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Autor Thema: Sandentstehung  (Gelesen 11017 mal)

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Offline Helmi

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Sandentstehung
« am: 12 Dec 08, 17:02 »
Hallo,
Im Umfeld der Fundstelle Kühlungsborn/Ostseeküste (10 km) vor Steilufern und an Strandstellen in bzw.unter denen sich eine Tonschicht befindet, die bei starker Brandung stellenweise abgetragen wird,ist violetter bis schwarzer Sand zu finden. Habe herausgefunden, daß dieser Sand aus der Tonschicht stammt (Sandlinsen o.ä.). Der Sand ist stark magnetithaltig (10 - 35%-ig) und besteht aus glasklaren verschiedenfarbigen Körnern. Viele Körner sind kristallin miteinander verschmolzen. Einzelne Körner weisen Eindruckstellen von anderen Körnern bzw. Spuren von Absplitterungen auf. Die Korngröße beträgt 0,2 - 0,5 mm. Mit der herkömmlichen Erklärung der Entstehung von Sand (Erosion und anschließendem Abrollen) ist das für mich nicht erklärbar. Gibt es noch andere Formen der Entstehung von Sand?
Gruß Helmi

Offline smoeller

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Re: Sandentstehung
« Antwort #1 am: 12 Dec 08, 17:12 »
Hallo,

Es handelt sich um Strandseifen. Das sind lokale Anreicherungen von Mineralen höherer Dichte (> 3,2 g/cm3) (Schwermineralen). Diese Minerale waren Bestandteil des normalen Sandes, verhalten sich aber infolge der hohen Dichte anders als Quarzkörner. Sie werden durch die Strömungen halt anders bewegt.

Glück Auf!
Smoeller

Offline Helmi

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Re: Sandentstehung
« Antwort #2 am: 15 Dec 08, 20:26 »
Hallo,
ich dachte da eher an thermische Ursachen wie das Erstarren einer Schmelze oder an extrem starken Druck bei dem das Ausgangsmaterial durch Reibungshitze schmilzt und anschließend rekristallisiert. Die Körner sind mir für Erosion und Abrollen zu rein.
Anbei ein Bild von der Fundstelle.

Offline berthold

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Re: Sandentstehung
« Antwort #3 am: 15 Dec 08, 20:53 »
Hallo,

Zitat
Die Körner sind mir für Erosion und Abrollen zu rein

nein, die reinsten und besten Mineralkörner (Edelsteine) kommen in Seifen vor.  ;)

Gruß
Berthold

Offline triassammler

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Re: Sandentstehung
« Antwort #4 am: 15 Dec 08, 21:34 »
Hallo Helmi!

Zitat
ich dachte da eher an thermische Ursachen wie das Erstarren einer Schmelze oder an extrem starken Druck bei dem das Ausgangsmaterial durch Reibungshitze schmilzt und anschließend rekristallisiert.
In Kühlungsborn aber ganz bestimmt nicht...

Speziell bei Sanden der Ost- (und auch Nordsee) spielt die glaziale Herkunft eine Rolle. Der Sand entstand/entsteht hier nur in verschwindend geringer Menge durch Erosion von Festgesteinen im Küstenbereich; der weit überwiegende Teil stammt aus quartären Moränen und Sandern und wurde aus Skandinavien und vom Grund der heutigen Ostsee antransportiert. Der glaziale Transport wiederum stellt nur den letzten Zerkleinerungsprozess dar... Ausgangsmaterialien der Geschiebe waren zu einem bedeutenden Teil bereits reife paläozoische bis frühmesozoische  Sandsteine der ehemaligen sedimentären Decke Skandinaviens. Und diese wiederum gehen nicht selten auf die Erosion altpaläozoischer und proterozoischer Sandsteine und Konglomerate zurück.
Viele der Komponenten des Ostseesandes haben also bereits mehrere Phasen von Erosion, Zerkleinerung und Frachtsonderung hinter sich. Darüber hinaus weisen die meisten Schwerminerale eine geringere Härte als Quarz auf, was ihre Zerkleinerung in Relation zum Quarz begünstigt.

Die von Dir geschilderten "Eindruckstellen anderer Körner" (Drucklösungserscheinungen) sind ebenfalls gut erklärbar, wenn man davon ausgeht, dass die Körner vor der endgültigen Erosion in einem Sandsteinpaket zusammengepresst waren.

Zitat
Viele Körner sind kristallin miteinander verschmolzen
Dafür könnte man Sammelrekristallisation während der Diagenese verantwortlich machen.

Es ist eine verbreitete Fehlannahme, dass der Sand der Ostsee in Gänze oder zumindest überwiegend direkt auf das "Abkratzen" von kristallinem skandinavischem Grundgebirge durch die eiszeitlichen Gletscher zurückgeht. Tatsächlich wurde das skandinavische Grundgebirge, relativ betrachtet, dadurch kaum in Mitleidenschaft gezogen, aber großflächig mächtige - und viel weniger widerständige - Sedimentdecken abgehobelt.
Es gibt Schätzungen, nach denen während des Quartärs durchschnittlich bis zu 200 m Sedimente, aber nur 10 bis max. 20 m Kristallin abgetragen wurden. Das proterozoische und paläozoische Grundgebirge war nämlich bereits vor dem Quartär so stark eingerumpft, dass nicht mehr viel da war, an dem die Gletscher hätten ansetzen können.

