56. Mineralienbörse Ein Fest für steinreiche Sammler
Suhl als Eldorado für Gesteinsfreunde und Fossilienfans - Von Georg Vater
Suhl – Die ungeheure Vielfalt an Farben und Formen aus
den Tiefen der Erde – sie wurde am Samstag im Foyer des Hauses Philharmonie sichtbar. Von künstlich aufpolierten Glitzersteinen und Schmuck über Schneekopfkugeln in allen Variationen bis hin zu unscheinbaren Fossilien präsentierte die 56. Mineralienbörse des Geowissenschaftlichen Vereins Suhl 1961 nahezu alles, was das Herz der Sammler und Liebhaber dieser kleinen Schätze höher schlagen lässt. Wie schon bei den vorhergehenden Auflagen erwies sich die Börse auch in diesem Jahr als Selbstläufer und Publikumsmagnet mit einer Anziehungskraft, die längst weit über die Stadt- und Landesgrenzen hinaus reicht.
Ein Pflichttermin für Sammler
„Diese Börse hat von jeher einen sehr guten Ruf. Die Atmosphäre ist angenehm, das Angebot sehr interessant. Hier muss man als Mineraliensammler einfach mal gewesen sein“, sagt Roland Fischer. Der Saalfelder, einer von mehr als 50 Ausstellern, weiß wovon er spricht, denn er kam schon in den siebziger Jahren hierher zum Fachsimpeln und zum Tauschen. „Da war die Börse noch im Klub der Intelligenz.“
Nach wie vor sei man eine der wenigen Börsen in Deutschland, die keinen Eintritt verlangen, sieht Ulrich Brunzel, Chef des Geowissenschaftlichen Vereins, einen weiteren Pluspunkt. Die Unterstützung der Stadt mache das möglich. „Außerdem kennen sich viele Aussteller, da geht‘s fast familiär zu“, sagt er. Längst hat sich ein fester Ausstellerstamm aus Thüringen, dem Erzgebirge oder Bayern etabliert, aber auch aus dem Ausland gibt es Anfragen. „Von der Nachfrage her könnten wir die Ausstellungsfläche fast verdoppeln“, so Brunzel.
Während die Leidenschaft für Mineralien früher vor allem ältere Herren vereinte, kommen heute ganze Familien zu den Börsen. „Trotz Computer und Handy ist die Faszination für die Schätze der Erde auch bei jungen Leuten groß. Oft geht sie von den Eltern auf die Kinder über“, sagt Vereinsmitglied Kurt Römhild, der bereits seit 1968 bei den Suhler Mineralienbörsen dabei ist.
Die ziehen aber nicht nur Hobbysammler, sondern auch Experten an. So durchstreifte am Samstag auch Ralf Werneburg, Chef des Schleusinger Naturhistorischen Museums, die Ausstellungsfläche. „Erstaunlich, was hier alles angeboten wird“, lobte er und nahm zwei schöne Stücke für die Ausstellung des Museums mit.
Vor allem regionale Mineralien, wie beispielsweise Schneekopfkugeln, stehen bei den hiesigen Sammlern hoch im Kurs. „Der Trend geht weg von Glitzersteinen aus dem Ausland, hin zu Gesteinen aus der Heimatregion“, weiß Ulrich Brunzel. Das wurde auch bei der 56. Börse seines Vereins deutlich.
Viel diskutiertes Thema war natürlich die Entdeckung der Karsthöhle beim ICE-Tunnelbau im Landkreis Sonneberg. Ganz aktuell berichtete Vereinsmitglied Frank Beyer interessierten Besuchern mit Fotos auf dem Laptop darüber, denn er konnte die Höhle vergangene Woche ausgiebig besichtigen. Angesichts der überwältigenden Eindrücke schwelgt er in Superlativen. „Sowas erlebt man nur einmal im Leben.“ Ganz im Gegensatz zur Suhler Mineralienbörse, die auch nach 56 Auflagen noch immer ein Dauerbrenner ist.
Quelle:
http://www.freies-wort.de/nachrichten/regional/suhl/suhllokal/art2440,798846