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Autor Thema: Fluorit -Arten  (Gelesen 49033 mal)

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Offline Collector

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Re: Fluorit -Arten
« Antwort #45 am: 07 Dec 04, 20:30 »
Hallo Chris

tiefblaue und violette Farbe im Fluorit wird durch kolloides Calcium hervorgerufen. (wobei die blaue, meist hellere Farbe, auch auf Seltenen Erden oder Fe+3 und Fe+2-Komplexen mit Cu beruht ).

Die beiden wichtigsten Veröffentlichungen zu der blauen und violetten Farbgebung stammen von Allen (1952) und
Calas (1995).

gruss

collector

Offline McSchuerf

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Re: Fluorit -Arten
« Antwort #46 am: 08 Dec 04, 06:19 »
Hallo Collector,

ich hätte jetzt eher auf die Bildung kolloidalen Natriums statt Calciums getippt, das dann, wie beim blauen Steinsalz auch, durch die Radioaktivität freigesetzt worden wäre (Fluorit als --> 'Stinkspat')... :P ;)

Das ansonsten sehr leicht flüchtige Natrium ist eigentlich oftmals für die Blaufärbung von Mineralien verantwortlich. Mir fallen momentan nur keine weiteren Beispiele dazu ein.

..aber gut..der Fluorit besteht ja hauptsächlich aus Calcium und Fluor - nicht aus Natrium, obwohl das, wie wir ja alle wissen, nichts zu sagen hat..

Gruß Peter
« Letzte Änderung: 08 Dec 04, 06:23 von McSchuerf »

Offline Philip Blümner

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Re: Fluorit -Arten
« Antwort #47 am: 08 Dec 04, 07:54 »
Hallo Peter M!

Aber beim Stinkspat werden doch F-Atome/-Ionen aus dem Gitter geschleudert...Natrium stinkt nicht, oder?


Offline berthold

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Re: Fluorit -Arten
« Antwort #48 am: 08 Dec 04, 08:38 »
Hallo,

beim Stinkspat ist es definitiv kolloides Calcium (das färbt, F stinkt dann). Beim Wölsendorfer Stinkspat hat man das sehr eingehend untersucht. Die Gitterstörungen sind auf natürliche radioaktive Strahlenwirkung zurückzuführen, teilweise sogar duch im Kristallgitter eingelagerte U-Atome. Man konnte unter dem Mikroskop (im Dünnschliff) radioaktive Höfe um Einschlüsse im Fluorit beobachten. Diese "Halos" (Emanationshöfe) sind farbige, konzentrische Ringe, die je nach zerfallendem Isotop unterschiedlich weit (Reichweite der Alpha-Strahlung im Fluorit) vom Kern für einen/mehrere dunkle(n) Ring(e) sorgen. Eine Abbilung eines Halos findet sich z.B. in Klockmann/Strunz. Und am Rande bemerkt: Es laufen derzeit Forschungen möglicherweise bislang nicht bekannte überschwere Elemente indirekt durch ihre Banden in Halos (genauer gesagt nicht die Elemente sondern deren Zerfalls-Isotope) nachzuweisen.

Über die Farbe von Flußspat aus Wölsendorf siehe hier: http://www.berthold-weber.de/w_f_fa.htm

Gruß

Berthold

Offline Collector

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Re: Fluorit -Arten
« Antwort #49 am: 08 Dec 04, 08:47 »
Fluorit-Farben

hallo Chris und Peter

ich stell Euch mal die Ursachen der Farbgebung beim Fluorit auf; es ist interessant, dass Na in keinem Fall als Farbgeber auftritt.

Man kann farblosen Fluorit durch Einwirkung metallischer Calciumdämpfe oder durch elektrische Entladungen violett färben ! (Analog : Genauso kann man farbloses Steinsalz durch Einwirkung metallischer Na-Dämpfe oder durch Einwirkung von Kathodenstrahlen blau färben )

Farben und deren Ursachen

- Blau :        Fe+3 plus Fe+2 komplex mit Cu sowie kolloides Ca, auch Seltene Erden
- Tiefblau:   Kolloides Calcium
- Violett:     Kolloides Calcium
- Braun:      Gehalte an Mn2+, Mn3+, Th sowie organische Einschlüsse
- Gelb:        Fe und Seltene Erden, Eu+2, O3 sowie isomorphe Chlorbeimengungen
- Gelbgrün: Y / Ce assoziierte Zentren
- Grün:        Kolloides Calcium, Fe2+ plus (Mn,Cr,Ni oder Cu), Sm+2,Sm+3
- Orange:    Mn+2
- Rosa /Rot: Fe+3, Cr & Mn+3, YO2

Die grüne Farbe mancher alpiner Fluorite kann durch eingelagerten Chlorit hervorgerufen werde, auch die rosafarbenen Fluorite von der Göschener Alp sind, abgesehen von den farbgebenden Komponenten, durch Einschlüsse gefärbt.

