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Autor Thema: Fossilien auf Feuersteinen  (Gelesen 5607 mal)

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Offline Helmi

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Fossilien auf Feuersteinen
« am: 20 Aug 08, 18:27 »
Hallo,
in letzter Zeit habe ich mehrere Feuersteine mit Moostierchen, Miniseesternen,  Seelilienteilen u.ä. in Feuersteinerhaltung gefunden. Da diese auf allen Seiten des Fundstückes außer an Bruchstellen zu finden sind, stellt sich für mich die Frage : "Was ist dann der Körper gewesen, worauf diese sich angesiedelt haben könnten?"
Helmi.

Offline triassammler

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Re: Fossilien auf Feuersteinen
« Antwort #1 am: 20 Aug 08, 22:18 »
Hallo Helmi!

Moostierchen sind in Deiner Aufzählung diejenigen Organismen, die noch am wenigsten ohne Substrat denkbar sind. Sie können auf Muschelschalen oder Algen aufgewachsen sein - nichts davon muss notwendigerweise im Feuerstein überliefert sein, es kann sich wegen ungünstiger Bedingungen bei der Diagenese spurlos aufgelöst haben, so dass nur der Aufwuchs erhalten blieb. Vor allem bei aragonitischen Muschelschalen, die sehr leicht löslich sind, und bei Algen sowieso, diese sind fossil selbst unter besten Bedingungen kaum erhaltungsfähig. Auch Schwämme können von Bryozoen überkrustet sein - da zumindest ein Teil der Kieselsäure der Feuersteinknollen aus der diagenetischen Auflösung von Kieselschwämmen stammt, ist es wahrscheinlich, dass der zugehörige Schwamm nicht mehr vorhanden ist und die Moostierchenkolonie scheinbar substratlos vorliegt.
Was die meisten anderen Organismenreste wie Seeigel, -stacheln, Seelilienstielglieder und Belemniten betrifft: Diese lagen schon vor der Einbettung in Feuerstein lose auf bzw. im Sediment.
Zur Entstehung der Feuersteinknollen gibt es verschiedene, teilweise auch einander ergänzende Theorien. Vertikale "Ketten" von Feuersteinen gehen vermutlich auf Krebsbaue zurück, deren Hohlräume aus chemischen und physikalischen Gründen die Ausfällung von Quarz begünstigt haben. In diesem Fall ist eine solche Knolle im Inneren leer, enthält aber auf ihrer Oberfläche - dem ehemaligen Kontaktbereich mit der Wand des Krebsbaus - Überreste von Organismen, die aus der Wand ins Innere hineinragten.
Horizontale Knollenlagen gehen einigen Theorien zufolge auf syngenetische Konkretionsbildung zurück - hier soll in manchen Fällen die wachsende Feuersteinknolle das feinkörnige Kalksediment beim Wachstum nach außen verdrängt haben (Stichwort "Kristallisationsdruck": dieser kann gewaltig sein und mehrere Tonnen pro cm2 betragen!). Gröbere Partikel, wie eben Fossilreste, werden dabei nach außen gedrückt und reichern sich am Rand der Knolle an, wo sie schließlich "eingebacken" werden.

Entgegen Deiner Beobachtung sind Fossilien innerhalb von Knollen aber nicht unüblich, im frischen Bruch wegen fehlendem strukturellen und Farbkontrast aber oft nur schwer auszumachen. In solchen Fällen greift die Theorie von der Sedimentverdrängung nicht.

Gruß,
Triassammler

Offline terrandi

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Re: Fossilien auf Feuersteinen
« Antwort #2 am: 21 Aug 08, 15:30 »
Hi,
hierzu meine Erfahrungen aus dem Niedersächsischen Geschiebe. Ich habe aus dem Grobrechengut verschiedener Kiesgruben Feuersteine geziehlt bearbeitetet (Schutzausrüstung!!!!!!und Genehmigung sind ganz wichtig). Besonders die eher milchigen oder körnigen Aggregate können wunderbare Ergebnisse bringen. U.a. findet man schöne Seeigel mir kritallisierten Hohlräumen, die außen oder außerhalb der großen Knollen sicher zerstört worden wären.
Grüße, Andi

Offline Helmi

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Re: Fossilien auf Feuersteinen
« Antwort #3 am: 21 Aug 08, 19:34 »
Gilt  das auch für  Fossilien in Kalksteinerhaltung ( s. http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,17991.msg155833.html#msg155833 ) ?
Gruß Helmi

Offline triassammler

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Re: Fossilien auf Feuersteinen
« Antwort #4 am: 03 Sep 08, 01:46 »
Hallo Helmi,

was genau meinst Du?

