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Autor Thema: Neu hier und schon Fragen  (Gelesen 5361 mal)

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Offline Bravo21

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Neu hier und schon Fragen
« am: 05 Aug 08, 10:38 »
Hallo zusammen

Ich bin der Marco 29 Jahre alt und komme aus der Schweiz also genau Mittelland Ausläufer vom Jura :-)

Da ich ein blutiger Anfänger bin, habe ich auch eine Frage. Keine Angst es wird nicht bei der einen bleiben. Wo findet man Fossilien? Ich lese immer von Steinbrüchen etc. Da bei meiner Region generell viel Kies abgebaut wird, hat es dementsprechend auch viele Kiesgruben. Aber auch auf Hügeln in den Wäldern kommt man immer wieder an "Fels"-Wänden vorbei. Ich habe auch schon etwas gefunden, nur kann ich es nicht zuordnen ob und was es ist. Stelle heute Abend ein paar Fotos ins Forum.
Sind die Fossilien immer nur an einer Stelle zu finden, oder kann man bei einem solchen Gebiet (Ausläufer des Jura) überall auf Fossilien stossen. Ich denke vorallem bei offenen Gesteinsformationen  oder an Hängen von Flüssen. Ich denke diese Fossilien könnten doch fast überall verstreut sein. Liege ich falsch?

Danke für eure Hilfe.

Gruss

Marco

Offline Bravo21

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Re: Neu hier und schon Fragen
« Antwort #1 am: 06 Aug 08, 11:09 »
Ich glaube ich muss meine Frage etwas anders stellen?  ;D

Anhand meiner Studien geologischer Karten und der Erdgeschichte, bin ich zum Schluss gekommen, dass man ja fast überall auf Fossilien stossen kann. Ist dies Korrekt? Oder muss ich fast zwingend bei Steinbrüchen vorbeischauen um etwas zu finden. Mir ist klar, dass in Steinbrüchen grössere Teile von Schichten einsehbar sind und daher die Chancen höher sind etwas zu finden. Sorry für die vielleicht blöden Fragen eines Anfängers aber ich finde leider nirgens etwas darüber.

Danke für eure Hilfe

PS: habe es noch nicht gefunden, aber gibt es hier im Forum ein Anfänger Teil indem Anfängerfragen gestellt werden können?

Gruss

Marco

 
« Letzte Änderung: 06 Aug 08, 11:12 von Bravo21 »

amaltheus

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Re: Neu hier und schon Fragen
« Antwort #2 am: 06 Aug 08, 11:16 »
Ja, genau so ist es.
Du hast vollkommen recht mit Deiner Annahme.

In dem Landesteil wo Du wohnst kann man "fast überall" Fossilien finden.

Geh auch mal auf Baustellen. Da kann (!!) man auch fündig werden.
Und dann gibts noch Äcker ... wo man auch schön drüber gehen kann.
Und und und ...

- Thomas -
« Letzte Änderung: 25 Mar 13, 10:49 von oliverOliver »

Isarkiesel

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Re: Neu hier und schon Fragen
« Antwort #3 am: 06 Aug 08, 16:48 »
Hallo Marco,

zunächst willkommen im Forum.

Zu den Fossilfundstellen: Fossilien finden sich fast ausschließlich in Sedimentgesteinen. Dazu gehören (im weiteren Sinn) auch Böden. Also kann man in der Tat fast überall Fossilien finden, zumindest hier bei uns in Mitetleuropa.

Und jetzt der Haken: Die Fossildichte ist in den verschiedenen Sedimenten sehr unterschiedlich. In "normalen" Böden findet man vielleicht mit viel Glück ein paar subfossile Schnecken; im Juragestein der Schweiz ist die Fossildichte bestimmt höher.

So weit, so klar. Um das Ganze aber noch komplizierter zu machen, werden Fossilien machmal (durch Verwitterung etc.) umgelagert. Dann liegen etwa Jurafossilien auf Äckern herum - und das teilweise sogar reichlich -, auch wenn das anstehende Gestein erst in ein paar Metern Tiefe zu finden sein sollte. Oder denke an die weiten Gebiete in Norddetuschland, wo alles anstehende Gestein unter den Ablagerungen der Eiszeit verborgen ist: Da findet man die Fossilien dann eben in den Sedimenten, die vin den Gletschern zurückgelassen wurden.

