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Autor Thema: Rollmarken von Ammoniten  (Gelesen 7180 mal)

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Offline triassammler

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Rollmarken von Ammoniten
« am: 25 Oct 08, 13:23 »
Hallo,

ohne besondere Zielsetzung möchte ich mal einen interessanten Fund vorstellen, der mir schon vor längerem in den Plattenkalken von Painten (Oberkimmeridge/Untertithon) geglückt ist: Eine Schichtfläche mit dem Negativ einer Ammonitenrollmarke. Diese kommen zwar in Painten in bestimmten Profilabschnitten sehr häufig vor, das Besondere bei diesem Fund ist jedoch, dass sich der Verursacher einigermaßen eingrenzen lässt und kein ganz alltäglicher Bestandteil der Plattenkalk-Ammonitenfauna ist:

Links oben und rechts unten auf der Platte ist jeweils eine halbmondförmige Doppelreihe von "Dornen" erkennbar, wobei der Abdruck links oben deutlicher ausgeprägt ist. Zwischen beiden Abdrücken liegt eine Schleifmarke undefinierter Form. Leider wurde die Platte nicht aus dem Anstehenden geborgen, aber andere Schleifmarken lassen den Schluss zu, dass die Transportrichtung von links oben nach rechts unten verlief. Auf Grund der Bedornung (und zwar 2 Reihen von Dornen pro Windung, eine auf dem Innen- und eine auf dem Außenbug) ist der verursachende Ammonit in die Gruppe der Aspidoceratidae einzuordnen. Dem Augenschein nach handelte es sich um ein einzelnes Windungsbruchstück und nicht um einen kompletten Phragmokon.

Was auf der Platte abläuft: Nach unbekannter Vorgeschichte landete das Windungsfragment links oben auf der Platte und hinterließ dabei einen deutlichen Abdruck der Dornen. Das Fragment muss leicht genug gewesen sein, um durch die Dornen auf dem Sediment abgestützt zu werden und keinen Abdruck der ganzen Windung zu hinterlassen. Die Lage war strömungstechnisch instabil, die aufgebrochene Dorsalregion zeigte entgegen der Strömung. So konnte das Fragment mit der nächsten Wasserbewegung (Welle?) leicht wieder auf aufgenommen werden, wurde angehoben und danach schräg mit der Externseite über das Sediment abgerollt, so dass sich im nächsten Schritt die Dornen einer Außenbugseite verwischt im Sediment abgedrückt haben. Danach kam das Gehäuse ins Taumeln und hinterließ dabei Schleifmarken des aufgebrochenen Dorsalbereichs, bevor es rechts unten wieder in Seitenlage auf das Sediment fiel und einen erneuten Flankenabdruck mit beiden Dornenreihen hinterließ.

Von anderen Platten ist bekannt, dass noch schwimmfähige, intakte Ammonitengehäuse von Wellen aufgenommen, ein Stück transportiert und dann wieder abgesetzt wurden, bis zur nächsten Welle. Die Wassertiefe war also zuweilen extrem gering, höchstens einige Dezimeter. Gleichzeitig war das Sediment hinreichend zähplastisch, um die Abdrücke gegen weitere Wasserbewegung zu konservieren. Die Anhäufung von Rollmarken auf manchen Schichtflächen zeigt darüber hinaus, dass über längere Zeiträume keine nennenswerte Sedimentation erfolgte.
Von der gleichen Lokalität ist die Laufspur eines kleinen, bipeden Raubdinosauriers bekannt (Zuordnung unbekannt, mit Vorbehalt wird eine Ähnlichkeit mit Compsognathus angenommen), der offenbar das Flachwasser der Lagune durchqueren konnte.
Wie üblich fallen Transport- und Ablagerungsraum der Ammonitengehäuse nicht zusammen; auf den Markenplatten lässt sich kaum einmal ein Gehäuse antreffen. Diese sind an anderer Stelle in Schilllagen angereichert.

