https://www.mineraliengrosshandel.comhttp://vfmg.de/der-aufschluss/https://fossilsworldwide.de/

Autor Thema: Farbverlust von Mineralien  (Gelesen 11280 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline Wegwerfit

  • inaktiver User
  • ***
  • Beiträge: 282
Farbverlust von Mineralien
« am: 30 Aug 08, 17:03 »
Hi

Je länger je mehr kommt bei mir beim Strahlen genanntes Problem auf.
Realgar, Hemimorphit, Fluorit (manche) oder auch alpine Amethyste verlieren ihre Farbe bei Sonnenexposition.
Geschieht das auch bei künstlichen Lichtquellen (LED,Halogen-,Energiespar-,Öl- oder sonstige Lampen) ?
Oder gibt es bestimmte Wellenlängen, bei der diese Mineralien beständig sind ?

Gruss,
Wegwerfit

Offline Schluchti

  • Sponsor 2025
  • *
  • Beiträge: 2.027
  • Proustit aus Schlema
Re: Farbverlust von Mineralien
« Antwort #1 am: 30 Aug 08, 17:14 »
Manche Realgare sind völig lichtstabil, die meisten aber nicht. Der Zerfall beim Realgar wird durch Licht mit einer Wellenlänge kürzer 670 nm und länger 500 nm  ausgelöst, was fast das komplette Spektrum sichtbaren Lichts mit Ausnahme von violett, blau und rot bedeutet. Jedoch verläuft die Reaktion schon ab gelben Licht langsamer und sehr langsam ab orangem Licht. UV Licht löst die Umwandlung ebenfalls nicht aus. Kommt also auf das Spektrum der verwendeten Beleuchtung an.

Zu anderen Mineralien liegen mir keine Untersuchungen vor.

Offline ZEO

  • Globaler Moderator
  • *****
  • Beiträge: 438
Re: Farbverlust von Mineralien
« Antwort #2 am: 30 Aug 08, 19:56 »
Hallo,

das Problem Lichtempfindlichkeit wird in einem Abschnitt des Buches Howie, The Care and Conservation of Geological Materials: Minerals, Rocks, Meteorites and Lunar Finds (1992) diskutiert.
Der Autor sagt u.a., dass grundsätzlich Tageslicht ein Vielfaches schneller Schäden verursacht als "Fluorescent lamps" (meint wohl Neonröhren, denke ich) und diese wiederum schneller als Glühlampen. Halogen und LED wird nicht erwähnt, liegt wohl am Erscheinungsjahr. Unschädlich für alle Mineralstufen ist keine Art von Licht.

Hemimorphit erwähnt der Autor nicht. Realgar zählt er zu den Arten, die man grundsätzlich immer vor Licht schützen sollte. Amethyst und Fluorit nennt er als lichtempfindlich, aber weniger problematisch. Für das Problem, dass oft abhängig vom Fundort und von der Ausgangsfarbe die Entfärbung unterschiedlich verläuft, schlägt er einen Stresstest vor: ein kleines Stück auf 200 Grad C erhitzen über eine Stunde, soll  Rückschluss auf Stabilität der Farbzentren erlauben (ausgenommen gelber Saphir).

Abschließend ist das Fazit, dass oft die notwendigen Daten fehlen und viel mehr Untersuchungen nötig wären. 35 Literaturstellen sind angegeben.