Alles in allem: Richtig vorhersagbar ist die Fossildichte nicht; man ist auf Erfahrungswerte angewiesen. Deshalb tauschen sich Sammler auch schon seit Jahrhunderten über solche Orte aus, an denen die Fossildichte höher ist als üblich: Das sind dann die "klassichen Fundorte". Daneben gibt es immer wieder die Chance (auch heute, im Zeitalter erhöhter Baugrubendichte), selber einen solchen Ort aufzustöbern. Also,laß Dich nicht entmutigen.

Natürlich will man als Anfänger gerne einmal an einem Ort sammeln, wo man nicht stundenlang in glühender Hitze Hammer und Meißel schwingen muss (wie etwa in den Steinbrüchen und Halden um Solnhofen), sondern wo man schneller zu einem "Erolgserlebnis" kommt. Das ist völlig legitim, und es gibt auch ein paar Orte, die auch einen Anfänger nicht unentschädigt gehen lassen: Holzmaden und Umgebung ist so ein Beispiel. In der Schweiz kenne ich mich allerdings viel zu wenig aus, um Dir da wieterhelfen zu können.

Gruß,
Holger

Offline noudi

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Re: Neu hier und schon Fragen
« Antwort #4 am: 06 Aug 08, 22:49 »
Hallo Marco
Für einen Anfänger wären die Erlebnistage des Mineralien- und Fossilienverein Sektion Basel und Nordwestschweiz sicher eine erste Hilfe.

Erlebnissonntage,  Tag in Frick

Anleitung für Neulinge in der Tongrube
Während der Sommermonate ist der Arbeitskreis Frick an folgenden Daten von 10.00 Uhr - 16.00 Uhr in der Grube auf dem "Klopfplatz" und zum Mittagessen im Wälchligarten anwesend:

Sonntag, 01. Juni: Start
Sonntag, 06. Juli
Sonntag, 03. August
Sonntag, 07. September
Sonntag, 05. Oktober

Wir geben Auskunft über die einzelnen Fundmöglichkeiten in den verschiedenen Schichten der Meeresablagerungen und beraten Sie bei der Bergung von Fossilien. Werkzeug muss mitgebracht werden (Hammer, Meissel, Hacke etc.).
Im Wälchligarten darf gerastet und gegrillt werden.
Für die Erlebnissonntage ist keine Anmeldung erforderlich.
Die Anlässe finden bei jeder Witterung statt!
Auskunft: Tel: 062 871 53 83

Gruss Noudi

Offline Bravo21

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Re: Neu hier und schon Fragen
« Antwort #5 am: 07 Aug 08, 10:24 »
Hallo zusammen

Danke für eure Erklär- und Erleuterungen.

Jetzt ist mir schon klarer wo ich suchen muss und brenne schon darauf wieder "buddeln" zu gehen. Ich war vor etwa 3 Jahren an einem Ort in einem Wald. Ich habe mich "noch" nicht richtig für dieses Thema interessiert aber der Ort ist nahe im Wald beim Elternhaus meiner Freundin. Sie hat gesagt an der Stelle hat es Versteinerungen und wir Spazierten dorthin. Nur ausgerüstet mit einem schweizer Universalmesser  ;). Es ist ein kleiner aber relativ hoher Hügel der in einem Wald liegt. Neben den Wanderwegen befinden sich immer wieder höhere Wände aus recht porösem Gestein. Wenn dieses etwas angefeuchtet ist, kann man das auch brechen. Sieht nach Kalk oder Lehm aus. Von der Beschaffenheit eher wie Kalk aber hat eine hellbraune Farbe und sieht wie Lehm aus. Habe auch auf die schnelle ein paar Teile gefunden ohne gross Graben und Abbauen zu müssen. Dort bricht immer wieder natürlich Gestein ab und bleibt am Wegrand liegen.

