »
Hallo Günter
Hier sind zwei Bilder aus Chiesa (Val Malenco).
Die schillernden Spitzen des Felsens: rührt das Schillern her vom Gestein? Ich dachte zunächst es sei Schnee, scheint aber anders oder ist es eben - wie Du geschrieben hast - Marmor?!
Das zweite Bild ist Serpentenit bei Chiesa
Liebe Grüsse
Hans

Offline guefz

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Re: Unbekanntes aus Chiavenna
« Antwort #8 am: 31 Dec 07, 13:10 »
Hallo Hans,

der Berg auf dem Foto ist nicht der Piz Tremoggia, der hat den kompletten Gipfelaufbau aus Marmor. Das hier könnte Sassa d'Entova sein, vergleiche mal mit dem aktuellen Webcambild von Sondrio: http://webcam.popso.it/sondrio.php?NORD

Günter

Ergänzung: Ich habe gerade noch mal in meinen Büchern nach Vergleichsfotos gesucht. Es ist sicher Sassa d'Entova und die hellen Schichten sind ältere Marmorschichten. Der Dolomit-Marmor am Piz Tremoggia stammt wohl aus dem Trias.
« Letzte Änderung: 31 Dec 07, 13:30 von guefz »

Offline vanderheide

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Re: Unbekanntes aus Chiavenna
« Antwort #9 am: 02 Jan 08, 23:11 »
Hallo Günter
Habe meine Karten studiert, Google-Earth in "Schräglage" gebracht, die Webcam-Site angeschaut, Swisstopo Geodataviewer angeschaut .... kann mir sehr gut denken, dass der Berg der Sassa d'Entova ist (Piz Tremoggia ist verdeckt), mir fehlt aber eine genaue 25000der Karte von diesem Gebiet und damit ist es für mich nicht überprüfbar. Ich danke Dir herzlich.
Habe nun den letzten Stein von Chiavenna so weit, dass ich ihn zeigen will. Die Form ist noch nicht abgeschlossen, aber das Material sollte jetzt erkennbar sein.
Ich bringe ihn als neues "Thema"
liebe Grüsse
Hans

 

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