Die Platte erzählt also eine Geschichte über die Umweltbedingungen in der Plattenkalklagune von Painten. So etwas finde ich zuweilen interessanter als den Fund eines kompletten Ammoniten  :D

Ein paar Fragen habe ich hierzu aber noch:
- Hat jemand ähnliche Funde in Plattenkalken gemacht, oder ganz allgemein interessante Rollmarken in Plattenkalken gefunden? Würde mich interessieren, was da noch so alles zu beobachten ist.
- Hat jemand ein Bruchstück eines Euaspidoceras, Paraspidoceras oder Aspidoceras abzugeben, das ich der Platte als Vergleichsstück für den Verursacher beigesellen könnte? Ausdrücklich erwünscht ist in diesem Zusammenhang ein Windungsbruchstück, also wäre "Sammlungsabfall" kein Problem. Auch das stratigraphische Alter ist nicht so wichtig.
- Es wäre großartig, wenn jemand eine begründete Vermutung äußern könnte, um welche Gattung es sich beim Verursacher konkret handeln könnte. Vielleicht findet sich ja ein Experte, dem die Anordnung der Dornen etwas sagt?

Gruß,
Triassammler

PS: Sorry für den Gelbstich, mit Weißabgleich geht der Kontrast völlig verloren.

Offline triassammler

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Re: Rollmarken von Ammoniten
« Antwort #1 am: 25 Oct 08, 13:26 »
Anbei noch ein Bild einer der "üblichen" Paintener Rollmarkenplatten, fast ausschließlich mit Kielmarken "perisphincter" gerippter Ammoniten, die die vorherrschende Transportrichtung anzeigen.

Offline caliastos

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Re: Rollmarken von Ammoniten
« Antwort #2 am: 25 Oct 08, 15:37 »
also diese sohlmarken kenne ich jetzt selber nur aus dem flysch. die dingerlassen sich an sich in jedem sediment finden. müssen nicht mal von ammoniten sein. alles was lose über den meeresboden holpern kann kann groove casts erzeugen. es gibt somit durchaus mehr. schleifspuren von eis, holz, steinen, fossilresten. durchgezogen oder gesprungen. alles was denkbar ist.

Tapir

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Re: Rollmarken von Ammoniten
« Antwort #3 am: 25 Oct 08, 15:41 »
Ja. Aber der "Trick" ist, dass sie sich mitunter zuordnen lassen. ;)  [s.o.]

Offline triassammler

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Re: Rollmarken von Ammoniten
« Antwort #4 am: 25 Oct 08, 17:33 »
Hallo!

@caliastos: Natürlich gibt es in fast jedem Sediment, das
a) feinkörnig genug ist
b) beweglichen Detritus und Strömung aufweist
c) eine genügend hohe Viskosität zur dauerhaften Erhaltung besitzt
Marken von diversen Verursachern. Im hiesigen Muschelkalk sind es häufig Knochen (habe da sogar eine Platte mit dem zugehörigen Knochen am Ende der Marke), im Keuper sind es oft Holzstückchen. Eben alles, was sich von der Strömung transportieren lässt und und schwer genug ist, auf der jeweiligen Sedimentoberfläche Eindrücke zu hinterlassen. Meistens kann man eben nicht genau sagen, welches Objekt konkret die Marke hinterlassen hat.

Das besondere an den Paintener (und generell an den Plattenkalk-) Sohlmarken ist, dass die Verursacher zum allergrößten Teil Ammonitengehäuse waren und sich auf Grund der ausgzeichneten Erhaltung an manchen Marken sogar der Erzeuger ablesen lässt. Darauf wollte ich eigentlich hinaus. Und dass es gelingt, Platten in solcher Größe zu bergen, dass ausschnittsweise auch komplexere Prozesse der Markenentstehung nachvollzogen werden können. Oder wäre Dir ohne die beiden Flankenabdrücke des Ammonitenfragments klar gewesen, dass auch die Marke in der Mitte von einem Ammonitengehäuse verursacht wurde?
Weiterhin ist in Painten bemerkenswert, dass offensichtlich noch gasgefüllte, intakte und schwimmfähige Phragmokone in Lebendstellung durch das Wasser trieben und nur selten beschädigte Ammonitengehäuse direkt über den Grund geschleift wurden. Das wirft ein Licht darauf, wie einfach Ammonitengehäuse nach dem Tod des Tiers noch schwimmend verdriftet werden können.

