Armageddon im Labor:
Forscher stellen Meteoriteneinschlag nach
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Twente (Niederlande) - Was passiert genau, wenn
ein Meteorit auf die Erdoberfläche prallt? Ein
Laborexperiment an der niederländischen Universität
Twente erlaubt nun einen Einblick in die gewaltige
Dynamik eines solchen Ereignisses. Die verschiedenen
Phasen des Aufpralls offenbaren sich ihnen über den
Fall einer zweieinhalb Zentimeter großen Stahlkugel
in einen locker geschichteten Sandhaufen. Mit
Hochgeschwindigkeitskameras hielten die Forscher
die Abläufe detailgetreu fest und berichten darüber
in einer Vorabveröffentlichung in der Physikdatenbank
"Arxiv.org".
"Es gibt eine erstaunliche Ähnlichkeit mit gigantischen
Meteoriteneinschlägen auf der Erde", sagt Devaraj van
der Meer vom Fachbereich Physik an der niederländischen
Hochschule. Aus einer ganzen Serie von Laboreinschlägen
konnten sie auf eine immer wiederkehrende Abfolge von
Ereignissen zurückschließen. Unmittelbar nach dem ersten
Kontakt türmen sich die Sandkörner - alle rund 50 Millionstel
Meter groß - in einem kronenförmigen Ring auf. Beim weiteren
Einsinken der Kugel entsteht eine Leere, in die weitere
Sandmengen unter dem Einfluss eines hydrostatischen Drucks
kollabieren. Dadurch werden weitere Sandkörner aus der
Einschlagsregion herausgeschleudert und formen sich zu
filigranen Fontänen aus. Zurück bleibt ein Krater mit
einer darin versunkenen Stahlkugel.
Parallel zu ihrem Experiment versuchten van der Meer und
Kollegen dieses Verhalten mit einem theoretischen Modell
zu beschreiben. Die Ergebnisse dieser Experimente könnten
sehr hilfreich für die Rekonstruktion früherer
Meteoriteneinschläge sein, so die Forscher. Sowohl
regionale Verwüstungen, die Kraterbildung als auch die
in die Atmosphäre geschleuderten Materialmassen mit
darauf folgenden Klimaveränderungen ließen sich mit
Hilfe der neuen Modelle abschätzen. Die Wissenschaftler
von der Universität Twente hoffen, noch offene Fragen
in der Erdgeschichte beantworten zu können.
Links: Universität Twente:
http://www.utwente.nlLehrstuhl "Physik der Flüssigkeiten":
http://www.tn.utwente.nl/pof/Fotoserie des Aufpralls im Labor:
http://physicsweb.org/box/news/8/6/12/LohseAstronomie, Geowissenschaften, Planetenforschung
Quelle: Twente Universität
Flussrinnen auf dem Mars: Staub statt Wasser
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Piscataway, New Jersey (USA) - Viele der auffälligen
Flussrinnen an steilen Berg- und Kraterhängen auf dem
Mars sind möglicherweise nicht durch Wasser, sondern
durch feinen Staub entstanden. Das behaupten jetzt
amerikanische Forscher auf Grund von Experimenten.
Demnach bewegen sich Staublawinen auf dem Mars wegen
der schwächeren Anziehungskraft längere Zeit wie eine
Flüssigkeit. Die Wissenschaftler veröffentlichten ihre
Ergebnisse jetzt in den "Proceedings of the National
Academy of Sciences".
Schon die Bilder der Marssonden in den 1970er Jahren
zeigten zur Überraschung der Forscher Strukturen, die
ausgetrockneten Flussläufen ähneln. Heute gibt es kaum
mehr Zweifel daran, dass es auf dem Mars vor Milliarden
von Jahren offenes Wasser gab - auch die jüngsten
Ergebnisse der amerikanischen Marsroboter bestätigen dies.
Die Flussrinnen an Krater- und Berghängen jedoch
scheinen jüngeren Datums zu sein und sind möglicherweise
erst vor wenigen Millionen Jahren entstanden. Damit
stellten sie die Marsforscher bislang vor große Rätsel -
gibt es an einigen Stellen bis heute Wasser unmittelbar
unter der Oberfläche? Die Experimente von Troy Shinbrot
von der Rutgers University in New Jersey und seinen Kollegen
zeigen nun eine andere Erklärungsmöglichkeit für die "Gullies"
auf: Lawinen extrem feinen Staubs verhalten sich auf dem Mars
wie eine Flüssigkeit und können daher die Flussrinnen
schaffen. Auf der Erde setzt sich der Staub dagegen zu
schnell ab, der Staubfluss kommt zum Erliegen - deshalb
hatten die Forscher bislang Staub als Erklärung
ausgeschlossen.
Links: Rutgers University:
http://www.rutgers.edu/Wissenschaft aktuell
Quelle: Nature online