Ich stells mal zur Diskussion: gibt es wirklich keinen Kompromiss zum Geotop=Sammelverbot?
Ich kann ja Forst und Eigentümer verstehen. Das Wild stürzt (wirklich???) in die Löcher, die Bäume verlieren den Halt. Fakt ist, dass durch Buddelei Schaden entsteht. Fazit: Verbot!
Andererseits werben doch die Behörden mit Geotopen nach dem Motto: Geh hin und schau dirs an. Aber welcher Tourist, wenn er denn nicht irgendwie mineralogisch vorbelastet/interessiert ist, nimmt denn ein Geotop als Wanderzielüberhaupt wahr? Und ist er (der Vorbelastete) erst mal dort: Was hat er von der grünen Waldbodendecke, unter der er genau weiß, dass sich dort jenes verbirgt, was ihn interessiert (was das Geotop ja überhaupt ausmacht..). Ist doch irre, oder? Der Weg in die Grauzone ist doch absehbar.
Wie ich die Fundstellen der Schneekopfkugeln und auch der Kugeln am Heiteren Blick kenne, liegen die meist auf Waldlichtungen. Im Fall Heiterer Blick ist es ein ehemaliger Steinbruch wohl mit Windbruchschaden. Ok, keine unkontrollierten "Raubgrabungen" (Ihr erinnert Euch???). Aber warum den Claim nicht abstecken, einzäunen (Kein Wild fällt in Löcher...), Schlüssel beim Eigentümer gegen Enthaftung und meinetwegen gegen erträglichen Obulus holen?
Das Geotop bliebe so aktiv (und damit auch für den Nichteingeweihten, der zufällig vorbei kommt, überhaupt als interessantes Naturphänomen erkennbar), die Schäden kontrollierbar und der Sammler hätte die Möglichkeit, aus dem "Grauzonenbereich" heraus zu kommen. Was über Jahrhunderte ging, scheitert jetzt an der fehlenden Kompromissfähigkeit der beteiligten Seiten. Was nützen denn dem Eigentümer Achate, die er niemals selbst ausbuddeln will? Was nützt dem Sammler (und ich greif mal weiter: was nützt den zukünftigen Generationen) die Gewissheit, dass Achate noch vorhanden sind, aber unsichtbar im Boden liegen...
Jeder Steinbruch wird nach einer Umweltverträglichkeitsprüfung eröffnet oder nicht. Warum unterstellt man solchen Sammelclaims von vorn herein, dass sie nur dauerhaft Schaden erzeugen? Ich kann aus eigener Erfahrung berichten, dass es für die Umweltverträglichkeit (und sogar für das Recht auf Enteignung privaten Landbesitzes) genügt, wenn der Steinbruchsbetreiber in seiner Umweltverträglichkeitsprüfung darlegt, das Restloch als Biotop (Teich) zu hinterlassen. Mal angenommen, nach 10 oder 15 Jahren ist im Claim tatsächlich nix mehr zu finden. Dann gewinnt die Natur die Fläche zurück. Und die Achate liegen als sichtbares Bild der Naturwunder in Vitrinen - nicht nur in privaten. Dort bleiben sie auch den zukünftigen Generationen erhalten.
Stellt Euch doch nur mal vor: Freiberg stellte seinen Silberbergbau ein, weil er Schaden verursachte und den zukünftigen Generationen noch die Gewissheit erhalten werden sollte :Theoretisch könntet Ihr morgen Silber abbauen. Lasst Euch also ja nicht einfallen, auch angesichts hoher Weltmarktpreise das Geotop Freiberg anzurühren! Kauft lieber woanders, wir zeigen Euch die renaturierten Halden...
Was ich meine: Wem nützt ein ruhendes Geotop? Im Unterschied zu Biotopen können wir die Forschung leider nur betreiben, wenn wir in die Tiefe gehen... Wenn wir (damit meine ich die Gesellschaft) so weiter denken, sind bald alle Naturflächen geschützt. Und woher ziehen wir dann neue Erkenntnisse, wenn es nur wenigen vorbehalten bleibt, im geschützten Raum zu forschen? Die Mineralogie ist wohl unbestritten nur mit der Mithilfe der vielen privaten Sammler zu dem geworden, wie sie sich heute darstellt. Es gibt wohl niemanden, der sich nicht an einer schönen Mineralstufe erfreuen kann. Aber derjenige, der sie ans Tageslicht holte, der wird kriminalisiert. Da muss es doch Kompromisse geben...