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Autor Thema: Eure ganz besonderen Fossilien?  (Gelesen 2474 mal)

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Offline triassammler

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Eure ganz besonderen Fossilien?
« am: 05 Jan 09, 12:57 »
Hallo an alle!

Würde mich freuen, wenn dieser Beitrag ein Anlass wäre, dass auch ein paar andere ihre ganz besonderen Stücke vorstellen und ein wenig erläutern...

Das Jahresende hat Gelegenheit gegeben, ein Ultraschallreinigungsgerät heranzuschaffen und einige präparatorische Problematika zu bearbeiten. Mechanisch kaum mit vernünftigem Zeitaufwand von ihrem dünnen Überzug aus natürlichem Kalkzement zu befreien, war es im Ultraschallbad nur eine Sache von Minuten:

Sog. "Riesbelemniten" aus dem Nördlinger Ries!
Beim Einschlag des Riesmeteoriten im späten Miozän kam es zu einer Explosion in der Größenordnung von ca. 250.000 Hiroshima-Bomben (äquivalent ca. 3000 Megatonnen TNT) und dadurch zu einer Druckwelle von ca. 10 Gigapascal, die sich im Gestein halbkugelförmig nach aussen fortpflanzte. Komponenten in duktilen Gesteinen wie den jurassischen Ton- und Mergelfolgen wurden dabei geschockt, d. h. zerbrochen; die enthaltenen Belemnitenrostren boten auf Grund ihrer radialstrahligen Calcitkristallisation perfekte Sollbruchstellen. Die Rostren wurden so, je nach Orientierung in Bezug auf die Schockwellenfront, in regelmäßige Scheiben und trommelförmige Segmente zerlegt.
Die aus dem Krater ausgeworfenen Gesteinsmassen, überwiegend Sedimente der Obertrias und des Jura, wurden in ca. 30 km Umkreis um den Krater als sog. Bunte Brekzie abgelagert und dabei durchmischt. Wo größere Schollen - und damit der Fossilinhalt - intakt blieben, wurden die Segmente der geschockten Belemnitenrostren über die Zeit diagenetisch teilweise wieder miteinander verkittet.
Heute findet man überwiegend freigewitterte Fragmente der geschockten Rostren. Komplette Exemplare sind sehr selten, und noch seltener sind zusammenhängende Schollen, aus denen sich komplette Belemniten auf Matrix bergen lassen. Absolute Highlights sind geschockte Belemnitenschlachtfelder!
Jedes Fragment stellt an sich aufgrund seiner Entstehungsgeschichte aber schon ein sammelwürdiges Stück dar.

Das Nördlinger Ries ist der einzige bekannte Meteoritenkrater, wo duktile, belemnitenführende Gesteine deformiert wurden. Die Riesbelemniten stellen somit einen "endemischen" fossilen Erhaltungszustand dar.

Außer kalkigen bzw. calcitischen Fossilien gibt es in der Brekzie nicht viel zu finden, da Pyrit und Limonit in der wasserdurchlässigen Matrix längst oxidiert und zerfallen sind. In Ablaufrinnen lässt sich neben den Riesbelemniten eine interessante Kleinfauna, leider stratigraphisch mehr oder weniger unsortiert und stets geschockt, finden. Ammoniten sind sehr selten und wenn, dann meistens nur in Bruchstücken überliefert, die im Gegensatz zu den Belemniten nicht miteinander verkittet sind.

Hinweise zum Sammeln: Die Bunte Brekzie findet sich als bis zu 20 m mächtiges Auflager in fast allen Steinbrüchen rund um das Ries und am Kraterrand (z. B. Wemding). Da es keine Straigraphie gibt, an der man sich orientieren kann, ist es Glückssache, eine entsprechend fossilführende Scholle in der Brekzie zu finden. Gute Kenntnisse der Jura-Lithologie sind von Vorteil, um nicht stundenlang fossilleere Keupertonschollen zu durchmustern.
Bei Regen wird die Brekzie zu einer Rutschbahn, und die nächste Steinbruchkante ist nie weit. Es besteht akute Lebensgefahr! Auch bei trockenem Wetter lässt sich die mitunter betonharte Masse nicht unbedingt einfach begehen. Da es in der Vergangenheit bereits zu schweren Un- und Todesfällen mit Betriebsfremden gekommen ist, erteilen nicht alle Steinbruchbetriebe Sammelgenehmigungen. Dies muss unbedingt respektiert werden, kennen die Betriebe das Gefahrenpotenzial ihrer Brüche doch am besten. Wo eine Erlaubnis gegeben wird, sollte man sich unbedingt auf die zugewiesenen Bereich beschränken!


Gruß,
Triassammler

Bildmaßstab: Größe der Objekte zwischen 4 und 6 cm

Edit: Es handelt sich überwiegend um Hibolithes sp., die sich zeitlich dem Callovium und Oxfordium zuordnen lassen.
« Letzte Änderung: 05 Jan 09, 13:02 von triassammler »

 

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