Wichtige Literatur:

- Allen, R.D.; 1952; Variationsn in chemical and physical properties of fluorite; Am.Min., 37, 910-930
- Bill, H.; Sierro, J.; Lacroix, R.; 1967; Origin of coloration in some fluorites; Am. Min., 52, 1003-1008
- Bill, H.; Calas, G.; 1978; Color centers, associated rare earth ions and the origin of coloration in natural fluorites;
  Phys.Chem.Min., 3, 117-131
- Calas, G.; 1995; Etude de la coloration bleue de quelques fluorites naturelles; Bull.Soc.Franc.Min.Crystalloogr., 95,
  470-  474
- Przibaum, K.; 1953; Colour bands in in flurospar; Nature 172, 860-861


gruss
collector



Offline Philip Blümner

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Re: Fluorit -Arten
« Antwort #50 am: 08 Dec 04, 09:18 »
Wow, das Rätsel sei mal z.T. gelöst *freu*

Interessant finde ich, dass der rosa Fluorit aus der Mina Navidad, Mexiko nicht
durch Co gefärbt ist ...was ich erst vermutete, wenn man sich Erythrin oder
Cobaltocalcit und -dolomit anguckt... denn es ist der gleiche Farbton!

Offline McSchuerf

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Re: Fluorit -Arten
« Antwort #51 am: 08 Dec 04, 19:18 »
Hallo Berthold und Collector,

danke für Eure Ausführungen! Nun sehe ich klarer!.. :)

Gruß Peter

Offline Schluchti

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Re: Fluorit -Arten
« Antwort #52 am: 08 Dec 04, 21:36 »
@Berthold:

Da Du ja Spezialist in Sachen Stinkspat bist, gleich noch eine Frage von mir. Ist Stinkspat immer zwingend (leicht) radioaktiv, oder nur bei vorhandener Einlagerung von U-Atomen? D.h. gibt es nichtradioaktiven Stinkspat?

Offline berthold

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Re: Fluorit -Arten
« Antwort #53 am: 08 Dec 04, 22:41 »
Hallo, Schluchti

Nein, absolut nicht strahlenden Stinkspat dürfte es nicht geben.

Aber, fast jeder Stinkspat, den ich bisher vor den Geigerzähler gehalten habe hatte kaum erhöhte Radioaktivität. Anders ist es, wenn sichtbare Uranmineralien im Stinkspat auftreten (das ist aber keineswegs häufig). Aufgrund der geringen Reichweite der alpha-Strahlung in Fluorit (weit unter 1 mm) scheidet externe Färbung aus. Aber in den geologischen Zeiträumen seit der Mineralbildung kommt es natürlich auf die radioaktiven Isotope (bzw. deren Halbwertszeit) an, wieviel der ursprünglichen (färbenden) Strahlung heute noch vorhanden ist. Zwar hat Prof. Strunz in Stinkspat maximal soviel Uran (im Kristallgitter eingelagert) gefunden, dass dieses zur Selbstfärbung in nur ca. 1000 Jahren reichen würde, doch müssen wir die Färbung als Summe des stattgefundenen Zerfalls sehen - und was weitgehend zerfallen ist strahlt nicht mehr.

Gruß

Berthold

Offline Schluchti

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Re: Fluorit -Arten
« Antwort #54 am: 08 Dec 04, 22:56 »
Hallo Berthold,

danke für Deine Antwort! Sehr interessant. Diese Frage hat mich schon eine Weile beschäftigt. Habe ja im Oktober einen derben Stinkspat gefunden, der hatte eine ca. 10fach erhöhte Aktivität. Das war das bislang am intensivsten strahlende Material, welches  ich in die Hände bekam, bzw überhaupt meine einziger Fund der irgendwie eine erhöhte Aktivität zeigte. (okay, habe auch keine Uranglimmer oder dgl.).

siehe hier, Bild am Ende des Threads:
http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,2058.0.html

Offline Collector

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Re: Fluorit -Arten
« Antwort #55 am: 12 Dec 04, 16:11 »
Fluorit-Skalenoeder

Hallo Berthold

komme erst heute zu Deinem Eintrag vom 19.10. zurück, zum Thema "Skalenoeder".

