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Autor Thema: caliche  (Gelesen 10156 mal)

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Offline Druide

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caliche
« am: 19 Oct 08, 17:44 »
Hallo,

hier habe ich ein paar Bilder von bunten Tonsandstein. Bei meinen Nachforschungen bin ich auf Caliche gekommen.
Kann das möglich sein?
Wenn nicht
wie kann diese Farbe zu stande kommen?
Danke für mögliche Antworten

Maria

Offline Collector

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Re: caliche
« Antwort #1 am: 19 Oct 08, 18:23 »
Haloo

Caliche ist ein chilenischer Ausdruck für die in der Atacama-Wüste vorkommenden Salze mit hohem Natriumnitrat (Salpeter)-Gehalt (bis etwa 8%). Tonsandsteine sind keine Caliche.

Die rote Färbung der abgebildeten Tonsandsteine kommt von Eisenoxid (Hämatit).

Gruß
collector

Offline Erik

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Re: caliche
« Antwort #2 am: 19 Oct 08, 19:12 »
Die violette Farbe wird i.d.R. auf das Verhältnis zwischen 2- und 3-wertigem Eisen und die Beteiligung von Manganoxiden zurückgeführt; häufig werden solche bunten Schichten als Emersionsfläche (Auftauch-,  Aufarbeitungshorizont, fossile Böden) interpretiert.

Ist aber auch völlig normaler Buntsandstein - deswegen heißt er ja Bunt- und nicht einfach Rotsandstein  ;)

Gruß, Erik
« Letzte Änderung: 19 Oct 08, 20:07 von Erik »

Offline Druide

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Re: caliche
« Antwort #3 am: 19 Oct 08, 19:34 »
Hallo,

ich habe Emersionsfläche nachgelesen. Dabei bin ich auf

kalkigphosphoritischer Steinkerne gestoßen. Da meist keine Bilder bei der Beschreibung sind,
muß ich weiter nerven und fragen
sind die nachfolgenden Bilder solche
kalkigphosphoritischer Steinkerne
Danke für Antworten

Marie
« Letzte Änderung: 19 Oct 08, 19:39 von Druide »

Offline Druide

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Re: caliche
« Antwort #4 am: 19 Oct 08, 19:38 »
und wenn hier schon Kerne angesprochen werden
hier ein Kern

Haldenschreck

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Re: caliche
« Antwort #5 am: 19 Oct 08, 19:46 »
Caliche ist ein chilenischer Ausdruck für die in der Atacama-Wüste vorkommenden Salze mit hohem Natriumnitrat (Salpeter)-Gehalt (bis etwa 8%). Tonsandsteine sind keine Caliche.

hallo,
also wir haben mal in der libyschen wüste caliche-straßen gebaut, gleichbedeutend mit "zementierten" kalksteinen (mit anderem mist, wie sand usw.). caliche wird regional sehr unterschiedlich gebraucht. der chilenische ausdruck ist einer von vielen, aber leider nicht der typische.

@druide: sorry, nix caliche

haldenschreck

Offline Erik

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Re: caliche
« Antwort #6 am: 19 Oct 08, 19:48 »
Nein, das hat nichts mit "kalkigphosphoritischen Steinkernen" zu tun. Das was Du da gelesen hast, bezieht sich auf völlig andere Gesteine und Bildungsbedingungen.

Nach den letzten Bildern würde ich behaupten, dass Du auf die "Violette Grenzzone" bzw. "Karneol-Dolomit-Bank" als +/- Grenze zwischen dem Mittleren und dem Oberen Buntsandstein gestoßen bist. Typisch dafür ist diese violette Verfärbung der Sandsteine und genau diese teilweise sehr bizarr geformten Knollen, bei denen es sich meist um Dolomitknauer oder zumindest dolomitische Sande handelt. Häufig kommen in diesen Schichten auch Karneol-/Chalcedonknollen und Gerölllagen vor und der Sandstein ist oft verkieselt. Das war ein solcher Aufarbeitungshorizont.

Versuch mal, ob diese Knollen mit Säure reagieren.

Gruß, Erik

Offline Druide

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Re: caliche
« Antwort #7 am: 19 Oct 08, 19:52 »
nein auf Säure reagierten diese Teile nicht.

Aber da du Karneol an sprichst,
wenn du Lust hast schau dir mal den Beitrag an
Zum trommeln für Trommeln
Die habe ich aber nicht in dieser Schicht gefunden sondern obenauf.