Im Flysch dürfte die Transportrichtung von Markenverursachern durch Schlammströme, also gravitativ entsprechend dem paläogeographischen Gefälle, vorgegeben sein, während im Fall Painten Wind (bei Aufsetzmarken, die durch Wellengang verursacht wurden) und beckeninterne Strömungen eine Rolle gespielt haben, also atmosphärische Vorgänge. So lässt sich auf vorherrschende Windrichtungen und damit indirekt auf Aspekte des Paläoklimas schließen. Das ist spannend!

Gruß,
Triassammler

Offline caliastos

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Re: Rollmarken von Ammoniten
« Antwort #5 am: 25 Oct 08, 20:09 »
meinst du das obere bild? da hätte ich gesagt, daß irgendetwas vermutlich rübergerollt ist. als rollende objekte kommt nicht allzu viel in frage. für steine paßt das gestein nicht so recht. tiefsee wird's erst recht nicht sein. bleibt nur relativ flaches wasser. da hier nicht viel runde objekte in frage kommen wäre der erste gedanke wahrlich ammonit gewesen.

Offline triassammler

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Re: Rollmarken von Ammoniten
« Antwort #6 am: 25 Oct 08, 21:48 »
Hallo caliastos,

eigentlich ging mein Beitrag um das untere Bild, das, das dem eigentlichen Beitrag beigefügt war. Die restlichen Ammoniten-Rollmarken gehören an der Lokalität zum Standard, mit diesen Platten könnte man ohne großen Aufwand ein ganzes Zimmer auskleiden. Bei meinem letzten Besuch dort wollte das Bürgermeister-Müller-Museum in Solnhofen einige besonders großformatige Platten für die Ausstellung bergen, was auch ziemlich schnell gelang. Nur hatten wir dann ernsthafte Probleme, alles in meinem Auto unterzubringen  ;D

Das obere Bild sind definitiv Rollmarken von Ammoniten. Wer sich die Mühe macht, kann auch Rippen zählen und könnte bei einigen Marken zu konkreten Gattungsbestimmungen kommen.

Gruß,
Triassammler

Offline hermann

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Re: Rollmarken von Ammoniten
« Antwort #7 am: 26 Oct 08, 11:01 »
Hallo

Irdendwie finde ich das Thema doch spannend. Nur schon die genaue Stachellänge kann schon so an einem Abdruch bestimmt werden.
Schön wäre so eine Platte an Wand mit einem orginalem Stachel Ammo aus diesem Gebiet.

Grüsse

Offline Helicat135

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Re: Rollmarken von Ammoniten
« Antwort #8 am: 26 Oct 08, 15:46 »
Hallo Triassammler,

tolle Stücke sind das. Sowas hätte ich auch sehr gerne in der Sammlung.
Die Idee beides nebeneinadner zu präsentieren - Ammo und Rollmarken- scheinst Du ja zu haben.

Mich interessiert nur: wenn da so eine starke Strömung war, dass Tier über den Boden rollte/hüpfte, warum sind die Spuren dann so deutlich erkennbar?
Sollte der Sand nicht auch vom Wasser bewegt worden sein?

Grüße

Tapir

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Re: Rollmarken von Ammoniten
« Antwort #9 am: 26 Oct 08, 16:07 »
Hallo Helicat135,

vielleicht hilft Dir beim Verständnis ja ein Blick ins Hjulström-Diagramm. Und: ist das Gestein denn ein Sandstein?  ;)


Außerdem spielen da ja auch noch Gehäuseauftrieb und Strömungswiderstand der (leeren?) Ammonitengehäuse eine Rolle, oder?
« Letzte Änderung: 26 Oct 08, 16:10 von Tapir »

Offline Helicat135

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Re: Rollmarken von Ammoniten
« Antwort #10 am: 26 Oct 08, 17:42 »
Naja, Sand, Lehm, Ton, alles ne Frage der Korngröße  8)

Ich kann mich an Beobachtungen am Meer erinnern, wo man schon deutlich gesehen hat, dass Sediment massiv bewegt wurde.
Ich weiss ja auch nicht, wie schnell/langsam die Dinger gerollt sind.
Wäre halt interessant.