Gruß,
Triassammler

Offline caliastos

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Re: Sandentstehung
« Antwort #5 am: 16 Dec 08, 21:32 »
was meinst du eigentlich mit zu rein? gerade der transport über lange strecken führt zu einer teilweise beachtlichen reinigung. diese reifen sandsteine oder sande können eine reinheit aufweise, die das ausgangsgestein nie hatte.

Offline Helmi

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Re: Sandentstehung
« Antwort #6 am: 17 Dec 08, 19:59 »
Hallo,
Die Körner der Seifen stammen eindeutig aus der Tonschicht (s.Fundstellenbild).Stehen jedenfall hier nicht mit dem Strandsand in Verbindung. Die Stellen findet man deutlich sichtbar an frisch freigelegten Stellen in der Tonschicht. Im Sand sind sie nur unmittelbar vor der Tonschicht zu finden und verschwinden nach dem nächsten Überfluten, wenn kein weiterer Abbruch erfolgt. Sie heben sich deutlich vom hier vorherrschenden Sand durch ihre Korngröße (1/2x) und Gestalt ab.
Unter rein verstehe ich mikroskopisch rein (µm-Bereich Durchsichtigkeit, Oberfläche).
Gruß Helmi

Offline caliastos

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Re: Sandentstehung
« Antwort #7 am: 18 Dec 08, 20:35 »
auch tone wurden mal abgelagert, erodiert, unterbrochen, umgelagert, überlagert... daher sind sandlinsen, die schwerminerale (an sich ein idiotischer begriff) enthalten nicht verboten.

genausogut können seifen heute gebildet und erodiert werden.

sehr reine körner bedeutet folglich, daß sehr robuste minerale ohne vorschäden abgelaert sind. eben diese gibt es nur durch weite transporte. alles andere macht vorher schlapp.

Offline Helmi

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Re: Sandentstehung
« Antwort #8 am: 21 Dec 08, 20:20 »
Hallo Triassammler,
deine Äußerung "In Kühlungsborn aber ganz bestimmt nicht..." kann ich so nicht stehen lassen. Habe selbst unweit von Kühlungsborn vor zwei Jahren weißen und erst vor einer Woche schwarzen Bimsstein gefunden. In letzterem waren sandkornartige Kristalle eingeschlossen. Siehe im Bild (Bimssteinbruchstücke) oben. Außerdem liegen die Fundstellen im Bereich des Ascheniederganges des letzten Vulkanausbruches vom Laacher See in der Eifel. Das Problem hier ist nur, daß Spuren von vorzeitlichen vulkanischen und tektonischen Aktivitäten durch glaziale Überlagerungen bzw. Umformungen schwer zu finden sind.
Gruß Helmi

Offline smoeller

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Re: Sandentstehung
« Antwort #9 am: 21 Dec 08, 20:41 »
Hallo,

Sieht eher nach Schlacke aus. Der Bims vom Laacher See ist reinweiß oder hellgrau, aber nicht schwarz. Zudem sind im Norddeutschen Bereich nur Aschen vorhanden.

Glück Auf!
Smoeller

Offline triassammler

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Re: Sandentstehung
« Antwort #10 am: 22 Dec 08, 10:49 »
Hallo!

Zitat
deine Äußerung "In Kühlungsborn aber ganz bestimmt nicht..." kann ich so nicht stehen lassen.
Ich wollte das so verstanden wissen, dass es sicherlich keine in situ-Alteration durch vulkanische oder tektonische Aktivität gegeben hat.

Was den Zusammenhang mit der Laacher See-Eruption angeht, will ich mich mal nicht festlegen.
Ich kenne die Vulkanite der Eifel recht genau, und stimme primär mal smoellers Aussage zu, dass die Färbung nicht passt. Allerdings würde ich speziell bei Mikroproben eine richtige Analyse vorziehen, um solche Vermutungen zu beweisen oder zu widerlegen.
Denkbar wäre in der Tat, dass es sich um Schlackenreste aus (prä)historischen Verhüttungsprozessen handelt. Schließlich liegen viele archäologische Stätten und Siedlungen dank Meeresspiegelanstieg heute vor der Küste der Ostsee.

Ich hatte mal Bernsteinbröckchen in triassischen Schlämmproben und war davon total begeistert. Allerdings machte mich die leicht bräunliche Färbung stutzig. Es stellte sich dann heraus, dass es sich um mikroskopische Splitter von braunem Glas handelte, durchaus sehr rezent. Da hatte wohl irgend ein Steinbrucharbeiter sein Feierabendbier entsorgt, und irgendwie wurden die Splitter durch die Baggerschaufel in die Profilwand verschmiert. Es gibt nichts, was es nicht gibt, beim Thema Probenkontamination.

Gruß,
Triassammler

 

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