Gruß Marie

« Letzte Änderung: 19 Oct 08, 19:55 von Druide »

Offline triassammler

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Re: caliche
« Antwort #8 am: 19 Oct 08, 21:20 »
Hallo Druide,

geologisch bezeichnet man als "Caliche" Böden, die durch Evaporationsvorgänge mineralisch zementiert wurden. Sprich, es gibt Grundwasser (ggf. auch nur saisonal), und es ist warm. Das Grundwasser steigt kapillar zur Oberfläche auf, verdunstet dort und lässt die mitgeführten gelösten mineralischen Bestandteile zurück. In der Regel ist dies Kalk, je nach Region auch Salz, Gips, Salpeter... Ausschlaggebend ist, dass die Mineralabscheidungsrate durch Evaporation größer ist als die Auflösungsrate bei Niederschlägen (d. h. die Niederschlagsperiode muss kürzer sein als die Trockenperiode). Die Mineralausfällung führt im Allgemeinen zu einer Verkittung der Bodenpartikel und -komponenten. Es entsteht eine sehr harte, zementartige Schicht, die ggf. mehrere Meter mächtig sein kann. Ehemals wasserlösliche Stoffe können bei der Ausfällung auch neue, nicht mehr oder nur schwer lösliche Verbindungen eingehen, so dass die Caliche sich selbst vor Auflösung schützt. Das Wachstum von Pflanzenwurzeln wird gehemmt oder sogar ganz unterbunden, und die Konzentration von Salzen kann pflanzenschädigende bzw. -tötende Werte erreichen.
So persönlich u. a. in der Betischen Kordillere beobachtet, wo Rodung und Überweidung die Wasserspeicherfunktion der Böden ruiniert hat und ungehemmtes Calichewachstum die Landschaft in eine unbenutzbare Kümmersteppe verwandelt...

Fossil gibt es ebenfalls Caliche-Böden, auch in der Trias und somit auch im Buntsandstein. Diese sind aber meist weniger bunt als einheitlich grau-weißlich, da sie überwiegend aus evaporiertem Kalk bestehen. Typisch ist darüber hinaus, dass man die ehemaligen Polyeder des Bodens (das, was man an der Oberfläche normalerweise als von Schrumpfungsrissen voneinander getrennte Brocken oder Platten erkennt) andeutungsweise als mehr oder weniger eckige Brocken andersartiger Färbung noch in der fossilen Caliche erkennen kann. Eine fossile Caliche ähnelt damit optisch stark einem Konglomerat oder einer Brekzie.

Wichtig bei dem ganzen ist: Bei Caliche handelt sich um eine Bodenbildung. Ursprüngliche Gefügemerkmale des Gesteins, aus dem sich der Boden entwickelt hat, sind nicht mehr vorhanden. So lässt sich auch ein fossiler Boden nicht als "Tonstein" o. ä. ansprechen und sieht auch nicht wie ein solcher aus.

Nun zur Sache: Das von Dir Abgebildete ist keine Caliche. Ich schließe mich Erik an, dass es sich um einen Aufarbeitungshorizont handelt. D. h. bereits abgelagerte und (teil)verfestigte Gesteinsschichten wurden durch Meeresüberflutung bzw. sich ausbreitende Flusssysteme erodiert, die Trümmer teilweise rundgeschliffen und in einer Matrix aus feinerem Material wieder abgelagert.

"kalkig-phosphoritische Steinkerne" bezieht sich auf Fossilerhaltung. Ein Steinkern ist immer der Ausguss eines Hohlraums, der durch die Auflösung eines toten Organismus' zurückgelassen wurde. Es gibt mehrere Mechanismen, wie ein Steinkern entstehen kann, hierzu weiß ein geologisches Wörterbuch mehr zu berichten. Eine dieser Möglichkeiten ist eben, dass der Steinkern ganz oder teilweise phosphoritisiert werden kann bzw. von Anfang an als Phosphorit in dem Hohlraum entsteht.

Natürlich entstandene Ausgüsse anorganisch entstandener Hohlräume im Sediment (z. B. durch Auflösung von Kristallen) nennt man übrigens paläontologisch "Marken", mineralogisch "Pseudomorphosen".

Gruß,
Triassammler

Offline Druide

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Re: caliche
« Antwort #9 am: 19 Oct 08, 22:04 »
Hallo Triassammler,
vielen Dank für deine Mühe meine Fragen zu beantworten. Du kannst gut erklären.

