Hallo Holger / Stefan
sorry, aber die generische Einteilung der Gesteine nach Meyer-Marsilius von 1981 ist seit langem überholt, ganz besonders die Systematik der Metamorphite.
Um dem Wirrwar aus unübersehbaren Namen, Familien, Gruppen und total überflüssigen (obsoleten) Namen Herr zu werden, hat es sich ein Gremium internationaler Geowissenschaftler zum Ziel gesetzt, sich auf ein weltweit verbindliches System zu verständigen, zu einigen und festzulegen.
Dieses Gremium ist die Commission on the Systematics in Petrology (CSP), ein Organ der IUGS (International Union of Geological Sciences) .
Bisherige Resultate der IUGS-CSP und deren Sub-Kommissionen SSIR (Subcommission on the Systematics of IGneous Rocks) und SCMR (Suncommission on the Systematics of Metamorphic Rocks) sind die verbindliche Systematik und Nomenklatur für magmatische und für metamorphe Gesteine. Die Systematik der Sedimentite ist noch nicht abgeschlossen und wird von der SSSR (Subcommission on the Systematics of Sedimentary Rocks) wahrgenommen.
Zu den lunaren (Erdmond)-Gesteinen und den Hoch-Mg-Gesteinen gibt es separate Arbeiten.
Die Subkommissionen der IUGS kann man als das petrographische Pendant zur IMA sehen. Die erst (SSIR) begann ihre Arbeit im Jahr 1970, mit dem Ziel, eine Nomenklatur der magmatischen Gesteine zu erarbeiten. Das Resultat waren 145 Fachbeiträge und Kommentare und lag 1988 vor; eine aktualisierte Version wurde 2002 gedruckt.
Die Subcommission on the Systematics of Metamorphic Rocks (SCMR) begann ihre Tätigkeit 1985, bestand aus 33 Mitgliedern, 11 Studiengruppen und einer Arbeitsgruppe aus mehr als 100 Geowissenschaftlern aus der ganzen Welt. Das Ziel der SCMR war, die bis dato weltweit uneinheitlichen Begriffe der metamorphen Petrologie und lokal unterschiedliche Begriffe zu systematisieren und eine weltweit akzeptable Nomenklatur zu erarbeiten. Die Ergebnisse der SCMR liegen seit 2007 als Klassifizierungssystem und Glossar vor (Fettes,D., Desmons,J., 2007; > s.u.)
Neu ist, dass auch Gesteine, welche bisher eine Sonderstellung als Schmelzen, verbunden mit metamorphen Prozessen und welche nicht durch die IUGS - SSIR (s.o.) definiert wurden, in die Nomenklatur der Metamorphite aufgenommen wurden (u.a. Fulgurit, Tektite, Buchit; Blitzschlags- und Brand-(Verbrennungs)-metamorphe Gesteine i.w.S.). Desweiteren wurde der Begriff "Verwerfungsgesteine" (fault rocks; z.B. Kataklasite, Mylonite, Pseudotachylite etc.) eingeführt und die Impaktite systematisiert (wenngleich sie streng gesehen nicht metamorph sind, aber bisher nirgendwo von der CSP definiert wurden).
Gesteins-DatenbankDie Subcommission on Data Bases in Petrology (SDBP) wurde 1985 gegründet, und etablierte die Grundsätze für eine petrologische Datenbank.
Die SDBP erarbeitete den Rahmen einer Datenbank der magmatischen Gesteine. Diese dann als IGBADAT bezeichnete Datenbank enthält allein von der Familie der magmatischen Gesteine bisher fast 25.000 Gesteinsbeschreibungen in mehr als 3 Millionen Berichten . (
http://www.ige.csic.es/sdbp/sdbp.htm).
1988 begann man, die Möglichkeiten zu untersuchen, inwieweit eine Datenbank der sedimentären Gesteine machbar ist; dazu gibt es eine Prototyp-Datenbank (SEDBA (Sedimentary Base)
http://www.koka.ac.jp:8080/ss2/yamamoto/sedba/sedba.htm. )
Es gibt zudem 2 internationale Publikationen über eine Sandstein-Datenbank.
Meine MeinungEine Gesteins-Datenbank, welche dem aktuellen und geowissenschaftlich verbindlichen Stand entspricht, sollte im Sinne einer international verbindlichen Nomenklatur
ohne Kompromisse dem System der Gesteinsfamilien-und gruppen sowie den Begriffen und der Nomenklatur der Gesteinsnamen der jeweiligen IUGS-Kommissionen folgen - auch wenn Meyer-Marsilius und Wimmenauer drunter leiden mögen und wohl einige hundert obsolete Gesteinsnamen verschwinden und neuen Definitionen Platz machen werden (müssen). Hierbei spielt besonders die Protolith-Terminologie die ausschlaggebende Rolle und wird von den Mineralienatlas-Gesteinsdatenbankorganisatoren

so einiges an Neudenken

erfordern.
Ansätze dazu finden sich jedoch schon in diesem Lexikon .
Alles andere ist überflüssig und letztlich verwirrend - so wie Grünbleierz und Buntkupferkies bei den Mineralien.
Die aktuelle Systematik der Magmatite und Metamorphite findet sich in folgenden gedruckten Publikationen:
* Le Maitre, R.W.; (Hrsg), 1989; A Classification of Igneous Rocks and Glossary of Terms; Recommendations of the IUGS, Subcommission on the Systematics of Igneous Rocks (update 2002)
* Fettes, D., Desmons, J., (Hrsg.), 2007: Metamorphic Rocks: A Classification and Glossary of Terms; Recommendations of the IUGS-SCMR.
Gruß
collector