Tapir

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Re: Rollmarken von Ammoniten
« Antwort #11 am: 26 Oct 08, 18:32 »
Naja, Sand, Lehm, Ton, alles ne Frage der Korngröße  8)


Du sagst es. Und in den entsprechenden Diagramm siehst Du auch dass Transport und Korngröße nicht linear zusammenhängen. (Und du warst am Meer in einer Stillwasserlagune und hast gesehen wie die Strömung Sand auf dem Karbonatschlamm transportiert hat?  :o )

Immer dran denken: Meer ist nicht gleich Meer, Strömung nicht gleich Strömung und die Natur ist (und war) schon immer etwas komplizierter. ;)

Offline Helicat135

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Re: Rollmarken von Ammoniten
« Antwort #12 am: 26 Oct 08, 18:49 »
Naja, es war mal Wellengang und mal Gezeitenströmung.

Und, dass die Natur nicht immer durchschaubar ist, stelle ich täglich fest. Da gibts ja die Lieblingsfrage: was ist denn da draussen?!?  ;D

Offline hermann

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Re: Rollmarken von Ammoniten
« Antwort #13 am: 26 Oct 08, 19:23 »
Interessant wären vor allem die Ammoniten mit Stacheln..... ob die nun schnell gerollt sind oder langsam ist doch wurscht ;D

Offline triassammler

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Re: Rollmarken von Ammoniten
« Antwort #14 am: 26 Oct 08, 23:28 »
@Helicat:

Zitat
Die Idee beides nebeneinadner zu präsentieren - Ammo und Rollmarken- scheinst Du ja zu haben.
Joar. Die schwebt mir schon länger vor. Leider wachsen Aspidoceraten mit gut erhaltenen Stacheln nicht auf Bäumen.

Zitat
tolle Stücke sind das. Sowas hätte ich auch sehr gerne in der Sammlung.
Leider ist es fast aussichtslos, als Privatperson für die Lokalität eine Sammelgenehmigung zu bekommen  :'( Das klappt bei mir auch nur alle paar Jahre mal.

Zitat
Mich interessiert nur: wenn da so eine starke Strömung war, dass Tier über den Boden rollte/hüpfte, warum sind die Spuren dann so deutlich erkennbar?
Sollte der Sand nicht auch vom Wasser bewegt worden sein?
Es geht um fast reinen Kalkstein, nicht um Sandstein.
Vorweg mal: Das, was sich in Painten bergen lässt, sind immer die stabilen Hangendplatten mit den Negativen der Rollmarken. Sie sind 5 und mehr mm dick und bestehen aus einem extrem feinkörnigen Coccolithen-Kalkstein mit ca. 3% Tonbeimengung ("Flinz"). Die Liegendplatten, die eigentlichen Markenträger, haben einen Tonanteil von 5-7%, sind nur 1-2 mm dick und zerfallen meist schon beim Aufdecken der Hangendplatte ("Fäule" = faules, unbrauchbares Gestein), . Flinze tragen auf ihren Oberseiten meist keine Marken, und wenn doch, dann nur sehr undeutlich. Das Erhaltungspotenzial für die Marken ist also im Tongehalt des Sediments begründet.
Die Adhäsion der Coccolithenplättchen  (D = 5-20 Nanometer) zusammen mit der vergleichsweise hohen Tonbeimengung ist in diesem Mikromaßstab sehr hoch, der Kalk-Ton-Schlamm war zur Zeit der Markenbildung zähplastisch. Weiter spielen Mikrobenmatten auf der Sedimentoberfläche eine Rolle, die die Oberfläche frühzeitig fixiert haben. Die Matten lassen sich indirekt durch Abdrücke von Zerreissungen, Entgasungskanälen (sog. Spratzmarken) u. a. nachweisen. Auch eine kleinmaßstäbliche Wasserschichtung durch unterschiedliche Salinität ist denkar. Die Sprungschicht zwischen den Wasserkörpern unterschiedlicher Salinität wirkt dann in gewissem Maß auch als hydromechanische Grenze. Das Hjulström-Diagramm berücksichtigt solche zusätzlichen Faktoren nicht.
Natürlich hat dies nicht auf jeder Schichtfläche einer Fäule funktioniert. Es gibt auch Schichtflächen, auf denen die Abdrücke nur schemenhaft hinterlassen oder erhalten wurden. Teilweise lässt sich auch beobachten, dass auf ein und derselben Fläche unscharfe und detaillierte Abdrücke gemeinsam vorkommen, wobei die detaillierten Marken die unscharfen überschneiden. Hier wurden offensichtlich in mehreren Episoden bereits geprägte Marken wieder ausgelöscht und danach neue hinterlassen.