Ich werde heute Abend ein paar Bilder posten. Ich habe schon diverse Bilder studiert aber konnte nichts zuordnen. Sind leider alles nur Bruchstücke, 2 Muschelschalen und etwas anderes im Querschnitt strukturiert und innen hohl. Sieht aus wie Reisszähne. Kann aber auch Holz oder Mineralien sein. Ich denke für euch ist es ein einfaches diese identifizieren zu können. Eine ganz erhaltene mini Schnecke ist leider durch das Einweichen des porösen Gesteins nun nach Millionen von Jahren durch meine Schuld für immer und ewig vernichtet worden... ärgerliche Anfängerfehler. Es überdauert Millionen von Jahren und ein [entfernt] zerbröselt es innert Sekunden  ::)

@Isarkiesel
Danke für die sehr hilfreichen Tipps!! Nur eine Frage noch, wie erkenne ich Sedimentgestein? Ist dies so was wie Schieferplatten. Also Gestein dass sich in so Schichten trennen lässt?

@Noudi
Danke für deinen Hinweis. Ich werde gerne einen solchen Erlebnissonntag besuchen!!

Gruss

Marco

« Letzte Änderung: 07 Aug 08, 15:17 von Bravo21 »

Offline Bravo21

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Re: Neu hier und schon Fragen
« Antwort #6 am: 07 Aug 08, 16:59 »
Hallo zusammen

Unter folgendem Link sehr Ihr meine ersten Funde die ich gesammelt habe. Sollte jemand einmal Lust und Zeit haben schnell reinzuschauen und mir helfen diese zu bestimmen, wäre ich sehr dankbar.

http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,18144.0.html

Danke und Gruss

Marco

Offline triassammler

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Re: Neu hier und schon Fragen
« Antwort #7 am: 12 Aug 08, 12:19 »
Hallo Marco!

Zitat
Nur eine Frage noch, wie erkenne ich Sedimentgestein? Ist dies so was wie Schieferplatten. Also Gestein dass sich in so Schichten trennen lässt?

So generell kann man Sedimentgesteine nicht in eine Schublade stecken. Sedimente bestehen aus verwitterten Gesteinspartikeln, die von Wind, Wasser oder durch Gravitation (Bergrutsch...) abgelagert wurden (Kies, Sand, Ton), oder sie entstanden aus den Skeletten winziger Lebewesen (Kalkstein). Verfestigt sich ein Sediment im Lauf der Zeit durch chemische Prozesse und den Druck neuer, überlagernder Sedimentschichten, wird es zum Sedimentgestein. Sedimentgesteine sind daher sehr vielfältig: Kalkstein (schäumt auf, wenn man verdünnte Salzsäure oder Essig daraufgibt), Tonstein (zerfällt wenn er feucht wird), Sandstein (bröselig und zerkratzt den Stahl von Messern oder Hammer), und alle möglichen Mischformen dieser Gesteine. Die Art, wie das Sediment geschichtet ist, oder eben auch nicht ("massig", "ungebankt") rührt von den Bedingungen her, unter denen es abgelagert wurde.
In erster Näherung fährst Du bei der Erkennung von Sedimentgesteinen gut, wenn Du nach geschichteten Gesteinen Ausschau hältst. Diese können fein geschiefert, aber auch sehr dickbankig sein, je nachdem, aus welchem Material und unter welchen Bedingungen sie entstanden sind.
Wenn Du weiter Richtung Zentralalpen gehst, würden Dir auch "geschichtete" Gesteine begegnen, die keine Sedimente sind. Es handelt sich dabei um Metamorphite, denen Druck und Temperatur bei der Alpenentstehung tief im Erdinnern eine schiefrige und schichtige Struktur aufgeprägt haben, die aber nichts mit der Schichtung von Sedimentgesteinen zu tun haben. Hier wird es dann kompliziert...

Es gibt einige gute kleine Büchlein, die speziell für den Anfänger geeignet sind, um die verschiedenen Gesteine kennenzulernen und vor allem zu lernen, an welchen Merkmalen man sie einfach voneinander unterscheiden kann. Ich werde Dir heute Abend mal ein paar Literaturtipps auflisten.

Gruß,
Triasammler

Offline Bravo21

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Re: Neu hier und schon Fragen
« Antwort #8 am: 12 Aug 08, 12:50 »
Hallo Triasammler

Danke viel mal für deine Mühe und Erläuterungen!!

