Hallo Helmi!
Was die Zeitangabe angeht: Spirorbis gibt es von (? - das erste Auftreten in der Erdgeschichte kenne ich selber nicht) bis rezent, in zahlreichen Arten. Und die Farbe... Wie Du schon anmerkst, liegen Deine auf Grund des geringen Alters sicherlich in Originalschale vor, während meine Exemplare diagenetisch zu gröber kristallinem Calcit umgebildet wurden, der dazu noch Fe und C aus dem Sediment aufgenommen hat und dadurch auch dunkler gefärbt ist.
Spirorbis ist auch rezent in der Nord- und Ostsee verbreitet. Sieh mal hier, das hat doch wirklich seeehr große Ähnlichkeit mit Deinen Exemplaren:
http://www.guiamarina.com/balticsea/03%20Animals/06%20Polychaeta/Spirorbis%20borealis.htmhttp://images.google.de/imgres?imgurl=http://www.uco-bn.fr/Galerie_Biologie/Photos/Zoologie/Ann%25E9lides/images/Spirorbis%2520spirorbis%2520Spirorbe%25203mm%2520Landrellec(22)1%2520Mai03.jpg&imgrefurl=http://www.uco-bn.fr/Galerie_Biologie/Photos/Zoologie/Ann%25E9lides/pages/Spirorbis%2520spirorbis%2520Spirorbe%25203mm%2520Landrellec(22)1%2520Mai03.htm&h=384&w=512&sz=140&hl=de&start=27&um=1&usg=__6Fp26oH6zFo_Kdafwnaku9QJZ0Q=&tbnid=nqptRKxMUVcP9M:&tbnh=98&tbnw=131&prev=/images%3Fq%3Dspirorbis%26start%3D18%26ndsp%3D18%26um%3D1%26hl%3Dde%26sa%3DNIch muss Loddah widersprechen:
Denke auch eher an Schnecke:
Anfang der Spirale ist kugelig, bei Serpeln ist das, wenn sichtbar, meistens spitz. Die Anwachsstreifen sind für Serpeln auch zu regelmäßig...
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bei Serpeln ist das, wenn sichtbar, meistens spitz
Oft ja, aber nicht immer. Die Form des initialen Röhrenanfangs ist extrem von der Beschaffenheit des Substrats abhängig, je nachdem, ob es für die Larve attraktiver war, sich punktuell oder eher flächig anzuheften. Ich habe ca. 100 fossile Spirorbis ausgewertet (von über 500, die aus 100 g Sediment isoliert werden konnten) und dabei sowohl runde als auch spitze Röhrenanfänge festgestellt, ohne signifikante prozentuale Tendenz hin zu einer der beiden Formen.
Was noch wichtiger ist: Mir sind keine Kleinschnecken bekannt, die bereits im ganz jungen Juvenilstadium zur Entrollung ihrer Spirale neigen. Eines Deiner Fotos zeigt aber genau das. Auch dies ist typisch für Spirorbis, zumal wenn die Entrollung nötig war, um auf Umweltveränderungen wie ansteigenden Sedimentspiegel oder teilweise Überdeckung mit neuen Larvengenerationen zu reagieren. Röhrenwürmer sind ja immer darauf angewiesen, freien Zugang zum umgebenden Wasser zwecks Atmung und Nahrungsfiltration zu haben.
Die Anwachsstreifen sind für Serpeln auch zu regelmäßig
Wie gesagt ist gerade das für Spirorbis charakteristisch. Die Anwachsstreifung spiegelt dabei eine Rhythmizität im Stoffwechsel bzw. bei der Kalkabscheidung wider; durch welche Faktoren diese gesteuert wird, ist noch nicht geklärt, es handelt sich aber - schon in Anbetracht der vielen Anwachsstreifen bei einem Exemplar - sicherlich nicht um jahreszeitlich bedingte Faktoren. Denkbar wäre ein Tag-Nacht-Rhythmus. Obwohl einige Tiefsee-Röhrenwürmer ein Alter von bis zu 250 Jahren erreichen können - bei einer Röhrenlänge von bis zu 3 m (Lamellibrachia luymesi) - sind die meisten kleinen Röhrenwürmer sehr kurzlebig; ihre Lebensspanne reicht von einigen Monaten bis zu wenigen Jahren.
Bei meinem Stücken kommt die Anwachsstreifung auf den Fotos auf meiner HP nicht so gut zur Geltung, da sie schon bedingt durch die Umkristallisation abgeschwächt wurde. Deswegen habe ich auch das eine Fragment zusätzlich mit abgebildet, das noch kräftige Streifung aufweist.
Die von Dir abgebildete Schnecke aus der gleichen Schicht (übrigens eine Landschnecke) passt gut zu einem Interglazial. Ich habe den Namen nicht präsent, aber sie kommt auch häufig in hiesigen vollterrestrischen pleistozänen Sedimenten vor. Wahrscheinlich stammt die Schicht aus einem Küstenbereich, in dem marine und terrestrische Fossilien gemischt wurden. Die Gehäuse der Mikrolandschnecken können übrigens von der Küste auch weit aufs Meer verdriftet werden, weil die Oberflächenspannung des Wassers ein Volllaufen der winzigen Windungen über lange Zeit verhindert. Spirorbis kann ebenfalls, wenn sie auf Algen bzw. Seetang oder treibenden Pflanzenresten aufsiedelt, weit verdriftet werden.
Wenn Du Interesse an einer Klärung jenseits von Bestimmungsversuchen an Hand der Forumsbilder hast, könntest Du mir eine Probe zuschicken (dafür braucht es ja kein großes Paket

) und ich kann mir die Exemplare mal im Original ansehen. Wegen des geringen Alters liegt es nahe, sie mit rezenten Spirorbidae zu vergleichen und einen Bestimmungsversuch auf Artebene zu wagen. Also bei Interesse bitte PM.
Gruß,
Triassammler