Interessant ist, dass Liegend- und Hangendplatte im Bereich einer Marke oft schlechter trennen als auf ungestörten Schichtflächenbereichen. Neben der besseren Verzahnung durch die Markenskulptur könnte hier auch eine Rolle spielen, dass eine bereits bestehende Mikrobenmatte bei der Markenprägung beschädigt wurde und sich neu aufgelagertes Sediment so besser mit dem Liegenmaterial verbinden konnte, als dies bei einer intakten, trennenden Mikrobenmatte der Fall gewesen wäre.

Es ist also durchaus machbar, dass einerseits genügend starker Wellengang bzw. ausreichende kontinuierliche Strömung geherrscht hat, um die Marken entstehen zu lassen, andererseits das Sediment zäh genug war, um nicht direkt von der Strömung beeinflusst worden zu sein. Wenn wir davon ausgehen, dass die Ammoniten überwiegend als leere Gehäuse in die Lagune verdriftet wurden, war auch kein besonders großes Gewicht zu bewegen und damit keine große Strömungsenergie zu postulieren.

Als Hintergrundinfo sei gesagt, dass die Plattenkalklagen episodische Sedimentationsereignisse darstellen. Außerhalb der Lagune wurde durch Wetterereignisse Kalkschlamm aufgewirbelt und als Kalktrübe in die Lagune verfrachtet, wo er sich in kurzer Zeit (wohl wenige Tage) zu einer einheitlichen Plattenkalklage abgelagert hat. Danach herrschte längere Zeit Stille, während der unter normalen Wetterbedingungen Marken, Spuren und Organismenreste auf die Sedimentoberfläche gelangten und sich Bewuchs durch Mikrobenmatten einstellte. Das nächste Sedimentationsereignis hat diese Fläche dann rasch bedeckt und somit konserviert. Wie man so schön sagt: "Die Zeit steckt in den Fugen, nicht in den Platten selbst."
Fäulen stellen Perioden besonders geringen Kalkeintrags dar, so dass die Hintergrundsedimentation an eingewehten und eingeschwemmten Tonmineralen Bedeutung erlangen konnte. Die Ablagerungszeit einer Fäulenschicht war also noch einmal höher als die einer gleich mächtigen Flinzlage.

@hermann:
Zitat
Nur schon die genaue Stachellänge kann schon so an einem Abdruch bestimmt werden.
Nicht bei diesem Stück, denn wenn ich den Windungsabdruck nicht dazu habe, kann ich nichts über die absolute Eindringtiefe der Stacheln ins Sediment aussagen. Dazu kommt, dass die Stacheln bzw. Dornen der Aspidoceraten dem eigentlichen Gehäuse nur aufsitzen und über eine von einer Schalenlamelle gebildete Sollbruchstelle von diesem abgetrennt sind. Bricht ein Dorn ab, bleibt ein Höcker zurück. Sollte der Abdruck also von einem Gehäusebruchstück mit beschädigten oder abgebrochenen Dornen stammen (und davon ist bei einem Gehäusefragment auszugehen), ist die Tiefe der Abdrücke nicht mit der Länge der Stacheln eines intakten Exemplars gleichzusetzen. Ich muss wohl parallel mit Exemplaren mit intakter und "verstümmelter" Erhaltung vergleichen...
Möglicherweise komme ich weiter, wenn ich Abstände zwischen Dorneninnen- und Außenreihe und zwischen den einzelnen Dornen messe, sowie die absolute Anzahl der Dornen pro Windung hochrechne. Ich habe das Stück nicht bei mir zu Hause deponiert und komme wohl erst irgendwann in den nächsten Wochen dazu, wieder direkt an ihm zu arbeiten.

@Helicat nochmal:
Zitat
Interessant wären vor allem die Ammoniten mit Stacheln..... ob die nun schnell gerollt sind oder langsam ist doch wurscht
Nein, ist es eben nicht. Der Ammonit erzählt mir keine Geschichte, der steht nur tot in der Vitrine rum und setzt Staub an. Toll wäre, Ammonit und Marke nebeneinander präsentieren zu können, damit würde ein Stück Erdgeschichte lebendig.

Gruß,
Triassammler

 

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