Gruß,
Triassammler

Offline trommeln

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Re: Fossilien auf Feuersteinen
« Antwort #5 am: 03 Sep 08, 08:33 »
Bei den Maaseiern (Feuersteine aus Klewe, bei der Urmaas) habe ich die Theorie gehört, dass die noch weichen Kieselgelknollen über den Meeresboden gerollt sind und sich so in etwas gewälzt haben. Das wird dann aussen sehr schön gesehen.. Die Knollen sind abgesunken, als sie immer schwerer wurden und das Kieselgel weniger wurde und sich die Knollen so verdichtet haben. (Siehe Maaseierfotos in Trommelgeheimnisse in diesem Forum)

Offline Helmi

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Re: Fossilien auf Feuersteinen
« Antwort #6 am: 06 Sep 08, 13:24 »
Hallo Triassammler,
ich meine den gleichen Sachverhalt wie oben bezogen auf Versteinerungen auf Kalkstein s. Bild  o.g. Seite.
Gruß Helmi
« Letzte Änderung: 06 Sep 08, 13:32 von Helmi »

Offline caliastos

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Re: Fossilien auf Feuersteinen
« Antwort #7 am: 06 Sep 08, 16:29 »
also an sich kenn ich es so, daß die kieselsäure in der diagenese mobil wird und bei bestimmten bedingungen wieder ausfällt und kongretionen bildet. wenn da nun ein organischer rest liegt wird der eben mit eingeschlossen. muß ja nur wandern. kann mir auch schlecht über den boden wandernde gelknollen vorstellen. den material was weiß genug ist, damit sich was reindrückt dürfte an sich nicht fest genug sein um herumzukullern.

Offline smoeller

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Re: Fossilien auf Feuersteinen
« Antwort #8 am: 06 Sep 08, 19:08 »
Hallo,

Es ist in der Regel das H2S aus den verwesenden Eiweißen, das die Kieselsäure zur Fällung bringt. Da ist dann ein größerer organischer Rest ein guter Kandidat.

Glück Auf!
Smoeller
« Letzte Änderung: 06 Sep 08, 22:58 von smoeller »

Offline triassammler

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Re: Fossilien auf Feuersteinen
« Antwort #9 am: 06 Sep 08, 22:36 »
Hallo,

Die Sache mit den Kieselgelen wird kontrovers diskutiert; bislang hat jedenfalls noch niemand in der Natur weiche Kieselgelbatzen auf dem Meeresgrund liegen oder gar herumrollen sehen. Als wahrscheinlichste Theorie gilt immer noch Diffusion der Kieselsäure durch die Porenräume innerhalb von Sedimentkörpern.

@Helmi: Wenn ich Dich richtig verstehe meinst Du, ob das von Dir abgebildete Stück auch auf die Kieselknollen-Art und Weise entstanden ist? Nein.
Bei Deinem Stück ist der komplette Stein mit den Crinoiden-Stielgliedern durchsetzt. Sie wittern an der Oberfläche spezifisch heraus, weil der Calcit, aus dem sie bestehen, eine geringfügig schwächere Löslichkeit als der umgebende Kalkstein besitzt.  Würdest Du ein frisch geschlagenes Stück desselben Materials, auf dem sich keine erhabenen Fossilkomponenten abzeichnen, ein paar Jahrhunderte oder Jahrtausende im Garten der Verwitterung aussetzen, erhieltest Du wieder dasselbe Ergebnis.

Es gibt aber auch Kalkstein-Konkretionen, die auf die von Smoeller beschriebene Art entstehen (Kalkfällung kann auch noch durch Methan, CO2 und Ammoniak, sämtlich aus der Verwesung von Organik, ausgelöst werden). Da ist dann ein organischer Rest der Ausgangspunkt für Kalkfällung. Aber der Rest kann mikroskopisch sein, bei geeigneten Bedingungen läuft die Konkretionsbildung nämlich auch weiter, wenn das H2S etc. aus der Organik schon lange verbraucht ist, und die Konkretion wird viel größer, als der eingeschlossene Rest vermuten lässt. Da genügt für das weitere Wachstum dann das geringfügige chemisch-physikalische Ungleichgewicht, das die Konkretion als solche im Sediment darstellt.
Das Fossil steckt in dem Fall in der Mitte. Aber wenn die Konkretion im bereits abgelagerten Sediment wächst, schließt sie weitere enthaltene Organismenreste ein. Auch besteht die Möglichkeit, dass die Konkretion nicht um das gesamte Objekt herum wächst, sondern in eine Vorzugsrichtung (wo besonders viele Verwesungsgase anfallen, z. B. im Wohnkammerbereich eines Ammoniten). Dann wird ggf. nur ein Teil des Objekts von der Konkretion umschlossen. Beispielhaft zu beobachten u. a. bei Konkretionen um Amaltheen von der Schwäbischen Alb, da guckt sehr oft noch ein Teil des Ammoniten heraus.

Ein "organischer Rest" muss auch nicht gleichbedeutend mit etwas direkt erkennbarem sein, es genügt ein Algenfaden, oder innerhalb von Grabgängen eine Kotpille. Btw, manche Krebsarten (auch die, denen die flintverfüllten Gänge in der Kreide zugeschrieben werden) stabilisieren die Wände ihrer Wohnbaue durch Auskleiden mit ihren Kotpillen ( :-X) - wenn sich das zersetzt, hat man eine prima Ausgangssituation für Kieselsäurefällung. Eigentlich ist alles, was in so einem Bau anfällt - Häutungshemden, Kot, Fraßreste - dafür geeignet. Entsprechend kann man das alles, partielle Erhaltung vorausgesetzt, in so einer Flintknolle finden.
In anderen Sedimenten, wo Kalk statt Kieselsäure als Konkretionsbildner wirkt, ist das im Prinzip genauso. Um auf Helmi zurückzukommen: Es kommt also darauf an, ob es sich bei dem Fundstück um eine echte Konkretion oder um ein verwitterungs- oder transportbedingt gerundetes Stück normalen kalkigen Sediments handelt.

Gruß,
Triassammler

 

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