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Autor Thema: Welche Farbe gibt es bei Mineralien am seltensten?  (Gelesen 10676 mal)

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Offline Tobi

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Re: Welche Farbe gibt es bei Mineralien am seltensten?
« Antwort #15 am: 18 Mar 08, 10:01 »
Moin,

ich würde auch sagen, dass knallrot recht selten ist (Vanadinit, Krokoit und Wulfenit fallen mir da jetzt ein) und auf jeden Fall grell pink - also nicht normales lila -  (in dem Fall kommen mir nur Fluorit, Kobalcalcit und in einigen Fällen vielleicht noch Rhodochrosit in den Sinn). Auch quietschgelb (nicht das satte gelb wie z.B. bei Wulfeniten) ist nicht so häufig, spontan fallen mir Schwefel, Ettringit und manche radioaktiven Mineralien ein ...

Gruß

Offline smoeller

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Re: Welche Farbe gibt es bei Mineralien am seltensten?
« Antwort #16 am: 18 Mar 08, 10:44 »
Hallo,

Würde sagen, Farben in ihrer reinsten Form, also ohne Farbstich, sind recht selten. Außer vielleicht blau und grün (Kupfer).  Rot geht oft etwas ins orange oder violette oder braune, violett oft ins rote oder blaue usw.

Um objektiv zu einer Lösung zu kommen, müsste man alle möglichen Absorptionsbanden im sichtbaren Licht finden und die Komplementärfarbe zu dem Bereich nehmen, der am häufigsten auslöscht. Denn die Farbe eines Minerals ist letztlich die Komplementärfarbe zu den Farben, die Ausgelöscht werden.

Glück Auf!
Smoeller

Offline minuwe

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Re: Welche Farbe gibt es bei Mineralien am seltensten?
« Antwort #17 am: 18 Mar 08, 11:00 »
Hier mal ein Rot, wie es so kaum auftritt:

http://www.gupf.tu-freiberg.de/freiberg/fg_bilder/min29.html

@ Tobi und alle: Du sprichst von Ettringit= gelb. Fand kürzlich als Beifund auf einer Halde ein Stück Beton mit quittegelber Kruste,halte ich für Ettringit. Die Literatur gibt nur farblos an, im Lex. hier sind nur massive Kristalle gelb. Woher kommt bei Ettringit die Gelbfärbung?

Glück Auf
Uwe

Offline Krizu

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Re: Welche Farbe gibt es bei Mineralien am seltensten?
« Antwort #18 am: 18 Mar 08, 11:18 »
Hallo,

bei Beton fällt mir Eisen ein?

MfG

Frank

Offline Kerloc

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Re: Welche Farbe gibt es bei Mineralien am seltensten?
« Antwort #19 am: 18 Mar 08, 11:20 »
Seltene Farben - eventuell hellbraun. Da  fallen mir jetzt nicht so viele ein ...

Gerüßle Martin

Offline uwe

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Re: Welche Farbe gibt es bei Mineralien am seltensten?
« Antwort #20 am: 18 Mar 08, 11:29 »
Ich denke richtig blaue Minerale sind am seltensten. Hierbei meine nicht Minerale, welche auch blau vorkommen, wie z.B. Fluorit oder Beryll, sondern solche, bei denen die eigentliche und ausschließliche Farbe blau ist, also z.B. Azurit, Linarit.

Gruß
Uwe 

Offline Helicat135

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Re: Welche Farbe gibt es bei Mineralien am seltensten?
« Antwort #21 am: 18 Mar 08, 12:32 »
Genau das. Wie ensteht sowas eigentlich?

Offline smoeller

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Re: Welche Farbe gibt es bei Mineralien am seltensten?
« Antwort #22 am: 18 Mar 08, 13:37 »
Hallo,

Zum Ettringit: Ettringite aus Beton sind oft farblos/weiß, ebenso aus Kalkxenolithen wie in der Eifel. Habe welche aus der Grube Clara, die durch Betoneinfluss entstanden sind. Ebenso sind es die in Schlacken vorkommenden meist. Bei gelben Mineralen in Beton? Könnte vieles sein, auch sekundäre Sulfate wie Copiapit.

