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Autor Thema: Mineral in der Kreide/Kalk - Neuburger Kieselweiss + "Inoceramenquarzit"  (Gelesen 6532 mal)

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Offline Helicat135

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Hallo,
ich war neulich in Neuburg an der Donau sammeln.
Dort suchten wir u.a. in einem Werk, in dem ich dachte, Malmkalke vorzufinden. Nun erfuhrt ich, dass dies sog, Kieselweiss ist, also KREIDE.
In der Kreide/Kalk (what ever) waren "Einsprenglinge" - sah etwas aus wie Hornstein, war aber deutlich rauher und mit glänzenden Partikeln. Vielleich etwas Richtung weisser Sandstein, vom otpischen.
Hat irgendwer eine Idee, was das ist?

Offline Blackminer

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Re: Mineral in der Kreide/Kalk
« Antwort #1 am: 01 Oct 08, 18:56 »
Um die Diskussion anzustoßen!

Schick mal ein Bild von dem zweifeilhaften Stück.

Den Begriff Hornstein würde ich erstmal nicht so einsetzen.
Der Begriff "Hornstein" gehört in die Quarzgruppe. Passt bei dir sicher auch z.T.
Doch gibt es Unterschiede in der Bezeichnung.
Lt. Rösler ist der Hornstein eine Variätät des "Feuersteins".
 
Im Erzgebirge werden viele Bildungen (ist schlecht zu beschreiben, muss man sehen) als Hornstein bezeichnet.
Also, kann Hornstein auch eine regionale Bezeichnung sein.

Viele Grüße!
« Letzte Änderung: 18 Dec 13, 19:09 von oliverOliver »

Offline Helicat135

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Re: Mineral in der Kreide/Kalk
« Antwort #2 am: 01 Oct 08, 19:08 »
Also erstens, ich habe davon kein Foto alldieweil ich das Ding , oder besser eins davon, nicht mitgenommen habe.
Stell Dir mal bitte so einen Klak/kreiseklumpen vor, der ist reinweiss und hat diese Einsprenglinge. Von weitem sieht das aus wie auf Rügen der Flint. Nur weiss.
Nun hast Du es aber in der Hand und es ist rauh von der Oberfläche her. Und spröder als Flint. Im Sonnenlicht erkennst Du einzelne, verwachsene Kristalle und das ganze Ding klitzert. Kennst jemand den Laaser Marmor? So ähnlich wirkt das....

Offline stoanklopfer

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Re: Mineral in der Kreide/Kalk
« Antwort #3 am: 02 Oct 08, 01:33 »
Hallo!

Wenn ich "Kieselweiss" lese, dann gehe ich davon aus, daß es sich um ein "kieseliges" Sediment handelt, nicht um (karbonatische) Kreide. Ich kenne einige Vorkommen in Österreich, in denen sog. Diatomit abgebaut wird. Dabei handelt es sich um z.T. mächtige Ansammlungen von kieseligen Gehäusen von i.w. Diatomeen (Kieselalgen). Könnte es vielleicht sein, daß auch dieses Vorkommen ein Diatomit ist?

stoanklopfer

Offline stoanklopfer

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Re: Mineral in der Kreide/Kalk
« Antwort #4 am: 02 Oct 08, 01:48 »
Nochmals Hallo!

Habe mich soeben durchgegoogelt zu www.hoffmann-mineral.net (hätte ich schon vorher tun sollen). Scheinbar - nach den Materialspezifikationsblättern - handelt es sich um ein Quarz-Kaolinit-Gemisch, das hier gewonnen, veredelt und vertrieben wird. Daher ist es auch nicht weiter verwunderlich, daß darin "hornsteinähnliche" Einschlüsse zu finden sind. Kaolinitische Erden entstehen v.a. durch tiefgreifende Verwitterung (speziell in tropischen Bereichen), bei der im fortgeschrittenen Stadium durchaus auch SiO2 frei wird und entweder aus dem System abgeführt (bei starkem Lösungsumsatz) oder in Form von kieseligen Knollen und Lagen angereichert werden kann (bei geringer "Auswaschung").

stoanklopfer

Offline Helicat135

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Re: Mineral in der Kreide/Kalk
« Antwort #5 am: 02 Oct 08, 05:34 »
Ahja. Faszinierend, was ihr immer so rausfindet  :D

Kann man denn in dem Zeug was finden?

Offline caliastos

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Re: Mineral in der Kreide/Kalk
« Antwort #6 am: 02 Oct 08, 08:03 »
eigentlich nicht. heißt ja nicht umsonst tiefgründig verwittert. die feldspäte sind zu kaolin vergammelt, der quarz bleibt meist erhalten. quarz-kaolin-gemische sind entweder stark vergammelte granite/gneise oder sandsteine aus deren abtragungsschutt. natürlich kann da ein fossil mit hineinkommen, aber da alles sehr stark vergammelt ist, ist die chance relativ gering . wenn es nichts sedimentiertes ist sogar gleich null.

Isarkiesel

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Re: Mineral in der Kreide/Kalk
« Antwort #7 am: 02 Oct 08, 15:25 »
@helicat: Ich wiederhole meinen Tipp: Schau Dir die Sammlungen im Museum in Schloß Neuburg an (etwas unsystematisch finden sich die Fossilien im dortigen Archäologie-Museum :D).