Bis ich mir das Buch von Hans Füchtebauer von meinem Mann erschmeichelt habe wirds noch ein wenig dauern :)
Sein Rat:
Frag doch mal ob dir das einer kopiert :D :D :D

Wie es aussieht muß ich euch noch ein wenig mit meinen Fragen quälen ;)
Gruß Marie



Offline triassammler

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Re: caliche
« Antwort #10 am: 19 Oct 08, 22:34 »
Hallo Marie!

Danke für das Lob  :D

Zitat
Frag doch mal ob dir das einer kopiert
Oh, das wäre aber illegal  :'( Und bei dem Volumen eh kaum zu machen - warum fragst Du nicht Deinen Mann, ob er es in einer Bib ausleiht und dann für Dich kopiert? Aber in Farbe!  ;D
Wär doch was zu Weihnachten...  ;) Und sooo teuer ist das Werk ja auch nicht, über manche Themen wurden dünnere Bücher mit wesentlich höherem Preis (und zugegeben wesentlich geringerem Leserkreis) geschrieben...

Vielleicht ist auch hier was für Dich dabei:
http://www.schweizerbart.de/pubs/series/sammlung-geologischer-führer011.html
Die Bücher sind klasse! Es wird die ganze Schichtfolge der jeweiligen Region vorgestellt, die Gesteine, Fossilien, Aufschlüsse...

Gruß,
Triassammler


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Re: caliche
« Antwort #11 am: 19 Oct 08, 23:14 »
Hallo Triassammler,

der Tip war nur ein Witz meines Mannes  :)
Ich WILL das Buch und so bekomme ich es auch ;)
Ich werde deinem Link nach gehen
Danke
Marie


Online stoanklopfer

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Re: caliche
« Antwort #12 am: 20 Oct 08, 01:13 »
@triassammler: Wirklich gut erklärt!! Hut ab.

stoanklopfer

Offline Erik

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Re: caliche
« Antwort #13 am: 20 Oct 08, 01:34 »
Aber da du Karneol an sprichst (...) Die habe ich aber nicht in dieser Schicht gefunden sondern obenauf.
Angenommen, es handelt sich dabei wirklich um die Violette Grenzzone, so ist diese nicht unbedingt als scharfe Grenze zu verstehen, sondern kann zwischen wenigen Zentimetern und mehreren Metern schwanken. Insofern wäre das vielleicht noch okay.

(...) Fossil gibt es ebenfalls Caliche-Böden, auch in der Trias und somit auch im Buntsandstein. (...)
Wobei die Bröckeldolomite aus der Violetten Grenzzone auch als Bildungen durch Evaporationsvorgänge - oberflächennaher Grundwasserspiegel oder lagunenähnlicher Flachwasserbereich mit gleichzeitiger hoher Verdunstungsrate - erklärt werden; also eigentlich doch sowas wie "Caliche"?

Gruß, Erik

Offline triassammler

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Re: caliche
« Antwort #14 am: 20 Oct 08, 02:33 »
@stoanklopfer: Danke fürs Lob, ich hab den Text leicht abgeändert ins Lexikon gestellt...

@Erik:
Zitat
also eigentlich doch sowas wie "Caliche"?
Ahämtja, da fangen eben die Probleme der Abgrenzung an. Das ist, wie einen Ammoniten eindeutig bestimmen zu wollen, der im Übergang von zwei Arten steht. Subaquatische Zementationsporzesse gelten jedenfalls nicht als Caliche, also auch nicht Dolomitabscheidung in Flachwasserbereichen, so dies so zu Stande gekommen sei... Und so lange man die sedimentäre Dolomitgenese und ihre möglichen zeitlichen Abläufe im Detail immer noch nicht verstanden hat hüte ich mich davor, irgend etwas Dolomitisches eindeutig als primär oder diagenetisch entstanden ansprechen zu wollen. Deswegen möchte ich ohne sonstige bodenkundliche Merkmale die Bröckeldolomite auch nicht als Caliche bezeichnen.

Mit der einschlägigen Literatur an der Hand habe ich über Dolomite im Unterkeuper geforscht; hätte ich der Literatur geglaubt, wären manche Bänke je nach Partie, aus der die Probe stammte, sowohl frühst- als auch spätdiagenetisch entstanden. Da herrscht Wirrwarr.

Karneol passt m. W. auch nicht zu terrestrischen Böden - ist da nicht subaquatisches Milieu zur Bildung nötig?

Gruß,
Triassammler

 

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