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Enstehen Kristalle heute noch oder sterben sie aus?

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Helicat135:
Hallo,

ich bin gerade auf eine Frage gestossen:

wachsen alle Kristalle heutzutage auch noch, oder wurden sie einst durch andere Einflüsse gebildet und "sterben aus"?

Die meisten sind ja durch vulkanische Aktivität entstanden, aebr früher gab es nun mal mehr Vulkane als heute...

Bilden sich, zB. in den Alpen denn aktuell noch Quarze in solcher Größe, wie man sie kennt?

Und ist abzusehen, dass mehr und mehr Gebiete "abgesammelt" werden?

Danke!

smoeller:
Hallo,

Salz- und Gipskristalle können sehr schnell wachsen, so dass teilweise innerhalb eines Jahres neue Kristalle nachwachsen. Voraussetzungen: Hohlraum und gesättigte Lösung. Auch viele Sekundärmineralien wachsen auf Halden, die gegebenenfalls erst wenige Jahrhunderte oder sogar Jahrzehnte alt sind.

Im Himalaya ist die Metamorphose noch nicht abgeschlossen, da kommt es immer noch zur Bildung. Ebenso dürfte es in den Tiefen der Alpen aussehen. Durch rasche Erosion (bis zu cm im Jahr, mehr durch Felsstürze) wird zudem im Hochgebirge immer wieder etwas neues freigelegt.

Auch Tropfsteine und Sinter wachsen immer noch.

Jedoch wachsen die Kristalle, die wir in den Sammlungen haben oder die an der Oberfläche liegen nicht mehr. Ausser, es kommt zur Umwandlung (Pyrit in Copiapit oder ähnliches). Dann aber wachsen aus den Kristallen neue Minerale.

Das Wachstum hängt immer von Druck, Temperatur, Lösungszusammensetzung und -Angebot und Diffusionsrate ab. Je verdünnter die Lösung und je geringer die Diffusion, desto langsamer das Wachstum. Auch die Temperatur bestimmt entscheidend das Wachstum. Viele Kristalle wachsen bei höherer Temperatur (bei gleichem Stoffangebot) schneller.

Glück Auf!
Smoeller

caliastos:
also ich versuch das mit einer ganz billigen antwort zu beantworten:

natürlich wachsen kristalle weiterhin. warum sollten sie denn nicht?

die meisten kristalle sind eben nicht durch vulkanische aktivität entstanden. nimm granite, die unter der oberfläche erstarrt sind. vulkanite sind das sicher nicht, bestehen aber aus millarden von kristallen.

sie wachsen auch nicht ausschließlich in hohlraumen.

kristalle wachsen zu jeder zeit, überall und an sich in jeder tiefe oder höhe. sei es magmenkristallisation, metamorphose, diagenese, fällung aus gas, wasser, schmelze, kapillare verdunstung, hydrothermal usw.

die größe hängt nur von der zeit ab, die ein kristall zum wachsen hat und von der stoffzu- abfuhr.

natürlich erfolgt dies meist eher in millionen von jahren. so scheint es, daß es weniger kristalle gibt. ist aber ein trugschluß, zumal du an sich kein krstallfreies gestein finden wirst.

uwe:
So lange es auf der Erde noch Plattentektonik und Vulkanismus gibt, werden wohl auch noch pneumatolytische und hydrothermale Prozesse ablaufen. In einigen 100 Mio. Jahren werden dann die in der jetzigen Zeit entstandenen Kristalle auch in Oberflächennahe Zonen gelangen. Allerdings wird es dann wohl keine Menschen mehr geben, welche diese sammlen.

Gruß
Uwe

aca:
Hallo,

nur noch mal was zu den "abgesammelten Alpen" und den alpinen Quarzen..

Es gibt in den Alpen zwar auch die typischen Erz- und Minerallagerstätten,
die einen begrenzten Umfang haben und deshalb irgendwann ausgebeutet sind.

Aber die Klüfte, aus denen z.B. die Bergkristalle stammen, gehören nicht dazu.
Die Klüfte bilden sich, weil Gesteine im grossen Massstab bei hohen Temperaturen
gefaltet werden.
Das geschieht in grosser Tiefe und irgendwann nach ein paar Millionen Jahren
(etwa 10-20 Millionen Jahre in den Alpen) legt sie die Erosion frei.

Dann kommen Strahler und beuten aus, was an der Oberfläche auftaucht.
Und natürlich sind diese Bereiche mit "offenen Klüften" schnell abgesucht.
Aber ein Berg, an dessen Oberfläche man Klüfte findet, enthält
auch im inneren noch viele Klüfte (die Gesteine wurden ja komplett gefaltet),
die die Erosion noch nicht freigelegt hat.
Nur kommt man eben nicht so leicht ran, wenn sie mehr als 1-2 Meter im Berg stecken.
Das an der Oberfläche ist nur die Spitze des Eisberges.
Bergkristalle wird man in den Alpen so lange finden, bis die Alpen komplett
eingeebnet sind.

Deshalb suchen einige Berufsstrahler in einem Gebiet mir hoher Kluftdichte auch
ganz anders als Hobbysammler: sie "schälen" den Berg über viele Jahre Schicht für Schicht,
um Klüfte in der Tiefe freizulegen.

Die Hauptphase der Gebirgsbildung ist in den "beiden" Alpen schon vorbei, und
damit auch die Hochzeit der Kluftbildungen: die Ostalpen wachsen nicht mehr,
die Westalpen nur noch langsam.

Die Kristalle wachsen aber nicht nur, während die Klüfte aufreissen, sondern auch
oder vielleicht sogar hauptsächlich, wenn die Gesteine mit den Klüften sich
langsam der Oberfläche nähern und Druck und Temperatur
(und damit auch die Löslichkeit der Minerale) sinken:

Während der Erosion eines Gebirges wird viel Material aus den Bergen entfernt,
das vorher mit seinem Gewicht die Gesteine nach unten gedrückt hat.
Das heisst, während die Alpen eingeebnet werden, tauchen langsam tiefere Schichten
auf und Druck und Temperatur in ihren Klüften sinken auch. 
Es wachsen also wahrscheinlich auch noch Kristalle, wenn das Gebirge
gar nicht mehr gefaltet, sondern nur noch abgetragen wird.
Nur nicht mehr so viele wie in der Zeit der Gebirgsbildung, als aktiv Gestein verbogen
und hochgedrückt wurde.

Alle Kristalle wachsen, allgemein gesprochen, nur dann, wenn sich äussere Bedingungen
(Druck, Temperatur, Lösungschemie etc.) ändern.
Ändern sich die Bedingungen schnell, dann wachsen die Kristalle schnell
(oder lösen sich schnell auf).
Ändern sie sich langsam (z.B. im Rahmen der Gebirgsbildung in den Alpen),
wachsen auch die Kristalle langsam.

Gruss
Amir

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