Offline caliastos

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Re: Mineral in der Kreide/Kalk
« Antwort #8 am: 02 Oct 08, 16:06 »
die sücke in der sammlung sind doch an sich mehr aus den kalken.

Offline Doc Diether

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Re: Mineral in der Kreide/Kalk
« Antwort #9 am: 02 Oct 08, 16:53 »
Hallo,
wenn ich ans Nördlinger Ries denke, dann gibts feuerstein-ähnliche Knollen dort im Kalk.
Doc Diether

Offline Helicat135

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Re: Mineral in der Kreide/Kalk
« Antwort #10 am: 02 Oct 08, 21:16 »
Naja, aber irgendwo zwischen dem "Gammel" und der Erdkrume sollte doch was interessantes Stecken, oder? Da sind ja noch deutlich mehr Horizonte aufgeschlossen.

Ich würde ja gerne nach Neuburg gehen - komme da nur vorerst nicht mehr hin...

Offline caliastos

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Re: Mineral in der Kreide/Kalk
« Antwort #11 am: 02 Oct 08, 22:08 »
im unvergammelten ist das natürlich was anderes. da läßt sich sicher was finden.

Offline oliverOliver

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ok, ich weiß das Thema ist schon uralt, trotzdem:
Informationen dazu gibt es in:
• Karl Beurlen, Horst Gall, Gerhard Schairer, Die Alb und ihre Fossilien, Kosmos-Franckh 1978.
Auch dort wird von Hornsteinknollen im „Neuburger Kieselweiß“ gesprochen – dem sogenannten „Wellheimer Inoceramenquarzit“. Mit Quarzit im eigentlichen Sinn (Metamorphit) hat das natürlich nichts zu tun – es handelt sich um marine oberkreidezeitliche Silizite – also „Hornstein“ als allgemeiner Überbegriff wäre da schon passend. Allerdings dürften die weißen bis grauen Knollen etwas grobkörnig und keineswegs so hochqualitativ wie der „nordische“ Flint sein.
Und – ja, wie schon die Bezeichnung „Wellheimer Inoceramenquarzit“ sagt, es gibt in diesen Sedimenten Fossilien, allerdings weiß ich nichts über deren Erhaltungszustand und Häufigkeit (habe das angeführte Buch dzt. nicht greifbar, sondern nur in meinen Notizen nachgesehen).

und noch ein paar Links zum Kieselweiß (incl. Mineralien + Fossilien, näher auf die Hornsteine eingegangen wird nur im letzten):
http://www.bgr.de/app/litholex/gesamt_ausgabe_neu.php?id=2008117
http://www.mineralienfreunde.de/Oberbayern/neuburg.html
http://www.fossilien-journal.de/cms/red/iv/iv-2005/iv-2005-06.php?print=true
http://www.hoffmann-mineral.de/Neuburger-Kieselerde/Neuburger-Kieselerde-einzigartiger-Rohstoff
http://jme.collections.natural-europe.eu/content/8009bb46-b0b3-4591-93e5-8c28a694aea1

edit:
Also entweder waren meine Notizen nicht sehr genau, und/oder es werden überhaupt wieder mal Begriffe unterschiedlich verwendet. Nach dem ersten Link ist „Wellheimer Inoceramenquarzit“ jedenfalls ein Synonym für die Wellheim-Fm, zu der auch das Neuburg-Kieselerde-Member gezählt wird (und nicht der Ausdruck für die kieseligen Knollen !).
Nach dem Beitrag von Mörs im Archaeopteryx (5. Link) folgt in einer der stratigrafischen Einteilungen (Tillmann 1964) hingegen der Inoceramenquarzit auf das Neuburger Kieselweiß.
Verkieselungen aus den Grobsanden (also nicht aus dem Kieselerde-Member) werden jedenfalls auch Kallmünzer genannt (kieselig gebundene klastische Gesteine, sog. „Zementquarzit“, was wiederum mit echtem Quarzit nichts zu tun hat).
„Gaisite“ sind nach Mörs 1991 (5. Link) hingegen knollige Bildungen von durch kieseliges Bindemittel verkitteten Kieselerden – das könnte also am ehesten dem eingangs beschriebenen Material entsprechen. Mörs 1991 stellt die alten Literaturangaben zusammen, wonach auch dieses Material früher als „Zementquarzit“ bezeichnet wurde, obwohl es nur vereinzelte Sandkörner enthält. Um die Verwirrung perfekt zu machen, wird aber dann auch der Inoceramenquarzit zu diesen Gaisiten gezählt – dieser Terminus wird also sowohl als Synonym für die Wellheim-Fm, als auch als Bezeichnung für die Kieselkonkretionen verwendet !
Die „Hornsteine“, die im oben angeführten Buch erwähnt werden, werden wohl ebenfalls den (hochwertigen/gut verkieselten) „Gaisiten“ entsprechen, sind aber nach den im www auffindbaren Infos und Quellen nicht eindeutig zu identifizieren – da brauchte es intensivere Recherche. Nach dem was ich jetzt dazu gelesen habe, tippe ich mal auf eher minderwertige Spiculite, da im Kieselweiß Kieselschwamm-Spicula ein wesentlicher Bestandteil sein sollen –  also wohl Spiculite (oder allgemeiner Spongiolite) mit einem gewissen Klastenanteil.
« Letzte Änderung: 18 Dec 13, 21:38 von oliverOliver »