Glück Auf!
@Wegwerfit: Die Tabellen sind sehr sorgfältig von dem Autor recherchiert und zusammengestellt. Außerdem enthalten die Lösungsmittel/Chemikalien-Tabellen nur eine kleine Auswahl von Basen und Säuren die häufig zur Reinigung und zum Lösen bestimmter Minerale verwendet werden. Es mag sicher stimmen dass jedes Mineral in Irgendetwas löslich ist und wenn es eine halbe Ewigkeit dauert. Aber dafür sind die Tabellen ja auch nicht konzipiert worden. Sinn und Zweck der Tabellen ist es, dass man ablesen kann welches Mineral in den "üblichen" Chemikalien ein nennenswertes Reaktionsverhalten zeigt. In anderen Tabellen kann man zum Beispiel ablesen welche Minerale vor Luftfeuchtigkeit oder Licht zu schützen sind oder nicht im Ultraschallbad gereinigt werden sollten.
Nun gibt es für jede Tabelle zwei Gruppen von Mineralien. Die eine Gruppe ist in der Tabelle enthalten, die andere Gruppe nicht.
Bei der Gruppe die enthalten ist, kann man sicher sein dass eine entsprechende Reaktion beobachtet wurde oder aufgrund des Chemismus und der Analogie zu anderen Mineralien eine Reaktion sehr wahrscheinlich ist. Eine entsprechende Reaktion muss aber nicht für alle Vorkommen des einen Minerals zutreffen. Zum Beispiel sind nicht alle Fluorite oder Amethyste so lichtempfindlich, dass sie im Sonnenlicht verblassen, nicht alle Uranglimmer sind so ultraschallempfindlich, dass man sie nicht damit reinigen könnte und ein Mineral von der einen oder anderen Fundstelle ist vielleicht so reaktionsträge, dass man es trotz bekannten Reaktionsverhaltens kurzzeitig in die Reinigungslösung tauchen kann, ohne sichtbare Veränderungen zu verursachen. Es sind für die Minerale auch nicht alle Fundorte aufgelistet wo eine entsprechende Empfindlichkeit beobachtet wurde und vielleicht zeigt sich auch schon ein unterschiedliches Verhalten eines Minerals innerhalb einer Fundstelle . Die Variationsvielfalt der Minerale ist einfach zu umfangreich, als dass man alles niederschreiben könnte. Es gibt auch Minerale die in einer Lösung praktisch nicht löslich sind, aber durch die Lösung entfärbt oder anders gefärbt werden. Hierher gehören zum Beispiel eine ganze Reihe von Chloritmineralien. Das Buch ist kein Allheilmittel für alle Probleme, aber es ist und bleibt für die wichtigsten Reinigungsverfahren ein sehr hilfreicher Ratgeber. Die Minerale sind nicht einfach nur in den Tabellen aufgelistet. Zu vielen Mineralien findet man auch in den Texten nützliche Hinweise, ob sie stabil sind oder nicht oder was man beachten sollte. Und überall da wo ein "könnte", "gelegentlich", "vereinzelt beobachtet", "nur in starken Laugen", "nur bei hoher Konzentration" und so weiter steht, gibt es Spielraum für eigene Versuche. Nicht jede chemische Reaktion, zu der man eine Reaktionsgleichung aufstellen kann, läuft auch wirklich ab.
Und dann gibst es da noch die andere Gruppe von Mineralien, die nicht in den Tabellen auftaucht. Zu dieser Gruppe gehören zum einen Teil alle Minerale die bisher keine Reaktion gezeigt haben (unter haushaltsüblichen Bedingungen). Der andere Teil wurde sicherlich noch nicht dahingehend untersucht. Das kann daran liegen dass das Mineral einfach zu selten ist, um die Versuche durchzuführen oder das Mineral in Paragenesen vorkommt, wo entsprechende Verunreinigungen gar nicht auftreten. Es ist allerdings eher unwahrscheinlich, dass ein bis zum Redaktionsschluss hinreichend bekanntes Mineral doch eine Empfindlichkeit zeigt, die so bis dahin nicht dokumentiert ist. Aber Minerale sind ja immer wieder für Überraschungen gut und wenn es Fehlbestimmungen sind die sich über 100 Jahre und länger halten, bis es dann mal einer merkt.
Sollte man also in die Gelegenheit kommen ein Mineral reinigen oder behandeln zu wollen, dass nirgends in dem Buch auftaucht, gibt es zwei Möglichkeiten:
1. Das Mineral ist so reaktionsträge, dass man es gefahrlos behandeln kann, beziehungsweise es ist so hartnäckig, dass man mit konventionellen Mitteln keine Chance hat es zu entfernen.
2. Der Autor wäre sehr dankbar, wenn man ihm das Ergebnis und die Versuchsbedingungen der Reinigungsversuche mitteilt, falls eine unerwartete, beziehungsweise unerfreuliche Reaktion aufgetreten ist.
Für die mechanische und chemische Behandlung oder Reinigung sind zudem eigene Erfahrungen immer sehr hilfreich. Chemisches Hintergrundwissen ist auch immer nützlich. Bei der chemischen Behandlung ist allerdings Zurückhaltung geboten, wenn man nicht über das Wissen verfügt, was bei den einzelnen Reagenzien alles an gefährlichen Substanzen entstehen kann. Man sollte sich dann auf die Methoden und Mittel beschränken, wo man die Gefahren kontrollieren und abwenden kann.
Das Buch ist mit seinen Tabellen sehr umfangreich, umfassend und bietet für viele Probleme zur Reinigung, Behandlung und Aufbewahrung Lösungen an. Es ist aber kein Allheilmittel und nicht jedes Problem ist mit haushaltsüblichen Mitteln lösbar. Zudem wird in dem Buch oft darauf hingewiesen, dass Vorversuche notwendig sind, um unerwünschte Nebeneffekte rechtzeitig zu erkennen. Natürlich kann man auch ganz andere Methoden ausprobieren, als in den Buch beschrieben werden. Es gehört deshalb immer auch eine gewisse Portion Experimentierfreudigkeit dazu.
Das Felsenmammut