Ich währe für deine Literaturtipps sehr dankbar. In einer Buchhandlung hatte ich zwar sehr viel Auswahl aber konnte mit keinem viel anfangen, da es von Prof. für Prof.'s geschrieben wurde  ;D

Dein Beitrag war schon sehr aufschlussreich!

In freudiger Erwartung...

Gruss

Marco

Offline triassammler

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Re: Neu hier und schon Fragen
« Antwort #9 am: 13 Aug 08, 21:36 »
Hallo Marco,

so, bin mit der Leiter durch meine Bibliothek geklettert und hab mal 3 Bücher rausgesucht, die mir auch bei den ersten Anfängen sehr hilfreich waren. Die Preise habe ich nicht mehr im Kopf, aber das war im Rahmen, sonst hätte ich sie mir als Schüler auch nicht zugelegt:

Walter Maresch, Olaf Medenbach & Hans-Dieter Trochim: "Steinbachs farbige Naturführer: Gesteine". Mosaik-Verlag, München, 288 S.
Aus dem Umschlagtext: "113 Gesteinsgruppen mit zahlreichen Varietäten. 380 Farbfotos, 90 farbige Graphiken und Diagramme".
Meine Meinung: Sehr handlich, kann man für die ersten Schritte bei der Gesteinsbestimmung gut mit ins Gelände nehmen. Es geht zwar nur auf 50 von 250 Seiten um Sedimente und Sedimentgesteine, ist aber eine prima Einführung, die die wichtigsten Merkmale auf den Punkt bringt. Nachteil: Die Bildtafeln zeigen fast immer Ausschnittvergrößerungen. Man bekommt nicht unbedingt einen Eindruck von der typischen Art und Weise, wie das jeweilige Gestein Bruchkanten und -flächen ausbildet.
Trotzdem sehr nützlich als erster Einstieg, wenn man nicht vom Thema erschlagen werden will.

Rupert Hochleitner: "Fotoatlas der Mineralien und Gesteine", Gräfe und Unzer, München, 238 S., ISBN 3-7742-2423-4
Meine Meinung: Zu großformatig fürs Gelände, und Schwerpunkt auf Mineralien und kristallinen Gesteinen (Sedimente werden aber durchaus auch ausgiebig vorgestellt). Dafür eine super Einführung in Gesteinsarten, Gesteinsentstehung und Mineralbildung (Gesteine bauen sich nun mal aus Mineralien auf, darum kommt man nicht herum) für den Anfänger, mit vielen kleinen Zeichnungen im Text, die die Erklärungen ergänzen und typische Eigenheiten besser darstellen, als man das oft mit Fotos einfangen kann. Kommt ohne Fachchinesisch aus und hat einen hübschen Glossar, der die wichtigsten Begriffe, auch wieder teilweise mit Schemazeichnungen, erklärt. Ein Bestimmungsschlüssel soll helfen, sich an Hand grundlegender Merkmale zur korrekten Gesteinsbestimmung durchzuarbeiten. Ingesamt sehr liebevoll gemacht.

Walter Schumann: "Der neue BLV Steine- und Mineralienführer", BLV Verlagsgesellschaft, München, 382 S. ISBN 3-405-15302-6
Meine Meinung: Schwerpunkt liegt eindeutig auf Mineralien und kristallinen Gesteinen. Die Erklärungen zu den Sedimentgesteinen sind schon relativ fachlich, gehen aber erfreulicherweise intensiv auf die Entstehung ein. Die Bildtafeln zeigen komplette Handstücke, bei denen sich typische Bruchformen sehr gut erkennen lassen.

In dieser Reihenfolge würde ich die Bücher empfehlen, wenn Du Dir erst mal nur eines zulegen willst.

Ganz ohne Fachbegriffe wirst Du auf Dauer nicht zurecht kommen - der Erfolg beim Fossiliensammeln steigt proportional mit dem Wissen 8) Wenn Du aber Spaß daran hast, Dir Wissen anzueignen, wirst Du sehen, dass das alles gar nicht so furchtbar kompliziert ist, und der Lohn kommt mit dem Sammelerfolg.

Gruß,
Rainer

 

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