Gesteine / Rocks / Rocas > Gesteine / Rocks / Rocas
Gesteinsdatenbank
Stefan:
Hallo Leute,
wir haben ja schon zahlreiche Gesteine bei und im Lexikon. Es wäre wohl an der Zeit eine Gesteinsdatenbank analog der Mineraliendatenbank aufzubauen.
Haben wir berufene Fachleute die mir ein wenig Input geben könnten wie wir das machen sollten.
Auf der einen Seite brauchen wir eine Aufstellung aller Gesteinsnamen, auf der anderen Seite welche eigenschaften müssten wir bei den Gesteinsnamen mit angeben um ein Gestein trefflich zu beschreiben. Über Input von Euch würde ich mich freuen.
Gruß Stefan
smoeller:
Hallo,
Erstmal: Die Idee ist nicht schlecht.
Aber:
Das ist leider nur nicht so einfach wie bei den Mineralen. Bei den Magmatiten gibt es schon Kriterien (TAS-Diagramm, CIPW-Normen, Streckeisen-Diagramm), nach denen man Gesteine charakterisiert. Hier gibt es dann auch festgelegte Namen. Bei den Metamorphiten ist es viel schwieriger. Hier gibt es insbesondere den Faziesbegriff, aber innerhalb einer Fazies können sehr unterschiedliche Gesteine mit unterschiedlichem Mineralbestand auftreten. Beispiel: Granulitfazies. Es gibt Granulite, die sehr granitähnlich sind und in dieser Form eben als Granulit bezeichnet werden. Darunter fallen dann Granulite im eigentlichen Sinne (Quarz, Kalifeldspat, Plagioklas, z.T. Orthopyroxen), aber auch Pyroxengranulite, Disthengranulite, Prismatingranulite. Dann gibt es aber halt auch Gneise (z.T. Cordierit-Biotit-Gneise), die ganz anders aussehen und ganz andere Minerale beinhalten, aber dennoch zur Granulitfazies zu zählen sind. Wo sollte man da den Trennstrich ziehen? Was ist ein eigenständiges Gestein und was nur eine Varietät. Gneise können in Aussehen, Struktur, Ausgangsgestein, Mineralbestand, Korngröße usw. sehr variabel sein. Sollte man hier für jede Variante eine eigene Seite aufmachen oder eher nur eine mit dem Überbegriff Gneis?
Glück Auf!
Smoeller
caliastos:
ähm? aufstellung allergesteinsnamen? dir ist klar, daß das um einiges mehr sind als minerale? von den unterschiedlichen lokalbezeichnungen mal abgesehen.
grundunterteilung wieder:
magmatische (plutonit/vulkanit getrennt), metamorphe (xy-faziell, ht/lp, lt/lp...) und sedimentäre (marin/terrestrisch/biogen/abiogen/klastisch...) gesteine. dazu dann wieder die weiteren untergruppen. z.b. am streckeisen-diagramm für magmat. festgemacht: http://de.wikipedia.org/wiki/Streckeisendiagramm
die namen variieren natürlich durch mineralbestand, gefüge, entstehung, lokalität, komponnenten usw. die gesteinseigenschaften einzeln aufzuzählen ist wahnsinn. nimm 10 stofflich gleiche granite und die eigenschaften variieren alle. der eine ist poröser, der andere gröber, der andere fester usw. ---> nur als spanne möglich
wichtig generell sind:
mineralbestand, korngröße/-form, gefüge, bindemittel...