Der Ettringit aus dem Kalahari-Manganfeld könnte durch Eisenoxid oder Mn2+ gefärbt sein. In der richtigen Koordination kann Mn2+ gelb un nicht rosa färben, z.B. Spessartin von Praborna/Italien.

Da wären wir schon beim Thema: Letztendlich sind es entweder Einschlüsse die färben oder aber Metallionen.

Schwermetalle wie Fe, Mn, Cu, V, Cr, U (und einige andere) sind für die kräftige Färbung vieler Minerale verantwortlich. Letztlich ist es so, dass diese als geladene Ionen in bestimmten Positionen im Gitter sitzen. Dabei hängt es sowohl von der Ladung der Ionen als auch von der Koordination ab. Letztlich entsteht Farbe dadurch, dass bestimmte Wellenlängen (im sichtbaren Bereich zwischen violett und rot) ausgelöscht werden, daher wird weißes Sonnenlicht (alle 6 Spektralfarben) danach in der Farbe den Kristall verlassen, die der Komplementärfarbe des ausgelöschten Wellenlängenbereiches entspricht. Die Auslöschung geschieht, weil Licht mit passender Wellenlänge absorbiert wird.

Glück Auf!
Smoeller 

Offline minuwe

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Re: Welche Farbe gibt es bei Mineralien am seltensten?
« Antwort #23 am: 18 Mar 08, 13:54 »
@ smoeller: Copiapit- muss ich im Auge behalten. Ist allerdings keine Spur von Limonit dabei. Copiapit sollte als häufiges Eisensulfat hier ins Lexikon. Also ist die Gelbfärbung der Ettringgit xx hier im Lex. durch fremde Eisenionen verursacht.

Glück Auf
Uwe




Offline smoeller

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Re: Welche Farbe gibt es bei Mineralien am seltensten?
« Antwort #24 am: 18 Mar 08, 14:06 »
Hallo,

@minuwe: Ettringit selbst ist jedenfalls farblos/weiß. Eisen oder Mangan kämen in Frage als färbende Ionen, da sie in der Gegend in Südafrika verbreitet sind.

Werde mal versuchen, ein Foto von Copiapit zu machen. Ist jedenfalls im Schwarzwald ein häufiges Eisensulfat, wenn nicht neben Melanterit das häufigste.

Testen kann man bei größerer Menge, indem man die Wasserlöslichkeit testet. Eisensulfat + Blutlaugensalz (Kaliumhexacyanoferrat) gibt dunkelblaue Tinte. Man muss je nach Wertgkeit des Eisens (II oder III) den Test entweder mit gelbem oder rotem Blutlaugensalz durchführen. Am besten beides in getrennten Gläsern mit jeweils einem Blutlaugensalz und dann einen Tropfen Sulfatlösung dazu. Dann weiss man, was für Sulfate in Frage kommen und hat gleich noch Eisen nachgewiesen.

Die tintenblaue Farbe kommt übrigens von den Charge-Transfer-Übergängen in dem gemischtvalenten Eisenkomplex Berliner Blau.

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Smoeller

Offline Schluchti

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Re: Welche Farbe gibt es bei Mineralien am seltensten?
« Antwort #25 am: 18 Mar 08, 14:06 »
Die Gelbfärbung des Ettringit könnte auch durch Chrom verursacht sein:

238. IDENTIFICATION OF PRECIPITATES IN A Cr(VI)-CONTAMINATED CONCRETE. Carl D. Palmer, Environmental Science and Resources, Portland State University, Portland, OR 97207.