Es gab, ausser den beiden Dir bekannten Vorkommen auch skalenoedrischen Fluorit (731)von Elmwood, Tennessee.
Die Kristalle kamen 1982 ( also ca. 1 Jahr nach der von Dir zitierten bekannten Veröffentlichung ) als Schwimmer in tw. beachtlicher Grösse vor, waren jedoch, infolge ihrer Seltenheit, recht bald, meist in US-Sammlungen verschwunden.

Ich füge Dir aus meiner Fluoritsammlung ein Foto eines dieser quasi-doppelendigen Schwimmer-Skalenoeder bei .Die Grösse beträgt 3x7 cm, der x ist von einer Fläche her transparent.
Das Foto ist leider sehr schlecht, da nur ein Schnappschuss bei Kunstlicht und mit mangelnder Fotografiererfahrung).

gruss
collector

Offline berthold

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Re: Fluorit -Arten
« Antwort #56 am: 12 Dec 04, 17:29 »
Hallo Collector,

vielen Dank für den Hinweis, die 731-er aus Elmwood sind an mir "vorbeigegangen". 

Aber eine andere Frage:

Ich habe voriges Jahr in Wölsendorf Fluorit-Pyramidenwürfel gefunden. Diese Kristalle sind aber im Gegensatz zu den anderen 210 oder 310 Pyramidenwürfeln noch deutlich flacher. Ich habe leider keine Möglichkeit das genau zu vermessen, mit meinen Methoden so um die 10° (zur Würfelläche hin, was entweder 510  (11,31 Grad) oder eher noch 610 (9,46 Grad) -wenn ich richtig gerechnet habe- bedeuten würde. Ja, nun habe ich in Deinem Werk solche Flächen aber nicht gefunden. Und deswegen die Frage: Ist Dir da zwischenzeitlich was bekannt?

Gruß

Berthold

Offline Collector

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Re: Fluorit -Arten
« Antwort #57 am: 12 Dec 04, 19:19 »
Hallo Berthold

nein, 510 und 610 sind mir nicht bekannt, bzw. ich weiss auch nicht, wer solche flachen Tetrakishexaeder beschrieben haben könnte. Sind das reine Pyramidenwürfel oder gibts noch andere Flächen ?
Ich werde mich kundig machen, sobald ich was höre, informiere ich Dich.

gruss
collector




Offline berthold

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Re: Fluorit -Arten
« Antwort #58 am: 12 Dec 04, 19:31 »
Hallo,

teilweise reine Tetrakishexaeder, teilweise auch mit Würfelflächen, keine anderen Flächen.

Vielen Dank vorweg für Deine Recherche.

Gruß

Berthold

Offline Collector

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Re: Fluorit -Arten
« Antwort #59 am: 13 Dec 04, 12:36 »
Hallo Berthold

510 und 610

ich hatte die folgende Antowrt schon fertig geschrieben, dann bin ich jedoch beim eintragen abgestürzt.

Ich glaube, ich hab was gefunden. Holzgang (Holzgang, F., 1930; Zur Morphologie von Fluorit, Scheelit und Brookit, Schw. Miner.-Petrogr. Mttlg., 10, 374-476) beschreibt 24 (!) Tetrakishexaeder. Darunter reine 510 und 610. Inwieweit diese Formen existent oder zweifelhaft sind, kann ich nicht beurteilen.
Ich habe keinen Zugriff auf dieses Werk, vielleicht bei einer Uni-Bibliothek.

Meine Information stammt aus einem im Jahr 2001 (leider nach meiner eigenen Veröffentlichung) erschienenen Artikel der beiden französischen Geologen Dr. Patrice Lebrun und J.M. Le Cléac`h (ja, so schreibt sich der).
Link um an die Autoren zu kommen. www.minerauxetfosiles.com.

Auch Hintze, soweit ich nachvollziehen kann, hat die Form 510 sowie Kombinationen aus 510+100 und 610 +100 beschrieben. ( Hintze, C. 1897, Handbuch der Mineralogie).

Man sollte nicht auschliessen, dass Holzgang von Hintze abgeschrieben hat.

Ansonsten habe ich 510 und 610 in Kombination nur bei Franklinit und Arsenopyrit von Franklin entdeckt.

Bin selbst gespannt, wie Deine Suche ausgeht. Wenn positiv, kannst Du mir die Ergebnisse zur Verfügung stellen ? (ich plane, wegen grosser Nachfrage, eine Neuauflage meines Buches, diesmal komprimiert und mit ca. 450 zusätzlichen Vorkommen sowie eine (fast) komplette Übersicht aller Fluorit-Formen und bekannten Kombinationen.

Gruss
collector

« Letzte Änderung: 13 Dec 04, 12:48 von Collector »