Hallo Berthold,
naja, ich dachte daran, dass, so wie Du schreibst, bei unterschiedlichen Temperaturen/Drücken verschiedene Trachten bzw. Formen stabil sind und deshalb bei Temperatur- und Druckänderungen etwas "umgelagert" wird und sich neue Formen ausbilden. Neue Substanz kann natürlich im Einschluss nur noch so viel angelagert werden, wie zum Zeitpunkt der Versiegelung in der Lösung vorhanden war (wenn man mal davon ausgeht, dass der Einschluss dicht ist, was oft genug nicht der Fall sein soll).
Wachstum und Lösung beruhen ja (wenigstens bei Silikaten) anscheinend auf den gleichen Gesetzen und unterliegen anscheinend der gleichen Kinetik.
P.M. Dove, N. Han, J.J. De Yoreo
Mechanisms of classical crystal growth theory explain quartz and silicate dissolution behavior
Proc. Nat. Acad. Sci., Vol.102, 15357-15362, 2005
Da Fluorit, was die chemische Bindung betrifft, eher einfacher gestrickt ist als Silikate, träfe das hier noch eher zu. Wenn ich einen Kristall ins Wasser lege, wird dort immer etwas weggelöst und an anderer Stelle wird Substanz angelagert, ein Kristall ist nichts statisches, sondern hat eine dynamische Oberfläche, auf der sich Auflösungs- und Wachstumsprozesse je nach Umgebungsbedingungen mehr oder weniger im Gleichgewicht befinden.
Bei Zimmertemperatur ist alles natürlich blödsinnig langsam.
Wenn ich richtig gerechnet habe, dauert es z.B. 244 Millionen Jahre bis sich 1 g Fluorit aufgelöst hat, wenn davon jede Sekunde netto 1 Million CaF
2 "Moleküle" in Lösung gehen.
Eigentlich müsste man so erwarten, dass sich nur eine bestimmte Form ausbildet, z.B. Würfel, aber anscheinend gibt es als "Gegengewicht" die Oberflächenspannung und die damit verbundene Tendenz, die Oberfläche/Phasengrenze zu verkleinern.
Vielleicht sind die Unterschiede in der "Stabilität" der diversen Kristallflächen von Fluorit, Calcit, Pyrit, Anatas etc. relativ gering, so dass sich deshalb so viele Formen finden lassen. Der Energiegewinn einer Würfel-Tracht gegenüber dem Oktaeder wäre dann gering im Vergleich zum Energiegewinn, der sich durch eine Verkleinerung der Oberfläche (Kugelform) erreichen liesse.
Da das Wachstumstempo eine wesentlichen Einfluss auf Tracht und Habitus hat und in dem Einschluss wesentlich niedriger ist (bzw. später gegen netto null geht), ist dieser Unterschied vielleicht schon ausreichend, um in den Einschlüssen andere Formen zu beobachten als auf den äusseren Flächen.
Ist aber alles "armchair philosophy"

Gruss
Amir