A sample of Cr(VI)-contaminated concrete from a former hard-chrome plating shop was examined to identify Cr(VI)-precipitates. Scanning electron microscopy revealed the presence of long, thin crystals varying from white to bright yellow. The crystals were typically 10 to 20 times longer than their width. Energy dispersive x-ray spectroscopy indicate that particles are Ca-Al-S-Cr. The morphology, chemistry, and environment of formation suggest that the particles are from the ettringite group. The yellow color is from the substitution of CrO42- for SO42- in the structure so the phase has a general formula of Ca6Al2(SXCr1-XO4)2(OH)12·26H2O. Some of these ettringite crystals appear to be imbedded in a Ca-Si matrix. Identification of the ettringite phase was confirmed through transmission electron microscopy (TEM) using selected area diffraction (SAD) and convergent beam electron diffraction (CBED). Ca(OH)2 (portlandite) and a crystalline Ca-Si phase were also observed with TEM. Cr substitution may also occur in the Ca-Si phase.

Quelle: http://chem.pdx.edu/~wamserc/NORM99/papers.htm

Offline berthold

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Re: Welche Farbe gibt es bei Mineralien am seltensten?
« Antwort #26 am: 18 Mar 08, 15:06 »
Hallo,

Zitat
daher wird weißes Sonnenlicht (alle 6 Spektralfarben)

Wie, nur 6 Spektralfarben? Jede Wellenlänge des Lichts von ungefähr 380 bis 750 nm bildet eine Spektralfarbe (genaugenommen gibt es also unendlich viele Spektralfarben).

Die Frage nach der Häufigkeit von Farben bei Mineralien könnte man auf die gesamte Natur ausdehnen. Ein Blick auf den Farbschuh (Normfarbtafel) http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:CIE-Normfarbtafel.png zeigt, dass bestimmte Farbbereiche (Grün) recht groß sind, andere Bereiche (blau) dagegen relativ klein sind. Wenn man von einer statistisch etwa gleich häufigen spektalen Auslöschung bestimmter Wellenlängenbereiche (durch absorbieren) ausgeht - ähh, dann müssten die entsprechenden Komplementärfarben diesen Häufigkeiten entsprechen. Oder liege ich da jetzt falsch?

Gruß
Berthold

Offline smoeller

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Re: Welche Farbe gibt es bei Mineralien am seltensten?
« Antwort #27 am: 18 Mar 08, 21:24 »
Hallo,

@berthold: Wenn man es so sieht, hast du Recht. Die sichtbare Farbe ergibt sich aus den/der Komplementärfarbe(n) der/des ausgelöschten Bereiches/Bereichen.

Nun ist es aber in den Mineralen so, dass insbesondere zwei Arten von Farberzeugern eine Rolle spielen: Charge-Transfer-Übergänge und sog. d-d-Übergänge in Metallionen. Jedes färbende Element hat je nach Wertigkeit und Umgebung (Ligandenfeld/Kristallfeld) charakteristische Absorptionsbanden. Chrom-III färbt sehr häufig entweder rot oder grün (Smaragd, Rubin). Auch der Alexandriteffekt beim Chrysoberyll basiert auf diesem Chrom-III. Sonnenlicht hat eine andere Energieverteilung der Photonen als Kunstlicht, so dass andere Banden angeregt werden. Aus grün wird rot.

Das Thema ist nicht leicht zu verstehen. Habe im Hauptstudium anorganische Chemie als Nebenfach gewählt und daher ein wenig Einsicht in das Thema erhalten. Wenns interessant ist: Habe sonst ein Word-Dokument vom Praktikum über Komplexchemie. Da ist auch was zur Ligandenfeldtheorie drin.

Glück Auf!
Smoeller

Offline minuwe

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Re: Welche Farbe gibt es bei Mineralien am seltensten?
« Antwort #28 am: 19 Mar 08, 00:08 »
Hallo smoeller und Schluchti,

danke für die Erläuterungen zu Ettringit usw. Den empfohlenen Nachweis werde ich gleich als erstes machen, wenn ich das Chemiezeug wieder bereit habe. Der vermutliche Ettringit könnte durchaus durch den Chrom des Zementes gelb gefärbt sein. Wir werden sehen.

Auf der Halde 139 (Abraham) Lauta ist auch viel Eisensulfat (auf Limonit) anzutreffen. Der ist aber etwas dunkler gelb als das Mineral auf dem Beton.

Glück Auf
Uwe