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Autor Thema: Ferritisches Eisen  (Gelesen 5977 mal)

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Offline thdun5

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Ferritisches Eisen
« am: 11 Jan 09, 17:34 »
Hallo,

Bei Lengefeld im Erzgebirge habe ich einmal eine wirklich seltsame Entdeckung gemacht:

Mit Sammelfreunden war ich unterwegs, auf der Suche nach so genannten "feritischen Eisen".
Es wird von einem normalen Magneten angezogen. Aber das seltsame ist, dass ein Metalldetektor (oder Leitungssucher) im normalen Modus (normal lautlos - bei Metall Geräusch) nichts anzeigt und beim Modus 2 (normal hörbares Geräusch - und bei dem gefundenen Zeug geht das Geräusch auf einmal schlagartig weg)  ??? 
Das Zeug sieht schwarz metallisch glänzend aus, ähnlich Magnetit. Da ich das Zeug auf dem Weg zu einer verlassenen alten Kalkbrennerei gefunden habe, dachte ich zuerst an ein Hüttenprodukt, also wo schon Eisen ausgeschmolzen wurde oder an Magnetit. Das Problem ist nur dies, dass zwar Magnetit vom Magneten angezogen wird, aber der Metalldetektor keine Veränderungen zeigt.

Was ist dieses "ferritische Eisen" und wie sind die seltsamen Reaktionen zu erklären ?
« Letzte Änderung: 11 Jan 09, 17:38 von thdun5 »

Offline minuwe

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Re: Ferritisches Eisen
« Antwort #1 am: 11 Jan 09, 18:15 »
Eisen bezeichnet man als ferritisch unter 911°C. (Eisen- Kohlenstoff- Diagramm). Es liegt als so genanntes Alpha- Eisen vor und hat ein kubisch- raumzentriertes Gitter. Außerdem fast Kohlenstofffrei. Jetzt frage ich mich nur, wo in der Natur, besonders in Lengefeld solches Eisen herkommt, eventuell im Zusammenhang mit Kalklagerstätten? In Basalten z. B. kann solches Eisen vorkommen.

Deine Beschreibung des Detektorverhaltens passt eigentlich zu Magnetit. Allerdings reagiert jedes Gerät anders. Magnetit ist ja deutlich härter als Eisen oder Stahl (als Verhüttungsrückstand), ist spöde, Eisen hingegen zäh/ schmiedbar, zerbröselt nicht. Natürliches Eisen ritzt kein Glas, Magnetit sehr wohl. Von daher leicht zu unterscheiden.

Gruß
Uwe

Offline thdun5

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Re: Ferritisches Eisen
« Antwort #2 am: 11 Jan 09, 18:33 »
Das mit dem "ferritisch" habe ich verstanden.
Ich habe jetzt einmal die Strichfarbe getestet und die ist schön schwarz wie Magnetit. Dass Magnetit Glas ritzt, wäre mir neu. Glas wird doch nur von Mineralien ab Härte 6 geritzt und Magnetit hat 5,5-6.
Das Verhalten des Detektors habe ich einmal mit Magnetit von Pöhla ausprobiert. Da ist es genau so. Aber von Magentit aus Italien oder Bolivien tritt das manchmal so ein, aber manchmal auch nicht. Das verwirrt mich noch mehr.
Und warum sprechen die Sammler von dort dann von "ferritischen Eisen", wenn es demnach gar keines ist (oder etwa doch) ?
Ich werde demnächst einmal so ein Stück aufschlagen, vllt. liegt das Geheimnis ja im Inneren.

Offline minuwe

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Re: Ferritisches Eisen
« Antwort #3 am: 11 Jan 09, 18:46 »
Wie verhält sich der Magnetit aus Italien, zeigt der Detektor den freudiger an oder manchmal gar nicht?

edit: habe zur Sicherheit Stück Pöhla- Magnetit, derb, aus dem Erzbunker geholt und auf Glas geritzt, Kratzer im Glas. Du hast aber Recht, es liegt dicht beieinander, deshalb verwende ich altes Fensterglas, welches eher weich ist. Wenn man nicht so kompakten, d. h. bröseligen Magnetit erwischt und modernes härteres Glas nimmt wird es nicht klappen.
« Letzte Änderung: 11 Jan 09, 19:01 von minuwe »

Offline smoeller

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Re: Ferritisches Eisen
« Antwort #4 am: 11 Jan 09, 19:04 »
Hallo,

Man spricht z.B. auch von Ferritspinellen. Gemeint ist hier dann die Wertigkeit (Oxidationsstufe) des Eisens. Man bezeichnet zweiwertiges Eisen als Ferri-, dreiwertiges als Ferro-Ionen (von lat. ferrum = Eisen).