Zeo





Offline cmd.powell

  • ******
  • Beiträge: 1.356
  • Calcit vom Winterberg, Harz
Re: Farbverlust von Mineralien
« Antwort #3 am: 31 Aug 08, 05:19 »
Ja, das mit dem Farbverlust mancher Minerale ist so eine leidige Geschichte. Einziges wirksames Mittel ist und bleibt die betreffenden Stücke im Dunkeln zu lagern und nur gelegentlich zu betrachten (wofür man ja nunmal Licht benötigt). Auf welches Licht welches Mineral wie reagiert lässt sich nicht pauschalisieren; hier sind Versuche angesagt. Oftmals sind die Reaktionen auf Licht spezifisch für den Fundort, als Beispiel die rosa Zirkone von Mendig in der Eifel. Da kann man zuschaun, wie die Farbe verfliegt. Manchmal hat man auch den umgekehrten Effekt: So verliert der Hackmanit von Mt. St. Hilaire im Tageslicht schnell seine rosa Farbe, diese lässt sich aber durch Bestrahlung mit kurzwelligem UV-Licht wieder regenerieren. Realgar wird - als eines der Extrembeispiele - von Licht zersetzt, also auch in seine Kristallstruktur auf Dauer zerstört, wobei sich Pararealgar bildet. Angeblich - ich würde das ja gerne mal selber sehen - sollen die Vivianite im Sandstein aus Bolivien im bergfrischen Zustand farblos sein und sich binnen kurzer Zeit typisch blau oder grün verfärben. Hier ist allerdings nicht das Licht sondern der Luftsauerstoff der Übeltäter. Als Sammler müssen wir uns in letzer Konsequenz darauf einstellen, das wir die Minerale in unserer Sammlung nicht unbeeinflusst lassen können.

Offline Amberimage

  • ***
  • Beiträge: 307
Re: Farbverlust von Mineralien
« Antwort #4 am: 02 Sep 08, 16:28 »
hallo Mineralienfreunde

wäre es vielleicht möglich mit den meist bekanntesten Mineralien die Ihre Farbe verlieren eine Tabelle anzufertigen?

vielen dank

Offline Krizu

  • inaktiver User
  • ******
  • Beiträge: 3.123
Re: Farbverlust von Mineralien
« Antwort #5 am: 02 Sep 08, 17:40 »
Hallo,

ich vermute, dass es neben dem typischen Mineralien dafür, z.B. silberhaltige, immer eine Reihe an kann-oder-kann-auch-nicht Kandidaten geben wird. Ich arbeite zurzeit am gegensätzlichen Effekt. Licht drauf und die Farbe wird intensiver. Das eine Produkt zeigt es, das andere nicht.

Es hängt von den Störstellen und den Kompensationen ab. Und die zu bestimmen ist heftiger als heftigst.

MfG

Frank

Offline joachimotto

  • ***
  • Beiträge: 154
Re: Farbverlust von Mineralien
« Antwort #6 am: 02 Sep 08, 19:55 »
Na das mit dem Realgar kenne ich. Ich habe eine wunderschöne Realgarstufe auf schneeweissen Calcitkristallen aus China. Ein herrliches Stück, war sehr billig und hat trotzdem viel Geld gekostet. Habs dann bissle zulang in der Sonne stehen lassen. Hab dann fast einen Herzinfarkt bekommen als ich sah das die Stufe lauter gelbe Flecken bekam. Eigendlich ist sie zerstört. Nun habe ich sie nach Jahren mal wieder aus der Pappschachtel genommen um den Schaden nochmal zu beweinen, und sihe da, nix mehr gelb! Die Kristalle sind an den Stellen die gelb waren nun trübrot. Also das Kristallgitter ist nach wie vor zerstört, nur scheint sich der Pararealgar wieder in normalen Realgar zurückzuverwandeln. Auch wenn die Kristalle nicht mehr so schön klar sind, so sieht die Stufe immerhin nicht mehr ganz so schlimm aus.

Offline Wegwerfit

  • inaktiver User
  • ***
  • Beiträge: 282
Re: Farbverlust von Mineralien
« Antwort #7 am: 02 Sep 08, 20:37 »
Danke für die Antworten. Wie ich schon befürchtete, lässt sich da halt nicht viel machen.
Aber die Geschichte mit dem Realgar ist interessant, bei mir sind alle Realgare, die ich am
Licht verstauben liess orange geworden und geblieben.

