Hallo,
Die Sache mit den Kieselgelen wird kontrovers diskutiert; bislang hat jedenfalls noch niemand in der Natur weiche Kieselgelbatzen auf dem Meeresgrund liegen oder gar herumrollen sehen. Als wahrscheinlichste Theorie gilt immer noch Diffusion der Kieselsäure durch die Porenräume innerhalb von Sedimentkörpern.
@Helmi: Wenn ich Dich richtig verstehe meinst Du, ob das von Dir abgebildete Stück auch auf die Kieselknollen-Art und Weise entstanden ist? Nein.
Bei Deinem Stück ist der komplette Stein mit den Crinoiden-Stielgliedern durchsetzt. Sie wittern an der Oberfläche spezifisch heraus, weil der Calcit, aus dem sie bestehen, eine geringfügig schwächere Löslichkeit als der umgebende Kalkstein besitzt. Würdest Du ein frisch geschlagenes Stück desselben Materials, auf dem sich keine erhabenen Fossilkomponenten abzeichnen, ein paar Jahrhunderte oder Jahrtausende im Garten der Verwitterung aussetzen, erhieltest Du wieder dasselbe Ergebnis.
Es gibt aber auch Kalkstein-Konkretionen, die auf die von Smoeller beschriebene Art entstehen (Kalkfällung kann auch noch durch Methan, CO
2 und Ammoniak, sämtlich aus der Verwesung von Organik, ausgelöst werden). Da ist dann ein organischer Rest der Ausgangspunkt für Kalkfällung. Aber der Rest kann mikroskopisch sein, bei geeigneten Bedingungen läuft die Konkretionsbildung nämlich auch weiter, wenn das H
2S etc. aus der Organik schon lange verbraucht ist, und die Konkretion wird viel größer, als der eingeschlossene Rest vermuten lässt. Da genügt für das weitere Wachstum dann das geringfügige chemisch-physikalische Ungleichgewicht, das die Konkretion als solche im Sediment darstellt.
Das Fossil steckt in dem Fall in der Mitte. Aber wenn die Konkretion im bereits abgelagerten Sediment wächst, schließt sie weitere enthaltene Organismenreste ein. Auch besteht die Möglichkeit, dass die Konkretion nicht um das gesamte Objekt herum wächst, sondern in eine Vorzugsrichtung (wo besonders viele Verwesungsgase anfallen, z. B. im Wohnkammerbereich eines Ammoniten). Dann wird ggf. nur ein Teil des Objekts von der Konkretion umschlossen. Beispielhaft zu beobachten u. a. bei Konkretionen um Amaltheen von der Schwäbischen Alb, da guckt sehr oft noch ein Teil des Ammoniten heraus.
Ein "organischer Rest" muss auch nicht gleichbedeutend mit etwas direkt erkennbarem sein, es genügt ein Algenfaden, oder innerhalb von Grabgängen eine Kotpille. Btw, manche Krebsarten (auch die, denen die flintverfüllten Gänge in der Kreide zugeschrieben werden) stabilisieren die Wände ihrer Wohnbaue durch Auskleiden mit ihren Kotpillen (

) - wenn sich das zersetzt, hat man eine prima Ausgangssituation für Kieselsäurefällung. Eigentlich ist alles, was in so einem Bau anfällt - Häutungshemden, Kot, Fraßreste - dafür geeignet. Entsprechend kann man das alles, partielle Erhaltung vorausgesetzt, in so einer Flintknolle finden.
In anderen Sedimenten, wo Kalk statt Kieselsäure als Konkretionsbildner wirkt, ist das im Prinzip genauso. Um auf Helmi zurückzukommen: Es kommt also darauf an, ob es sich bei dem Fundstück um eine echte Konkretion oder um ein verwitterungs- oder transportbedingt gerundetes Stück normalen kalkigen Sediments handelt.
Gruß,
Triassammler