Magnetit ist in den Kalklagern des Erzgebirges allgemein verbreitet.

Glück Auf!
Smoeller

Offline thdun5

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Re: Ferritisches Eisen
« Antwort #5 am: 12 Jan 09, 16:16 »
@minuwe
Beim Magnetit aus Italien (Sardinien) und auch von Griechenland (Insel Serifos) reagiert der Detektor gar nicht darauf, zu mindestens nicht bei allen Stücken. Und ich habe die Härte von Magnetit mit neuerem Glas getestet.

Diese Stücke findet man auf dem Weg von Osten am Berghang, wo sich auf der anderen Seite (NW) das noch heute aktive Kalkwerk Lengefeld befindet. Vom Tal aus findet man kleinere Stücke, die nach oben hin größer und auch reicher werden (aber wirklich nur auf dem Weg). Irgendwann einmal kommt man zu dieser uralten Kalkbrennerei. Es bestehen noch die Überreste der alten Schmelzöfen und der ehemalige große Bruch ist schon mit großen Bäumen bewachen (mind. ca. 40 Jahre alt). Wenn man den Weg dann noch weiter bergaufwärts geht, dann findet man keine solche Stücke mehr. Da liegt es doch nahe, dass es irgendetwas mit dieser alten Brennerei zu tun hat.

Offline smoeller

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Re: Ferritisches Eisen
« Antwort #6 am: 12 Jan 09, 16:28 »
Hallo,

Ist natürlich denkbar, müsste man aber analytisch überprüfen. Bei reinem Erhitzen von Magnetit würde aber Hämatit rauskommemn, was du da bräuchtest ist eher eine Reduktion zu Wüstit.

Glück Auf!
Smoeller

Offline thdun5

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Re: Ferritisches Eisen
« Antwort #7 am: 12 Jan 09, 16:37 »
Hallo,

von außen her stehen ja alle Zeichen auf Magnetit (Farbe, Glanz, Härte, Strich, Verhalten des Detektors teilweise).
Das Schlackenmaterial von dort besteht aus halb gebranntem Kalkstein und hat eine äußerst geringe Dichte.
Aber das Innere muss ich mir einmal anschauen. Das Ergebnis werde ich hier dann auch präsentieren  ;)
Mit weiteren Analysen oder ähnliches werde ich mich evtl. erst nach dem Betrachten des "Innenlebens" befassen.

Gruß
Daniel

Offline minuwe

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Re: Ferritisches Eisen
« Antwort #8 am: 12 Jan 09, 23:52 »
Mich interessiert in dem Zusammenhang noch brennend, woher die Info stammt, dass es da gediegen Eisen geben könnte oder soll. Käme eigentlich einer Sentsation gleich.

Gruß
Uwe

Offline thdun5

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Re: Ferritisches Eisen
« Antwort #9 am: 18 Jan 09, 16:28 »
So, heute habe ich das kompakteste und größte Stück einmal aufgeschlagen. Den feinen Sand und die kleineren Stücke, die beim trennen entstanden, habe ich für eventuelle weitere Versuche erst einmal aufgehoben.

Dazu 5 Bilder:

Bild 1: das Ursprungsstück nach dem Trennen
Bild 2: abgespaltetes Stück

Offline thdun5

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Re: Ferritisches Eisen
« Antwort #10 am: 18 Jan 09, 16:30 »
Bild 3-5 sind Aufnahmen bei kleinster Vergrößerung unter dem Bino

Offline thdun5

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Re: Ferritisches Eisen
« Antwort #11 am: 18 Jan 09, 16:32 »
...

Offline stollentroll

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Re: Ferritisches Eisen
« Antwort #12 am: 18 Jan 09, 18:11 »
Das ist Magnetit.

Glück Auf

Offline thdun5

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Re: Ferritisches Eisen
« Antwort #13 am: 22 Jan 09, 16:11 »
Hallo,

nach dieser Diskussion bin ich der Meinung, dass es wirklich "nur" Magnetit ist.
Warum die Sammler von dort so etwas als "ferritisches Eisen" beschreiben, werde ich noch irgendwann einmal herausfinden.

Ich danke hiermit noch einmal allen, die hier geantwortet haben.

Gruß
Daniel