Gruss,
Wegwerfit

Offline cmd.powell

  • ******
  • Beiträge: 1.356
  • Calcit vom Winterberg, Harz
Re: Farbverlust von Mineralien
« Antwort #8 am: 03 Sep 08, 02:31 »
hallo Mineralienfreunde

wäre es vielleicht möglich mit den meist bekanntesten Mineralien die Ihre Farbe verlieren eine Tabelle anzufertigen?

vielen dank

In dem Buch "Mineralien reinigen und aufbewaren" von Duthaler und Weiß gibt es eine solche Tabelle. Ich glaube aber, das Buch ist inzwischen vergriffen, aber falls es mal irgendwo an´geboten wird, kann ich es nur wärmstens empfehlen ! Bei vielen Mineralen ist es in der Tat ein "es kann, muß aber nicht".
« Letzte Änderung: 03 Sep 08, 02:34 von cmd.powell »

Offline zippy

  • Sponsor 2025
  • *
  • Beiträge: 111
Re: Farbverlust von Mineralien
« Antwort #9 am: 04 Sep 08, 08:17 »
Zitat von  cmd.powell 3.9.2008
Zitat
In dem Buch "Mineralien reinigen und aufbewaren" von Duthaler und Weiß gibt es eine solche Tabelle. Ich glaube aber, das Buch ist inzwischen vergriffen, aber falls es mal irgendwo an´geboten wird, kann ich es nur wärmstens empfehlen !

Das Buch gibt es bei Mikon im online-shop als neue Ausgabe

Glück Auf

Zippy

Offline Harjo

  • ******
  • Beiträge: 1.354
  • this world rocks
Re: Farbverlust von Mineralien
« Antwort #10 am: 06 Sep 08, 13:57 »
Oder beim Lapis Buchladen ;)

Offline cmd.powell

  • ******
  • Beiträge: 1.356
  • Calcit vom Winterberg, Harz
Re: Farbverlust von Mineralien
« Antwort #11 am: 09 Sep 08, 05:05 »
Hmm, dann ist es wohl nicht vergriffen. Naja, das mit dem "Vergriffen" hab ich von einer Sammlerkollegin, die angeblich vergeblich versucht hat, das Buch zu bekommen - wer weiß, wo die nachgefragt hat...

Offline Mineraloge

  • *
  • Beiträge: 44
    • Ural Exkursionen
Re: Farbverlust von Mineralien
« Antwort #12 am: 09 Sep 08, 08:53 »
Das mit dem "Vergriffen" ist schon richtig, die erste Auflage gibt es nicht mehr und es ist vor einem Monat die zweite überarbeitete Auflage herausgekommen, in der so einige kleine Fehler behoben wurden. Besagtes Buch war wirklich 1 - 1,5 Jahre nicht zu bekommen bis halt jetzt die zweite Auflage rausgekommen ist.

Gruß Mineraloge

Offline cmd.powell

  • ******
  • Beiträge: 1.356
  • Calcit vom Winterberg, Harz
Re: Farbverlust von Mineralien
« Antwort #13 am: 10 Sep 08, 02:44 »
Aha, ok, dann haben wir das jetzt wohl endgültig geklärt, lag meine Sammlerkollegin also doch nicht falsch (was mich allerdings auch nicht gewundert hätte, wenn sie doch falschliegen würde). Naja, und ich bin nicht so richtig auf dem Laufenden - ich hab das Buch ja...

BTW: Gibt es irgendwas, was Besitzer der Erstauflage dazu veranlassen könnte, sich nochmal die zweite Auflage anzuschaffen oder ist das rausgeschmissenes Geld ?

Offline Mineraloge

  • *
  • Beiträge: 44
    • Ural Exkursionen
Re: Farbverlust von Mineralien
« Antwort #14 am: 10 Sep 08, 10:10 »
hmmm das kann ich noch nicht sagen.......werde mir aber bei den Mineralientagen in München die neue Auflage zulegen und dann können wir ja mal vergleichen was sich so geändert hat  ;D