+/- farbe, dichte, 1-axiale festigkeit, porosität,
dazu unterschied von frisch zu verwittert...
um nur paar zu nennen.
am sinnvollsten halte ich für die beschreibung die klassische aus der literatur. viele andere werte variieren definitv mit jedem vorkommen, teilweise cm-weise. vieles davon sind speziell an eine gegend gebundene analyseergebnisse.
bsp: ich habe gerade paar salzproben (eine einzige schicht) zum bearbeiten. alle aus einer bohrung aus einem bereich von 20m länge. da sind unterschiede dabei, das ist wahnsinn.
bei so einem datenbankteil würde ich erst einmal zu beginn die gültigen petrogliederungen zur hand nehmen und die zahlreichen gruppen festlegen. darauf aufbauend die vorkommen mit den klassischen gesteinsbeschreibungen, wie sie gültig in jeder gk-erläuterung stehen. darunter dann, sofern vorhanden die laborwerte.
und keine sorge, ein gestein eines vorkommen ließe sich mit mehrerer hundert seiten beschreiben.
Isarkiesel:
Hallo Stefan,
meine Vorredner haben bereits einige Probleme angedeutet, die sich im Zusammenhang mit Gesteinen stellen. Als (einer der wenigen?) Gesteinssammler hier im Forum möchte ich noch aus praktischer Sicht etwas beisteuern:
Bei den Mineralien haben wir über die verschiedenen physikalischen und chemischen Eigenschaften in vielen Fällen genügend Parameter, mit denen sich eine Bestimmung auch an einem isolierten Einzelstück durchführen läßt. Zwar kann das problematisch und aufwendig sein - unsere Mineralienexperten verweisen oft genug auf eine EDX-Analyse, die dem Amateur normalerweise nicht zur Verfügung steht -, aber grundsätzlich machbar ist es.
Bei Gesteinen stellt sich die Lage nun oft genug so dar, dass die Kenntnis des geologischen Rahmens, in dem ein Gestein auftritt, für seine exakte Einordnung viel bedeutender ist als - sagen wir mal - der tatsächliche Mineralbestand (den man, wenn auch mit einigem Aufwand, herausbekommen könnte). Und der fehlt nur zu oft.
Zudem ist in zahlreichen Fällen die makroskopische Ansicht einfach nicht genug. Überspitzt ausgedrückt: Was dem Mineraliensammler seine Röntgenstrukturanalyse, ist dem Gesteinssammler sein Dünnschliff - nur dass es ohne diesen manchmal eben gar nicht geht (und manchmal auch mit diesem begründete Zweifel übrigbleiben).
Das hindert zwar nicht grundsätzlich die Erstellung einer Datenbank, schränkt jedoch IMHO ihre praktische Anwendbarkeit weitgehend ein. Man läuft Gefahr, eine lange Liste von Namen zu erstellen, die niemandem wirklich etwas nützt. Das Problem ist von den klassichen Bestimmungsbüchern bekannt: Es gibt gute Abbildungen repräsentativer Vertreter bestimmter Gesteinstypen zuhauf - aber was nützt das dem Sammler, wenn die Variationsmöglichkeiten so vielfältig sind, dass nach äußerer Anschauung -zig Interpretationen möglich sind?
Gruß,
Holger
caliastos:
wenn ich mich jetzt nicht ganz verkehrt erinnere, so hat allein deutschland ca. 30.000 (oder waren es 300.000?) verschiedene gesteine, ohne anspruch auf vollständigkeit und klar bestimmt. das wird etwas heikel. die anzahl der bekannten minerale ist dagegen lachhaft.
man kann vielleicht die wichtigsten gesteine nehmen, dazu ein wirklich repräsentatives bild. nah + etwas distanziert + dünnschliff im durchlicht und mit pol x (+/- Nx gedreht) und als spaß rem-bilder, falls vorhanden. die eigenschaften sind schon sehr heikel.
wie gesagt würde ich mich da am besten an die normalen geolog. erläuterungen halten was die beschreibung angeht. ist noch am besten. gut ist auch das heft kieselsteine im alpenvorland. in der form kommt evtl. noch das meiste raus. der rest wäre als gimmik gut, sonst wird das zu komplex.
Navigation
[0] Themen-Index
[#] Nächste Seite
Zur normalen Ansicht wechseln